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Full text of "Die deutschen Familiennamen"

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Die aeutschen 

Samiliennamen 



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Albert Helntze, 

Die deutschen Familiennamen. 



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Die 

Deutschen Familiennamen 

geschichtlich, geographisch, sprachlich. 



Von 



Prof. Albert Heintze, 

Yerfassar von ^Gut Qeotsoh*'. 



Zweite verbeiserte und Mbr vermehrte Auflage. 






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HaUe a.S. 

Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 
1903. 



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DEN/CKE 

Alle Bechte vorbehalten. 



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Vorwort 

zur ersten Auflage. 



JNachdem in den letzten Jahrzehnten eine ganze Literatur über die 
deutschen Eigennamen erblüht ist, habe ich den Versuch gemacht, die 
wesentlichsten Ergebnisse der bisherigen Forschungen, soweit sie die Familien- 
namen betreffen, einem großem Kreise, dem der Oebildeten überhaupt, in 
möglichst übersichtlicher und handliöher Fohh darzulegen. Demgemäß schildert 
der erste Teil dieses Buches zusammenhängend die deutschen Familiennamen 
nach ihrer Entwickelung und ihren Klassen, während der zweite Teil eine lexi- 
kalische Zusammenstellung der wichtigsten Bildungselemente (und Namen) enthält 

Die Grundlage dieser Darstellung bilden zunächst die einschlagenden 
Werke von Förstemann, Pott, Abel, Stark, Andresen, denen sich für die 
Namen der zweiten und dritten Schicht der freilich oft unkritische Vilmar 
anreiht. Wenig Ausbeute lieferten im allgemeinen die Namenbücher, welche 
den Wohnungsanzeiger irgend einer Hauptstadt, meist in ziemlich oberflächlicher 
Art, behandeln. Als entschieden wertvoller erwiesen sich dagegen einige Arbeiten 
in Jahresberichten höherer Schulen. 

Besondere Aufmerksamkeit habe ich auf ein bisher weniger berücksichtigtes 
Gebiet, nämlich auf die geographische Verteilung der Familiennamen verwendet. 
Das bezügliche Material lieferten hauptsächlich, während der letzten Kriege (von 
1866, 1870 — 71), die Verlustlisten der preußischen und deutschen Heere, aus 
welchen ich viele tausende von Namen zu diesem Behufe mit Vorsicht aus- 
gezogen und geordnet habe. 

Auf einem so schwierigen Gebiete, wie die Behandlung und Erklärung 
der Eigennamen ist, kann nur diu'ch vereinte Kräfte vieler größere Sicherheit 
gewonnen werden. Daher gestatte ich mir an alle, welche sich für diesen 
Zweig unserer Sprache und Kultur interessieren, die Bitte, mich brieflich durch 
Beiträge, insbesondere durch Berichtigung etwaiger Fehler, die sich in meiner 
Arbeit finden, freundlichst zu unterstützen. 

und so möge denn dieses Buch, auf welches ich im Lauf der Jahre so 
manche Stunde verwendet habe, zum bessern Verständnis unserer Familien- 
namen und damit auch zur Belebung echt deutschen Sinnes an seinem be- 
scheidenen Teile beitragen! 



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Vorwort 

zur zweiten Auflage. 



1/as ganze die deutschen Familiennamen behandelnde Schrifttum, ins- 
besondere die vielen in letzter Zeit erschienenen Einzelschriften auszuschöpfen, 
konnte auch bei dieser neuen Auflage nicht meine Absicht sein. Durch eine 
solche Erweiterung wäre das Buch überm&ßig angeschwellt luid somit auch fOr 
einen größeren Kreis übermäßig verteuert worden. Immerhin sind mehrere 
tausend Namen dem Lexikon neu eingereiht, unter steter Bevorzugung des 
Gesicherten und Feststehenden. 

In der Abhandlung ist vornehmlich die Übersicht der landschaftlichen 
Verteilung der Familiennamen weitergeführt und auf einen großen Teil des 
hochdeutschen Sprachgebietes ausgedehnt worden. 

Für freundliche Unterstützung sage ich besonderen Dank den Herren 
Archivrat Dr. Jacobs in Wernigerode, Gymnasial -Rektor Prof. Erbe in Ludwigs- 
burg, Prof. Dr. Cascorbi in Münden, Prof. Böhme in Stolp. 

Stolp in Pommern, im Juli 1903. 

A Heintze. 



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Inhalt. 



I. Abhandlung. Seite 

Einleitung 3 

1. Die Elemente der deutschen Familiennamen (dreifache Schicht) 9 

2. Die Personennamen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. Namen der 

Griechen, Römer, Israeliten 9 

3. Die altgermanische Namenwelt 12 

4. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen 19 

5. Weitercntwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft ... 20 

6. Fremdsprachige (kirchliche) Namen 24 

7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen 26 

8. Altdeutsche Vollnamen als Familiennamen 30 

9. Sproßformen der altdeutschen Vollnamen als Familiennamen: 

a) Kürzungen und Verkleinerungen 32 

b) Genetivische Namen 34 

10. Kirchliche Pei-sonennamen als Familiennamen 36 

11. Familien -Namen der dritten Schicht: 

a) Stand und Gewerbe 39 

Werkzeuge und Kleidungsstücke 44 

Speisen 46 

12. Familiennamen der dritten Schicht: 

b) Eigenschaften 47 

Körperteile 49 

Satznamen 50 

13. Familiennamen der dritten Schicht: 

c) Herkunft und Wohnstätte 53 

Adelsnamen 58 

Häusernamen 59 

14. Würdigung der deutschen Familiennamen nach Gehalt und Form 62 

15. Latinisierungen 63 

16. Jüdische Namen 66 

17. Französierungen, Polonisierungen und andere Metamorphosierungen der Neuzeit . 68 

18. Geographische Verbreitung der deutschen Familiennamen 70 



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VIII Inhalt. 

Seite 

19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen: 

a) Niederdeutschland 73 

b) Oberdeutschland 78 

20. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 84 

Beilage 1. Godeberaht 85 

„ 2. Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit 87 

„ 3. Fremdsprachige Namen in Deutschland: 

a) Slawische 88 

b) littauische 90 

c) Romanische 91 

n. 

Namen-Lexikon 93 



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Abhandlung. 



Heintze, Deutsche Familiennamen. 3. Aofl. 



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Einleitung. 

Unsere Geschlechts- oder Familien -Namen erscheinen uns, wenn wir 
genauer nach ihrem eigentlichen Sinne fragen, in der weitaus größten 
Zahl rätselhaft und unverständlich. Denn was bedeuten Namen wie z. B.: 
Hildebrandy Oundlach, Odebrecht, Rüdiger, Amelung? Ist das nicht, wie 
wenn eine Reihe von Rittern vor uns aufmarschierte, aber alle mit geschlos- 
senem Visier? Oder kürzere Namen wie: Renx, Wenx, Benz, Bopp, Bapp, 
Rapp, Rupp, Bromira, Krumtum, Zumtrum! Wird uns da nicht zu 
Mut, als ob wir einen Chor wunderlicher Kobolde sähen, die uns neckend 
umhüpfen? 

Nun, wir wollen es einmal versuchen, ob wir den Rittern ihr Visier 
nicht öf&ien, ob wir die neckischen Kobolde nicht zwingen können, daß 
sie uns standhalten und Namen und Abkunft sagen. 

Denn ein merkwürdig und wunderlich Ding ist es im Grunde doch, daß 
der Mensch in seinem Namen so einen Begleiter durch das Leben erhält, der 
ihm stets mit geschlossenem Visier zur Seite geht, einen Gefährten, der ihn 
von der Wiege bis zur Bahre geleitet, siebenzig, achtzig Jahre lang, und 
dennoch in seinem Wesen nicht erkannt wird, stets nur sein Äußeres, nie 
sein Inneres aufweist — dessen wahre Gestalt also verborgen bleibt. Und 
doch bewahren wir den unerkannten Begleiter so sorgsam, wir dulden es nicht, 
daß er in irgend etwas verkürzt werde, daß ihm ein Buchstab, sollte er 
auch für die Aussprache nichts verschlagen, genommen oder zugesetzt werde, 
wir bewahren den Namen mit allen unorthographischen ck und tx und dt 

So wachen wir sorglich über die äußere Gestalt und Hülle, und um 
den inneren Gehalt und Kern sollten wir uns nicht bekümmern, nie danach 
fragen ? 

Etwas Bedeutungsloses ist ein solcher Name jedenfalls nicht, so sinn- 
los und bedeutungsleer er auch vielfach scheinen mag. Es ist kein leerer 
Schall, welcher rein der Willkür und der Laune des Zufalls sein Dasein zu 
verdanken hätte. Etwas — das kann hier im voraus versichert werden — 
etwas bedeutet von Hause aus ein jeder Name, und dieser Satz behält seine 
Wahrheit auch gegenüber den tausenden unserer Familiennamen, die uns 
so dunkel und unverständlich klingen. 

Aber wie hat denn Sinn und Bedeutung der Namen so sehr 
entschwinden können? — Das hat mehr als einen Grund. Vor allen 

1* 



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£iDleitimg. 



Dingen liegt es am Alter der Familiennamen. Dieselben sind fest 
geworden in der zweiten Hälfte des Mittelalters, also vor mindestens 
500 — 600 Jahren. Damals sind sie fest geworden, d. h. während bisher 
der Name vom Vater auf den Sohn wechselte, wie noch jetzt bei uns die 
Vornamen, so befestigte sich nunmehr allmählich in der Familie ein Name, 
der vom Vater auf den Sohn überging und an dem ganzen Geschlechte 
haften blieb. Diese Entwickelung trat allerdings erst vor etwa einem halben 
Jahrtausend ein; die Namen aber, welche sich damals als Familiennamen 
festsetzten, sind nicht erst damals auch entstanden, sondern gehen, als 
Personennamen, meist weit höher hinauf, bis in die Zeiten der Völker- 
wanderung — es braucht hier nur an die hervorragendsten Gestalten des 
Nibelungenliedes erinnert zu werden, an Siegfried, Hagen, Günther, 
Dietrich, Rüdiger, Namen, die wir sämtlich, wenn auch vielleicht ein 
wenig verändert, in der Gegenwart als Familiennamen, zum Teil auch 
als Vornamen häufig finden. Einzelne reichen noch höher hinauf, bis zu 
den Anfängen der germanischen Geschichte, wie sie uns in freilich lücken- 
hafter Kunde Griechen und Römer überliefert haben, ja über Armin und 
Marbod hinauf in Zeiten, da wohl noch kein Germane Fuß und Speer auf 
den Boden des nachmaligen Deutschland gesetzt hatte. 

Nun haben aber die Eigennamen mit der stetigen Weiterentwicklung 
der Sprache nicht gleichen Schritt gehalten, sie sind je länger je weniger 
mitgegangen, zumal seit sie als Familiennamen festgeworden. Die Ver- 
änderungen, welche die Sprache zu erleiden gehabt, haben sie als das 
geheiligte Eigentum des einzelnen nicht gleichmäßig mitgemacht, sie sind 
stehen geblieben; die Stürme der Zeiten, welche die alten Sitten und Weisen 
hinweggefegt, haben sie nur wenig berührt So stehen die Namen da gleich 
den Ruinen der Ritterburgen, als Zeugen einer vergangenen Zeit Die alten 
Wortformen sind untergegangen in dem sonstigen Gebrauch der Sprache, 
manche Stämme und Wurzelwörter ganz abhanden gekommen, wie Zweige 
eines Baumes, ganze Stämme verdorren; doch in den Namen sind sie noch da, 
wenn auch dem Verständnis entrückt So verstehen wir von dem Namen 
Hildebrand die letzte Silbe wohl noch, was heißt aber bilde? Hier gibt uns 
unser Neuhochdeutsch nicht mehr Aufschluß, wir müssen weiter hinaufsteigen, 
zum Altdeutschen, um den Schlüssel für diesen noch jetzt gar nicht 
seltenen Namen zu holen. Hild heißt Kampf, Schlacht, also Hildebrand: 
Kampfesbrand, Schlachtenbrand — gewiß ein trefflicher Name für einen 
Helden, der wie verzehrendes Feuer um sich her wütet in der Schlacht! 
Ähnlich ist es mit der Silbe mar, berühmt, in Waldemar (berühmt im 
Walten), Oermar (speerberühmt), sowie mit rud, welches gleichfalls berühmt 
bedeutet, in Rudolfe Rüdiger, So könnten der verschollenen Stämme noch 
gar manche aufgeführt werden; andere haben wenigstens ihre Bedeutung 
geändert, wie schalle (ursprünglich „Knecht"), und wir als geborene Deutsche 



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Einleitung. 



müssen bei den Gelehrten Kat suchen, um uns diese urdeutschen Namen 
wie fremde erklären zu lassen. Es ist Moos darum gewachsen, Rost hat 
sich auf das Metall gelegt und will mit behutsamer Hand entfernt sein, ehe 
uns wieder der edle, reine Metallglanz entgegenstrahlt 

So nehmen denn die Eigennamen eine besondere, eine Ausnahme- 
stellung in der Sprache vor allen anderen Wörterklassen ein; sie gehen 
nicht mit der Zeit mit, sie kümmern sich nicht darum, ob man sie versteht, 
sie haben ihre eigenen Formen, die nicht angetastet werden dürfen, ja ihre 
eigene Rechtschreibung. 

Aber es ist nicht allein das hohe Alter der Namen und ihre von 
daher großenteils bewahrte Form, wodurch sie so dunkel und rätselhaft, 
fast hieroglyphengleich geworden sind — auch die mannigfachen Mund- 
arten, in welche sich das Deutsche spaltet, tragen dazu bei, die Bedeu- 
tung der Familiennamen zu verhüllen. Als diese sich bildeten, waren die 
verschiedenen Mundarten Deutschlands noch in vollerer Blüte, eine all- 
gemein herrschende Schriftsprache war noch nicht vorhanden. So setzten sich 
denn auch die Familiennamen für jede Landschaft zunächst in der dort ver- 
breiteten Mundart fest Sieht man sich z. B. die lange Reihe pommerischer 
Namen aus der Zeit Herzog Bogislaws X. an, wie sie Klempin in seinen 
„Diplomatischen Beiträgen zur Geschichte Pommerns** aufstellt, so wird man 
alles, was darin an Namen deutsch ist, eben als niederdeutsch erfinden: 
Apenborch, Benekendorp, van deme Berghe, Bilrebeke, Blome, Boddeker, 
Bokholt usw. Als nun nach Luther das Hochdeutsche auch im Norden 
allmählich als Schriftsprache durchdrang, wurden diese „plattdeutschen" 
Namen allerdings zum größten Teile dem neuen Lautsystem angepaßt, aber 
doch nicht ausnahmslos: viel Niederdeutsches blieb und bleibt stehen. 
So schimmert die ursprüngliche mundartliche Grundlage für ganz Nieder- 
deutschland in den Familiennamen noch überall durch in Formen wie: 
Schulte, Möller, Flashaar, Niebuhr (neben Neubauer), VofSy Utermöhlen 
(„aus der Mühle"), Cassebaum (halbniederd. = Kirschbaum) usw. Dahin 
gehört besonders auch die große Zahl von Verkleinerungsformen auf ke, 
die meist von einheimischen oder auch ausländischen Vornamen herrühren, 
z. B. Oerike von Gerhard, Jahnke von Johannes. Im Oberdeutschen finden 
wir statt dessen die Endung el, auch ^, z. B. Dieiel, Dieiz für Dietrich. 
Diese und viele andere Verkleinerungswörter, oder wenn man will „Schmeichel- 
formen", die sich vorzugsweis als Familiennamen festgesetzt haben, erfor- 
dern zu ihrer EntziflTerung, wenn dieselbe mehr als ein bloßes Raten sein 
soll, Kenntnis der Dialekte und ihrer oft höchst eigentümlichen Formen. 
Wer möchte z. B. durch bloßes Vermuten darauf kommen, daß Hiesel 
aus Matthias, Oilles aus Ägidius, Orolms aus Hieronymus entstanden ist! 
Nicht minder macht sich dies geltend bei der zahlreichen Klasse der von 
Beschäftigungen, von Amt und Gewerbe entlehnten Familiennamen, da 



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Einleitung. 



die Bezeichnungen gerade auf diesem Gebiete landschaftlich oft sehr ver- 
schieden sind. 

Nicht genug, daß die Mundarten ihre Einflüsse geltend gemacht haben 

— alles das ist immer doch noch deutsch — aber auch von außerhalb der 
Grenzen unserer Sprache sind bedeutende Einströmungen erfolgt So wenig 
das jetzige deutsche Volk ein ganz ungemischtes ist, so wenig sind die 
Familiennamen durchweg deutsch. Vor allem ist die Beimischung der 
Slawen hervorzuheben. Diese erfüllten bekanntlich, von den Zeiten der 
Völkerwanderung her, den ganzen Osten Deutschlands bis zur Elbe und 
Saale. Als sie endlich wieder zurückgedrängt wurden, blieben doch viele 
in ihrer seit so langer Zeit eingenommenen westlichen Heimat sitzen und 
wurden erst allmählich und nicht überall germanisiert. Diese Grundlage des 
Slawischen auch in längst wieder deutsch gewordenen Strichen tritt wie in 
den Ortsnamen, so auch in den Familiennamen hervor, ein bedeutender 
Bruchteil ist slawisch: wendisch, polnisch — selbst Tschechen dringen aus 
Böhmen herauf. Vor allen kenntlich sind die polnischen Namen auf ski, 
wie Lichnowskij Kosiiisky] nicht minder aber sind slawisch, meist eben von 
den entsprechenden Ortsnamen entlehnt, die Namen auf ow (mit stummem w): 
Passow; die eiufitxiMiltitx, vergröbert itsch: Delitzsch; die auf in: Schweri7i 

— nicht zu vergessen die mit slawa (Ruhm) selbst zusammengesetzten Per- 
sonennamen: BogislaWy BugslaflF, zuletzt Buixlaff (mit lang zu sprechen- 
dem ?/, „Gottesruhm''). 

Dann ist ein, wenn auch lange nicht so starker, doch immerhin in 
Anschlag zu bringender Bruchteil romanischen Blutes aufgenommen 
worden, hauptsächlich aus Frankreich, in den Auswanderern, welche unter 
Ludwig XIV. ihres protestantischen Glaubens wegen ihr Vaterland als 
„Röfugiös" verlassen mußten und in Deutschland liebevolle Aufnahme und 
eine neue Heimat fanden. Daher nun französische Familiennamen, wie 
Palmier, du Mesnily de Convenant 

Zum Schluß verdient noch Erwähnung, daß selbst das Littauische, 
so entlegen es dem Völkerverkehr ist, sein Fähnlein gestellt hat, z. B. 
Kaprolatis, Adomeit In Berlin sind littauische Namen nicht selten, und 
in Königsberg gar wimmelt es von ihnen. 

So sind denn slawische Elemente von Ost und Südost, littauische von 
Nordost, romanische von West und Südwest eingedrungen und zwar in 
bedeutendem Maße. Man mache die Probe an irgend einer Namenreihe — 
eines Regierungskollegiums, eines Stadtverordneten- oder Lehrerkollegiums 

— in dem östlichen Deutschland, und man wird selten die Namen rein- 
deutsch finden. 

Wir haben es also in der Welt der Familiennamen, wie sie gegen- 
Avärtig in Deutschland ist, mit einem Gemisch nicht bloß aus verschiedenen 
Zeitaltern und Mundarten, sondern sogar aus ganz verschiedenen Sprachen 



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Einleitung. 



ZU tun. Dadurch wird begreiflicherweise die Erforschung der Namen außer- 
ordentlich erschwert Denn wer vollkommen gerüstet ans Werk gehen wollte, 
um die in Deutschland jetzt vorkommenden Familiennamen zu erklären, 
müßte eine sehr umfassende Sprach kenntnis besitzen, nicht allein des 
Deutschen nach seinen Verzweigungen und des Romanischen, sondern vor 
allen Dingen auch des Slawischen, und zwar in seinen verschiedenen 
Mundarten. 

Aber selbst wer diese umfassende Sprachkenntnis besäße, würde doch 
noch genug Hindemisse zu überwinden haben und oft mutlos das kritische 
Messer sinken lassen. Ja, wenn die Namen in reiner, unverfälschter und 
unentstellter Form vorlägen! Aber wieviel Entstellungen, Verstümmelungen 
und besonders Umdeutungen haben sie sich müssen gefallen lassen trotz 
aller beanspruchten Unantastbarkeit, die fremden zumal, die man nicht ver- 
stand! Buhlaff statt liogislaw (BugslafF) ist noch nicht arg; wenn aber 
Wameking (Verkleinerungsform von Werner) sich in Warnkönig, wenn 
Christian sich einerseits in Kirschstein, anderseits in Kasten, Bley gar sich 
in Pflaumbaum wandeln konnte, so sieht man, daß hier Dinge möglich 
und häufig sind, die bei den Gemeinnamen (Appellativen) glücklicherweise 
zu den größten Seltenheiten gehören. 

Das alles sind unabsichtliche Entstellungen; es kommt aber auch vor, 
daß der Träger eines Namens in bewußter Weise diesen Namen, weil er 
ihm nicht zusagt, umändert und entstellt, z. B. ein Fafshinder nennt sich 
Vasbe7ider, ein Knieriem schreibt sich wenigstens Onyrim. Das ist ein 
harmloses Vergnügen; ganz anders ist es, wenn jemand seinen ehrlichen 
deutschen Namen vorachtet, weil er eben nur deutsch ist, und ihn in ein 
fremdartiges Gewand hüllt, damit er vornehmer klinge. In der Art ver- 
sündigten sich besonders die Gelehrten im 16. und 17. Jahrhundert, indem 
sie ihre untadeligen deutschen Namen latinisierten, ihnen eine zuweilen recht 
schlotterige Toga umwarfen. Weil man dabei ziemlich willkürlich und gewalt- 
sam verfuhr, so ist die Rückübersetzung häufig schwierig. Olearius z. B. kann 
die Übersetzung von drei Namen sein: Öhlmann, Öhler, Öhlenschläger, 
Andere sind gar nicht mehr nach ihrer Bedeutung zu entziffern. 

So haben denn gar mannigfache Einflüsse verschleiernd und ver- 
dunkelnd auf die Familiennamen eingewirkt. Dieselben sind, um es noch- 
mals zusammenzufassen: 1. das Alter der Namen, das nach Jahrhun- 
derten, zum Teil nach Jahrtausenden zu berechnen ist, und in Verbindung 
damit die verschiedenen Entwickelungsstufen der Sprache; 2. der 
trübende Einfluß der Mundarten; 3. die Mischung mit fremden Sprach- 
elementen; 4. Mißverständnisse und willkürliche Entstellungen. 
Daher ist es denn auch kein Wunder, wenn die große Mehrheit der Familien- 
bezeichnungen uns so unverständlich ist, wenn die tausende und aber tau- 
sendo von Namen, die unter diesen Einflüssen zusammengekommen sind, das 



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8 Einleitung. 



Bild eines dichtverschlungenen Urwaldes darbieten, in welchem man fast 
bei jedem Schritt auf Schwierigkeiten und Hindernisse stößt 

Aber diese Schwierigkeiten, so groß sie zum Teil sind, dürfen von 
der Betrachtung der Familiennamen und ihrer Erforschung nicht zurück- 
schrecken. Das verbietet — abgesehen von dem Interesse, welches es doch für 
den einzelnen haben muß, die Bedeutung seines Namens zu wissen — die 
Wichtigkeit des Gegenstandes überhaupt. Die Eigennamen (Personen- und 
Ortsnamen) bilden einen Teil der Sprache, und zwar in den altdeutschen 
Namen den ältesten, den unsere Sprache überhaupt als erhalten aufzuweisen 
hat Wenn man nun die übrigen Wörterklassen betrachtet, ihre Bildungs- 
gesetze erforscht und darstellt, so sind die Eigennamen dabei nicht zu 
übergehen, ihnen gebührt dieselbe Aufmerksamkeit Auch in ihnen webt 
und wirkt der Geist der Sprache. Wollte man sie beiseite lassen, so würde 
die Kenntnis der Sprache an einer bedeutenden Lücke leiden, ein großes 
Gebiet wäre unerhellt 

Das ist die Bedeutung, welche die Namenkunde nach der sprachlichen 
Seite hat Aber in der Sprache spiegelt sich der Geist des Volkes, und in 
ganz besonderem Maße gerade in den Namen. Ihren Stolz und ihre Sehn- 
sucht, ihren Glauben und ihren Aberglauben , ihre ganze Lebensanschauung 
haben ursprüngliche Völker, wie das germanische, in ihre Namen gelegt 
Und weiter, auch die späteren Entwickelungen im Leben des Volkes, in 
Sitten und Einrichtungen, Zuständen und Anschauungen lassen hier ihren 
Niederschlag zurück, so daß wir ein gutes Stück unserer Kulturgeschichte 
an den Familiennamen herabbuchstabieren können. Dieselben gleichen den 
Versteinerungen der Urzeit: aus den Umwälzungen früherer Perioden sind 
sie übrig geblieben als Zeugen von dem, was einstmals war. Freilich ist 
es schwer und oft gar nicht mehr möglich, die Bedeutung mancher Namen 
zu ergründen; aber wo es möglich ist, da erschließen sich uns ganz neue, 
unverfälschte Quellen für die Erkenntnis der Denk- und Sinnesart unseres 
Volkes in längst vergangener Zeit So ist es denn keine undankbare Mühe, 
es ist eine schöne und nach mehr als einer Seite hin lohnende und frucht- 
bringende Beschäftigung, in diese reiche Welt der Namen zu gehen, das 
nur schlummernde Leben in den scheinbar kalten und toten Zeichen wieder 
zu erwecken, der stillen Sprache zu lauschen, die sie, die unsere Vorfahren 
durch sie zu uns reden. 



„Vergangenheit entsteigt dem dunklen Grab 
Und gibt uns manche wundersame Kunde.* 



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Bie Elemente der deutschen Familiennamen (dreifache Schicht). 

Die deutschen Familien- oder Geschlechtsnaraen sind als solche, wie 
schon in der Einleitung hervorgehoben ist, verhältnismäßig jung; erst im 
Ausgange des Mittelalters, im 12. bis 14. Jahrhundert, haben diese vom Vater 
auf den Sohn vererbenden Bezeichnungen sich allmählich festgesetzt. Die 
Elemente jedoch, aus welchen sich damals die Familiennamen gebildet, 
gehen meist viel weiter zurück; es lassen sich darin drei Schichten unter- 
scheiden, die sich wie Geschiebe eines Gebirges auf- und ineinander gelagert 
haben. Diese sind: 

1. alteinheimische, ursprünglich heidnische Personennamen, 
d. h. nicht forterbende Benennungen einzelner Personen (z. B. Albrecht und 
Arnold)] 

2. später dazugekommene fremde Personennamen aus christlicher 
Zeit (z. B. Peter und Paul). 

Beide Klassen haben das gemein, daß sie von Hause aus Personen- 
oder Einzelnamen gewesen sind und auch nach ihrem Festwerden (als 
Familiennamen) großenteils noch daneben als Personen-, d. h. nunmehr 
Vornamen, verwendet werden. Zu ihnen gesellt sich nun aber 

3. eine dritte Klasse von Bezeichnungen, ursprünglich nur unter- 
scheidende Zusätze zu den Personennamen der beiden ersten Schichten: 
Namen jüngster I*eriode (z. B. Weber und Wittenberg), ^ 

Betrachten wir zunächst die beiden ersten Schichten genauer, um ein 
möglichst anschauliches Bild von den Grundlagen zu gewinnen, auf denen 
die Bildung unserer Familiennamen beruht. 

2. 

Die Personennamen Oberhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 
Namen der Oriechen, RSmer, Israeliten. 

Daß in den Eigennamen eines Volkes sich der Geist dieses Volkes, 
der Charakter desselben in seiner Eigentümlichkeit abspiegele, nicht minder 



1) Diese werden nicht als Vornamen verwendet. "Wenn also ein Name sich auch 
als Vorname findet (z. B. Kasten)^ so liegt darin ein Beweis, daß er einer der beiden 
ersten Schichten angehört. 



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10 2. Die Pei"sonennamen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 

als in seinen Sitten und Taten, dieser Satz gilt in besonderem Maße von 
den ältesten Namen, welche sich bildeten, da das Volk noch unberührt von 
fremden Einflüssen, in voller Selbständigkeit sich entwickelte. So redet 
eben durch die Namen die uralte Vergangenheit zu der Gegenwart, die 
Vorfahren reden durch sie zu den nachkommenden Geschlechtem und ent- 
hüllen ihnen ihren Geist und Sinn. 

Werfen wir zum Beweise einen vergleichenden Blick auf die drei 
Völker, welche für uns die Hauptvölker des Altertums sind, die Griechen, 
die Römer und die Israeliten, so treten uns hier die allerbezeichnendsten 
Verschiedenheiten entgegen. 

Das edle, hochbegabte Volk der Griechen zeigt auch in seinen Per- 
sonennamen eine reiche Phantasie, einen idealen Schwung. Die Namen 
gehen überwiegend auf das Geistige, auf edle Eigenschaften und Beschäf- 
tigungen. Das beweist die Fülle der Namen, die auf kies (Ruhm) endigen: 
Perikles (sehr berühmt), Sophokles (durch Weisheit berühmt), Themistokles 
(durch Gerechtigkeit berühmt), Kallikles (durch Schönheit berühmt) — 
oder die mit der Silbe kle anfangen: Kleophanes (ruhmstrahlend). Viele 
beziehen sich auf das Vorangehen und Erster sein, gleichsam Bezeich- 
nungen für Männer, die jenen homerischen Wahlspruch: „Stets der Beste 
zu sein und vorzustreben den andern" in sich zur Verkörperung gebracht 
haben. So die mannigfachen Bildungen von Aristos (der Beste), ferner 
Namen wie Poliarchos (Stadtherrscher), Agesilaos (Volksführer), Eurysthenes 
(weit gewaltig) — auch Thrasybulos (kühn im Rat), Megistophron (das 
Größte denkend). Auf Kampf und Sieg gehen Nausimachos (zu Schiffe 
kämpfend), Nikophanes (siegprangend). Wie jedoch jene homerischen Helden 
das Wort ebenso trefflich zu handhaben wissen wie das Schwert, so stellt 
sich neben die kriegerischen Namen eine fast ebenso lange Reihe von Namen, 
welche die Beredsamkeit feiern, z.B. Aglaophon (herrlich redend), Ancixa' 
goraSy Protagoras — letztere zum Beweise, wie hoch der Grieche seine Agora, 
die Volksversammlung, hielt. Aber in der Reihe dieser edlen und ruhm- 
würdigen Eigenschaften ist auch die Götterfurcht unvergessen; den Beweis 
geben die vielen mit Theos (Gott) zusammengesetzten Namen, wie Theodotos 
(gottgegeben), Timotheos (Ehregott), dazu mannigfache Ableitungen von den 
Namen einzelner Gottheiten, von Dionysos (Bacchus): Dionysios, von Hera 
(Juno): HerodotoSf von Apollon: ApoUonios. Im Einklänge damit stechen 
unter den Tieren in der Namengebung hervor der Löwe, das königliche 
Tier, in vorgeschichtlicher Zeit in Griechenland einheimisch: Leon, Timo- 
leon, das edle Roß, dem Poseidon heilig, in besonders zahlreichen Namen: 
Hippias und Hipparchos, Hippoh'aies , Phüippos, Ai-isüppos. 

Während so die griechischen Personennamen ein ideales, poetisches 
Gepräge haben, indem edle, meistens geistige Eigenschaften in ihnen 
anklingen, bilden dazu den allerschroffsten Gegensatz die Römer. Hier ist 



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2. Die Personennamen überhaupt — ein Spiegel des Yolksgeistes. 11 

von Poesie und Idealität wenig zu finden; die römischen Namen haben ein 
durchaus prosaisches Gepräge und bewegen sich meist in einer sehr 
niederen Region. Zunächst halten sie sich an die erste und hauptsächlichste 
Beschäftigung der alten Römer, den Ackerbau: Agricola (Landbauer), 
FaiduSy Cicero, Piso (Bohnen-, Erbsen-, Wickenmann),^ und in Zusammen- 
hang damit an die Viehzucht: Pormis (Schweinezüchter), Asinius (Esel- 
züchter). Schon hierbei kann es befremden, daß die großen Römerhelden 
keine edleren Namen führten als Bohnenmann, Erbsenmann, Schweinemann. 
Doch mögen wir diese Namen trotz ihrem Erdgeruche noch gelten lassen, 
da der Ackerbau die Grundlage des römischen und überhaupt jedes itali- 
schen Gemeinwesens war und derselbe allewege eine hochehrenwerte 
Beschäftigung ist. Es ist freilich etwas Hausbackenes und Massives, ^ aber 
doch immer etwas sehr Praktisches und Solides in den Namen dieses 
Schlages. Aber was soll man zu der langen Reihe der Namen sagen, die 
von äußerlichen Zufälligkeiten und Gebrechen hergenommen sind, 
wie Niger, Rufus, Flavius, Livtus (der Schwarze, der Rote, der Gelbliche, 
der Bläuliche), Longus, Paullus, Orassus, Macer (der Lange, der Kleine, 
der Dicke, der Magere), Calviis (der Kahlkopf), Capito (der Großkopf), 
Naso (der Nasenkönig), Paetus (der Schieler), Caecus (der Blinde), Baibus 
(der Stammler), Claudius (der Lahme), Plautus (der Plattfuß), Scaurus (der 
Klumpfuß) — die Reihe ist fast endlos, ich breche ab, um nicht durch 
fernere Aufzählung zu ermüden. Ist es doch, als käme man in ein Lazarett 
oder eine orthopädische Anstalt! Das Äußerste jedoch in nüchterner Prosa 
und Armut an Erfindungsgabe leisten die Zahlnamen: Secundus, Tertius, 
Quintus, Sexius (mit mehrfachen Ableitungen wie Seziius^ Octavianus)^ 
die bloß herzählen, daß jemand der zweite, dritte usw. Sohn seines Vaters 
sei. Welche geistige Armut, wenn ein Vater seinem Kinde nichts weiter 
im Namen mitzugeben weiß, als daß es Nr. 2, Nr. 3 ist! 

Diese Namen, welche eben die römische Namengebung beherrschen, 
verraten einen großen Mangel des römischen Geistes, eine starke Einseitig- 
keit der Anschauungs- und Auffassungsweise. Fürwahr, man braucht nur 
diese Namenliste anzusehen, um kühnlich zu prophezeien, daß ein solches 
Volk auch auf geistigem Gebiete, besonders in der Dichtung, wenig leisten 
werde. Auf solchem Boden können die goldenen Hesperidenäpfel der 
Poesie schwerlich gedeihen. Dagegen bekundet eine derartige Namengebung 
eine hervorstechende Anlage und Neigung zum Auffassen menschlicher 



1) Ut quisque aliqtiod optumum genus sererei, Plin. hist, nat. XVIII , 3. 

2) Diesen Charakter des Derb -Massiven, das nicht selten selbst in ästhetische 
Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, zumal in der Dichter- 
sprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene Studie über die „Verschiedenheit 
des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen und deutschen Klassikern*^ 1866. 



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12 3. Dio altgermanische Namenwelt. 

Schwächen, d. h. zur Satire. la der Tat ist auch die Satire der einzige 
Zweig der poetischen Literatur, worin die Römer etwas Bedeutendes, 
Ureigenes geschafiFen haben. 

Ein Element, welches schon in der griechischen Namengebung, doch 
nur in zweiter Reihe hervortrat, der fromme Sinn, die alles auf die Gott- 
heit beziehende Lebensanschauung, kommt zur vollen Entfaltung bei den 
Orientalen, namentlich dem Volke der Israeliten. Dies wird durch das Vor- 
wiegen der Namen bezeugt, die mit der Silbe ja (jo, je) — Abkürzungen 
von Jehova (Jahve) — oder mit el anfangen oder auch schließen. Beides 
bedeutet „Gott", also^ Josua (dessen Hülfe Jehova ist), Johannes (den 
Jehova geschenkt hat), mit ähnlichem Sinne Jonathan (den Jehova gegeben), 
Josaphat (dem Jehova Recht schafft); — Obadja (Knecht Gottes, vgl. arabisch 
Abdallah), Sachatja, Zacharias (dessen Jehova gedenkt); — ElimeUck (dem 
Gott König ist), Elieser (dem Gott Hülfe ist), in derselben Bedeutung Eleasar 
(Lazarus); — Nathanael (den Gott gegeben), Joel (die beiden Gottesnamen 
verbunden: dem Jehova Gott ist). Hieran reihen sich noch mehrere, bei 
welchen diese Beziehung nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber doch leicht 
zu ergänzen ist, z. B. Nathan, abgekürzt aus Jonathan, Saul (der Erbetene, 
nämlich von Gott). 



Die altgermanisehe Namenwelt. 

Wenden wir uns, nachdem wir dies vorausgeschickt, zu unserm Volke 
in seiner ungetrübten Ursprünglichkeit und fragen: Was ist das Eigentüm- 
liche der altgermanischen Namengebung? 

Der Geist und Sinn, die ganze Anschauungsweise eines ursprüng- 
lichen Volkes spricht sich bezeichnend aus in den Vorstellungen, die es sich 
vom Übersinnlichen, von der Gottheit macht. Wie Gott die Menschen schuf 
nach seinem Ebenbilde, so denkt sich umgekehrt der Naturmensch die Gott- 
heit gern nach seinem menschlichen Bilde. Was ihm als das Höchste 
erscheint, das überträgt er auf jene und stellt somit einen Spiegel auf seines 
eigenen Selbst. Wie hat nun der Germane sich die Gottheit gedacht? Hören 
wir darüber den beredten Mund eines neueren Forschers, der sich in der 
Hauptsache folgendermaßen ausspricht: „Während andere Völker die stille, 
starre Ordnung der Himmelskörper, der Gestirne, über, alles andere gefeiert 
und das Leben der Menschen zu einem Abbilde dieser stillen, starren 
Ordnung zu machen gesucht haben; während wieder andere das in den 



1) Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen 
Bibel gegeben, von welcher dio ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht, 
z. B. Jochändn (Johannes), Scha-til (Saul). 



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3. Die altgermanische Namen weit. 13 

£atwickeluDgen der Dinge bemerkbare Ebenmaß und die Schönheit des 
lebendigen, organischen Maßes, die Harmonie gefeiert haben — hat die 
germanische Glaubenslehre an die Spitze aller Götterfiguren eine Personi- 
fikation gestellt des ungebrochenen, rastlos jagenden, todverachtenden Helden- 
geistes, den Wuotan.^ Damit ist der ungebrochene, gottbewegte, persön- 
liche Heldensinn über alles andere gesetzt und zum höchsten Gegenstande 
der Verehrung und des sittlichen Strebens gemacht." (H. Leo, Vorlesungen 
I, 109). 

Diesen stürmischen Heldengeist zeigt unser Volk von seinem ersten 
Auftreten in der Geschichte an. Heftig und ungestüm war die Kampfesart 
der Germanen, zumal ihre ersten Angriffe zu Beginn der Schlacht, und nur 
der überlegenen Kriegskunst der Römer gelang es, die furchtbare Kraft der- 
selben zu brechen.* So in dem Kriege der Cimbem und Teutonen, welche 
fünf Jahre hindurch alle gegen sie ausgesandten Heere der Römer schlugen 
und vernichteten, bis es endlich dem großen Feldherrn Marius gelang, den 
Sturm zu beschwören und das drohende Verderben von Rom abzuwenden; 
so in dem Kampfe Gäsars mit Ariovist, so in allen nachfolgenden Kämpfen, 
bis zu dem gewaltigen Gewittersturm der Völkerwanderung. 

Bekannt sind die Zeugnisse des Tacitus für die Tapferkeit der Germanen 
{nullus morlalium armis aui fide ante Germanos). Krieg und gefahrvolle 
Unternehmungen waren ihre Lust — daher jene nie gesättigte Begier nach 
Abenteuern, die Gier, Gefahrvolles aufzusuchen und mit dem Furchtbaren 
zu kämpfen; daher auch im Frieden die Lust, auf ungemessenen, ungebahn- 
ten Pfaden das Wild zu jagen. „Wer hat mehr Mut", ruft der Römer 
Seneca, „als die Germanen? Wer stürmt mit größerer Gewalt? Wer liebt 
leidenschaftlicher die Waffen, mit denen sie gleichsam geboren, in denen 
sie aufgezogen werden? Die allein sind ihre Sorge, alles andere kümmert 
sie wenig. ** (Sen. de ira I, II.) Im Einklang damit läßt der jüdische Schrift- 
steller Josephus den König Agrippa zu den Juden sagen: „Ihr habt ohne 
Zweifel von den Germanen gehört Ihr habt ihre Stärke gesehen und die 
Größe ihrer Gestalt. Sie haben aber einen Geist, der größer ist als ihre 



1) Wuotan, niederdeutsch AN'odau, nordisch Odin, der alles durchdringende Geist, 
der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturm- 
T/trindes, welchem deshalb das windesgleich dahiobrausendo Roß heilig ist. Er ist der Kriegs - 
und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um sich sammelt in TValhalla. Auf ihn als 
Kriogsgott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich 
hoch durch die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger*'). 

2) Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210 f. : 

^Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut; 

Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an, 

Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann. 

Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand.*' 



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14 3. Die altgermanische Namenwoli 

Leiber, eine Seele, die den Tod verachtet, und einen grimmigem Zorn als 
die wilden Tiere." 

Dieser wilde Eriegsmut ist der „/wror Teutonicus", der im Alter- 
turae wie zum Sprichwort geworden noch von viel späteren Schriftstel- 
lern oftmals erwähnt wird. 

So war der Geist unserer Ahnen, und diese todes verachtende Kühn- 
heit, dieser wuotanische Heldensinn spiegelt sich ab auch in der Namen- 
gebung jener Zeit, des Heroenalters unseres Volkes. Und wenn uns keine 
Geschichte und keine Sage Kunde gäbe, so würden diese zahlreichen männ- 
lichen und auch weiblichen Namen vernehmlich genug sprechen, die da 
wiederklingen von Waffen und Krieg und Kampf und Sieg. 

Hildy Qund, Had, Bad und Wig sind lauter Ausdrücke für Kampf, 
Schlacht, Krieg, Wortstärame, die, sonst in unserer Sprache längst erstor- 
ben, nur noch in den Namen und zwar hier um so häufiger fortleben. Es 
ist hier nicht der Raum, alle die Ableitungen und Zusammensetzungen auf- 
zuzählen, von denen die Sprache damals eine staunenswerte Menge und 
Mannigfaltigkeit besaß. Nur zur Probe wollen wir, um an einem Worte 
diesen Reichtum zu zeigen, die von dem Stamme hild gebildeten Namen 
vollständiger hersetzen : ^ 

Hildibald, Hildibem, Hildiberht, Hildibodo, Hildibrand — Hildidag 

— Hüdifridy Hildifuns — Hildigang, Hildigar, Hütigasi, Hildegatid, 
Hüdegem, Hildigis, Hildigrim — Hildehoc — HildelaiCy HiUilant, Hilti- 
leipy HiUilouc — Hildiman, Hildimar, Hildimod, Hütimund — Hildi- 
nand — Hüdirad, Hütiram, Hildiric, Hütiroch — Hütiscalh, Hiltistain 

— Hildulf — Hildowaldy HUdiwar, Hildiward, Hildiwerc, HilHunc, 
Hildüvin, 

Dabei sind die weiblichen Namen, wie Hildigmida, Hildiburg (von 
denen späterhin!) noch gar nicht berücksichtigt 

Von dem Stamme Ound kommen, um nur wenige Namen herauszu- 
greifen, Otindachar (Kriegskämpfer), Oundobert (kampfprangend), Qujidemar 
(kämpf berühmt); 

von Wig: Wigand (Kämpfer), Wiglef (Kampfessohn), Chlodowech 
(Ruhmeskampf), der Frankenkönig des 5. Jahrhunderts. 

Zu Kampf und Schlacht gehören Waffen. Auch diese sind zahlreich 
vertreten. Haben sich doch ganze Völkerschaften danach genannt, wie 
z. B. die Sachsen nach ihren langen Kriegsmessern, althochdeutsch safis, 



1) In der nachfolgenden Übersicht sind di© einzelnen Namen in der, soweit erreich- 
bar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mund- 
arten, worauf es hier nicht ankommt Vgl. Abel, Die deutschen Personennamen. Förste- 
mann, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.: Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900. 



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3. Die altgermanische Namen weit. 15 



angelsächsisch seax, nach welchen selbst ein Gott, der Kriegsgott der 
Germanen, Saamot (Schwertgenoß) benannt ist^ 

Die deutsche National waflfe, die Frame (bei Tacitus), ein Spieß mit 
schmalem, kurzem Eisen, geschickt für den Nahkampf wie für den Fern- 
kampf, für Stoß und Wurf, begegnet in Framhard (speerkräftig) — das 
althochdeutsche ger, Wurfspeer, in Oairebald (gerkühn), Oaribert (ger- 
prangend), Ansigar, altsächsisch Osgar (Asenspeer d. i. Götterspeer); — da» 
Schwert, ecka (Schwertecke ^ Schneide, Stamm ag) in Agdbert (schwert- 
glänzend), Agihard, Ekkihart (schwertstark). 

Die Schutz Waffen treten zurück; waren doch die alten Germanen 
damit kärglich ausgerüstet: fast mit nacktem Leibe, nur mit einem langen^ 
schmalen Schilde aus Holz und Leder traten sie furchtlos den wohlaus- 
gerüsteten und römischen Legionaren entgegen. 

Der Schild heißt Rand, daher Raniotaic (Schildkämpfer), Bertrand 
(leuchtender Schild). 

Panzer besaßen die Germanen auch zu Armins Zeiten noch nicht, 
selbst nicht einmal eigentliche Helme. Statt dessen setzten sie die Kopf- 
haut von erlegten Tieren auf, deren Fell zugleich als Mantel die Schultern 
bedeckte. Daher die Namen Bemhelm, Ebarhelm, Wolfhalm. Doch später, 
als sie in der Kunst des Schmiedens sich vervollkommnet, traten eherne 
Helme an die Stelle, und somit gewannen Namen wie Helmperht (helm- 
glänzend) eine Berechtigung. * 

Die kriegerische Eigenschaft der Kraft und Stärke klingt an in 
magan, megin: Maganhard (machtstark), Magnobod (mächtig gebietend); in 
eUan^ got. aljan: Ellanperht (kraftglänzend), Aljanmot (kraftmutig) — die 
Kühnheit in besonders vielen Namen; dahin gehören vor allem die zahl- 
reichen Bildungen mit bald: Baldaivin (kühner Freund), Liutbald und 
Theudobald (sehr kühn), Hunibald (riesenkühn); ferner die Zusammen- 
setzungen mit nand: Nandulf (kühner Wolf), Siginand (siegeskühn). 

Die Gesamtheit der freien, waffenfähigen Männer bildete bei den Ger- 
manen das Heer, althochd. hart, heri, altfränkisch chari. Hierher gehört,, 
um den ältesten überlieferten Namen voranzustellen, wahrscheinlich das im 
römischen Munde wohl etwas entstellte Ariovist, sicher aber Hariman 
(Heeresmann),* Hariberaht (heerglänzend), Cariovalda (der heerwaltende),. 
Bataverfürst des L Jahrh. (Tac. Ann. II, 11); dann besonders die vielen 



1) Nimith eure saxasi ruft bei Nenuius bist Brit. cap. 46 Heugist den Seinen zu. 
^Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin* (Annolied). 

2) Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. b. Panzer) und beim treten erst spät 
auf, im 6. Jabrh., meist erst seit dem 8. Jabrh. 

3) Lange verwecbselt mit Arminius, welches wobl abzuleiten von dem Halbgott 
Irmino, dem kiiegeriscb dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und Armengardis; Irmin- 
frid und Armenfred u. a; 



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16 3. Die altgermanischo Namenwelt. 



Namen, deren zweiter Teil aus diesem Worte besteht, wie Raganhar, 
Werinheii. 

Aber die Tapferkeit der Germanen, so stürmisch sie war, war doch 
kein bloßes Dreinschlagen , das des klugen Rates entbehrt hätte. Wuotan 
ist nicht allein der Gott des Sturmwindes, sondern auch der der Weisheit, 
und neben den stürmenden, alles vor sich niederwerfenden Wate des 
Gudrunliedes stellt sich der kluge Frute. Welchen Wert die Germanen 
auf einsichtsvollen Bat gelegt haben, lehren nun auch lange Reihen von 
Namen. Da sind die mit rat: Adalrad, Chuonrat\ da ist ragan (Rat): 
Raganfrid, Raginmund\ maihal (Versammlungs-, Beratungs- und Gerichts- 
ort des Volkes): Mathalwin] hugu (denkender Geist): Hugubert 

Solchem mit Kraft und klugem Rate zugleich geführten Kampfe kann 
der Sieg nicht fehlen: Sigifrith, Sigiberht, Sigimund und mit erweitertem 
Stamme Sigismund (Siegschutz, durch Sieg schützend). 

So hören wir alles von Schwertergeklirr und Waffenklang wieder- 
hallen, wir hören die Tapferkeit der Germanen heraus, ihren Schlachten- 
mut, ihre Siegesfreude; wir begreifen, daß Leute, die Krieg und Jagd für 
die einzigen eines freien Mannes recht würdigen Beschäftigungen hielten, 
die sich am liebsten nach ihren Waffen, nach Schwert und Lanze nannten, 
daß diese wohl ihren Nachbarn furchtbar sein mußten, ja den bis dahin 
unbezwinglichen Römern ein „bis hierher und nicht weiter!" zurufen konnten. 

Das mächtige Walten nach Kampf und Sieg liegt in Waldomar (im 
Walten berühmt), Sigzwalt, Chraftolt\ — ferner in rieh (mächtig): Ricohard, 
Frithuric, Ermaimrich (der Gotenkönig aus dem 4. Jahrhundert, welcher 
sich in dem Schmerz über die Zurückdrängung seines Volkes durch die 
Hunnen im 110. Lebensjahre selbst den Tod gab). 

Der mit solchem Siegen und Walten verbundene Ruhm wird, abge- 
sehen von dem überaus häufigen beraht, bert, besonders durch die Stämme 
hlod, hrod und hrofn dargestellt: Chlodowald (rühm waltend); Hrodegang 
(Ruhmesgänger), Romiiald (ruhmwaltend); ferner durch mar, schon seit 
dem 1. Jahrhundert in Namen wie Catumer, Ingtäomer (Armins Oheim, 
Tacit Ann. I, 60). 

Im vollen Einklang hiermit werden auch in den aus der Tierwelt 
entlehnten Benennungen starke, kampflustige, herrschende Tiere entschieden 
bevorzugt, solche, deren Schönheit, Kraft, Schnelligkeit der Germane 
bewunderte, wenn er auch mit ihnen als Jäger oder Hirt in Fehde lag. 

Der Herrscher von Wald und Heide, der grimmige Bär, nahm einst 
in der Anschauung des Nordens die Stelle ein, aus welcher ihn später der 
fremdländische Löwe verdrängt hat: er war König der Tiere. Daher die 
Namen: Berinhard, Beringar, Isanpero, 

Nicht minder passend, als Sinnbild der Größe und Stärke, ist der 
Ur, das gewaltigste einheimische Tier, oft im Kampfe mit dem Bären: 



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3. Die altgermanische Namen weit 17 

Uroldy Uremar, Beiden schließt sich der Eber an, ebenfalls durch wilde 
Stärke ausgezeichnet Einfach Ibor (Eber) hieß der älteste, uns überlieferte 
Anführer der Langobarden aus dem 4. Jahrhundert; am bekanntesten ist 
Ebarhard. 

Herrscher im Reiche der Lüfte ist der Aar: Amoald (waltend wie 
ein Aar). 

Doch die beiden königlichen Tiere Bär und Adler treten zurück gegen 
zwei andere von scheinbar geringerer Bedeutung: Wolf und Rabe. Dies 
rührt daher, weil letztere heilige Tiere sind. Freilich war auch der Eber 
schon ein geheiligtes Tier, doch nur des Gottes Fro, während Wolf und 
Rabe Diener des höchsten Gottes Wuotan sind. Zwei Wölfe, Oeri und 
Freki (gierig und frech d.i. kühn), und zwei Raben, Htcginn und Muninn 
(Gedanke und Erinnerung), sind Wuotans ständige Begleiter. Jene begleiten 
ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf .wind- 
schnellem Rosse auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und siegverkünden- 
des Tier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller unserer Literatur den 
Namen: Vulßla (ülfila, Wolf lein), der westgotische Bischof und Bibelüber- 
setzer aus dem 4. Jahrhundert. Ganz besonders häufig ist der Name des 
Wolfes als zweiter Teil der Zusammensetzung in der abgeschliffenen Form 
täf (olf): Aihaulf, Maginulf, Ebarolf. 

Die Raben sind die beutegierigen Tiere des Schlachtfeldes, die Kriegs- 
und Siegesvögel und so dem Wuotan als dem obersten Schlachtenlenker 
heilig, der auch von ihnen den Beinamen „Rabengo tt" führt Einen Raben 
hatte der schreckliche Normannenhäuptling Ragnor Lodbrokr auf seiner 
Schlachtenfahne; je nachdem er auf derselben munter in den Lüften flatterte 
oder seine Flügel hängen ließ, schloß man auf Sieg oder Niederlage. So 
haben wir nun unter anderen die Namen: HiUiram und Oundhram (Kriegs- 
rabe), Sigihram, Walahram (Rabe des Wal d.i. der Gefallenen), Wolfhraban, 
die beiden heiligen Tiere verbunden. 

Bei den von Wolf und Rabe hergeleiteten Namen stehen wir mit 
einem Fuße schon auf einem anderen Gebiete, welches dicht daran grenzt, 
auf dem Gebiete religiöser (mythologischer), von den Göttern entlehnter 
Benennungen. Die ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem Heiligen, den sieg- 
und segenspendenden Göttern, liegt in zahlreichen Namen zu Tage. 

Unser uraltes und ureigenes Wort Gott ist in Oodolef (gotisch Oudi- 
laibsy althochd. Cotleip)^ gottgeboren, enthalten; femer in Qodefrid, Goda- 
scalc (Gottesknecht), Godoioin (Gottesfreund), Ootahard u. a. 

Die Namen der obersten Götter: Wuotan, Donar, Ziu, Fro werden, 
wohl aus religiöser Scheu, nicht zu Personennamen verwendet (nur aus- 
nahmsweise findet sich ein Thunerulf oder Donarperht) — desto häufiger 
die allgemeinen Götternamen und die Benennungen der untergeordneten 
Götterwesen. So die Ansen (Äsen, Götter) in Anshalm (der mit dem Asen- 

Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Aufl. 2 



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18 3. Die altgermanische Namenwelt. 

heim, Götterhelm), Ansoin, Änsowald, die uns geläufiger sind in der alt- 
sächsischen und angelsächsischen Form, wo ans in ds zusammengezogen 
wird, also: Osvine, Osvaid. 

In das geheimnisvolle Reich der Naturgeister, der Albe oder Elfen, 
von denen Sage und Märchen so viel zu erzählen wissen, führen uns 
Namen wie Albinch (Elfengebieter), Albarad , angels. Alfred (Elfenrat), 
Alfioin, Alboin (Elfenfreund). 

Den Gegensatz zu dem kleinen, bald gutmütig helfenden, bald bos- 
haft schadenden Elfenvolke mit ihrem Anhange der Zwerge und Wichtel- 
männer bildet das ungeschlachte, sinnlich rohe, naturkräftige Geschlecht 
der Riesen (Hünen und Thursen): Hunibald, Thurismund. 

Es wird dies genügen, um mindestens in den Grundzügen ein Bild 
von der Namengebung jenes Zeitalters zu gewinnen. Kampf und Sieg 
tönen uns allerorten aus ihr entgegen mit hellem Waffenklang; daran 
schließt sich der klage Rat und das ruhmvolle Walten — nicht ohne 
den Aufblick zu den sieg- und segenspendenden Göttern. Weiter ins 
einzelne zu gehen ist für unseren Zweck nicht erforderlich und alles gar 
zu erschöpfen hier ganz unmöglich, wegen der außerordentlichen Menge 
der Namen. Wie zur Frühlingszeit in Wald und Flur tausend und aber- 
tausend grüne Sprossen aufschießen, so ist auch in diesem Frühling deut- 
scher Namengebung eine fast zahllose Menge von Namen erwachsen. Die 
oben angeführten sind nur beispielsweise genannt, sind nur geringe Proben 
aus der Fülle, derart, daß die einzelnen ganze Reihen Vertreten. So 
sind der Namen, die auf bald auslauten, in Förstemanns großem Werke 
199, der auf ric über 200, der auf beraht (bert) weit über 300, der auf 
zvolf (olf) gar nahezu 500. Mehr als 12000 (männliche und weibliche) 
Namen hat Förstemann aus gedruckten Schriften und Urkunden gesammelt^ 
eine Zahl, die durch spätere Forscher noch sehr vermehrt worden ist; wie 
viele mögen sich nicht noch in ungedruckten Quellen finden, wie viele nie 
zur Aufzeichnung gelangt sein! 

Es ist eine hochgemute, eine ideale, eine poetische Namen- 
gebung, in der uns nichts Unedles stört. Sie ist einheitlich, wie aus 
einem Geist und Guß, gleich dem Germanenvolke selber, das ein ein- 
heitliches an Abstammung und Aussehen war, „ein eigenes, reines, nur 
sich selbst ähnliches Geschlecht". Das Heldenhafte, Kühne, Gewaltige, 
Hohe finden wir in dieser Naraenwelt ausgeprägt, das Liebliche, Sanfte^ 
Milde tritt zurück — selbst in den weiblichen Namen. Auch diese sind 
wesentlich von demselben Gepräge, Kampf und Schlacht tönen aus ihnen 
fast ebenso wieder wie aus den männlichen. Die Walküre, die Schlachten- 
jungfrau Wuotans, erscheint als das Ideal des urgermanischen Weibes. 
War doch in jenen Tagen auch das schwächere Geschlecht dem Kriege,, 
seinen Ehren und Gefahren nicht fem. Was uns griechische und römische 



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4. ÜbereiDstimmuDg der deutschen NameDgebnng mit der giiechischeo. 19 

Schriftsteller erzählen, spricht laut genug. Es wird uns da geschildert, wie 
die Frauen mit in den Krieg zogen, um in der Nähe ihrer Anverwandten 
hinter der Schlachtreihe sich aufzustellen, wie sie die Kämpfenden durch 
ihren Zuruf anfeuerten, die Verwundeten verbanden, die Weichenden wohl 
wieder zum Stehen brachten, die Sieger begrüßten und belohnten, aber 
auch mit den Unterliegenden zu sterben wußten und lieber sich selbst 
und ihre Kinder töteten, als daß sie sich in Gefangenschaft begaben. 

Bei solcher Sinnesart der germanischen Frauen darf es uns nicht 
wunder nehmen, wenn auch ihre Namen dieses Gepräge haben und sich 
eng an die männliche Benennungsweise anschließen.^ 

4. 

Übereinstimmung der deutsdien Namengebung mit der 
griechischen. 

Werfen wir, ehe wir weitergehen, einen vergleichenden Rückblick 
auf die Namengebung der alten Völker, so läßt sich wohl kaum ein schrof- 
ferer Gegensatz denken, als zwischen der römischen und der germani- 
schen Namengebung. Dort körperliche Schwächen und Mängel, hier edle 
Eigenschaften und Vorzüge, leiblicher und ganz besonders geistiger Art! 
Dort niedrige Prosa — hier erhabene Poesie! 

Dagegen tritt eine auffallende Übereinstimmung mit der griechi- 
schen Namengebung hervor, zunächst darin, daß die Namen auf beiden 
Seiten der großen Mehrzahl nach zusammengesetzte sind.^ Namen dieser 
Art sind an sich schon poetischer, schwungvoller als einfache, und so tritt 
bereits hier in erfreulicher Weise übereinstimmend eine edle Anlage beider 
Völker hervor. Dann aber entsprechen sich auch die Zusammensetzungs- 



1) Es finden sich wohl Namen, die mit lieb zusammengesetzt sind: Liubgard, mit 
blid (freundlich, heiter): Bliddrud, mit fUit (schön): Älbofledis (Elfenschön) — aber sie 
sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigen- 
tümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck. So in den auf Bat hinzielenden Namen. 
Wie sehr Frauenrat bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß 
man erst dann in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt 
hatten, daß eine Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Piiesterinnen und anderen 
geistig hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, ab- 
gesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die von dem Worte 
run (Geheimnis, Zauber) gebildet sind: Runhildy Friderun (Friedenszauberin), Sigirtm 
(Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die 
Namen auf gard hervor, wie AdcUgard, Irmingard^ das Bergen (schlitzen, bewahren) 
die auf birga (berga) und burgy die sämtlich weiblich sind: Anialdbirgay Dietbergay 
Stgiburg, Waltburgis. 

2) Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach scheinenden 
Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden 
nur einige partizipiale Formen, wie Wigandy Heiland. 

2* 



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20 5. 'Weiterentwickeluug der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft. 

elemente in beiden Sprachen großenteils: so das griechische phanes (glän- 
zend, prangend) und das deutsche beraht (bert), das griechische kies 
(berühmt) und das deutsche mar, das griechische krates (kräftig, gewaltig) 
und das deutsche rieh-, so femer medon (waltend) und walt (old), stratos 
(Heer) und Am, demos {Y oVs) und iheod (diet), theos (Gott) und got u.s.f. 

Demnach kann man eine Menge griechischer Namen geradezu mit 
deutschen übersetzen, da sie sich wörtlich decken, z. B.: 
Nikophanes (siegprangend) — Sigibert, 
Kleophanes (ruhmstrahlend) — Hrodebert (Ruprecht, Robert), 
KleoptoUmos (ruhmkämpfend) — Cklodoimch (Ludwig), 
Perikles (vielberühmt) — Vilmary 

Demosthenes (volksgewaltig) — Dieterich, 
Thrasybulos (kühn im Rat) — Chuonrat (Konrad), 
Laomedon (volkswaltend) — Leutold, 

Demophilos (Volksfreund) — Volktüiriy 
Theodulos (Gottesknecht) — Ootschalk u. a. m. 

Genug, die Anlage unseres Volkes ist, gleich der des griechischen, 
eine treffliche und edle; ein nach dem Hohen gerichteter Sinn tritt uns 
überall in dieser Namengebung entgegen, aus welcher der Geist unserer 
Ahnen mit beredten Lauten zu uns spricht. Unser Volk war berufen von 
der Vorsehung, die Ketten zu zersprengen, in welche römische Tyrannei 
die Welt geschlagen hatte, und als ein edles Reis in die Fäulnis des Römer- 
tums eingesenkt zu werden, um von jetzt an Hauptträger der Entwickelung 
des Menschengeschlechtes zu sein. 

5. 

Weiterentwiekelang der altdentsehen Personennamen. 
Ihre Lebenskraft. 

Wie sehr diese Namengebung aus dem innersten Leben und Wesen 
des deutschen Volkes hervorgewachsen, das erweist sich durch die Zähig- 
keit, mit welcher lange Jahrhunderte hindurch an ihr festgehalten 
wird. Die Stürme der Völkerwanderung brausen dahin, die verschiedenen 
Stämme der Germanen lassen sich in den Provinzen des ehemaligen römi- 
schen Reiches nieder und bauen die Erde sich neu. Die staatlichen Ver- 
hältnisse ändern sich, das Christentum stürzt den alten Götterhimmel — 
doch die Namen bleiben und blühen ohne wesentliche Veränderung weiter 
auf einem vielfach umgestalteten Felde. 

Die Beweise liegen zu Tage. Man werfe nur einen Blick auf die 
Namen der deutschen Könige und Kaiser! Ihre Reihe ist von Karl dem 
Großen an sechs Jahrhunderte lang rein deutsch: Karl, Ludwig, Konrad, 
Heinrich, Otto, Friedrich sind die herrschenden Namen. Unterbrochen wird 



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5. Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft. 21 

diese Reihe erst durch Wenzel aus dem lützelburgisch- böhmischen 
Hause 1378 und später durch Maximilian den ^letzten Ritter** 1493. 
Ebenso ist es im Kreise der Reichsfürsten. Albrecht der Bär hatte sieben 
Söhne: Otto, Hermann , Sigfrid, Heinrich, Adelbert , Dietrich, Bernhard 
— kein undeutscher Name findet sich darunter, ein Fall, der sich jetzt 
schwerlich wiederholen würde. 

Selbst im Stande der Geistlichen, wo das Eindringen fremder Namen 
am ersten zu erwarten wäre, behauptet sich die deutsche Namengebung 
überraschend lange. Bischöfe und Erzbischöfe, Klosteräbte und Mönche 
erscheinen fort und fort als Träger der altgermanischen Krieges-, Sieges- 
und Ruhmesnamen. Man denke an Adalbert von Prag, den Apostel der 
Preußen, an Otto von Bamberg, den Pommern -Apostel, an Willegis von 
Mainz, Adalbert von Bremen. 

Ähnliches gilt von den romanischen Ländern. Trotz der fortwähren- 
den Berührung mit der römischen Welt und dem teilweisen Aufgehen in 
dieselbe behaupten sich die alten Namen nicht bloß im eigentlichen Deutsch- 
land, sondern auch in Frankreich, Spanien, ja selbst in Italien. Nachdem 
die Sprachen längst romanisch geworden, erhalten sich noch die fränkischen, 
gotischen, langobardischen Namen in überraschender Weise. Man braucht 
sich nur die Führer des ersten Kreuzzuges zu vergegenwärtigen: Gottfried 
von Bouillon, Robert von der Normandie, Raimund von Toulouse, Boe- 
miind von Tarent usw., um dies bestätigt zu finden. Fügen wir noch ein 
Beispiel aus Frankreich, eins unter vielen, hinzu! Im Jahre 991 ver- 
sammelten sich zu Reims die Bischöfe der Diözese: Ouido von Soissons, 
AdcUbero von Laon, Heriveus von Beauvais, Godesmann von Amiens, 
Ratbod von Noyon, Odo von Senlis; außerdem Erzbischof Daibert (Dago- 
bert) von Bourges, aus der Lyoner Synode die Bischöfe Walter von Autun, 
Bnmo von Langres, Mih von Ma9on; endlich der Erzbischof Siguin von 
Sens mit den Bischöfen seines Sprengeis Amulf von Orleans und Herbert 
von Auxerre. Unter diesen dreizehn geistlichen Würdenträgem findet sich 
keiner mit nichtdeutschem Namen; nur sind einzelne dieser Namen ober- 
flächlich romanisiert, wie Ghuido aus altdeutsch Wido, oder latinisiert, wie 
Heriveus aus HeriivicA 



1) Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze euro- 
päische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die 
Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen christlichen Nationen Europas 
und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zum 
Teil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammen- 
stellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 
1856) — aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z.B. bei den 
Franzosen: Bertrand (Berhtrand), Arnaud (Arnold), Oautier (Walter), Ötfcrow/^ (Gerold), 
Regnier (Reginher, Reiner), Baudouin (Balduin), Thibaut (Theobald); bei den Italienern 
Oualtiert (Walter), Oaribaldi (Garibald), Buggiero (Rüdiger), Sismondi (Sigismund). 



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22 5. "Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft. 

Geschichtliche Erinnerungen und mehr noch Familienüberlieferungen 
kamen der Erhaltung der Namen zu Hülfe. Im karlingischen Oeschlechte 
waren Karl, Ludwig, Lothar zu Hause, bei den Württembergem Ulrich 
und Eberhard, bei den Schwarzburgern Günther usw. Aber auch Stammes- 
überlieferungen machten ihren Einfluß geltend; noch jetzt läßt sich erkennen, 
wie einzelne Namen bei gewissen Stämmen besonders gebräuchlich waren. 
So kommen Friedrich, Rudolf, Albert vorwiegend in Schwaben, Luitpold, 
Dietpold bei den Bayern, Heinrich, Ludwig, Konrad bei den Rheinfranken 
vor. Wie beliebt der Name Wilhelm noch im 12. Jahrhundert bei den 
Normannen war, davon zeugt die Erzählung eines Zeitgenossen. Als näm- 
lich Weihnachten 1171 der junge König Heinrich (Sohn Heinrichs IL von 
England) bei Bayeux ein großes Fest gab, kamen zwei Wilhelme, der 
Seneschall von der Bretagne und der Verwalter von der Normandie, auf 
den Einfall, es sollten in ihrem Saale nur Wilhelme sein dürfen. Wer einen 
anderen Namen führte, mußte hinaus, und als man zählte, waren noch 
117 Ritter da, die alle Wilhelm hießen, ungerechnet die vielen andern, 
welche in des Königs Halle speisten. ^ 

So behaupteten sich die Namen, nur daß sie mit der Entwickelung 
der Sprache im wesentlichen Schritt hielten und daher mancherlei Abschlei- 
fungen und Zusammenziehungen erfuhren. Aus Baganhar, wie es im 
6. Jahrhundert gelautet hatte, entwickelte sich Reginher, Reginer und 
schließlich (im 10. Jahrh.) Reiner\ ferner aus 

Cariovalda (1. Jahrh.): Heroald — Herold (10. Jahrb.), 

Hruodperaht: Riiodpreht, Hriiodbert — Ruprecht und Rupert (11. Jahrh.), 

Berinhard: Bernhard, Bernd. 

Nun liegt es aber in der Natur der Sache, daß Eltern ihre Kinder 
mit abgekürzten Namen rufen. Solche Kürzungen, zunächst für den 
Hausgebrauch und vertrauliehen Verkehr, kannte die alte Zeit auch schon, 
und sie waren regelmäßiger gebildet als die jetzt üblichen. Da nach deut- 
scher Grundregel der erste Teil der Zusammensetzung betont ist, so behielt 
man diesen bei und ließ den zweiten fort, an dessen Stelle ein o trat, 
erwachsen aus dem im Gotischen und Altsächsischen noch haftenden a, 
z.B. God'be7'aht: Oodo; Kuon-rat: Kuono; Sig-bert: Sigo,^ Dies sind 



1) Abel, Personen namen, S. 44f. 

2) Strackerjan, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen EtLrzungen 
finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endung o besonders im Friesi- 
schen: Edoj Ecko, Luddo, Wülo, s. Allmers, Marechenbuch, Land- und Volksbilder aus 
den Marschen der Weser und Elbe 18(51, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vor- 
namen gegeben wird, bei denen freilich o jetzt auch schon meist in das klanglose e ab- 
geschwächt ist, wie in den norddeutschen Formen Ede (Eduard), Lude (Ludwig). — 
Der umgekehrte Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und 
dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. So 



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5. "Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft -23 

die einstämmigen gekürzten Formen. Häufig wurde jedoch der zweite Teil 
nicht ganz abgeworfen, sondern sein Anfangskonsonant blieb erhalten, und 
so entstand eine zweistäramige gekürzte Form, z. B. Rat-poto: Batpo; 
Sig-bert (Sibert) : Sibo; Tkiet-mar: Thiemo. 

Natürlich ist Öodo Abkürzung nicht bloß für Oodberaht, sondern für 
alle Vollnamen, d. i. unverkürzte Namen, deren erster Teil Ood ist, wie 
Oodebald, Oodofrid, Oodomar usw., ebenso Sigo auch für Sigibrmid, SigU 
frid, Sigimar usw., Sibo wenigstens für Sigibert und Sigibrand. 

Diese verkürzten Formen erlitten nun noch weitere Veränderungen, 
indem man Verkleinerungssilben an sie hängte. Die einfachste Art der 
Verkleinerung wird durch i bewirkt: Sigi^ Kuni. Wichtiger jedoch sind 
die konsonantischen Suffixe k, l, x in den Endungen iko, ilo, ixo. So 
entstanden Bildungen wie: Oodiko, Oodilo, Oodixo (von Godö)] Sigiko, 
Sigilo, Sigixo (von Sigo) — ebenso zweistämmig: Sibiko; Oppilo, Oppixo 
{von Oppo =» Otbert), 

Aber damit war man noch nicht zufrieden. Kann doch die elterliche, 
besonders die mütterliche Liebe sich in zärtlichen Benennungen nimmer 
Genüge tun. Man verband die Verkleinerungssilben, so daß dann doppelt 
verkleinerte Formen entstanden: ikilo — iliko — ixiko, ixilo, und mit Zuhülfe- 
nahme des dem l so nahe verwandten Suffixes n: ikin — iltn — ixtn.^ 

Dies sind die Verkleinerungsformen, die liebkosenden Deminutiva oder 
Schmeichelformen 2, mit welchen wir aus dem Hochwald der altgermanischen 
Namengebung (s. Kap. 3) nunmehr in den Niederwald eingetreten sind, der, 
was ihm an Mächtigkeit der einzelnen Stämme abgeht, durch ihre Menge 
und dichtes Wachstum zu ersetzen sucht 

Staunenswert ist die Vermehrungskraft, die in diesen alten deutschen 
Personennamen liegt. Einem einzigen können tausende entkeimen. Sie 



Prandus aus Roiprandus (Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 13), Role für Karl 
aus der latinisierten Form Carolus, 

1) Nach Starks Beobachtungen (S. 52ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen 
die auf i, demnächst die mit / (nachweislich aus dem 1. Jahrh. nach Christo), während 
solche mit k erst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei den goti- 
schen Stämmen sehr beliebt; Sachsen und Friesen dagegen verwendeten vorzugsweise 
kj selten t (entsprechend dem ahd. %). Bei den oberdeutschen Stämmen erscheinen 
Deminutiva mit l in überwiegender Zahl, seltener solche mit x (in sicheren Belegen erst 
seit dem 8. Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminu- 
tiva mit ch\ sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T. durch 
Kolonisation hervorgerufen ist. L und k können jede Stelle einnehmen, x scheint auf die 
erste beschränkt zu sein. 

2) Gewöhnl. „Koseformen*, eine Benennung, die Steub in seinen ^Oberdeutschen 
Familiennamen^ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig^ klingend tadelt und für die 
er „Schmeichelform" vorschlägt. Im Gegensatze zu ihnen werden die unverkürzten Namen 
wie Oodberaht, Sighert Vollnamen genannt. 



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24 6. Fremdsprachige (kirchliche) Namen. 

können es — denn freilich sind nicht alle Keime fruchtbar geworden, wie 
nicht aus jeder Eichel im Walde ein Baum entsteht; aber die Möglichkeit 
ist vorhanden. Dies weist sehr anschaulich Pauli an einem Beispiele nach, 
wozu er den Namen Oodeberaht wählt.* 

Aus ihm entstehen zunächst die einstämmige gekürzte Form Oodo 
und die zweistämmige Oodbo mit ihren Nebenformen Oobbo und Oobo. 
Daraus entstehen an einfach verkleinerten Formen mittels der Endungen 
ilo, ixo und iko 21 Namen; hieraus durch doppelte Verkleinerung 49 For- 
men (s. Beilage 1). 

Das sind 75 Grundformen, deren weitere Entwickelung Pauli mit 
Rücksicht auf das Neuhochdeutsche folgendermaßen berechnet. Jede dieser 
75 Formen hat zunächst mindestens eine mundartliche Nebenform, indem 
für d auch t, für b auch jt?, für ^ niederdeutsch /, für k hochdeutsch ch 
eintreten kann. Das gibt also 75 neue Formen, zusammen 150. Nun 
wechseln femer g und j häufig in Namen, und dadurch erhalten wir 150 
weitere Nebenformen, zusammen 300. Der althochdeutsche Vokal o erscheint 
neuhochdeutsch bald als o, bald als ö, verdumpf t auch als u und ü. Es 
ist demnach jede der 300 Formen in vier Variationen möglich — zusammen 
also 1200. Doch wir sind noch nicht zu Ende! Jede der obigen 1200 
Formen kann die drei Arten Patronymika bilden, auf -ing, auf -sen und 
rein genetivische. Das gibt 3600 Formen, also zusammen bis jetzt 4800. 
Fast wie eine Laune der Sprache erscheint es, wenn sie an den Namen, 
der ja schon die Personen als solche bezeichnet, noch ein -mann anhängt 
Dadurch ergeben sich schließlich noch 1200 Namen, in Summa also alles in 
allem 6000 Namen, die auf die eine alte Form Oodeberaht zurückgehen. 

So zeigt auch die Sprache, was wir an der Natur so sehr bewundem, 
eine unendlich reiche Entfaltung eines einzigen Keimes, und zwar mit ver- 
hältnismäßig geringen Mitteln. 

6. 

Fremdsprachige (kirchliehe) Xaraen.^ 

Trotz der eben geschilderten Lebenskraft und Zähigkeit der altdeut- 
schen Personennamen war es unausbleiblich, daß bei der andauernden Ein- 
wirkung der fremden Gelehrsamkeit, die ja schon im Zeitalter der Ottonen 
(10. Jahrh.) zu einer deutschen Literatur in lateinischer Sprache führte, 
und bei der zunehmenden Macht der Kirche endlich auch fremde Namen 
Eingang gewannen. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Anzahl 
dieser in Deutschland auftauchenden kirchlichen, also hebräischen und 



1) Pauli, Über FamilieDnamen , insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8f. 

2) Abel S. 45 — 48. — Becker, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre Entstehung 
und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f. 



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6. Fremdspi-achige (kirchliche) Namen. 25 

griechisch- lateinischen Tauf naraen verschwindend klein; seit der Hohenstaufen- 
zeit aber und dem gesteigerten Verkehr mit Italien nimmt ihre Zahl sehr 
zu. Die ersten sind die Namen der hervorragendsten Apostel Johannes^ 
Petrus^ Paulus, Jacobus, auch Phüippus (so unter den Hohenstaufen selbst 
ein Philipp von Schwaben); daran schließt sich eine Reihe Heiliger, als: 
Martiji, Michael (der Erzengel), Christoph, Georg, Letztere jedoch, so 
unverdächtig kirchlich ihre Namen klingen, wurzeln im tiefsten Grunde 
noch in altheidnischem Boden. Wie sonst vielfältig, haben sich auch hier 
volkstümlich -heidnische Vorstellungen unter einem nur leicht darüber 
geworfenen christlichen Gewände erhalten. Bekannt ist die Legende vom 
A. Ckristophorus, der das Christuskind durch das tiefe Wasser trägt und 
daher eben seinen Namen (Christusträger) empfangt. Ebenso trägt nach der 
nordischen Mythe der Gott Thor (Donar) durch gewaltige Ströme gehend den 
Oervandil auf seinen Schultern, und wie Thor hat auch der h. Christoph 
rotes Haar und wurde vom Volke zum Schutzpatron gegen Blitz und 
Wetterschaden gemacht 

In St, Georg dem Drachentöter haben wir unverkennbar den alten 
deutschen Nationalhelden Siegfried vor uns, der selbst wieder nur die ver- 
jüngte und vermenschlichte Wuotansgestalt ist. 

Am merkwürdigsten aber ist es, wie der h, Michael in die Stelle 
Wuotans getreten ist. Warum haben neben ihm die beiden andern Erz- 
engel Raphael und Gabriel keinen Platz gefunden? Zunächst war ihm 
schon sein Name günstig, der an das altdeutsche michel (groß) anklang; 
dann aber erinnerte der Erzengel die jungen Christen dadurch an ihren 
Gott, daß er der Führer der himmlischen Heerscharen (caelestis militiae 
signifer) und der Vorsteher des Paradieses ist Wie Wuotan die Seelen der 
gefallenen Helden empfängt und nach Walhalla führt, so wird von Michael 
gelehrt, daß er der Fürst der Engel und von Gott mit dem Amte betraut 
sei, die Seelen der abgeschiedenen Christen in Empfang zu nehmen und 
ins Paradies einzuführen. 

So lehnen auch diese Heiligen sich noch an das altgermanische Heiden- 
tum, dessen Anschauungen und Gestalten unter der durchsichtigen Hülle 
christlicher Benennungen fortleben. 

Ferner setzte sich eine Reihe von Ortsheiligen fest, die besonders 
in einzelnen Landschaften, Städten usw. als Heilige und Schutzpatrone 
verehrt wurden. So Gallus und Columban im Bereiche von St Gallen, 
Siephanus in Österreich, Kilian der Franken -Apostel in Würzburg, Martin 
in Mainz, Floretitius in Holland. Ihre Namen wurden Täuflingen bei- 
gelegt und wurden sehr natürlich Lieblingsnamen des Volkes in dem jedes- 
maligen Bereich. 

Verwandt mit diesen Lokalheiligen sind die Schutzheiligen ein- 
zelner Stände. St, Georg, der Drachensieger im ritterlichen Harnisch, 



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26 7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen. 

war der Patron der Ritterschaft. Ähnlich wurde der A. Nicolaiis, ursprüng- 
lich Bischof Yon Myra in Syrien (Kleinasien), als Patron der Kaufleute 
und Seefahrer angesehen, seitdem im 11. Jahrh. italienische Kaufleute seine 
Gebeine glücklich nach Bari in Unteritalien entführt hatten. Daher nun 
unter anderem die vielen Nikolaikirchen, besonders auch im Norden Deutsch- 
lands, z. B. in Berlin, Stettin, Hamburg, daher die Beliebtheit des Namens 
als Taufname in früherer Zeit* 

So drang allerdings ein immer breiter werdender Strom neuer, fremd- 
sprachiger Namen ein; aber eine eigentliche Hochflut brachte erst das 
16. Jahrhundert, das Zeitalter der Reformation. Mit Eifer wandte sich 
das Tolk dem neu erschlossenen Buch der Bücher zu und holte sich dort 
nicht nur seine Glaubenslehren, sondern auch seine Namen. Aus dem alten 
und neuen Testamente, von Adam und Eva bis zur Offenbarung Johannis 
herab, entlehnte man sie. Im Gegensatze zu dem Protestantismus betonte 
der Katholizismus die Heiligenverehrung noch stärker und fügte den schon 
früher eingefühilen Heiligennamen eine große Zahl neuer hinzu; man kann 
sie eben daran erkennen, daß sie ziemlich ausschließliches Eigentum der 
Katholiken sind, z. B. Ignatius, Vincenz, Aloys, Xaver, Seraphin, 

Als nun vollends durch den dreißigjährigen Krieg das nationale Leben 
in seinem Kern angegriffen und auf ein Jahrhundert fast erstickt wurde, 
da riß wie in Sprache und Literatur, so auch in der Namengebung eine 
vollständige Verwilderung ein. Doch ist das hier glücklicherweise von 
geringerem Belang, weil längst der große Wendepunkt eingetreten war, da 
die Personennamen fest wurden und sich die Familiennamen bildeten. Auf 
diesen schon im 13. und 14. Jahrhundert in der Hauptsache zum Abschluß 
gekommenen Prozeß hat die spätere Überschwemmung mit fremden Namen 
wenig mehr einwirken können, daher wir uns hier mit diesen kurzen Hin- 
deutungen begnügen. 

7. 

Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen. 

Bei den einfachen Verhältnissen der früheren Jahrhunderte, solange 
eben das Leben auf engere Kreise beschränkt war, hatte ein Name zur 
Bezeichnung einer Person genügt So noch während der Herrschaft der 
sächsischen, der fränkischen Kaiser. Die Bevölkerung war verhältnismäßig 
dünn und dazu der Hauptmasse nach bodenständig; jeder, vom Grafen bis 
zum letzten Hörigen, war ein mehr oder weniger abhängiges Zubehör der 
Scholle, die ihn nährte, des Gaues, der Grafschaft. Jeder kannte seine 



1) Übrigeos wuiden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, 
und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub getan. Solche Heiligen- 
namen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B. Älfons, Oottschalk, Htldebrand, 
Hubert (Patron der Jäger), OitOy Wilibald u. a. m. 



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7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen. 27 

Nachbarn, Aus- und Einwanderung fand, die slawischen Marken abgerechnet, 
nur in geringem Maße statt Handel und Verkehr war nicht bedeutend, 
da die abendländischen Völker wenig Bedürfnisse hatten und was sie brauch- 
ten, meist selbst erzeugten. Da bedurfte es der Geschlechtsnamen so wenig, 
als noch heutzutage im Innern der Familie. Aber allmählich änderte sich 
die Sache. Die Bevölkerung wurde dichter. Es kamen die Kreuzzüge und 
bewirkten mannigfachen Wechsel im Besitztum; das Land wanderte in die 
Stadt, Fremde siedelten sich hier neben Fremden an; Handel und Wandel 
nahm zu und mit ihm die Zahl der gerichtlichen Verträge und Urkunden. 
So genügte die alte Bezeichnungsweise nicht mehr. Da überdies viele der 
alten Namen erloschen waren, andere, ursprünglich verschiedene, in der 
im gewöhnlichen Leben gebrauchten Form zusammenfielen (z. B. BaWiard, 
Baldram, Baldewin in der Form Baldo, vgl. S. 23), so war es unausbleib- 
lich, daß besonders an den Brennpunkten des Verkehrs, in den Städten, 
derselbe Name sich bei vielen Personen wiederholte. Wie häufig der Name 
Wilhelm bei den Normannen gewesen, ist vorhin schon erwähnt (S. 22). 
So finden wir ferner in Köln unter den Ministerialen in den Jahren 1141 bis 
1159 nicht weniger als zwölf verschiedene Hermann. Ähnlich war in Basel 
der Name Burkhard, in Zürich Heinrich verbreitet Endlose Verwechselungen 
und Verwirrungen mußten daraus im täglichen Leben entstehen. Und wie 
unvollkommen war eine Unterschrift in dieser Art, wie eine Urkunde des 
Bistums Basel aus dem Jahre 1095 von 19 Personen bezeugt wird, die 
außer dem dux Beriholdus (nämlich von Zähringen) und comes Eii^mannus 
nur mit ihrem einfachen Personennamen untei-schrieben sind: AriioU, Sige- 
bolty Ruodolfus usw., zweimal Burchardus und zweimal Cuono, wo es 
dann höchst einfach heißt: Cuono, item Cuono! 

Die Notwendigkeit einer genaueren Bezeichnung und Unterscheidung 
machte sich gebieterisch geltend, im täglichen Leben wie bei Ausstellung 
von Urkunden. Um zu wissen, welcher Hermann oder Heinrich oder 
Johannes unter den vielen dieses Namens denn gemeint sei, mußten aller- 
hand Zusätze gemacht werden, wodurch die einzelnen genauer gekenn- 
zeichnet wurden. Dieselben bestanden in dem Personennamen des Vaters 
oder in der Angabe des Amtes und der Beschäftigung, oder sie waren 
von besonderen, an einer Persönlichkeit hervortretenden Eigenschaften 
oder endlich von dem Wohnsitz entlehnt. So finden wir unter jenen zwölf 
Hermann in Köln einen Raxo*s, einen Sohn Ditwigs, einen Vogt, einen 
Schultheiß (Amt), einen roten, einen weißen, einen mit dem Bart 
(Eigenschaften), einen vom Neumarkt (Wohnung). 

Diese Zusätze nun gingen auf die Nachkommen über, sie befestigten 
sich in der Familie und wurden so allmählich zu Familiennamen, wie dies 
bei den einzelnen Klassen derselben näher nachgewiesen werden soll. Erst 
dies, daß solche Zusätze nicht bloß eine bestimmte einzelne Person näher 



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28 7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen. 

kennzeichnen, sondern auch auf die Nachkommen forterben, macht ja das 
Wesen der Familien- oder Geschlechtsnamen aus. 

Doch vorher ist der Zeitpunkt, wann diese große Wendung eingetreten 
(daß sich aus den alten Personennamen, unter Hinzutritt ganz neuer Ele- 
mente, die Familiennamen bildeten), genauer ins Auge zu fassen und fest- 
zustellen. Dieser Zeitpunkt ist durchaus nicht überall derselbe, sondern 
ein sehr verschiedener, zum Teil um Jahrhunderte auseinanderliegender, 
eben in genauem Anschluß an die soziale Entwickelung der einzelnen 
Länder und Landschaften. Wo bürgerlicher Verkehr aufkommt, da wird 
auch das Vorhandensein fester, erblicher Namen notwendig, und es bilden 
sich Familiennamen, als natürliches Erzeugnis der Verhältnisse. Umgekehrt 
ist demnach das frühere oder spätere Emporkommen der Familiennamen 
ein Gradmesser für die frühere oder spätere Entwickelung des Bürger- 
standes in den Städten. Von den Städten wird der neue Brauch dann auf 
das Land und andere Stände übertragen. 

Am frühsten treten die Geschlechtsnamen In Süddeutschland und 
am Rheine auf; so (nach Becker) 

in Köln 1106, in Zürich 1145, 

in Basel 1168 — 
etwas später in Mitteldeutschland, so 

in Nordhausen im 13. Jahrhundert^ — 
noch später in Norddeutschland; wenigstens weisen für Pommern die 
Verzeichnisse der Kamminer Prälaten ^ auf die erste Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts hin. 



1) Förstemann, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 
14. Jahrhundert, Progr. S. 4. 

2) Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogis- 
laws X. 1859. Zur Veranschaulich ung setzen wir ein Verzeichnis der ^Praepositi, Dhuni- 
praueste** des Bistums Kammin her: 

Sifridus 1175—85 Hildebrandus 1303 — 15 

Conradus 1186—1216 Reymarus (de Wacholt) 1317 — 23 

Thietmarus 1222 Fridericus de Stalberg 1326 

Pribxlaus 1224 — 32 Barnim de Werte 1330—33 

Fhrentius 1233 — 40 Conradus dictus de Qripeswold 1333 — 36 

Conradus 1241 — 49 Bernardus Bere 1336 — 51 

Lambertus 1253 — 91 Muardarqus de Tralowe 1354 — 68 

Johannes 1297 — 99 usw. 

So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man 
unter anderen bei Kleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. 
— Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in 
den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst 
im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren 
finden sich in Venedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine Familie Particiaco begegnet: 



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7. Das Festwerden der Namen: Bildung der FamilienDamen. 29 

Anfänglich tauchen einzelne Familiennamen auf, die sich aber schnell 
vermehren, und sehr bald, nach einer verhältnismäßig kurzen Übergangs- 
periode, hat der neue Brauch gesiegt und die Umwandlung ist allgemein. 
Zimächst finden sich die Geschlechtsnamen, nach Beckers Beobachtungen, 
bei den vornehmeren Bürgern der größeren Städte, nämlich bei den reicheren 
Ministerialen oder ritterbürtigen Dienstmannen der Bischöfe und bei den an 
Bang und Geltung ihnen nahestehenden Freibürgern oder Patriziern. Was 
an Rang über oder unter diesem Stande ist, der hohe Adel jind die Geist- 
lichkeit einerseits, der Handwerker und der hörige Bauer anderseits, das 
hält noch lange an dem alten Brauche der einfachen Namengebung fest — 
Der hohe Adel nennt sich bekanntlich nach dem Stammsitz. Bei der Geist- 
lichkeit setzen zuerst die Stiftsherrn aus städtischen Geschlechtern ihren 
Geschlechtsnamen der sonstigen Bezeichnung bei, z. B. 1230 in Zürich 
R. Manexo subdiaconus; bei ihnen mochte das bürgerliche Selbstgefühl dem 
geistlichen die Wage halten. Dagegen nannten Bischöfe und Äbte sich , wie 
meist noch jetzt, mit dem Taufnamen oder dem angenommenen Kirchen- 
namen, unter Beifügung der Würde, der Diözese, des Klosters. 

Die Handwerker in den Städten ahmten zwar bald den Brauch des 
städtischen Adels und der Patrizier nach; da sie sich aber stets aus der 
Landbevölkerung ergänzten und deren älteren Brauch in die Stadt hinein- 
brachten, so konnte es vorkommen, daß z.B. in Basel noch 1438 bei der 
Zimft „zu Brotbecken'' ein sonst namenloser „Hans des jebsmolers (Gips- 
müUers) tochtermann" aufgenommen wurde. 

Bei dem Landvolke endlich hängt die Benennung mit dem Grade der 
errungenen Freiheit zusammen. Während die freien Landleute von Uri 
schon 1291 eine große Anzahl wirklicher Geschlechtsnamen bieten, ent- 
behren die Leibeigenen in manchen Gegenden derselben bis ins 14., ja 
16. Jahrhundert. 

Doch ist hervorzuheben, daß an den Küsten der Nordsee, in Fries- 
land, Holstein, Schleswig, wie auch in Dänemark eigentliche Familien- 
namen sich am spätesten festgesetzt haben, indem die alte Sitte, sich nach 
dem Vater zu nennen (z. B. Großvater Clas Petersen, Vater Peter Glossen, 
Sohn Clas Petersen^ Enkel Peter Glossen) erst im vorigen Jahrhundert 
polizeilichen Verordnungen gewichen ist.^ Es ergibt sich aus allem, daß 



809 Ängeh F., 829 Jiistiniano P., 864 Urso P., 881 Johannes Particiaco. Hier orbt 
also der Name Particiaco y urspi-ünglich der Beiname einer einzigen Pereon, in dem 
Geschlechte fort. 

1) Allmers in seinem „Mai-schenbuch" bemerkt auf Seite 140f.: „Eigentliche 
Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der 
Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen, wie 
es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z.B. der Vater 
Eke Lübs und man taufte seinen Sohn Siade, so hieß dieser Siade Eksy und der Enkel, 



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30 8. Altdeutsche Vollnamen als Familiennamen. 

der Gebrauch der Geschlechts- oder Familiennamen in den Städten und 
mit der Blüte der Städte entstanden ist; daß dieser Brauch in den einzel- 
nen Städten um so eher aufkommt, je früher sich dieselben entwickeln, 
und daß er sich von der Stadt und ihren Bürgern auf das Land und auf 
andere Stände verbreitet hat. 

Wie wenig befestigt anfangs die einzelnen Familiennamen waren, ergibt 
der leichte und häufige Wechsel. So wurde Lucas Cranach, also benannt 
von seinem Geburtsort im Hochstifte Bamberg, auch genannt „Lucas 
Maler". Sein eigentlicher Familienname war wahrscheinlich Sunders 
(Pott, Personennamen, S. 43). Im Quedlinburger ürkundenbuche wird aus 
dem Jahre 1407 ein Ludeke Hugholdes, „anders gebeten Ludehe Smet,^ 
erwähnt, aus dem Jahre 1429 ein Clauwes Hartwiges, „anders gebeten 
Ciauwes Oroper.^ 

8. 

Altdeatsehe VoUnamen als Familiennamen. 

Um eine Person genauer zu bezeichnen und von „den Genamen", 
den Namensvettern, zu unterscheiden, war es das Nächstliegende, die 
Abkunft anzugeben, also den Namen des Vaters hinzuzufügen, besonders 
wenn dies eine hervorragende Persönlichkeit war. Nennen sich doch schon 
in der deutschen Heldensage die Helden nach ihren Vätern: Hiltibrant 
Heribranies sunu^ Sigfrid Sigmundes sun — Zusätze, die jedoch damals 
noch nicht erblich geworden. Wurde nun der Name des Vaters beigefügt, 
so geschah dies in der Form „Sohn Arnolds^ oder auch bloß Arnolds, in 
den Bürgerrollen und Urkunden, die meist lateinisch abgefaßt wurden: filius 
Amoldi oder mit Auslassung von filius bloß At^wldi. Man würde dem- 



wenn er nach dem Großvater Lübbe genannt wurde, LÜbbe Siads oder Ehe Lübbe Stada, 
Das angehängte s ist nichts weiter als Bezeichnung des Oenetivs. — Man kann leicht 
ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz 
besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheitcn betraf, bei denen oft weitläufige 
Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft 
endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen 
Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem 
Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte 
und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen 
nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Land- 
bevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen 
Gelegenheiten erforderlich sind.*^ 

Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an 
der Person als am Hofe. "Wenn z. B. Müller zu B. auf den Hof Meyer zu N. heiratet, 
heißt er selbst Meyer zu N,^ nicht mehr Müller, höchstens Meyer geb. Müller, Wenn 
Kinder oder Eindeskdnder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der Regel Meyer, selten 
Müller nennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippi- 
schen Familiennamen 0. Preuß. 1864. 



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8. Altdeutsche YollDamen als FamilieDDameD. 31 

nach hier lauter genetivische Familiennamen als Patronymika erwarten, 
wie Arnolds, Friedrichs, Otten. Auffällig ist nun, daß die weit über- 
wiegende Mehrzahl der Namen dieser Art nicht im Genetiv, sondern im 
Nominativ auftritt: Arnold, Friedrich, Otto (Otte) usw. Woher diese 
auf den ersten Blick überraschende Erscheinung? Sie ist wohl so zu 
erklären, daß man statt des genaueren Genetivs oder einer sonstigen 
patronymischen Bildung den Namen des Vaters einfach und unverändert 
im Nominativ hinzusetzte — infolge einer schon damals eintretenden Erstarrung 
der Sprache, vielleicht auch, weil man den Namen des Vaters deutlicher 
wollte hervortreten lassen. So finden wir bereits im 8. Jahrhundert in 
Urkunden unter andern einen Sigifridus filitis Sigimundus, und im 
IL Jahrhundert erscheint der Vatername schon oft dem des Sohnes im 
Nominativ als Beiname hinzugefügt, z. B. Ugiio Folcaldus (im J. 1030.)^ 
Ein besonders belehrendes Beispiel führt Becker aus Köln an. Dort finden 
wir unter den Dienstmannen der Abtei zu St. Pantaleon im Jahre 1128 einen 
Raxo; dann unterzeichnet 1185 unter den Bürgern ein Henricus Raxonis^ 
derselbe 1195 Henricus Raxo, und 1272 ist Theodoricus dictus Raxo 
Bürgermeister. Ebenso erscheint im Göttinger Urkundenbuch im Jahre 1245 
der Ritter Johannes Cusen (Genetiv), 1270 der Ritter Johannes Ouso,^ 
Gewiß war dies, die einfache Beifügung des Vatemamens im Nominativ, 
im gewöhnlichen Leben noch häufiger. 

So erscheint denn nun eine Menge jener altdeutschen Personennamen 
nunmehr als Familiennamen, teils wenig verändert, z. B. Hildebrand, 
Siegfried, Amelung, teils mannigfach abgeschliffen, wie Kiesel und Geröll 
des Meeres im Wogenschlag der Jahrhunderte, teils sogar verstümmelt 
und entstellt bis zur Unkenntlichkeit 

Am deutlichsten treten hervor die zusammengesetzten Namen, von 
denen hier eine Übersicht der gewöhnlicheren Bildungen folgen möge, nach 
dem zweiten Teile der Zusammensetzung geordnet: 

bald (bold, belt; polt, pelt, „kühn''^): Liebald, Liebold, Liebelt, Lippold, 
Lippelt; 

brecht (bert, barth; precht, pert, „glänzend"): Siebrecht, Siebert, Siebarth; 
Wieprecht, Wiepert; 

fried (fert, fart, „Friede, Schutz"): Siegfried, Siefert, Seifart; 

ger („Speer"): Rödiger; 

hart (art, ert, „stark, fest"): Eckhardt, Eckart, Eckert; 



1) Stark, Kosenamen, S. 154. 156. 

2) Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigen- 
namen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. Kinder Korah, Tochter Zion, Sohn Isai. 

3) Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser 
Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast 
bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind. 



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32 0. Sproßformen der altdeutschen Vollnamen als FamiliennameD. 

her (er, „Krieger; Heer"): Walther, Walter; 

mann: Hermann; 

mar (mer, „berühmt"): Volkmar, Volkmer; 

rieh (reich, „mächtig"): FHedrichy Friedreich; 

walt (olt, elt, „waltend"): Reintvald, Reinold^ Reinelt; 

wart (werth, „Hüter, Wart"): Ahlwardt, Adelwerth\ 

wig („Kampf"): Hartimg; 

win (wein, „Freund"): Gerivin, Eberivein; 

wolf (olf, umgestellt loff, „Wolf"): Schönewolf; Rudolph , Rudioff, 
Durch Abfall der Schlußkonsonanten entwickelte sich aus bald, bell: 
ball, bei; aus fert: fer; aus old: ohl usw. 

Manche dieser urspr. altdeutschen Namen treten infolge mundartlicher 
und anderer Einflüsse in außerordentlich vielen verschiedenen Formen auf, 
z. B. altdeutsch Ricohard findet sich als: 

Richard, Richert, Riechert — Riegert — Reichhardt, Reichard, Reichert 

— Ricker t, Ritschar d — Ritsert; 

ungerechnet die bloß orthographischen Abweichungen. Liutbald tritt gar 
(freilich gemengt mit Liutivald) in mehr als zwanzig Formen auf: 

Liebaldt, Liebold, Liebhold, Libelt, Liebel, Liepelt — Lippelt, Lippel 

— Leopold — Lepold, Lepel — Leppelt — Luppold — Lubold — 
Laubhold — Leupold — Leybold, Leibel, Leibhold, Leipold, Leipel usw. 

9. 
Sprorsformen der altdeatschen Vollnamen als Familiennamen. 

a) Kürzungen und Verkleinerungen. 

Sehr zahlreich, mitunter zahlreicher noch als die vollen Formen, sind 
die verkürzten, sich anschließend an die altdeutschen Kürzungen und Ver- 
kleinerungen, die Seite 23 behandelt sind. Das o, welches dort an den Torso 
gesetzt wurde, hat sich nur in wenigen Familiennamen, wie Otto, ThilOy 
erhalten; meist ist es in e abgeschwächt: Otte, Thiele, Heine (altd. Heino 
aus Heinrich), Thieme (Thiemo aus Thiedmar) — oder es ist ganz abgefallen, 
so daß der Name einsilbig wird: Ott, Thiel, Heyn, Thiem. 

Diese Verkürzungen bilden den Übergang zu den eigentlichen Ver- 
kleinerungsformen oder Schmeichelformen. Die verschiedensten Bildungen 
treten hier hervor, und eine wundersam reiche Flora beut sich den er- 
staunten Blicken. Jede Landschaft hat ihre besonderen Deminutivendungen, 
nach Maßgabe der Mundart.^ 

Der Kern der oberdeutschen Verkleinerungsendung ist ein / (altd. 
iU), s. S. 23), welches auch in Appellativen in den mannigfachsten Formen 



1) Die rein vokalische Verkleinerungsform i (S. 23) findet sich jetzt nur noch in der 
Schweiz: Burcki, Fritschi, Hochuli, Wellt. 



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9. Sproßformen der altdeutschen Personennamen als Familiennamen. 33 

auftritt: efe, el, le, li, la usw., z. B. Mädele^ Mädel , Maidle, Maidli, Madla; 
Vogel j Vogerl 

Der Kern der niederdeutschen Verkleinerungs-Endung ist ein k 
(altd. iko, S. 23): ke, ken, z. B. Make, Mäken. 

Im Schriftdeutschen sind beide vertreten, und zwar in der Verbin- 
dung mit n (S. 23): oberd. lein, niederd. chen. 

Demnach finden wir im Oberdeutschen folgende Bildungen in den 
Familiennamen: 

el (die verbreitetste Form): Dieielj Merkel; 
1 (bayrisch, österreichisch): IHetl, Merkl; 
le (schwäbisch): Dieile, Merkle — mit Bindevokal: Eisele; 
li (schweizerisch): Märkli; 

lin (schwäbisch, schweizerisch): * Märkltn, Bürklin — abgestumpft in: 
len Eiselen — 
gewöhnlich, mit der Weiterentwickelung des Neuhochdeutschen Schritt 
haltend: 

lein: Dieilein. 
Weniger mannigfaltig sind die entsprechenden Bildungen in Nieder- 
deutschland, wo man im allgemeinen die Verkleinerungsformen auch in 
den gewöhnlichen Hauptwörtern weniger liebt. Es ist hier besonders nur 
die Endung 

ke mit Bindelaut: Tedike, Reinicke, Reinecke; 

ohne Bindelaut: Reinke, Wilke; 
k: Tieck — 

verhochdeutscht 
ch (ich, ig): Dedich, Rüdig, 

Daneben finden sich 
ken: Tiedken, Willcen, welches hierher gehört, sofern es aus dem alten 
kin (ikin) abgeschwächt ist. Doch ist es in vielen Fällen gene- 
tivische Bildung (s. das folg. Kap.). Die hochdeutsche Form 
chen, die bei den Appellativen zur Herrschaft gelangt ist, findet sich 
gerade bei Eigennamen auffallend selten: Nöldechen (Didtgen). 
Friesisch lautet die Verkleinerungsform je: Meisje (Mädchen), Poitje 
{Töpfchen); so auch in Familiennamen 
je; Detje^ Bätje. 
Diese Verkleinerungen bewirken in der Regel, wie aus den obigen 
Beispielen ersichtlich, den Umlaut, wegen des ursprünglich in der Endung 
steckenden i (iko, iloj. 



1) Wie Luther „TFörf/*n" u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts: „Er hat ein hölzins Röcklin an." Daß übrigens die Endung hier in den Eigen- 
namen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, also Rümelin (•^'^— ). 

Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Aufl. 3 



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Qoo^^ 



34 d. Sproßformen der altdeutschen Personennamen als Familiennamen. 

Außer diesen beiden Hauptsuffixen, l und k, wird in Mittel- und 
Süddeutschland noch jenes dritte, nur in Eigennamen vorkommende 
gebraucht: 

X (altdeutsch ixo^ s. S. 23). 
So wird aus Dietrich: Dietxe, nachher einsilbig IWe^;t, aus Gottfried : Oötxe, 
Oötx (vgl. Götz von Berlichingen), aus Ludwig: Lutxe, Lutx, aus Heinrich: 
Heinxe, Hmix — aber auch Heinitx (aus urspr. Hemixo, der Grundlage 
für alle drei Formen). 

Diese Kürzungen der Rufnamen, welche als solche in Niederdeutsch- 
land, mit alleiniger Ausnahme von Fritx^^ durchaus nicht üblich sind, haben 
von Oberdeutschland her als Familiennamen weite Verbreitung gewonnen. 
Das X erweichte sich übrigens, der Entwickelung der Sprache folgend, 
häufig in 8s: Diess, Russ, ja in s: Heinse, während es sich anderseits 
in schy tsch vergröberte: Oersch statt Gerz, Dietsch. 

Da nun aber die Sprache mit einmaliger Verkleinerung noch keines- 
wegs zufrieden ist, so werden diese verschiedenen Endungen verbunden 
und auf solche Weise doppelt verkleinerte Formen gebildet, z. B. von 
Dietrich: 

licke (altd. iUko): ThieUcke^ Tielke; 
kel (altd. ikilo): Tickel; 
zel (altd. ixih): Dietxel; 
zke (dMAAxikö): Tietxke. 
Ja es finden sich Formen, in denen alle drei SufRxe (x, Z, k) vereinigt 
sind: Dietxelke. 

b) Oenetivische Namen. 
Wenn (nach S. 31) auch die Form, in welcher ein Personenname sieb 
als Familienname festsetzte, in der Regel die des Nominativs war, so war 
es doch unausbleiblich, daß bisweilen der Genetiv an seine Stelle trat. 
Entsprach es doch der strengen grammatischen Begel, wenn der Name des 
Vaters zu näherer Bezeichnung eben im Genetiv hinzugefügt wurde: 
Heinrich, Sohn Arnolds, lateinisch Henricus, filius Amoldi, wobei die 
Bindeglieder „Sohn" und filius auch wegfallen können.* Daher nun eine 



1) Daß jyFritx^^ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein 
verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzoliern nach Brandenburgs 
deren Ahnhen*, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser 
Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mit x auch 
schon früh in niederdeutschen Urkunden: Hence (=Henze) und Hinxe mehrfach in Ur- 
kunden der Stadt Lübeck 13. Jahrb., Thiexo, Winixo, Reinxo und einige andere in der 
Frekenhorster Heberolle, so daß man mitLübben, Die Thiemamen im Reineke Vos S. 48, 
wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung des x mit ä;, 
wie in Tiexiko, Meinxiko, Baxiko, die eigentlich Zwitter sind. 

2) Henrunis dictus Amoltx (= Arnolds) , Berehtoldus Marchwnrdi u.a. in Urkun- 
den; deutsch Henning Markwardes (wie Darius Hystaspis), 



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9. Sproßformen der altdeutschen PersoDennamen als FamilienDamen. 35 

ziemliche Menge Namen, die sich im Genetiv festgesetzt haben und in 
dieser Form als Familiennamen erstarrt sind. Die beiden Biegungsarten, 
welche durch die Deklination der Hauptwörter im Deutschen hindurchgehen, 
treten nun auch hier hervor: 

die starke, die sich durch ein s, 
die schwache, die sich durch ein n 
im Genetiv kennzeichnet Erstere tritt an die vollen Namen, wie Diede- 
richs, Hermanns, letztere an die Verkürzungen: Thielen^ Otten (welche 
aber auch häufig das ^ der starken Biegung annehmen, z. B. Köhns neben 
Konen). 

Dazu tritt als eine dritte Form im Friesischen ena (wie in Hagena, 
Tydena)^ die mit Ruprecht^ als Genetiv Pluralis der schwachen Dekli- 
nation zu erklären ist (vgl. den alten Wahlspruch „Eala freya Fresena^% 
Es bedeutet demnach z. B. Focke ückena („hovetlink Focke U. van Leer*' 
in einer Urkunde von 1435) den Sohn oder Nachkommen der Uko, weist 
also nicht bloß auf den Vater, sondern auch auf die Ahnen hin. Da 
diese Bezeichnung besonders für angesehene Geschlechter Wert hatte, bei 
welchen der Name auch einen Anteil an dem alten Besitze und dem 
alten Ruhme der Familie zusicherte, so ist es nicht zufällig, wenn wir 
unter den klangvollen Namen dieser Bildung vielen alten Häuptlingsnamen 
begegnen. 

Der genetivischen Bildungen sind aber mehr, als es auf den ersten 
Blick scheint, da sich dieselben nicht selten hinter entstellender Recht- 
schreibung verstecken; namentlich schmilzt ein ^-Laut mit s zu tx zusam- 
men: Seifriix (statt Seifrids, Siegfrids), Gompertx (statt Goraperts von Gund- 
brecht), Reinartx (Reinhards). Während in dem letzten ein zum Stamm 
gehöriges h ausgelassen ist, wird ein solches in den Zusammensetzungen 
mit old (walt) falschlich eingeschoben, so daß der Schein einer Zusammen- 
setzung mit Holz (niederd. Holt) entsteht. Beinold, schon entstellt und 
umgedeutet in Reinhold, nimmt so im Genetiv oder durch falsche Ver- 
hochdeutschung gar die Form Reinholx an. 

Durch Vermittelung des Lateinischen, welches in den Bürgerrollen 
und öffentlichen Urkunden überwog, entstanden die Zwitterformen Ärnoldi, 
Ruperti, Friederici, auch mit y: Bemhardy und ähnliche. Formen, die sich 
schon durch das Verschieben der naturgemäßen Betonung als Entstellungen 
der deutschen Namen kundgeben. 

Ganz mit demselben patronymischen Sinne wie die Genetive werden 
auch Zusammensetzungen mit „Sohn'' gebildet, welches dabei aber fast 
immer in der abgeschliffenen Form sen erscheint: Wilmsen, Volquardsen. 



1) Buprecht, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. 
Programm S. 14. 

3* 



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36 10. Kirchliche Personennamen als Familiennamen. 

Es ist dies eine alte Bezeichnungs weise; schon in der Edda findet sich „Sig- 
mundr Völsungsson^^ {Siegmund, Völsungs Sohn). Dieselbe ist besonders 
im Norden heimisch, ^ während in einigen süddeutschen Landschaften, 
z. B. Kärnten, eine patrony mische Bildung auf er (ler) hervoi-tritt: Se- 
bolter, Hartler (aus Leonhard).^ 

Auch Metronymika (Ableitungen von dem Namen der Mutter) 
finden sich, wenngleich nur sehr vereinzelt. Dahin gehören Vemdleken = 
(Sohn) der „Frau Aleke" (Adelheid),^ Nesensohn (der Agnes Sohn), OdiUae, 
Eisentraut, Liebetrut 

10. 
Kirchliche Personennamen als Familiennamen. 

Die Personennamen der zweiten Schicht, die kirchlichen, mußten 
eben als fremde Namen noch stärkere Umwandlungen erfahren wie die ein- 
heimischen. Aufgenommen sind sie zunächst in der griechisch-lateinischen 
Form, wie die Kirchensprache (nach dem Vorgang der lateinischen Bibel- 
übersetzung, der Vulgata) sie bot. In dieser vollen Form jedoch erscheinen 
sie als Familiennamen, einige kürzere wie Thomas , Lucas ausgenommen, 
fast nie; — es verbietet das schon ihre Länge, da sie meist 4 — 5 silbig sind. 

Es mußte also eine Kürzung erfolgen. Dabei kam alles auf die 
Betonung an. Im Althochdeutschen wurde bei den Fremdwörtern der Ton 
zurückgezogen, er strebte noch über die drittletzte Silbe nach vorn hin, 
auf die erste Silbe, die im Deutschen in der Regel als Stamm den höchsten* 
Ton trägt, z. B. Antichristus — Äntichristo, Coiistäntia — Chöstanxa, 
Mathaius — Mätheus. 

Die Sprache hatte sich so gewöhnt, den Hochton auf den Anfang des 
Wortes zu werfen, daß in den Fällen, wo dies aus irgend einem Anlasse 
nicht geschehen war, der nun tonlose Anfang wie mit Mißachtung behan- 
delt und durch eilendes Drüberhingehen des einen oder anderen Lautes 



1) "Wir finden sie auch bei den Schweden (Jbrstenson) ^ Norwegern {Bjömson\ 
Dänen (Thorwaldsen) , Isländera (Sturluson)^ Engländern (Wilson, Robinson, Thomson), 
Im Schottischen entsprechen die Namen mit 3/ac (3f'): Mae Gregor (Sohn des Gr.), Mac- 
donald\ im Irischen die mit 0: O'Chnnel, 

2) Becker S. 15. Reichel, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steier- 
mark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte 
Patronymikalform neben -ing die Silbe -er, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom 
ersten Besitzer entlehnt, an dem Gnindstück haften blieben und auf die Nachfolger über- 
gingen, 2. B. in Hakedahl: 1488 Eenke Druden, 1523 Henke Druding, 1538 de (= der) 
Drudener — jetzt Drüner. "Während man aber bei „Henke Druding" noch eher an den 
Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener" schon mehr den Begriff des Inhabers des 
Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. 
(0. Preuß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.) 

3) Vgl. Johannes Vom Hesen 1530 (d.i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbei*tus, filius 
Odilie 1036; Rudolf et Ulrich filii Adelheidis 1149. 



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10. Kirchliche Personennamen als Familiennamen. 37 

beraubt, ja gänzlich abgeworfen wurde, z. B. apostolus — althochd. postul^ 
Hispamis — Span. 

Später freilich wurde durch romanische Einflüsse die eclitdeutsche 
Betonung der Fremdwörter mehr und mehr verdrängt zu Gunsten einer 
anderen, welche den Ton auf den Ausgang der Wörter wirft Es ist dies die 
französisch-neuhochdeutsche Betonung, die, schon im Mittelalter beginnend 
(s. die zahlreichen Hauptwörter auf te, jetzt ie oder e^), nunmehr leider 
zur Herrschaft in unserer Sprache gelangt ist. 

Länger als in der Schriftsprache behauptete sich jene ursprüngliche, 
umdeutschende Betonung im Volksmunde, besonders den fremden Eigen- 
namen gegenüber. Bei denselben wird noch heute der Ton auf die erste 
Silbe zurückgezogen, was dann Kürzungen am Ende (Apokopen) zur Folge 
hat: AndreSy B^ndix, d. i. Benedictus, ChfisUan (Christen), Nichts^ usw. 
Oder falls diese Zurückwerfung des Tones unterblieben ist, treten vorn 
Verkürzungen (Aphäresen) ein: Joachim — Achim, Erasmus — Rasmus, 
Asmtis. Häufig ist beides, Aphärese und Apokope, vereint, wie Boni- 
facius — Faxt, Dionysius — Nis, wo von 5 Silben nur eine, die Tonsilbe 
selbst, übrig geblieben ist.^ 

Hinsichtlich dieser weitgreifenden Aphäresen treten die fremden Namen 
den deutschen gegenüber, bei welchen Kürzungen zu Anfang des Wortes 
durch die Betonung gehindert werden. 

Aus diesen mannigfach gekürzten und umgewandelten Taufnaraen ist 
nun eine verhältnismäßig bedeutende Zahl Familiennamen erwachsen, teils 
mit einer Kürzung am Ende: Mdihies und Mathes^ teils mit einer solchen 
am Anfang: Alexander — Xander. Vielfach treten an demselben Namen 
wechselnd beide Erscheinungen hervor, wie von demselben Stamm eines 
Baumes Äste nach entgegengesetzten Kichtungen ausgehen, und es entstehen 
Formen, die keine Ähnlichkeit mehr miteinander haben. So wird 
aus Ambrosius einerseits Amhrosch, anderseits Brose,^ 
„ Andreas „ Enders, „ Drewes^ 

„ Nicolaus „ Nickel, „ Claus, Klaas. 

Mitunter haben diese verschiedenen Sproßformen keinen Buchstaben des 
Stammes gemein, z. B. Barthel und Mewes aus Bartholomäus. 



1) Auf süddeutschen Schulen sogar Homer, Hörax, Virgü. 

2) Vgl. W. Wackornagel, Die ümdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. 
S. 32 ff., 36 f. 

3) Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng 
durchzuführen. So findet sich Nickel, welches Vilmar, Namenbüchlein S. 6 als hoch- 
deutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwieder Klos (wovon Klasl) auch im Ober- 
deutschen (Bayrischen). Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim 
abkürzen soll, Ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form. 



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38 10. Kirchliche Persononnamen als Familiennanien. 

Wie das letzte Beispiel beweist, findet neben der Kürzung bisweilen 
Zerdehnung statt, indem zwischen zwei Vokale sich ein w oder g einschiebt. 
Dies ist auch der Fall bei Paul, woraus sich Pawel und Pagel entwickelt hat. 

Nicht selten gehen diese Kürzungen, Zusammenziehungen und Um- 
bildungen so weit, daß die ursprüngliche Namensform vollkommen unkennt- 
lich geworden ist Lex aus Alexius, Xander aus Alexander ist schon 
ziemlich gewaltsam; doch wird auch dies noch überboten. Wer würde 
z. B. denken, daß der Familienname Gille aus Aegidius entstanden ist, 
daß Grolms (der Bauer in der bekannten Fabel), Rohner und Muss ein 
und derselbe Name und daß alle drei aus Hieronymus entstellt sind? ^ 
Und doch beweisen dies die Formen, welche in den alten Schriften und 
Urkunden sich finden, nebst den lebenden der Yolksmundarten. Bei fremd- 
sprachigen Namen dürfen solche Erscheinungen nicht überraschen. 

In betreff der genetivischen Ableitungen ist Vorsicht vonnöten; 
namentlich ist das 5 kein sicheres Kennzeichen, da es vielfach nur von 
dem Nominativ her stehen geblieben, z. B. Staats (aus Eustathius), Mews; 
auch MarXy aus Marcus. Das gilt besonders von der Endung ies (zwei- 
silbig zu sprechen), die aus dem lat Nominativ ius entstanden ist: ^ Bornes 
aus Liborius, Plönnies, Lönnies aus Apollonius. Ganz unzweideutig gene- 
tivisch sind fast nur die mit fremden (lateinischen) Genetivendungen auf- 
tretenden Namen auf i, ae, ts: Pauli, Matthiaey Michaelis, 

Zusammensetzungen mit „Sohn" sind häufig, und dabei ist mehrfach 
der volle Vokal bewahrt: Andersohn, Matthisson, Petersson^ während aller- 
dings in der Mehrzahl auch hier die Abschwächung in sen eingetreten ist. 

Verkleinerungsformen dagegen sind im ganzen seltener: Köbke (aus 
Jakob) und Jahnke (aus Johannes), denen Jäckel und Hensel gegenüber- 
stehen, weisen die Hauptform des niederdeutschen Deminutivs (mit dem 
Charakterlaute k) und des oberdeutschen (mit l) auf, während z bei den 
Fremd namen überhaupt nicht vertreten ist. 

Außer dem Genetiv und der Zusammensetzung mit Sohn wird das 
patronymische Verhältnis auch durch Vorsetzung von Jung oder Klein 
bezeichnet Hieß der Vater z. B. Andreas, so wurde der Sohn, welcher 
denselben Namen in der Taufe erhalten hatte. Jungandres genannt, oder 
Michel: Kleinmichel , und zu den Zeiten der Söhne trat eben das Fest- 
werden [der Familiennamen ein, so daß nun Jungandres und Junghans, 



1) Hieronymus: in Sachsen Orunerj in Holstein Harms, in der Schweiz Bonus f 
Roms, Rani, Muss, Müssi, in Hessen örolmann (nach Becker S. 19). Am wenigsten 
hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der Name Kron^nuis, den Frohner aus 
Karlsruhe anführt 

2) Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endung us bei Namen regelmäßig 
in es abgeschwächt wird: Philippes; auch lAhorius und Liborghes als Vornamen bei 
Klempin. 



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11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 39 

Kleinmichel und Kleinpaul auch der ganzen Nachkommenschaft des eigent- 
lichen Jungandres usw. zuteil wurden. Übrigens scheinen es hauptsächlich 
nur die Fremdnamen Andreas, Johannes, Michael, Nikolaus und Paul, 
sowie die einheimischen Konrad (Kurt, Kunz) und Heinrich (Heinz) zu sein, 
welche Patronymika mit Jung und Alt, Klein und Groß bilden. 

Aus einigen dieser Namen hat sich solchergestalt durch Kürzung, 
Ableitung, Zusammensetzung eine Menge Familiennamen gebildet; man sehe 
das Lexikon unter Andreas, Nikolaus, Maithaeus. 

Alle überbietet jedoch der Name Johannes. Wie dieser als Tauf- 
name jederzeit einer der beliebtesten gewesen, so hat er auch als Familien- 
name die weiteste Verbreitung und mannigfachste Gestaltung erfahren, so 
daß sich mehr als 100 Familiennamen aufzählen lassen, die sämtlich aus 
Johannes gebildet sind (s. das Lexikon). Wir haben hier wieder das Bild 
eines Waldes, der allmählich aus einem einzigen Baum entstanden ist 

Indessen sind es nur einzelne unter den fremdsprachigen Namen, 
welche eine solche Fruchtbarkeit entwickeln. Im allgemeinen können die- 
selben, schon als Fremdlinge, nicht eine so vielseitige Bildsamkeit besitzen 
wie die einheimischen, von vornherein in deutschem Sprachgrunde 
wurzelnden. Es bleibt daher die Zahl der von kirchlichen Taufnamen 
stammenden Familiennamen im ganzen eine beschränkte im Vergleich mit 
den Gebilden altdeutschen Ursprunges. 

11. 
Familiennamen der dritten Scliiclit. 

a) Stand und Gewerbe. 
Den aus den Personennamen gebildeten Familiennamen gesellt sich eine 
gleich große Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Personen- (Tauf-) 
namen gewesen. Diese wurden zunächst entlehnt von der Beschäftigung. 
Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen bestimmten zu bezeichnen, 
setzte man das Handwerk, welches er trieb, oder das Amt hinzu. Solchen 
Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten, indem sich unter zwei sonst 
lateinisch abgefaßten Verkaufsurkunden, die sich aus der ostgotischen Zeit 
erhalten haben, als Zeugen neben Römern auch finden: Merila bokareis 
(M. der Bucherer, d. i. Schreiber), Ufitahari papa (U. der Pfaflfe), Sunjai- 
friihas diakun (S. der Diakon), Viljariih bokareis, Gudilub diakun. Dies 
sind die ältesten germanischen Zusätze von Stand und Gewerbe zur näheren 
Bezeichnung einer Persönlichkeit So finden wir denn auch in spätem 
Urkunden häufig solcherlei Zusätze, wie „Herman der Perchmayster" (in 
einer Marburger Urkunde aus dem Jahre 1290), „Herman der Amman", 
„Schechel der Mawter*' (Mautner), „Nicla der Schreiber" (alle ebenda aus 
dem 14. Jahrhundert) „Huch de smet" und „Schrift de kremere" (im 
Göttinger Urkundenbuch um 1383) usw. 



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40 11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn über- 
gehen, so sich allmählich in einem Geschlechte befestigen und zum Namen 
der gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne 
Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Vaters 
fortsetzte. Doch war das kaum einmal nötig: der Name des Familienhauptes 
wurde ohne weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, insbesondere auf 
die Kinder übertragen. 

Erscheinungen dieser Art zeigen sich noch heutzutage, da doch längst 
die feststehenden Familiennamen durchgedrungen sind, im Volksmunde 
gar nicht selten. So wird in Fr. Reuters „Reis' nah Belligen" der Pastor- 
sohn nie mit dem Geschlechtsnamen, sondern immer „Heindrich Paster" 
genannt. ^ 

Hier rauss doch ein schon vorhandener Familienname verdrängt werden, 
damit die Amtsbezeichnung an die Stelle trete; wie viel leichter war die 
Sache, wenn solche Verdrängung noch nicht nötig war! 

Bei dem Übergange zum Familiennamen fiel zunächst der Artikel, 
wenn er nicht etwa schon von vornherein gefehlt hatte, regelmäßig fort. 
So bietet das Göttinger ürkundenbuch neben den vorhin erwähnten Huch 
de smet und Schrift de kremere in demselben Schriftstück aus dem J. 1383 
Eckel Smet und Herman Kremere. Nur in ganz vereinzelten Fällen ist der 
Artikel stehen geblieben, z. B in de Pottere (= Töpfer), de Boer (spr. Bür).^ 

Eine lange, fast endlose Reihe ehrsamer Meister vom Handwerk zieht 
an uns in diesen Namen vorüber, die uns einen Blick in die friedliche 
Tätigkeit unserer Vorfahren während des 12. — 16. Jahrhunders tun lassen. 
Greifen wir einige Gruppen heraus — solcher Handwerke, die für jene 
Zeit besonders bezeichnend sind. 

Auf das alte Kriegswesen, wie es vor der Erfindung und allge- 
meinen Anwendung des Schießpulvers war, gehen Namen wie Harnisch- 
macher, Harnischfeger (der den Harnisch fegt, d. i. glänzend macht, poliert); 
Armbruster f Pfeilschmidt, Bolxer, Pfeilsticker, niederl. Pielsticker (Verfer- 
tiger der Stecken für die Pfeile); Lersner (Verfertiger der Lersen d. i. 
Lederhosen). 

Während diese durch ihr meist geräuschvolles Handwerk dem Schwerte 
dienten, bewegte in stiller Klause der Bücherabschreiber unermüdlich 
die Feder im Dienste friedlicher Kunst: Bucher, Pucher (der Bücher- 
abschreiber). Ihn unterstützten der Buchfeller (der die Felle zu Büchern 



1) Pauli I. S. 11: ^In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie 
die des Kantors nicht mit ihren Familiennamen Richter , Müller bezeichnet, sondern fast 
ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw." 

2) Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf 
der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig das de erscheint; man denke an 
de Ruyter, de Vrient (Devrient) u. a. 



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11. FamilienDamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 41 

bereitet) und der Rothmaler (der die bunten Anfangsbuchstaben malte). 
Alle drei Namen stammen vorzugsweis aus Oberdeutschland, wo die Kunst 
des Bücherabschreibens und des Ausmalens der Titel und Anfangsbuch- 
staben mehr als in Niederdeutschland zu Hause war. 

Begeben wir uns aus der Enge der Städte hinaus aufs Land, in die 
freie Natur, so sprechen uns hier besonders die Namen an, welche der 
Jagd und Waldwirtschaft entlehnt sind. Ist doch das Jagen im schönen, 
grünen Walde von jeher eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen ge- 
wesen! Und wieviel ausgedehnter war noch im Mittelalter das Jagdgebiet, 
da die Wälder einen so unvergleichlich größeren Raum einnahmen, der- 
art, daß die bewohnten Stätten in manchen Landschaften fast nur wie 
Inseln im Waldmeer erschienen! 

Der älteste Name des Jägers ist Waider, Weidmann; er bedeutet 
denjenigen, welcher auf Weide, d. i. Nahrung ausgeht, und weist somit auf 
jene uralten Zustände in dem Leben unserer Vorväter hin, in welchen die 
Jagdbeute den vornehmsten Teil der Speise ausmachte. Jünger ist das so 
häufige J%^ mit den Zusammensetzungen Oambsjager, Hasenjäger, während 
ein Name wie Bärenfänger beweist, daß auch die wilden, starken Tiere 
des Waldes, die einst der Germane bekämpft hatte, noch nicht ausgestorben 
waren. Auf die Jagd mit Falken („Federspiel"), einen der beliebtesten Zeit- 
vertreibe in der ritterlichen Zeit, gehen Falkner (Felkner), Hachtneister 
(s. V. a. Habichtmeister, Abrichter der Stoßvögel). Die älteste Bezeichnung 
des Waldverwalters dauert noch in dem Familiennamen Widemarker fort; 
derselbe bedeutet den, welcher für die Holzmark (witu Holz) zu sorgen 
hat Der Name setzt das Vorhandensein einer gemeinsamen Mark voraus; 
in der Privatwaldung eines Fürsten oder Adligen dagegen war ein Holx- 
knecht angestellt — nach Vilmars treffender Bemerkung ungefähr das, 
was jetzt Oberforstkollegium, Oberforstrat, Forstinspektor, Oberförster, Unter- 
förster und Forstläufer zusammengenommen sind. Viel häufiger ist indes 
der Name Förster (Vorster). Daneben sind Zeugen für die ehemalige ver- 
schwenderische Waldwirtschaft die Familiennamen ^scAe;ifcrewner und Aschen- 
brand; dieselben bezeichnen ein eigenes Gewerbe, welches darin bestand, 
ganze Waldstrecken niederzubrennen, bloß um Asche zu gewinnen, teils 
für die Glashütten, teils für die Seifensiederei. 

Die zuletzt angeführten Namen sind zum Teil nicht mehr reine Hand- 
werksnamen, sondern bezeichnen, wie Hachmeister und Förster, ein Amt. 
So reihen wir denn hier die Amtsnamen an. 

Weltliches Amt und weltliche Würde war im Mittelalter meist erblich 
geworden. Somit werden wir uns nicht wundern, in unseren Namenver- 
zeichnissen den vollständigen Hofstaat weltlicher und geistlicher Fürsten, 
vom Kanzler bis zum Schergen, wiederzufinden. Man vergleiche nur fol- 
gendes Verzeichnis der Hof- Verwaltungsämter eines Fürsten jener Zeit mit 



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42 11. Familiennamen der dritten Schicht a) Stand und Gewerbe. 

deutschen Familiennamen: Dapifer Truchsess, Droste; Pincema Schenk; 
Marescalcus Marschall; Camerarius Kämmerer; Causidicus oder Scoltetus 
Schuldheifs, Schuh; Advocatus Vogt; Minister Ammann; Villicus Meier; 
Cellarius Keller; Telonarius ZoUer, Zöllner; Magister coquinae Küchen- 
meister; Monetarius Milnxer usw. Daran reiht sich eine Menge Namen 
von städtischen und Klosterämtem, richterlichen, polizeilichen und militä- 
rischen Stellen wie Fürbringer (Advokat); Küster, Glöckner^ Sigrist (auch 
Sacristan); Stocker und Sulxer (Gefängniswärter); Venner (Fähnrich). 

Während so diese alten Ämter viele Familiennamen geliefert haben, 
sind die neueren Amtsbenennungen — glücklicherweise — nicht so fruchtbar 
gewesen. Weder Kammerherr noch Kammerdiener, weder Präsident noch 
Superintendent, weder Steuerperäquator noch Hauptzollamts-KassenkontroUeur 
werden aus naheliegenden Gründen je zu Familiennamen werden. 

Einige Schwierigkeit machen Namen wie Kaiser, König, Herzog und 
ähnliche^ bei denen allerdings „gerechte Zweifel sich erheben können, ob 
solche Familien häufig in den Fall gekommen sind, die durch derlei Namen 
bezeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen" (Pott). Es sind 
jedenfalls Übernamen, welche die betreffenden Persönlichkeiten in dem sie 
umgebenden Kreise führten.^ Ähnlich ist es mit Bischofs Probst, Mönch 
und anderen geistlichen Würden, die sich freilich auch sehr wohl auf patrony- 
mischem Wege als Familiennamen festsetzen konnten — trotz dem Cölibat. 

Spottnamen sind: Bratengeiger, Oiegengack (Bierfiedler), Pinkepank 
(Schmied), Oaugengigl (Narr, Oeck).^ 

Manche alte Bezeichnungen von Amt und Gewerben sind nur in diesen 
Familiennamen erhalten, da sie sonst, zugleich mit der bezeichneten Sache, 
erloschen sind — so Platner, Armbnister. Andere Gewerbe bestehen noch, 
aber die alten Namen sind erloschen, z. B. Menget^ « Händler, in Zu- 
sammensetzung Eisenmenger, Winkler = Klein Verkäufer, Preiswerk « Po- 
samentier. 

Interessant sind auch die mundartlichen und landschaftlichen Ver- 
schiedenheiten, die sich hier geltend machen. So ist Müller, Miller die 
oberdeutsche, Möller die niederdeutsche Form; Beck (Mehrh. Becken) ober- 
deutsche Form statt des norddeutschen Becker (in Basel Pfister vom lat. 
pistor). Leiefidecker ist (nach Vilmar) am Rhein und nach Oberhessen 
hinein wohl verständlich, aber schon in Niederhessen ein Fremdling: ein 
Schief erdeclcer ; denn der Dachschiefer heißt am Mittel- und Niederrhein 
die Leie. Manches Handwerk hat infolgedessen die verschiedensten Be- 
zeichnungen; so heißen die Schlächter: Fleischhauer, Fleischhacker^ 
Fleischer, Metxger, Knochenhaiier, Beinhauer; die Töpfer: Hafner, Potter ^ 

1) Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein. 

2) Aus älterer Zeit (niederdeutsch): Musekensteker (Mäuschenstecher), Duven- 
driver (Taubentreiber). 



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11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. ' 43 

Eulner. Ebenso bedeuten Binder^ Küfer, Böttcher, Büttner, Scheffler im 
wesentlichen dasselbe. 

Manche dieser Gewerbenamen sind außerordentlich häufig, vor allen 
die fünf: 

Müller, Schulze, Meier, Schmidt, Schneider, 
die man deshalb auch die fünf Großmächte in der Namenwelt genannt hat 
Den vier ersten wird man diese Stelle nicht bestreiten; doch gegen Schneider 
als fünften möchten mehrere andere nicht ohne gute Aussichten in die 
Schranken treten, als da sind: Bauer, Becker, Richter, Weber ^ Lehmann, 
Zu Berlin gab es im Jahre 1867 nach Ausweis des Adreßbuches 929 Familien 
und alleinstehende Personen des Namens Müller und sogar 1267 des Namens 
Schuhe (Schulz); nächstdem waren die Schmidt mit 884, die Meyer mit 
509 Nummern vertreten. Die Lehmann und die Krüger brachten es gleich- 
mäßig auf 474, die Richter und die Hoffmann ebenso gleichmäßig auf 354. 
Alle gehören ausnahmslos in diese Klasse, ihre Häufigkeit erklärt sich aus 
dem häufigen Vorkommen des betreffenden Gewerbes oder Amtes, besonders 
auch auf dem Lande. Das trifft bei sämtlichen oben angeführten Namen 
zu, vor allen bei Müller und Schulze. Da jedes Dorf (in Norddeutschland) 
seinen Schulzen hatte, fast jedes, wenigstens größere, seinen Müller, so 
war eine Überfülle daher entspringender, meist gleichlautender Familien- 
namen unvermeidlich.^ Obenan steht in dieser Hinsicht unleugbar der 
Name Schulze (Schulz), den man deshalb versucht wäre kaum noch als 
Namen gelten zu lassen. 

Die hier hervortretende Einförmigkeit wird dadurch noch vermehrt, 
daß die Namen dieser Klasse an Sproßformen so arm sind. Deminutive 
Bildungen sowie patrony mische fehlen fast ganz, auch genetivische, z. B. 
Schiffers, Snyders, Zimmermanns sind selten und finden sich nur in ein- 
zelnen Landschaften, besonders am Niederrhein. 

Eine Ausnahme macht der Name Schmid, der mehrfache Ableitungen, 
namentlich auch Deminutiva wie Schmiedecke, Schmidel^ Schmidtlein bietet 
Dies erklärt sich daher, daß der Name schon sehr früh vorkommt, schon 
im 9. Jahrhundert in den Formen Smithart, Smido, Smidilo; er gehört 
demnach zu den altdeutschen Personennamen, welche ja eine so große Um- 
bildungsfahigkeit im Bereich der Schmeichelformen entwickeln (s. SMID). 



1) An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es 
nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schutzes innerhalb des Zollvereins. 
Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden , ebenso wie auf der Ver- 
wechselung von MüUer und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, 
hat der Yolksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen: Sünden- 
Müller (bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde* ist), Linden- 
Müller (ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden* 
hielt), Flauseh' Müller (ein nach seinem Rocke benannter Student); Blui-Sehulxe (der 
Physiolog), Graupen- SchtUxe (ein Berliner Kaufmann), Theater -Schuhe usw. 



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44 11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

Nebst Kaufmann (althochd. Caufman) ist Schmid wohl der einzige vom 
Gewerbe entlehnte Personenname der altdeutschen Zeit. Das Schmiede- 
handwerk ist eben das älteste Handwerk der Deutschen; zugleich war es 
das vornehmste, da seine Aufgabe war, Waffen für den Kampf zu liefern. 
Mit den Namen berühmter Schwerter wurde auch der des kunstreichen Ver- 
fertigers fortgepflanzt, so die Namen Wielands (in der nordischen Wilkina- 
sage), Mimes (in der Wölsungensage). In manchen Gegenden - hat der 
Schmied noch einen mythischen oder heidnischen Schimmer behalten; viel- 
leicht versteht er die Schwarzkunst; man zieht ihn zu ^te, wenn man 
bestohlen ist. Daher die zahlreichen Schmiedesagen (wie von dem Schmied 
zu Jüterbogk, der selbst den Teufel zu überlisten weiß und ihn auf dem 
Amboß übel zurichtet). Es liegt einmal etwas Geheimnisvolles in der Be- 
schäftigung mit dem glühenden Stahl und Eisen. 

Wenn, von Schmied abgesehen, sich Sproßformen bei dieser Namen- 
klasse selten finden, so sind dagegen Zusammensetzungen häufiger und 
ersetzen zum Teil den Mangel an eigentlichen Sproßformen. Um manche 
dieser Handwerksnamen gruppiert sich eine überraschende Zahl solcher Kom- 
positen; dieselben rühren größtenteils daher, daß das betreffende Handwerk 
früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage. So finden sich in 
Nürnberg von 1300 — 1500 neben Beck: Brodbeck, Fladenpeck, Schwarx- 
peck (Schwarzbrotbäcker), Tadispeck (später Täglichsbeck, der alle Tage backt), 
Judenpegk (der den Juden Matzen backt), Pfennigspeck (der Pfenniglaibe 
backt), Wasserbeck (der Wasserwecken backt). 

Obenan steht in betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der Name 
Meier (Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines 
Landgutes), Verwalter. Dieser Name, welchen einer der großen Sippe, Franz 
Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrift („Der Name Meyer 
und seine Zusammensetzungen*') behandelt hat, zählt weit über 1000 Zusammen- 
setzungen, so daß schwerlich ein anderer Name dieser Klasse sich darin 
auch nur entfernt mit ihm messen dürfte. 

Werkzeuge und Kleidungsstticke. 

Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die 
von Werkzeugen und Geräten entlehnten Namen. Womit jemand 
hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfem Krieger der 
Name Degenkolb, einen Schmid der Name Bofshamme)' zieren (von boßen 
=» schwer aufschlagen), wie für einen Koch Schaumlöffel sehr bezeichnend 
war. Pfeffersack ist ein alter Spottname für Kaufleute, während Knieriem 
und Ldmpfann noch heutzutage für jedermann verständlich die betreffenden 
Handwerke bezeichnen. 

Unter den hierher gehörigen Familiennamen nehmen auf dem Gebiete 
der Hausgerätschaften die der Küche den größten Raum ein: Schaum- 



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11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 45 

löffely Kessel, Wiegelmesser, Fetthake (ein Hauptgerät der Küche des 
15. Jahrhunderts), Feuerhake, Pfannstiel, Ölhafen u. a. — unter den Hand- 
werksgeräten die, welche sich auf grobe Holz- und Eisenarbeit be- 
ziehen: Axt, Breitbeil, sowie die Zusammensetzungen mit Hammer.^ 

Geräte der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in: Schellpflegel^ Pflug 
(Keil-), Rollwagen^ Spamiagel 

Doch dieser friedlichen Vereinigung tritt auch hier sofort ein starkes 
Fähnlein kriegerischer Namen gegenüber: Eisenhut^ Stahlhuth, Harnisch, 
Kempeisen (die Eisenkolbe der Qottesgerichtskärapfe), Bauemeisen, die be- 
rüchtigten Kirmeßspieße des 15.— 16. Jahrhunderts, „mit denen die Bauern 
sich leichtlich zur Ader ließen"; einen Keitersmann bezeichnen: Kltngspor, 
Holxsadel^ den altertümlichen Pfeilschützen Arniborst und Pfeil, während 
die Feuerwaffen in dem Namen Feuerrohr vertreten sind. Manche dieser 
Namen gehen zugleich auf die Jagd. 

Entsprechend dem Goetheschen „Saure Wochen, frohe Feste" schließt 
sich ein heiterer Reigen solcher Namen an, die von Lustbarkeiten und 
dabei gebrauchten Geräten entlehnt sind. 

Danxglock, Schombart (Maske), Glückrad ^ Kranz, Mailcranx und 
Grünenmy, Rosenkranz, Kttttruf (eines der im 15.— 16. Jahrhundert äußerst 
zahlreichen Trinkgefäße). Diese Namen stammen besonders aus Süddeutsch- 
land, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden herrscht und 
wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein freier Bauernstand sich bildete. 
Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der höfischen Dorf- 
poesie des bayrischen Ritters Neidhart von Reuenthal. 

Hierher rechnet Vilmar auch die Münznamen, deren er volle 20 
aufzählt. Darunter sind freilich manche zu streichen, wie Dreier, welches 
die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auch Schilling und 
Heller sind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig, 
wie Weifspfennig, Redepenmng(hsiTevF{.)^ Wucherpfennig und dessen Gegen- 
teil Schimmelpfenyiig, Fünf Schilling , bei denen eine Beziehung auf die 
betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist 

Den Geräten mögen sich die Kleidungsstücke anreihen, wie 
denn schon bei Namen wie Eisenhut, Harnisch sich beides nicht scharf 
trennen ließ. 

Eine Benennung nach einem auffälligen Kleidungsstücke, welches 
jemand trägt, ist auch für uns noch etwas Naheliegendes und Gewöhnliches. 



1) Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie 
(nach Steub, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind auf heiniy 
oberbayr. kam: Mooshammer = Moosheimer, Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse 
Vorsicht vonnöten , insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören , in Wahrheit aber 
auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z.B. Rost (auch althochd. 
ßusto, der Gerüstete), Kasten (st. Karsten) auf Christian. 



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46 11. Familiennamen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

So sprechen wir von Grünröcken (Jägern),^ Rotröcken (roten Husaren — 
englischen „Rotröcken"), Schivarx^röcken, von Weifsmänteln und Bot- 
7nänteln^ 

Fangen wir mit der Kopfbedeckung an, so haben wir hier vor allem 
die Zusammensetzungen mit Hut: WebeUiut (d. i. Wackelhut), Weifshut, 
Grünhut, Spitxhut; vereinzelter Wittkugel (weiße Qogel oder cucullus, 
eine Kaputze, an einem Kragen desselben Stoffes befestigt, der Schultern 
und Hals umschloß, so daß vom Kopfe nichts zu sehen blieb als das rings 
umrahmte Gesicht), Bothkepl u. a. 

Das Leibkleid, der Rock, findet sich ebenfalls in mannigfachen Zu- 
sammensetzungen: Blaurocky Wittrock (auch Weifskittel), Langrock, Kurz- 
rock; dazu Ärmel in Bothärmel, Wdfsermel (wohl Spottname für Müller); 
femer der Mantel in Wintei^mantel, Botkmantel 

Die Beinbekleidung haben wir in: Leinhose, Mehlhose (Spottname für 
Müller), Kurthose.^ Die scherzhaftesten unter allen sind: Lodderhose, 
Schlaphose und Lumphose, ein Kleeblatt, in welchem sich die unsinnige, 
zuerst von renommistischen Landsknechten aufgebrachte Pludertracht des 
16. Jahrhunderts verewigt hat, gegen die der Brandenburger Hofprediger 
Andreas Musculus 155t) in gerechtem Zorn seine „Yermahnung und War- 
nung vom zuluderten, zucht- und ehrverwegenen Hosenteufel" schrieb.* 

Die Fußbekleidung endlich ist vertreten durch Schuh, Knabe7ischuch, 
Holtxschue, Rothschuh (Tanzliebhaber), Bundschuh (der von den Bauern 
getragene Schnürschuh, der nicht nur eine sprichwörtliche Bezeichnung 
des Bauern überhaupt, sondern auch ein bekanntes Parteizeichen hat ab- 
geben müssen). 

Speisen. 
Namen von Speisen entlehnt gehören hierher, soweit sie Personen 
bezeichnen, welche die betreffende Speise bereiteten, sie an Gäste ver- 



1) Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande 
Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stände 
brachte, wui'de nach seiner beständigen grünen Kleidung im Volke nur Jan Orön genannt 
(Allmers, Marschenbuch S. 228). 

2) Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf*, so benannt 
von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie 
leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge da$ Beispiel jenes Kapitäns Diiger 
beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als 
Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit 
und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „L/ederhose" jedem Offizier und Soldaten 
bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt 
anliegenden Hosen von Hirschleder." 

3) Schon im J. 905 in Verona ein ,, Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur". 

4) Rud. Schnitze, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für 
das deutsche Volk. 1868. 



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12. Familiennamen der dntten Schicht, b) Eigenschaften. 47 

abreichten, damit handelten; doch ist gewiß auch häufig jemand nach einer 
Speise benannt worden, die er besonders liebte. 

Auf dieser Tafel stehen im Vordergrunde Brot und Fleisch, Bier 
und Wein, die sich in mannigfachen Zusammensetzungen finden: 
Hirsebrod und Boggenbrod, Weichbrodt und Tt^uckenbrod; 
Kalbfleisch und Rindfleisch, Geyisfldsch und Sötefleisch; 
Schweinebraten, Bratfisch, Bradenahl; 
Outbier und Bösbier, Dünnebier und Ziickerbier; 
Altwein und Outwein, Kühlioein und Sauerwein.^ 
Milch- und Mehlspeisen sind vertreten durch: Süfsmilch, Schlegel- 
milch (Buttermilch), Hafermehl, Pfannicuch, Butterweck, 

Mehr Vereinzeltes übergehen wir hier; doch zu erwähnen ist noch ein 
deutsches Nationalessen, die Wurst, wonach der deutsche Lustigmacher 
den Namen „Hanswurst" (Hans Wurst) erhalten hat, während der franzö- 
sische als „Jean Potage*' (Suppe) und der englische als „John Plumpudding" 
auftritt. Die Wurst kommt in deutschen Familiennamen sowohl einfach 
vor, als auch in genaueren Zusammensetzungen wie: Blutiourst, Kraut- 
wurst, Lebervmrst 

Es ist im ganzen eine einfache Küche; man braucht sich besonders 
nur die häufigen Zusammensetzungen mit sauer vorzuhalten: 

Sauerbier und Sauerwein, Sauermilch und Sauermost, 
Sauersenft, Saueressig^ Sauerbim — 
um sich mit einem Schlage an die genügsamen Tische des 15. Jahrhunderts 
zurückversetzt zu sehen. (Vilmar, Namenbüchlein S. 48 S), 

Außerdem zeigen sich in den Familiennamen noch Speisen und Ge- 
tränke, die bereits im 16. Jahrhundert verschwinden, z. B. Oossenbrod, 
warmes Brot mit Fett begossen, eine Lieblingsspeise alter Zeit, selbst von 
Dichtem öfter erwähnt,^ und Moros, über Maulbeeren abgezogener Wein. 

12. 
Familiennamen der dritten Sehieht. 

b) Eigenschaften. 

Wie aus der Geschichte bekannt ist, wurden hervorragenden Personen, 
namentlich fürstlichen Standes, in früheren Zeiten häufig Beinamen gegeben, 
mit welchen der Deutsche in diesem Falle sehr freigebig war. So finden 
wir schon im 9. Jahrhundert unter den Karolingern einen Karl den Dicken 



1) Nicht aber Reichwein, Trautwein u. a., die mit dem alten win (nicht win) 
nFreond*^ zusammengesetzt sind. Auch Altwein und Outwein sind schon zweifelhaft wegen 
altdeutsch Aldwin und Qodwin. 

2) Z. B. wird im „Renner" des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke** als 
Leckerbissen genannt 



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48 12. Familiennamen der dritten Schicht, b) Eigenschaften. 

und einen Karl den Kahlen, später unter den sächsischen Kaisern einen 
Otto den Koten und einen Heinrich den Heiligen. Was letzteren 
Namen betrifift, so kennt die Geschichte außerdem noch Heinrich den 
Stolzen, den Schwarzen, den Zänker. Und wie hieraus ersichtlich, 
gab man nicht immer ehrende Beinamen, sondern auch tadelnde und spot- 
tende, und das Mittelalter war darin durchaus nicht blöde. So hieß Kaiser 
Wenzel der „Faule", Landgraf Ludwig von Thüringen der „Unartige", 
Eberhard von Württemberg der „Greiner", d.i. Händelsucher. ^ 

Zu diesem Zwecke werden zunächst und am einfachsten verwendet 
Eigenschaftswörter selbst, die mit dem Artikel dem eigentlichen Namen 
nachgesetzt werden: Otto der Rote, Friedrich der Lange usw. Aus diesen 
Zusätzen entwickelten sich dann dauernde Bezeichnungen der Familie, wobei 
der Umstand zu Hülfe kam, daß eben die Eigenschaften des Vaters viel- 
fach auf die Kinder vererben. Dabei fiel der Artikel vor dem Zusätze 
fort; 2 doch blieb trotzdem sehr oft die gebogene Form des Eigenschafts- 
wortes stehen : Kluge neben Klug, Weifse neben Weifs, Grote (Große) neben 
Oroth (Groß), und in manchen Fällen ist es sogar die herrschende Form 
geblieben, wenigstens in Norddeutschland, wie in Krause, Lange, 

Die Zahl der einfachen Namen dieser Art vermindert sich übrigens 
bei näherer Untersuchung sehr. Einmal finden sich viele davon schon im 
Altdeutschen, gehören demnach — wenn auch vielleicht nicht in allen 
Fällen — zur ersten Schicht; so die Namen Gutk, Fromm, Jung (schon im 
6. Jahrhundert ein Ooda^ im 10. ein Jungo), Dann sind manche auch nur 
scheinbar Eigenschaftswörter, z. B. ist Voll schwerlich einer, der immer 
„voll" ist, sondern es ist das altdeutsche Fulko (vgl. Volkbrecht und Voll- 
brecht). Auch Rohde kann zwar die niederdeutsche Form des Eigenschafts- 
wortes rot sein — auf das Haar bezüglich, wie schon Krause; gewiß aber 
mindestens eben so häufig ist es das altdeutsche Hrodo (zu dem Stamme 
hrod „Schall, Ruhm"). 

Sicherer sind Zusammensetzungen, wie 

lobend: Ooitgetreu, Unverzagt, Wolxogen (wohlerzogen); 
tadelnd: Schadenfroh, Tollkühn^ Umbscheiden, Ungefug, 

1) Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem 
daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schiida hatte und daß die 
Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) 
beispielsweise die Illzacher im Elsaß „ Mondfänger ", die zwischen Hl und Rhein Wohnenden 
„Rheinschnaken", die Schlesier „Eselsfresser'* — in Pommern die Wolliner „Stmtköppe*' 
und die Kamminer „Flunnerköppe" (nicht „Plunderköppe", wie Riehl angibt), wegen der 
vielen dort gefangenen Stinte und Flundern. 

2) Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die Namen- 
formen Kersten rike neben K. de rike^ Floreke wüte neben F. de wüte. Im Holländischen 
ist der Artikel geblieben: de Grote, deJonghe, de Wü\ ähnlich im Französischen: Lebeau, 
Legrand, Lejeune. 



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12. FamilienoaDien der dritten Schicht, b) Eigenschaften. 49 

Viel seltener finden sich Hauptwörter zur Bezeichnung einer Eigen- 
schaft oder charakteristischen Tätigkeit, wie Becker aus Köln (12. Jahrhundert) 
anführt: Frax (Presser), Schad (Räuber), Slevere (Schläfer); aus Zürich 
(13. Jahrhundert): Manesse (Menschenfresser), Bonexe (Bohnenesser). Letzteren 
stellen sich zur Seite von neueren Namen: Fleischfresser nebst Holt freier 
(niederd. = Holzfresser) und Speckäier — insbesondere aber gehören hierher 
manche Zusammensetzungen mit Mann: Biedermann, Orofsmann; auch 
Abstrakte wie Frischmuth, Sanftleben, und präpositionelie Zusammen- 
setzungen: Ohnesorge y WoUemate (wohl zu Maß). 

In bildlicher Weise wurden auch Namen von Tieren, an denen man 
bestimmte, stark hervortretende Eigenschaften fand, in diesem Sinne ver- 
wendet Bekannt sind aus der Geschichte Heinrich der Löwe und Albrecht 
der Bär. Noch häufiger waren wohl spottende Zusätze der Art. So wird 
in der Lübecker Bürgermatrikel von dem Jahre 1322 der eine von zwei 
Brüdern Johannes de rode, der andere Richard Vos genannt, offenbar nach 
derselben Ursache.^ 

Körperteile. 

Die bisher angeführten Namen dieser Gattung beziehen sich, wie 
leicht zu erkennen, teils auf geistige, teils auf leibliche Eigenschaften. 
Familiennamen der letzteren Art sind nun mit Vorliebe von einem Körper- 
teil e hergenommen, der eben von hervorstechender Eigentümlichkeit sein 
muß, um Anlaß zur Benennung der ganzen Person zu geben. Darum 
eignen sich allgemeine und einfache Bezeichnungen wie Haar, Hand, 
Finger, Mund wenig zu Familiennamen, weil sie als solche meist zu 
nichtssagend wären. 

Die Namen dieser Art, die sich dessenungeachtet finden, sind ver- 
dächtig und bedeuten offenbar großenteils etwas ganz anderes. So ist Mund 
sicher meist das altdeutsche Munto (von althochd. munt d. i. Schutz, 
vgl. Vormund), Haar das altdeutsche Haro (von hari d. i. Heer).* Andere 
bedeuten allerdings Körperteile, sind aber durch Häuserzeichen vermittelt 
(s. weiterhin). 

Mit viel größerer Sicherheit gehören hierher die zusammengesetzten 
Benennungen, unter denen besonders häufig sind die Komposita mit Haupt 

1) Femer in Urkunden: Marquart der Hunt, 12. Jahrb. Gislebertus pro sua pro- 
ceritate cognominatus Orus (Kranich); Hugo de Wenden dictus Äries (Widder); Hugo 
Cotumix (Wachtel). 

2) Doch ist bei Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden 
angeführt: Heneke mit dem dumen 1373 Braunschw., Liebhard mit der Hand 1383 Augsb., 
2ixich Fridericus Mittemmunde 1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.) : Chunrat mit 
der pruat, Endres mit dem part — Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß 
die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch 
ist zu vergleichen aus der Sage: Hertha mit dem Fufse = B. mit dem grofsen F., 
altfranz. Berthe as granda piSs, 

Heintze, Deutsche Familieimamen. 2. Aufl. 4 



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50 12. Familiennainen der dritten Schiebt b) Eigenscbaften. 

und Kopf, mit Haar und Bart, mit Bein und Fuß. Die Beschaffenheit 
und Form des Kopfes, wie anderseits die des Fußes, die Farbe und Be- 
schaffenheit des Haares und Bartes, weil ja am meisten in die Augen 
fallend, wurde vorzugsweise bezeichnet 

Haupt: Breiihaupi, Bauchhaupt (= Rauh-), Wollenhaupt 

Kopf: Orofskopfy Breitkopf, Wittkopf (niederd.). 

Haar: Flachshaar^ niederd. Flashaar, Oeelhaar (== Gelb-), Weifsliaar, 

Bart: Bothbart, Spitxbart, Weifsbart. 

Bein: Einbein, Krummbein, Langbein. 

Fuß: Leichtfufs, Schmalfufsy Stolterfoth (niedeid.). 
Wie sehr Bezeichnungen dieses Schlages sich zu Familiennamen 
eignen, geht daraus hervor, daß manche derselben noch jetzt appellativ 
gebraucht werden. So reden wir von einem „Flachskopf, Rotk(^f", 
einem „Großmaul", nennen einen Invaliden mit hölzernem Bein „Stelz- 
fuß" usw.i 

Hier, bei den von körperlichen Eigenschaften entlehnten Namen, 
verrät sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit der Seite 11 ge- 
schilderten römischen Namengebung, in der Art, daß die Namen beider 
Sprachen sich vielfach decken: 

Longus: Lange, Capito: Orofskopf, 

PauUus: Klein, Orispus: Krause, 

Niger: Schwarz, Plautus: Platz fufs (=« Platt-) usw. 

Doch sinkt das Deutsche auch hier nicht zu der geistlosen Einförmigkeit 
und Äußerlichkeit der lateinischen Namengebung hinab. Das verhindern 
vor allem die 

Satzoamen, 
eine besonders anziehende und reichhaltige Gruppe. 

Die Eigentümlichkeit, kurze Sätze, namentlich befehlender Art, zu- 
sammenzuschieben in uneigentlicher Komposition und daraus Hauptwörter 
zu bilden, erscheint innerhalb der deutschen Sprache zuerst im Mittelhoch- 
deutschen, wo Gebilde wie habedanc (Danksagung), rümelant (räume das 
Land, ein Landflüchtiger) und einige andere auftreten. Diese Bildungsweise 
scheint dann besonders in der volkstümlichen Literatur des 15. — 16. Jahr- 
hunderts geblüht zu haben. So finden wir unter anderem im Liederbuch 
der Klara Hätzlerin, welches zahlreiche lyrische Stücke, größtenteils au& 
dem 15. Jahrhundert, enthält: „Vergifs mein nit das plümlein, das krautt 



1) Aus Urkunden des 11. — 15. Jabrb. führt Stark S. 153 an: Everhardus der Spixe- 
hart, Jacobus Umgenase, Hartwig Churxhals — desgl. Reichel aus Marburger Urkunden : 
Jacob de Chrafuex (Krähenfuß), Heinrich rumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.: 
Buntebart, Gobelin dictus Hardevust; Hans Schweinerüssel (16. Jahrb.). 



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12. Familien oamen der dritten Schicht, b) Eigenschaften. 51 

denck an mich'^ — in Sebastian Brants Narrenschiff: Füll den mag, schmir- 
wanst (Namen von Fressern) — bei Fischart: Hebdenmanny ein rechter 
Ja^ den Teuffei, Beckdendegen, Sireichdenbart (lauter Personennamen) ; Dörf- 
lein Beiieinweil (d. i. Wart ein Weilchen), Trotxdenkaiser (N. einer Burg), 
Luginsland (N. eines Turmes)^ — dann besonders in RoUenhagens „Frosch- 
meuseler'' bezeichnende Tiernamen wie Bkhebauch, Ruerdendreck, Ruff- 
laut (Frösche); Beifshart, Luginsloch, Spahrhilmlein (Mäuse). Nieder- 
deutsche Bildungen dieser Art bietet Reineke de Yos in den Tiemamen 
Merkenouwe (Merke genau, die Krähe), nebst dem Krähensohn Slindepier 
(schlinge den Wurm); Phiekebudel (pflücke den Beutel, die räuberische 
Natur der Raben bezeichnend). 

Diese Fähigkeit ist allerdings im Neuhochdeutschen, je mehr dasselbe 
Buchsprache wurde und an lebendiger Beweglichkeit einbüßte, desto mehr 
erloschen; trotzdem läßt sich auch jetzt noch eine ziemliche Reihe solcher 
Bildungen zusammenbringen: Habenichts, Störenfried (störe den Frieden), 
Wagehals, Thunichtgut — Lebewohl, Stelldichein u. a., wozu noch die 
Blumennamen Vergifsmeinnicht und Oedenkemein zu rechnen. Auch die 
Büchertitel Trösteinsamkeit, Trutxnachtigall und Wendunmuth erklären sich 
hieraus. Manche unter diesen Ausdrücken sind allerdings weniger schrift- 
gemäß als volkstümlich, und begeben wir uns ganz von der einförmigem 
Landstrafte des Schriftdeutschen herunter auf die Nebenpfade volkstüm- 
licher, mundartlicher Rede, so können wir noch manches Blümchen dieser 
Gattung pflücken.* 

In ganz besonderem Maße hat diese Zusammensetzungsweise ihren 
Tummelplatz im Bereiche der Personennamen. Bekannt sind unter den 
Vornamen Leberecht, Fürchtegott, Traugott — auch wohl Ereuxwendedich 
(hin und wieder einem Kinde gegeben, wenn schon mehrere vor ihm 
gestorben). Weit größer aber ist die Zahl unter den Familiennamen. 



1) In Pasewalk heißt ein alter Warttarm noch jetzt Kiekindemark, desgl. ein 
Hof in Mecklenburg. 

2) WendekiUs, Streck fufs und ähnliche Bezeichnungen bedeuteten urspriuigHch so 
viel als ein Hals zum Wenden, ein Faß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum 
Locken*^, Gießkanne „eine Ranne zum Gießen*^). Diese wurden später umgedeutet, man 
sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die im perati vischen Namen. 
Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? 
Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigen- 
schaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugorufen wird, das zu ton, was er ohnehin und 
immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer 
der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält 
er den Namen Störenfried, Tunichtgut Findet eine solche Aufforderung doch auch in 
Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben 
zurufen: Schneide dichl Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! 
(8. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296). 

4* 



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52 12. Familiennamen der dritten Schicht, b) Eigenschaften. 

t 

Yilmar hat drittehalbhundert zusammengebracht, eine Zahl, die sich noch 
erhebKch vermehren läßt.^ 

Es finden sich unter diesen Namen, die vorwiegend wohl in den 
Kreisen lustiger Gesellen, Waffen- und Zechbrüder entstanden sind, die 
lebendigsten und launigsten Bezeichnungen, Scherz- und Spottnamen. 

Betrachten wir nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen die Satz- 
namen genauer, und zwar zunächst hinsichtlich der Form, so haben wir 
unter ihnen 

1) Zusammensetzungen aus zwei Wörtern (Zeitwort und Eigenschafts- 
wort oder auch Umstandswort): Bkibtreu, Trinkaus — viel häu- 
figer aber 

2) Zusammensetzungen aus drei Wörtern (Zeitwort mit Objekt und 
davorstehendem Artikel): Hafsdenpflug (ein Bauer, der des Pfluges 
überdrüssig geworden), gewöhnlich abgeschliffen Hassenpflug, Jagen- 
teufely später verkürzt in Jageteufel, so daß nun der Artikel ganz 
ausgefallen ist, auch Wieswell (= wie es wolle, geh es wie es 
wolle, Bezeichnung eines gelassenen Gemütes). 

3) Sogar Zusammenschiebungen aus vier Wörtern finden sich, am 
deutlichsten in Haltauderheide (ein Ritter oder Reisiger, der an 
der Heide hält, um Vorüberziehende anzugreifen); aber auch 
Namen wie Fleugfmiauz (flotter Tänzer), Ghiepentrog (niederd. 
= greif in den Trog, von einem, der unbescheiden zulangt), 
Spnngsfeld (spring in das Feld) und der Gegensatz Bleibimhaus 
gehören hierher; ferner Feuenmdach (ein Jähzorniger). 

Dem Innern Gehalte nach bezeichnen diese Namen zum Teil gute, 
rühmliche Eigenschaften, überwiegend aber, wie nicht anders zu erwarten, 
Schwächen und Untugenden. Unter den ersteren steht auch hier wie bei 
den altdeutschen Namen obenan die Tapferkeit in Namen wie Hanemchild 
(Hauschild), Klubeschedel (klöbe d. i. spalte den Schädel), Schüttesper 
(schüttle den Speer, englisch Shakespeare), Zuckseisen (zücke das Eisen), 
wohin auch die Zusammensetzungen mit Teufel gehören: Fressenteufelj 
Jageieu/fel, Schlagenteuf ely Bitdendüwel (niederd. = beiße den Teufel) — 
Leute, die sich selbst vor dem Gottseibeiuns nicht fürchten.^ 



1) Anderseits sind freilich auch manche in Yilmars Verzeichnis als nicht hierher 
gehörig zu streichen, wie Baldauf, Oangauf die richtiger als Ableitungen altdeutscher 
Personennamen {Baldolf, Qangolf) gefaßt werden; Richxenhainy Bollenhagen ^ Stemshom, 
die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch 
Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend. 

2) Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst 
bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche 
SU Dobberan: 

"Wiek, Düwel, wiek wiet van my! 
Ick scher my nich en Haar um dy; 



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13. Familiennamen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 53 

Einzelne dieser Namen mögen auch schon ein gewisses Übermaß von 
Tapferkeit, eine übermäßige Eampfbegier, Streitsucht und Baufsucht 
bezeichnen. Deutlich tritt letzteres hervor in Namen wie Raufseisen, Habe- 
recht y Hebenstreit (der den Streit anhebt). Unter solchen Spottnamen ragen 
vor allen diejenigen hervor, welche den übermäßigen Durst, die leidige 
Trunksucht der Deutschen geißeln: Kehrein, Sachepiwirth, FindekeUer, 
(der den Keller zu finden weiß), Schmeckebier und Schluckebier und manche 
andere, denen nur vereinzelt ein Hafsenkrug gegenübersteht 

Kann es nun wohl bezeichnendere Namen geben als diese imperativi- 
schen? Kräftigere als Hauenschild und Schüttesper, neckischere als Finde- 
keller und Greifen trog, schwungvollere als Fleugimtanz? 



13. 
Familiennamen der dritten Seliielit. 

c) Herkunft und "Wohnstätte. 

Die von Örtlichkeiten entlehnten Familiennamen gehören zu den 
ältesten, da diejenigen Personen und Geschlechter, welche Grundbesitz 
hatten, sich schon sehr früh danach benannten. So finden wir unter den 
ritterlichen Sängern und Dichtem der Hohenstaufenzeit einen Heinrich von 
Veldeke, einen Hartmann von Aue (Ouwe), einen Walther von der Vogel- 
weide u. a. Doch war dieser Zuname ursprünglich noch nicht so befestigt, 
daß bei einem Wechsel des Besitzes die Familie ihn beibehalten hätte; viel- 
mehr wurde in solchem Fall auch der Name vertauscht. So führten z. B. 
die Freiherren von Attinghausen diesen Namen erst seit ihrer Übersiedelung 
nach Uri; vorher hießen sie nach ihrer Stammburg im Emmental die 
Freien von Schweinsberg, So hießen die von Löwenstein früher Bischofs- 
hausen, von Bischofshausen, jetzt Bischhausen an der Schwalm; als sie aber 
im 13. Jahrhundert ihre neue Burg erbauten, nahmen sie ebenfalls die 
neumodische Benennung an.^ 

Diese Weise wurde aber auch von Leuten nicht ritterlichen Standes 
frühzeitig befolgt, indem sie sich nach ihrem Stammorte oder ihrem Wohn- 
sitze benannten. So begegnen wir unter den hervorragenden Dichtem des 



Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann, 
Wat geit dy, Düwel, min Supen an? 
Ick 8up mit mim HeiTn Jesu Christ, 
Wenn du Düwel ewig dösten müst; 
Ick sup mit em ne söte Eolleschal, 
Wenn du sittst in de Höllenqual. 
Drum rad ick: wiek, lop, renn un gab, 
Eh, by dem Düwel! ick toschlah! 
1) Becker, Geschlechtsnamen S. 6. — Vilmar, Namenbüchlein S. 15. 



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54 13. FamilienDamen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

13. Jahrhunderts einem bürgerlichen ^meister'' Eonrad, der sich selbst 
Konrad von Würxhurg nennt ^ 

Daß solche Zusätze sich allmählich befestigten, war naturgemäß, ja 
fast unvermeidlich, sobald eine Vamilie längere Zeit in demselben Besitze 
blieb oder an derselben Stelle wohnte. 

Die aus dieser Quelle geflossenen zahlreichen Namen zerfallen in 
zwei Hauptgattungen, je nachdem sie von allgemeinen Ortsbezeich- 
nungen oder von bestimmten Ortsnamen herrühren. Betrachten wir 
jene zuerst! 

Uns klingen jetzt die Namen mancher Landleute in Schillers Teil auf- 
fällig und fremdartig: (Hans) auf der Mauer, (Jörg) im Hofe, (Burkhart) 
am Bühel u. a. Solcher Benennungen aber, wie sie hier Schiller im 
Anschluß an die Schweizer- Chronik von Tschudi gewählt hat, gab es 
ursprünglich sehr viele, von den verschiedensten örtlichkeiten entlehnt und 
mit den mannigfachsten Yerhältniswörtern: von der Au; am Ende (der 
am Ende des Ortes Wohnende); aus dem Werd (Werder, Insel); beim 
Born; vor dem Baum; achterm Boil (hinter dem Bühel d. i. Hügel); unter 
den Weiden; xum Steg u. s. f. * 

Später fiel dann das Verhältniswort meist ab, eine Familie aus dem 
Werd nannte sich einfach Werth, ter Varrentrap (zu * der Ochsenspur) 
Varrentrap — oder dasselbe wurde eng an das Hauptwort herangezogen 
und mit ihm vereinigt. So ist eine Anzahl Familiennamen entstanden, 
die man nur nach ihren Bestandteilen auseinander zu schneiden braucht, 
um sie sofort zu verstehen: 

Ambach: am Bach; 

Imhove: im Hofe; 

Ziimbusch: zum Busch; 

Vormbaum: vor dem Baum; 

Auffenberg: auf dem Berg usw. 
Bisweilen sind dabei allerdings Entstellungen eingedrungen: Tremöhlen ^\aii 
ter MöMen (hochd. zur Mühlen), Austermühle statt aus der Mühle, Am- 
thauer statt Amthor, 



1) ^Von Würzeburc ich Kuonrät'' im „Otto mit dem Barte*, Z. 760. 

2) Becker stellt mehrere Eeihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln 
(12. Jahrh.) die Geschlechter: vom Neumarkt, de Monticulo (vom Bühel); aus Zürich: xer 
Linden, im Hof, am Thor\ vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees: in 
der Ouwe (Aue), in der Matta, bim Schecken , xe dem Brunnen u. a. — Pott führt aus 
Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an: Wilken tkom dyke, Oltman bi dermuren, 
eylerd mank den schüren u. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort: Robeke bakhus, 
borckerd netelhorst, öodekc stengrauen. — Aus der Kölner üniversitätsmatrikel (15. Jahrh.) 
füge ich hinzu: Henrieus in der sannen, Eenricus super lapidem, Everhardus uff dem 
Velde, Conradus van der Lyndcn. 



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13. FamilieDnamen der dritten Schicht, c) Herkuoft und Wohnstätte. 55 

Nur selten hat die ursprüngliche Form, Hauptwort und Verhältnis- 
wort getrennt, sich erhalten, wie in: atis der Ohe, atis'm Werth, ten Brink 
(niiederd. = zum Hügel), xum Bild, ganz vereinzelt Zur-Linde.^ 

In entsprechender Weise werden Familiennamen von bestimmten 
Ortsnamen (Stadt- oder Dorfnamen) abgeleitet. Wer aus einem fremden 
Orte zuzog, wurde beim Eintragen in die Bürgerrollen am einfachsten nach 
dem Orte bezeichnet, aus welchem er kam. So ist in den Bürgerrollen 
von Nordhausen aus dem 13. und 14. Jahrhundert ein Personenname aus 
von (oder lateinisch de) uud einem Ortsnamen gebildet die gewöhnlichste 
Bezeichnung, z. B. Henricus de Erfordia, Ludovicus de Molhusen. Das 
von fiel später weg, zumal der Adel es mehr und mehr als sein Kenn- 
zeichen und Sonderrecht hinstellte. Dieser allmähliche Wegfall ergibt sich 
deutlich aus einer Zusammenstellung Förstemanns (Programm S. 11), wo- 
nach von 27 Mitgliedern des Rates zu Nordhausen im Jahre 1385 noch 13 
das von mit einem Ortsnamen haben, dagegen 1401 nur 7, 1421 nur 2, 
1475 noch einer, endlich 1484 keiner, obgleich nicht weniger als sieben 
einen Ortsnamen als Familiennamen führen. 

Daher stammt nun eine außerordentliche Menge von Familiennamen, 
die einfach aus einem Ortsnamen bestehen. Besonders leicht zu erkennen 
sind die zusammengesetzten, bei welchen etwa folgende Ausgänge die häufig- 
sten sind: 

-au: Färstenau; 

-bach: Blumenbach — niederd. -beck (spr. bäk): MöUenbeck; 

-bäum: Birnbaum — niederd. -bohm: Nottebohm; 
' -berg: Lichtenberg; 

-brück: Delbrück — niederd. -brügge: Delbrüggc] 

-bürg: Homburg; 

-dorf: HoUxendorf, Bemstorff — niederd. -dorp: Oldendorp; 

-eck: Viereck — südd. -egg: Hohenegg; 

-feld: Birkenfeld; 

-hagen: Hundeshagen — zsgz. -hain: Rosenhain, -hahn: Langenhahn; 

-haus: Brockhaus — im Dat Plur. -husen (aus altd. husum): Wachen- 
husen, mit neuhochd. Vokal -hausen: MöUhausen; 

-heim: Freinsheim; 

-hof: Blumhof — im Dat Plur. -hofen: Altenhoven] 

-holz: Buchhoh; 

-hörst: Schamhorst; 

-leben: Älsleben; 

-reut: Bärenreuth; 

-rode: Benterode — mit Abfall des e -roth: Abnerothy -rath: Beckerath; 



1) Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann: 
Orundmann, Lohmann j Buschmann, Horstmann, Öampmann, 



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56 13. Familiennamen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

-Stadt: Karlstadt — mit der Nebenf. -stedt (eig. Dativ): Bodenstedt; 

-stein: Laiienstein; 

-thal: Friedenthal — niederd. -dahl: Küchendahl; 

-walde: Schwachentvalde — gew. gekürzt -wald: Amswald; 
Dazu die Endung 

-ingen (eig. Dat Plur. von dem Patronymikum s. Namenlexikon): Ehin- 
gen, gekürzt -ing: Bisping. 
Diesen schließen sich in der Häufigkeit zunächst an die auf 

-born, -busch, -fels, -furt, -hörn. 
Im ganzen ist der Ortsnamen , die zugleich als Familiennamen dienen, 
eine ungezählte Menge, da es kaum einen größeren Ort in Deutschland 
gibt, dessen Name nicht auch als Familienbezeichnung sich fände. Viele 
Familiennamen, die sonst fast als unlösbare Rätsel erscheinen, werden ohne 
weiteres klar, sobald man ein geographisches Wörterbuch zur Hand nimmt^ 
Freilich wird anderseits auch die sichere Deutung und Heimweisung 
vieler Familiennamen durch das Hereinspielen der Ortsnamen erschwert, 
da nicht wenige der letzteren mit Personennamen buchstäblich überein- 
stimmen. Z. B. ist Seeger eine Weiterbildung des altdeutschen Personen- 
namens Sigher, zugleich aber auch ein Ort in Pommern; Roth, für welches 
schon eine doppelte Quelle nachgewiesen (S. 48), findet sich auch häufig als 
Ortsbenennung, von rode abzuleiten (s. oben). Außerdem tragen viele Orte 
Namen von Gegenständen der Natur, sei es durch zufälliges Zusammentreffen, 
wie in Hahn, welches hier doch nur Zusammenziehung aus Hagen ist, oder 
indem der Name eines Tieres, einer Pflanze ohne weiteres, ohne Anhängung 
einer Endung, auf einen Ort übertragen wurde. Es tritt an diesem Punkte 
ein Mangel in der Namengebung hervor, da viele Bezeichnungen unter- 
schiedslos als Personen- wie als Ortsnamen dienen, z. B. Baum, Habicht, 
Kränz, Nagel, Wohlgemuth, Daher ist hier besondere Vorsicht geboten, 
und es ist in solchen zweifelhaften Fällen jeder Name möglichst durch 
Einzeluntersuchung klarzustellen. 

Leichter sind diejenigen Familiennamen zu erkennen, welche durch 
Ableitung von Ortsnamen gebildet sind, und zwar mittels der Endung er 
wie: Eppinger, Meifsner.^ Diese Bildungsweise hat jedoch geringere Ver- 
breitung und ist hauptsächlich oberdeutsch. So gehören bei Fröhner (Karls- 



1) Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Herein- 
spielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, nament- 
lich nicht von Yilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele 
Namen falsch einreiht So stellt er Schönatchj Statidach unter die Pflanzen, berücksichtigt 
bei Baum und Hom nicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung 
häutig als Ortsnamen vorkommen usw. 

2) Stark S. 156: Rudolfus iS/rt^*w^ar (Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich der Wiener 
14. Jahrh. — Henricus dictus Mijssener (Meißner) Köln. Univ.- Matrikel 1390. 



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13. Familiennamen der dritten Schicht c) Herkunft und Wohnstätte. 57 

ruher Namenbuch) unter etwa 100 von Orten hergeleiteten Familiennamen 
zwei Drittel hierher, während in Hof&nanns hannoverschen Namenbuche 
unter etwa 300 derartigen Namen sich (abgesehen von den neueren jüdischen) 
kaum 10 finden, und diese erklären sich durch oberdeutschen Zuzug.^ 

Die meisten der auf S. 54 f. aufgeführten Endungen bilden Familien- 
namen dieser Art, wobei sich durch Hinzutreten des Umlautes aus 
manchen zwei Formen entwickeln, so aus -dorf: -dorfer und -dörfer, aus 
-bach: -bacher und -becher. Demnach haben wir 

-auer: Kronauer; 

-bacher (-becher): Speckbacher — Isselbecher; 

-berger: Frankenberger — Reichensperger; 

-brücker (-brugger): Haarbrücker — Moosbrugger; 

-burger (-bürger): Waldburger — Waldbürger; 

-dorfer (-dörfer): Rudorfer — Harsdörfer; 

-eck er (-egger): Bemecker — Buchegger; 

-felder: Hirschfelder; 

-hauser (-häuser): Steinhäuser — Steinhäuser; 

-heim er: Sinsheimer; 

-hofer (-höfer): Frauenhofer — Sandhöfo'; 

-inger: Ehinger; 

- r e u t er : Vogelreuter; 

-röder: Blumröder; 

-Städter: Hochstädter; 

-Steiner: Buchsteiner; 

-thaler (-thäler): Reinthaler — Lichtenthäler. 
Dagegen erweisen sich -hagen, -leben, -see, -wald u. a. für Bildungen 
dieser Art wenig fruchtbar, was sich zum Teil daher erklärt, daß die be- 
treffenden Ortsnamen in Süddeutschland nicht üblich sind. So ist -leben 
auf Thüringen und das nördliche Schleswig beschränkt, -borstel und -bostel 
auf das nordwestliche Deutschland (Hannover). 

In die Lücke treten dafür einige andere Endungen, welche Süddeutsch- 
land eigentümlich sind, namentlich 

-kofer: Zollikofer; 

-öder (-oder): Ameisöder — Hocheder (Leute, die in einer „Öde** wohnen). 

Die Namen dieser Gattung zeichnen sich, wie aus den mitgeteilten 

Beispielen hervorgeht, durch ihre Länge aus, da sie meist dreisilbig, zum 

Teil sogar viersilbig sind. Doch gibt es auch zweisilbige in Menge, von 



1) In Kiempins Pomraerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet 
sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Oi*tsbenennung unverändert, mit verhUlt- 
niswörtlicher Ellipse, verwendet: Arnstorp, Pasicalck, Rosendal, Schenkenhergh usw. 



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58 13. Familiennamen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

Ortsnamen, die nur aus einer Silbe oder auch aus zweien besteben, abge- 
leitet, wie Ulmer, Wiener, Lindner (vom 0. Linden). 

So haben wir denn eine dreifache Weise, Familiennamen von Orts- 
namen zu bilden; alle diese drei Formen finden sich z. B. in dem berühmten 
Baseler Drucker- und Gelehrtengeschlechte der Amerbach, welche in den 
alten Zunftlisten auftreten als von Amorbach, Amerbach, Amerbacher. 

Für viele Familiennamen, die offenbar Ortsnamen sind, läßt sich der 
entsprechende Ort nicht mehr nachweisen. Gar viele Ortschaften sind in 
den Stürmen der Zeiten untergegangen; so nach Förstemann in der Um- 
gegend von Nordhausen an hundert im Umkreise weniger Stunden, und 
Hoffinann von Fallersleben bezeichnet in^em „Kasseler Namenbüchlein ^ 
unter 120 hessischen Ortschaften 30, also den vierten Teil, als nicht mehr 
vorhanden (auf Grund der „Historisch -topographischen Beschreibung der 
wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen^ von Dr. Landau). Die großen 
Seuchen des Mittelalters, die verheerenden Kriege früherer Zeiten erklären 
dies zum großen Teile. Doch gingen auch vielfach kleine Ortschaften in 
eine große Stadtgemeinde auf, die sie mehr zu schützen vermochte.^ 

Wenn aber auch der Ort noch vorhanden ist, so decken sich doch 
dessen Name und der daher entlehnte Familienname heutzutage keineswegs 
immer. Das darf nicht überraschen; denn indem beide Jahrhunderte lang 
Selbständig und meist ohne gegenseitigen Zusammenhang fortbestanden und 
sich entwickelten, konnte es nicht ausbleiben, daß hin und wieder der eine 
Wandlungen erftihr, die der andere nicht mitmachte. So weist für die 
Familiennamen Birkenhagen und Eschenhagen auch Rudolphs „Vollständigstes 
Ortslexikon ^ keine vollkommen entsprechenden Ortsnamen nach, sondern nur 
Birkenhain und Fschenhahn; beides aber, hain und hahn, sind Zu- 
sammenziehungen aus hagen (s. Förstemann, Die deutschen Ortsnamen S. 57). 
Es hätten somit in diesem Falle die Familiennamen die ältere, ursprüngliche 
Form bewahrt Dasselbe gilt von Meixner statt Meißner, von ZolUkofer 
(aus Zollikon am Züricher See, urspr. Zollinc hovun „zu den Höfen des 
Zollinc*'). 

Sehr viel Familiennamen, besonders im östlichen Deutschland, sind 
von slawischen Ortsnamen entlehnt und sollen später eine genauere Dar- 
stellung finden (s. Beilage 3 und das Namenlexikon). 

Eine besondere Abteilung in dieser Klasse bilden die 

Adelsnamen, 
die ja, soweit ui*sprünglich und echt, fast sämtlich von Ortsnamen abgeleitet 
sind, z. B. vo?i FaJkenstein, von der Asseburg, Doch ebenso alt ist die 
schon erwähnte Ableitung auf er: der Bodensteiner, der Toggenburger. So 



1) Kleemann (Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt 
in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf. 



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13. Familiennamen der dritten Schicht c) Herkunft und Wohnstätte. 59 

nennt sich Hartmann (im 13. Jahrhundert) bald „der von Ouwe", bald y,der 
Ouwaere". So wird noch im Teil der Freiherr von Attinghausen von dem 
Hirten in der ersten Szene ^der Attinghäuser^ genannt 

Jetzt ist die präpositionale Bezeichnung allgemein durchgedrungen 
und zwar die mittels des Verhältniswortes von, welche die andern in den 
Hintergrund gedräogt hat und als Kennzeichen des Adels schlechthin gilt. 

Wie aus obiger Darstellung erhellt, hat dieses von einen Sinn nur 
vor Ortsbezeichnungen, und es ist eine Yerirrung, auch Namen anderer 
Art, ursprünglichen Personennamen, Handwerksnamen usw. es vorzusetzen. 
Von Hermann, von Schmidt, von SchuÜx u. dergl. ist sprachlich entschie- 
dener Nonsens, und daß man in hunderten von Fällen ein von so ganz 
äußerlich anheften konnte, ist ein unleugbarer Beweis von erloschenem 
Sprachgefühl. 

Ein Best dieses Gefühles hat sich in Österreich erhalten; aber wie 
hilft man sich dort? Man bildet (wie schon in den Zeiten des alten deutschen 
Reiches)^ aus dem bisherigen Familiennamen des zu Adelnden durch An- 
hängung von -feld, -bürg, -thal usw. einen Ortsnamen, unbekümmert 
darum, ob es einen solchen Ort in der Welt gibt oder nicht, also: Kuhn 
von Kühnen feld, Planck Edler von Planckburg ^ Braun von Braunthal — 
lauter Namen, welchen man es sofort ansieht, daß sie nichts als Phantasie- 
gebilde sind. 

Besser ist in dieser Hinsicht eine Namengebung wie: Schubert, Edler 
von dem Kleefelde (wegen seiner Verdienste um den Kleebau geadelt, Pott, 
Personennamen S. 3), und Escher von der Linth, wie der Staatsrat Escher 
wegen Regelung des Laufes der Linth und Austrocknung der durch diesen 
Fluß gebildeten Sümpfe auf Beschluß des kleinen Bates von Zürich genannt 
wurde. („Die Staatskanzlei sei beauftragt, künftig in allen betreffenden 
öffentlichen Schriften den verewigten hochverehrten Herrn Staatsrat Hans 
Konrad Escher und dessen männliche Nachkommen als „Escher von der 
Linth" zu benennen, eine Bezeichnung, die jetzt urkundlich um so be- 
gründeter festgesetzt wird, da sie schon, während das Vaterland sich noch 
des lebendigen Wirkens des Vollendeten erfreute, von der öffentlichen Mei- 
nung aufgefaßt und von Mitbürgern und Eidgenossen übereinstimmend 
geübt ward.") 

Häusernamen. 

Wenn in manchen Geschlechtsnamen, z. B. AmtJwr, die Bezeichnung 
der Lage des Hauses entnommen ist, so entspringt sie auch sehr häufig 
aus dem Namen des Hauses selbst. Denn jene alte Zeit war, wie Becker 
S. 20 treffend bemerkt, so jugendfrisch, daß sie allen Dingen, wie Adam 



1) Z. B. Opitx von Bober feld, Hoff mann von Hoffmanfiswaldau. Auch Abstrakta 
wurden und werden verwendet wie : Löllhöfel von Löwensprung y Adler von Adlerskampf, 
Hiebet von Festertreu, Tengg von Lanxensieg. 



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60 13. FamilienDameD der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

im Paradiese, gleich einen lebendigen Namen zu geben wußte, nicht nur 
Burgen, Höfen und Straßen, sondern auch den Häusern.^ Wir begnügen 
uns jetzt mit einer toten Nummer und Littera, während nur die Straßen- 
namen noch fortdauern. An einzelnen Orten sind freilich auch diese 
wenigstens vorübergehend abgeschafft, z. B. in Mannheim, wo es statt 
dessen bis vor kurzem armselige Häuserquadrate A, B, C usw. gab, und 
jenseit des Ozeans bei den nüchternen, poesielosen Yankees, die da bloß 
zählen 1. 2. 3 Avenue. 

Im Mittelalter dagegen führten auch die Häuser Namen, und zwar 
benannte der Erbauer oder Besitzer eines Hauses dasselbe entweder nach 
seiner alten Heimat — so hieß das Haus, in welchem der Dichter Konrad 
von Würzburg (s. S. 54) in Basel wohnte, Würzburg, andere xum Mailand, 
xttm Venedig — oder nach Tieren, Pflanzen, Geräten, namentlich nach 
Geräten oder Erzeugnissen eines Gewerbes oder Dingen, die mit dem Berufe 
des Erbauere irgendwie zusammenhingen. 

Diese Häusemamen nun wurden nicht angeschrieben, sondern dem 
lese -unkundigen Volke zu nutz wurde der im Namen enthaltene Gegen- 
stand angemalt oder auch in einem Holz- oder Steinbild am Hause an- 
gebracht* 

Reste dieser Sitte sind die noch jetzt üblichen besonderen Benennungen 
und Bezeichnungen der Gasthäuser und Apotheken, auch der Logier- 
häuser in Bädern. Im übrigen haben sich nur einzelne dieser Namen 
und Bilder bis in die Gegenwart erhalten. So heißt in Leipzig noch jetzt 
ein schönes, hohes Haus auf dem Neumarkte ^,die hohe Lilie'^ (Pröhle), ein 
Haus in Erfurt „zum Rebsiocke'[, ein anderes in Stettin „die weifse Taube '^. 

An diese Benennungen knüpfen sich häufig sagenhafte Erzählungen, 
welche die Veranlassung und Bedeutung derselben zu erklären suchen. 
Einige teilt Pröhle in seinen „Deutschen Sagen" mit; 

„Zu Erfurt sah einst ein Schäfer in seinem Garten einen Bock und 
ein Schaf an einem Rosenstocke stehn. Das Schäfchen aber scharrte mit 



1) Daß in noch früherer Zeit auch die "Waffen der Helden, namentlich die Schwerter 
Namen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angui-wadel) , ist aus den Epen des 
Mittelalters bekannt. 

2) Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in 
London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen s^d 
sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastti-ägern und Lauf burschen 
Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, 
die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte 
Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von 
Charingcross nach "Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, 
Königseichen, blauen Bäron und goldenen Länmiern, welche verschwanden, wie sie nicht 
mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren. '^ (Macaulay, Gesch. Englands seitdem 
Regierungsantritt Jakobs IL, Bd. 2 in dem Kapitel : Zustand Englands im Jahre 1685.) 



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13. FamüieDDamen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 61 

seinem Fuß etwas Geld aus der Erde. Da grub der Schäfer nach und 
fand so viel Geld, daß er davon drei schöne Häuser bauen konnte. Er 
nannte aber das erste Haus „zum güldenen Schafe^, und es ist daran 
auch ein Schaf in Stein zu sehen, das andere „zum Rosenstock'^ und 
das dritte „zum schwarzen Bock'^ 

Geschichtlicher sind nach allem Anscheine die Angaben über das oben 
erwähnte Haus „zum ßebstock", welches von Otto v. Ziegler im 15. Jahr- 
hundert erbaut worden. „Dieser reiste 1447 zum heiligen Grabe und in 
die 18 Königreiche. Er brachte aus dem heiligen Lande einen großen 
merkwürdigen Bebstock mit, und als er 1451 zu Erfurt in der Futtergasse 
ein schönes Haus als Stammhaus erbaute, nannte er es „zum Bebstock^^ 
Oben an dem Hause standen auf steinernen Platten die Wappen der 18 König- 
reiche gemalt,^ wodurch der Otto v. Ziegler gereiset. Auch ward der Beb- 
stock, den er mitgebracht hatte ^ daran abgebildet und außerdem in seiner 
Familie aufbewahrt" (Pröhle, Deutsche Sagen neue Ausg. S. 248 ff.). 

Ähnlich über ein Haus in Würzburg in der Dominikanergasse, welches 
den Namen „xitm roten Hahn" führt: Auf das Dach desselben wurde von 
den Leuten des Wilh. Grumbach nach Überrumpelung der Stadt Würzburg 
ein roter Hahn gesetzt und das Haus angezündet. Der rote Hahn krähte 
(d. h. die Flamme prasselte) und flog von einem Dache zum andern. Nach 
seiner Wiedererbauung erhielt das Haus den Namen „zum roten Hahn** 
(Pröhle a. a. 0. S. 237). 

Aus diesen Hausnamen und -Bildern sind nun eine Menge Familien- 
namen entstanden. So führt Becker aus älterer Zeit unter andern folgende 
an: aus Köln 1116 xum Saphir^ 1178 Lembechen (Lämmchen), 1219 von 
Giirxenich, 1256 van me Kranen (vom Kranich), 1262 van me Hane; aus 
Basel: 1255 Waltherus ad Stellam, xum Sternen, 1262 Anselm xer Tannen; 
später xer Sonnen, xer Rosen, xem Haupt, xem Traschen (Drachen) usw. 
Wie hieraus ersichtlich wurden diese Hausnamen vorzugsweis aus der 
Tier- und Pflanzenwelt gewählt, und daher erklärt sich zum guten Teile 
der Umstand, daß jetzt so manche Familiennamen nichts anderes als eben 
Tier- und Pflanzennamen sind. Der Hausname wurde auf den Besitzer 
übertragen, ursprünglich wie andere Ortsbenennungen mit einem Verhältnis- 
worte: V071 oder xu, welches später abfiel. Einen Beweis für diese Ent- 
wickelung bietet unter anderem der Familienname Molfenter, aus xum 
Olfenter (Kamel), wo das m von der Vorsetzsilbe noch stehen geblieben ist. 

Besonders reichliche Beiträge zur Bezeichnung menschlicher Geschlechter 
haben unter den vierfüßigen Tieren gegeben: Schaf und Ziege, Bind, Wolf 
Fuchs und Hase, nächstdem Hirsch und Reh (Rehbein, Rehfufs) — unter 



1) Schiller im Teil 1, 2 von Stauffachers Hause: 

„Mit bunten "Wappenschildern isfs bemalt 
Und weisen Sprüchen.* 



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62 14. Würdigung der deutschen Familiennamen nach Gehalt und Form. 

den Vögeln außer dem allgemeinen Vogel nebst seinen Zusammensetzungen 
(Brachvogel, Schreivogel) die Raubvögel: Adler, Oeier, Falk, außerdem 
Oans und Hahn, Innerhalb des Pflanzenreichs überragt die Königin der 
Blumen, die Rose, die andern auch hier, zumal in mannigfachen Zusam- 
mensetzungen (Rosenblüt, Rosenstiel, Rosenstock, Rosenxweig) . 

Jedoch ist wiederholt darauf hinzuweisen, daß wir uns hier auf einem 
sehr trügerischen Gebiete bewegen, in einer Welt, die großenteils eine 
Welt des Scheines ist Wie bei den Gerätschaften und Körperteilen ist 
auch hier ein gut Teil anderen Ursprungs und trifft nur zufallig, oft infolge 
von Umdeutung und Entstellung, mit neueren Tier- und Pflanzennamen 
zusammen. So ist der Name Straufs die regelmäßige Weiterentwickelung 
vom althochd. Strux, der Schmeichelform von Strudolf, Appel ist Zusam- 
menziehung und Verkürzung aus Adalbold, Hering, althochd. Heiinc, Pa- 
tronymikum von Hero, Regen althochd. Regino (s. Ragan „klug"), Bock 
meist wohl aus Bucco, Kürzung von Burkhart Andere bezeichnen wirklich 
Tiere, stammen aber meistens schon aus der ersten Periode, wie Bär, Rofs, 
Schwan, oder sie geben auf Eigenschaften (s. S. 48). 

Hiermit schließen wir diese Übersicht. Wie uns die Personennamen 
unserer germanischen Altvordern das kampfdurchtobte, waffenfreudige Leben 
und Treiben derselben vor Augen führen, so spiegeln die dem spätem 
Mittelalter entsprossenen Familiennamen die bunten Erscheinungen mittel- 
alterlichen Lebens wieder. Die Bilder der Raubritter, der „frummen" 
Landsknechte^ der teils gedrückten, teils übermütigen Bauern, besonders 
aber der ehrsamen Bürger in Werkstatt und Rat, in Singschule und Trink- 
stube werden durch diese Namen vor unsere Augen gezaubert 

Wenn die Geduld des freundlichen Lesers uns bis hierher gefolgt ist, 
so wird derselbe nunmehr wenigstens in den Grundzügen ein Bild der 
deutschen Familiennamen erhalten haben. Es mag dieses einem bunt- 
gewirkten Teppich gleichen, in welchem die altdeutschen und die kirch- 
lichen Namen den Aufzug, die bürgerlichen Bezeichnungen den Einschlag 
bilden. Damit ist im wesentlichen die Sache abgeschlossen; was später 
etwa noch hinzukommt, kann den Grundcharakter der deutschen Namen- 
gebung nicht ändern, es dient nur dazu, hie und da noch einen neuen 
Faden in das Gewebe einzufügen, es noch ein wenig bunter zu machen. 

14. 

Würdigung der deutschen Familiennamen nach Gehalt und Form. 

Nach ihrem Innern Gehalt ist die deutsche Namengebung alles Lobes würdig. 

Die Grundlage bilden die altdeutschen Heldennamen mit ihrem 

schönen, idealen Gepräge und in ihrer reichen Fülle, mit einer verhältnis- 



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15. LatinisiemDgen. 63 



mäßig nicht bedeutenden Beimischung fremdsprachig kirchlicher Namen, 
Ton Olaubenshelden entlehnt An diese schließt sich dann, entsprechend 
der gesellschaftlichen Entwickelung, in durchaus gesunder Weise eine fast 
ebenso große Fülle bürgerlicher Namen, hergenommen von Amt und 
Handwerk, von Geburts- und Wohnort. Freilich hat sich der Schwung 
des heroischen Zeitalters ermäßigt, der poetische Blütenstaub ist abgestreift. 
Dafür tritt zum Ersatz der Witz, die scherzende und spottende Laune 
ein, die sich am glänzendsten in den Satznamen offenbart 

Ein Mangel allerdings gibt sich hier sehr bald kund: die zu häufige 
Wiederkehr mancher Namen, besonders der vom Handwerk entlehnten, 
wogegen anderseits auch ein Fernhalten von leerem Prunk anzu- 
erkennen ist^ 

Nicht so günstig kann das Urteil in betreff der Form ausfallen. 

Hier ist vor allem zu beklagen, daß die klangvollen Namen der ersten 
Schicht, wie Hildebra7id, Rüdiger, Landolf durch spätere Verkürzungen 
und Verkleinerungen doch sehr gelitten haben, so daß eine Menge über- 
kurzer, einsilbiger, klangloser Namen entstanden ist: Eck, Sietx, Lefnm, 
Thie, Deetx usw. Hierher gehören auch viele zweisilbige, insbesondere die 
niederdeutschen auf ke: Oefke, Oehrke, Beetxke, Zielke, denen die süd- 
deutschen auf l entsprechen: Dietl, Atxl, Datxl, Hutxl 

Voller tönende Namen finden sich unter den von Ortsbezeichnungen 
entlehnten: Frankenstein, Reinihaler, Rudinger u. a. — und diese bilden 
jetzt die Hauptmasse der längeren, mindestens dreisilbigen Familiennamen. 
Manche, viersilbige, haben sogar zuviel Gewicht und etwas Schleppendes^ 
wie: Älbrechtsberger, Koberlechner. 

Außerdem fällt eine Härte in den konsonantischen Verbindungen^ 
z. B. in Hitxke, Kratxke, Nitxschke, vielfach unangenehm ins Ohr. 

15. 
Latinlslerangen. 

Unter den auf S. 62 erwähnten späteren Zutaten treten hervor die 
Latinisierungen. 

Im Ausgange des Mittelalters und besonders nach der sonst so er- 
freulichen Wiederbelebung der klassischen Studien im 15. und 16. Jahr- 
hundert wurde es Sitte bei den Gelehrten und studierten Fürstendienem, 
auch ihre Namen in das Antike zu übersetzen. Ein Beispiel haben wir 
unter anderm an dem Dr. juris Olearius in Goethes Götz in der Tafelszene 
des ersten Aufzuges: 



1) MaD vergleiche schwedische Nameo wie von Tigerström (ein Strom, an dem 
Tiger hausen, in Skandinavien!), Qyllenstorm (goldner Sturm) u. a, — auch die jüdischen. 
Familiennamen (s. weiterhin). 



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64 15. LatisinieruDgen. 



Liebetraut: Ihr seid von Frankfurt? Ich bin da wohlbekannt. — Euer Name ist 
Olearius? Ich kenne so niemanden. 

Olearius: Mein Vater hieß Olmann. Nur den Mißstand auf dem Titel meiner 
lateinischen Schriften zu vermeiden, nennt* ich mich nach dem Beispiel und auf Anraten 
würdiger Reohtslehrer Olearius. 

Liebetraut: Ihr tatet wohl, daß ihr euch übersetztet. Ein Prophet gilt nichts 
in seinem Yaterlande; es hätt' euch in eurer Muttersprache auch so gehen können. 

Olearius: Es war nicht darum. 

Liebetraut: Alle Dinge haben ein paar Ursachen. 

Die Grundursache war eben die leidige Nachahmung oder vielmehr 
Nachäffung des Fremden. Es sollte das alte Römertum v^ieder erweckt 
und alles möglichst auf römischen Fuß gebracht werden. So wurde das 
heimische Recht durch das römische Corpus juris verdrängt, und auch die 
deutsche Muttersprache suchte man als eine barbarische, wofür sie den Ge- 
lehrten galt, möglichst zu verdrängen und auszurotten, zunächst in den 
gelehrten Schulen, damit die lateinische ganz an ihre Stelle träte. Man 
betrachtete es als einen großen Vorzug der römischen Kinder, daß sie von 
kleinauf Latein sprachen und mit Lateinsprechenden umgingen, und bedauerte 
die armen deutschen Kinder, die nicht schon von den Ammen und beim 
Spielen auf den Gassen lauter Latein hörten. Den Lehrern wie den Schülern 
war darum alles Deutschsprechen untersagt; Spielen ward unter der Be- 
dingung erlaubt, daß auch dabei nur Latein gesprochen würde. So hoffte 
man die „barbarische" Muttersprache wenigstens aus den Schulen bald 
auszutreiben. In diesen traurigen Anschauungen und Bestrebungen kamen 
der Straßburger Lehrplan des Joh. Sturm, der württembergische des Herzogs 
Christoph und der der Jesuiten überein. Es war eben allgemeine Zeit- 
richtung. 

Daher darf es nun nicht wundernehmen, wenn im Kreise der Ge- 
lehrten die Namen so eifrig verlateint wurden und man sich wenigstens 
hierin zu Römern zu lügen suchte. Ein Lutz nannte sich LumiSy ein 
Kurz: Ckirtius, ein Köpflin: Capito, ein Crachenberger: Pierius Oracchus 
— ein Fischer übersetzte sich PiscatoVy ein Habermann : AvenaHus — mit 
Zuhülfenahme des Griechischen ein Holzmann: Xylander, ein Becker: 
ArtopoeuSf ein Hausschein: Oecolampadius. 

Während die vergriechten Namen, fast ausnahmslos zusammengesetzt, 
durch ihre Länge ins Ohr fielen, indem sie mindestens dreisilbig, oft aber 
vier-, fünf-, ja sechssilbig sind: erschienen die einfachen lateinischen Namen 
in ihrer Kürze noch zu kahl; mindestens mußte den zweisilbigen wie Sartor, 
Fistor noch eine Endung gleichsam als Schleppe angehängt werden, um die 
Würde ihrer pedantischen Träger recht zu bezeichnen, also: Sartorius, 
Pistoritcs. 

Li jenen Zeiten bestimmte zuweilen der unreife und phantastische 
Einfall eines unbärtigen Literaten auf Jahrhunderte den Familiennamen 



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15. Latinisierungen. 65 



seines Geschlechtes. So war, nach Vilmar, ein gewisser Mosmann der Sohn 
eines Schmiedes zu Gemünden an der Wohra; da ihm aber einige lateinische 
Verse gelungen waren, so konnte er nicht mehr Mosmann heißen, sondern 
nahm den lateinischen Namen für das Gewerbe seines Vaters an: Faber. 
Indes das drückte doch nicht den poetischen Schwung aus, den der angehende 
Virgil in sich fühlte, und so nannte er sich denn Fabronius, welches be- 
deuten sollte Faber Aonius, d. i. Musenschmied, und diesen Namen behielten 
seine Nachkommen bei Seine Landsleute waren Heliiis Eobantis Hessus 
und Euridus Cordus, von denen bei ihren hochpoetisch klingenden Namen 
niemand mehr weiß, wie sie recht geheißen haben. 

So entstanden die wunderlichsten und abenteuerlichsten Namengebilde, 
z. B. Oslander aus Hosemann, Chiomustis aus Schneesing, Etichantis aus 
Eckhard, Chelopoeus aus Kistemaker, Namen, die jetzt schwer zu enträtseln 
sind oder gar nicht mehr, wie Chesnecophorus. Auch übellautende Miß- 
bildungen, wie CrueinxiuSy Heinecmis, Cocceji^ setzten sich fest. 

Diese Latinisierungen wucherten am meisten da, wo eben die vorhin 
geschilderte, sog. humanistische Bichtung besonders blühte, also namentlich 
in Sachsen, in der Pfalz, in Basel, vor allem aber am Hofe des hessischen 
Landgrafen Philipps des Großmütigen. 

Manche kehrten von den Pistorius, Episcopius, Melissander ihrer Väter 
zu den Becker, Bischoflf, Bienemann ihrer Großväter zurück; andere aber 
behielten die bunten lateinischen und griechischen Namen bei, wenn sie 
sich auch nicht auf der wissenschaftlichen Höhe ihrer Vorfahren behaupten 
konnten, und so finden wir diese Fremdnamen gegenwärtig noch überall 
in Deutschland. 2 



1) ürspr. bloßer Koch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens 
Cocceja (Pott). 

2) Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen , siehe den 
Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann 
Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles 
aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt xmd aus des Königs Munde 
vernommen. 

König: Wie heißt Ihr? 

Amtsrat (des Amtes Neustadt): Klausius. 

König: Klau-si-us. Was ist das für ein Mensch, der da rechts? 

Fromme: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat. 

König: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! Wie 

heißt die Kolonie? 

Fromme: Klausiushof. 

Amtsrat: Ihro Majestät, sie kann auch Klausbof heißen. 
König: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie? 
Fromme: Brenkenhof. 
König: So heißt sie nicht. 

Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders! 
König: Sie heißt Brenkenhofi-ushof. 
Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Aufl. 5 



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66 16. Jüdische Namen. 



Jetzt bekommt diese Namenklasse glücklicherweise keinen Zuwachs 
mehr. Nur einige Stockphilologen haben es in neuerer Zeit noch nicht 
lassen können, Namen in dieser Weise für ihre Zwecke zu antikisieren: 
Öhler in Olearius, SiUig in Siligius. Doch gründlicher verfuhr hierin Reisig. 
Dieser Gelehrte, der jedesmal, wenn er glaubte eine glückliche Koiyektur 
gemacht zu haben, dies der Welt durch Trompetenstoß von dem Boden 
seiner Wohnung aus verkündete, leistete auch Entsprechendes auf dem 
Gebiete der Antikisierung, besser gesagt, Entstellung der Namen. So ver- 
wandelte er Wunderlich in Vunderilicus, Poppo ganz unnötigerweise in 
Pomponius, Mitscherlich gar in Midoscherilix, als wäre dieser Horazerklärer 
des 19. Jahrhunderts einer von den Keltenhäuptlingen des alten Galliens, 
gleich den Viridovix und Vercingetorix. 

16. 
Jfidlsclie Namen. 

Am spätesten haben die Juden sich dazu verstanden, Familiennamen 
anzunehmen; meist wurden sie erst durch die Gesetzgebung, in Österreich 
unter Joseph U., in Preußen durch Hardenbergs Edikt vom 11. März 1812 
dazu genötigt Sie hatten nun die Wahl und wählten, was auch am 
nächsten lag, zum großen Teil hebräische, alttestamentliche Namen, indem 
einfach die bis dahin geführten Personennamen zu Familiennamen gestempelt 
wurden: Abraham, Jakob, Moses, Simon; auch patronymische Ableitungen 
hebräischer Namen: Jakoby, Jakobson (entsprechend dem hebräischen ben, 
welches in Benary „Löwensohn** erscheint). 

Doch in der Mehrzahl wurden neuhochdeutsche Namen gewählt, 
zunächst Bezeichnungen von Eigenschaften, natürlich guten: Edel^ 
Freundlich, Tteu — sodann Tierbenennungen: Hirsch, Wolf, Adler, 
meist wohl mit Rücksicht auf die Bedeutung, welche denselben im Alten 
Testamente beigelegt wird ^ — jedoch mit besonderer Vorliebe Ortsbezeich- 
nungen: Cassel, Falkenstein; häufig mit der Ableitungsendung ^v Fried- 
länder, Wronker, Exiner, MeseHtxer. Diese Namen weisen großenteils 
nach dem Osten, nach Westpreußen und Posen. 

Eigentümlich ist hierbei die Vorliebe für schönklingende Namen, Zu- 
sammensetzungen nicht nur mit Gold^ und Silber — sondern auch mit 
Löwen, mit Rosen, Lilien und Veilchen: Löwenstamm und Löwenthal^ 
Rosendorf und Rosenberg, Lilienihal, Veilchenfeld u. ähnl. Woher diese 

1) Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, 
Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103, 5 u. a.). 

2) Ooldf Golde, Feuigold, Goldader , Goldbach ^ Goldbaum, GoldbergeVy Goldenberg, 
Goldenkrafix f Goldfaden , Gold färb, Goldfinger, Goldmann, Goldmwk, Goldreich, Gold- 
stetn^ Goldstrom, Goldtreu, Goldxiher usw. 



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16. Jüdische Namen. 67 



prächtig klingeaden Namen, welche zu den die jüdische Namengebung be- 
herrschenden gehören? Ist es noch ein Nachklang jenes poetischen Sinnes, 
der sich einst in den Dichtungen des Alten Testamentes kundgegeben, ein 
Stück von dem Farbenreichtum des Morgenlandes nach dem Äbendlande 
verpflanzt? Oder ist es nur das Bestreben, wie die Ware so auch den Namen 
möglichst herauszuputzen, durch schönes Etikett Reklame zu machen?^ 

Dabei wird nun nicht gefragt, ob derlei Ortsbezeichnungen auch in 
Wirklichkeit vorkommen; diese Ldlienthal, Veilchenfeld usw. sind großen- 
teils rein erdachte Namen, wie auch Cohnfeld und Gohnheim, Aronsbach, 
Letüinthal — denn wo gäbe es in Deutschland Orte dieses Namens? Es 
gleichen diese scheinbaren Ortsnamen trügerischen Luftspiegelungen, die bei 
der Annäherung zerrinnen. 

Hingegen treten zurück die altdeutschen Namen, die kirchlichen und, 
was besonders bezeichnend ist, auch die Handwerksnamen. 

Im ganzen hat die jüdische Namengebung etwas Gemachtes, Künst- 
liches, was allerdings teil weis mit der Art ihrer Entstehung zusammenhängt 

In Österreich standen zu Ende des 18. Jahrhunderts besonders die Juden 
Ungarns, Oaliziens und der Bukowina auf einer tiefen Stufe, sie kannten 
das Bedürfnis nach Familiennamen gar nicht und hielten an dem alten 
orientalischen Brauche fest, nach welchem jeder bloß mit dem eigenen Per- 
sonennamen (und dem des Vaters) benannt wurde. Rücksichten der Ver- 
waltung, der Steuererhebung und Rechtspflege forderten Beseitigung solcher 
Zustände. Darum beauftragte Joseph U. seinen Hofkriegsrat, binnen zweier 
Jahre die nötigen Maßregeln durchzuführen. Zu dem Ende wurden nun 
Kommissionen von Offizieren ernannt. Ein panischer Schreck fuhr in die 
Juden, welche besonders vor dem Militärdienste wahre Todesangst empfanden 
und einen Abscheu vor den „heidnischen" Namen hatten, die sie neben 
ihren „heiligen" hebräischen tragen sollten. 

Zunächst konnten die Juden ihre Familiennamen selbst wählen. Da 
sie sich aber vielfach hartnäckig ablehnend verhielten, so blieb den Kom- 
missionen nichts anderes übrig, als selber ihnen Namen zu erteilen. Dabei 
war vorgeschrieben, solche Namen zu wählen, die möglichst große Besonder- 
heit hätten; auch sollten die Kommissionen viele Familiengruppen bilden 
und wiederholte Wahl desselben Namens in ihrem Bezirk vermeiden. Außer- 
dem spielten Soldaten witz und Schneid, auch wohl der Ärger über miß- 
glückte Erpressungsversuche eine große Rolle. So kamen denn wunderbare 
Namengebilde zum Vorschein, als da sind: Wohlgeruch y Veilchenduft, 
Schöndufter; Armenfreund , Wohlthäter, Weisheitsbom; Geldschrank, Smaragd; 
Singmirwas, Küssemich — Ladstockschtvinger, Pulverbestandtheil, Maschinen- 

1) Bemerkenswert ist es, daB die Frau auch wohl den Vornamen des Mannes mit 
annimmt: Esther Salomon Qottschalk, Bertha Philipp Freundlich — es ist eben die 
Firma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt. 

5* 



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68 17. Französierungen, Polonisiemngen und andere Metamorphosieiungen der Neuzeit. 

draht, Nufshiacker, Schulklopfer, Reinwascher; Temperaturwechsel j Maul- 
tvurf, NachtkäfeTy Rebenwurxel — Noileider, Hungerleidej'; Schnapser; 
Eselskopf, Ochsenschwanx, Drachenblut; Stinker, KaTialgenich; Oalgenvogel, 
Galgenstrick, Taschengreifer^ Hirschtödtei-, Wanxenknieker, Saumagen, 
Groberkhtx u. a. m.^ 

17. 

Französiernngeii, Polonisiemngen und andere Metamorphosierungen 

der Neuzeit. 

Die in Kap. 16 geschilderten Latinisierungen fanden eine bemerkens- 
werte Fortsetzung in der neuesten Zeit. Das infolge der traurigen staat- 
lichen Verhältnisse gesunkene Nationalgefühl der Deutschen hatte schon seit 
dem Dreißigjährigen Kriege eine bei andern Völkern unerhörte Schwäche 
hervortreten lassen, die sich in Mißachtung des Heimischen und Über- 
schätzung alles Fremden kundgab.^ Daher in der Literatur die sklavische 
Nachahmung fremder Muster, in der Sprache die Überschwemmung mit 
fremden, namentlich französischen Wörtern. Auf einzelnen Gebieten über- 
wunden trat diese einmal vorhandene Schwäche und Krankheit wieder in 
andern Symptomen hervor — neuerdings in der Unsitte, in fremden Tjanden 
seinen deutschen Namen zu entdeutschen, zu französieren, polonisieren^ 
madjarisieren, wie es gerade kommt. 

So werden denn in Frankreich die Namen verfranzöselt:^ ein Solger 
nennt sich Saulier, ein Nagler — Naguiller, ein Witzel — Fiedle, ein 
Kleemann — Clement und ein Vogler schämt sich seines schönen deutschen 
Namens, nicht Vogler mehr — er wohnt ja in Paris — nein, Foudair! 
mag auch das Französisch, welches er spricht, noch recht sehr seine Ab- 
stammung aus Deuschland, vielleicht speziell aus Thüringen verraten. 

Besonders ungerechtfertigt und tadelnswert ist es, wenn dergleichen 
in Deutschland selbst geschieht, wenn sich z. B. ein Dessauer — Dessoir 
nennt, um durch diesen aufgehefteten französischen Lappen seinem Namen 
ein vornehmeres Aussehen zu geben, oder wenn echt deutsche Namen mit 
französischen Accenten versehen werden: NägeU, Schults4 (!), Salingr^,. 
Led4rer. 

Während diese Französelei sich häufig bei Schauspielern findet, ver- 
italienern sich Sänger und Sängerinnen: der Schwabe Stiegele in Stighelliy 

1) Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff. 

2) Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die- 
„Tetitonicis innata auperbia^' Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem un- 
seligen Kriege," ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden !'*^ 

„Ich bin Franzos!" „Engländer!* „Ich Russe!" — Tnd Sie, mein Verehrter? 
„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!** (Xenien der Gegenwart.) 

3) Schon lange vor dem letzten Kriege. 



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17. FraDzösieruDgen, Polonisieruageu und andere Metamorphosierungen der Neuzeit. 69 

die Sängerinnen Crüwell in Oruvelli, Röder in Rodani (!) — als ob 
Deutsche nicht singen könnten und alles, was gut singt, aus Italien her- 
stammen müßte. 

Wie im Westen die Namen französiert werden, so werden sie im Osten 
polonisiert. Ein Feldmann benamset sich klangvoller Feldmanowskiy ein 
Erauthofer zunächst Krauthofiski, dann aber, damit doch ja nicht eine Faser 
einer deutschen Kohlrübe an ihm hängen bleibe: Krötowsld. Wird keine 
polnische Endung angehängt, so muß wenigstens die Schreibung eine pol- 
nische sein: Sxiiman (Schumann), Sxrajber (Schreiber), SzuJc (Schulz). ^ 

Man sollte dergleichen nicht für möglich halten, da die polnische 
Nation doch in geringerer Achtung steht (s. „polnische Wirtschaft", „pol- 
nischer Reichstag") und die deutsche sich stets überlegen gezeigt hat, und 
doch geschieht es. Hieraus erklärt sich zum Teil das erneute Vordringen 
des Slawischen in manchen östlichen Bezirken Preußens. Es wäre nicht 
möglich gewesen, wenn die Deutschen in polnischer Umgebung die Fahne 
ihrer Nationalität immer hochgehalten hätten, wenn sie nicht in jämmerlicher 
Schwäche ihr Deutschtum verleugnet, ja zum Teil sich den Polen im 
Kampfe gegen ihr Vaterland, gegen deutsche Sprache und Nationalität an- 
geschlossen hätten. So weigerte sich ein Gutsbesitzer Arndt (!) bei Gnesen, 
an einer in deutscher Sprache geführten Gerichtsverhandlung teilzunehmen, 
weil er — ein Pole sei. Entartete Deutsche sind vielfach gerade die Vor- 
kämpfer der Polen und Tschechen. 

In Österreich schließen sich an die Slawisierungen deutscher Namen 
in den slawischen Landstrichen Madjarisierungen in Ungarn. Die öffent- 
lichen Blätter haben in neuerer Zeit häufig lange Listen österreichischer 
Staatsbürger gebracht, denen auf ihren Antrag Madjarisierung ihres Namens 
bewilligt worden. Am bekanntesten unter diesen Talmi -Madjaren ist der 
berühmte Reisende VambSry, dessen Name nichts weiter ist als eine Ver- 
drehung aus Bamberger. Ähnlich hat sich ein Hundsdörfer in Hunfalvyy 
ein Benkert in Kertbeny, ein Schedel in Toldy umgewandelt, der dann als 



1) Diese lächerlichen Schreibangen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen 
deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870): Chemit (Schmidt), Quoinxe 
(Kuntz), CÄo«<//«e (Schulze) u. a. — Über die Pol onisierungen früherer Jahrhunderte spricht 
Winckler, »Die Nationalitäten Pommerellens ** S. 4. f., welcher dort ein Verzeichnis der 
während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus 
Ahlebeck gemacht Alebitxki, aus Behme — Bern, aus Hütten — Oxapskt, aus Kochen- 
stein Kochanski, aus Schönbora — Sxumborski usw. Noch häufiger jedoch wurde den 
deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merk- 
würdigen Zwitter entstanden wie Stein von Kaminski y Otter feld-Rybtnski. Doch diese 
Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Ge- 
waltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber 
haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität 
verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen? 



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70 18. Geographische Verbreitung der deutschen Familiennamen. 



Sekretär der ungarischen Akademie der Wissenschaften im ungarischen 
Unterrichtsrate gegen seine Muttersprache wütete und die nichtmadjarischen 
Nationalitäten Knall und Fall zu Madjaren zu machen suchte. 

In Amerika endlich werden die Namen anglisiert: Schmid in Smith^ 
Orünbaum in Greenbaum. 

Diese Umwandlung ist übrigens verhältnismäßig am unschuldigsten, 
da es mehr nur Umsetzung aus einer Mundart in die andere, aus der hoch- 
deutschen in die angelsächsische ist. AVenn aber auf diesem Wege ein so 
schöner Name wie Rosenkrantz in Rosecrans entstellt wird, so tritt auch 
hier wiederum das Widerwärtige dieser Erscheinung hervor. 

Alles in allem — es ist eine sehr betrübende Erscheinung. Daß auf 
diese Weise echtdeutsche Namen verhunzt werden, ist noch das Geringere. 
Schlimmer ist, was damit unvermeidlich zusammenhängt Wer sich seines 
ehrlichen deutschen Namens schämt, der schämt sich auch seiner Sprache, 
seiner Nationalität, seines Yaterlandes und sucht sie sobald wie möglich 
abzustreifen, er wird Franzose, Pole, Madjare, Slowene, Slowake, was es 
sei — nur ja nicht Deutscher bleiben! * Einem Franzosen, einem Eng- 
länder, Italiener würde es nicht einfallen, seinen Namen einer fremden 
Sprache zuliebe zu entstellen — dem Deutschen war es vorbehalten, sich 
so wegzuwerfen! 

Ein edler Stolz — das ist es, was dem Deutschen in den letzten 
Jahrhunderten nur zu sehr gefehlt hat Und doch hätte er wohl Ursache, 
auf sein Vaterland stolz zu sein! auf das Land der Outtenberg und Luther, 
der Leibnitz und Humboldt, der Goethe und Schiller, der Schamhorst, 
Stein und Bismarck! 

18. 

Oeographiselie Verbreitung der deutschen Familiennamen. 

Nachdem wir die geschichtliche Entwickelung der deutschen Familien- 
namen in den Grundzügen verfolgt haben, wird es nunmehr an der Zeit 
sein, auch in geographischer Beziehung einen prüfenden Blick auf dieselben 
zu werfen. 



1) Rüstow in seinen „ Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860*^: 
,,Die ungarische Legion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Nord- 
deutsche darin. Die deutschen Offiziere in derselben hatten sich ungarische Namen 
gegeben* — wozu das Magazin für literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerltt: »Es 
ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, 
wenn einmal ein Freiheitskrieg der Eongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin 
kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich an* 
nehmen, mit echtem Eienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationaliät nicht 
mißliebig zu machen." 



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18. Geographische VerbreituDg der deutschen FamilieDDamen. 71 

Stellen wir zu dem Ende vorerst die Grenzen des deutschen Sprach- 
gebietes fest, welche im wesentlichen ja auch die der deutschen Familien- 
namen sind!^ 

Wenn wir im Nordwesten beginnen, so folgt die Grenze zwischen 
Deutsch und Niederländisch vom DoUart aus im ganzen der politischen 
Grenze zwischen Deutschland und Holland. 

Bei Eupen setzt das Französische ein^ und die Grenze zwischen 
Deutsch und Französisch ßlUt nun seit Rückgewinnung des Elsasses meist 
wieder mit der politischen zusammen, indem nur bei Malmedy und Metz 
das deutsche Sprachgebiet zurückweicht, während es anderseits bei Luxem- 
burg bis nach Arlon in Belgien hinübergreift 

Von der Schweiz ist der Norden und die Mitte deutsch, derart, 
daß etwa Solothum, Freiburg, Gsteig (Kanton Bern) und Leuk (Kanton 
Wallis) die äußersten deutschen Punkte nach Westen sind. 

Am Rosaberge bildet Issime den südlichsten Vorsprung in das roma- 
nische — westlich französische, östlich italienische Sprachgebiet Von hier 
geht die Grenze nordöstlich über den St Gotthard, Chur, Martinsbruck, 
die Ortlerspitze, Salum (Tirol), Brunecken bis Pontafel in Kärnten, wo drei 
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slawisch zusammenstoßen. 

Von Pontafel zieht sich die Grenze zwischen Deutsch und Slawisch, 
im ganzen der Drau folgend, ostwärts bis Radkersburg an der Mur, von 
da nordwärts bis zur Mündung der Feistritz in die Raab, wo wir zuerst 
auf das Madjarische stoßen. 

Weiterhin bis Preßburg ist die Sprachgrenze — zwischen Madjarisch 
und Deutsch — in welche sich überdies slawische Sprachinseln eindrängen, 
vielfach zerrissen; doch greift das Deutsche bedeutend nach Ungarn hinüber 
bis Körmönd, Güns, Wieselburg und bildet auch im eigentlichen Ungarn 
viele Sprachinseln, besonders in der westlichen Hälfte und im Banat 

Bei Preßburg stoßen wir wieder auf das Slawische (Westslawen). 
Durch das mährische Tor zwischen Olmütz und Znaym haben sich die 
Tschechen tief hinein ergossen bis Budweis, Pilsen, Leitmeritz, Turnau, 
Josephstadt, so daß nur die inneren Abhänge der Grenzgebirge Böhmens 
deutsche Landbevölkerung bewahrt haben. 

In Preußen ist der ganze Ostrand von Pleß bis Oletzko überwiegend 
slawisch (polnisch), also der Südosten von Schlesien etwa bis Ratibor, 
Zülz, Namslau, die größere östliche Hälfte von Posen, das mittlere Drittel 
von Westpreußen, nördlich von Bromberg bis zur Ostsee (Kassubei), der 
Süden von Ostpreußen (Masuren). Doch sind auch diese als überwiegend 



1) Bernhardi, Spi-achkarte von Deutschland. — Kiepert, Völker- und Sprachen- 
karte von Deutschland und den Nachbarländern. — Ders. Völker- und Sprachenkarte von 
Österreich. — Perthes' Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900. 



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72 18. Geographische Yerbreitung der deutschen Familiennamen. 

polnisch bezeichneten Landschaften von vielen deutschen Sprachinseln durch- 
setzt und zeigen in dieser Hinsicht ein sehr buntes Bild. 

Noch ist eine slawische Sprachinsel zu erwähnen: die Sorbenwenden 
in der Lausitz, zwischen Bautzen, Muskau, Senftenberg, Peitz. 

Östlich von Goldap beginnt die Grenze zwischen Deutsch und 
Littauisch, welche zuerst fast ganz mit der politischen Grenze gegen 
Bußland übereinstimmt, dann nördlich von Pillkallen sich westwärts wendet 
und an der Mündung der Gilge ins Kurische Haff die Küste trifft. 

Endlich im Norden die Grenze gegen das Dänische! Dieselbe wird 
ungefähr durch eine Linie von Hoyer an der Nordsee über Tondem nach 
Gravenstein bezeichnet; aber nördlicher gelegene Orte, namentlich Apenrade, 
Hadersleben, Christiansfeld sind noch deutsch. 

Außerhalb dieses Hauptgebietes finden sich noch mannigfache deutsche 
Liseln, besonders an dem ganzen Südost- und Ostrande: so Gottschee in 
Krain, viele Kolonien in Ungarn (Arad, Weißkirchen, die Zips), in Sieben- 
bürgen (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz), in Russisch -Polen (Lodz), in 
den russischen Ostsee -Provinzen Kurland, Livland, Estland, an der Wolga, 
endlich jenseit des Ozeans in Amerika und Australien. 

Innerhalb des zusammenhängenden deutschen Gebietes sind nun zwei 
sich kreuzende Linien zu ziehen: eine von Nord nach Süd, um die Grenze 
zu bezeichnen, bis zu welcher sich slawische Einflüsse infolge früherer 
Besiedelung (s. Beilage 3) noch heutzutage in der Namengebung bemerklich 
machen — eine zweite von West nach Ost, um die Scheide zwischen Ober- 
und Niederdeutsch ^) festzustellen. 

Die Scheidelinie zwischen Deutsch und Slawisch (Wendisch) 
wird im allgemeinen gebildet durch Elbe, Saale, Böhmerwald. Das Genauere 
ist, daß eine Linie von der Kieler Bucht in einigen Windungen, doch im 
ganzen nach Südost verlaufend (zwischen dem 28. und 32. Meridian), über 
Lüneburg, Oschersleben , Naumburg, Koburg, Waldmünchen (im Böhmer- 
walde), Windisch Garsten (in Österreich ob der Enns), Pontafei die äußerste 
Westgrenze der slawischen Eroberungen im 6. — Q.Jahrhundert bezeichnet. 

Die Scheidelinie zwischen Oberdeutsch und Niederdeutsch 
geht über Bonn, den Harz, die Niederlausitz — genauer: von Eschweiler 
(an der holländischen Grenze) über Bonn, Siegen, Münden, Aschersleben, 
Wittenberg, Lübben bis Birnbaum (Posen), wo das Polnische beginnt 

Doch ist diese Linie natürlich nicht haarscharf zu ziehen; denn Über- 
siedelung, gegenseitiger Verkehr, Unterjochung des einen Stammes durch 
den andern, Vermischungen aller Art haben beide Mundarten — besonders 
an der Grenze — oft durcheinander geworfen. Daher finden sich südlich 
jener Linie noch an manchen Orten niederdeutsche Elemente, nördlich ober- 



1) Nach der üblichen geographischea Zweiteilung des deutschen Landes. 

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19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, a) Niederdeutschland. 7'^ 

deutsche, ja beträchtliche deutsche Sprachinseln am Oberharz (um Klausthal) 
und in Ostpreußen (um Wormditt und Guttstadt), letztere wohl durch Ein- 
wanderer entstanden, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts aus Ober- 
deutschland in das pestverheerte Littauen zogen. 

Durch Ziehung dieser beiden sich kreuzenden Linien wird das ganze 
Gebiet in vier Viertel zerschnitten: Nordwest, Nordost, Südwest, Südost, 
die wir nach dem Grundcharakter der Familiennamen bezeichnen als: nieder- 
deutsch, niederdeutsch -wendisch — oberdeutsch, oberdeutsch -wendisch. 

Im folgenden soll nun für das deutsche Reich eine genauere 
Charakteristik der geographischen Verteilung der Familiennamen versucht 
werden. 

19. 

Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen. 

a) Niederdeutsehland. 

Nordwest 

An der Nordseeküste sitzen seit Urzeiten in einem schmalen Streifen 
von der Scheidemündung ostwärts — soweit es Marschen und Inseln gibt — 
die Friesen, „der deutsche Seestamm, zäh und spröde im Festhalten des 
Alten, im Verteidigen der Freiheit, ein kerniges Geschlecht.'' 

Die Sprache ist erst allmählich durch das nahverwandte Niederdeutsche 
zurückgedrängt worden und behauptet sich gegenwärtig östlich der Ems 
besonders noch im Saterlande (Oldenburg), in der Gegend von Husum und 
Tondem und auf den Inseln. ^ 

In diesen vom Weltverkehr abgelegenen Gauen bildeten sich, den ein- 
fachen bäuerlichen Verhältnissen entsprechend, vorzugsweis patrony mische 
Geschlechtsnamen aus. 

Beginnen wir mit Ostfriesland! Hier bilden die genetivischen 
Namen wie Reiners, Oerdes, Oerjeis, Dirks — .FockeUy Bippen, Tjaden, 
Ufke7i, mit Anschluß der seltneren auf -sen (Bohlsen) in den Kreisen 
Aurich und Emden die Hälfte aller Namen, in Leer noch ein Drittel. Als 
ganz besonders charakteristisch, nur hier vorkommend, sind dabei die Namen 
auf a (Gen. Flur.) hervorzuheben: Wiarda, Ebbinga, Ukena — außerdem 
die Zusammensetzungen mit nia (mann): Bolema. 

Von Gewerben finden sich nur die einfachsten (ländlichen): Smidt, 
Müller, Fischer, Schipper, Bakker, Kramer. 

Die Lautverhältnisse haben manches Eigentümliche: sm (Smidt neben 
Schmidt), tj {Wamtjes)^ kk (Dekker)^ td = ü (Luitjens)^ ou = au (Wilde- 



1) Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische y^Skippers 
sankje*' (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in 
diesem ganzen Kapitel nur die Landbevölkenmg in Betracht kommen konnte, ist wohl 
selbstverständlich. 



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74 19. Genauere Angabe der Verteilang der Familiennamen, a) Niederdentschland. 

bouer). Wie hieraus ersichtlich, weisen sie zum Teil auf das Holländische 
hin, dessen Einfluß sich an der ganzen westlichen Sprachgrenze von Ost- 
friesland bis zum Niederrhein geltend macht 

Auch im Oldenburgischen treten die patronymischen Namen wie 
Redlefs, Oltmanns, Rieniets, Taddikefi, Knuixen (— Knudsen) am nörd- 
lichen Küstenrande stark hervor, am stärksten (mit 80 v. H.) im Kreise 
Jever. Überhaupt findet große Übereinstimmung mit den ostfriesischen 
Namen statt, nur daß die auf a und ma fehlen, wie auch die Anklänge an 
das Holländische. 

Kommen wir nach Hannover, so treten hier, selbst in den Marschen 
zwischen Weser und Elbe, die genetivischen Namen merklich zurück. Ihre 
Zahl wächst erst wieder in Holstein (Ditmarschen: mindestens 40 v. H.) 
— und hier, an der schleswig-holsteinischen Küste, treten die bis 
dahin mehr vereinzelten Zusammensetzungen auf -sen, je weiter nach 
Norden, desto stärker hervor, namentlich im Herzogtum Schleswig, bis in 
den Kreisen Husum und Tondem die Hansen, Thomsen und Nissen^ Chri- 
stiansen und Oidionsen^ Deilefsen und Himichsen alles so überwuchern, 
daß sie fast 90 v. H. aller Familiennamen füllen. Doch diese Bildungen 
greifen auch nach der Ostseite des meerumschlungenen Landes hinüber, zum 
Stamm der Angeln, und bilden dort ebenfalls die Mehrheit, im Kr. Flens- 
burg wiederum 90 v. H, im Kr. Schleswig noch die Hälfte, bis sie im 
daran grenzenden Kr. Eckemförde plötzlich nahezu verschwinden. 

Gehen wir wieder nach unserm Ausgangspunkte, Ostfriesland, zurück, 
so schließen sich an dieses in der Namengebung die südlicher gelegenen 
hannoverschen Bezirke, namentlich Papenburg, wo die genetivischen 
(ungerechnet einige auf ing) wieder die Hälfte aller Namen bilden. 

In Lingen machen diese nur noch etwa ein Fünftel aus, und 
anderseits treten als Namenelemente Bezeichnungen von Örtlichkeiten wie 
bri7ik, hörst, auch hoff, desgleichen Zusammensetzungen mit Meyer hervor — 
die Vorläufer der eigentümlich westfälischen Namengebung. 

Patronymika (auf ing und genet Bildungen) finden sich durch das 
ganze preußische Westfalen mit Einschluß Osnabrücks — am stärksten an 
der holländischen Grenze. 

Patronymika und zwar genetivische (Oiesen, Otten, Wienands, Lud- 
tvigs, Oompertz — selbst Namen der dritten Schicht wie Schippers, Schmitz, 
Kox) bilden das Charakteristische auch am preußischen Niederrhein, ganz 
besonders auf der linken Seite des Flusses von Kleve bis Aachen, wo die- 
selben ungefähr die Hälfte aller Namen ausmachen (Höhenpunkt mit min- 
destens 60 V. H. im nördlichsten Teile des Regierungsbezirks Aachen). 

Dann aber gibt sich das spezifisch Eigentümliche der westfälischen 
Namengebung in den zahlreichen an die Besonderheiten der Ortlichkeit 
angelehnten Namen kund. Die Landschaft hat hier nicht mehr die Ein- 



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19. Genauere Augabe der Vei-teiluDg der FamilieoDamen. a) Niederdeutschland. 75 



förmigkeit des Küstonrandes, der Marseben aa der Nordsee; Berge und 
Hügel (hövel)y hochliegende Grasflächen (brink) treten in ihr hervor; ander- 
seits Teiche (diek), Brticher (brok), häufig ein Wald oder Gebüsch (hhy 
Jiolt, hörst) y dann das Feld in abgeschlossene, umhegte Kämpe geschieden. 
AUes dies spiegelt sich auch in den Familiennamen, in welchen demnach 
brinky brock, hörst, kamp, demnächst beck (Bach), diek, holt, loh Haupt- 
elemente sind, in Namen wie: Windhövel, Hasenbrink, Uhlenbrock, Hassel- 
hörst, Lohkamp, MöUenbeck, Buddendieck, EickhoU, und abgeleitet mit der 
Endung er: Steinbrinker, Hiittebräuker, Behrhörster, Roggenkämper — 
oder präpositional: au f dem Brauke, Tenberge, Terbeck. 

Eine solche Bezeichnungweise konnte um so eher Platz greifen, da die 
Ansiedelung in diesen Gegenden nach altgermanischer Weise eine zerstreute 
ist. Münster und die nördlichen Teile von Minden und Arnsberg gehören 
zu denjenigen Gegenden, wo das Land nicht in geschlossenen Dörfern, 
sondern durch einzelne Höfe angebaut ist, die erst für staatliche 
Zwecke zu Bauerschafken zusammengefaßt werden. Dazu stimmen auch 
die vielen Namen auf hof (Lohoff) und hatis (im Münsterschen auch hues: 
Grotkues), 

Auf die Abstufung nach dem Grundbesitz gehen Meyer und Kotier^ 
welche in außerordentlich vielen Zusammensetzungen erscheinen. Insbeson- 
dere tritt Meyer mit seiner Sippe im Mindenschen hervor, bis zu 25 v. H. 
aller Namen. 

Rechnen wir nun noch dazu, daß auch andere Namen, mit denen 
man in andern Gegenden an sich zufrieden sein würde, hier gern durch 
Zusammensetzungen noch näher bestimmt werden (wie Bowenschtdte, Brink- 
Schröder, Oberste -Kampinann, Hemkensamkenschnieder), daß ferner in 
Sproßformen der ersten Schicht das altertümliche o sich häufiger behauptet 
hat ß>anco, Teuto): so werden wir zugeben müssen, daß hier auf echt 
deutschem Boden, wo deutsche Bevölkerung und Sitte sich verhältnismäßig 
ungeschwächt erhalten hat, auch die Namengebung eine ureigene und höchst 
bezeichnende ist, wie sie sich kaum in einem andern Teile Deutschlands 
findet 

Das Oldenburg ische Binnenland schließt sich an den Küstenrand 
an, es bietet bei entschieden niederdeutschem Gepräge (sogar -borg st. bürg) 
wieder eine Fülle genetivischer Namen, in Rastede und Westerstede noch 
an 50 V. H., doch nach Osten hin stark abnehmend, während der Süden 
(Vechta) nebst den hannoverschen Kreisen Diepholz und Hoya schon zum 
westfälischen Charakter überleitet. 

Auch im östlichen Hannover zwischen Weser und Elbe, dem alten 
Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische Namen- 
gebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich brink, brock, hörst, kamp 
noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige slawische, südlich 



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76 19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, a) Niederdeutschland. 

bis an die hochdeutsche Sprachgrenze.^ Indessen sind sie doch entschieden 
weniger zahlreich, und die Ableitungen bfinkef% kämper usw., sowie die 
etwas langatmigen Zusammensetzungen (auch auf kotier) fehlen. Dasselbe 
tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier außerordentlich häufig 
erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in Westfalen die Zusammen- 
setzungen auf -meyer vorherrschen. 

So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur 
^in sehr abgeblaßtes Bild der westfälischen. 

Dagegen gehen die Patronymika in wesentlich unverminderter Häufig- 
keit hindurch. Als neu treten hinzu eigentümliche Ortsbezeichnungen auf 
'bostel, -hom, -seil (Abkürzung aus -skeim), z.B. Rodenbostel, Ehrkorn, 
BeUersen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch Fallingbostel, Gif- 
honi, Wennigsen vertreten sind). 

Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher 
das friesischere und das genet. ken oder gen) ^ insbesondere nach dem Wend- 
lande und der Altmark hin. 

Im Kreise Dannenberg erinnern Ortsnamen wie Lüdiow, Liepe 
daran, daß wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die slawi- 
schen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, daß wir uns in dem 
hannoverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und Gartow) 
bis ins vorige Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und in der 
Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Ausdrücke 
sich erhalten haben. 

Hier stoßen nun auch unter den Familiennamen wendische Formen 
wie Wiebelitx, OUibbatz, Gramüsch auf. 

Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakter 
im allgemeinen als niederdeutsch -wendisch zu bezeichnen ist. 

Nordost. 

Der Nordost umfaßt die weitausgedehnten Ebenen östlich der Elbe, 
die seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Ringen den Slawen 
(Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein, Mecklen- 
burg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, bis zur polnischen 
beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten und Südosten (s. S. 71) 
und bis zur Grenze des Hochdeutschen im Süden. 

Hier, in der Heimat Fritz Reuters, wird man auch in den Familien- 
namen noch den niederdeutschen Charakter ausgeprägt erwarten. 

Derselbe zeigt sich in Namen wie Schröder und Schröder^ Pieper, 
Vofs, woneben die hochdeutschen Formen (Schröter, Pfeifer, Fuchs) weit 



1) Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.- Bez. Düsseldorf) 
»venn auch in stark verminderter Menge. 



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19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, a) Niederdeutschland. 77 

seltener vorkommen, ferner in Namen wie Kruse (besonders in Holstein, 
Mecklenburg, Vorpommern), Niemann , Grote (Oroth) ^ Möller, Schütte u. a.,^ 
ebenso in den von Ortsnamen entlehnten auf -beck (st. -bach), -husen 
(st -hausen). Selbst der ursprüngliche niederdeutsche Name von Salzwedel: 
SoUwedel, als Ortsbezeichnung längst verhochdeutscht, hat sich noch als 
Familienname erhalten. 

Dazu treten die Verkleinerungen auf -ke (Lüdickey Lemke, Wilke, 
Jahnke), welche hier so recht ihre Heimat und Geburtsstätte haben. 

Doch überwiegt das Niederdeutsche hier im Osten, von Holstein und 
Mecklenburg abgesehen, nicht so wie im Westen. Es ist gerade in den 
Namen nicht mit solcher Entschiedenheit festgehalten worden; der Übergang 
in das Hochdeutsche ist merklich weiter vorgeschritten. Als ein auffallender 
Beweis bietet sich der Name Schulz, der in Westfalen meist noch Schulte 
lautet (auch in Mecklenburg häufig Schult)^ während dies in Brandenburg 
und Pommern eine seltene Form ist. 

Anderseits sind entschieden hochdeutsche Formen hier nicht selten, 
namentlich die Deminutivbildungen mit z und /, wie Barx, Kunze, Wetxel, 
Neitxel, zu denen Zwitterformen wie Neitxke den Übergang bilden. 

Solche Namen auch in der Landbevölkerung weisen wohl darauf hin, 
daß die deutsche Einwanderung in diese dem Slawentum allmählich wieder 
abgewonnenen Gaue, wenn auch überwiegend aus Niederdeutschland, doch 
teilweis auch aus oberdeutschem Sprachgebiet erfolgt ist 

Patronymische Bildungen, die in Ostholstein noch beinahe 20 v. H., in 
Mecklenburg aber nicht mehr 10 v.H. betragen, verschwinden weiterhinfast ganz. 

Von der schwedischen Herrschaft sind einige Familien, besonders 
in Neu Vorpommern, welches bis 1815 schwedisch war, sitzen geblieben. 
Doch sind diese „alten Schweden" schon sehr dünn geworden; in einem 
Kataster der Stadt Stralsund vom Jahre 1844 (Verzeichnis der Hauseigen- 
tümer) fanden sich nur noch acht unzweifelhaft daher stammende Namen, 
wie: Sjöborg, Wallengreen, Weström. 

Nun aber ist die wendische Beimischung festzustellen. Daß in 
diesen Landschaften außerordentlich viel wendische Ortsbezeichnungen auch 
nach der Rückgermanisierung in meist wenig veränderter Form stehen ge- 
blieben sind, ist schon in der Einleitung angemerkt worden (Genaueres 
darüber in Beilage 3). Dies beeinflußt nun auch die Familiennamen, welche 
ja zum guten Teile einfach übertragene Ortsnamen sind. Unter ihnen 
schlagen vor die auf ow, demnächst die auf in (betont) und witx, wie: 
Bütow, Oi'abow\ Leppin, Ladenthin, Pentxieii; Bnblitx, Oeruntx. ^ 



1) In Mecklenburg auch Kroger, Köster, Schriewer. 

2) Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet Der Name 
besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte ; er kann also 
sehr wohl und wird in "Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein. 



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78 19. Genauere Angabe der Yerteilong der Familiennamen, b) Oberdeutschland. 

Neben diesen halbschlechtigen Namen, die, auf dem linken Eibufer 
(Altmark), auch noch in Ostholstein vereinzelt, auf dem rechten sich bis zu 
10, ja in Pommern in manchen Kreisen fast bis zu 20 v. H. steigern, 
treten nun, zuerst in der Priegnitz, vollgültige wendische Personennamen 
auf, als da sind: Nodck, Miixlaff, Petrick, Nimx^ Pechelc,^ 

Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in 
der Mehrheit, derart, daß, alles zusammengerechnet, die wendischen kaum 
irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen. 

Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slawischen Sprachgrenze 
hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der 
Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluß Lupow etwa die 
Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slawischen Namengebung 
hervortritt. Wunderlich klingende Gebilde wie Oromoll^ Pigorsch, Pio- 
traschke^ Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstlich, hinter 
Bütow, die sich vordrängenden -ski an die Nähe der polnischen Sprach- 
grenze gemahnen. 

Überspringen wir die Kassubei, so kommen wir zu dem schönen 
deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpunkten Danzig und Königs- 
berg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei Sprachen: 
deutsch, slawisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt sich eine 
sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Familiennamen. Die Grenze 
gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber auch 
in den verbleibenden deutschen Teil sind häufig slawische und littauische 
Namen (s. Beilage 3) eingesprengt Doch können diese weniger auffallen, 
als eine eigentümliche Klasse unter den deutschen Namen, nämlich die 
mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder, Schar fetter, Bohr- 
moser, Obersperger. Diese Namen, welche auf Osterreich (und Bayern) 
hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger hierher 
verpflanzt. 

b) Oberdeutscliland. 

Südwest. 

Südlich der Linie, die von Bonn am Rhein über den Harz bis zur 
Nordgrenze der Niederlausitz (Lübben) geht, beginnt das oberdeutsche Ge- 
biet. Dieses kennzeichnet sich im Bereich der Familiennamen zunächst 
durch den Wegfall des eigentümlich Niederdeutschen in Lautverhältnissen 
und Wortformen. Namentlich gilt dies auch von den Bildungselementen 

1) Aus -ek entwickelte sich -ke, wie in Pawelke aus Pawelek, Mardschinke aus 
Marcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (aj i) abgeschwächt, wie in Jütersonke 
aus Jtärxenkaj Palhitxke aus -ki. Dadurch haben die Namen auf ke, aus mehreren Quellen 
fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommem (etwa 15 v. H.) dreimal so 
zahlreich als in Vorpommern sind. 



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19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, b) Obei-deutsohland. 79 

der Verkleinerungsformen: an Stelle des k (g, j) tritt l in seinen mannig- 
faltigen Gestaltungen (s. Seite 33) und x.^ 

Beginnen wir am Rhein, mit der preußischen Rheinprovinz, so handelt 
es sich besonders um die Regierungsbesirke Koblenz und Trier. 

Die genetivischen Namen, welche in dem nördlichen linksrheinischen 
Teile dieser Provinz überwogen (Henrichs, ReichartXj Caspers. Eckes, Hoppen) ^ 
bilden auch hier im Nordwesten (Kr. Daun, Prüm) fast noch die Hälfte der 
Familiennamen, sie nehmen aber je weiter nach Osten und Süden desto 
mehr ab, bis sie in den Kreisen Saarbrücken und St Wendel sowie Alten- 
kirchen (auf dem rechten Ufer) nahezu verschwinden. 

Das bisherige Verkleinerungssuffix k (Hünnekes, Wilkensy Klämpges, 
Nüfsgen, Büschgens) weicht den / und z (Eckel, Thiel — Heim, Lutz), 
die hier zum erstenmal im Westen erscheinen. 

Was die von Ortsnamen stammenden Familiennamen betrifft, so treten 
'ich (nich), -raih, -scheid zurück, besonders südlich der Mosel. Statt -raih 
erscheint auf dem rechten Rheinufer (schon im Regierungsbezirke Köln) 
-roth (Wilmeroth), welches bis zur Ostgrenze von Thüringen hindurchgeht. 

Wichtiger aber ist, daß die Ortsnamen ^ um Familiennamen zu 
werden, nunmehr häufig die- Endung -er annehmen: -bdcher, - burger, 
'heinier, -inger, z. B. Morschbacher, Strafsburger, Weinsheimer, 
Dillinger — mit Umlaut: -becher, -häuser, -thäler: Dörrenbecher, Oppen- 
hätiser, Lichtenthäler, 

Die Nähe der französischen Sprachgrenze (Kr. Malmedy) verrät sich in 
Namen wie Dieudonne, Dollibois u. a. * 

Überschreiten wir den Rhein ostwärts, so finden wir in dem Nassau- 
ischen (Regb. Wiesbaden) den allgemein oberdeutschen Charakter, ohne stark 
hervortretende Besonderheiten. Derselbe setzt sich auch in Hessen und 
Thüringen fort, so daß wir diese Landschaften bis zur Saale hier zusammen- 
fassen können. 

Genetivische Namen können hier kaum noch in Betracht kommen; 
sie bilden schon im Nassauischen nur etwa 2 v. H. und verlieren sich 
weiter nach Osten so gut wie ganz. Dagegen gehen die Patronymika auf 
i?ig, wenn auch in geringem Hundertsatz, durch bis zur Saale. 

Verkleinerungsformen werden auf -el gebildet (bisweilen in Thüringen 
verstärkt durch n: -fein, z. B. Oäbelein) und auf x, für welches letztere 
mitunter das vergröberte tsch eintritt: Fritsch, Oötsch neben Fritze, Götze. 

1) Die altdeutschen Yollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne 
Terkleinerungssuffix, welche die allgemeine Qrundlage auch hier bilden, werden nicht weiter 
hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier mög- 
lichst ins licht gestellt werden. 

2) Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung: Bouchholxer, Bourg- 
graff, Brandenbourg — Nttsehke. 



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80 19. Oenauere Angabe der Voi*teilung dor FamilienDamen. b) Oberdeutsohland. 

Da jedoch die Dialektgrenze nicht fem ist und diese Scheidelinie sogar 
durch das ehemalige Kurfürstentum geht, somit ein, wenn auch nur kleiner 
Teil desselben (Kr. Hofgeismar, Wolfhagen) in den Bereich des Nieder- 
deutschen fällt, so ist es nicht verwunderlich, daß auch südlich von dieser 
Linie niederdeutsche Formen öfters begegnen, besonders in Hessen und 
Thüringen: Oerke, Hennicke, Meinecke, Fricke. 

Von den Handwerksnamen sind am häufigsten Schmidt und Müller 
nebst einigen Zusammensetzungen und in den Hannover benachbarten Land- 
schaften Meyer, einfach und in Zusammensetzungen, Schulz dagegen findet 
sich nur sehr vereinzelt. Auch in dieser Klasse zeigen sich niederdeutsche 
Formen, so auffallend häufig in Hessen Möller neben Müller. 

Die Ortsnamen werden überwiegend ohne Ableitungsendung über- 
tragen: Lauierbach (bach hier das häufigste Grundwort), Henneberg, Sänne- 
* feld usw., dabei wird -rode meist in -roth gekürzt (Oermeroth), auch in 
-rott (Ascherott), ähnlich das eigentümlich thüringisch -sächsische -leben 
(HaUensleben) häufig in -leb: Rinkleb, Witxleb. Viel seltener (in Nassau 
etwa Ys ^^ Hessen und im nördlichen Thüringen noch weit weniger zahl- 
reich) sind die Ableitungen auf -er: Reichenbächer, Dillenburger, Henne- 
berger, Saalfelder, Staudifiger, Hetxhenröderr 

Die Annäherung an die ehemals slawische Ostgrenze macht sich be- 
merklich in Bildungen wie Stiebritx, Löbnitx — Oölitxer. 

Gehen wir wieder zurück an den Rhein, um nach dem eigentlichen 
Süddeutschland — südlich vom Main — zu gelangen! 

Dieser Übergang markiert sich in Hessen-Darmstadt (Starkenburg, 
Rheinhessen) durch das Auftreten des aij ay (statt ei): Hainx, Mayer neben 
Meyer, sodann dadurch, daß die Ableitungen auf -er von Ortsnamen 
gegenüber den einfach übertragenen Ortsnamen häufiger werden und letzteren 
nunmehr schon das Gleichgewicht halten. 

In Baden tritt auf dem Gebiete der Schmeichelformen das x (ver- 
gröbert tsch: Fritx^ Dietx — FHtsch, Dietsche, Bertsch) entschieden in 
den Hintergrund gegen das andere Suffix l Dieses nimmt hier die eigen- 
tümliche Form -fe an, welche im Unterrheinkreis (auf fränkischem Boden) 
noch gegen -el zurückstehend, je weiter nach Süden desto mehr an Zahl 
wächst, so daß südlich von der Murg (auf alemannischem Boden), nament- 
lich aber im Seekreise die Merkte und Biirkle, die Enderle und Eberle eine 
fast unbestrittene Alleinherrschaft üben. Selbst Namen der dritten Schiebt 
müssen sich dieser Herrschaft fügen: Kränzte, Drechsle (statt Drechsel «- 
Dreclisler), Sütterle (von Sutter, Schuhmacher). Nur im Oberrheinkreise 
tritt daneben ziemlich häufig -lin auf: Bürklin, Brendlin, Sütterlin, wie 
dieses auch auf der andern Seite des Rheines, im Elsaß, nicht selten ist^ 
man denke an Oberlin, Köchlin. Nach der Schweiz weisen einige Formen 
auf i wie Erni, Bläsi, Rudy (bisweilen verstärkt durch n: Lüttin, Wältin, 



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19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, b) Oberdeutschland. 8l 

Wiüin), Unter den Vollnamen sind eigentümlich einzelne Verkürzungen 
des -hart in -et wie Bemet^ Ehret, Wemeth, 

Unter den von örtern entlehnten Familiennamen gewinnen die Ab- 
leitungen auf -er nunmehr schon im Unterrheinkreis die Oberhand und ver- 
drängen weiter nach Süden die einfache Übertragung der Ortsnamen fast 
vollständig. Den Reigen führt -inger: Oötxinger, Hottinger, Zähringer ^ 
demnächst - berger. Beide zusammen bilden Ys ^Uer bezüglichen Namen. 
Während -ingen und -berg abgesehen von Adelsnamen wohl immer umbiegen, 
verhält sich] -bach wie auch sonst auffallend spröde dagegen und bildet 
nur in der Minderzahl der Fälle weiter: -bacher seltner -becher. 

Wie hieraus hervorgeht, schwankt der Umlaut; so auch in -hauser 
und 'Muser, - hofer und - höfer; doch herrschen im allgemeinen in dieser 
Klasse die nicht umgelauteten Formen vor, wie auch unter den Namen, 
welche von der Beschäftigung hergenommen sind, Kammerer und Küster 
(KustererJ und Kohler auffallen. 

Ähnliche Verhältnisse wie im Badischen herrschen wesentlich in 
Württemberg mit Einschluß von Hohenzollern. Auch hier überwiegt als 
Verkleinerungsf. -le. Schon im Nordosten, im Jagstkreise (auf fränkischem 
Boden) mindestens die Hälfte der Verkleinerungsformen mit dem Kern / 
bildend, füllt es im südlichen Württemberg (auf schwäbisch -alemannischem 
Boden) über 75 v. H. Schier endlos ist die Reihe dieser Schmelxle und 
Schtvämmle, Bäuerle und Magerte, Endete und Betidele, Dägele^ Hagele, 
Nägele, Wegele. Daneben kommt nur noch -et einigermaßen in Betracht 
(Denxel, Imrnel), da -lin (Hölderlin), len (Enfslen) und -lein (Merklein) 
nur vereinzelt auftreten. Hingegen gehen die Verkleinerungen auf x in 
mäßiger Zahl durch alle Kreise, ohne die badische Vergröberung in tsch. 

Patronymika auf -ing (Schilling, Gehring, Scheuring) sind hier 
häufiger als im Badischen. Unter den von der Beschäftigung entlehnten 
Namen sind besonders häufig Müller und Maier (Mayer — immer mit a), 
beide, namentlich letzterer auch in vielfachen Zusammensetzungen wie: 
Steinmaier, Burkar dsmaier, Katxenmaier, Stegmayer, Ihnen ziemlich gleich 
an Zahl kommen Schmid ^ und Schneider, die aber die Zusammensetzungen 
fast ganz entbehren. 

Eigentümlich süddeutsche Handwerks- und Amtsbezeichnungen sind: 
Beck (in Baden meist noch Becker), auch in Zusammensetzungen wie Brod- 
beck, Pfister, und Pfi^terer (aus Isitpistor)^ Sautter (aus lat 5W^ar), Hafner 
— ForstTier, Sigrist 

Was die Lokalia betrifft, so herrschen wie in Baden die Ableitungen 
auf -er von der Tauber bis zum Bodensee ganz entschieden vor. Unter 
ihnen stehen, entsprechend der großen Zahl württembergischer Ortsnamen 



1) Fast immer in dieser einfachsten Schreibung. 
Ueintz«, Deatsohe FamUiennamen . 2. Aufl. 6 

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82 19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen, b) Oberdeutschland. 



auf 'ingen, die -inger obenan: Breitinger, Oriesinget^ Junginger, Sickinger. 
Als eigentümlich Süddeutsche Formen (auf alemannisch -schwäbischem Boden) 
schließen sich an: Allgöwer, EUwanger, Beifswänger, Wintet'halier, Dmi- 
negger, Moosbrugger, Sonnenmoser ^ Bogenrieder, 

In lautlicher Hinsicht ist anzumerken, daß häufig ai für ei eintritt: 
Aichele, Sailer, Stainer, Schnaithmann, wie dieses ai sich auch schon in 
den Ortsnamen bemerklich macht (Waiblingen , Spaichingen, Orailsheim 
XX, a.) — sodann hin und wieder uo statt u: Rvof, Schraishuon. Konso- 
nantisch fällt eine gewisse Einfachheit der Schreibung auf. Ganz entgegen 
der sonstigen Orthographie der Familiennamen, die mit Vorliebe soviel 
Buchstaben als möglich setzt, stimmt hier die Schreibung im allgemeinen 
mit den gewöhnlichen Regeln überein und enthält sich besonders der un- 
nötigen Häufungen ck, tx, dt, IL ^ 

Südost. 

Das thüringisch -sächsische Gepräge der Familiennamen setzt sich auch 
noch östlich der Saale in den dorthin sich erstreckenden Teilen der preu- 
ßischen Provinz Sachsen (den Kr. Delitzsch, Bitterfeld, Torgau, Schwei- 
nitz, Liebenwerda) sowie in dem Königreich Sachsen im allgemeinen fort. 

Die häufigste Verkleinerungsendung ist -el in Namen wie OötheU 
Hähnel, Neydel, Seidel, Siegel, Weigel; Barthel, Jäckel Den oberdeutschen 
Formen auf / und x (häufig vergröbert tsch) tritt in den nördlichen Gegenden 
ziemlich oft das niederdeutsche k zur Seite; so finden sich nebeneinander 
Hetnxe und Heinecke, Dietxe und Diecke. In den südlichen Landschaften 
(dem Königreich Sachsen) tritt an Stelle des ke (-icke) das mehr hochdeutsche 
'ig (-ich): Heinig (Heinich), Theurig, Uhlig, Gerbig. 

Ableitungen auf -er von Ortsnamen (Strafsberger, Schönfelder, Claus- 
nitxer) treten hier zurück, mit Ausnahme der nicht seltenen zweisilbigen, 
wie Berger, Langer (von Ortsnamen Berg, Lang), Birkner, Jefsner, Kling- 
ner, Liefsner, Lindner, Meifsner^ Ölsner (von Ortsnamen auf -en: Birken, 
Jessen usw.). 

Durch das Zusammentreffen von Oberdeutsch und Slawisch werden 
in Namensformen (deutschen wie auch slawischen Ursprungs) harte Zischlaut- 
verbindungen erzeugt: xsch, txsch, nicht allein im Auslaut: Fritxsche, 
Kloixsch, Pietxsch, Boitxsch, sondern (im Königreich Sachsen) auch im An- 
laut: Zschweigert, Zschinsky, Tschucke. 

Überhaupt blickt der slawische Untergrund, wenn auch die deutschen 
Namen, von der Lausitz abgesehen, ganz bedeutend überwiegen, doch noch 
hie und da durch in Namen wie Gaudlitx, Muschivitx (von den ent- 
sprechenden Ortsnamen), Nowak, Noack (= Neumann), Schunak, Hannusch. 



1) Für Bayern fehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen — ebenso wie für 
Elsaß - Lothringen , die deutschen Teile von Österreich -Ungarn und der Schweiz. 



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19. Genauere Angabe der Vei-teilung der Familiennamen, b) Obei-deutschland. 83 



Die südlichen Kreise des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. 0., die den 
größten Teil der Lausitz mit ihrer urspr. Sorben- wendischen Bevölkerung 
in sich schließen, haben zwar ebenfalls die deutschen Verkleinerungsformen 
auf l und x (tsch), doch häufiger das aus zwei Quellen (niederdeutsch und 
wendisch) fließende Suffix k: Janke, Paulke, Hanmiske, Dammaschk, 
Scholtka^ Hanko. Bisweilen sind / oder x mit k in deutschen Zwitterformen 
wie Henkel^ Kunxke vereinigt 

Ortsnamen werden fast immer unmittelbar übertragen: Ooldbach, Han- 
siein, Wollenberg — Ukrow, Schillow, Matxkow, Dubrau; -ow und daraus 
verdeutscht -au (wie in den Städtenamen Kalau, Luckau, Sorau usw.) sind 
hier die gewöhnlichen Endungen slawischer Ortsnamen. Das Wendische 
tritt natürlich stark hervor, bis zu 40 v. H. und drüber, in Gebilden wie 
(außer den schon erwähnten): Kuba^ Koalick, Mudrak, Woitschach, Nattisch, 
Nawoinik. 

Eine ebenfalls starke wendische Beimischung zeigt die Oberlausitz, am 
stärksten im Kreis Hoyerswerda. Im übrigen leitet die Oberlausitz (wie 
auch schon Sachsen) durch das Vorschlagen der Verkleinerungsform -el 
und die Ableitungen auf -er von Ortsnamen, wie Eisner , Wiesner , nach 
Schlesien hinüber. 

Da Schlesien wie eine langgestreckte Halbinsel in das slawische 
Sprachmeer, zwischen Tschechenland und Polen, hinausragt, so ist es na- 
türlich, daß fast überall slawische Elemente auch in den Familiennamen 
hervortreten. Im Innern der Provinz ist dies freilich nur in geringem 
Maße der Fall, in desto größerem aber an den Rändern, besonders im 
Osten, wo Preußisch -Schlesien unmittelbar an das Polnische (in Posen und 
Russisch -Polen) und im Südosten, wo es an das sogenannte "Wasserpolnische 
(in Oberschlesien) stößt, während im Westen noch ein Streifen deutscher 
Bevölkerung (in Österreich) vorgelagert ist. Am stärksten ist diese slawische 
Beimischung in der Ecke zwischen dem Posenschen (Rawitsch) und Ober- 
schlesien (Kreuzburg), besonders in den Kreisen Namslau und Wartenberg,^ 
wo die -ek (Adamek) und -ak (Siepaniak), die -owski. und -inski usw. 
40 — 50 V. H. ausmachen. Dagegen ist in den oberschlesischen sprachlichen 
Grenzkreisen Leobschütz, Neustadt, Falkenberg, Neiße, Grottkau nur etwa 
Vj der Familiennamen slawisch.^ In der deutschen Namengebung fehlen 
die Patronymika (Genetiv, Ableitungen auf -ing^ Zusammensetzungen auf 
-sen). Von den Verkleinerungsendungen ist -ke wohl meist dem Slawischen 
zuzuweisen, x begegnet fast nur in den bekannten „Ilinx und Kunx^' 
(Heinxe und Kunxe)^ häufiger in den breiteren Form tsch: Bartsch^ Fritsch, 
Nitsche — bisweilen seh: Kunsch — mit k verbunden: Nitschke. Obenan 



1) Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein. 

2) Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den über- 
wiegend polnischen Kreisen. 

6* 
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84 20. Stillstand oder Bewegung in der NamenweltV 

steht jedoch wie in Sachsen -el: Göbel, Menzel, Biedel, Seydel, Thiel (aus 
Thiedel) — Hensel, Jäckel — Hentschel 

Ortsnamen werden meist einfach übertragen: Steinberg, Kunxendorf^ 
Silfsenbach, Baumgart, wobei -berg^ -dorf, -back voranstehen, während die 
urspr. slawischen Ortsnamen überwiegend auf -loitx und -itx endigen: 
Plagwitz, Nittiitz. Doch wird die Endung -er an Ortsnamen auf -berg 
häufig gehängt: Orünberger^ Riesenberger, Rosenberger^ und einsilbige Orts- 
namen erfahren gewöhnlich diese Verlängerung: Brieger^ Olatzer. Ganz 
besonders aber sind zweisilbige Ortsnamen auf -e^i anscheinend immer nur 
in dieser Weiterbildung verwendet, so daß sich hieraus eine lange Reihe 
solcher Familiennamen ergibt: Eisner, Ilgtier, Kösner, Kutzner, Klingne)', 
Langner, Lindner, Moschner, Wiedner, Wiesner von den Ortsnamen Elsen, 
Ilgen, Kosen usw. 

Unter den von Amt und Handwerk entlehnten Namen sind als eigen- 
tümlich schlesisch hervorzuheben: Scholz (vgl. auch „ Erbscholtisei '^ — 
slawisch Woita = Vogt) und Kretschmer vom slaw. Kretscham (Dorfkrug). 

20. 
Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 

Der Prozeß der Festwerdung der Familiennamen ist, nachdem auch 
die letzten Nachzügler (s. S. 29 und 66) sich ihm haben anbequemen müssen, 
nunmehr seit beinah einem Jahrhundert zum Abschluß gelangt Es fragt 
sich aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete ein- 
getreten, ob nicht auch hier bei genauerer Betrachtung eine Bewegung 
zu erkennen ist, gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und tot da- 
liegenden Gewässers doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verrät 

Diese Frage ist entschieden zu bejahen; einen völligen Stillstand gibt 
es auch auf diesem Gebiete nicht 

1. Es sterben Familien aus und damit auch Familiennamen. 
Dies läßt sich am leichtesten bei adeligen Geschlechtern verfolgen. So 
starb, um nur ein Beispiel aus dem vorigen Jahrhundert herauszugreifen, 
im Jahre 1836 zu Stralsund Graf August Wilhelm von Mellin als letzter 
eines Geschlechtes, das nach einer Äußerung des geistreichen und gemüt- 
vollen Mannes „älter war als die Stubbenkammer" (Berghaus, Sprachschatz 
der Sassen). 

2. Vorhandene Namen werden geändert Besonders häufig ist 
der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form, namentlich 
auf niederdeutschem Sprachgebiete: Möller in Müller, Röwenhagen in Rüben- 
hagefn u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2). Davon abgesehen werden 
vereinzelte Namen aus den mannigfachsten Gründen geändert: Gzech in 
Echt, Kamphaus in Kamphausen, Laabs in Labes. 



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20. Stillstand oder Bewegacg in der Namenwelt? 85 

3. Es bilden sich neue Namen — zunächst durch Zusammen- 
setzung zweier: bei adeligen Geschlechtern infolge Verschmelzung zweier 
Familien, deren eine bis auf eine Erbtochter erloschen ist: von Kleist- 
RetxoWy Henckel von Donnersmarck — bei Schauspielerinnen, die im Fall 
einer Verheiratung den Namen, unter welchem sie berühmt geworden, gern 
beibehalten: Hendel- Schütz.^ Birchpfeiff er. In einzelnen Fällen ist ein solcher 
Doppelname gestattet worden, um das Aussterben eines berühmten Namens 
zu verhindern, so Bessert -Neiielbeck (des Kolberger N. Schwiegersohn). 

In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vatemamen der Frau mit dem 
eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich HoUweg nach Frankfurter 
Sitte Bethmann- Holt weg; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in 
alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV. geadelt. 
Diese Sitte scheint besonders in der Schweiz verbreitet zu sein. 

Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch 
völlige Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen 
und bei Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter Pro- 
selyt sich Bufsin genannt, von dem Hauptwort „Buße*' mit Anlehnung 
an die Ortsnamen auf -in. 



Beilage 1. 
Godeberaht.^ 

a) Die im Altdeutschen möglichen Bildungen (s. 8. 22f.). 

Einstämmig gekürzte Form Oodo,^ zweistämmig gekürzt Oodbo^ mit 
den Nebenformen Oobbo^ und OoboJ^ 

Hieraus als einfach verkleinerte Formen mittels der Endung -ilo: 
Godilo^ mit den Nebenfl. Godh,'^ Oollo^ und Oolo,^ sowie Oodbilo^^ mit 
den Nebenfl. Oobbilo^^ und Oobilo^^ — mittels der Endung ixo: Oo- 
dixo^^ nebst Oodxo,^^ Ooxxo,^^ Ooxo,^^ sowie Oodbixo^'^ nebst Oobbixo^^ 
und Oobixo^^ — mittels der Endung iko: Oodiko^^ nebst Qodko,^^ 
Ookko,^^ Ooko,^^ sowie Oodbiko^^ nebst Oobbiko^^ und Oobiko.^^ 

Daraus wieder als doppelt verkleinerte Formen {l + n) Oodilin^'^ nebst 
Godlin,^^ Oollin,^^ Oolin,^^ sowie Oodbilin^^ nebst Gobbilin^^ und Oobi- 
lifiss — ferner (/ + Ä;) Qodüiko^^ nebst Oodliko,^^ Golliko^^ und Goliko,^"^ 
sowie Godbiliko^^ nebst Gobbiliko^^ und Gobüiko*^ — femer {x + n) Godi- 
xin*^ nebst Godxin,^^ Goxxin,^^ Goxin,^^ sowie Godbixiii^^ nebst Gobbi- 
xin^^ und Gobixin^'^ — femer (x + l) Godiulo*^ nebst Godxilo,*^ GoxxilOy^^ 
Goxilo,^^ sowie Godbixilo^^ nebst Gobbixilo^^ und Gobixüo^^ — ferner 
(x-^-k) Godixiko^^ nebst Godxiko,^^ Goxxiko,^'^ Goxiko,^^ sowie Godbixiko^^ 
nebst Gobbixiko^^ und Gobixiko^^ — ferner (A + n) Godikin^^ nebst God- 



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86 



Beilage 2. 



kin,^^ Gokkin,^^ Gokin,^^ sowie Qodbikin^^ nebst Gobbikin^'^ und Gobi- 
kin^B _ endlich (k-il) Godikilo^^ nebst Godkilo,'^^ Gokkilo, ''^ Gokilo,'^^ 
sowie Godbikilo'^^ nebst Gobbikilo''^ und Gobikilo J^ 



b) Die wirklich vorhandenen neudeutschen Familiennamen. 



1. a) Goübrecht 

b) Gottbrath. 

c) Gobbert. 

d) Joppert. 

e) Göppert; Göpper. 

f) Juppert 

g) Gobert 

Gen. Goverts. 

2. a) öo/wfe. 

Gen. Gohdes — 
patr. A. Goding. 

b) ÖöVfe. 

Gen. Göden; Gö- 
dens; Göens, 

c) Gödde. 

d) Ööcfe. 

e) Gwde. 

f) Gen. Gttdden. 

g) Öo/Äe/ Go/A. 
h) Goethe; Göth, 

i) JTöYA. 
k) Öo«e; Öo// (^Oo«- 

1) Öö«c; Gö«. 

Gen. Götte?i — 
patr. A. Götting. 
m) Zb«. 
n) Gw/c (Guthe); Gut 

(Gutmann) , 

Patr. A. Gtiting. 
o) Gt//c; Gi^/A. 

Patr. A. Giiting, 
p) G?/We (Guttmann), 
q) J&//e. 
4. a) G-ubbe. 
b) Äbpp. 



5. a) Gdi. 

Gen. Goeben. 
b) Gwic. 

6. a) Gode/ (^Gode/- 

mann), 

b) Görfßi 

c) Göthel 

Patr. A. Göthling, 

d) Go/fe/. 

e) Gö«e/ /^Gö/fe/- 
mann). 

f) Gw«e/; Gl/«. 

7. a) G6«te; Göttl. 

Patr. A. Göttling. 
b) Patr. A. Güthling. 

8. a) GoUe;Goll(Goü' 

mann), 

Patr. A. GoUing, 

b) Gö«. 

c) JTöKe. 

d) Gt^« 

9. a) GoÄ/. 

b) JohL 

c) Göhle; ,Göhl 
Patr. A. Göhling, 

11. a) GofcteZ. 

b) Göfcfce/. 

c) Koppel 

12. a) Gö6e/. 
b) Göp^/. 

15. a) Gotx(Gotxmmm). 
Gen. Gotxens, 

b) Zb^;^. 

c) Gotsch, 

d) Gosse; Goss 
(Gossmann), 



e) Götze; Götx 
(Götxmann). 
Gen. Götxe7i. 

f) Gödsche; Götsch, 

g) Gutx(Gutxmann). 
h) Gw/^. 

i) Gutsch. 
16. Gö;t. 

20. a) GörfiA;«; Gddcie. 

Gen. Gödeken — 
Patr. A. Gö(fc- 

b) Jödike, 

c) Gö<%; Gö/«cÄ. 

d) GaWcJke. 

e) Gediehe. 

f) Oüttich. 

21. a) Görf/*e. 

Gen. Gödkens, 

b) Göthge. 
Gen. Götjes, 

c) Go«Ä». 

d) Gottge, 

e) Gädtke, 

f) Gw/AAe. 

g) Guttke, 
h) Gw//Ae. 

22. a) GocA«. 

Patr. A. Göckingk, 
b) Göc/ce. 
Gen. Göcfa. 



23. 



37. 



50. 



Göke. 

Gen. Göken, 

a) Gohlke. 

b) GöAflfcß. 
a) Gotxel. 



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Beilage 2. 



87 



b) Oötxel 


g) Oötschel; Götschl 


62. Godeken, 


c) Kötxel 


h) OüixeL 


64. Göcken, 




d) Qossel 


57. a) Oöixke, 


71. a) Gockel. 


Gen. 


Oossels. 


b) Oöischke. 


b) Gockel 


e) Oössel 


c) Oöschke. 


c) Oöggl; Göggelein. 


f) Kössel 


d) Oottschick. 


d) GiickeL 






Beil 


a g e 2. 








Entwiekelongr einer Namenreihe wfthrend der Neuzelt.' 




1600 


1650 


1700 


1750 


1800 


1850 


Arend 


Arendt, Arnd 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Bardenflet, 


Bardenfleth 


Barenfleth 


Bahrenfleth, 


Bahnfleth 


Bomfleth 


-fleit 






Bahne- 






Beilin 


BelUn 


Beilin, Bellihn 


Bellin 


Beilin 


Bellin 


Boleman 


Boleman 


Boleman 


Bohlmann 


Bohlmann 


Bohlmann 


Brandt 


Brandt 


Brand 


Brandt 


Brandt 


Brandt 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Ertman 


Ertman 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Goyer 


Gojar, Goyar 


Gojar 


Gojar 


Ganger 


Gauger 


Hake 


Hake 


Haacke 


Haack 


Haak (ck) 


Haak 


Knolle 


Knolle 


Knolle 


KdoU 


Knoll 


Knoll 


Eöne 


Eöne 


Köhne 


Köhne, Keine 


Köhn 


Köhn 


Köpe 


Köpe 


Köpe 


Koipe 


Kenpe 


Keup 


B[röger 


Kroger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krossin 


Krossin, 
Krössin 


Krössihn 


Krössin 


Krössin, 
Kressin 


Kressin 


Labes 


Labes 


Labeß 


Labs, Laabs 


Labs, Laabs 


Laabs 


Landtbrecht 


Landtbrecht 


Landbrecht 


Landbrecht 




lAmbrecht 


Loitzin 


Loitzin 


Löyssihn, 
Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lubbeke 


Lübbeke 


Lübbecke 


Lübbeke, 
Lübke 


Lübke 


Lübke 


Moller, MöUer Möller 


Möller 


Möller 


Möller 


Müller 


Nieman 


Nieman, Neu- 


Niemann, Nea- 


■ Niemann, Neu 


- Niemann 


Niemann 


Oldehaue, -hoff Oldehave, 


Oldhoff, Olhoff Olhoff 


Olhof, Ollhoff 


Ollhoff 




Olhaf 










Pagenkop 


Pagenkop 


Pagenkop, -pf Pagenkop 


Pagenkop 


Pagenkopf 


Placke 


Placke 


Placke, Plack 


Plack 


Plack 


Plack 


Rham 


Rham 


Rhamm 


Ramm 


Ramm 


Ramm 


Ribe 


Rybe 


Riebe 


Riebe 


Riebe 


Riebe 


Rachel 


Rachel 


Rüchel 


Rüchel 


Rüchel 


Rüchel 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Stekelinck 


Stekelinck 


Steckeling 


Stekeling 


Steckling 


Stekling 


Timme 


Timme 


Timme 


Timm 


Timm 


Timm 


Witte 


Witte 


Witte 


Witte 


Witt 


Witt 



1) Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis 
Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden -Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 
1619 zurückgehen. 



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88 Beüage 3. 

An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich 

1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall 
eines e, so daß dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige ein- 
silbig werden (s. Bardenfleth, Bolemann, Lübbecke, OldehofF, 
Stekelinck — Arend, Hake, Knolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, 
Timme, Witte); 

2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, 
Lubbeke, Moller, Ruchel); 

3. ein zum Teil schon früher, zum Teil aber auch sehr später 
Übergang aus der niederdeutschen in die hochdeutsche Form: 
Kroger schon ums Jahr 1700 Krüger, dagegen Möller erst seit 1850 
Müller — während andere Namen standhaft die niederdeutsche 
Form behaupten (s. namentlich Ollhoff, Stekling), oder nach einigem 
Schwanken wenigstens schließlich bei ihr beharren (s. Niemann). 

Im ganzen ist die Entwickelung eine naturgemäße, der sprachlichen 
Entwickelung gleichlaufend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung 
auf: Kressin (st des richtigeren Krössin) und Bomfleth (st Bardenfleth, 
0. im Oldenburgischen). 

Beilage 3. 
Fremdsprachige Namen in Beutselüand. 

a) Slawische. 
Schon bei der ersten Festsetzung der Familiennamen mischten sich 
in bedeutendem Maße fremde Sprachelemente ein, und zwar slawische. 
Als die Hauptmasse der Germanen in der Völkerwanderung nach Westen 
und Süden zog, wurde der Osten Deutschlands fast ganz entleert, und die 
aus dem fernen Osteuropa hervordringenden Slawen rückten über Weichsel 
und Oder in die Lücke ein. Die wenigen Germanen, welche etwa in der 
ursprünglichen Heimat geblieben, konnten der herandringenden Slawenflut 
nicht Widerstand leisten, sie mußten sich unterwerfen und verschmolzen 
mit den neuen Einwanderern. Erst an der Elbe staute sich die Flut, und 
so füllten seitdem die Slawen in ihren verschiedenen Stämmen den Osten 
Deutschlands bis zur Elbe und Saale, ja zum Teil noch darüber hinaus. 
In Mecklenburg saßen die Obotriten, in Brandenburg die Wilzen, 
Heveller u. a., in Pommern die Pomoren, im Meißnischen die Dale- 
mincier, in Schlesien die Belochrobaten usw. Jahrhunderte lang sah 
die Elbe auf ihren beiden Ufern ganz verschiedene Völker: links die 
Deutschen (Sachsen und Thüringer), rechts die Slawen (Wenden), die sich 
in unaufhörlichen Fehden und Beutezügen bekämpften. Mit den Karolingern 
begann der Rückschlag; doch erst seit der Hohenstaufenzeit drang die 
deutsche Nation wieder mit Stetigkeit vor. Im Süden wurde durch die 
Stiftung des Bistums Bamberg und im Norden durch die Gründung der 



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Beüage 3. 89 

Nordmark an der untern Elbe die Grundlage gewonnen zu weiterem Vor- 
schreiten. Von da ab mußten die Wenden immer weiter nach Osten 
zurückweichen, und in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen wurden die 
ausgedehnten Landschaften zwischen Elbe und Oder, sodann zwischen Oder 
und Weichsel größtenteils dem Deutschtum wiedergewonnen. 

So gewaltsam man auch gegen die Wenden verführ, es verblieben 
doch viele in ihrer seit Jahrhunderten eingenommenen Heimat, mischten 
sich zum Teil mit den Deutschen und wurden allmählich germanisiert, oder 
wo sie in größerer Masse zusammensaßen, behaupteten sie sogar ihre Volks- 
tümlichkeit, ihre Sprache. So gab es in Hannover ein Wendland (im Lüne- 
burgischen), ebenso in Altenburg, wo die höchst eigentümliche wendische 
Tracht sich bis zur Stunde erhalten hat; in Westpreußen bilden dieKassuben, 
in der Lausitz die Sorben noch jetzt bedeutende, wenn auch immer mehr 
zusammenschmelzende Inseln im germanischen Sprachmeer; Oberschlesien ist 
überwiegend slawisch, und von Südost dringen die Tschechen in Böhmen 
wie eine Halbinsel fast bis in die Mitte Deutschlands vor.^ 

Diese ursprüngliche Grundlage des Slawischen auch in längst rück- 
germanisierten Landschaften bekunden noch jetzt die Ortsnamen, die ent- 
weder slawisch oder neudeutsch sind. Alle Städtenamen auf -gard^ z. B. 
Naugard (Nowgorod = Neuenburg), alle Ortsnamen auf -ow, -Hx^ -in — 
und deren ist Legion — sind slawisch. Wie eine Sündflut hat sich das 
Slawentum auf die Spuren unserer Altvordern gelegt. 

Daher nun so vielfache slawische Elemente auch in den Familien- 
namen, besonders des östlichen Deutschland! 

Zunächst sind die von slawischen Ortsnamen abgeleiteten FN. hervorzu- 
heben, unter welchen vorschlagen die auf 

'in (betont): Cammin, v, Schwerin^ Stqjentin; 
'itx: BublitXy v. Dewitx, Nemitx; 
'OW (mit stummen w): v. Flotow, Grabow, Vängerow. 
Doch sind diese nebst vielen mehr vereinzelten Bildungen, wie Balfanx^ 
Laabs (0. Labes), Roggatx, v. Wob^e?', nur bedingt hierher zu ziehen; 
denn wenn auch die Ortsnamen, welche hier zu Grunde liegen, slawisch 
sind, so ist doch die Art, wie dieselben mit Ergänzung eines Verhältnis- 
wortes oder auch durch einfache Übertragung (s. Kap. 13) zu Familiennamen 
gestempelt werden, nicht slawisch, sondern deutsch, und sie treten also zu 
den deutschen Familiennamen. (Näheres über diese ganze Namenklasse in 
dem Namenlexikon unter den Endungen in, itx (witx), ow.) 

Nach slawischer Art wird von den Ortsnamen eine Ableitung gebildet 
mit der Endung ski (häufig im Deutschen sky geschrieben), z. B. Orabowski, 

1) Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. — 
Rieh. Böckh, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom 
Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet. 



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90 Beilage 3. 

„der Mann aus Grabow**, Kaminsky, „der aus Kammin". So entsprechen 
sich ferner Lassan — Lassansky, Loschitz — Loschitxki^ Pobiotz — Poblotzki 
usw. Nur diese also sind als wirkliche und vollgültige slawische Bezeich- 
nungen anzusehen (wenn auch vielfach in halbdeutscher Schreibung). 

Den adligen Namen ist im Deutschen dann noch das von vorgesetzt, 
welches streng genommen doch nur zu dem Ortsnamen selber paßt: von 
Oostkowski (0. Gustkow), von Lisiecki (sprich Lisietzki), von Zekmnski. 

Zu diesen eigentlichen slawischen Bezeichnungen treten nun, ähnlich 
wie im Deutschen, Personennamen mit ihren mannigfachen Sproßformen: 

a) ursprünglich slawische, z. B. die auf -slaw (Ruhm): Miecxyslaw 
„ Schwertruhm **; 

b) kirchliche: Pawelek (von Paulus); Piotr (Petrus) nebst Petrik, 
Pechatschek, Pjatrc^k u. a.; 

c) Amts- und Handwerksnamen: Woita (Schulze), Pahnke (Panek 
kleiner Herr, Junker), Koschnik (Mäher), Pigorsch (piekarz 
Bäcker) usw. 

In überwiegend deutschen Gegenden sind diese Namen großenteils 
so umgewandelt, daß sie ein mehr deutsches Gepräge angenommen haben: 
Mitxlaff, Pawelke,^ Woiih — in überwiegend slawischen bestehen sie in 
unveränderter slawischer Fassung fort 

b) Littauische. 

Littauisch Redende finden sich unter deutscher Herrschaft hauptsächlich 
nur noch in den nördlichsten Teilen des preußischen Regierungsbezirkes 
Gumbinnen, nördlich von Insterburg und Pillkallen, doch auch hier viel- 
fach durch deutsche Ansiedelungen unterbrochen. Erst die Spitze nördlich 
von Tilsit, die alte Landschaft Schalauen, ist überwiegend littauisch, so daß 
hier die deutschen Orte als Inseln (auf Böckhs Karte gelb im littauischen 
Blau) erscheinen. 

In den Familiennamen tritt der ursprünglich littauische Bestandteil 
natürlich noch in größerem Maße hervor, da auch in den deutsch gewor- 
denen Gegenden viele Einwohner littauischen Stammes leben und die alten 
Namen, wenn auch teilweis entstellt, fortführen. Doch macht sich überall 
das Eindringen des Deutschen beraerklich, und so überwiegen littauische 
Familiennamen selbst unter der Landbevölkerung nur noch etwa in den 
Kreisen Heidekrug und Tilsit, halten den deutschen das Gleichgewicht in 
Merael, Ragnit, Pillkallen, bleiben aber in allen übrigen Kreisen in der 
Minderzahl. 



1) An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist 
keine strenge Grenze zu ziehen , da manche Namen auf ke sowohl deutschen als slawischen 
üi*8prunges sein können, z.B. Janke deutsche Verkleinerungsform xon Johanna und auch 
slawische, durch Janek vermittelt. 



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Beilage 3. 91 

Unter den littauischen Familiennamen stehen im Vordergrunde die 
ursprünglich patronymischen Bildungen auf -atis und -aitis (vgl. griech. 
-eidTjQ, 'iddrjg)^ welche dann auch verkleinernd gebraucht werden — z. B. 
BaUratis von Baltras (Balthasar), Obramaitis von Obramas (Abraham). 
Gewöhnlich haben sie die Endung is abgeworfen und erscheinen in der 
Form aty eit: Peterat (von Peter), Josupeit (Joseph). Am deutlichsten 
erkennbar sind nach ihrem Sinne die Ableitungen von Vornamen, wie die 
obigen; doch gibt es auch vielfache Ableitungen von Appellativen, wie 
Kaprolatis von Kaprolas (Korporal), selbst von deutschen Stämmen: Schneide- 
reit, Schvlmeistrat 

Zu ihnen treten die Namen auf ie^ (i-es): StachtUies, und auf us: 
Schimkus, welche mit jenen zusammen gegen 80 v. H. der littauischen 
Familiennamen ausmachen. Dadurch erhält die Namengebung etwas Ein- 
töniges, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß manche dieser Namen, wie 
Adomaitis^ Rodatis, LaugaUies recht vollen Klang haben. 

Auf ihrer Wanderung nach Westen erleiden diese fremdartig klingen- 
den Namen, von ihrer Heimat abgetrennt, manche Entstellungen: atis wird 
abgeschwächt in ates (Norekates), Obrcnneit abgeschliffen in Obenneit^ die 
Endung at erscheint in schlechter Schreibung als adt, ath, aat 



c) RomaDische. 

1. Französisch. Hier kommen weniger in Betracht die 10000 Wal- 
lonen im rheinpreußischen Kreise Malmedy und die im Reichslande Elsaß- 
Lothringen verbliebenen Franzosen (gegen 250 000), als die Hugenotten, 
welche Ludwig XIV. durch seine Bedrückungen zur Auswanderung ver- 
anlaßte. Als derselbe alternd samt seiner Umgebung von leichtsinniger 
Sittenlosigkeit zu heuchlerischer Frömmigkeit übergegangen war, begann er 
die Protestanten in seinem Reiche zu verfolgen, um durch ihre gewaltsame 
Bekehrung sich ein Verdienst im Himmel zu erwerben. Durch Vertreibung 
und Hinrichtung ihrer Gteistlichen, durch Schließen und Niederreißen ihrer 
Kirchen und Schulen, durch Wegnahme ihrer Kinder, um sie im Katholi- 
zismus erziehen zu lassen, suchte er sie zum Abfall von ihrem Glauben zu 
bringen, sodann durch Entziehung ihrer Gewerbsrechte und ihrer Sitze in 
den Gerichtshöfen, endlich durch die berüchtigten Dragonaden oder Ein- 
lagerungen von Dragonern und andern Soldaten. Schon jetzt wanderten 
viele Protestanten aus, und als gar durch den Widerruf des Ediktes von 
Nantes (1685) der Protestantismus in Frankreich für aufgehoben erklärt 
und auf die Ausübung dieses Kultus Todesstrafe gesetzt ward, verließen 
nach und nach, trotz strenger Grenzbewachung und Androhung der Galeren- 
strafe, viele tausend gewerbfleißige Menschen ihr Vaterland und fanden 
teils in den Niederlanden und in England, teils in Deutschland Aufnahme. 



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92 Beilage 3. 

Hier war es besonders Friedrich Wilhelm der große Kurfürst, welcher den 
Flüchtigen (R6fugi6s) bereitwillig eine neue Heimat gewährte. Seit 1672 
wurden in Brandenburg an 25000 Hugenotten aufgenommen, vorwiegend 
in den Städten. Daher noch jetzt die französisch -reformierten Gemeinden 
an vielen Orten in Preußen, z. B. in Berlin, Magdeburg, Stettin u. a., aber 
auch in Süddeutschland, z. B. Erlangen. 

Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind in den Stürmen der Revolution 
auch viele geflüchtet (Emigranten), und wenngleich die meisten später wieder 
nach Frankreich zurückgekehrt sind, so haben doch auch manche es vor- 
gezogen, in der inzwischen liebgewonnenen neuen Heimat zu verbleiben, 
wie der Dichter Ädalbert von Chamisso (mit vollständigem Namen: Louis 
Charles Adelaide de Chamisso de Boncourt, von dem Schlosse B. in der 
Champagne). 

Daher nun häufig französische Namen in Deutschland, wie Pa/wter, 
BSiaCy du Mesnil^ besonders im Heere: Loucadou, de Courbiere (der 
„König von Graudenz" 1806), Forcade, de la Motte -Fotique und viele 
andere, darunter manche berühmte Namen auch von Gelehrten: Savigny^ 
Michelety Carriere, du Bois-Reymond. 

Fast immer sind diese Namen unverändert erhalten, wenn sie auch 
im Volksmunde manchmal wunderlich entstellt werden: Boitelet in Budlee, 
Oänäola in Schellack. Nur in vereinzelten Fällen ist eine Verdeutschung 
erfolgt; so hat sich Buttmann, der bekannte griechische Grammatiker, aus 
franz. Boudemont germanisiert 

2. Italienisch. Italiener sind über die Alpen gezogen besonders 
als Kunsthändler und Konditoren. 

Die italienischen Familiennamen enden auf a: Sala, Bonewendura 
(entstellt aus Bonaventura) — auf o: Delmanxo — meist aber und in großer 
Einförmigkeit auf i: Bentivegni^ Marsegli^ Sparagnapani , Bertinetti. Dieses 
i erklärt sich als Pluralform, „einer aus der Familie so und so*', z. B. der 
Gittadini^ während das Appellativ im Sing, dttadino lautet. — 

Ganz vereinzelt erscheinen, damit doch alle Nationalitäten Europas 
in Deutschland vertreten seien, selbst im Norden, am Gestade der Ostsee 
madj arische Familiennamen: Bösxörmeny, Kedesdy. Ja dem Verf. ist ein 
Nachkomme eines Kosaken bekannt, mit dem klangvollen Namen Nawitai- 
nuk, dessen Nachkommen sich freilich Iwan (russisch « Johann) nennen. 



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II. 



Namen-Lexikon. 



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Yorbemerkungen. 



Adelslex. 


bedeutet Frh. von Ledebur, Adels- 


Lipp.Reg. 


bedeutet Preuß und Falkmann , lip- 






lexikon der preußischen 






pische Kegesten. 






Monarchie. 


mhd. 


» 


mittelhochdeutsch. 


ahd. 


1» 


althochdeutsch. 


N. 


1» 


Name. 


aogels. 


» 


angelsächsisch. 


niederd. 


1» 


niederdeutsch. 


Bacm. 


yt 


Baomeister, Germanistische 


0. 


1» 


Ort. 






Kleinigkeiten (I. Alte, 


oberd. 


1» 


oberdeutsch. 






meist oberdeutsche Fa- 


ON. 


w 


Ortsname. 






miliennamen). 


patr. A. 


w 


patronymische Ableitung. 


Bed. 


V 


Bedeutung. 


patr. Zs8. 


« 


patronymische Zusammen- 


Bück 


T> 


Bück, Oberdeutsches Flur- 






setzung. 






namenbuch. 


PN. 


1) 


Personenname. 


DW. 


j) 


Grimm, Deutsches Wörter- 
buch. 


Preuß 


T> 


Preuß, Die lippischen FN. 
(urkundlich). 


einst. K. 


« 


einstämmige Kürzung. 


Rud. 


T> 


Rudolphs Vollständigstes 


EN. 


n 


Eigenname. 






Ortslexikon von Deutsch- 


F. 


1» 


Form. 






land und Österreich. 


FN. 


j) 


Familienname. 


südd. 


11 


süddeutsch (südlich vom 


Forst. 


T> 


Förstemann, Altdeutsches 






Main). 






Namenbuch. 


V. 


n 


Vollname. 


Gen. 


n 


Genetiv. 


Vklf. 


n 


Verkleinerungsform. 


got 


n 


gotisch. 


VN. 


» 


Vorname. 


Gott. ÜB. 


V 


Göttinger Urkundenbuch. 


westf. 


V 


westfälisch. 


Jh. 


n 


Jahrhundert. 


zsgz. 


rt 


zusammengezogen. 


Eal. 


n 


Kalendertag. 


Zss. 


« 


Zusam mensetzung. 


KB. 


T> 


pommersche Kirchen- 


zweist. K. 


n 


zweistämmige Kürzung. 






bücher. 


I. IL III. 


j) 


die drei Schichten inner- 


Klemp. 


W 


Klempin, Diplomatische 
Beiträge. 






halb der FN. (Abhand- 
lung Kap. 1). 



Bei der ersten Schicht beachte man , daß die Aufeinanderfolge der an zweiter Stelle 
befindlichen Zusammensetzungselemente diese ist: bald, beraht^ bod, brandy brord — 
dag — frithy funs — gang, gar, gard^ gasty grim — hardy hart, heim, hraban, hroc, 
hrod — laiCy laif, land — wan, mar, mody mund — nanth, nod — rad, ric — scalc, 
8ta%n — thanCf thiu — waldy ward, wig, win, und f. 

Den neuhochdeutschen FN. sind die ad. Vollnamon vorangestellt — wenn nicht urkund- 
lich nachgewiesen und nur vorausgesetzt, in Klammer, z. B. unter Band: Bandhard, aber 
(Bandher i). Die gekürzten altdeutschen Formen dagegen sind, wenn auch nachweisbar, 
der Raumersparnis wegen nicht durchgängig aufgeführt worden. Eine Zahl bei einem alt- 
deutschen Namen, z.B. AmustS.y bezeichnet das Jahrhundert, in welchem derselbe zuerst 
nachweislich wird. 

Alle von Ortsbezeichnungen abgeleiteten zusammengesetzten Familiennamen suche 
man unter dem Grundwort, z. B. Bärenreuth, Vogelretäer unter Reut. (Die wichtigsten 
dieser Grundwörter siehe auf S. 55 f.) 



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A III. got ahva, ahd. aha, mhd. abe ,,fli6- 
ßendes Wasser* (urverwandt mit lataqua) — 
bildet scboD in der ahd. Zeit unzählige Namen 
auf -ahay meFuldahay neben denen selt- 
nere Formen auf -oa, -ach, -a hei'gehen. 
Heutzutage ist die häufigste F. -ach. Solche 
Flußnamen sind dann auch auf daran lie- 
gende Orte und von diesen auf Familien 
übertragen worden. 
FN. Altena (= zur alten A). Berka. von 
Bibra (aus Biberaha, Biberfluß). Fulda, 
abgeschwächt Fulde. 

Aalderk s. Athal (V. Adalric). 

Aalfe 8. Ath (V. AthaulQ. 

Aapken s. Ath (zweist. K.). 

Aar s. Ar. 

Abben s. Ath (zweist K.). 

Abbrecht s. Ath (Y.). 

Abbt s. Abt. 

Abderhalden III. (Schweiz.) ,,der von der 
Halde" (vgl. .„Heinrich von der Halden" 
Schiller, Teil 1, 4). 

Abe, Abek- s. Ath (zweist. E.). 

Abel a) I. s. Ath (zweist. K.). b) II. hebr. 
Hebel, Habel „Hauch". 

Abele, -Ingr s. Ath (zweist K.). 

Abend III. m mehreren Zusammensetzungen : 
Braunabend, Fafslabend, Feierabend. — 
Auch Abendroth. 

Aberell III. „April", auch Aberill — der 
F. nach aus dem 12.— 14. Jh. Aus späterer 
25eit Apriü; Aprell. 

Aberle, Iberli s. Ath (Y.). 

Abesser III. einer aus Abes (Bayern), Abesser 
(Bayern). 

Ableh, Abiek, Abo s. Ath (zweist. E.). 

ibli 8. Ath (zweist. E.). 

Abraham n. hebr. „Yater der Menge" (s. 
1. Mos. 17, 5). 

FN. (meist jüdisch) ; Abraham , zsgz. Abram 
(mit der ursprünglichen Form des N. 
wieder zusammenfallend). Gen. Abra^ 



hams; Abrams (beide ostfries). Patr. 
Zss.: Abrahamsohn; Abrahamson. 
Yorn verkürzt: Brahms. 
Abram s. Abraham. 
Abrecht s. Ath (Y.). 

Abt lU. ahd. abbat, mhd. abbet (aus dem 
syrischen abba „Yater", welches in die 
kirchliche Sprache aufgenommen wurde) der 
„meister über die münche". 
-ach III. 1) vom ahd. aha (s. A). 

2) vom ahd. -ahi (=lat -etum), bes. wenn 
der erste Teil der Zss. eine Baum- 
gattung bezeichnet , wie z. B. in AYeidach 
(Weidicht), Ahornach, Dornach. 

FN. von Erlach. 

3) nicht deutsch , aus der keltischen Endung 
-acum, -acus entstanden, wie in Ander- 
nach aus Antunnacum u. vielen andern 
rheinischen Städtenamen. 

FN. Echtemach. Oappenach. Creixenach 
(wohl = Ereuznach). 
Ableitung von ON auf -ach (obeixi.): 
FN. 1) ' acher: Brettnacher (0. Brettenach 
in Lothringen). Breisacher. Hei- 
dacher. Reinacher. Staudacher. 
Weidacher. 
2) 'ächer (-echer): Eiaenäclier. Ho- 
lecher (0. Holach in Mittel franken). 
-aeher, -ächer s. -ach. 
achter III. ahd. aftar, mhd. after. niederd. 
achter „hinter" — in manchen Zss.: Ach- 
terfeld (ON.). Achterholt. Achterkirchen. 
Achtermeyer. 
Achtembosch III niederdeutsch (niederrhein.) 
„hinter dem Buscli" (S. 54). So auch wohl 
Agtemkamp „hinter dem Eamp". 
Achtsnichtlll. Satz-N. Auch ^cÄtentV (Wien). 
Entstellt Achxenicht, Achtzig (Cämmerer, 
thüring. FN. S. 16). 
Aeke s. Ath (einst. E.). 
-aeker a) I. aus ahd. wacar „wachsam". 
FN. Öonnacker. Heinacker. Rothacker 
(s. Andresen, Personennamen S. 47). 



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96 



Ackermann 



AGIL 



b) III. aus „Acker**, zunächst Ortsbezeich- 
nungen , dann durch Übertragung Fami- 
lien -N. bildend. 
FN. Dreysigacker (0. Dreißigacker). 
Dinkelacker, Eichacker. Ooldacker. 
Hofacker. Hohenacker. Rothenacker. 
Steinacker. 
Aekermann III. mhd. ackerman „ Ackers- 
mann ". Verlateint Ägricola. 
Ada 8. Adam. 

Adam II. hebr., als N. des ersten Menschen 
vielfach zum Vornamen verwendet. 
FN. Adam, mit der eigentümlichen Zss. 
Karrenadam. — Oen. (lat) Ada-, Adami, 
Adamy — (deutsch) Adams. 
Adden, Ade s. Ath (einst. E.). 
Adebahr III. mhd. mniederd. adebar (jetzt 

nur noch niederd. Adebar) „Storch". 
Adel- s. Athal (V., einst. K.). 
Adelt s. Ath (V.). 
Adena s. Ath (einst. E.). 
Adenauer III. „einer aus Adenau**. 
Aderjahn s. Hadrianus. 
Adiekes, Adix s. Ath (einst. E.). 
Adl- 8. Athal (V.) — doch 
Adloff 8. Ath (V.). 

Adler a) I. s. Athal (V.). b) III. der „Adler% 
der Eönig der Vögel, als Wappen- und 
Häuserzeichen beliebt. Zss. Steinadler. 
Oüldenadler. 
Adnot, Adolf, -ph s. Ath (V). 
Adrian s. Hadrianus. 
Adt s. Ath (einst. E.). 
Aegidins II. griech. von der Ägis, dem Schilde 
des Zeus: der „Beschildete^S ein seinerzeit 
berühmter Augustinermönch, Erzieher des 
nachherigen Eönigs von Frankreich, Philipps 
des Schönen, gest. 1316. 
FN.: Ägidi (aus dem Oen. Aegidii zsgz., 
wie die Monats -N. Juni, Juli aus Junii, 
Julii), Egidy. — Volkstümlich gekürzte 
F.: Qilles (vgl. holl. Oillis, franz. Oilles); 
Qülessen. 
Aemilins II. lai, N. der bekannten römischen 
Familie der Aemilier, vermischt mit dem 
deutschen Emilo (s. Amal). 
FN.: Miaies; Mellies(^.m). Zss. Wester- 
millies (westf.). 
AG I. ahd. ekka, mhd. ecke, egge (vgl. lat. 



acies) „Ecke**, Eante, bes. in dem Sinne 
von „Schneide, Schwertesschärfe; Schwert". 
FN. Agebald: Eibold. 

Agabert: Eggebrecht; Eggebert — 
Eckebrecht; Eckenbrecht; Eckbert — 
Eibert; Eyber. Oen. Egberts. 
Agafrid: Eiffert. 

Agihard: Eggard; Eggert — Egert 
■— Eckhard; Eckard y Eccardi; 
Eckert — Eichhardt; Eichert — 
Eiert. Oen. Agartx — Egts. Patr. A. 
Eggerding — Eckarter (südd.). 
Agihari: Egger — Eckher; Ecker 
(Eckermann) — Eier. Oen. Eggers 
(Eggersmann westf .) — Egers, Patr. 
A. Eggering. 
Vkif. (l) : Eckerle. (1 + n) : Eckerlin. 
Egiman: Eckmann — Eimann. 
Agemar: Eimer. Oen. Eimers. 
Agarich: Eyerich — Eirich. Oen. 

Eggerichs; Eggericks (ostfries.). 
Agiovald: Egold — Eckold; Eekhold; 

Eckgold; Eckelt. Oen. Eckholx. 
Egward: Eckwert. 
Agiolf : Egolf; Eghff — Eckwolf. 
Einstämmige Eürzung Ag-. 
Eggo, Ecko, Aio: Egge — Ege — Ecke ; 
Eck — Aye; Ey. Oen. Aggen — Eggefi; 
Eggens (Kleinegges westf.) — Ecks; 
Ecken — Agena (ostfries.) — Eggena 
(ostfries.) . Patr. Zss. Axen (aus Aggesen 
vom ostfries. VN. Agge). 

Vklf. (i) Egi: Eckei. (l): Ecket. 
(k) Agico : Eicke ; Eyk. Oen. Aiken. 
(z) Eizo: Mtxe. 
Zweistämmige Eürzung Agab-. 

Agibo, Eibe: Eyb. 
Zweistämmige Eürzung Agam-. 
(Agimo): Oen. Eymefs. 
Vklf. (k): Eimicke. 
Agnren s. Ag (einst. E.). 
AGIL I. Weiterbildung von Ag (berührt sich 
z. T. mit Athal in Formen" ohne i in der 
ersten Silbe, wie Ehlert, s. Andresen S. 23). 
FN. Agilperht: Eilebrecht ~ Ellbrecht; 
Elbracht; Eibert. 
Egilger: Elger. Patr. A. Elgering. 
Agilard: Eilhard; Eylert — Ehlert. 
Oen. Eilderts (ostfries.). Patr. A. 
Eilerding — Ehlerding. 



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Agin 



Alk 



97 



Agelhar: Egekr ~ EekUr — Ekler. 

Oeo. Ehlers, 
Agilrich: Eilrich. 
Agilward: Elwert. 
Einstämmige Kürzung Agil-. 
Agilo, Egilo\ Eilo: Ägel — I^el — Eyle 
— EhU. Gen. EgelU — Eils. Patr. 
A. Egeling — Eyling. Patr. Zss. J^tfoen. 
Vklf. (i): J^/e(8chweiz.) (k): .KJfccA:. 
AGIN I. Weiterbildung von Ag. 
FN. Aganbert: Gen. Eigenberis. 

Aginard (Eginhard, Karls des Großen 
Schreibei und Biograph): Ahnert — 
Eginard—Einhard; Einert^Enei. 
Gen. Ehnders (ostfries.) — EirUs 
(ostfries.). 
Agenar: Agner — Ahner — Egner. 
Aginald: AhneU ^Ähnelt •— Etnold% 
Aginulf: Egenolf, 
Einstämmige Kürzung Agin-. 
Agino, Egino, Eino: Egen — Eine — 
Ehne, Gen. Eins — Ennen (vgl 
ostfries. VN. Enno). Patr. A. Eining. 
Vklf. (k): Einieke — Enigk; 
Eneich — Enke. Patr. A. Enking, 
AOISI. got. agis, ahd.agi80,ekiso ^Schrecken* 
FN. Egisrik: Eisrieh; (umgedeutet) Eisen- 
reich. 

(Agisold): Eiswaldt; Eisold; Eiselt 
Aglaster III. ahd. agalastra, mhd. agelster 

„Elster«. 
Airner s. Agin (V.). 
Agrieola III. Latinisierung für Ackermann^ 
Bauer und Baumann — auch für Schnitter 
(Joh. Schnitter aus Eisleben, hervorragender 
märkischer Theolog des 16. Jh., von welchem 
auch die bekannte Sprichwörtersammlung 
herrührt). Aus Agricola wieder Örickel (s. 
Tschierach, Form Wandlungen deutscher Ge- 
schlechtsnamen S. 6). 
Airternkamp s. Achtembosch. 
Ahl-, ihl- s. Athal (V., einst. K.). 
Ahlff s. Ath (V.). 
Ahmer s. Ath (V.). 
Ahn- 8. Agin (V.). 
Ihnelt s. Agin (V.). 
Ahr s. Ar. 

Ähren-, Ahm- s. Ann (V., einst. K.). 
Aiken s. Ag (einst. K.). 
Akemejer s. Ath (einst. K.) und Meier. 

Heintze, Dtntiohe Familiennanien. 2. Aufl. 



ALB I. (got. albs) ahd. mhd. alp, angels. 
älf, altnord. älfr „Elf« (S. 18). 
FN. Alberad (Alfred): Elfrath. 
Alpheri: Eibers. 

Albarich: Alberich — Elfreich. Gen. 
Alveriehs. 
Einstämmige Kürzung Alb-. 
Albo, Alpho: Elbe — Alf — Elfe. Gen. 
Alben; Alves — Eiben; Elven. 

Vklf. (1) Albila: Albel — Elbel. 
(k): Albig. (k -f n): Elpken. 
Alb- s. a) Athal (V.) b) Alb (V., einst. K.). 
Albinas III. Lat. für Weifs(e). (Allgem. 
deutsche Biographie). Albinus als Leibarzt 
der Königin Christine in den (schwedischen) 
Adelstand erhoben : Weifs von Weifsenfeis. 
ALD I. got. alds, ahd. alt, altsächs. ald. „alt«. 
FN. Altduom: AUum. 
Aldhard; Aldthardt. 
Althar :.4/rfcr — Alter; AUherr. 
Aldman: Altmann — Oltmann — 
Ollmann — Ohlmann. Gen. Alt- 
manns — Oltmanns. 
Alderich: Alderich — Oltrich — 

Haltrich — Eltrich. 
Alduig: Altwig — Oltwig — Olwig. 
Aldwin: Altwein. 
Einstämmige Kürzung Ald-. 
Aldo, Halte: Aide — Alte; Alt — Halte 
— Olde — Olle — Ohle. Patr. A. 
Alding: Alting. Patr. Zss. Ohlsen. 
Alefr, Alef^ s. Ath (V.). 
Alexander n. griech. „männerabwehrend«; 
außer Alexander dem Gr. Name mehrerer 
Päpste. 
FN. Alexander. Mit Kürzung im Anlaut: 
Xander — Zander (s. Pott S. 111, wo- 
nach in Elbing Alexander als VN. in 
Zander gekürzt wird) — Sander (Schutt, 
Braunschweiger PN. 8). 
Alexins II. griech. „Helfer«, N. vieler ost- 
römischen Kaiser. 
FN. Gen. Alexi. Gekürzte FF.: Allex — 
Lex. Patr. A. Lexer (südd. s. S. 3(3). 
Alf- s. a) Alb b) Ath (V.) c) Athal (V.). 
Alger s. Athal (V.). 
Alheid, Alheim s. Athal (V). 
Alltz s. Athal (einst. K.). 
Ayets 8. Athal (V.). 
Alk- 8. Athal (V., einst. K.). 

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Allard 



Andreas 



Allard s. Athal (V.). 
Alle s. Athal (einst K.). 
Allebraeht, AUerd-, Allers b. Athal (Y.). 
AllerhelUgren HI. verkürzt aus „Tag aller 
Heib'gen*, Festtag in der katholischen Kirche 

— auch mehrfach als ON. vorkommend. 

Alletagr s. Athal. 
Allex 8. Alexius. 

AllgSner III. „einer aus dem Allgau ^ in 
Vorarlberg und Bayern. 
FN. ÄUgäuer; Allgeier; Allgayr; AUgÖioer 
(worin noch das urspr. w — ahd. gawi 

— erhalten ist). 
Allgeler, AllglJwer s. Allgäuer. 
Allm-, Allram, Almer s. Athal (V.). 
Alrleh s. Athal (V.). 

Alt- s. Aid (V., einst K.). 

Altbttßer III. „Schuhflicker". Niederd. 0/- 

böter — niederl. Otiboter (Kleve). 
Altherr a) I. s. Aid b) III. mhd. altherre 
„alter, angesehener Herr*, insbes. „Vorsteher 
einer Gemeinde**. 
AI?. 8. Alb. 
Alw- s. Athal (V.). 

AMAL I. wohl zu altnord. aml „ Arbeit **. 
Ostgot. Königsgesohlecht der Amaler. 
FN. Amalhari: Amier— Emeler—Emmler. 
Einstämmige Kürzung Amal-. 
Amala, Emilo: Emele. Gen. Amels. Patr. 
A. Amalung 5: Amelung; Amelong ; 
Amelang (auch Amerlang) — Ambelang 
— Ammeling. Gen. A^nelings (ostfries.). 
Amann s. Ammann. 
Ambelang s. Amal. 

Ambronn III. „der am Brunnen Wohnende**. 
Ambroslns n. griech. „der Unsterbliche**; der 
berühmte Kirchenlehrer, geb. zu Trier, gest 
397 als Bischof zu Mailand, ein Haupt- 
begründer des Kirchenliedes in der abend- 
ländischen Kirche, nach welchem auch der 
„ambrosianische Lobgesang** (Te Deum lau- 
damus) benannt ist. 
FN. Ambrositis. Gen. Ambrosy; Am- 
hrosay. 
Mit Kürzung im Auslaut: Ambi-os; Am- 

brosch (oberdeutsch). 
Mit Kürzung im Anlaut: Brositis; 
Brose (s. S. 37); Broos. 

Vklf. (1): Brösel, (k): Bröaicke; 
Bröske — Brösgen. 



Ambtthl in. „der am Bühel d. i. Hügel**. 

Amdohr s. Amthor. 

Amels III. das wegän seines „emsigen** (von 
der Nebenf. Ämse) Fleißes sprichwörtl. ge- 
wordene Insekt (s. Sprüche Sal. 6, 6). Doch 
ebensogut zu altd. Amizo 9. Jh. 
FN. Ameis — Omeis, 

Amel« 8. Amal. 

Amende HI. „der am Ende des Ortes Woh- 
nende**; auch getrennt: am Ende. 

• amer s. Heim IE. 

Amke s. Ath (zweist K.). 

Amkrentz III. „(der) am Kreuz (Wohnende)**. 

Ammann lU. ahd. ambahtman, mhd. ambet- 
man, ambtman, amman „niederer Beamter; 
urteilspreohende Gerichtsperson*. 
FN. Ammann — Amann — Ammon. 

Amme s. Ath (zweist K.). 

Ammeling s. Amal. 

Ammer s. Ath (V.). 

-ammer s. Heim HI. 

Am Bhyn lU. (schweiz.) „am Rhein**. 

Amthor HI. „der am Tore wohnt". Auch 
niederd. Amdohr und entstellt Amthauer. 

Anaeker ÜI. „ohne Acker* (ahd. äna, mhd. 
äne „ohne**). Vgl. franz. Santerre. 

Ander- s. Andreas. 

Anderbrttfg HL niederd. „an der Brücke**. 

Anderefg III. (Schweiz.) „an der Ecke**. 

Anderheit EI. „an der Heide**. Vgl Vafi- 
derheidt. Auch Anderheiden. 

Anderknl UI. (Gottsohee) „an der Grube** — 
auch An der KtUl, 

Andermahr IH. „an dem Erdrutsch* (der 
Moräne). 

Andermatt(en) HI. „an der Matte* (Wiese). 
Johannes an der matten 1300. 

Andermaner HI. „an der Mauer**. Vgl. Haus 
auf der Mauer (Schiller, Teil). 

An der Menlen HI. (Geldern) „an der Mühle**. 

Andreas H. griech. „der Mannhafte*; der 
Apostel, Bruder des Petrus (Kai. 30. Nov.). 
FN. Andreas; Andrea; Andres (mit 
langem e); Andriefs — Anders .^ in breiter 
oberd. Ausspr. Anderseh; Ander (An- 
dermann). Gen. Andrea; Andrä; An- 
dree (Andree); Andre (Andre). Diese 
Accente deuten schwerlich auf franz. 
Ursprung, sondern sind leidiger Vor- 
nehmtuerei und Ausländerei entsprungen. 



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AnesheDsel 



Apfel 



99 



Patr. Zss. Andresen (mit langem e in 
der mittleren Silbe); Andreessen; An- 
driessen — Ander söhn; Anderson; 
Andersen, 

Vklf . (1) : Anderl(htLjT.) - AnderUr, 
Mit ümlaatung des a in e (oberd.): an- 
dres; Entres; Endrifs; Endrafs; En- 
ders; Endre. Patr. k.Endresser {österr,). 
Vklf. (1) : Enderle (schwäb.). (1+ n) : 
Enderlin; Enderlein, 
Mit Kürzung im Anlaut: Drees; Dreese; 
Dreis — mit den Zss. Dreesmann; 
Dräsemann; Driesemann, Patr. Zss. 
Dreassen; Dreessen, 

Vklf. (k): Dräseke; Dreske (doch 
s. auch Thras). 
Zerdehnt: Drewes; Drews; Dreefs (vgl. 
Andrewes Ebelingk 1480 Ilsenborg; 
Drewes als VN. in KBB, z. B. Drewes 
Köster) — Drebes, Patr. A. Dreunng. 
Patr. Zss. Drewsen, 
Vklf. (k): Drewkc, 
Aneshensel s. Johannes. 
Aiiesorge s. Ohnesorge. 
Angel- 8. Angil (V., einst. K.). 
Aiigeii« = an dem, in FN. wie Angendohr, 

'feld, 'heister, Angetoiseh (Niederrhein). 
ANOIL I. gemischten Ursprungs: der Stamm 
Ingvi (germanischer Gott), erweitert durch 
das Suffix 1, traf mit dem christlichen 
Lehnworte angil (angelus, Bote Gottes, 
Engel) zusammen und bildete so die Doppel- 
quelle dieses zwitterhaften Angil. Auch der 
Volksname der Angeln kommt dabei in 
Betracht 

FN. Angilberht: Engelbreeht; Engelbert; 
Engelbrett, Gen. Engelbertx; Engel- 
barts, 
Ingilbodo: Engelboth, 
Angilfrid: Engelfried. 
Angilhart: Engelhard — Englert. 
Gen. Engelarts (ostfries.) Patr. A. 



Angelher: Engeler; Engler, 
Angilman: Engelmann, Englmann. 
Angelmar: Angelmar. 
Ingalrad: Angelrath, 
Engilscalc: Engelschall, 
Angilthiu, Hengildeo: Hinckeldey; 
Hinekeltliey. 



Einstämmige Kürzung Angil-. 
Angilo, Engilo, Ingilo: Angell — Engei 
— Ingel, Gen. Engels (Engelsmami). 
Patr. A. Engling, 

Vklf. (k) : ^e/A:e(Vomame Engelke 
Mandüvel 1362). Zss. Engelkemeyer, 
Gen. Engelken; Engelkes; Engel- 
kens. — Patr. A. Engelking, 
Anhelm III. „ohne Helm*^ (s. Anacker). 
Anhuth ni. „ohne Uut^ (s. Anacker). 
Anker III. wohl Hausname, wie noch bei 

Gasthöfen („Goldner Anker*^). 
ANS I. zu altnord. äs, angels. 6s „Gott^ 
(S. 18); die Anses (Jordanes). 
FN. Ansobort: Asberth; Asbahr — Os- 
barth; Osbahr, 
Ansiprand: Asbrand; Aspem, 
Ansher: Anser — Öser, 
Anshalm: Anselm. 
Osman: Afsmann (VN. in den Akener 

SchöfiTenbüchem) — Osmann, 
Ansmar: Ofsmer, 
Ansmod: Assemuth; Asmuth, 
Ansemund: Osmund, 
Ansovald: Osewaldt; Oswald. 
Einstämmige Kürzung Ans-. 
Anso, Aso: Ass — Ose — Öhse, Patr. A. 
Assing — Ösing, 

Vklf. (1) Ansilo, Ensilo, Asilo: 
Ansei — Ensle — Asel. (l + n): 
Enslin. (k) Ansich: Oske, 
AnsInn m. „ohne Sinn*^ (s. Anacker). 
Ansorg s. Ohnesorge. 
Antenbrink m. niederd. „Entenbrink^. 
Antonios IL 1) der h. Antonius, der im 4. Jh. 
als Einsiedler in der thebaischen Wüste 
Ägyptens lebte. 2) Antonius von Padua, 
berühmter Prediger im 13. Jh., der auch 
den Fischen gepredigt haben soll. 
FN. Antonius; Anton, Gen. Antoni, An^ 

tony — (deutsch) Antons, 
Mit Kürzung im Anlaut: Tonius — Tän- 
nies (VN. in KB.). — Tönges; Tönniges 
(Thonyghes van dem bome 1458 Ponun. 
Urk.) — mit j ostfriesisch: Ihn/es; Tönjes 
— Doniges — Dönniges; Dönges. Patr. 
A. Tönniefsen (Vechta). 
Apel- s. Ath (V., zweist. K.). 
Apfel m. als FN. in den Zss.: Eichapfel, 
QüldennpfeL Kühnapfel. Holzapfel. 



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Apitt 



As- 



Apitz, Apitzseh, Apley s. Ath (zweisiE.). 
ApollonlüsII. griech. ^der Apolionisohe*',nach 
dem Ootte Apollo; Märtyrer unter Kaiser 
CoDiinodus im 2. Jh. 

FN.: Plönnies — Lönnies (dreisilbig zu 
sprechen: Piönni-es, oder Plöojes, s. 
S. 38). 
App- 8. Ath (V., zweisi K.). 
Ippli s. Ath (zweist. E.). 
Aprill, Aprell s. Abereli. 
ABI. got ara, ahd. aro, mhd. ar ^der Aar**. 
FN. Arawald: Ärold — Ärlet; Ärlüt; 
zsgz. Arlt. 
Arulf: Arloif, 
Einstämmige Kürzung Ära: Aar, Ahr, 
ARB I. gotarbi, ahd. arpi, erbi, mhd. erbe 
^das Erbe*^. 
FN. Arbogastes 4.: Arbogast 

Erbhart: Arbert — Arpert — Erbert, 
Erphari: Erber. 
Erfman: Arfmann. 
Arbrih: Erbrick; Erbreich, 
Erpold: Erpold — Erbt Patr. A. 
Erpelding. 
Einstämmige Kürzung Arb-. 
Arbio, Erbo: Arp (niederd. Taufname noch 
1770 Brem. Wörterb.) — Erbe — Erve. 
Gen. Arps — Erba; Erbseh; Erben. 
Patr. A. Erbeling — Erpling — Erf- 
ling (Lippe). 
ABCAN I. ahd. ercan ^echt, freigeboren, 
edel''. Arcambald. 
FN. Ercanberaht: Erkenbrecht. 

Erchanoald: Archenhold. Gen. Archen- 
hoüx. 
Ardelt s. Hard (V.). 
Aren- s. Arin (V., einst. K.). 
Arfmann s. Arb. 
Argelander s. Lehmann. 
ABIN I. erweiterte F. von Ai-a. 

FN. Arnbreht: Armbrecht — Arrenbrecht, 
(Arinhart): Amhard; Amert—Emert. 
Amheri: Emer. 
(Arnric): Amrich, 

Amoald: Amualdt; Arnold; Am- 
holdt (zerdehnt Arenhold, Ahrend- 
hold); Amol; Arneth — Arendt 
mit der Zss. Meierarend; Amd — 
Omold. Gen. Arnolds; Amholds — 



AhmhoUx — Arenx; Arndts , Amtx 
(lat. Amoldi). Patr. Zss. Amdsen. 
Vklf. (i): Ärni, Emi (Schweiz.). 
Mit Kürzung im Anlaut (S. 23 Anm.) : 
Noldt; NoUe (Abkdrzung für Arnold in 
Elbing, 8. Pott S. 111). Zss. Branolte 
(= Nolte Brandes) — NoUe — Nolle. 
Gen. Nolden — Zss. Kleine ^NoUen 
(westf.); latinis. NoUenitis. Patr. A. 
Nolding — NÖliing, 

Vklf. (k): NÖldeeke. (k + n). 
Noldechen -- Nölken. (z): NoUxe. 
Einstämmige Kürzung Am-. 
Arno: Amemann — Ähren — Emo 
(Ememann). Gen. Akrens (Zss. Mar- 
ahrens). Patr. A. Aming — Ahming. 
Patr. Zss. Amsen. 

Vklf. (k): Amecke; Amke, Gen. 
Arenkens (ostfries.). 
ArU s. Ar. 

Armboret s. Armbrust 
Armbreeht s. Arin. 
Armbriester s. Armbruster. 
Armbrust III. vor dem 12. Jh. nicht erschei- 
nend , durch Eindeutschung aus dem mlat. 
aroubalista entstanden. 
FN. Armbrust; Armborst. 
Armbrnster III. mhd. armbruster. 1) ^Ver- 
fertiger von Armbrüsten*; 2) ^Armbrust- 
tohütze''. 

FN. Armbruster; Armbröster;Armbriester 
— von Ärmst (zsgz. aus Armbrust): 
Ärmster. 
Armengand, Armerding, Armgard s. Irmin 
(V.). 

Ärmster s. Armbruster. 
Am- s. Arin (V., einst K.). 
Imi s. Arin (einst K.). 
ABNÜST I. ahd. ernust, mhd. emest, ernst 
„Ernst**, d. i. urspr. der ernsthafte, ent- 
schlossene Kampf, angels. eornost „Zwei- 
kampf*. 
FN. (Zsgesetzte N. bisher nicht nachge- 
wiesen.) 

Amust 8. : Amst — Emest — Ernst. 
Patr. A. Ernsting. IjbX. {ßen.)Emesti. 
Arp- s. Arb. 
Arrenbrecht s. Ann. 
Art- s. Hard (V., einst K.). 
As- s. Ans. 



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Abc 



Athal 



101 



AS€ I. ahd. asc, mhd. asoh ^die Esche*^, deren 
Holz zu Laozenscbäften und Schiffen ver- 
wendet wurde, daher auch «Esohenspeer; 
Boot*^. Im Mhd. heifit die Esche geradezu 
sperboum. 
FN. (Aßchard): Äschert — Eschert 

ABchari: Aacher (Äschermann) — 

Escher, 
Ascman: Eschmann, 
Ascarich: Eschrieh; Escherig. 
Ascolt: Äschhold. Qen. Eschholtx. 
Asculf: Eschlo/f, 
Einstämmige Kürzung Asc-. 
Asco: Äsche; Äsch — Esche. 

Vklf. (1): EschU — Äschlimann 
(Schweiz.), (k): Äschke — Eschke. 
ABch-, Isch- s. Asc. 
Asehenbrand, -brenner III. s. 8. 41. 
Ascher a) L s. Asc b) (jüd.) ,, Glücklicher". 
Asrnns s. Erasmus. 

Asper III. (Schweiz.) vom Hofe Asp bei 

Wollishofen , wo das Geschlecht noch heute 

wie schon vor 500 Jahren (Heinrich Asper uf 

Aspen) sitzt (Tobler- Meyer, deutsche FN.) 

Aß«, Abs- s. Ans — doch. 

Aßmy s. Erasmus. 

Assemaeher, ABsenmaeher III. halbniederd. 

„Achsenmavher'*. 
ATE I. wohl Stamm zu Athal „Adel*^, mit 
welchem es mehrfach zusammenfliefit. (A- 
thaulf, Gotenkönig, Schwager des Alarich 
5. Jh.) 

FN.Adabald: Äppolä; ÄppeU — Äpelt. 
Athuberaht: Abbrecht — Äppricht — 
Äppert — Abrecht; Äbert, 

Vklf. (l): .i^/e (württ.) — Äherli 
(Schweiz.). 
Adamar: Ammer — Ahmer, 
(Adanot): Adnot, 
Athald: Adelt, 

Athaulf 5.: Adolph; Adloff — Aleff, 
zsgz. Ahlff — Alf. Gen. Adolfs — 
Älefs; Aalfs (ostfries.). Patr. A. 
Älfing. Patr. Zss.^(2o/pA«en(8chIesw.). 
Mit Kürzung im Anlaut: Dolf 
Gen. Dolffs, 
Einstämmige Kürzung Ath-. 
Ado, Atto: Ade; Adt, Gen. Adden — 
Aiten, — Adena (ostfries.). — Ätsma 
(ostfries.). 



Vklf. (k) Athacho, Acco: Aeke. 
Gen. Adickes \ Adix. (z) Azo: Ätxe, 
Zweistämmige Kürzung Athb-. 
Abbo, Abo: Appe — Abo; Abe, Gea. 
Abben. 

Vklf. (1): A})pel (Appelmann) — - 
Abele; Abel (Abehnann) — Äpel. 
Gen. Abels, Patr. A. Abeling. (1 + i) 
Äppli — Apley. (1 + n): Abeletn. 
(k): Abich; Abick, Gen. Abeken — 
Äapken — Abekena (ostfries.). Patr. 
A. Abeking. (z): Apitx; Äpiixsch 
(Kgr. Sachsen). 
Zweistämmige Kürzung Athm-. 
Amo: Amme. 

Vklf. (k): Amico: Amke, 
ATHAL I. ahd. adal, mhd. adel „Geschlecht, 
Adel*^, ein in EN. nur anlautend, aber außer- 
ordentlich häufig gebrauchter Stamm. 
FN.Athalbald: Älbold. 

Athalberaht: Albrecht; Albracht; 
Albert. Zss. Albertemst (München) 
— Allebracht — Ahlbrecht — 
Ehlebracht. Gen. Alberts, Albertx 
(lat Alberti) — Elbregts (ostfries.). 
Patr. A. Elperting, Patr. Zss. AI- 
bertsen. 
Adalbrand: Albrand — Ahlbrand — 

Ellbrandt. 
Athaldag: Altag — Alletag — AUdey. 
Athalfrid: Älfert (Älfermann), 
Adalgar: Alger; Alker. 
Adalgis : Adelgeifs — (umgedeui) Adel- 

geist. 
Adalgoz: Adlgos. 
Adalgrim: Ahlgrimm. 
Adalhaid f.: Alheid, Gen. Aljets (ost- 
fries. von dem weibl. VN. Aljet = 
Adelheid, s. Buptecht S. 7). 
Adalhard: Adelhardt — Allard \ 
Allerdt — Ahlert — Edelhardt — 
Ehlert (doch auch zu Agil). Patr. 
A. Ällerding. 
Adalhari: Adeler; Adler — Ahler — 
Edeler. Gen. Allers — AJUers — 
Ählers. Patr. Zss. Allersseti. 
Adalhalm: Adelhelm — Alheim. 
Adalhoh: Adlhoch. 
Adalraban: AUram. 
Adalhrod: Ahlroth, 



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102 



Atsma 



Aud 



Adalman: Adelmann — Allmann — 

AMmann, 
Adalmar: Almer, Gen. Aümers, 
Adalric: Airich — Aalderk (fries.). 
Adelsteiu: Adelstein. 
Athalwart: Adlwerth — Ahlwardt — 

Edelwerth; Edehoirth, ^ 

Adalwich: Alwieh. 
Athalain: Alteein. 
Einstämmige Kürzung Athal-. 
Adalo, Allo, Edilo: Adel — Alle — Ahle 

— Edele; Edel — Elle — ÄhU — Ehl. 
Gen. Adels — Allen — Ahlen — Edels 

— Eklen. Patr. A. Adalunc: Adelung 

— Eddeling — Ehling. 

Vklf. (k) Alico: AJdig; Ahlke. 
Gen. Alken, (z) Alizo: Alüx. 
Atsma, Atten, Atze s. Ath (einst. E.). 
An ni. 1) deutsch vom ahd. awa, ouwa, mhd. 
ouwe, urspr. ^Wasser, Fluß* (vgl. Königs au 
in Schleswig); diese Bed. tritt aber im Laufe 
der Zeit immer mehr zurück und die eines 
„bewässerten Wiesengrundes*' immer mehr 
hervor. Nhd. Aue, Au — dänisch ö (Insel) 
— friesisch og (Wangeroog u. a.). 
Au in vielen ON. zweites Glied der Zss. 
FN. Buchenau. Kronau. von Rabenau. 
Adenau) (0. Adenau, Rgb. Koblenz). 
2) slawisch, aus ow verdeutscht (s. ow). 
FN. BiUau neben v. BtUotv. v. Rantxau 
neb. Banxow. Stretnlau neb. Stremlow. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
FN. 1) -auer : Blumcmer. Eiehenauer. Eipel- 
dauer. Kronauer. Rheinauer. Wiesen- 
auer. Helmsatier (Helmsau). Hilsensauer 
(Hilsens-au). (Meist jedenfalls von 1) und 
oberdeutsch; aus Niederdeutschland nur 
in modern jüdischen N. wie Warschauer). 
Umgedeutet: Hasenhauer (0. Hasenau). 
Schwarxenhauer (0. -nau). 

2) -euer: Adeneuer. Öersieuer. Ent- 
stellt -eier: Haseneier. Homeyer (0. 
^.oiuBXJ^.Morgeneyer.Ramseyer. Waldeyer. 
Anbei s. Aud (zweist. K.). 
AUD I. got. aud- (in audags), altsächs. od, 
ahd. 6t- (in otag reich), „reicher Erbbesitz, 
Erbgut". Noch in Allod. 
FN. Autbald: Oppold; Oppelt — Opelt; 
OpeL 
Audoberht: Audehert — Odebrecht; 



Odebrett; Odenbrett — Oppert 
(Oppermann — Obbermann) — 
ObrecJä; Obert; Ober. Gen. Aupers 

— Öppers. 

Vklf. (1): Oberle. (1 + n): Auher- 

len — Oberlin, 
Autfrid: Au/fermami — Uffert — 

O/fer. Gen. O/fers — Ofers. 
Audagar: Ottiger — Ötiker — Ötker 

— Ockermann — Ocker. 
Autgart: Ockardt — Ökert — Uckert. 
Audchar (Hothar): Oder — Otter 

(Ottermann) — Hotter. Gen. Öters. 

Patr.A. Ötterling. Patr. Zss. Otersen. 
Otleib: Otlepp — Uthleb. 
Autman: Odemann — Othemann — 

Ottmann. 
Audomar: Othmer — Öhmer — 

Ommer. Patr. A. Ömering, 
Audericus: Odrich — Öttrich. 
Audowald: Odewald. 
Audulf : Oloff, zsgz. Ohlf. Gen. Olfen. 
Patr. Zss. Olfsen. 
Einstämmige Kürzung Aud-. 

Audo, Odo, Hoto: Audi -^ Ode — Otto; 
Otte; Ott (mit den Zss. Meierotto; 
Feldotto — Brunotte; Janotte — 
Schwarxott) — Ötte — Hotho; Hoth 

— HoUo; HoUe — ühde — TJih. Gen. 
Odm — 0tte8\ Otten (Zss. Ottenfan)\ 
Ottens (Zss. Ottensmeyer). Patr. A. 
Öding — Otting — Odinga (ostfries.) 

— Uhder. Patr. Zss. Ottsen. 

Vklf. (1) Audila: Aul — Öddel — 
Öttle " Öhle. (l + k): Aulike. (k) 
Audao, Occo: Otke — Öek. Gen. 
Oetken; Oetjen (ostfries. oe = 6) — 
Ottjes (ostfries.) — Ocken. Patr. A. 
Ockinga (ostfries.). (k-j-1) Ochilo: 
Ockel, Ockhl (Ockelmann). (z) Auzo: 
Autxe — Ötxmann — Utx. (z -j- 1) 
Ozilo: Ötxel. 
Zweistämmige Kürzung 1) Audb-. 
Oppo, Opo (Stark 118): Oppe. Gen. 
Oppen — Öppen — Oben. 

Vklf. (I): Aubel — Oppel — Qpel; 
Obel. Gen. Öbels. (k): Öbbecke — (^ke. 
(z) Opizo (Stark 145): Oppitx — 
Opitx; Obit\. 



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-auer 



Bach 



103 



Zweistämmige Kürzung 2) Audf-. 
Offo: Offe— Öff, Gen. Offen-- Ohfen. 
Vklf. (1): O/fel - Öfele. 
Zweistämmige Eürzong 3) Audm-. 
Oromo, Omo: Ohme; Ohm — Ohme, 
Gen. Ohmen — Ohms — Ommen (Nor- 
derney); Owwicna (ostfries.). Patr. Zss. 
Ohm^sen, 

Vklf. (k): Ohmich; Ohmcke — 
Öhmigke; Öhnke, (k+n): Öhmichen. 
-aner s. Au. 

Auf dem Garten III. s. 8. 54. 
Aulliidirt a) I. s. And (Y.). 

b) III. = Himmelfahrt(8tag). 
Anfdermauer lU. (Schweiz.) ^auf der Mauer''. 
Anffenberg III. = „auf dem Berge", vgl. 
Martinus üpdenberge (Elemp.). So auch 
wohl Äufenacker = ^auf dem Acker". 
Anffermanii s. Aud (V.). 
Anftaikolk III. «auf dem Kolk" (Wasserloch). 
Anftn Ordt III. „auf dem Ort" (Spitze, 

Band, Grenze). 
Auge m. in mehreren Zss., bes. nach der 
Farbe (wie Wernher der Grünaug 1404): 
liothauge; Rodaug. Oansauge, Weinauge. 
Augnstiis n. lat. „der Erhabene", Beiname 
des ersten römischen Eaisers Octavian. . 
FN. August — Augft. Gen. Auguati. 
Aogiuttiniis n. Ableitung von Augustus; der 
h. Augustinus, der große Eirchenlehrer, 
Bischof zu Hippo (jetzt Bona) in Afrika, 
gesi 430. 

FN. Augustin — entstellt Augstein, Gen. 
Augustiny, 
Mit Eürzung im Anlaut: Stimis. 
An! 8. Aud (einst E.). 
Aapere s. Aud (V.). 
Ausderau III. «aus der Aue". 
aiu'm Werth IIL „aus dem Werder" (Insel) 

8. S. 54. 
AU8T I. zu ahd. ostan, mhd. osten „der Osten"; 
scheint (wie we8t,nord, sund) solche Personen 
zu bezeichnen, die aus den genannten Welt- 
gegenden herstammen, deshalb nach Förste- 
manns Beobachtungen bes. häufig bei den 
so weit nach Westen vorgedrungenen Franken. 
Da der Zug deutscher Stämme in der Völker- 
wanderung wesentlich die Richtung von Osten 
und Norden her hatte, erklärt es sich auch, 
warum diese beiden Himmelsgegenden in den 



altdeutschen PN. an Häufigkeit der Verwen- 
dung den Westen und Süden so sehr über- 
ragen. Doch haben mythologische Beziehun- 
gen mitgewirkt (Ostara, Gottheit des auf- 
steigenden Lichtes) — bei diesem Stamme 
auch christliche (Ostern), s. Austar. 
FN. Ostold: Osthold. 

Austoricus 8: Osterich. 
Einstämmige Kürzung: Ohst — Öste (Ost- 
tnann). Patr. A. Oosting (ostfries.). 
AUSTAR I. Erweiterung von Aust. 

FN. (Austreman): Austermann — Oster- 
mann, 
Austrouald: Osterwald (auch ON.); 

Osterhold. 
Austrulf: Osterloff, 
Einstämmige Eürzung Austar-. 
Oster: Auster — Oster — Osler, 

Vklf. (1): Österle. Patr. A. Auster- 

ling — • Osterling — Österling, (l -|- n) 

Austrolenus: Österlin; Österlein; 

Österlen, 

Austermttlile III. „aus der Mühle" (S. 54). 

Ansterwisehen III. „aus der Wiese". Noch 

getrennt: aus der Wischen, 
Autze 8. Aud (einst. E.). 
Ayemarg IH. = Ave Maria (Hermann Ave- 

marie 1434 Lipp. Reg.). 
Ayenarins III. Latinisierung für Habermann. 
Averdieek HI. (niederd.) „oberhalb des 

Teiches". 
Axen, Aye s. Ag (einst K.). 

B. 

Baader s. a) L Bad (V.) b) DI. Bader. 

Baake s. 1) Bag 2) Bald (einst. K.). 

Baar« s. Bora (V., einst. K.). 

Baath, Baatz s. Bad (einst K.). 

Babbe s. Bad (zweist K.). 

Babendererde III. niederd. (Mecklenb.) „über 
der Erde" (in welchem Sinne?), vgl. Chon- 
radus uf der Erde 1194. 

Babst s. Pabst. 

Baeh s. a) I. Bag b) lU. Bach. 

Baeh III. ahd. pah, bah, mhd. bach, altsächs. 
biki bildet urspr. FluBnamen, dann auch 
Benennungen von Orten, die an den Flüssen 
liegen — heutzutage hochd. -bach in tau- 
senden von Namen, niederd. -beck (spr. 
bäk, mit gedehntem, offenem e, daher auch 



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104 



Bach 



Backmeister 



in der Schreibung) -bek, -heek; -hecke. 
Häufig elliptisch : Weifsenbaeh = zum weißen 
Bach; Langenheck, 

FN. Bach (= am Bach , s. Luhbeke bi der 
beke fries. Urk. Pott 543 — Bach auch 
häufiger ON.) Zumhach. — Bachmann. 
Anspach, Rilspa^h. Perkhausen von 
Aiglspach (wie auchPacÄwayrMünch.). 
— AcJunhaeh. Erlehach; niederd. Eller- 
heck. Feuerhach. Orumhach. Hagen- 
hach. Marhach. Raupach (0. Raubach). 
Rofshach. Seebach. Süfsenbach. Nieder- 
deutsch: va7i der Beck, Beeck (Bek 
niederd. weiblich). Ibrheck. — Büler- 
beck. Düsterheck. Einbeck. Öoldbeck 
(Klemp. Goltbeke 1369). Langenbeck 
(0. in Hannover, welchem hochd.Langen- 
bach in Bayern, Nassau entspricht)- 
Lilienbeck. Lutterbeck (0. Lutterbeck u. 
-bek). Mühlenbeck; ganz niederdeutsch 
Möllenbeek(weBtL). Nordbeck (0. Norden- 
beck). Overbeck. Rohrbeck. Schtcanebeek. 
Schwarxenbeek (neben hoohd.Schwarxen- 
hach). Seebeck. Steinbeck. Westerbeck. 
von dem Knesebeek (En. Dorf in Hannover). 
Selten -hecke: Harhecke (0. im Regb. 
Arnsberg). Thorbecke (flämisch, deutsch 
Thorbeck 0. in Mecklenb., Hannov.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 
l)-pacher (bes. nach s): Dürenpacher 
(neben Diimbachery 0. Dürnbach in 
Gottschee). Qcrspacher, Rinder s- 
pacher. Rummelspacher. Überpacher 
(Wien, 0. -bach). 

2)-bacher: Embacher. Föhrenbacher. 
KucJidhacher. Speckbacher. Stein- 
bacher. 

Daneben ist bemerkensweii eine F. mit 
Umlaut: 

S) -bächer, gew. -becher (wo dann der 
Schein einer Zss. mit dem Hauptw. 
Becher entsteht). Während im Hoch- 
deutschen die umlautfieie F. bei solchen 
Ableitungen von ON. auf -bach jetzt 
alleinige Geltung hat, z. B. „das Ham- 
bacher Fest", „Weilbacher Brunnen", 
weisen oberdeutsche Mundarten den 
Umlaut auf, z. B. die alemannische 
(Hebel: „'s Mam becher Hätteli'' von 



Mambach im Oberrheinkreis). Dem- 
nach finden sich: 

Arxbächer. Offenbäeher, Vogel- 
bächer. Weilbäeher, Dörrenbäeher, 
auch Dörrenbecher. Reiehenbächer, 
auch -becher. hselbächer, auch -becher 
(s. Verlustliste Nr. 91 : Isselbechor aus 
Isselbach , wo demnach die Zusammen- 
gehörigkeit recht in die Augen springt). 
Eberspecher neben Eberspacher (Mün- 
chen). — Oumbecher. Eschenbecker. 
Leutbecher, Merschbecher. Nufsbecher, 
Odenbecher, Rohrhecher, Schnecken- 
becher. Seidenbecher. Steinbeeher. 
Stürxelbecher. Weidenbecher. Witten- 
becher. 

Zu diesen sämtlichen N. finden sich 
entsprechende ON. wif -bachin Rudolphs 
Lex. Dementsprechend wird auch 
Holxhecher abzuleiten sein, da es 
mehrere 0. Holzbaoh gibt, obwohl der 
N. auch von einem Geräte abgeleitet, 
„(der mit dem) Holzbecher", einen 
guten Sinn ergäbe. 

(In Bayern und ÖsteiTeioh begegnet 
mitunter -beck, -bock für -bach 
(-bacher) als FN., so Hotxheck^ Aden- 
bock, Deisböck, Waitxenböek s. Steub 
S. 146). 

-baeher, -bäeher s. Bach. 

Bäek 8. BecL 

Backe s. a) Bad (einst. E.) b) Bag c) Bald 
(einst. K.). 

Bäcker s. Becker. 

Backfisch III. „Fisch zum Backen d. i. Brat- 
fisch *'. 

Backhaus III. „der am (oder im) Backhause 
wohnt". Niederd. ÄwÄ^Äw« (S. 54, Anm. 2). 
Doch gibt es auch ein Dorf Backhaus (im 
Rbz. Koblenz). 

Backmeister III. auch Baemeister, mhd. 
bachmeister „Aufseher der Bäckerei", Ober- 
bäcker. („Lütke oder Lüdeke, d. L Ludwig 
Willens war oberster Bäcker bei dem Herzog 
von Braunschweig zu Lüneburg, und da er 
hiernach aller andern Bäcker Meister war, 
so wurde er von den Hofleuten gemeiniglich 
„Lütke Backmeister" genannt. Sein Fürst, 
als er dies hörte, befahl, daß er und seine 
Nachkommen diesen N. immer als einen 



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Bad 



Bald 



105 



Geschlechts- and Zunamen fähren soUten^S 
Adolf Bacmeister, Germanist Kleinigkeiten). 
BAD I. zu altnord. bodh, angels. beado 
„ Kampf ^^, die ein ahd. patu yoraussetzen 
(8. 14). 
FN. Patager: Bagger — Bäitger. 

Bathari: Bader, Baader — Bäder — 

Päder — Better. 
(Baduman): Bakmann — Betkmann, 
Badomar: Battmer — Bammer — 

Pammer, 
(Badold): Baddt — Bathelt. 
Einstämmige Kürzung Bad-. 
Bado, Pato: Bade — Pahde — Bathe; 
Baath — Patke — Beede — Bethe — 
Päthe. 
Patr. A. Bading. 

Vklf. (l) PatUo: Padell — Pätel — 
Bathel (k) Badacho: Badeke — 
Battig — Backe — Bätke — Bethge 

— Pethke. (z) Pazzo, Bezo: Batx 

— Patxe — Batsck — Baatx, 
(z + 1) Bezilo: BatxeL (z + k) 
Bezeco: Patxke; Patxig, 

Zweistämmige Kürzung Badb-. 
Babo, Papo: Pape (doch s. auch Pfaffe) 
— Babbe, Patr. A. Papinga (ostfries.). 
Vklf. (1) Babilo: Bebet, (k): Papke 

— Päpke. 

Bad- s. Bad (Y., einst K.). 

Badenheuer s. Bardenheuer. 

Bader a) L s. Bad (V.) b) III. urspr. der, 
welcher den Badenden bedient, dann „Be- 
sitzer einer Badestube^^ (Hans Paders Pad- 
stuben 1437 Bacm.). Derselbe schor auch 
den Bart (Vgl. Badstüber). 

BXder s. Bad (V.). 

Badsttlber III. Die . öffentliche Badestube 
(ahd. stuba, mhd. stube aus lat stnpa „heiz- 
bares Zimmer^), wo auch zur Ader gelassen 
und geschröpft wurde, spielte fiüher eine 
große Rolle im städtischen Leben, sie war 
vielfach der Mittelpunkt, an welchem sich 
Bürger zur Besprechung städtischer Ange- 
legenheiten versammelten. Daher zahlreiche 
FN., die auf Besitzer solcher Badestuben 
zurückgehen : 

Badstüber (Wien); Badstüber (wie es 
auch „Badstüberstrafien" gibt — merk- 
würdig entstellt (sächs.) Patfchdieber, 



Dann geteilt 1) Bader, 2) Stüber — 
Stieber — Steuber — Stoiber (östeiT.). 
Niederd. : Siöber — Stöwer (Gott. ÜB. 1383 : 
Stovere). 
Mit dem n der schwachen Bildung: 
Badstübner — Stübener — Stöbener. 
BAG I. zu ahd. bdgan „streiten". Bagodeo. 
FN. (Bagarih): Beyrich, 
Einstämmige Küi'zung Bag-. 
Bago, Bacco: Bage — Backe — Baacke — 
Bach — Pack, Gen. Backes — Bax, 
(Doch s. auoh Bald u. Bad). 
Bagrger s. Bad (V.). 
Bahl- s. Bald (V., einst K.). 
Bahmann s. Bad (V.). 
Bahr- s. 1) Ber (einst K.) 2) Borin (V., 

einst K.). 
Bahr- s. Ber (einst K.). 
Baier EI. „der Baier*. Auch Bayer, Beyer 
— Peyer, 

Vklf. Beierle. 
Baintner s. Bund. 
Bakker s. Becker. 

BALD I. got. balths, ahd. pald, bald, mhd. 

halt „kühn'* (jetzt nur noch Umstandsw. 

„bald"); vom deutschen entlehnt ital. baldo. 

FN. Baldhard: Äjr/fer<— Ä)«eW —PoUart; 

Poliert — Bohlert. 

Baldher: Balter — Baller — Bolder 

— Boller — Poller — Böller. Patr. 
A. Baldring. 

Paldhram: Paldramus — Peldram. 

Baldroh: Poltrock. 

Baldmann : Baldemann — Bahlmann 

— Boldemann — Boldtmann — 
Boümann — Pollmann — Bahl- 
mann. 

Baldemar: Ballmer — Palmer — 

PoUmar — Bellmer. 
Baidarich: Baldrich. 
Paldewait: Bollward. 
BalJwig: Balltceg ; Balwey— Bolluöck. 
Baldavin: Baldeicein — Bolwin, Boll- 

tcien — Polltcein — Bullwein. 
Baldulf: Baldauf — Baüuf\ Ballauf 

Pallauf (h&yr.) — Waldauf (Goü- 

schee, wo b u. w mundartl. wechseln) 

— BoUuf 

(Baldawan): Boüwahn — Bolduan 
(Boldewan 17. Jh.). 



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106 



Balke 



Barnert 



Einstämmige Kürzung Bald-. 
Baldo, Ballo: Bälde; Bald ^ BaU — 
Bohl — Pohl — Bolde — BoÜe — 
mite — Bolle — PoU — Bohle — 
Bohl Gen. Baldes — Bolten — Bohlen. 
Pati*. A. Baidung: Balling — Bolling 

— Böüing — Böhling. 

Vklf. (k) Baldiko, Bolko: Balke - 
Backe ^ Baake (s. Staik S. 73; nord- 
fries. Backe = Baidicke) — Bolke 
— Böldicke; Böldge — Böhlke 
Bölk — Bock (8. auch Burg). Patr. 
A. Böcking. (k + 1); Bockel - Böckd. 
(z) Balzo: Balxe — Balleis ^BoUxe; 
BoU (BoUxmatmJ — Poh. (z + 1): 

Auslautend 199 mal Förei): 
'bald: Sebald. 
'hold: Siebold. 

'pold: Seypold — selten -polt: Seepolt. 
'blot: Humblot. 
'bell: Liebelt, 
'pelt: Leipell. 
'ball: Niedball 
'bol: Sambol. 
'bei: SybeL 
'pel: Seyppel. 
'bet: Oerbet, Siebeth. 
•bt: Seibt. 

Balke s. Bald (einst E.). 

Ball- s. Bald 0''-, einst. K). 

Ballester III. „Armbrustscbütze**. (Vgl. alt- 
franz. arbalestrier.) 

BallBchmleter UI. niederd. (Rügen) „Ball- 
werfer*. Auch Balschmieder. 

Balster s. Balthasar. 

Balter s. Bald (V.). 

Balthasarll. Beltschazar, Belsazar, (babyion.) 

„sein Leben schirme*, einer der h. drei 

Könige, wozu die Legende die Weisen aus 

dem Morgenlande gemacht hat (Kai. 6. Jan.). 

FN. Balthasar. Zsgz. Balxer (als VN. noch 

im 18. Jh.: Baltzer Bruswitz 1870 KB.) 

— Balster. Gen. Balster s (ostfries.). 
Mit Kürzung im Anlaut: Hauser (bayr.). 

Balwey s. Bald (V.). 

Balze s. Bald (oinst K.). 

Balzer s. Balthasar. 

Bammer s. Bad (V.). 

BAND I. zu langobard. bandu „Kriegsbanner", 



vgl. ahd. pant, baut, mhd. baut, Band (doch 
ist auch altsächs. baut, ahd. panz „Gau*^ 
in Betracht zu ziehen). 
FN. Bandhard : Bannert — Bendert. 
(Bandheri): Pander — Bender, 
(Bandmar): Bandemer. Vklf. Pemmerl. 
(Bandold): Bandhold. 
Einstämmige Kürzung Band-, 
Bando: Bando — Bante — Bonne (fries.). 
Patr. A. Banning — Panning — Ben- 
tinck. 

Vklf. (1): Bändel (Bandelmann); 
Bandle — Pandel — PanteU — 
Bantel — Pendele — Bendel: 
(1 + n): Bandelin. (k): Bandich — 
Bantke — Panneke. Gen. Bantjes 
(ostfries.). (z) Panzo, Benze: Panlx 
— Pantsch — Banse — Bern — 
Bense (Bensemann), (z + 1) Patr. A. 
Benxler — Benseier, 

Bann-, Banse, Bant- s. Band. 

Baptista II. griech. „der Täufer""; St Johan- 
nes der Täufer. 
FN. Baitist. 

Bar-, Bär- s. 1) Ber (V., einst. K.) — 
2) Berin (V., einst K.). 

BARD I. ahd. barta „Barte*" ( Axt) — altnord. 
bardi „Riese"" (mischt sich mit beraht). 
FN. Bartholf: Bardolph. 
Einstämmige Kürzung Bard-. 
Bardo: Barde — Bahrdt. 
Vklf. (1) BardUo: Bardel. 

Bardelmes s. Bartholomäus. 

Bardenhener IIL „der Barten (ahd. parta, 
mhd. harte, Beil, Streitaxt) zuhaut"", an- 
fertigt. Entstellt: Bardenheier; Badenheuer. 

Bardolph s. a) Beraht (V.) b) Bard. 

Barends s. Berin (V.). 

BMrenfMnger III. s. S. 41 — auch allgem. 
„Bärenjäger"", da Bäienfang nicht bloß die 
angelegte Grube bed., in welcher sich B. 
fangen sollen, sondern auch überhaupt die 
Bäi-enjagd. 

Bttrens s. Berin (einst. K.). 

-barf , -bargen s. Berg. 

Barfuß III. (schon im 12. Jh.) — Par/uß 
(österr.). Niederd. barft aus barfot, dah. 
Barfknecht. 

Bargmann s. Bergmann 

Barnert s. Berin (V.). 



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Bart 



BauermanD 



107 



Bart in. der „Barths Choorad Mitembart, 
Gb. cum barba 13. Jh. Vgl. auch Eberhard 
im Barte ^ H. Ludwig mü dem Barte, 

Seit dem 12. Jahrb. ward (nach Schultze 
Modenarrheiten 8. 43) das glatte Gesicht die 
Regel, und alle Bartformen waren Ausnah- 
men, besonders bei hohem Alter und hoher 
Würde (der Fürsten) sich findend. Daher 
muBte ein bärtiges Gesicht um so mehr 
auffallen und konnte um so eher zu einem 
Beinamen Veranlassung geben. 

Erst während der Reformationszeit begann 
man allgemeiner den Bart wachsen zu lassen, 
und während des dreißigjährigen Krieges 
war derselbe in den mannigfachsten Formen 
Mode. Als solche zählt Moscherosch auf: 
Zirkelbärtely Schneokenbärtel, Jungfrauen- 
bärtel, Dellerbärtel, Spitzbärte), Enten wädele, 
Sohmalbärtel, Zuokerbärtel, Türkenbärtel, 
spanisch Bärtel, italienisch Bärtel, Sonn- 
tagsbärtol, Osterbärtel, Lillbärtel, Spill-, 
Drill-, Schmutzbärtel, Stutz-, Trutzbärtel 
usw. 

FN. Bart, Barth, — Zss. Breitbart, 
Buntebarth. Flachsbart, Judenbart, 
Rauschbart (vgl. Eberhard der Rausche- 
bart). Rothbart, Schlitxbart, Schmal- 
bart, Sehweixerbarth, Spitxbart („Ever- 
hardus der Spizebart'' Stark S. 153). 
Weifsbart. 

Bart- s. Beraht (V., einst. K.). 
-bart s. a) I. Beraht b) in. Bart. 
Barte! s. a) I. Beraht (einst. K.) b) n. Bar- 
tholomäus. 
Barth a) I. s. Bard b) I. s. Beraht c) m. 
„der mit dem (langen) Barte** (Golz mit 
dem Barte 1327) — auch ON. 
Barthol s. a) I. Beraht b) IL Bartholomäus. 
BarthoIomSos IL hebr. „Sohn des Tolmai"; 
Apostel. (Kai. 24. Aug.) 
FN. Bartholomäus — Bartelmus •— Bar- 
thelmefs — Bardelmes — Bartlme, 
Gen. Bartholomä •— Barthohney. 
Gewöhnlich wegen seiner Länger in zwei 
Hälften zerschnitten: \) Barthol; Bärtel 
(vgl. Schweiz. Bartli, bayr. Bartl). 
2) Mewes (mit eingeschobenem w, vgl. 
niederd.Bartelmeews,Meewsdag : 24. Aug., 
up ollen Bartelmeiwes: 5. Sept nach 
dem alten, julianischen Kai. Berghaus, 



Sprachschatz der Sassen); Mews — 
Möwes; Mötcs — das w in b verhärtet: 
Mebus; Mebes — Möbus; Möbes. Latinis.: 
Mevius — Möbius, Patr. Zss. Metcissen, 

Bartseh, Bärtsehi s. Ber (einst. K.). 

Barz a) L s. Ber (einst. K.) b) III ON. 
(in Mecklonb.). 

Basler III. „einer aus Basel"^. Auch Basier, 

Basstlner III. mhd. busünaero, mittolniederd. 
basüner „ Posaunenbläser **. 

Bast- s. Sebastianus. 

Bastineller III. (Tirol) „einer aus Bastianello''. 

Bath-, Bätke s. Bad (einst. K.). 

Batt- s. Bad (V., einst. K.). 

Bttttirer s. Bad (V.). 

Batseh, Batz- s. Bad (einst K.). 

Baaeh IIL in einigen Zss.: Breitetibauch 
(der mit dem br. B.). Gutschebauch. 
Schmerbauch, 

Baaek s. Baug. 

Baadlssin, von III. altes lausitzisches Adels- 
geschlecht, Stammort Bautzen (früher Bau- 
dissin). 

Bauer in. mhd. bür (auch büwaere, ahd. 
püäri, büÄri) „der den Acker baut", Gegen- 
satz zu herre (Ritter), später auch zu bur- 
gaere. 
FN. Bauery in älterer F. Baur. Südd. 
Paar; Pauer, Niederd. Buhr — in 
Ostfriesland mit Artikel de Buhr, in 
holländischer Schreibung de Boer (S. 40). 
Vklf. (1): Bäuerle (schwäb.); Bauer- 
lein, 
Zss. (bes. zahlreich im eigentlichen Bayern): 
mit Vornamen: Christibauer, Kaspar- 
bauer — mit Eigenschaften: Jungbauer, 
Neubauer; -pauer; niederd. Niebuhr — 
nach der Beschaffenheit des Hofes: Groß- 
bauer, Hallbauer; niederd. fla/^wer (Halb-) 
— nach der Lage: Bruckbauer. Kreux- 
bauer, Oberbauer; Oberpaur, Mitter- 
bauer, Holxbauer; niederd. Holtbuer, 
Moosbauer (Moor-). Seebauer — nach 
den Erzeugnissen: Rosenbauer, Ruben- 
bauer (Rüben-). Gerstbauer, Waitxen- 
bauer — nach der Zugehörigkeit und 
Verpflichtung: Hoff bauer; Hofpauer, 
Kirchenpauer, Königsbauer. 
Bauerfeind s. Baurenfeind. 
Baaermann, (ostfries.) Boerma, 



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108 



Banermeister 



Beoherer 



Bauermelster III. vom mhd. bur Wohnung, 
eine städtische Obrigkeit =„Bürgerinei8ter*, 
auch auf ländliche Gemeinden angewandt 
(z. B. in der Umgegend von Münden in 
Hannover, Pauli II, 27). 
FN. Burmeüter — Baurmeister; Bauer- 
meiater. Niederd. Burmester (mit langem 
e in der mittleren Silbe). 
BAUG I. ahd. pouc, mhd. bouo ,,Ring*^, 
Spange für Hals, Haupt oder Arm, von 
biugan „biegen*^. Die bouge waren ein sehr 
begehrter Schmuck für Frauen und auch 
Männer. Baugulf 8. 

FN. Bougrat: Peukert 
Einstämmige Kürzung Baug-. 

Bauco: Batike; Bauek •— Pauek. Gen. 
Baukesi Bauken, 
Baum III. ahd. poum, boum, mhd. boum, 
altssächs. bom , mittels dativischer Ellipse zu 
ON. verwendet, zuerst im 11. Jh. in Buden- 
bomen — gegenwärtig nicht viel unter 200 
bewohnte 0. auf -bäum in Deutschland 
(außerhalb Deutschlands z. B. Oraoienbaum). 
Andere FN. sind durch Häusernamen ver- 
mittelt, wie ein Haus „ zum Mulboum ^ 1315 
zu Mainz, im 12. Jh. zu Basel war (s. Bück, 
oberd. Flurnamenbuch S. 176 unter Maul- 
beerbaum) — noch andere sind unmittelbar 
vonden Baumnamen abgeleitet ; eine Schei- 
dung istx schwer durchzuführen. 

Vgl. Henr. Nuzboum 1223. Hinrik Hei- 
sterbom 1413. (Franz. Cerisier, Poirier). 
FN. Baum. — Zss. Äpfelbaum. Birn- 
baum. Eichbaum; Eichelbaum. Esch- 
baum. Orünbaum. Holderbaum; Hol- 
linderbaum. Honigbaum. Kienbaum. 
Kirschbaum. Krähenbaum. Kriechen- 
baum. Nußbaum. Pappelbaum. Pfraum- 
baum. Quittenbaum. Rosenbaum. ScfUöh- 
baum. Weidenbaum — 

halbniederd. : Appelbaum. Beerbaum. 
Blöbaum. Busenbaum. Dannenbaum. 
Kassebaum. Kreikenbaum. Nottebaum; 
Nuttebaum — 

ganz niederd.: Böhm. Beerboom. 

Cassebohm. Dannenbohm. JAndeboom. 

Noitebohm. Plumbohm. Rosenbohm. 

Ableitung auf -er (Conrad Holderbäumer 

1285. Heinr. dict. Kirsbaumer 1297). 

1) Baumer (z. B. von dem 0. Bauma im 



Tößtal, Schweiz. Tobler- Meyer). Bier- 
baumer. Eschbaumer (Münch.). Kerseh- 
baumer (tirol.). Nußbaumer. 

2) Bäumer. Ältenbäumer, Brinkbäumer. 
Hägerbäumer. Hasenbäumer. HoUinder- 
bäumer. Stroihbäumer — alle in West- 
falen, wo auch mehr vereinzelt 

3) niederd. -bömer: Burgböhmer. Stein- 
bömer. 

Baum III. zur Bildung von Gerät- N. im 
Sinne von „ Stange , Balken * — bes. „Schlag- 
baum" (lipp. Reg.). 

FN. Heubaum. Leüerbaum. Maibaum, 
niederd. v. Meibom. Sehierbaum. Sehur- 
baum (wenn = Schürbaum). Schnitzel- 
bäum. Wallbaum. Wiesbaum. Zugbaum. 
Banmanii III. mhd. büman „Ackerbauer*'. 
(In manchen Gegenden Pommerns die For- 
mel: „der ehr- und achtbare Bau mann 
und Wirt" in Grabschriften bis in die 
Gegenwart herein die stehende Bezeichnung 
des bäuerlichen Besitzers.) 
FN. Baumann. Niederd. Bumann (Eutin). 
Paumann (südd.). 
BSumer III. „Inhaber oder Anwohner eines 
Schlagbaums an der Grenze oder Zollstätte' S 
Niederd. Böhmer (Preuß, lipp. FN. S. 32). 
Gen. Beunwrs (niederrh.). Zss. Sehucken- 
6Ä'um6r (Johannvor dem Schuckenbomel 507). 
Baumstark III. „stark wie ein Baum". 
Banrenfeind III. der „Bauemfeind", vgl. Joh. 
Purenfint 1348. Heintz v. Redwitz, Bawrn- 
feind genannt 15. Jh. 
FN. Baurenfeind; Paumfeindt (vermut- 
lich daraus des Übeln Sinnes wegen um- 
geändert: Bauemfreund) — Bauerfeind. 
Bax s. a) Bad (einst. £.) b) Bag (einst K.). 
Bayer UI. der Bayer, mit dem altertüm- 
lichen y, welches auch in der amtlichen 
Schreibung des Volks- und Landesnamens 
in Bayern immer noch festgehalten wird. 
(Vgl. aber auch beier, baier <=» Eber 
Grimm DW.) 
Bebel s. Bad (zweist. £.). 
•beeher s. Bach. 

Beeherer III. Verfertiger hölzerner Trink- 
gefäße, der Becher (ahd. bechar) und der 
Schleifkannen. Förstemann , Progr. S. 4 (der 
hinzufügt, daß die Nordhäuser Güde der 
Becherer im 15. Jh. verschwunden sei, ver- 



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Beoht 



Benediotos 



109 



umtlich weil nun die metallenen und glä- 
sernen Trinkgefäße mehr in Gebrauch ge- 
kommen). 
Beeht- s. Beraht (V., einst E.). 
Befk III. ahd. peccho, mhd. becke, aus der 
Sohriftspraöhe durch ^ Bäcker* rerdrängt; 
in oberdeutschen Mundarten noch jetzt der 
„Beck«, Mehrh. die ^Becken*. 
FN. Beck, Beckh, Back (München 1876: 
49 mal Beck, nur 17 mal Becker). 
Zss. (8. 44). Brodbeck (mhd. brötbecke). 
Fesenbeck. Hofbeek. Jungbeck. Klein- 
beck. Kombeck („Korn* hier wohl in 
dem engeren Sinne von Roggen). Sauer- 
beek. Täglichsbeck. Wasserbächi^xurit 
— vgl. Bertram der Waterbeck 1379 
lipp. Reg.). 
-beek s. 1) Bach 2) Beck. 
Beekenhube UI. „Pickelhaube*, vgl. Peckel- 
hub 1434. Übrigens 1610 in Wiüdsee eine 
Wirtschaft „zur Beckelhaube*. 
Beeker UI. ahd. bakäri, mhd. becker der 
„Bäcker*\ 

FN. Becker (mit seltenen Ausnahmen noch 
in der alten Schreibung mit e), hin und 
wieder Bekker, welches auf niederlän- 
dische Einflüsse zurückzugehen scheint 
(s. Dekker). In Ostfriesland auch ohne 
Umlaut: Bäcker, Bakker (Borkum), vgl. 
neuniederl. bakker. Oen. Beckers (nieder- 
rhein.). 

Zss. 1) nach der Art des Gebäckes: 
Kuchenbecker, Semmelbecker, Stollen- 
becker. Weckbecker, Weißbeeker — 
2) nach der Art des Backens und dem 
dabei verwendeten Geräte: Koklen- 
becker. Pfannenbecker, Waterbecker — 
8) nach Unterschieden, die in der Person 
des Bäckei*s seihst liegen : Jungbecker. 
Neubecker; niederd. Niebeeker. 
-beeker s. a) Becker b) von ON. auf -beek, 

z. B. Walbecker. 
Beekert, Beekhardt s. Big. 
Beede s. Bad (einst. K.). 
Beelke s. Bil. 

Beer- s. 1) Ber (V.) 2) Berin (einst. K.). 
Beerboom III. niederd. „Birnbaum*. Halb- 

niederd. Beerbaum, 
BeethoTen III. (flam.) „Rübengarten*. Ltid- 
wig van B. 



Behl- s. Bil. 

Behm s. Böhme. 

Behn- s. Berin (Y., einst E.). 

Behr- s. Ber (V., einst. K.). 

Beiderbeeke III. halbniederd. „bei dem 
Bache*. 

Beiderlinden III. „bei der linde*. Conradus 
apud tiliam 1313. Andreas under der Linden. 

Beiderwiden in. „bei der Weide*. 

Beierle s. Baier. 

Beil a) I. s. Bil b) lU. mhd. lll das Werk- 
zeug, mit den Zss. Breitbeil. Eisenbeil. 
Klingbeil (Elemp. Klinckebü). 

Beilhardt, Beilingr s. Bil. 

Beimgrraben III. „beim Graben*. 

Bein a) I. s. 1) Win : Widebein 2> Berin. 
b) in. das EÖrperglied, in mannigfachen 
Zss.: Dünnebein. Einbein. Hochbein; 
Hobein. Holbein; Hohlbein. Huckelbein. 
Klapperbein. Krummbein. Langbein. 
Löffelbein. Schönbein. Streckbein — be- 
sonders auch nach Tieren: Hasenbein. 
Hühnerbein. Kuhbein (vgl. Kuhfuß). OHer- 
bein. Vosbein. Ziegenbein. 

(Doch Schiefelbein ist ON., Städtchen in 
den früher zur Neumark gehörigen Teilen 
Pommerns — und in süddeutschen ON. tritt 
nach Bacmeister S. 23 bisweilen bein an 
Stelle von -beund = bünd.) 

Beinhauer m. der «Fleischer* (Enochen- 
hauer). 

Beiuk- s. Berin (einst. E.). 

Beißenhirz III. Satz-N. „beiß den Hirsch*, 
wohl einen eifrigen Jäger bezeichnend. Auch 
Beißenherx. 

Beke III. niederd. „Bach*, in Bekemeyer. 

Bell- s. 1) Bil (V., einst. E.) 2) Bald (V.). 

Bellaehini, Zauberkünstler aus dem Posen- 
schen, namens Bellach, der sich — durch 
bloße Geschwindigkeit, ohne Hexerei! — 
in Bellachini veritalienert hat. 

Bellmer s. Bald (V.). 

Benek s. Berin (einst. E.). 

Bend- s. Band. 

Bender s. a) I. Band b) UI. Binder. 

Benditt, Bendix s. Benedictus. 

Beneeke s. Berin (einst. E.). 

Benedietus II. lat. „der Gesegnete* ; Benedict 
von Nursia, Stifter des Benedictiner- Ordens 
im 6. Jahrb. 



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Benhelm 



ßercht- 



FN. Benedict; Bendiit; Benedick—Bene" 
dix; Bendix. Gen. Bendixen. — Südd. 
Patr. Benedicter. 
Mit Kürzung im Anlaut: Dictus; Biet — 
Dix. 
Benhelm s. Berin (V.). 
Beningr s. Berin (einst E.). 
Benk- s. Berin (einst E.). 
Benn- s. Berin (V., einst E.). 
Bens-, Benz- s. 1) Band (einst E.) 2) Berin 

(einst. E.). 
BER I. ahd. bero, mhd. bere «Bär*^, ehemals 
in der Anschauung des Nordens König der 
Tiere. 

FN. Berhard: Berardt. 
Berachar: Behrer, 

Perlaic, Berlah: Berlich, Berleek; 
Berlach — Barlach — Bierlich; 
Bierliek, 
Berman: Bemumny Behrmann, Bär- 

mann — Ba>armann, 
Bemot: Bemot — Biemoth. 
Paradeo: Bardey — Parthey. 
Beroald: Bärwald — Berold; Beer- 
hold — Börold — Beriet mit der 
Zss. Qtäberlet — Berlitt; Berit — 
Perlett — Biehrhold — Pyroldt. 
Gen. Berholx — Bierhoh. 
Beroward: Berward; Beerwarth — 

Bierwerlh; Bierwirth (Preuß 8). 
Beriwich: Barwig. 
Berewin: Berwin — Bärwein, 
Berulf: Bärwolf, 
Einstämmige Eürzung Ber-. 
Bero: Behre; Bär, Bahr — niederd. 
Bahre; Baar, Gen. Behre — Bahre. 
Patr. A. Bering; Bähring — Pering — 
Berring — Baring — Biertmg. 

Vklf. (1) Berilo: Berle — Perl — 
Bierl — Birle; Birla. Patr. A. Perling 

— Bierling. (l-\-n) Bärlein. (k)Berico: 
Berke — Bährecke — Bierig. Patr. A. 
Berking. (z) Berzo, Bezzo (Stark S. 86 

— doch auch für beraht S. 84. 87): 
Bertx — Pertx — Pertfch — Betx 
(Zss. Schmidtbetx) — Petx (dah. Bei- 
name des Bären) -— Pätfch — Barx 

— Bartsch — Bärtfchi (Schweiz.). 
(z+1): Betxel — Petxel — Bessel. 

Ber- s. Ber (V., einst E.). 



BERAHT I. got bairhts, ahd. peraht, beraht 
mhd. perht, berht ^glänzend". 
FN.Perahtgar: Präehtker. 

Berhthari: Brechter — Präehier — 
Berchter — Bechter — Bertermann. 
Berahthoh: Bertog; Bertueh. 
Berahtram: Bertram; Berirab — 
Bartram. Gen. Bertrams (nieder- 
rhein.). 
Berehtmar: Bartmer. 
Bertrand: Bertrand. 
Berahtold: Berchtold — Berthold; 
Perthold (öst); Berthelt — Bechtold 
— Pechtold — Barthold; Bartelt; 
Barthlott; Barthol; Bartel. Gen. 
Bartholx; Bartheides — latinis. 
Barth^ldy. 
Perahtolf : Bertleff — Bechtolf; Beck- 
dolf — Bardolph. 
Einstämmige Eürzung Beraht-. 
Perhto, Berto: Bercht, Bergt — Brecht 
— Precht — Berthe; Bert — Beeht — 
Pecht — Bracht — Pracht — Barthe; 
Bardt (Brecht, Bracht auch ON. s. Brach). 
Gen. Berthes — Perthes — Bartens. 
Vklf. (1) Pirahtüo: Brechtel — 
Berthde; Berti — Bechtel — Brachtl 

— Prächtel — Bartel. Gen. Bartels 

— Bartela (ostfries.). Patr. A. Bert- 
ling — Bartling, Barttlingck. (k): 
Bartke; Barttig. Q&n.Bertges. Patr.A. 
Brechtker (Preuß S. 19). 

Auslautend (388 mal Forst): 
'brecht: Älbrecht. Gen. -breohts: Lam- 

brechts. 
' precht: Lamprecht, 
'prieht: Limpricht. 
'bracht: Allebracht, 
'berath: Hilberath. 
'brath: Hilbrath. 
'brod: Milbrodt. 
'bert: Albert. Gen. 'berts: Egberts, in 

anderer Schreibung -x (tz): Limbertx. 
'pert: Euppert. Gen. -pertx: Roppertx. 
'brett: Odebrett. 
'bart: Herbart. Seg barth. 
'ber: Eyber. Gen. 'bers: Dübbers. 
'per: Lemper. 
'bahr: Osbahr. 
Bereht- s. Beraht (V., einst K.). 



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Beren- 



Berken- 



111 



Beren- s. Berio (Y., einsi K.). 
BersT in. ahd. perc, bero, mhd. berc — 
neuhochd. ist -berg in ON. die vieltausend- 
fach belegbare F. Daneben die dativische 
F. -berge mit ursprünglichem Verhältnis- 
wort XU (2e): ze dem Witten (weißen) berge, 
daraus Wittenbei-ge. 

FN. Van dem Berghe (van deme Berghe 
1383. Gott. ÜB. I. Vgl. franz. Dumont). 
Zum Berge, auch Zumherge, Bass, Berge; 
Berg, Bergk, Zss. Bergemann; Berg- 
mann (doch dies natürlich auch Oe- 
werbs-N.). 

Die zusammenges. FN. auf -berg über- 
bieten selbst in Niederdeutschland die von 
andern Ortsbezeichnungen abgeleiteten an 
Häutigkeit; so zählt HofiFmanns hannover- 
sches Namenbuch über 1(X) FN. auf -berg, 
während -dorf nur 38 mal, -feld 35, -hof 
29, -bach 19 mal vertreten ist 
V. Äuersperg. Blumberg, Chlingenaperg 
(Münch.). Dannenberg, v, Qotiberg. 
p. Hertxberg, Lindenberg, Nürnberg, 
Schönberg, Wittenberg. 
Das -e der dativischen F. fällt in den 
FN. regelmäßig ab, so daß nur die 
Biegung des Eigenschaftswortes (Witten-, 
Schwarzen-) noch den ursprünglichen Dativ 
des ON. verrät. Nur vereinzelt findet es 
sich hier noch, namentlich in loserer Zu- 
sammenfügung, wie Schulze - Overberge 
(westf.). 

Dagegen bleibt die dativische Mehrheit 
auf -en unverändert: Oandesbergen, 

Niederd. -barg (vereinzelt): Morbarg, 
Wienbarg, Wittebarg, — Hasbargen (0. 
-bergen in Hannov., Oldenb.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 
1) 'berger: Berger, — Albrechtsberger. 
Frankenberger. Henneberger, Nim- 
berger (Wien). Würtemberger, 
^) 'perger (nach s): Baltensperger (Hof 
Baltsbeiig, Schweiz). Günter aper ger. 
Madlsperger (0. Madeisberg, Steier- 
mai'k). Hersperger, Heitmannssperger, 
Reiehensperger, Wolfensperger, 

Bergamenter III. „Bereiter von Pergament* 
mhd. pernünter. Bes. in Süddeutschland 
(fmher eine „ Permentergasse * in Nürnberg, 



Augsburg, Reutlingen), doch auch in Braun- 
schweig: Hinrike de permenterer 1406. 
FN. Bergamenter — Bermenter;Berminter, 

Berfemann s. Berg. 

Berger, -berger s. Berg. 

Bergmann ni. 1) s. Berg 2) der „Berg- 
mann". Niederd. Bargmann. 

Bergt s. Beraht (einst E.). 

Bergnndthal III. (Zürich 1886). 

BEIUN I. Erweiterung von Ber (Bär). 
FN. Beringar: Beringer — Berenger — 
Bröhinger, 

Berinhard: Bernhard — Pemhart — 
Bemert; Bemet (im „Etat der 
Bürgerschaft von St Oallen« 1854 
ist ausdrücklich angegeben, daß die 
dortige Familie Bemet früher Beiii- 
hard, auch Bemath geheißen. Steub 
S. 17) — Pemet — Bennert — 
Behnert — Bamert, 

Zsgz. Bährendt, Behrend (ent- 
stellt Bierente) — Bemdt (Zss. 
Qroßbemdt; Möllenbemd; Schöne- 
bemdt), Oen. Bernhards (lat Bern- 
hardt) — Berendcs; Berends, 
Behrenx — Barends — Bierentx, 
Berinher: Bemer — Pemer ^ Bamer 

— Benner, 
Bernhelm: Benhelm. 
Bemold: Bemhold — Bennold; Ben- 
hold. 
Einstämmige Kürzung Berin-. 
Bemq, Benno (Stark S.25): Beren, Bäh- 
ren ^Benne — Behn — Beine (PTeuß 10). 
Gen. Bürens (Zss. Braunbehrens) — 
Berns {Bemsmann), Patr. A. Beming 
— Benning — Bening. Oen. Bennenga; 
Beninga (beides ostfries.). Patr. Zss. 
Beerensson — Bemsen, 

Vklf. (i): Bemi. (k): Bemicke — 
Pennecke — Benecke — Penke — 
Benck — Bamicke, Gen. Behnken, 
Patr. A. Beinker (= Benekingk 1507, 
Preuß 10). (k+1): Bamiekel, (z): 
Bemtx — Benxe; Benx — Bense 
(Bensemann), (z-\-\): Bendel, Patr. A. 
Benxler — Benseier, 
Berk-, Berl- s. Ber (V., einst K.). 
Berken- = Birken, in N. wie Berkenkemper, 
•kotier, Berketneyer — Berkenbusch. 



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112 



Bermaoo 



Birohpfeiffer 



Bermann s. Ber (Y.)* 

Bermenter, Bemiinter s. Bergamenter. 

Bern- s. Berin (Y., einst E.). 

Berner a) I. s. Berin (V.) b) III. „einer aus 

Bern* (Tobler-M.). 
Bernklan, auch v, Bemolau III. „Bären- 

klaue*^. 
Bernstein III. häufiger ON. (urspr. meist 

Berinstein) — von Ä, Stammort B&renstoin 

im Erzgebirge. 
Berringr s. Ber (einst. E.). 
Bert-, Berth- s. Beraht (V., einst. E.). 
Berward s. Ber (V.). 
Bessel s. Ber (einst. E.). 
Besserdieh in. Satzname. 
Beth- s. Bad (V., einst E.). 
Better s. Bad (V.). 
Betz- s. Ber (einst. E.). 
Betulejos III. latinis. für Berekmann (betula 

die Birke). 
Bentier HI. „Beutelmacher**. Peuiler (Oott- 

schee). 
Beyrieh s. Bag. 

Biehl, Biehler, -biehler s. Bübel. 
Biek-, Bieek- s. Big. 
Biederkarken III. niederd. «bei der Eirche*'. 
Biedermann III. mhd. biderman ein „unbe- 
scholtener Mann , Ehrenmann". Biderbeman 

1262. 
)Bierel) -biegrel, -biegrler s. Bühel. 
Biegrholdt 8. Big. 
Biehl- s. a) I. Bil b) III. Bühel. 
Biehrhold s. Ber (Y.). 
Biel- 8. a) I. Bil b) m. Bühel. 
Bien(en)grttber Ul. der „Bienen aus hohlen 

Bäumen ausgräbt''. 
Bier III. ahd. pior, mhd. hier, das bekannte 

Oetriink (S. 46). Marquart Outpier 1450. 
FN. Bösbier, Dünnebier (Schwaohbier). 
Frischbier, Outbier. Mengdbier, Sauer- 
bier, Strengbier, Süfsbier, niederd. Söt- 
beer. Wannbier, Zuckerbier. Doch 
Qiefsenbier ümdeutung aus Oisembert 
(Preuß 7). 
Bier- soweit I. s. 1) Ber (Y., einst E.) 

2) Berin (Y.). 
Blerbanm in. „Birnbaum'^, mhd. birboum 

(ahd. pira, mhd. bir Birne). Ygl. Bierkamp 

(unter Eamp). 



Bierente III. „Bierbruder, Zecher**. Ygl. 
Bieramsel , - fink , - igel , - gans (doch s. auch 
Berinhard). 
Bietendttwel in. s. Bitdendüvel. 
Blfliurt 8. Bil. 

BIO I. ahd. pichan, mhd. bicken „hauen, 
stechen*. 

FN.(Bighard): Pickhardt; Piekert — 
Bickert — Beckhardi; Beekert — 
Peikert, 
Bigwal t: Biegholdt. 
Einstämmige Eürzung Big-. 
Bigo: Pigge — Piek — Bieck. Ykif. (l): 
Pickl — Bickel, 
BIL I. ahd. mhd. bil „Steinhacke, Streitaxt'^. 
Es scheint sich aber ein altd. Stamm bil 
„Billigkeit, Recht* damit zu mischen. 
FN.Bilifrid: Biffart. 
(Biligar): Biüger, 

(Bilhard): Bilhardt; Billert — Bielert 

— Beilhard — Peilert — Bellert. 

Gen. Bilharx — Pilartx — Beüharx. 

BUihar: BiUer — Biehler — Pieler — 

Behler, Gen. Bellers. 
Biliram: Pilgram. 
Belimar: Bümer, 
Einstämmige Eürzung Bil-. 
Bilo: Biet — PieU — Behl — Beil 
(teilweis). Patr. A. Billing — PiUing — 
Billung — Bieling — BeUing; Bellinga 
(ostfries.) — Beling — Beiling, 

Yklf. (k) PiUcho: BiUig — Bieliek» 
— Pielke — Beelke — Beilicke, (z): 
BilU — Pih, Patr. A. Piltxing. 
BUlgrer s. a) I. Bil. b) III. Pilger. 
-biller s. Bühl. 
BUtz 8. Bil (einst. E.). 
Binder III. mhd. binder der „Faßbinder, 
Bötticher* („Bindei^asse* in Nürnberg). 
Yl^, Binder — Pinder (oberd., vgl. „Pin- 
ter* in Marburger ürk., Reichel S. 31) 
— mit Abstumpfung des t ; Bender. Zss. 
Fafsbinder; Vasbender, Bittenbinder; 
Büdenbänder. Buchbinder; Buchbender, 
Bürstenbinder, Rehbinder. 
Bindsei] in. zu den Gerät- N. Ygl. auch 

Cunrad cognom. bintriemo 1339. 
Bir- 8. Ber. 

Birehpfeiffer Doppel -N. (S. 85): Charlotte 
Pfeiffer, Tochter des Eriegsrates Pf. in 



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Birkner 



Blomensohein 



113 



Münohen, verheiratet (1825) mit Dr. Biroh, 
die bekannte ciramatisohe Dichterin. 
Birkner III. «einer aus Birken*^. 
Birnbaiim III. s. Baum. (Heinr. von dem 
Birnbaum, genannt Heurious de Pyra. Köln 
14. Jh.) 
BIfehof m. aus griech.-lat. episcopus (Auf- 
seher), im Mhd. jeder höhere, auch nicht- 
christliche Priester (S. 42); im DW. auch 
spottweise ein „ Bierbischof '^. Petrus dictus 
episcopus 12. Jh. Selten Pifehof (Wien). 
FN. Bisehof, Büchoff, Gen. Bischofs, 
Eigentüml. F. Bischkop (wohl durch 
Vermittolung des slaw. biscup). 
Patr. A. Bischopink (Westf.). 
T. Bismarek III. von der zum ehemaligen 
Bistum Magdeburg gehörigen Stadt Bis- 
mark d. i. Bischofsmai'k (= Bistumsgrenze) 
im Er. Stendal. 
Bitdendttvel HI. 8atz-N. niederd. „beiß den 
Teufel" (S. 52). Auch Biedendüwel, Ähn- 
lich Schietdendüvel „schieß den T." 
Bittenbinder HI. „Büttenbinder"'. 
Bittner s. Büttner. 

Blane I. ahd. planch, blanch, mhd. blanc 
(von blinken) „blank, weiß*'. 
FN. Blanchard: Blankart. Gen. Blankarts 
— umgedeut Blankertx, 
(Blanchar): Blenker. 
Einstämmige Kürzung Blanc-. 

Blanche: Blancke; Blane — Planck — 
Bleneke. 
Blank s. Blanc. 

Blasins U. Bischof u. Märtyrer unter Dio- 
kletian. 

FN. Plafs (Plafsmatm) — Bläfs, Patr. A. 
Bläsing, 
Biatner, Biattner s. a) Platner b) vom 0. 

Blatten. 
Blatt in den Zss. Kleeblatt. Lindenblatt. 

Rosenblatt, 
Bled- s. Blid. 

Bleibimhaos lU. Satz-N. „bleib im Haus'' 
— Bezeichnung eines Häuslichen. Gegen- 
satz: Fleuchaus, 
Bleibniehtlanglll. Satz - N.,wohl Bezeichnung 

eines, der nirgend lange bleibt. 
Bleibtreu III. Satz-N. (S. 51). 
Bleiehert, Bleiek- s. Blic. 
Bieidt, Bleimer, Bleitz s. Blid. 

Heintze, Deatsolie Familiennamen. 2. Aufl. 



Blenker s. Blanc. 

Blendern HI. niederd. „Blühdom'' s. Dom. 
BLIC I. ahd. plich, blic, mhd. blic „Ucht- 
glanz. Blitz". 

FN. (Blichard): Blieehert - Bleickhardt 
— Bleichert, 

Blieger: Blieker, Gen. Bleickers, 
Einstämmige Kürzung Blic-: Blicke, 
BLED I. got bleiths, ahd. plidi, mhd. bilde 
„froh, heiter, freundlich". 
FN.Blidegar: Blediger, 
Blidmar: Bleimer. 
Einstämmige Kürzung Blid-. 
Blido: Blied — Plitt — Blede — Bleidt, 
Patr. A. Bliecking, 
Vklf. (z): BUitx, 
Blieeliert s. Blic. 
BUed- 8. Blid. 
BlieTerniclit III. niederd. = bliev dar nicht, 

j,ein Unsteter". 
Block IH. „vierschrötiger, plumper Mensch". 

Auch Blochtnann; Ploehmann, 
Bloem, Blohm, B15m- s. Blom. 
BLOM I. got. blöma, ahd. pluomo, bldmo, 
mhd. bluome „Blume", wohl auf Jugend 
und Kraft deutend. Blumarit 
FN.(Blomhard): Bluhmhard — Blümert, 
(Blomheri): Blömer — Blumer — 

Blühmer — Plümer, 
(Blomrich): Blumrieh, 
Einstämmige Kürzung Blum-. 

(Pluomo): Blohm — Blume; Bluhm — 
Bloem (6 Kleve). Gen. Bloems (ost- 
fries.). 

Vklf. (1): mumel, (1 + n): Blüm- 
lein, (k): Blömke — Blühmke — 
Plümicke, 
Blnlim-, BllUim- s. Blom. 
Bltthdom IH. zu den Pflanzen -N. Niederd. 
Blöhdom — Bleudom, entstellt Bleidom, 
Blnme a) I. s. Blom b) HI. bes. in Zss. wie 
Kambium. Schlüsselblum, — Blumenstiel, 
Blumenstengel. Blumenschein; Blumschein. 
— Plumenkron (öst.). 
Blum-, Blttm- s. Blom. 
Blnnienseliein III. mhd. bluomen schin „der 
Blumen Glanz und Schmelz". (Nach Bück 
S. 32 hübscher, leuchtender Blumenstrauß, 
als Wirtshausschild). 



8 

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114 



Blomenschmied 



Bogner 



Blnmensehmled in. der Schmied gegenüber 
dem Gasthof „zur Blume ^^ (Becker). 

Bob- 8. Bod (V., zweisi K.). 

Boek a) I. s. Bald (einst K.) — Bod (einst. 
K.) — Burg (einst. K.) b) III. zu den 
Tiemamen, vgl. Cunrat der Bock 1387. 
Vklf. (1 + n): Böcklin, 

Becker s. Bötticher. 

Boekhard s. Burg (Y.). 

B9ekel, BVekingr s. Bock a). 

BIkskler III. „der emen Schild (buckel) führt''. 
FN. Böckler — Püekler, 

BOD I. zu goi biudan, ahd. piotan, angels. 

beodan im Sinne von „gebieten , entbieten''. 

FN.(Bodebert): Bohardt — Popert Gen. 

Bohertx, 

Bodfrid: Boffert, 

Botthar: Boder — Böter — Buder — 

Butter — Büder, 
Bodomar: Bodemer — Bothmer — 

Bommer, 
Poterich : Bödrieh — Böttrich — Pütt- 

rieh — Püttrich. 
(Bodoald): Böthelt, 
(Bodewig): Bodewig — Bttdwig, 
Botolf: Puttloff. 
Einstämmige Kürzung Bod-. 

Poto, Buddo (VN. Bodo): Bode — Bothe 

— Pothe — Bott — Pott — Bude — 
Budde (Zss. Qroßbudde) — BiUte. Gen. 
Boden — Bote; Boten— Paten — Budden, 
Patr. A. Böding — Büding — BiUting, 

Vklf. (i) Bodi: Body, (1) Bodilo: 
Potel — Botel — Budel. (l + n) Bu- 
delin: Bodelin. (k) Poticho: Bodeck 
— Poddig — Pottke — Ä>&e (Eutin) 
Bödke — Böttge — Budig — Bud- 
deke — Bock, (z) Bozo: Botx — 
Butxe — Putfche — Busao (VN. 
Elemp.); Busse — Bosse, (z + l): 
Bötxcl, 
Zweistämmige Kürzung 1) Bodb-. 
Poppe (nach Andresen): Bohhe — Bopp 

— Bobe — Poppe; Poppe — Pöppl (bayr.) 
(Zss. Popma ostfries.) — Pappe — Puppe. 
Gen. Poppen (Zss. Kleinpoppen). Patr. A. 
Poppinga (ostfries.). 

Vklf. (1): Pappel — Babel — Pobel 
Böppli — Pappel, (k): Bobeck — 



Pöppig — Puppke, Gen. Popl;en 

— Puppkes, 
Zweistämmige Kürzung 2) Bodf-. 

BofFo (Stark S. 120): Buff^ Puffe; Puff. 
Zweistämmige Kürzung 3) Bodm-. 

(Bommo): Pomme. 
Auslautend (62 mal Forst.). 
-bode: Qerbode, 

'bothe: Qerbothe; -both: Oerboth. 
'poth: Niepoth. 
'bott: Meerbott. 
'pott: Qerpott, 
'bade (niederd.): Qarbade, 
Bod-, B(Ml- s. Bod (V., einst K.). 
BMdiker, Broker s. Bötticher. 
Bodenbinder III. „der einen Bretterboden 
legt" (8. Bodmer). 

FN. Bodenbender, Bodenbänder. Niederd. 
Boddenbender, 
Bodmer a) I. s. Bod b) III. von „bödmen", 
d. i. einen Boden (ahd. podam , mhd. bodem, 
das m noch bis ins 17. Jh. erhalten) von 
Brettern zusammenschlagen: ein Faß, ein 
Zimmer, ein Schiff bödmen. 
Boer s. Bauer. 
Boffert 8. Bod (V.). 

BOO I. ahd. bogo, mhd. böge „Bogen" (als 
Waffe), durch Gräberfunde schon für die 
älteste Zeit als germanische Waffe erwiesen. 
Kaum von Baug zu trennen. 
FN. (Bogehard): Bogenhard. 
(Bogold): Bögehald. 
Einstämmige Kürzung Bog-. 

Bogo: Böge — Böge — Boye, Gen. 
Bogena (ostfries.). 

Böge, Btfge s. Bog. 

Bogen III. in ON. auf eine Biegung, in 

der Regel eines Flusses od. Baches, gehend. 

FN. Bogen — Elbogen, 

Ableitung auf -er (oberd.): 

Bogner (der Bogenaere = der von 

Katzenellenbogen ,Waltiier ISOPfeiff.) 

— Bogner, 

Bogner IH. 1) einer aus Bogen, s. das Vor- 
hergehende 2) „Bogenmacher" DW. (eine 
„Bognergasse" in Wien; Marburger Gewerbe- 
Verz. Pogner). 

FN. Bogner —Pogner (Gottsohee)— Ä>^fi«r. 

In Schaffhausen , wo die Bogenschützen 

auf ihrer eigenen SchieBstätte den Sommer 



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Bohl- 



Brach 



115 



hindoroh die alte Waffe noch handhaben, 
übt auch ein „Bogner" sein Amt — In- 
standhaltung der Armbrust — noch heute 
aus. (Tobler- Meyer 1894). 

Bohl-, B51il- s. Bald (V., einst. E.). 

Btfhme III. einer aus „ Böhmen ^^ Conrad 
Bohemus 1281. 

FN. Böhme; Böhm — auch Behm (Hans 
Behem 1476, vgl. Behaim, mbd. Bebeim 
neben Böheim, den alten N. des Landes). 
Auch Böheim; Böhaimb — Beheimb. 

Bl^limer s. Baum — bes. „Inhaber oder An- 
wohner eines Scblagbaumes^. 

B5ke niederd. Buche, in Bökenkamp\ Böke- 
meyer usw. 

Bohnenblaest III. (schw.) „ Bohnenblüte ^^ 
(vgl. mhd. bluost Blüte). Bohnenstengel. 

Btfhringer s. Berin (V.). 

Bohse s. Bos. 

Bold- 8. Bald (V., einst. E.). 

Btfld- s. Bald (einst. E.). 

Bolke, B51k s. Bald (einst. E.). 

Boll-, B511- s. Bald (V., einst. E.). 

Bolt-, Btflt- 8. Bald (einst. E.). 

Bolte j Joachim B., Bürgermeister zu Wolgast, 
1675 von dem schwed. Eönige Earl IL 
geadelt: BoUe von Boltenstem, 

Bolwin s. Bald (V.). 

Bolz- s. Bald (einst. E.). 

B5miiek III. slawisch: ein ,,Böhme^^ 

-Mnier s. Baum. 

Bomhener in. niederd. „ Baumhauer ^' (s. 
•hauer). 

Bommer s. Bod (V.) — aber auch einer aus 
Bommen (Schweiz). 

Bonewendum III. (Ottweiler) aus ital. Bona- 
ventura. 

Bonne s. Band. 

Boos 8. Bos. 

Bopp, B5pp- s. Bod (z weist. E.). 

Borch-, B5rcli-, Borg- s. Burg I. (V.). 

-borg in. s. Burg. 

Borgers, B5rger s. Bürger. 

Borges s. Liborius. 

Borggreve s. Burggraf. 

Bork- s. Burg (V., einst E.). 

Bormann s. Burg I. (Y.). 

Born, -bom s. Brunn. 

B5rold 8. Ber. 

Borries, B5rries s. Liborius. 



Borstel s. Burgstall. 

Borz 8. Burg I. (einst. E.). 

Bofeh s. Busch. 

BOS I. ahd. bosi „böse" (feindlich). Bosulf. 
Einstämmige Eürzung Bos-. 
Boso 6.: Bohse; Boos — Pohse — Böse, 
Vklf.(l)Poa8ilo: Bösel. (k): Böske, 

Btfse a) I. 8. Bos b) III. vgl. Hinricus de 
Böse 1325) (Ilsenburg). 

Bosse 8. Bod (einst. E.). 

Bostel 8. Burgstall. 

Bot-, Both- 8. Bod (V., einst E.). 

Bötefllhr III. (Süderditmarschen) niederd. 
Satz-N. „zünde Feueran** (Heizer inSchmelz- 
öfen u. dergl. — doch auch Spottname für 
einen „Rotkop^). Auch Büteführ; verderbt 
Betiführ. 

Botel 8. Bod (einst. E.). 

Böter a) I. Bod b) III. ostfries. „ Heizer«, 
hell. „Eesselflicker". 

Böthelt s. Bod (V.). 

Bott s. Bod (einst E.). 

B»tt- 8. Bod (V., einst E.). 

B5ttielier IIL von Bottich, ahd. potacha, 
mhd. boteche, botege großes Holzfaß, zumal 
in Brauereien der „Bötticher"; altniederd. 
Bödeker. 
FN. 1) hochd. Bötticher; Böttcher — 
Böttiger; Böttger — Bottger — 
Pöttcher (oberd.) — Bettcher, 
2) niederd. (bes. im Nordwesten): 
Böddiker; Böddeker — Bödeker 
— zsgz. Böcker. 

Büttner s. Büttner. 

Böttrich 8. Bod (V.). 

Botz, B5tzel s. Bod (einst E.). 

Bovenkerk IIL (westf.) „(der) oberhalb der 
Eirche (wohnt)". Auch Bovenkerken. Vgl. 
Bovensiepen. Bovenstein. 

Bowenseholte IH. (westf.) „der Schulze oben" 
(s. Schulze). 

Boye 8. Bog. 

Brabandtlll. „einer aus Brnh&nV'^Brabänder. 

Braeb IIL ahd. br&oha, mhd. bräche „das 
ei'ste Umbrechen eines zum Anbau be- 
stimmten Ijandes". Seit dem 8. Jh. in ON. 
Jetzt hochd. Brach, -brach, 'brechen — 
doch viel häufiger niederd. Braak, -brock, 
'braken, -breck. 

FN. Eilerbracke, von Heidebreck. 

8* 



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116 



Bracht 



-brenker 



NebeDf. Bracht seit 9. Jahifa., und dem 
entsprechend neuere ON. wie Bracht, 
Brecht, die auch zu FN. geworden. 
Bnieht s. a) I. Beraht (einst E.) b) III. s. 

Brach. 
BraehTOgel lU. numenius arquatus. Niederd. 

Brakvogel, 
Bradenahl III. niederd. (Mecklenb.) ,^ebratener 
Aal^^; vgl. Frideric. cognomento Bradegans 
13. Jb.; altniederd. Bradherink. 
Brahms s. Abraham. 

Brambeerlll. mhd.brämber die „Brombeere*^. 
Braneke s. Brand. 

BRAND I. ahd. prant, brant, mhd. brant 
^Feuerbrand; flammendes, blitzendes 
Schwert " (davon ital. brande Schwertklmge, 
altfranz. branden Schwert; das Schwert 
des Span. Cid heißt Tizona d. i. Feuerbrand 
vom lat. titio). 

FN. (Brandiger): Brandiker — Brenker, 
(Brandhard): Brennert, 
Brandold: BrandhoUÜ, 
Einstämmige Kürzung Brand-. 

Prando: Brandt (VN. bei Klemp.).Gen. 
Brandes; latinis. Brandts (Brandsma 
ostfries.). Patr. A. Branding — 
Brenning, 

Vklf. (1) Brandüa: Brandet — 
Prantl — Brendel; Ä-Ändfe(8chwäb.) 
Prändl (bayi-.). (1 + n): Brändhin, 
(k) Brandico: Brancke — Pranekh 
— Brendicke — Brentke — Brennecke 
Brenck. Patr. A. Bremker (Preußl6). 
(z) Brantio: Branx — PraMx — 
Brentx ^Brenneis. (z + 1) : Prenixel, 
Auslautend (50 mal Forst.): 
'brand: Eildebrand, Dittebrandt, Gen. 

-hra/nds: Zybrands, 
'brahn: Robrahn, 
'bam: Dettbam, 
'bem (8. Stark S. 187): Dibbem, 
Brand III. als ON. eine Waldstelle, welche 
durch Feuer gerodet ward. Jetzt nicht bloß 
einfaches Brand, Brande häufig, sondern 
auch über ein halbhundert Zss. auf -brand, 
'brenda, 

FN. Brand. ÄÜenbrand, 
Brttnd- s. Brand I. 

Brandner III. „einer aus Branden** (Baden, 
Tirol). 



Braaolte I. » Nolte (Arnold) Brandes 
(Preuß 30). 

Braiiz s. Brand (einst E.) 

Braten III. ahd. brftto, mhd. brftte. In der 
Zss. FN. Hafenbrädl („Topfbrittchen^). 
Sekwetnebrade, (In andern Zss. durfte 
'brat eher eine zsgz. F. von -beraht sein, 
z. B. Mundbrat, wie deutlich in Hilbrath). 

Bratengeigrer III. „ der um den Braten geigt ^, 
Spottname =» Bierfiedler. 

Brauer III. mhd. briuwer, brouwer der „Bier- 
brauer"; mit Umlaut Bräuer (eine „Bräuer- 
gasse" in Dresden, auch „Bierbrauer" im 
Münch. Adreßb.). 

FN. Brauer — Bräuer, Breuer. Gen. 
Brauers — Breuers (niederrhein.). 
Niederd. Brüwer (Bruwere 1483 Gott 
IIB.). Gen. Browers\ Brayers (beides 
ostfries.). Entstellt ^eyer. Wienbreyer 
(1635: Weinbrewer). Zss. Mumbrauer 
(Mumme, das seit Ende des 15. Jhs. in 
Braunschweig gebraute Bier). 

Brttner s. Brauer. 

Brank, -braok s. Bruch. 

Brann a) I. s. Brun b) III. von der Farbe: 
ahd. mhd. brun, prun „braun, brünett" 
(vgl. franz. Lebrun). 
FN. Braune; Braun — (südd.) Praun. 

Brfinn- s. Brun (V., einst E.). 

Brannabend III. der „braune Abend", eine 
Floskel der 2. schlesischen Dichterschule, 
also nicht vor 1650 (Vilmar). Auch Brun- 
abend, 

Braonbehrens I. 1661: Heinrich Braun oder 
Berendts (Preuß). 

Bransewetter III. ein „stüimischer Mensch" 
(s. Wetter). 

Brttatigam HI. zu den Yerwandtschafts-N. 
Niederd. Briidigam, 

Breeht- s. a) Beraht (V., einst E.) b) ON. 

Brede, Breie, Breit s. Brid. 

Breinker s. Brand. 

Breiser III. „Schnürriemenmacher, Posa- 
mentier" (mhd. biisen schnüren) vgl. Preis- 
werk. 

Bremer UI. „einer aus Bremen". Auch 
Brämer. 

Brend- s. Brand (einst. E.). 

Brenk- s. Brand (Y., einst E.). 

-brenker s. Brink. 



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BroDo- 



Brord 



117 



Brenn- s. Braod. 

Brenner UL ygl. Otto gen. der brenner 1338. 
FN. Brenner — Prenner (Gottschee). Zss. 
Kalkbrenner, Neubrenner. Steinbrenner. 
Weinbrenner. 
Brennessel III. deutlicher Pflanzen -N. 
Brent-, Brentz s. Brand. 
Brett- 8. Brid. 
Breuer s. Brauer. 
Brenker, -breuker s. Bruoh. 
Brenn- s. Brun (einst E.). 
Breyer s. Brauer. 

BRID I. wohl zu angels. bridel, ahd. brittil 
, Zügel *^ oder zum Yolksnaroen der Britten. 
Britfaarius 6. 
Einstämmige Kürzung Brid-. 

Briddo: Britt — Brede — Brett — 
Breie (Preuß 26). Patr. A. Breitung 
— Bretting. 

Vklf. (1) Bridüo: Brül OL)iBrieke. 
Gen. Brix. 
Brlehl s. Brühl. 
BrIU s. Brid. 
-brinf s. Brink. 
BrlnfT^wath lU. Satz-N. niederd. « bringe 

was". Bringexu. 
BrInk DI. « (hochliegender) Grasplan" — ein 
in niederdeutschen Mundarten weit yerbrei- 
tetes Wort Dahin gehört mehr als ein 
halbes Hundert ON. auf -brink in der 
linie Hannover— Utrecht, mit der Haupt- 
st&rke in Westfalen. 

FN. Brihk (Dorf im Oldenburgischen, 
Münsterschen, Ealenbergischen); ten 
Brink, auch Ibmbrink («» zu dem Br.); 
von den Brinken. — Brinkmann, Bring- 
mann; (tnes,)Brinkafna. Vgl. ,,di6 Brink- 
frau zu Morsbecke, Inhaberin des Brink- 
hofes", nachher genannt „Ilse Brink- 
frau" (lipp. Reg.). 

Bes. häufig in Zusammensetzungen, 
die meist jedoch nicht Städte oder Dörfer, 
sondern in mehr appellativer Art einzelne 
örtlichkeiten einer Dorflage oder Feld- 
flur bezeichnen — als FN. demnach der 
daselbst Wohnende, der „ Brinksitzer ", 
vgl. Gerd uppe dem Brinke 1406 (Lipp. 
Reg.). 

Änienbrink, Berenbrink. Exembrink. 
Fahrenbrink. Oantenbrink. Hasenbrink. 



Kloekenbrink. Mühlenbrink. Oaterbrink. 
Steinbrink. ünterbrink. Lüsebrink und 
Miisebrink (ofTeobar Spottnamen für die 
bezeichneten örtlichkeiten, vgl. pomme- 
risch „Flöhenbrink"). — Oberbrinkmann. 
Bisweilen in der Schreibung -bring: 
Finkenbring neben Finkenbrinck. 
Eaeeelbring. Igelbring. Kregenbring 
neben Krägenbrinek und Krähenbrink. 
Kreidebring neben Kreidebrink. Lehm- 
bring. Piepenbring. 
Ableitung auf -er (westf.): 

-brinker: Brinker. Berenbrinker. Stein- 

brinker. 
-brenker: Brenker (auch = Brendeker 
Preuß 18). Brembrenker (Bram , Bräme 
= Brombeerstrauch). 
Alle diese Bildungen mit großenteils noch 
nicht verwischtem niederdeutschem Gepräge 
sind als FN. bes. häufig in Westfalen und 
den angrenzenden Landschaften (Lippe, 
Osnabrück), wo sie zu den die Namen- 
gebung beherrschenden gehören. 
-brink, -brinker s. Brink. 
Brinkk5tter HI. „Brinksitzer, Häusler auf 

dem Brink", s. Brink und Eöther. 
Brinkoeli IE. 1530: Brinkkort = Kord am 

brinke (Preuß 30). 
Britt, Brix s. Brid. 
Broek-, -broek s. Bruch. 
BrOcker s. Bruch. 
Brod-, BrOd s. Brord. 
Brtfhl s. Brühl. 

Broieher, -broieh, -broiek s. Bruch. 
Broielisitter in. (niederrbein.) „Bruchsitzer". 
Brok-, -brok s. Bruch. 
Broker s. Bruch. 

Brom-, BrOm- s. Brun (V., zweist. K.). 
Brongers s. Brun (V.). 
Bronn-, -brenn, -bronner s. Brunn. 
Brons-, Bronzema s. Brun. 
Broos s. Ambrosius. 

BRORD l. ahd. prort, brort, angels. brord 
„Schiffsvorderteil; Rand, Spitze (einer 
Waffe)". Wülibrord. 
FN. Brothar: Broder — Bröder (Bröder- 
mann). Gen. Brora. Patr. A. BrMng. 
Patr. Zss. Brodereen. 
Einstämmige Kürzung Brord-. 
(Brodo): Brode — Prott. 



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118 



Bröring 



Brüokmann 



Vklf. (1): Brodel — Prottel — 
Pröhle, (k): Brodke. 
Zweistämmige Kürzung Brordb-. 
Patr. A. Propping. 
Brtfrlngr, Brors s. Brord. 
Bros«, Brtfs- s. Ambrosius. 
Brot III. zu den Speisen (S. 46) io mancherlei 
Zss. 
FN. BierbroL von Casembrod (hoUänd. 
„Käse und Brot"). Eigenbrod. Qntbrod. 
Eerrenbrod. Htrsebrod. Roggenbrod 
(Gemod ruckenbrot 1235). Sominerbrod. 
Sparbrod, TnAckenbrod; Druekenbrodt. 
Warmbrod, Weichbrodt. Weißbrod, 
Einige dieser FF. sind zweifelhaft, da 
möglicherweise altd. brord, brod — oder 
auch eine Yerderbung aus -beraht (brat) 
in ihnen steckt, wie offenbar in Heimbrodt 
aus Haginbert, Milbrod aus Mildebrath 
(s. Mild); auch wohl Treubrodt altd. Tru- 
prat aus Drudperaht. 
Browers, BrVyers s. Brauer. 
Bmeh UI. ahd. bruoch, der allgemeinste 
und durch viele Mundai-ten verbreitete 
Ausdruck für „Sumpf". Neben den ge- 
wöhnlichen FF. auf 'brück findet sich in 
ON. niederdeutsches -brook, -brock (bes. 
in Westfalen), niederrheinisches -broich. 
FN. 1) Bruch, Hueklenbruch. Nonnen- 
brück. Ottenbmch. Vahlbmch. 
Wildenbruch. 

2) Brook, Brock, v. Buddenbrock. 
V. Diepenbrock. Ellerbrock. Papen- 
brock. Rosenbrock. Schmalbrock. 
Stuckenbrock. Uhlenbrock. 

3) Broich, Hucklenbroich. Klein- 
herxbroich. 

4) V. Kerfaenbroick. 

Großenteils sind die Benennungen dieser 
Art, ebenso wie die auf -brink, nicht 
Namen für Ortschaften, sondern sie bezeich- 
neten, als sie auf die Personen übertragen 
wurden, wirklich noch ein Bruch (Moor). 
So die nachfolgenden, die wenigstens in 
Rudolphs Lex. sich nicht finden. 

Vom Bruch. Erlbruch; Elsenbruch. 
Qosebruch. Hasselbruch. Mühlenbruch. 

Vom Brocke. 2kvm Brook. Edelbrock. 
Oriesenbrock. Kerkenbroek. Korden- 



brock. Möhlenbrock. Nottebroek. Piepen- 
brock. Wiesbrock. 

Auf dem Bra/uke, Vom Brauck. Oster- 
brauk. üklenbratüc. 
Möhlenbruek. 
Zss. mit -Mann: 
Bruchmann — Brockmann ^ Brokmann, 
Brookmann — Braukmann. 
Zss. mit -Müller: 

Brockmüller. Braukmüller. 
Ableitung auf -er (westf.): 
Brücher — Broicher — Broker, Bröcker, 
urspr. Hans im Broke (Preuß S. 3) — 
Breucker. Hültebräucker. 
Alle diese niederd. Bildungen mit k sind 
vorzugsweis häufig in "Westfalen und ge- 
hören zu den dort die Namengebung be- 
herrschenden. 
Brtteher s. Bruch. 
-bruek s. 1) Bruch 2) Brück. 
Brttek UI. ahd. prucca, mhd. brücke, brücke, 
brügge. An der Spitze der davon abge- 
leiteten ON. steht Brügge in Flandern 
(schon im 7. Jh. Brugae); jetzt außer- 
ordentlich viele N. auf -brück, -brück, 
-brücken (Dat.-Plur.), -brügge, -brugg, 
-bruggen. 
FN. 1) -brück: von Wydenbrugk (0. 
-brugge). 

2) Brück. Delbrück. Steinbrück. 
Wiedenbrück. Zweibrück (0. 
-brücken). 

3) -brügge: Brügge, Delbrügge. Essel- 
brügge (Westf.). Steenebrügge. 

4) -brücken: v. Zweibrücken. 

5) -brüggen: Osenbrüggen. 
Ableitung auf -er (oberd. und westf.): 

1) -brucker:Brucker(B9iden).Prucker 
(bayr.). Haarbrucker (Salzb.). 
Tiefenbrucker. 

2) -brücker: Brücker. Haarbrucker. 

3) -brugger:Brugger (Baden). Prugger 
(österr.). 

4) -brügger: Erdbrügger. Ibrügger 
(Westf.). 

Brnekhei III. „Brückenaufseher'' (s. Hei). 
Auch Bruggey. 

BrUckmanii III. „Brückenmann *^ d. i. Brücken- 
aufseher; doch nach Ähnlichkeit von Brink- 
mann, Brockmann u. a. nur den Wohnort 



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Brückner 



BruQner 



119 



bezeicbnoDd: einer der auf oder bei einer 
Brücke wohnt. Brüggemann = tor Brügge 
(Strackeijan). Heinrich von der Brücke 17. Jh. 
FN. Brückmann — Brüggemann; Brüg- 
mann. 
Brttekner lU. schwerlich ein Brückenauf- 
seher (Reichel), eher ein ^Brückenbauer'' 
(s. Öffner, Büttner n. a.), am einfachsten, 
da der ON. Brücken wiederholt vorkommt, 
„ einer aus Brücken ", wie Brückner „ einer 
aus Brücken**. Prückner; Pruekner (beide 
bayr. österr.). 
Bmeksehlägl III. (öst) , Brückenschläger **. 
Vgl Burcard de Bliensowe dict. Bmggen- 
schlegel 1265. 
Brttel s. Brühl. 
-brttgge, -biügreren, -bragger, -brttgger 

s. Briick. 
BrOggenieyer III. 1380: Henne up der 

Brücken (Preuß 32). 
Bmggey s. Bruckhei. 

BrfUil in. ahd. pruohil, Yklf. von bruoh 
„Bruch, Sumpf **, mhd. brüel (mittellat. 
brogilus, ital. broglio, franz. breuil), „be- 
wässerter, mit Oras und Gebüsch bewach- 
sener Platz, buschige Wiese.** Jetzt in 
ON. Brühl, 'brühl, Brüel — Prühl — 
'bröhl — Briel, -brieL 
FN. 1) Brühl Waldbrühl - Brühl- 
mann. — 2) Brüel, — 3) BroM, — 
4) Briehl, BrieL — 5) Brügel; Brügl. 
Bmhii*, Bmlns s. Brun (einst E.). 
Bmm-, Brttm* s Brun (V., zweist. K.). 
BRUN I. got. brunjo, ahd. brunja, prunja, 
mhd. brünne „Brustharnisch**. Daß da- 
neben brun „funkelnd dunkelfarbig, braun** 
hineinspielt, ist nicht zweifelhaft. 
FN. Brunger: Brunger — Brünger — 
Braunger — Bräuniger, Gen. 
Brungers — Brongers. 
(Brungard): Braungardi, 
Brunhard: Brunnert — Braunhardt; 

Braunert, 
Brunheri: Brunner — Braunher; 

Brauner — Brauner, 
(Brunmar): Brummer — Prummer 
(bayr.) — Brummer -* Brommer. 
Brunold: Brunold — Braunewald; 

Braunwaid. Gen. Brautiholx. 
Brunwart: Braunwarth. 



(Brunwig): Brunweg — Bruntcey, 
Einstämmige Kürzung Binin-. 

Bruno: Bruno; Brune; Bruhn {Lütje- 

^rwwc Lippe) -— Brünne — Braune; 

Braun — Praun, Gen Bruhns; 

Brunen — Pruns — Brauns — Brons 

— Bruins (ui = ü ostfries.) ~ Bron- 
sema (ostfries.). Patr. A. Brüning 

— Breuning — Bruninga (ostfries.). 
Patr. Zss. Brunssen — Bruhnsen, 

7klf . (1) : Breunle. (l + n) : Breun- 
letn, Bräunlein, (k): Brunko — 
Bruhnke — Brünicke — Brönneke 
— Bräunig. Gen. Brunken — 
Brünjes (fries.). (z): Brauneis, 
Zweistämmige Kürzung Brunm-. 

(Brumme): Brumme — Brume — 
Bromme — Brömme. 

Vklf. (1): Brömmel; Prömmel — 
Brömel. (z): Bromeis, 
Brun«, Brttn- s. Brun (V., einst. K.). 
Bninabend III. s. Braunabend. 
Bnum III. got brunna, ahd. prunno, mhd. 
brunne (niederd. bom) „Quelle**, im Nhd. 
durch eben dieses Wort zurückgedrängt, 
so daß es nur noch eine künstlich ange- 
legte und eingefaßte Quelle bezeichnet 
In ON. schon seit dem 7. Jh. häufig nach- 
weisbar (Baldobmnno) — bei neueren N. 
in drei Formen: -brunn, -bronn, -bom, 

„By deme Borne** 1383 Gott ÜB. I., 

1316 lat „apud fontem**. 

FN. 1) Brunn (vgl. franz. Lafontaine). 

Kaltenbrunn. Saltxbrunn, Stein- 

brunn, — v. Schönprunn (bayr.). 

2) Bronn, Heilbronn. Neubronn. 

3) von dem Borne (Roloff van deme 
Borne Klemp.). Bom, Erlenbom, 
Eschborn, Schönbom, Sonnebom, 
(0. Sonnbom). Teitenbom, Weißen- 
bom. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Brunner \ Prunner (bayr.). Diestl- 
brunner. Kaltenbrunner, Schön- 
brunner, 

2) Bronner, Diefenbronner, Neu- 
bronner, 

Brttnne s. Brun (einst K.) 
Bmiiner, Bronner a) I. s. Brun b) III. 
s. Brunn. 



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120 



Brüwer 



Bund 



Brttwer s. Brauer. 

Bseherer III. (bayr.) „Barbier«. Auch 
Pseherer, 

BMhlagensraiil IIL wohl imperai » n Huf- 
schmied". 

Bneeardt s. Burg (V.). 

Baeh III. kollektiv für „Buchwald", mhd. 
daz buoch. 

FN. Btich. Willenbuch. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'bueher: Hagenbucher. Heimbucher 
(salzb.). Langenbticher, Oberbucher. 

2) 'büeher: Klotxbüeher{wÜTit). Rothen- 
büoher (württ). Willenbüeker, 

Boehardt s. Burg. 

Buche HI. ahd. puooha, mhd. „Buche" — 

in Zss. wie Btichmeyer, südd. Puchmayr, 

Niederd. Bokemeyer, 
-bttehel s. Bühl. 
Bacher III. a) schon got bokareis, ahd. puo- 

chäri, mhd. buochaere „Bücherabschreiber, 

Schreiber* b) einer aus Buch. 
FN. Bücher; Pucher (doch auch zu 
Buch III). 
-hncher, -httcher s. Buch. 
Buchfeller III. mhd. buoch veller von buoch- 

vel „Pergament", „der die Felle zu Büchern, 

das Pergament, bereitet". 
Bnchflnck ITT. deutlicher Vogel -N. 
Buchholtz III. von dem sehr häufigen ON. 

Buchholz. Auch BuchoUx, 
-bttchler s. Bühel. 
Bochner III. „einer aus Buchen" (0. 40 mal 

Rud.); auch Büchner — (südd.) Puchner. 

Zss. Eagenbuchner. 
Buchsbamn III. mittelalterlicher Schmeicbel- 

name(6rimm. Kleine Sehr. II, 400). Pux- 

baum (Wien). Niederd. Busboom, 
Back, Bttck- s. Burg (einst. K.). 
Bad-, Btld- s. Bod (V., einst K.). 
Bttddenkleppcr III. niederd. .^üttenklopfer^* 

Spottname für Bötticher. 
Bttdeabttader III. niederd. „ Büttenbinder ^^ 

s. Binder. 

Baff s. Bod (zweist. E.). 

Bttgel-, -bttgcl s. Bühel. 

Bagrer- s. Burg I. (V., einst K.). 

Bllhel III. ahd. puhil, buhil, mhd. bühel 
„ Hügel '^ („Gan^bühel" Stadtgegend in 
München) — nhd. in den mannigfachsten 



FF. ON. bildend: Bühl, Biehl, Büchel, 
Bichl, Pichl, Bügel, Buckel, Beul vl a. 
FN. 1) Bühl, Ouggenbühl. MünxbüM, 

2) Biehl, Biel (doch s. auch Bil I.). 
Windbiel (Baden). 

3) Rafflenbeul, 

4) Büchel, Büehl (bayr.). StMnbüchel, 

5) Biehl (bayr.). 

6) Klingsbügel, Erumbügel (in Köln 
eine Straße „ Krummenbüchel "). 

7) Krumbiegel. Nußbiegd (vgl 0. 
Nußbühl). 

8) zuweilen noch mit p (oach s): 
Dinkelspiel (ON. Dinkelsbühl). 
WaUerspiä (Baden). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'bühler: Bühler (Hans von Bühel, 
auch „der Büheler '^ Elsaß 15. Jh.). 
Steinbühler, Ungerbühler (salzb.). 
Vambühler (== Farn-). Weißen- 
bühler. Pühler (bayr.). 

2) 'biehler: Biehler. 

3) -büchler: Bücheier; Büchler. 
Bürekbüchler.Steinbüchler.Püehler. 

4) -biehler (bes. bayrisch): Biehler, 
Äiehbichler, Emetsbichler, Fried- 
bichler. Fuchsbichler. Ouggen- 
bichler (salzb.). Hirschbichler. Loch- 

biehler. Moosbichler, Steinbichler, 

5) -pichler: Piehler. Laupichler. 
Oberpichler. EafehpicMer (salzb. 
— sämtlich noch jetzt in Ost- 
preußen). 

6) ' biegler : Eisenbiegler. Oberbiegler. 

7) -{s)pieler: Radspieler. Singlspieler. 

8) Büler. MiUbiller D&ch SteubS. 141 
= Mühlbühler. Ganxbiller (Wien, 
vgl. 0. Oansbühl). 

9) spiller: Hackspiller. 
Bahr s. Bauer. 

Bali- s. Bald (V., einst K.). 

Bttlte III. „Hügelchen im Sumpfe*'. 

BüUenieier (1507 : Johann upper Bulten). 
BuÜmann (Bremerhafen). 

T» Biilzinfsldwen III. Stammort Bülzings- 
leben in Thüringen (s. -leben) — im Wappen 
fölschlich ein Löwe. (Adelslex.) 

Bamaan s. Baumann. 

Bttnd HI. ahd. piunt (zu „bauen''), seit dem 
8. Jh. in ON. Jetzt in den FF. -bünd, 



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BuDge 



Borgmaon 



121 



'baind^ -peunt (-point), -paint (Adelpaint). 
Conrat in der PewDt 1376. Grasbiunder 
1319 Aogsb. 

FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bayr. 
österr.): 

1) ' pointner: Pointner, Hireehpoint- 
ner. Kreuxpointner, Mühlpointner. 

2) 'paintner: Paintner, Haarpaint- 
ner, Lindpaintner, — Baininer. 

Bnntire III. „TrommePS Zss. Bungenstab, 
Bnngener DI. altniederd. buDgener „Tromm- 
ler**, von bonge = Trommel, bongen — » 
trommeln. 

PN. Bungener — Büngener; Büngeler. 

Mit der starken Bildong : Bunger^Bünger, 

Biireh-, Bnrek- s. Borg I. (Y., einst K.). 

BURG I. goi baürgs, ahd. porc, mhd. bore 

„Borg** (ital. borge, span. borge — Stadt 

Borges in Altkastilien). Von „bergen**. 

FN. Borghard: Burghardt; Burgard — 

Burgerth — Burckkard; Burkert — 

Purkhart; Purkart — Burchardt 

— Bueeardt -- Buggert — Bürkert 

— Pürkerth (bayr.) — Borghard; 
Borgert — Borchardt; Borekert — 
Bockhard — Boehert, Gen. Burg- 
hartx; Burgartx — Boreherts — 
latinis. Burehardi, Patr. A, Boreher- 
ding — Borkerding, 

Borghar: Burger. Gen. Borchers — 

Borchers, 
Borgman: Burgmann — Borehmann 

— Bormann, 
Borgmar: Burgmer, 

Borgoald: Burgold — Purgold — Burg- 
hold — Borgwaldt. Gen. Burgholtx, 
Boroward: Burgwardt — Borgwardt, 
Einstänunige Kürzong Boig-. 

Burgio, Booco: Bürge — Burck — Bugge 
— Bück — Borge — Borck — Bock. 
Gen. Burgs, Patr. A. Bücking — 
Böeking, 

Vklf. (i) : Burki — Bürgi (Schweiz.), 
(i + o) Bürgin, (1): Bürget; Bürgte 
— Bürhte — Buckel — Böckel, 
(1 + n): Bürklin — Bürcklein — 
Bücklein, (z): Burtx — Borx, 
(z + 1): Bürxel — Pörxel, 
Aoslaotend in 179 Namen (Forst), die 
sämtlich weiblich sind. 



Burgr- 8. Borg I. (V.). 

BOrg- s. Barg I. (einst K.). 

Borg III. got baoi^gs, ahd. porc,barg, mhd. 

bore befestiger, bei^nder Ort, „Borg, 

Stadt**. Schon im 1. Jh. Teotoborgiom ond 

Asciburgiom; einfaches Burg erst aos dem 

8. Jh. nachweislich ond in derselben F. in 

tausend heotigen N. Niederd. -borg (so 

immer bei Klempin, z. B. Brandenborgh). 

FN. DiUenburg, Brandenburg, Eulen- 

bürg. Mecklenburg, v. d. Malsburg. 
Das ahd. p noch in: Marpurg. Begenspurg. 
Niederd. v. d. Borg, Drieborg (0. Dri- 
burg). Humborg (0. -borg). Osborg 
(0. -borg). Tbckienborg (0. -borg). 
Wieborg, Winxenborg (0. -boi^) — 
bes. in dem nordwestlichen Deotschland, 
während es in den ON. &8t dorchweg 
in -borg verhoohdeotscht zo sein scheint 
Ableitong aof -er (oberd.): 

1) 'burger: Brandenburger, Dillen- 
burger, Luxemburger, Naum- 
burger. — Regenspurger, 

2) bürger: Heimbürger, Lünebürger 
Oldenbürger, Wurxbürger, 

Bürger s. a) Borg (V.) b) Bürger. 

Bttrger HI. ahd. porgäri, mhd. borgaere, 
später borger „Bewohner einer Boig**, so- 
dann „Bewohner einer (befestigten) Stadt**, 
im Gegensatz zo dem Landbewohner. 
FN. Bürger — Burger (in Wien häofiger 
als Bürger). Gen. Bürgers. Niederd. 
Borger, Gen. Borgers. 

-bttrger s. Borg UI. 

Bürgermeister III. mhd. borgermeister 
„Vorsteher einer Stadtgemeinde, Börger- 
schafk**; aoch übertragen aof den Vorsteher 
einer Dorfgemeinde (in Schwaben ond am 
Rhein). — Im Schwabenspiegel borcmeister, 
daher „Borgemeister** (wie noch bei 
Goethe); neoniederländ. borgemeester. 
FN. Bürgermeister — Burgemeister. 

Burggraf III. mhd. borcgräve „Borggraf, 
Stadtricbter* („Er was lantgräve überz 
lant, borcgr&ve in der stat genant** Ro- 
dolf V. Ems, Goter Gerhard V. 1452). 

Bnrgmum a) I. s. Borg b) III. mhd. borc- 
man „aof der Borg wohnender Vasall des 
Borgherm**. 



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122 



Burgstall. 



Capelle 



BurgBtall m. angels. burhstal, noch jetzt in 
Osterreioh gebräuchlich, sinnverwandt mit 
„Bnrg^^ Im südöstlichen Deutschland sind 
Orte namens Burgstall sehr häufig; im 
nordwestlichen dagegen treten zwei ab- 
geschliffene FF. zahlreich auf: Borstet, 
'borsteif und Bostel, -bosteL 
FN. 1) V, Hammer 'Purgsiaü. 

2) V. Borsteü. 

3) BestenbosteL Döhnbostel, Hom- 
bostel (0. in der Landdrostei Lüne- 
burg). OhlenbosteL Bodenbostel, 

— Auch Bostelmann (hannöv.). 
Ableitung auf -er (oberd.): Purgstaüer 

(österreichisch). 

Bork-, Bttrk- s. Bui^I. (V., einst K.). 

Burmeister, -mester s. Bauermeister. 

Bortz, Bttrzel s. Bui^ I. (einsi K.). 

Bnsboom IIL niederd. „Buchsbaum", aus lai 
buxus, s. Busenbaum. 

Boseh III. ahd. busc, mhd. husch, pusch 
das gewöhnlichste deutsche Wort für 
„niedriges Gehölz, Buschwerk". Nieder- 
länd. Bosch. In manchen der folg. Namen 
gewiß appellativ, wie -brink, -bruch u. a. 
FN. 1) von dem Bussehe. Buseh. Puseh. 

— Buschmann. Buschmann. Ber- 
kenbttsch. Dombusch. Dohren- 
busch. Ellerbusch. Evertsbusch. 
Finsterbusch. Oadebusch. Hassel- 
buseh. Holderbusch. Kattenbusch. 
(Katzen-). Kieckebusch; Kyck- 
buseh (0. in Brandenbui^g). Knap- 
pertsbusch (0. Enapperzbuscb). 
Nätebusch (Nuß-). Schlebusch. 
Vahlbusch. Wtedebusch (Weiden-). 

2) von der Bosch. Ächtemboseh. — 
Bosohmanns (niederrhein.). 
Ableitung auf -er (oberd. — aber auch 
westf. von Flurnamen): 

1) Buscher (Münch.). 

2) 'büscher: Büscher. Konigsbüscher. 
Telgenbüscher; mibüscher. 

Bnsenbaimi III. nach yilmar„ Stammbaum", 
was aber nicht belegbar. Besser mit 
Andresen = „Buchsbaum" (s. d.). Dafür 
sprechen auch die Nebenff. Busebaum und 
(niederd.) Busboom. 

Bnss- s. Bod (einst E.). 



Baßin III. N. eines dem Verf. persönlich 
bekannten Proselyten , abgeleitet von „Buße"' 
mit Anklang an die ON. auf -in. 

Btttefnhr s. Bötefuhr. 

Butendieek in. niederd. „deram Außendeich". 
Halbniederd. Butendeich. 

Bntenop in. niederd. „außenauf" (Finken- 
werder). 

Batenschtfii III. niedeixl. „(nur) außen schön". 

Btlttel III. in ON. zu altsächs. bodl, angels. 
botl „Haus" (9. Jh.: Dallangibudli). 
FN. EdelbiUtel, auch Eddelbüttel. Olden- 
biittel. SiefsenbiUtel. 

Botterbrod LH. vgl. Kese-unde-brot um 
1530 (Lübben), altniederd. Wekebrod. 

Bntterfiaß UI. deutlicher Gerät-N. 

Bottermann UI. ein „Butterhändler, -träger". 
Niederd. Bottermann. 

Buttenr eek III. ein aus Butterteig gebaoke- 
ner Weck. Halbfranzösiert in barbarischer 
Schreibung Botäencek, „um der unästhe- 
tischen Butterwecke zu entgehen" (Pott). 
Auch Buttertoegge. 

Bttttlng s. Bod (einst E.). 

Battmann Pott 8. 596: „Möglicherweise aus 
Butte für Bütte. Oder Verkäufer von 
Butten (Butt, Platteise, Rhombus piscis). 
Oder vom hamburg. Adj. butt, von kleinen 
Eindern, vgl. verhüttet, auch grob, plump." 
Alle diese Vermutungen sind in die Luft 
gebaut, wenigstens soweit es sich um den 
N. des bekannten Gräcisten handelt; denn 
dieser ist urspr. gar nicht deutsch, sondern 
französisch, von Refugies stammend, Baude- 
mont, woraus nur Buttmann verdeutscht 
worden (s. AUg. deutsche Biographie S. 656). 

Bttttner IE. mhd. bütenaere (vom ahd. putin, 
mhd. büten, bütte) „Bötticher" („Büttner- 
straße" in Breslau). 

FN. BiUtner. Böttner. Verderbt Bittner 
(Sohles.); Pittner (bayr.). 

Batze s. Bod (einst E.). 

c. 

Cammerer s. Eämmerer. 
Camp- s. Eamp I. 
Cannegioter s. Eannengießer. 
Capelle HI. mehrfacher ON. 
FN. Capelle. von Capellen. 
Abi. auf -er: KappeUer. 



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Carels 



Gornolius 



123 



Carels, Carl* s. Karal. 

Carst- 8. Christiaous. 

Casp- s. Kaspar. 

Caßebohm III. niederd. „Kirschbaume^ (s. 

Baum — Kassebohro 0. in Mecklenb.). 
Cattepoel III. ,,Katzonpfalil.'' 
CeUarlus s. Keller. 
Charft^ytaf IE. zu den Zeitnamen gehörig 

(8. Tag). 
Chelopoeos s. Kistmacher. 
Christ, «el, -en s. Christianas. 
Chrlstiaiiiis IL giiech.-lai Ableitung von 
Christas: ,,ein Christ ^^ (noch mhd. Christen); 
der N. zuerst in Antiochien, Apostelgesch. 
11, 26. 

FN. a) Chrütian; Chrütann; Christen — 
gleich dem Appellativom bis zur Ein- 
silbigkeit verkürzt: Christ, Krist nebst 
Christmann, ostfries. Christma. Gen. 
Christicmi; Christians; Krystians.Vair, 
A. Christinek— Ckristeller(ßGbles.).Va,iT, 
Zss. Christiansen ; Christensen (Schlesw.). 
Vklf. (1): Christel; Christi (bayr.). 
Krestel. Patr. A. Krütler. (\ + n): 
Kristlin, (k): Christeinicke. 

b) Mit Umstellung des r: Kirstan, Kirsten 
(Elbing. Urk. Kirsten Heyncze 1487) — 
Karsten — Kirsehten, woraus durch 
ümdeutung Kir stein; Kirschstein — 
Kersehstein (Hessen). — Verkürzt : Kirste; 
Kir st (Patr. A. Kirsting)\ in breiterer 
Aussprache Kirseht — mit Ausstoßung 
des r: Kist, 

c) Mit Umstellung des r und Brechung des i in 
e: Jrcr«ton(inGött.UB.I. schon ums J. 1251 
Kerstianus als VN.); Kersten; Kerstein — 
verkürzt Kerst. Patr. A. Kersting. 

Mit Ausstoßung des xi'Kesten; Kestein; 
Kßst Patr. A. Kesting. (1590: Kersting 
Preuß). Zss. Richterkesting (Lippe). 

d) Mit Umstellung des r und Verbreite- 
rung des e in a (niederd.): Karsten^ 
Carstenn (Carsten ManteufiFel KB.); 
Kar stein; Karst, Gen. Carstens — 
(ostfries.) 2iLar«7>n«. Patr. Zss. Carstensen, 

Vklf. (k): Karstevntke. 
Mit Ausstoßung des r: Kasten (als 

VN. 17. Jh. KB.); Kastein; Kost. 

Patr. Zss. Kastensen, 
Mit Rüokangleichung des t: Kassens, 



Christophoms 11. griech. ,, Christusträger" 
(S. 25); die betreffende Legende unter an- 
deren bei Kind: „Offerus war ein Lanzen- 
kneoht" usw. 
FN. Christopher; Christoffel; Christoph, 
Gen. Christophory ; Christophers; Chri- 
stoffeis. 

Mit Kürzung im Anlaut: Stoffer — 
Stoppel, Gen. Stoffers (StofFer VN., 
StofFer Prochel 1644 KB.); Stoffels. 
Patr. A. Stöffler, 
Chrysander III. vergriecht = Ooldmann. 
Cillax, Cirlaks, Cirks s. Cyriacus. 
Claaß -, Clabs , Claes , Gas-, Claß- s.Nicolaus. 
Cland- 8. Hlod (einst K.). 
Clans- 8. Nicolaus. 
Claath 8. Hlod (einst. K.). 
Claw- 8. Nicolaus. 

Clemens II. lat. „milde, gütig" — N. zweier 
bedeutender Ijehrer und Schriftsteller der 
christlichen Kirche der ersten beiden Jh. 
FN. Clemens, Klem^ns; Klemeni. 
Clerieus IIL lat. Übers, von Pape, in dem 
Sinne des mhd. pfaffe „Geistlicher" (s. 
Klempin, Matrikeln der pommerschen Ritter- 
schaft S. 11). 
Cloos 8. Nicolaus. 
Cnyrim s. Knieriem. 
Coeeejns s. Koch. 
Coers s. Kun (V., Chunrad). 
Cohn a) chrisüicher N. s. Kun (einst K.).. 
b) häufiger jüdischer N., zsgz. aus Cohen 
„Priester*'. 
Colinfeld , -heim, -stein III. jüdische Phan- 
tasie -N. (S. 67). 
Cohrs s. Kun (Kunrad). 
Con- 8. Kun (V., einst K.). 
Cord- s. Kun (Kunrad). 
Corleis s. Kyrieleis. 

Comellns II. berühmtes römisches Geschlecht, 
zu welchem auch der Hauptmann Cornelius 
Apostelgesch. 10, als Nachkomme eines 
Freigelassenen des L. Cornelius Sulla, ge- 
hört haben mag. 

FN. Cornelius; Comeljes (friesisch; Ge- 
netiv ? s. Ruprecht S. 9) ; Comils — Comel, 
Comehl. Gen. Coimeli, Patr. Zss. Kor- 
neliussen; Comelissen, 
Mit Kiirzung im Anlaut: Nelius; 
Nelies, Neljes, NeUies (die drei 



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124 



Oorrodi 



Bahn 



letzten im Fries, auch VN.) — Neels 
— Niels. Patr. Neüessen — Nehlsen, 
Corrodl I. „älter Koradi == Konrads" s. Kon. 
Corßen s. Eon (V.). 

CorriniiB III. verlateint ans Rabe, Raab. 
Oosmar s. Goz. 
Coster, C^teter s. Küster. 
Crabathi HI. „Kroat" (Fröbner S. 36). 
Gramer s. Krämer. 
Cranaeh HI. ON. (S. 30). 
Oremer s. Krämer. 
Cretzselimar s. Kretschmer. 
CrolMith m. „Kroat". 
Cmse s. Krause. 
Cttn- s. Kun (V., einst K.). 
Cordes, Gort, -eurt s. Kun (Y.). 
Gnrtiiis in. verlateint aus Kurtx, Körte. 
GyprianiiB IL griech.-lai „der Mann aus 
Cypem", Bischof von Karthago u. Märtyrer 
unter Yalerian 3. Jh. (Kai. 26. Sepi). 
FN. Supprian. 
GyriaevB II. griech. „dem Herrn gehörig"; 
Patriarch von Konstantinopel um 600 n. Chr. 
FN. Oyriaeka. Oyrtaöi. 
Zsgz. Oirka (fries.), davon Gen. Plur. 
Oirksena, das einheimische Fürsten- 
geschlecht in Ostfriesland, welches 
mit Karl Edzard 1744 ausstarb; doch 
dauert der N. anderweitig in Ostfr. 
fort, als der einzige noch lebende N. 
auf sena (sna) s. Ruprecht S. 14 — 
aber nach Stark S. 185 von Sigerik, 
Sirck, indem fries. für s ein z ein- 
tritt: Zirkzena, wie Zicke = Stehe. 
Mannigfache, z. T. sehr entstellte For- 
men: Oiriaks; Oüiax — Züias; 2jÜ' 
ges — Silges u. a. 
Gzeeh IE. ein „Tscheche"; auch in der 
Schreibung Tscheeh, Zscheeh. (In der 
Kassubei von einigen Familien nach dem 
Attentat des Bürgermeisters Czech auf 
Friedrich Wilhelm IV. in EM umgewan- 
delt, indem der König, um Verleihung 
eines andern N. angegangen, das Cz vom 
strich und ein t am Ende zusetzte). 

D. 

Baab s. Dag (zweisi K.). 
Baaeke s. Dag (einsi K.). 
Babbert, Babert s. Dag (V.). 



BAB I. goi deds, ahd. mhd. tat „Tat, Werk". 
Fließt z. T. mit Dag zs. 
FN. Tadebert: Dabbert — Tabbert. 
Thetald: Thadewald. 
Einstämmige Kürzung Dade. 

Tatto: Dato; Dathe — Dade — Thate. 
Vklf. (1): Taddel. (k): Jhife. 

Baffert s. Dag (V.). 

BAG I. got dags, ahd. tac, tag, mhd. tac 
„Tag" (wohl in Hinsicht auf Licht und 
Glanz). Seit dem 4. Jh. in N. nachweisbar. 
FN. Tagebold: Tabold. 

Dagobert: Dabbert — Tabbert — 
Tappert — Dapper. Gen. Dappers. 
Tagibod: Taboth. 
Dagafrid: Daffert. 

Dagaher: Täger. Patr. A. Degerink. 
Dagaleif 4.: Taglieb, 
Tagamar: Daimer — Dahmer. 
Tagarat: Tagart — Tägert. 
Dagarich: Tsirieh. 
Tagadeo: Tadey (spr. — de, Eutin) — 

Taddey. 
Dagoald: Dagott. 
Mit Erweiterung (Dagin-): 
Dagimpald: Damboldt. 
Taginbert: Dämmert — Dember. 
Einstämmige Kürzung Dag-. 
Dago, Tacco: Daacke — ^ — Taek 
(Tachnann) — Däge — Tage — 
Deg -— Tegge -— Dey. Gen. Tagen, 
Vklf. (1) Dagalo: Degel — TUgel. 
Patr. A. Dägling — Dahling — 
Dehling, (k): Dagiko: Deiche. Gen. 
Deycikß. (z) Tagizo, Tayso: Deitx — 
Deife — Theise; Theis, 
Zweistämmige Kürzung Dagb-. 

Dapp ~ Tapp — Daab, 
Zweistämmige Kürzung Dagm-. 
Damo: Dahm, Gen. Dahms. 

Vklf. (1): Dehmel. (k): Dakmke. 
Auslautend (53 mal Försi): 
'tag: Eeiligtag. 
-dach: Hildach. 
'dey: Aüdey. 
BXiT- 8* I>ag (einst K.). 
BaU-, -dahi s. Thal. 
Bahllng s. Dag (einsi K.). 
Bahm- s. Dag (V., zweist. K.). 
Bahn s. Dan. 



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Dähn- 



Delff 



125 



DVlui- 8. 1) Dan 2) Ihegan. 
Dameke s. Thanc (zweigt. K.). 
Damm a) I. s. Thank b) III. „der am oder 
auf dem Damm Wohnende ^^ vgl. Henning 
vamme Damme (Drübeoker XJrk. 1525). 
Bin- 8. 1) Dan 2) Thegan. 
DAN I. der „Däne" — seit dem 7. Jh. in 
N. nachweisbar (Danoald). 
FN. Denihart: Donnert — Tannert — 

Denhard — Dähnert, 
Einstämmige Kürzung Dan-. 

Dano, Tenno: Dann — Dakn — Dähne; 
Dehn, Patr. A. Dening, 

Vklf. (1) Damlo 7.: Dähnely Da- 
nelL (k): Dahnke — Denicke — 
Dähnke, 
(Fließt zusammen mit Thegan.) 
Danek- s. Thanc. 
DaneU s. Daniel. 
Danhauer III. „Waldbauer, Holzfäller^' (s. 

Tann). Dannenhauwer 1471. 
Daniel n. hebr. „mein Richter ist Gott", der 
bekannte Prophet 
FN. (zum Teil jüdisch): Daniel (Danigel) 

— Danekl — Dannöhl — Danneil. 
Latinis. Danelius, Gen. (lat) Danielis 

— (deutsch) Daniels, Patr. Zss. Daniel- 
söhn; Danielson; Danieleen, 

Dank s. Thanc. 

Dankegott lU. deutlicher Satz-N. 

Dann, Dannert s. Dan. 

Dannehl, -eil, -91il s. Daniel. 

Dans s. Thanc. 

Dapp« 8. Dag (V., zweisi K.). 

DXseUer, Dllsehner s. l^ischner. 

Dato, DaÜie s. Dad. 

Dand- s. Thiud (V., einst E.). 

Danm ni. s. S. 49. Heneke mit dem dumen 

1373. Chunrat ynd Friderich die Dovmen; 

Frideric. Pollex 13. Jh. 
Dautert s. Thiud (V.). 
Dinwel 8. Thiud (V.). 
DaTid 11. hebr. „geliebt"; der König und 

Psalmendiohter des A. T. 

FN. (z. T. jüdisch): David; Dawid, Gen. 
(lat) Davidia — (deutsch) Davide, Patr. 
Zss. Davideon — Davieon, 
DAW I. ahd. dau, angels. theav, altsäohs. 
thau „Sitte". 



FN. Dawipert: Daubert, 
Tawold: Dauwald, 
Einstämmige Kürzung Dav-. 
Dawo: Daue — Detoe, 
de in niedorländ. Namen der Artikel: de 
Boer, de Vrient (S. 40), de Ruyter (Emden). 
Deb- 8. Thiud (V.). 
Debbelin s. Thiud (zweist E.). 
Debnsmann s. Matthäus. 
Deehant ni. ahd. techant, mhd. dechän (aus 
lat decanus „der über zehn gesetzt ist"), 
ein Yoi^gesetzter in verschiedenen, nicht 
bloß geistlichen Ämtern. 
FN. Deehant; Deckend, 

Deeker a) I. = Dietger (s. Preuß 18) b) III. 
„Dachdecker". 

FN. Decker, in ostfriesischer Schreibung 
Dekker, Gen. Deckers (niederrhein.). 

Ded- s. Thiud (V., einst. E.). 

Deeken, Deet- s. Thiud (einst E.). 

Defert s. Thiud (YJ), 

Defregirer lU. „einer aus dem Teferegger 
Tale" (Tirol). 

Deg- s. Dag (einst E.). 

Degen-, Degner s. Thegan. 

Degreir s. Graf. 

Dehling s. Dag (einst E.). 

Dehmel s. Dag (zweist E.). 

Delin s. 1) Dan 2) Thegan. 

Dehrholtz s. Dlur. 

-dei s. a) Dag b) Thiv. 

Deib- s. Thiud (V., zweist E.). 

lann ni. „Aufseher eines Deiches" 
d. i. Schutzdammes gegen das Wasser. (Da 
mit der Erdausgrabung zugleich eine Ebxl- 
auf schüttung verbunden ist, so hat die 
Sprache dasselbe Wort einmal in der hochd. 
Form „Teich" für lacus, sodann in der 
halbniederd. F. „Deich" für agger ver- 
wendet). 

FN. Deichmami, — Niederd. Dieckmann, 
Gen. Diekmanns (Geldern) — s. auch 
Tnchmann. 

Deiek- s. Dag (einst. E.). 

Dein- s. Thegan. 

Deiß s. 1) Dag (einst E.) 2) Thiud (einst E.). 

Deit- s. Thiud (V., einst E.j. 

Deitz s. 1) Dag (einst E.) 2) Thiud (einst. E.). 

Delir, Deilli s. Thiud (Y.). 



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126 



Delker 



Död- 



Belker, Delkener III. „einer ans Dalbke" 

in Lippe -Detmold (Preuß 34). 
Demant III. ,, Diamant ^^ Auch Jaspis findet 

sich als christlicher FN. 
Bember s. Dag (V.). 
Benant s. Thiad (V.). 
Beneeke s. Thegan. 
Bengel s. Thanc. 
Benhard s. I) Dan 2) Thegan. 
Benis s. Dionysios. 
Benk- s. Thanc. 
Benn- s. I) Dan 2) Thegan. 
Benys s. Dionysius. 
Benz- s. Thanc. 
Beppingr &• Thiud (zweist. E.). 
Bereieh, Berlx s. Thiud (V.). 
Bessaller III. (romaonisch- deutsch) ,,einer 

aus de Sala^S 
BesBoir III. aus Dessauer verftunzöselt 

(S. 68). 
Bet-, Beth- s. Thiud (Y., einst. K.). 
Bett- s. Thiud (V.). 
Beub- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Bendeloir s. Thiud (V.). 
Beuerling s. Diur. 
Benß s. Thiud (einst. E.). 
Bent- s. Thiud (V., einst. E.). 
Beutseh III. auch Teutsch. Abgeleitet 

Ibuischer. 
BeTrientlll. urspr. flämisch : deVrient „der 

Freund" (S. 40). 
Bew-, Beybaldt s. Thiud (V.) 
Beyeks s. Dag (einst. E.). 
BeyU s. Thiud (einst. E.). 
Bibbern s. Thiud (V.). 
-diek s. Teich. 
Biet- s. Benedictus. 
Bidden, Bidtehen s. Thiud (einst. E.). 
BIdolf s. Thiud (V.). 
Bleb- s. Thiud (V., zweist. E.). 
Bleck-, -dieek s. Teich. 
Bieekmann s. Deichmann. 
BIed- s. Thiud (V., einst E.). 
Bief- s. Thiud (V.). 
Biehr s. Diur. 
Bieken s. Thiud (einst. E.). 
Biekgrilber III. (niederd.) „Teichgräber*'. 
Biekgrttwe, -grobe III. niederd. „Deich- 

graf^ d. i. Aufseher eines Deiches. 
Biel- s. Thiud (einst. E.). 



Biem- s. Thiud (V., zweist. E.). 

Bienhart s. Thegan. 

Biepolt s. Thiud (V.). 

Bier- s. 1) Diur 2) Thiud (V.). 

Bieringer in. „Thüringer". 

Bießl s. Thiud (einst E.). 

Biet- Bieth- s. Thiud (V., einst E.). 

Bietseh, Bietz-, Blhle, Bik-, Bill s. Thiud 

(einst. E.). 
Biewald s. Thiud (V.). 
Billschneider UI. „Dielschneider 'S ^om mhd. 

dille Diele. 
Bimmel s. Thiud (zweist. E.). 
• ding, -dink aus ing entstanden bei An- 
fügung an VoUnamen, die auf einen T- 
Laut ausgehen: 
Heimerding (Roimhardi), Vollbeding (Volk.' 
bert). Humperdinck (Hunipreht, Hum- 
pert). 
Bionyslnsn. griech. „der Dionysische", von 
dem Ootte Dionysus (Bacchus). 
FN. Denys, Denis. Mit Eürzung im 
Anlaut Niefs, 
Bip- s. Thiud (V., zweist E.). 
Birck-, Birk- s. Thiud (V.). 
Bimff s. Diur. 
Biß s. Thiud (einst. E.). 
Bit-, Bitt- s. Thiud (V., einst. E.). 
Bitz s. Thiud (einst. E.). 
BIUB I. zu ahd. tiuri, diuri, mhd. tiure 
„teuer". 
FN. Diurleic: Thierley — Thurlei, 

Deorovald: D'örwcUd — Dürholdt — 
TyroU. Gen, DehrhoÜx. 
Deorulf: Dierolf — Thierolf — Du- 
rolf-- Thyrolf— Türloff — Diruff 

— Tiroff; Thierauf. 
Einstämmige Eürzung Diur-. 

Dioro: Diehr — Theuer — Duhr. Patr. 
A. Dierink. Patr. Zss. Diersen. 

Vklf. (1.) Patr. A. Deuerling. (k): 
Diericke — Tßieurich — Dürrich. 
(k+n): Düriehen. Patr. Zss. Dührsen 

— Dürsen. 
Bix s. Benedictus. 
BJuren s. Oeorgius. 
Bob- s. Thiud (V.). 

Btfb-, Btfbb- s. Thiud (Y., zweist E.). 
Bocke, Bod- s. Thiud (einst E.). 
Böd- s. Thiud (V.). 



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Dohm 



Dorn 



127 



Böhm s. Dom. 
Dolf 8. Ath (V.). 
Belfüs 8. Faß b). 
Doli s. Thiud (einst E.). 
BoUftiß 8. Fuß b). 

Bollmetseh m. gegen Ende des 13. Jh. aas 
dem Slawischen (poln. tlamacz, rass. tol- 
matsch) aufgenommen: „Dollmetscher". 
BOM I. got doms, ahd. mhd. tuom „urteil, 
Qericht^^ (auch Macht, Ansehen). 
FN. Dombert: Dombert — Ibmpert. 

Domard: Domhardt — Dommert — 
Dühmert — Dummert — Thum- 
hart •— Dümmert. 
Domarius: Tkomer — Dommer — 

Thümer, 
Tuomrih: Domrick — Dommerieh, 
Einstämmige Kürzung Dom-. 

(Domo): Dom, Dohm — Thum — 
Tkym. 
Gen. Dohmen — Dommes — 
Thilmen. 

Vklf. (1) Duomelo: Dommel — 
Tömmel — Dummel — Dümmel — 
Thümmel. Patr. A. Dihnling — 
Dümling — Thümling, (1 +n ) : Dum- 
lein, (k): Domke — Dämieh — 
Dükmke, (k + n): Dümichen, 
Auslautend -tum: Ältufn. 
Bom-, BSm-, Bomm- s. Dom. 
Bominieus IL „dem Herrn angehörig ^^ (vgl. 
Cyriacus); der h. D. ein Spanier^ stiftete 
1216 den Orden der Dominikaner. 
FN. Dominicus; Dominick; Domnick — 
Minikus (Zürich). 
Bon-, B9ii- s. Antonius. 
BonaulNiaer III. „einer aus der Einöde 
Donaubau"(er) in Niederbayem. Auch Done- 
lauer j Donnahauer. 
-donk s. Dung. 
Bonner s. Tbunar. 

Bonnersmark III. im Zipserlande (Ober- 
Ungarn) gelegener Marktflecken, wonach 
das jetzt schlesische Grafengeschlecht 
Henekel v. Donnersmarck seinen Namen 
hat, während der N. Henekel durch eine 
Erbtochter „v. Henekel" hiozugebracht ist 
(S. 78). 
BVpel 8. Thiud (Y.). 
Bopp s. Thiud (zweist. E. I). 



. Bordenboseh ni. Satz-N. „durch den Busch." 
Durhdenpusch (Hugo v. Trimberg). 

Borf III. ahd. dorf, thorf, mhd. dorf, alt- 
sächs. thorp, niederd. dorp (dän. torp) — 
in ON. aus dem 7. Jh. zuerst nachweislich; 
neuere FF. -dorf, -torf — niederd. -dorp 
(z. B. Oldendorp), -drup, -trup, trop, 
FN. a) hochdeutsch: 

1) 'dorf: Boredorf. r. Helldorf. 
Pufendorf. Blasendorff, 

2) 'dorpf (-torpf): Tefedorpf Graf 
Sierstorpff (0. Siersdorf). 

3) 'torf (nach s und t): v, Ahrenetorff 
(0. Ahrensdorf in d. Uckermark). 
Gottorf Reinetarf v, Bemetorff. 
Eetorff. WolteretorffnehenWoUere' 
dorff (während als ON. nur Wolters- 
dorf). 

4) troff: Hermeetroff, Langetroff (0. 
Langsdorf). 

b) niederdeutsch: 

1) 'dorp: V, Hogendorp. Oldendorp 
(neben OUendorff). So immer bei 
Klempin: Benekendorp, Theken- 
dorp (j. Teechendorf) — nach s 
torp: Beygeretorp (j. Beyer edorf), 

2) -drop: Daldrop, 

3) -drup: Brandrup (0. Branderup 
in Nordschleswig). Sandrup, 

4) -torp: Quietorp (0. Quisdorf im 
Eutinischen). 

5) -trop: Gastrop. Ribhentrop (0. 
Ribbentrup in lippe- Detmold). — 
Aechentropp. 

6) trup: Mentrup. Sentrup. Wen- 
trup. Westrup. Eietrupp (0. 
EistrupimOsnabrückischen). Sehach- 
trupp (0. -trup). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -dorf er (-torf er): Biledorfer. Freun- 
dorfer, Herrmannedorfer. Helfere- 
dorfer, — Äiglsiorfer (bayr.). 

2) -dorf er: Herrendörfer, Hunde- 
dörfer. Neudörfer. Erdmanne- 
dörffer. — Herrmannstör f er. 

-dorfer, -dtfrfer s. Dorf. 
Btfrfler III „einer aus Dörfel" (0. 54 mal). 
Btfringr 8. Durmg. 

Born III. ahd. mhd. dorn „Dom, Dorn- 
busch". Auch häufiger ON. 



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128 



-dorp 



Drud 



FN. Dom. BUihdom; niederd. Bleudom. 
(entstellt EUidom). Hagedom, zsgz. 
Heidom. Hogendom. Maidom. Sehlee- 
dorn, (Heinrio. dioi Sleedom 1266). 
-dorp, -dorpf s. Dorf. 
Dtfrries s. Isidoros. 
Btfnr ald s. Dior. 

Btfnrand III. niederd. = dör(ch) de Wand 
(Catharina Dördewant 1651 Eutiner Urk.) 
„ein unbesonnener, tollkühner Mensch." 
IHfoeher III. niederd. = Drescher; Dr'öecher. 
Dotter, Btfttioff s. Thiud (V.). 
Boxle n. aus Eudoxia (Fröhn.). 
Brabant s. Trabant. 
Brabsanft III. Satz-N. „trabe sanft". 
Bräehsle s. Drechsler. 
BrXs- s. Andreas. 
Brandt s. Drud (einst E.). 
Breassen s. Andreas. 
Brebes s. Andreas. 

Breehsler III. von „drechseln", dem Fre- 
quentativ von „drehen". 
FN. Drechsler, Drexler— l¥äxler, TrexUr 
— dem mhd. draehsel entsprechend 
Drechself in schwäbischer F. Drächsle. 
Breefis, Brees- s. Andreas. 
Breher III. von „ drehen -^ mhd. draejen, der 
„Drechsler". 

FN. Dreher. Zss. Stoekdreher. 
Niederd. Dreier, Dreyer von niederd. 
drejen. Zss. Schötteldreyer (Bücke- 
burg) „Yerfertiger hölzerner Schüs- 
seln". Stuhldreier (Westf.). (So wer- 
den auch die Bernstein -Arbeiter, die 
früher in Danzig, Stolp usw. eine 
besondere Zunft bildeten, in dem 
Stolper KB. noch im 17. Jh. „Bem- 
steindreier" genannt.) 
Breier, Breiher s. Dreher. 
Breis s. Andreas. 

Breizehner III. wohl mit Bezug auf den 
alten Aberglauben, daß, wenn gerade 13 
Personen sich in einer Gesellschaft zusam- 
menfinden, einer von ihnen bald sterben 
muß. 
Breseher in. „der Getreide ausdrischt". Auch 

Dröseher. 
Bressel s. Thras. 
Breattel s. Drud (einsi E.). 
Brew- s. Andreas. 



Breyer s. Dreher. 

Brleseh III. „unbebaut liegen bleibender 
Acker". 

FN. Van den Driesche, holländ. Gelehrter 
des 16. Jh. Von den Driesch. 
Briesemann s. Andreas. 
Briseliaiis UI. Satz-N. „drisch aus." 
Brodtloir, Br9der s. Drud. 
Brommeter s. Trompeter. 
-drop s. Dorf. 

Broste III. „Amtmann, Schösser" in Fries- 
land, Westfalen u. a. (s. Truchseß). In 
mehreren Adelsfamilien des Münsterlandes: 
Dr. XU Hiüshoff; Dr. x/u Vischering. 
Bmbe s. Drud (zweisi E.). 
BRUB I. altnord. Thrudr eine Walküre (s. 
Weinhold, die deutschen Frauen S. 14). 
Daneben kommt das Eigensch. trüt «trauf^ 
in Betracht Vgl. auch angels. thrydht 
„schön." 
FN. (Drudbod): TroMboth. 

Trudhari: Dröder— TriUer-'Treutter. 
Trutman : Trutmann — Drumatm — 
THtmann — JVautmann — ÜVau- 
mann. 
Drutmar: Trümmer — IHtmer — 
Drummer — IHimmer — I^attmer. 
Drudwih w.: HVautwig. 
Drudwin: Trautwein. 
Trudulf: Drodtloff-- TnÜoff— Traut- 
loff — zgsz. Trolf. 
Einstämmige Kürzung Drud-. 

Drudo: Drude — Trude — Dme — 
True — Draudt — Traute; Traut. 
Patr. A. Druding — Druiding 
(spr. Drüding, ostfries.). — Treu- 
ding — Driiner (1538: Drudener, 
1523: Druding-Preuß). 

Vklf. (l) Drudilo: Dreuitel — 
Treutel — zsgz. Driihl. (1 + n): 
Treutlein. (k) (Drudico) : DrOfcs — 
TVeucke; Treuge. (z) Truzo: IVauix 
(mit der unorgan. Bildung JVaui- 
schold). (z+1) : Thäxel — TroscheL 
Zweistämmige Eürzung Drudb-. 

Trubo: Drvhe — Trübe — Drobe — 
Druwe — Traube. 
Vklf. (1): Trupel. 
Auslautend (173 mal Forst, doch an- 
scheinend nur in weiblichen N.). 



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Drue 



Ecke 



129 



'trut: Ldebetruth. 
-travi: LiebetratU. 
Brae, Brtthl, Broidingr, Brttke s. Drud 

(einst. K.). 
Bnunann, Biümmer s. Drud (V.). 
-dmp 8. Dorf. 
Bmwc 8. Drad (zweist. K.). 
Bryander III. = Eichmann. 
Babb- 8. Thiud (Y., zweist K.). 
Bilbbert s. Thiud (V.). 
Bttbel 8. Thiud (V., Theudobald). 
Budd-, Baden s. Thiud (einst E.). 
Bttfert 8. Thiud (V.). 
Btthm- 8. Dom. 
Bahr, Btthrsen s. Diur. 
BULB 1. zu ahd. mhd. dult „Geduld", bes. 
wohl auf Ausdauer im Kampfe gehend. 
FN. (Tultperaht): Tulpracht. 
(Dulthart): Duldhardt. 
Tulthere: Dtdler. 
Einstämmige Kürzung Duld-. 

Vklf. (k): Dulk — Tulke. (z): 
DiUtx. 
Balk, Baller, Baltz s. Duld. 
Bttm - , Bamm - , Bümm - s. Dom. 
Bang*, Bonk DI. wahrsch. eine kleine Boden- 
erhebung, bes. zwischen Sümpfen (Förste- 
mann ON. S. 75). Alte N.: Dung, Meg- 
medung; neuere bes. in der Gegend von 
Düsseldorf und in Flandern. 
FN. 1) -dunk: Averdunk, Averdung, 

2) -donk: Berendonk. Oemierdonk. 
Wesendonk, 
Banker III. wohl „Tüncher". (Früher eine 

Dunkerstraße in Reval). 
BUnnebaeke III. zu den Körperteilen. 
Bllr- 8. Diur. 

BURING I. zum Volksnamen der „Thüringer". 
Turincpraht, Durinchard. 
FN. During — Düring — Thüring — 
Döring — Thäring. 
Bflring a) I. s. During b) III. ein „Thüringer". 

Auch in neuerer F.: Thüringer. 
Biirre III. französiert Dürre, s. S. 68. Albrecht 

der Dürre 1325. 
Bllrrieh s. Diur. 

Basendtttfel HI. „Tausendteufel" (wohl weil 
der Ahnherr diesen Fluch im Munde führte). 
Batsebke, Battke s. Thiud (einst. K.). 
Btttt- s. Thiud (V., einst K.). 

Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Aufl. 



BUwel s. Teufel (doch Düvelhmke = Diet- 

bold Henke s. Hagan). 
Box s. Thiud (einst. K.). 
-dyk 8. Teich. 

E. 

Eb- 8. Ebur. 

EBÜR I. zu ahd. ebur, mhd. eher „der 
Eber" (S. 17), für Männernamen um so 
passender, als in der nord. Dichtung sogar 
jöfurr = Fürst, Herr. 
FN. Eburhard: Eberhard — Everhart — 
Ebrard — Ebhard; Ebart; Ebert. 
Zss. Meiereverth. Gen. Eberhards; 
Eberts — Evertx. Patr. A. Ever- 
ding. 
Ewurman: Ebermann — Evermann. 
Eburwin: Eberwein — Ewenvien 
(niederd.). 
Einstämmige Kürzung Ebur-. 

Ebaro, Ebo, Eppo (Stark S. 40): Eber 
—Eebe — Ebbe—Epp. Gen. Ebers 
— Evers — Ebs; Eben — Eppen. 
Patr. A. Eppink — Ebbinga (ost- 
fries.). 

Vklf. (1): Ebely- Eble — Epple. 
Patr. A. Eberling — Ebeling, 
(1 + o) : Eberlein — Eppelein — 
Eblen — Epplen. (k): Ebbecke — 
Ebke (Ebkema ostfries.) — Eppich; 
Eppeich (Gottschee). 
Patr. A. Ebker (Preuß 19). 
Ebener III. „einer aus Eben" (häufiger ON. 
in Süddeutschld) — doch auch mhd. ebenaere 
„Schiedsrichter". 
Ebentheaer IH. „Abenteuer", früher auch 
persönlich gebraucht (s. Goethe, Mit- 
schuldige 1, 1). 
Eec-, Eck- 8. Ag (V., einst K.). 
Eeke III. ahd. ekka, mhd. ecke, egge „Ecke, 
Winkel". Sehr zahlreich in ON.: -eck; 
daneben -egg (süddeutsch). 
FN. 1) Tloneck (0. Hoheneck). v. Nord- 
eck. Viereck. Waldeck. 
2) V. Aichenegg. v. Bieberegg. v. Oron- 
egg (0. Kronegg). Hohenegg. v. Kö- 
nigsegg. v. Lichtenegg; Lichtnack. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -ecker: Bemecker. Heidecker. 
Vilsecker. Waldecker. (Bisweilen 
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130 



- ecker 



Eisenmenger 



in der Schreibung -äcker: Rien- 
äcker neben Rienecker, von Rieneck 
in ünterfranken, ehem. Grafschaft, 
s. Goethes Götz 2, 8: „Rein- 
eckisohe Bauern ^S ^^^^ Götzens 
Lebensbeschreibung. So auch wohl 
Steinäcker st. Steinecker.) 
2) ' egger (südd.): Bemegger, Buch- 
egger (0. Buchegg in der Schweiz). 
Heidegger (vgl. Heideok, Oberpfalz). 
KaUenegger (0. Kalteneck in Steier- 
mark). lAchinegger (0. Lichtenegg 
in Österreich) neben Licktenecker 
und lAchtenöcker, Rauchenegger 
neb. -ecker, Seheidegger (Scheidegg 
in Bayern, Bezirk Lindau). Stein- 
egger (Steinegg in Baden). Hohen- 
ögger (0. — egg). 

-ecker s. Ecke. 

Eddelingr s. Atha] (einst K.). 

Edel- 8. Athal (V., einst K.). 

-eder s. öd. 

Edigrkaafer s. Hof. 

Eebe s. Ebur (einst E.) 

Eerkes, Eerts s. Er. 

Egbert s. Ag (V.). 

Egre s. Ag (einst K.). 

Egel- s. AgU (V., einst K.). 

Egen- 8. Agin (V., einst K.). 

Egers, Egert s. Ag (V.). 

Egidy s. Adgidius. 

Egg- 8. Ag (V., einst K.). 

-egg, -egger 8.Ecke. 

Eginard s. Agin (V.). 

Egli s. Agil (einst E.). 

Egloff s. Ag (V.). 

Egner s. Agin (V.). 

Egold, Egolf, Egts s. Ag (V). 

Ehl- 8. 1) Agü (V., einst E.) 2) Athal (V. 
einst E.). 

Ehmieh s. L-min. 

Ehn- s. Agin (V., einst E.). 

Ehr- s. Er. 

Ehren- s. Erin. 

Elb- s. 1) Ag (V.) 2) Jw. 

Eich in. in ON. von „Eiche" in kollektivem 
Sinne = „Eichwald": Eich, Aich, -aich. 
FN. Eich, von JSchÖnaich. Abi. auf -er 
(oberd.): Eicher. Breiteneicher. 

Elchhard, Elchert s. Ag (Y.). 



Eichholtz lU. vgl R. im Eichholtz 1330. 

Auch häufiger ON. 
Eichmaim IIL „der bei einer Eiche wohnt". 
Dreieichmcmn „der bei den drei Eichen". 
Eick- s. Ag (einst E.). 
Eidam ni. nebst Kleineidam. Zu den Yer- 

wandtschafts-N. 
Eier, Eiert, EUTert s. Ag (V.). 
-eler s. Au. 

Eigenbertz s. Agin (V.). 
Eik- s. Ag (einst E.). 
Elke III. niederd. „Eiche", in Eikenkötter, 

Eickemeyer u. a. 
EU- s. Agü (V., einst E.). 
Elm- s. Ag (V., zweist E.). 
Ein- 8. Agin (V., einst E.). 
Einenkel ni. ahd. eninchil „Enkel". 
Einerhand in. elliptischer N.: „der mit einer 

Hand (S. 49). 
Eindedel III. ahd. einsidilo, mhd. einsidele 
„Einsiedler". 

FN. Einsiedelf Einsiedl — auch Ein- 
siedler. 
EInspenner III. „der mit einem Pferde 

fährt." 
Eipeldaner, Eypeltaner III. (Wien) „einer 

aus Eipoldau (Leopoldau). 
Elrich s. Ag (V.). 
Eis- s. Agis. 
Elsen I. s. Isan. 

-eisen a) I. entstanden, wohl durch Um- 
deutung, aus eis (ahd. izo (S. 23, 34). 
FN. Örimmeisen neben Grimeis (ad. Ori- 
mizo). Orüneisen. Helmeisen (Hel- 
mizo). Lotheisen; LotheifseniElodizo). 
Notheisen (Notizo). — Oerdeifsen 
(Gai-dizo). 
b) UI. Zus. mit „Eisen", Geräte be- 
zeichnend. 

FN. Bwuemeisen (S. 44). Hufeisen (mhd. 
huoflsen). Spereisen. 
o) in. in Thumeisen entstellt aus urspr. 
Thui-nhäuser 1220, Thumeyser 1500 (Baom.). 
Elsenblätter in. = Eisenplätter, wie Drat- 
plätter vom Plattmaohen des Drates zwi- 
schen zwei stählernen Bolzen. 
Eisenhat HI. mhd. isenhuot „Helm". Niederd. 

Iserhot. 
Eisenmenger HE. „Eisenhändler" (s. Manger). 



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Eisenreich 



flsel 



131 



Eisenrekh s. Agis. 

Eltze s. Ag (einst. K.). 

Elb- 8. 1) Alb 2) Athal (V.) 3) Agil (V.). 

Elf- s. Alb (V., einst. K.). 

Elgrer- s. Agü (V.). 

Elias n. hebr. „mein Gott (ist) Jehova'*; 

der Prophet 1. Kön. ITff. 
FN. Elias. Patr. JEliassen. 
Ell- s. 1) Agil 2) Athal (V., einst. K.). 
Eilend III. ahd. alilanti „von der Heimat 

(dem Lande) fem; fremd". 
FN. Ellendt — Ehlend. 
Eller m. landschaftl. „Erle" — in Eller- 

brock, 'btisch, -kamp u. a. 
Elp- B. Alb, doch 
Eipertingr s. Athal. 

Eltester in. s.S. 48: Eigonschafts-N. 
Eltrieh 8. Aid (V.). 
ElTen 8. Alb (einst. E.). 
Elwert 8. Agil (V.). 
Em- 8. Ew. 
-em 8. Heim III. 

Emannel 11. hebr. Immanuel „ Gott mit uns" 
vgl. Jes. 7, 14. Matth. 1, 23. 
FN. Manuel — daraus jüdisch: Mendel 
mit den patr. Zss. Mendelssohn; 
Mendelson. 
Emel- 8. Amal. 
-emer s. Heim IH. 
Emieh, Emmelmanii s. Irrain. 
Emond, Emons s. Ew. 
Ender-, Endr- s. Andreas. 
Enet 8. Agin (V.). 
Engr- 8. Ingo. 

Engrei-, Engl- s. Angil (V., einst. K.). 
EniglE, Eneieh s. Agin (einst. X.). 
Enke a) I. s. Agin (einst. K.). — b) III. ahd. 
encho „Knecht", bes. der dem Großknecht 
untergeordnete jüngere Kleinknecht. 
Enkingr, Ennen s. Agin (einst. K.). 
Ensle, -in 8. Ans (einst. K.). 
Ep- 8. Ebar 

EE I. ahd. era, mhd. ere „Ehre". (Hari 
Heer spielt hinein, so daß eine genaue 
Sonder ung sehr schwierig ist). 
FN. (Eraberht): Ehrbrecht, 

Erhart: Ehrhard — Ehret (bad.) — 

Erhard. Gen. Eerts (ostfries.). 
Erolt: Erold — Ehr/^ld. 



Einstämmige Kürzung Er-. 
Ero: Patr. A. Ehring. 

Vklf. (1) Eralo: Ehrle. (k) Erico: 
Eriche; Ehrke, Gen. Eerkes (ost- 
fries.). 

Erasmns IL griech. „der Liebenswürdige". 
FN. Gen. Erasmy, 
Mit Kürzung im Anlaut: Rasmus. Patr. 
Zss. Rasniussen. — Asmtis. Gen. Afomy. 
Patr. Zss. Asynussen. 
Erb- 8. Arb. 

Erbsmehl IH. deutlicher Name aus der 
Pflanzenwelt. 

Erd- 8. Hard (V., einst. K.). 
Erfling s. Arb (einst K.). 
Erleb s. Ew. 

ERIN I. Erweiterung von Er. 
FN. (Erinbot): Ehrenbot 
Erindrud: Ehrentraut. 
Erinfrid: Ehrenfried. 
Erenricus: Ehrenreich — Emreich. 
Emwin: Emenwein. 
Erkenbreeht s. Arcan. 
ERL L altsächs. erl „Mann", angels. eorl 
„Edelmann", altnord. iarl Edelmann, Gau- 
graf. 

FN. Erliiian: Erlemann. 
Erlachar: Erler. 

Erliwin: Erlewein — Erlwein — 
Erlenwein. 
Einstämmige Kürzung Erl-. 
Erlo: Erle. 

Vklf. (k): Erlecke; Erleck. 
Erm- 8. Irmin (V., einst. K.). 
-ermeini. in Rothemiel. Weifserniel {Spott- 

name für Müller (S. 46). 
Em- s. 1) Arin (V., einst. K.) 2) Erin. 
Emest, Ernst- s. Arnust. 
Erp- 8. Ai-b. 

Ert- s. Hard (V., einst. K.). 
Erve 8. Arb (einst. K.). 
Erxmeyer UI. = Erichsmeyer (s. Er). 
Erythropel III. Vergriechung aus „Rothen- 
burg". 

Eseh- 8. Asc. 

Esel IIL vgl. Lambertus asinus 1136, Berh- 
told der esel 1297. 
FN. Lutenesel (E., der die I^ute schlägt). 
V. Riedesel — Eselkopf. 

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132 



Esser 



Falke 



Esser ni. 1) ein „Vielessender". Zss. Brocl- 
esser. Vgl. Fresser (Zürich 1839), nieder- 
deutsch Freter 2) „einer aus Essen". 
-eter, -etter s. öd. 
Ene s. Ew. 

Eulenbnrgr, von, früher Eylenburg, üenborg, 

von der Stadt Eilenburg in Sachsen. (Adelslex.) 

Ealer III. der „Töpfer", von aul Topf (aus 

lat oUa). 

FN. Euler. Gen. Etders. Mit dem n 

der schwachen Bildung: Eulner. Zss. 

Oklenmacher. 

(Vgl. Albrecht Ewlnsmid 15. Jh. 
Nürnberg; noch heute begegnen in der 
Wetterau die EN. Aulenpfad, Aulen- 
weg u. a. und Eulner gilt allgem. für 
Töpfer DW.). 
Eupert, Earieh s. Ew. 
Enstaehiiis IL griech. „der Ährenreiche". 
FN. Stach (StachmannJ. Vklf. Stachel. 
Eustatliiiis II. griech. „der Standhafte, Ge- 
sunde". 

FN. Statins. Staats (Staatsmann), Stets. 
Patr.Zss. Staassen (fries. Staats VN.). 
Enteneuer III. „einer aus Euteneuen" (Rhein- 
provinz). 
Ever- s. Ebur (V.). 

EW I. got. aivs, ahd. ewa, mhd. ewe, e 
„uralte Zeit; altherkömmliches Recht und 
Gesetz". 
FN. Eubert: Eupert. 

Eumund: Emund, Gen. Emundts; 

Emons. 
Euarix: Eurich — FHch (doch s. 

auch Er). 
Ewald: EwcUd. Gen. Ewolds. 
Einstämmige Kürzung Ew-. 

Ewo, Euo: Etce — Eue. Gen. Ewes — 
Euen. 
Ew- s. 1) Ebur 2) Ew. 
Ejmer s. Ochsner. 

Exter m. aus Agelster, ahd. agalastra 
„Elster". Auch wohl in Eocembrink 
(„Elstembrink"). 
Ey- 8. Ag (V., einst. K.). 
-eyer s. Au. 

Eyl- s. Agil (V., einst. K.). 
Eymeß s. Ag (zweist. K.). 
Eyßen- s. Isan. 



P. 

Faber m. Latinisierung für Schmid. 

FN. Faber. Gen. Fabri. Patronymisch 
weiter gebildet: Fabrieius (um dadurch 
in die Namenverwandtschaft dieses be- 
rühmten altrömischen Geschlechts hin- 
einzukommen — so Magister Phil. Fa- 
bricius, der 1561 als Zeuge unterzeichnet: 
D. philips Smidt, s. Gesch. des Gymnas. 
zu Dortmund Progr. 1875 8. 5) — daraus 
verkürzt: Fabrix. 
Fablaniis U. christlicher Märtyrer unter dem 
rom. Kaiser Decius. 

FN. Fabian — Fabigan — auch Pfabian 
(Wien). Gen. Fabiani, 
Fabri, Fabrieins s. Faber. 
Fadi-, Faek- s. Fag. 

FAG I. mit der Erweiterung Fagin zu got 
faheds „ Freude^, goi und ahd. faginon sich 
freuen. 
FN. (Faghard): Fackert. 

Fagenold: Gen. Feinholtx. 
Eiostämmige Kürzung Fag-. 

Fache: Fa^he; Fach (Fachmann) — 
Vack. 
Fahland III. mhd. välant der „Teufel", auch 
von Menschen gebraucht; so wird der wilde 
Hagen des Gudrunliedes „Välant aller 
künege" genannt 
FN. Fahland, Valand — Vohland — 
Volland. 
Fahlen EU. niederd. „Füllen" — in Fahlen- 
kamp — Vahibruch, Fahlbuseh, -kämpf, 
- teich. 
Fähnrieh III. urspr. der „Fahnenträger". 
FN. Fähnrich; Fähndrich — Fenrich. 
Fahr- s. Far. 

Fahre III. niederd. ,, Föhre" -— in Fahren- 
brueh, Fahrendorf, Fahrenhorst, Fahren- 
kamp, Fahrenkrug — Fahrenbatter. 
Ffthrmann a) I. s. Far b) m. „Fährmann, 

Ferge". 
Falt, Falth s. Wid (einst K.). 
Falehner s. Falkner. 
Fälgenmaeher s. Felgenhauer. 
Falke III. ahd. falco, falcho, mhd. valke, 
der „Falk", beliebt in der ritterhchen Zeit 
als Stoß vogel auf der Jagd, bes. der Reiher- 
beize; in der mhd. Dichtung ein Bild des 
Geliebten. 



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FaUcDer 



Femmer 



13B 



FN. Falke; Falk, Zss. Güldenfalk, Praun- 
falk. 
Falkner m. mhd. valkenaere „der Falken 
abrichtet^, bes. zur Beiherbeize. 
FN. Falkner; oberd. Falckner, Mit Um- 
laut FeUcner. 
Fallmerayer m. von dem ehemals roma- 
nischen Hofe Valmarei (vallis Mariae), 
der früher im Besitze der Familie war (Steub). 
«fMiiger ni. in mehreren Zss.: ÄalfUnger, 

Bärmßnger, 
FAR I. zu dem burgund. und langobard. fara, 
angels. faru „Geschlecht, Familie ^S 
FN. Faraman: Fährmann, Fehrmann. 
Einst Kürzung Faro: Fahre — Fehre. 
Gen. Vehrens, Patr. A. Fekring, Zss. 
Fehrensen. 

Vldf. (1): Fehrle, Patr. A. Ferling, 
(k) Farago: Farrach — Fahrke. 
Farrmeh s. Far. 
Faßbttnder s. Binder. 
Faßhauer s. -hauer. 

Faßlabend III. zu den Zeitnamen gehörig. 
Petras Fastelavent 1561. So auch Fafs- 
nacht Tgl. Ulrich Vaznacht 1367; mhd. 
vastnaht uud yasnaht der Vorabend vor 
den großen Fasten. 
Fäßler m. „Faßbinder". 
FAST I. ahd. fasti, mhd. veste „fest, stand- 
haft". 

Fastheri: Faster. Patr. A. Vesterling, 
Fastman: Fastmann. 
Fastrad: Fastert. 
Fastrih: Fastrieh. 
Fastwig: Vestemeg. 
Einstämmige Kürzung Fast-. 

(Fasto): Fast — Fest — Föste. Patr. 
A. Fastmg — Festing. 

Vklf. (1): Fastl (hKfv.). (k): Fasl^e 
(fries. Oldenb.). 
Fank s. Fulo (einst K.). 
Fanstn. m. a)lat Faustus „der Glückliche'' 
b) das Körperglied. Peyne mit der Vust 1366 
(Drübeck). 
Feehner III. der mit „Fech", mhd. vech 
buntem Pelzwerk, bes. Hermelin, handelt. 
Fedd- s. Frith (V., einst. K.). 
Federwlseh III. ein bis ins 13. Jh. zurück- 
gehender N. (Embricho Federwisch 1213) = 
Qosetcisch, 



Fegrebank HI. 8atz-N. „einer, der nicht still- 
sitzen kann.'' 
Feirbelm III. „Waffenschmied". 
Fehr- s. Far. 

Felehte ahd. fiehta „Fichte", in Feichtniayr. 
Feierabend III. Zeitname; Jac. Firabend 

1313. 
Feigr- s. Frith (einst. K). 
Feinaigrle lU. „Feinäuglein", mit schönen 

Augen (Schwab. Fröhn.). 
Felnholtz s. Fag. 
Felth s. Wid (einst K.). 
FeldlU. ahd. feld, mhd. velt „freies, flaches, 
unbewaldetes Land; bebauter Acker". Ist 
Asfeld bei Paulus Diaconus (I, 20) wirklich 
aus dem 5. Jh. überliefert, so gehört -feld 
zu den ältesten deutschen Ausgängen in ON. ; 
das 8. Jh. bietet schon eine große Menge. 

Mit dativischer Ellipse alt -felda, -feldum, 
neu 'felde, -felden; doch dieses e des Sing, 
fällt in FN. fast immer ab, ebenso wie in 
-berge. 

FN. von Beerfelde. — Hirschfeld (0. 
Hirschfeld und -felde). Lichterfeld (0. 
lichterfeld und -felde). Steinfeld, von 
Winterfeld. Marienfeldt (0. meist -felde). 
Mucksfeldt (0. Muggesfelde in Holsteio). 
Neufeldt. v. Meerveldt. Staffeidt. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Hirschfelder. Obstfelder. Schönfelder. 
Schwengfelder. Weidenfelder, 

2) Feldner. Seefeldner (0. -felden). 

3) Fellner (0. Felden). Langfeiner (0. 
-felden). LeinfeUner (0. -felden) 
Neufellner (0. -felden). 

Felgrenhauer III. mhd. velgenhouwer „der die 

Radfelgen zuhaut", Badmacher, Wagner. 
Felkner s. Falkner. 

Fels in. ahd. fels, mhd. vels, in alten N. wie 

Rotenvels weit seltener als -stein; neue N. 

wie Drachenfels, Weißenfels verhältnismäßig 

häufiger. 

FN. Fels (vgl. franz. La Roche). Harten- 

fels. Lichtetifels. Neuenfels. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Dannenfelser. Steinfelser. 
Felseh s. Fuic (einst. K.). 
Feiten s. Valentin. 
Femmer s. Frith (V.). 



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134 



FeDd 



Fleisch 



Fend in. ahd. fendo, mhd. vende „Fuß- 
knecht". Rudolfus dictus Vende. 
FN. Fetidt Fent. Zss. Orotefend. 

Fenn er III. mhd. venre, verkürzt aus vanaere, 
ahd. fanÄri „Fähnrich". 

Fenrieh s. Fähnrich. 

Ferber s. Färber. 

Ferd- s. Frith (V.). 

FergrUt. ahd. farjo, mhd. verge „der Ferge* 
d. i. Fährmann. 
FN. Ferg — Förg, Vörg. 

Ferling^ s. Far. 

Fernand s. Frith (V.). 

Femkom UI. „altes Korn" (vgl. Firohaber). 

Fesenbeek ni. der aus „Fese* d. i. Spelt 
backt. 

Fetkenhener s. Pfettenhauer. 

Fett- 8. Frith (einst. K.). 

Fetthake III. zu den Küchengeräten s. S. 44. 

Feuehtner s. Fichtner. 

Feuerrohr m. (S. 45). 

Fenerstaeke III. „Feuerstange* zum Ein- 
reißen und "Wegziehen brennender Balken. 
Niederd. Fürstake 1484. 

Fiehtner m. „einer aus Fichten* (Bayern, 
österr.). Feuchtner (0. Feuchten). Fetcht- 
ner (österr.). Vom mhd. viehte „Fichte*. 

Hck 8. Frith (einst. K.). 

Fidicin III. abgekürzt aus ßdicinus, einer 
Weiterbildung des lat. fidicen „Lauten- 
schläger*. 

fidrieh s. Frith (V.). 
Fiedler HL mhd. videlaere „der Geiger*. 
FN. Fiedeler; Fiedler, selten Viedler. 
Fleg-, Fletz, ¥\gge s. Frith (einst. K.). 
FIL I. got. ahd. filu, mhd. vil „viel*', vgl. 
manag. 
FN. Filibert: Filbert — Vielbert. 
Filiman: Filimann — Fiehnann. 
Filmar: Vilmar — Fillmer, 
Filter in. niederd. „Filzer, Hutmacher". 
Flmmen s. Frith (zweist. K.). 
Findekeller III. Satz-N.: einer, der den 
Keller zu ßnden weiß, ein guter „Zech bnider" 
(S. 52). 
Findeklee III. Satzname: glücklicher Finder 

von (vierblättrigem) Klee. 
Flngrer III. s. S. 49. 

Vklf. Fingerlin (schwäb.) ; Fingerli 
(Schweiz.). 



Flngr^^rhath m. der „mit dem Fingerhut", 

etwa == Schneider. 
Flnke III. ahd. finco, mhd. vinke der „Fink", 
ein lustiger Mensch. 
FN. Finke, Vincke; Finekh. Fink von 
Finkenstein. Finkennest (0. in Sachsen). 
finkler ITT. der „Finkler'' d. i. Vogelfänger, 
von finkein Finken, dann allg. Vögel fangen. 
Flmhaber III. „alter Hafer", vom ahd. fimi, 
mhd. vime alt (wie auch in „Firnewein"). 
Flseh III. Anch in mannigfachen Zss. : Back- 
fisch = Bratfisch. Buckfisch (vgl. Bück- 
ling, gepökelter Fisch). Fatdfisch. Mai- 
fisch. Seefisch. Vklf. Fischli; Fischlein. 
Flseher in. ahd. fiskäri, mhd. vischaere. 
FN. Fischer, Vischer. Gen. Fischers 
(niederrhein.). 
Zss.: Deichfischer; Teichfischer. Hecht- 
fischer. — Fischermanns (Gladbach). 
Friesisch: Fisser, Visser (vgl. holländ. 
Visser) — auf Norderney sehr häufig. 
Flsehhaber III. „einer aus Fischau" — (alt 

Fischhauer und Fische wer Bück). 
Fisehnaller III. (romanisch -deutsch) „einer 

aus Vischinal" (vicinala „Gemeinweide"). 
Fisser s. Fischer. 
Flttlghaner s. Pfettenhauer. 
Fitz- s. Frith (einst. K.). 
Flaehsmann HI. „Flachsbauer, -händler". 

Niederd. Flafsmann. 
Flaeke s. Flad. 

FLAD I. mhd. vlät „Sauberkeit, Reinheit, 
Glanz" (vgl. den Gegensatz im Nhd. „Un- 
flat"). Fladebert 7. u. a. 
FN. (Fladerich): Fladerich — Flädrich. 
Einst. Kürzung: Flade — Flatt. Gen. 
Flatten. Patr. A. Fladung. 

Vklf. (k): Flocke — Flege (Preuß). 

Flammenkamp III. 1517 Hermann im 

Flamenkampe (niederländische Ansiedelung 

Preuß 33). 

Flas III. niederd. „Flachs" — in Zss. wie 

Flashaar — Flafskamp; Flafsdieck. 
Flatt- 8. Flad. 
Flegre s. Flad. 

Flelseh III. In mehrfachen Zss. (vgl. Eggi- 
hart Sulzeflaiske 1180): Qetisfleisch (der 
ursprüngliche FN. Gutenbergs). Kalbfleisch. 
Jungfleisch. Klopffleisch. Rindfleisch (vgl. 



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Fleischhacker 



Franciscus 



135 



ital. Delmanzo). Sötefleiseh (niederd. = 
Süßfleisch). 

Fleisehhacker, Flelsehliaaer m. = „Flei- 
scher". 

Fleischfresser HI. Spottname, der Seiten- 
stücke findet in Brodesser nnd Holtfreter 
, Holzfresser". Auch Verkenesser in Kölner 
Urkunden. 

Fleischmann m. „Fleisohverkäufer". Ver- 
griecht Sarkander. 

Flemisch III. ^ein Ylame*". 

Flcmming lU. mhd. Ylaeming ein «Fla- 
mänder, Vlame*. 
FN. Flemming; Flemmig, 

-fleth s. Fließ. 

Flenchaus III. Satz-N. „flieh aus* (wohl 

urspr. Fleugaus). 
Flcagimtanz IH. Satz-N. „flieg im Tanz", 

ein flotter Tänzer. 
Fliednerlll. „einer aus Flieden" (in Hessen). 
Fliegranf m. Satz-N. Ähnlich Fliegaus (der 
immer „ausfliegt"?). Fleuchatis; Fleich- 
atis. 
Fließ III. mhd. vlie?, altfries. flet (niederl. 
fleete) „Bach". Hochdeutsch Fliefs, -flüfs, 
doch vorherrschend in niederd. Gestalt: 
Fleeth^ -fleth (bes. an Elb- und Weser- 
Mündung). 
FN. Schönflies. Niederd. Bardenfleth; 
daraus entstellt Bahnfleth, Bomfleth 
(S. 87). Stockfleth (ehem. 0. Stocflethe 
in der Wilstermarsch). 
FLOB I. mundartliche Nebenf. von Hlod 
(Stark 15. 56). 
FN. Flothar: Floder — Fluder — Flöter. 
Patr. A. Floderer. 
Flodomar: Flömer. 
Einstämmige Kürzung Flod-. 
(Flodo): Flude. 
Vklf. (k): Flöek. (k + n) Flötgen. 
Flohrschtttz s. Flurschütz. 
Floras II. lat. „blühend". Schon ins Alt- 
deutsche aufgenommen, wo sich Florebert 
u. a. findet. 
FN. Flohr. Patr. A. Flöring. 

Vklf. (1): Flörl. (k): Flöricke; 
Flörke. 
Von Florus abgeleitet Florianus, dah. 
FN.: Florian. 



Flüh in. ahd. fluoh, mhd. vluo „Felswand", 
Fluh (Schweiz.). Niklas von der Flühe. 
FN. Zurflüh (Schweiz.). Fluhmann — 
Fliihmann, 
Flnrschtttz in. mhd. vluorschütze „der Feld- 
hüter«. 

FN. FlurschiUx — Flohrschütx. 
Fobbe s. Fulc (zweist. K.). 
Fock-, Föclc- s. Fulc (einst K.). 
Fokcs s. Fulc (einst. K.). 
Fol-, Fol- s. Fulc (V., einst K.). 
Fopp- s. Fulc (zweist K.). 
-fVrde 8. Furt. 
Förgr s. Ferg. 

F)(r8tcr in. ahd. forstÄri, mhd. vorstaere 
„Aufseher, Verwalter" der Forst. 
FN. Förster — Ferster (österr.). Zss. 
Hohförster. Waldförster. Wildförster 
(Wolfram wiltforstere 1211). 
Ohne Umlaut (wie noch heutzutage in 
Schwaben und Bayern „der Forster") : 
Förster^ Vorster. 
Mit dem n der schwachen Bildung 
Förstner; Forstner, 
Forstmann HI. = Förster. 
FItee s. Funs. 
Foss s. Fuchs. 
Föstc s. Fast 
Foth s. Fuß. 
Fräd- 8. Frith (V.). 
Frahn- s. Fraw. 

FEAKCI. zum Volksnamen der „Franken"; 
(ahd. Franko, mhd. Vranke) gehörig. Dieser 
Volksstamm wiederumist nach (ahd. francho), 
angels. franca, altnord. frakke „Wurf- 
spieß" genannt Francobert 8., Francard 6. 
FN. (Francolf): Frankloff. 
Einstämmige Kürzung Franc-. 

Franco, Frenko: Franke; Franck — 
Frenk. Gen. Franken — Frenken 
(niederrhein.). Patr. A. Frenking. 
Patr. Zss. Franksen. 

Vklf. (1): Frankl — Frenkel. 

(1 + n) Franoolin: Franklin. 

Franeisens II. latinis. aus dem Vorigen; der 

h. Franciscus von Assisi. 

FN. Franx (Zss. Franzmann und Schäfer- 

franx — Franxmeyer) — Frentxe. Gen. 

Franxen (niederrhein .) — Frentxen. Patr ^ 

Zs^^.Frenssen. Wiederlatinis.: i^an<*t««. 



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136 



Frank - 



Frith 



Vklf. (l): Frenxel (Zss. Mühl- 
frenxel), Latinis. Frenxeltus. ( z + 1) : 
Franxelin. (k): Franxke. 
Frank- a) I. s. Franc. — b) ÜI. als N. des 

Stammes vgl. „Bentz der frank" 1373. 
Franz- s. Franciscus. 

Fraßni. mhd. vrfiz ein „Fresser, Schlemmer", 
so Heinrich der Fraz 1292 (Bacm.), s. S. 48. 
Johann Hambsterf raß , Hans Ziegenfraß 16. Jh. 
Fraude s. Fred. 
Frauer s. Fraw. 
Frantz s. Frod. 

FRAW I. in der Hauptsache zu got. frauja, 
ahd. frö „Herr", frowa „Herrin, Frau", bes. 
in ihrer mythologischen Beziehung auf Fro 
und Frouwa — weniger zum Eigensch. fro 
„froh". 
FN. Frawipreht: Froharth. 

(Frawiher): Frauer — Freuer. 
Frauirat: Frorath. 
Frorich: Froreich, 
Frowin: Frohwein. 
Mit dem durch n erweiterten Stamme 
(vgl. Frowinlint u. a. Forst. S. 417). 
(Frowin hart) : Fr ahne rt — Frohnert. 
Einst Kürzung: Frohne — Frahne 
(niederd.). Patr. A. Froning — Fröh- 
ning. 

Vklf. (k): Frohncke. 
Fred-, Freed-, Frecl- s. Frith (V., einst. K.). 
Freerks s. Frith (V.). 
Freier, Frelert s. Fri. 
Freimann III. mhd. vrlman 1) ein „Freige- 
lassener", libertus 2) „Freiknecht", carnifex. 
Freisehmidtin. ein „unzünftiger Schmied **,wie 
„Freifleischer*', „Freischuster** (DW.), ferner 
„Freischlächter'*, „ Freischneider " (KB.). 
Freitag III. schon 1197 Sifridus Vrietak s. 
Tag. (Doch findet sich schon ahd. Frittag, 
zu Frith gehörig.) 
Als FN. meist Frey tag. Niederd. Friedag. 
Frenk- s. Franc. 
Frenssen, Frenz- s. Franciscus. 
Frer- s. Frith (V.). 

Fressenteufel III. Satz - N. : „ friß den Teufel **. 
Vretenduvel 1383 Gott, ürk.- Buch. (S. 52). 
Freuer s. Fraw. 

Freund I. III. schon im 8. Jh. Friunt Nieder- 
deutsch Fründi. Zss. Bier freund. Tausend- 
freund. (Vgl. franz. Bonami). 



Freyert s. Frith. 
Frey- s. Fri. 

FRI I. got. freis, ahd. fri, mhd. vrl „frei**. 
FN. Friard: Freiert. 

Friher: Freier, Freyer. 
(Friolt): Frey hold. 
Einstämmige Kürzung: Frey. 
FKIAS I. zu dem Volksnamen der „ Friesen **. 
Friskaer, Fresger 9. 
FN. Friaso: Friese; Fries — Frese — 
Fr eise. Gen. Friesen (doch auch ahd. 
Friasini) — Fresen (lat. Fresenius) — 
Freisen. Patr. A. Friesenga (ostfries.). 
Vklf. (k): Friesieke. 
Frick- s. Frith (V., einst. K.). 
Frieb- s. Frith (zweist. K.). 
Fried- s. Frith (V., einst K.). 
Friel s. Frith (einst. K.). 
Fries a) I. s. Frias b) lll. deutlich in de Fries, 

de Vries. 
Frille s. Frith (einst K.). 
Frimmer s. Fritt (V.). 
Frlsehauf IH. Satz-N. 
Frisehmuth UI. s. S. 48. 
FRITH I. ahd. fridu, mhd. vride, altsächs. 
frithu „Friede**, bes. in dem Sinne von 
„Sicherheit, Schutz**. Nachweislich in N. 
seit dem 4. Jh. (Gotenfürst Frithigern). 
FN. Frithuger: Fricker. 

Fridehere: Frieder — Fräder — 

Fedder (Jever). Gen. Frieders. 

Patr. A. Frederling. Patr. Zss. 

Feddersen (Hamb.). Verkleinert: 

Feddercke. 

Friduleib: Friedlieb. 

Fridumar : Frimmer— Fenimer (f ries.). 

Fridenand: Ferdinand — Fernand 

(wenn nicht zu Fart). 
Frithuric (seit 5. Jh.): Friederich; 
Friedrieh — Fräderich — jFVä- 
dereck — Frerick (westf .) — Fre- 
richmann — Fidrich. Gen. Frie- 
d(e)richs — Freriehs. — Frericks 
(Papenburg). — Latinis. Friederici, 
Patr. A. Frederking — Frerking. 
F&tr. Zss. Fr ledrichsen — Freerksen. 
Fridwald: Friedewald; Friedetcold. 
Frithuwai-d: Frevert (Preuß 5). 
Friduwin: Friedwein. 
Fridulf: Gen. Freelfs (ostfries.). 



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Fritsch 



Fulc 



137 



Einstämmige Kürzung Frith-. 

Frido, Feddo (aus Ferdo s. Stark 27): 
Friede — Frede — Fedde (Oldenb.) — 
Fette. Gen. Frieden. Patr. A. Freding 
— Fitting. 

Vklf. (1) Fridilo, FriUo: Friedet; 
Friedle — Frille — Friel. Gen. 
Freels. (l + n) Fridulin: Friedlein. 
(k) Frideco, Fricco, Feddeco, Ficcho: 
Fredike — Frieke (lat. Friecius) — 
Feitke—Ficke (Mufiger VN. Klemp.) 
— Vieck — Figge — Fiege — Feige. 
Gen. Ficibw. (k+ \): Frickel — 
Acite/ — i^ie^re/ -^ iTg^/. (z) 
Fi-ithezo: Fritxe; Fritx (Zss. Lanp- 
/W/ic) — Fritsche;Fritschi (scbweiz.) 
•— Fitxe — Fietx. Gen. Fritxen — 
Fritschen — Fitxen. (z + 1) : Früxel 
(z + k): Fritxke — Fitxke. 
Zweistämmige Kürzung Frithb-. 
(Fribo): Friebe; Frieb. 

Vklf. 0): Giebel (k): Fiebig. 
Zweistämmige Kürzung Frithm-. 

Gen. Fimmen (Jever). 
Auslautend (220 mal Forst.). 
'fried: Siegfried. Gen. -fritx (st. frids): 

Seifritx. 
-fert: Siefert. Gen. -ferts: Nieferx. 
-fart: Seifart. Herr fahr dt. Gen. -fartx: 

Hoffartx. 
'fer: Diefer. 
Fritsch-, Fritz- s. Frith (einst. K.). 
FrolMui;h s. Fraw. 
FrobVß 8. Frühbuß. 

FBOD I. got. frods, ahd. fruot, mhd. vruot, 
altsäohs. fröd (lat. prudens) ^verständig, 
weise *. 
FN. Frothar: Frodermann. 
Frodrich: Frödrich. 
Frodulf: Froloff. 
Einstämmige Kürzung Fruoto: Frohde — 
Fröde — Fruth — Fraitde. Gen. Frödden. 
Vklf. (l): Frodl. Oeu. Fröhls. (k): 
Frutig. (z): Frutx — Frautx. 
Fr5d-, Frohde s. Frod. 
Fr5hUeh a) I. s. Frod (Vrolicus VN. Klemp.) 

b) m. schon 1373 der frölich. 
FrShls s. Frod. 

Frohm-, From-, Frtfm- s. Frum. 
Frohii-, Froningr, Froh wein s. Fraw. 



Frommann a) I. s. Frum b) III. mhd. vram- 

man „Ehrenmann, Biedermann^. 
Frosch in. ahd. frosc, mhd. vrosch zu den 

Tiemamen. 
Frttchtenicht in. Satz-N. , fürchte nichts*. 
Frühbuß III. 0. Frühbuß in Böhmen, Friebus 
in Böhmen und Sachsen. 
FN. Frühbufs — Froböfs. 
FRIJM I. ahd. mhd. frum „ fromm «*, d. i. 
„tüchtig, wacker", ahd. ftnima das „From- 
men'*. 
FN. (Frumihard): Frommert, 
Frumiher: Frommer. 
Frumirih: Frömmerich. 
Frumold: Frommelt; Frommhold — 
Frömmelt. Gen. Frommholx. 
Einstämmige Kürzung frum-. 

Frumm — Fromme; Fromm — Frohme. 
Patr. A. Fruming: Frömming. 

Vklf. (l): Frommel — Frömmel 
— Fr'&mel. (k): Fromke — Frömeke. 
Frttndt s. Freund. 
Fmt- s. Frod. 

Fachs III. meist nach der Farbe des Haares; 

so wii-d in der Lübecker Bürgerrolle für das 

J. 1322 der eine von zwei Brüdern Richard 

Vos, der andere Johannes de rode genannt, 

offenbar nach derselben Ursache. Peter der 

fuhs 1360. Emercho dictus de Jungefos 1298. 

FN. Fuchs, Fux — latinis. Fuchsins 

(daher die Blume Fuchsie) und Vtdpius. 

Verkleinert: Füchsel. 

Zss. Rotfuchs. Sandfuchs. Schrecken- 
fuchs {impeiat). Niederd. de Vos; Vofs, 
Fofs. Gen. Vossen (niederrhein.). Patr. 
A. Vössifig. Zss. Rothfos — Sandvofs. 
Vosxaly vgl. Jäck fuchsschwantz 1466 
Bacm.). — Vofswinkel. 
Fuck- 8. Fulc (V.). 
-fues s. Fuß. 
Fnglsang s. Vogelsang. 
Fuhrmann III. Auch Gen. Ftihrmanns 

(niederrhein.). 
Fuhsc s. Funs. 
Fol- s. Fulk (V.). 

FULC I. ahd. folc, folch, mhd. volc „Volk'' 

(Kriegsvolk). 

FN. Folcberaht: Fulbrecht; Fulpracht — 

Volbrecht ; Volprecht ; VoWert ; 

Vollbracht; Vollborth; Vollbrod; 



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138 



Füllekrus 



Fuß 



Vollbehr — Völber. Gen. Volbera 
— Folpts (ostfries. Rup. 7: Folpt= 
Volcbert). Patr. A. Vollbring; 
Vollbeding, 

Fulbrand : Volbrand. 
Folhker: Volger. 

Fulchard: Fuckart — Volkhart; 
Volekardt; Volkert — Folchert — 
Folgert — Volhardt; Vollard; 
Votiert, Gen. Folkerts, 
Fulchar : Volcker — Völcker — Folter, 
Gen. Folkers — Völkers — Völlers. 
Patr. A. Völkerling, 
Folcleih: Volley. 
Folcman: Volhnann. 
Folcmar: Volkmar; Volkmer — Voll- 
mar; Folmer — Föllmer. Patr. 
A. Vollmering. 
Folmuot: Volkmuth — Vollmuth, 
Folcnand: Volkenand. 
Fulcrad: Vollrath; Vollrad, 
Fulcrich: Gen. Folrichs, 
Fulouald, Volcold: Vollgold — Vol- 

kelt. Gen. Volkholtx, 
Fol c ward: Volktvarth; Volqnardt, 
Gen. VoüquardSf Vollquarx. Patr. 
Zss. Volquardsen (schlesw.). 
Folcwin: Folhcein. 
Folculf: Gen. Ftdfs (ostfries.). 
Einstämmige Kürzung Fulc-. 

Fulco, Focko: Volke; Volk — Folg — 
Volk — Voll — Föll — Vocke; Fock 
— Fauk. Gen. Volkens — Fölks — 
Fokes (ostfries.) — Fockena (ostfries.). 
Patr. A. FöUing — Föcking — Fockenga 
(ostfries.). 

Vklf. (1): Fölkel; Völkle — Föckel. 
(1 + n): Völklein, (z) Folzo: Voh 
— Foix, (z + 1) : Völxel. (z + k) : 
Völxke (daraus Falsch , Felsch in 
Pomm.). 

Zweistämmige Kürzung Fulcb-. 

Foppo: Fobbe — Fopp, Gen. Foppen. 
Zweistämmige Kürzung Fulcm-. 
Fulmo: Völm, 

Vklf. (1): Völmlc. (k): Völlmicke. 
FtUlekrus III. Satz-N. „fülle den Krug*' (s. 

Kraus); auch Füllkrufs. 
Fiillyraf= Vollgraff s. Graf. 



FtUlknig m. Satz-N. „fülle den Krug« (s. 

Füllekrus). 
FÜNS I. ahd. funs, altsächs., altfries. füs 
„bereit, willig« (vgl. Alfons). 
FN. Einst. Kürzung Fuso: Fuhse—Föse. 
Gen. Ft4sen, 

Auslautend (14 mal Forst.): 
'fus (Arifus 8., Garifus), umgedeutet 
in 'fufs: Äie/w/s (Sigifuns). Beilfufs 
(Bilifuns?). ÖatV/w/s (Gailfuns). J3etrf- 
fufs; Heitefufs {R&i^fxkii^'f), Pernfufs 
(Bernefans). 
Fttrbringrer III. der eine Sache vorbringt, 

„Rechtsanwalt«. 
Fttrehtegrott III. Satz-N. „fürchte Gott!« 

Auch Förchtegott, 
Fttrehtenieht IH. Satz-N. „fürchte nichts«. 

Niederd. Früchtenicht (Hamburg). 
Fnrt III. ahd. fürt, mhd. vurt „Furt, Bahn«. 
In ON. Fürth y -fürt, -forth — niederd. 

'fordj 'fordey -forde, 
FN. 1) Steinfurt. Diüfurth. Herfurth, 
Schweinfurth. Frfurdt. 

2) Hafsforth (0. -fürt). Reckforth. 
Sandfort. Steinforth, 

3) Herford, 

4) V, Beverförde, Böckenförde. 
Ableitung auf -er (oberd.)|: Weinfurter, 

Hasenforter. 
Fasen s. Funs. 

Fuß a) I. von Funs, woher der altd. PN. 
Fuso — namentlich in den Zss. Oailfufs, 
Siefufs u. a. (s. Funs). 

Umdeutung aus latinisierten N.: Dol- 
fus aus Dolf, Abkürzung für Adolf (als 
PN. in Köln Dolf es, s. Andresen S. 23), 
dann Dollfufs geschrieben. Ebenso Rol- 
fuSy Rollfufs aus Rudolf zsgz. Rolf. 

b) ni. den Körperteil bezeichnend, vgl. 
Otto Vuoz 1212. Yklf. (1) Füfsel; Fuifsel 
(Wien). Füfsli (schweiz.) und Füeslin 
(oder zu a) gehörig?). 

Bes. in vielen Zss. Barfufs (niederd. Bar- 
fot, Barfft 1511 Klemp.). Blaufufs. Breit- 
fufs (vgl. Henricus dict. Breytfuz 1306). 
Oelbfufs, Orofsfufs. Ougelfufs (württ). 
Holxfufs. Kaulfufs, Krumfufs, Leiehtfufs, 
halbniederd. Lichtfufs. Plaixfufs, Rauch- 
fufs, halbniederd. Ruhfufs, Scharr fufs, 
Schmalfufs. Schneefufs. Schönfufs. — 



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Fütterer 



Gand 



139 



Niederd. Kliefoth. Stolterfoth. Holtfoeth 
(oe = Viersen). 

Sehr häufig sind Zss. mit Tiernamen, 
wie schon im J. 1212 Hartlieb Gensevuz: 

Hasenfties (vgl. das Appellat. ,,Hasen- 
fuß'*). Hühner fufs. Kalbfus. Kranefufs; 
Krohnfufs. Kuhfufs; Kühfufs (eine württ 
Familie d. N. ließ sich vor 30 J. in ßeiff 
umtaufen). Lamms fufs. Muckenfufs, Mug- 
genfufs. Rehfues (wohl wegen der Zierlich- 
keit). Rindsfufs. Schweine fufs. Ziegenfufs. 

Imperativisch: Regenfufs. Streckfufs. 
Fütterer III. mhd. fuoteraere „Futterhändler*, 
(in Halle früher eine besondere Zunft bildend. 
Kleemann.) 

G. 

Oaab s. Gab. 

OAB, GIB I. got. giban, angels. gifan, ahd. 
kepan, mhd. geben ^geben*'. Freigebigkeit, 
bes. auch als Gastfreundschaft, ein schöner 
Zug des altgermanischen Lebens. 
FN. (Gebeberaht): Gabrecht 

Gibfrid: Gtebfried — Gepfert — 
GefferL Gen. Giefers — Geffers. 
Gebahard: Gebhard — Gebert — 
Geppert — Gewert — Giebert — 
Kiepert — Gippert. Patr. A. 
Geberding — Gebhardter (Wien). 
Gibaheri: Geber — Keber. Gen. 

Gebbers — Gevers. 
Geberad: Gebrat. 
Giperich: Gipperich. 
Gebald: Gabold — Gebelt — Geppelt. 
Einstämmige Kürzung Gab-. 

Gabo, Gebo, Gibo: Gabe — Jaap — 
Gabbe — Gapp — Gebbe — Geeb 

— Gewe — Giebe — Kiepe — Jipp 

— Kipp. Gen. Jähes — Jobben 

— Keben — Jebens — Jippen. 
Patr. A. Japping — Giebing. 

Vklf. (i) Gebi: Giffey. (1): Gabel 

— Gabele; Gebell — Geppel — 
Giebel. G + n): Gäbelein, (k.): 
Gabcke — Gebecke — Gewecke — 
Geffke — Kiepke. Gen. Gebken — 
Geffken. 

Oab-, Gab- s. Gab (V., einst. K.). 

Gabbe s. Gab (einst. K.). 

Gaberler südd. Patronym. von Gabriel. 



Gade, G»d- s. God (einst. K.). 
Crafher III. ein bemer Geschlecht = „Hütten- 
mann ", vgl. in Wallis das Geschlecht xen 
Gafinen „bei den Hütten** aus capanna, in 
der lingua rustica = Bauemhütte, Senn- 
hütte — dah. franz. cabane, engl, cabine 
(Gatschet, Ortsetymolog. Forschungen). 
GAID I. langobard. gaida, angels. g&du 
„lÄUzenspitze." 

FN. Gaiduald: Keudell — Keutel. 
Einstämmige Kürzung Gaid-. 

Gaido: Geide — Geith — Keith. 
Vklf. (z): Keit%. 
Zweistämmige Kürzung Gaidb-. 

(Geibo): Geib. Vklf. (1): Geibel — 
Keibel. (Oder zu Gib.) 
Zweistämmige Kürzung Gaidm-. 

(Geimo): Oeim (Vklf .) (k) : Geimecke. 
GAIL I. ahd. gail, keil, mhd. geil „mut- 
willig, übermütig, lustig'* (Stammwort für 
ital. gala, franz. galon Borte und galant). 
FN. Geilbard: Keilert — Geiler ^ Gayler. 
Einstämmige Kürzung Geil-. 

Gallo, Keilo, Gelo: Gayle; Geil — 
Keil — Gehl — Jehle. Patr. A. 
Keiling. 
Gailin: Gehlen. 
Vklf. (k): Geilich — Keüig. 
Gaißer III. ahd gei?ari „ Ziegenhirt **. 
Gallus U. lai der „Gallier;"; d. h. GaUus, 
Irländer von Geburt, Gründer der Abtei 
St. Gallen in der Schweiz, gest. 646. 
FN. Galle; Gall. 
GAMAL I. zu nord. gamal, angels. gamol 
„alt^ 

FN. Gamalheri: Gammler — Kammler — 
Kämmler. 
Einstämmige Kürzung Gamal-. 
(Gamalo): Gammel — Kammel. 
Gambsjäfer HL süddeutsch „Gemsenjäger*. 
GANB I. vielleicht auf altnord. gandr „Wer- 
wolf zu beziehen. 
FN. Ganthar: Ganter — Genther. Gen. 
Genters. 
Gandaricus: Gandrich — Genderich 

— Gennerich — Jennrich. 
Gandulf: Gandolf. 

Einstämmige Kürzung Gand-. 

Ganto, Canto7 Gento: Gante — KafU 

— Jentho — Genthe (Gentemann). 



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140 



Gang 



Gari 



Vklf . (1) Cantulo : QmdeU — Oentel 

— Kentel, (k): OarUke, (z): OanU 

— Kantx — Genx, — Oentxach. 
Patr. Zss. Genxensohn. (z + 1): 
Ganxel — Oentxd — Oentel. 
(z + k): Ganxke. 

Zweistämmige Kürzung Gandb-. 
(Gampo): Gamp. 
Vklf. (1): Gempel. 
OANG I. zu got. gaggan, ahd. gangan „gehen", 
angels. gang, altnord. gangr „heftiger An- 
drang, Ansturm". 
FN. Gangerih: Gengerick. 

Gangulf: Gcungwolf — Gangehff; 
Gangloff; Gangauf. 
Einstämmige Kürzung Gang-. 
Gange: Gange; Gang. 

Vklf. (i) Gangi: Gangei. (1): 
Gangel. 
Auslautend (10 mal Forst.). 
-gang: Wittgang. 
Gans III. zu den Tiernamen. Frideric. cog 
nom. Bi-adegans 13. Jh. Klempin: Vale- 



FN. Gans. — Riedgans. Schneegans. 
Wildegans. — Gänswürger. 
Oant- s. Gand. 

Gantenbrink III. der „Gänserichsbrink", vom 
niederd. Gant, ahd. ganazo, mhd. ganze 
Gänserich. 
Oantz-, Ganz- s. Gand. 
Gapp- s. Gab (einst. K.). 
GAR I. ahd. ker, ger, mhd. ger, angels. 
gär „Ger, Wurfspeer". 
FN. Garibald: Gerbald; Gerbet; Gerbel. 
Garibert: Garber — Gerbracht; 
Gerbert. Gen. Garbers. Patr. A. 
Gerberding. 
Gerbodo: Garbade ^ Gerbode; Ger- 

both; Gerpott. 
Gerbrand: Gerbrandt. Gen. Gar- 

brands, 
Garehard: Gerhard; Gerard— Gör- 
hardt — zsgz. Gehret; Gehrt 
(Geertmann). Gen. Gerhards; 
Gerards — Gerdes — Geerdts — 
Gerriets (fries.). Zss. Gerdesmeyer. 
Patr. A. Gerding. Patr. Zss. 
Gerdsen (ostfries.) — Gerritxen 
(Kleve) — Görritxen (schlosw.) — 



Geertsema] Gerxema; Gersema 

(ostfries.). 
Gerland: Gerland. 
Gerleip: Garlepp; Gar leb; Garlipp 

— Karlipp — umgedeutet Garlieb. 
Geroiah (s. Laie): Garlieh; Garlaeh; 

Garlei — Gerli^; Gerlach — 

— Görlich; Görlaeh. Gen öör- 
lichs. Patr. A. Gerlacher. 

Garaman : Ga^ma/nn — Karmann — 
Gehrmann — Germann — Jerr- 
mann. 

Garimar: Garnier — Jarmer — Ger- 

mar; Germer. Gen. Garmers. 
Germ not: JarmtUh. Vklf. Germotl 

(Gottschee). 
Garimund: Germund. 
Gemand: Gemant — Gömandt. 
Gemot: Gemoth. 
Garivald: Gerold; Gerhold — Jer- 

rold — zsgz. GerU — Göraldt. 

Gen. GarreUs (ostfries.) — Ger- 

höh, — Gerrelts. 
Gerawig: Gerwig. 
Garuin: Gencin (lat. Gervinus)\ 

Jerwien — Kencien. 
Garulf: Garleff — Karlauf — Ger- 

loff; Gerlhoff — Grolf (Gottschee). 

Gen. Garreifs — GraaXfs (beide 

ostfries.). 

Einstämmige Kürzung Ger-. 

Gero, Kero: Gehre •— Kehr. Gen. 
Geers; Geeren — Kahrs — Kehren 

— Gören. Patr. A. Gehring, 
Jhering; Gehrung — Göring; 
Göhrung. 

Vklf. (1): GerU. Gen. GehreU 
(Oldenb.). Patr. A. Garling — 
Gerling. (k): Gareke — Gericke; 
Jericke — Gehrke; Gehrigk; 
Gehrich — Göreke. Gen. Gerekens. 
Patr. A. Gerking, (z): Gareis — 
Jahreis — Geerx (auch Gen. zu 
Gehrt) — Garsehe — Gerseh. 
Patr. A. Gersching. 
Zweistämmige Kürzung Gerb-, 

(Gerbo): Garbe— Gerb. Gen. Garbs 

— Gerwes. Patr. A. Gerwing. 
Vklf. (1): Gerbel. (k): Gerbig. 



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Garb 



Oankler 



141 



Zweistämmige Kürzung Germ-. 

Genno: Qärme — Oerm. Gen. 
Qerma — Kerms. 
Aoslaatend (195 mal Forst). 
-ger: Hilger, 
-eher: Röttcker. 
'her: Hüker. 
Garb- s. Gar (V., zweist K.). 
OARD I. got. gards, ahd. gart „Haus, Ge- 
höft". Gardulf. 

Einstämmige Kürzung Gard-. 

Patr. A. Garding: Gerting; Oertung, 
Vklf. (1): Gardila: Oerdtell Patr. 
A. Gertling. 
Auslautend (113 mal, meist w. Forst). 
-grardt s. Gart. 
Crarels s. Gar (einst K.). 
Garl-, Garm- s. Gar (V.). 
Gan^ost II. in. s. Jodocus. Vgl. Gereke 

Gorenköper 1590 = Gamaufkäufer. 
Garr- s. Gar (V. , einst. K.). 
Gart III. got gards, abd. garto, mhd. garte 
„Umzäunung; dann Wohnung; Garten". Jetzt 
nicht bloß in zahllosen Garten -N., sondern 
auch für Städte und Dörfer gebräuchlich: 
in der älteren F. -gart, in der neueren 
-garten. 
FN. 1) Rosengart. Weingart, Baumgardt, 
Schöngardt. Thiergardt {mohDier- 
gardt). — Vereinzelt Baumgarte. 

2) Baumgarten — von Paumgarten 
(österr.). von Hopfgarten. Wein- 
garten. 

3) -gaard (dänisch): Knudsgaard. 
Möllgaard (beide in Nordschleswig). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -garter: Stuttgardter. 

2) -gartner: Baumgartner. Eirsch- 
gartner (0. Hii-sgarten). 

-garten, -gartner s. Gart. 

Glrtner ÜI. ahd. gartinäri, mhd. gartenaere, 
später auch gertenaere (doch noch im 15. 
bis 17. Jh. auch „gartner") „Gärtner" d. i. 
1) einer, der den Gartenbau kunst- und 
zunftmäßig übt 2) Besitzer eines Hauses 
nebst kleinem Grundstück, aber ohne Feld 
(im östlichen Deutschland, bes. Sachsen, 
Schlesien). 
FN. Gärtner — Gartner. Zss. Baum- 
gärtner. Hopfengärtner. Weingärtner. 



Gaspers s. Kaspar. 
Gasser s. Gaß. 
Gassert s. Gast 

GAST I. got gasts, ahd. gast, mhd. gast 
„Fremdling, Gast", bes. „fremder Krieger, 
landfahrender Reckens 
FN. Gastrad: Gaster— Jaster— Gassert. 
Patr. A. Gesterding. 
(Gastram): Gastram — Jesstram. 
Castricus: Gestrick — Gö'strich. 
(Gastolf): Gastolph. 
Einstämmige Kürzung Gast-. 

Gaste: Gaste; Gast. Gen. Gasten. 
Vklf. (1): Gastet — Jestel. 
Auslautend (44 mal Forst): 
Liudigast: Leidgast. 
Gaß III. ahd. ga;;a, mhd. ga^^e „Gasse". 
Sicher in Ortsbezeichnungen seit dem 10. Jh.; 
jetzt „Gassen" in fast allen deutschen Städten, 
aber auch etwa 100 ganze bewohnte örter 
auf -gasse, -gafs. 
FN. Steingafs. Rothengafs. — Windgassen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -gasser: Gasser (vgl. Job. in der 
gassun 1330). Ädelgasser (bayr.). 
Breitengasser. Jjanggasser. Mein- 
gasser (Salzb.). 

2) Gafsner. 

3) -gesser: Bomgesser (bayr.). Nun- 
gesser. Querengässer (alt Quem- 
gesser und Querchgesser — Koch, 
Saalfeld. FN.) 

4) -gefsner: Kirchgefsner. 
Gan s. Gaw. 

Ganekstert III. niederd. „ Kuckucksschwanz ". 
GAUB I. auf den Volksnamen der „Goten" 
zu beziehen (Grimm, Gesch. der deutschen 
Sprache S. 308). 
FN. Gauter: Gauder. 
Gaudomar: Gaumer. 
Einstämmige Kürzung Gaudo: Gaude — 
Gaut. Vklf. (k): Gaudig. 
Gane s. Gaw. 
Gaagengigl III. mhd. gugelgige, guckengegel 

„Narr, Geck". 
Gaoke s. Gaw. 

Gaokier III. ahd. gougul&ri, mhd. gougelaere 
zusammenfassender N. fi'.r mancherlei wan- 
dernde Künstler: „Zauberer, Taschenspieler; 
auch Schauspieler". 



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142 



Gaurn 



Gerathewohl 



Gaurn s. Gund (zweist. K.). 

Gaamer, Gansrapp s. Goz. 

Gausepohl HL oiedeixi. „Gänsepfuhl.* 

Gaat s. Gaud. 

GtkVf I. got. gavi, abd. gawi, mhd. gou 
„Gau*, die uralte, auf Staats-, Gerichts- 
und Heerwesen bezügliche Unterabteilung 
der deutschen Volksstämme. 
FN. Gawibert: Kaupert. 

Gawiman: Qoymann — Oöhmann, 
Einstämmige Kürzung Gau-. 
Gawo: Oaue; Gau, 

Vklf. (1): Gaul, (k): Gauke. Gen. 
Jctukens, 

Gayer s. Geier. 

Gayl- s. Gail. 

Geb- 8. Gab (V., einst. K.). 

Crebaner III. (Ton auf der zweiten Silbe) 

1) mhd. gebür „Nachbar* 2) mhd. gebüre 

„Bauer*. Cunrad Gebur 1304. 

FN. Gebauer; Gebauhr, Zss. Grofsgebaver, 

Ealbgebauer, Neugebauer; verderbt 

Neigebaur (Nygebüre 1385). 

Gedleke s. God (einst. E.). 

Geeb s. Gab (einst. K.). 

Geelhaar III. „mit gelbem (blondem) Haar*. 

Geelhood s. Hut. 

Geer- s. Ger (V., einst K.). 

Geff- 8. Gab (V., einst. K.). 

Gehl- s. Gail. 

Gehr- s. Gar (V., einst. K.). 

Gelb- s. Gaid. 

Gelde s. Gaid. 

Geler III. zu den Tiemamen. „Die v. Geyer 
stammen von einem altkölnischen Geschlechto, 
das von seinem Hause „zum Geyer* de Vul- 
turein der Rheingasse] den N. Gyr ange- 
nommen, auch einen Geier im Wappen 
führte. Sie erkauften 1716 die Schweppen- 
burg von den von Loen, daher G. von 
Schweppenburg'S (Rheinischer Antiquarius). 
FN. Geier, Gay er; Geyr. 

Gell- s. Gail. 

Gelm- 8. Gaid (zweist. K.). 

Geiß, Gels- s. Gis. 

Geisel-, Geißel-, Geisl- s. Gisal. 

Gelth s. Gaid. 

Geldmacher III. sehr modern klingender N., 
an das ameiikanische make money erinnernd; 
jedoch wohl =- „ Münzpr*,bps.Fal8chmünzer. 



GELF I. ahd. gelf „lautes Schallen*; alt- 

Sachs, gelp „trotzige Rede* dem Feinde 

gegenüber. (Vgl. Hildebrandslied u. Nibelung.) 

FN. Gelfrat: Gelfrat\ Gelfert - GölferL 

Einstämmige Kürzung Gelf-. 

Vklf. (k): Gelpke. 

Gelhaar III. „Gelbhaar'S Gelbe, blonde Haare 
galten bes. auch in der ritterlichen Zeit als 
Schönheit. 
Geliert s. Gisal. 
Gelp- s. Gelf. 
C^lzer ni. „Viehverschneider" (von geizen). 

Auch Göher. 
Gemeinhardt lU. „Gemeindehirt". 
Gempel s. Gand (zweist. K.). 
Cren - s. Gand. 
Gengr- s. Gang. 

C^nsfleisch lU. eine alte angesehene Patrizier- 
Familie zu Mainz. Frielo G. hatte im 14. Jh. 
die Erbtochter Elsa, von dem alten Ge- 
schlechte derer xum Gtätenberge, gehei- 
ratet und dessen Güter den seinigen hinzu- 
gefügt. Sie wohnten im Hofe zum Gutten- 
berge am St. Christoffels- Kirchhofe, und 
hier wurden ihnen zwei Söhne geboren: 
Frielo und Henne (Johannes), der letztere, 
der berühmte Erfinder der Buchdruckerkunst, 
wahrscheinlich 1397. 
C^nsterblom IH. (Mainz) „Ginsterblume.'^ 
Gentseh s. Gand. 

C^orgrius II. griech. der „Landbauer"; der 
h. Georg, welcher angeblich unter Diocletian 
gelebt hat, Patron der Ritterechaft (S. 25). 
FN. Georgias. Gen. (lat.) Georgtt^ ge- 
wöhnl. zsgz. Georgi. 
Mit Kürzung im Auslaut: Georges — 
Jorges (od. Genet?) — George; Georg 
(Zss. Kirchgeorg) — Görg; Jörg — 
Jürge, — Girg (Wien). Gen. Görgen 
(Dmngörgen) ; Görges — Jorgas — 
Jürgafs (Jurges 1434) — Jürgens; 
Jürriens; Jürrens — Dfuren (fries.). 
Patr. A. Görger (Karlsruhe, Fröhn.); 
Jörger. Patr. Zss. Georgensohn — 
Jürgensen — Jirgensohn. 
Vklf. (1): Görgel. 
Gep- s. Gab (V., einst. K.). 
€rer- s. Gar (V., einst K. — bei Gerb- und 

Gemt' auch zweist. K.). 
Gerathewohl III. Satz-N. „gerate wohl." 



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Gerber 



Oisal 



143 



FN. Graticohl — Qerothwohl — Oroth- 
wohl, 
Clerber ÜI. mbd. garwer, gerwer „der das 
Leder gar macht, zubereitet'^ 
FN. Gerber. Zss. Rothgerber, Weifsgerber 
(mhd. wizgerwer). Splütgerber^ in 
älterer F. Splütegarb, 
C^reat III. mhd. geriute „durch Reuten ur- 
bar gemachtes Stück Land.^^ Häufiger ON. 
FN. Vom Öreuth. Am GriUh. Oreuter. 
OriUer. Oreutmann, 
GERN I. got gaims, ahd. mhd. gern „be- 
gieriges mit Bezug auf die ungestüme Kampf- 
lust der Germanen. Gornolt. 
FN. (Gernhard): Qemerth; Gemet. 
(Gemheri): Gemer. 
Gerngrroß III. Cunrad Gerengroz 1333. Noch 

jetzt appellativ: ein „Gernegroß". 
Oerr- s. Gar (V.). 
Gert- 8. Gard. 

Gerw- 8. Gar (V. , zweist. K.). 
Geselbraeht s. Gisal. 

Geselle m. ahd. gisello mhd. geselle ui'spr. 
„Hausgenosse^ (von sal Haus), dann „Ge- 
fährte, Freund*, auch „Gehülfe'* bei einer 
Arbeit. Heinrich Geselle 1300. 
FN. GeseU — Gsell (südd.; Feter GseU 
1492 Augsb.). Gsöll (Wien). Lat 
Gsellius. 
Zss. FrischgeselL Gutgesell. Liebergesell. 
Taggesell. Obergsell (südd.). 
Geske s. Gis. 
-gesser s. Gaß 
Geßler s. Gisal. 
Geßmer s. Gis. 
Gest- s. Gast. 
Geßweln s. Gis. 
GeTera s. Gab (V.). 
Gew- 8. Gab (V., einst. K.). 
Geyr s. Geier. 
Geyg s. Gis. 

Gleb- 8. Gab (V., einst. K.). 
Giefera s. Gab (V.). 

Glegengaek IE. Spottname für „Bierfiedler**. 
Giehl-, Giel s. Gisal. 
Gier- 8. Gir. 
Gies- s. Gis. 

Giesel-, GIeßel- s. Gisal. 
Gießenbier s. Bier. 
Glffey 8. Gab (einst. K.). 



GUb- 8. Gisal. 

Gildemeister III. „Vorsteher einer Gilde**. 

Auch Gilhneister. 
Gill-, Gilmer s. Gisal. 
Gilles, s. Aegidius. 
Gipp- s. Gab (V.). 
GIR I. ahd. girl, kirt, mhd. gir „Begehren, 

Verlangen (nach Kampf?) ** nicht sicher von 
gar zu trennen. 

FN. Gii-art: Gierhardt — zsgz. Girth. 
Girannus: Gieram. 
Giroald: Kirwald. 
Girulf : Gierloff — Kierulff. 
Finstämmige Kürzung Gir-. 

Giro: Giere — Kier, Gen. Gieren; 
Giers — Kiers — Giersch. Patr. 
A. Giering. 

Vklf. (1): Girl — Gierl. Patr. A. 
Gierling. Gen. Girlings. (k): 
Giercke; Gierig; Gier ach. 
Glrgr 8. Georgius. 
Girsehner s. Kürschner. 
GIS I. mit Gais und Gar „Speer** verwandt 
FN. Gisbert: Giesebrecht — Gisbrecht; 
Gisbert. Gen. Gisbertx. 
Gisibrand: Gisebrandt. 
Gisher: Gieser — Kieser. 
Gisaleicus: Kieslich. 
(Giseman): Giesmann. 
Gisemar: Geysfner — Gefsmer. 
Gissold: Gieswald; Gieshold. 
Gisoin: Gieswein — Gefswein. 
Gisulf: Geislauff. 
Einstämmige Kürzug Gis-. 

Giso, Kiso: Giese -— Kiese; Kiefs — 
Kifs — Geyso; Geifs — Gese 
(Gesemann). Gen. Geisen. Patr. 
A. Giesing — Gissing. 
Vklf. (i): Gisi; Gysi (schweiz.). 
(k): Giesecke — Geske. Patr. A. 
Gieseking. (l+n): Kifslin. 
Anlautend (116 mal Forst). 
'gis: Maingis. 
-gies: Ortgies. 
-geifs: Ädelgeifs. 
GISAL I. ahd. gisal, klsal, mhd. gtsel „Gei- 
sel** (Kriegsgefangner). Gisal zsgz. Gill- (so 
Gilla = Gisila im Polypt Irmin. S. 50, 
Gillebert für Gislebert Pertz Monum. Vlll). 



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144 



Gissel 



Göldner 



FN. Gisalbreht, Gilpreht: OiefseWreeht — 
Gisselbrecht — Oeifselbrecht — 
eselbracht — OiWrecht; Oilbert 

— Kilbert, Gen. Oilbers, 
Gisalhart: Oeiselhardt — Oeifselhard 

— Gillert — OdlerL 

Gisilhar: Oieseler — Kieseler — 
Qeiseler; eisler — Oefsler — 
Oiehler — QHler. 

Gisalroar, Gilmar: Gtlmer — Külmer. 

Gisalolf: Geislauff — Giehloff. 
Einstäramige Kürzung Gisal-. 

Gisilo: Giesel — Kiesel — Kiefsel — 
Gissel — Geisel; Geisle — Geifsel 

— Giel, Gen. Gielen (niederrhein.), 
Patr. A. Kieseling — Kiefsling. 

Gissel- 8. Gisal. 

Olaser III. mhd. glaser — auch mit Umlaut 
(so im KB. noch im 17. Jh. öfters der 
Gläser, weibl. Gläserinne). 
FN. Glaser — Gläser, 
Mit dem n der schwachen Bildung ^gleß- 
ner** (in einer hessischen ürk. von 1537 
Hoffm.) FN. Glafsmr — Gläfsner. 
Glttser, Gläßner s. Glaser. 
Glaa- 8. Glaw. 

GLiW I. got. glaggvus, ahd. glau, klau 
„scharfsichtig, einsichtsvoll''. 
FN. Glauperaht: Glaubrecht; Glaubrech 

— Klauprecht — Glubrecht. Gen. 
Klubertx. 

(Glauhart): Glauert. 
(Glawold): Klauhold. 
Einstämmige Kürzung: Glaiw — Klaue. 
Gl^kner III. mhd. glockenaere. 

FN. Glöckner — Glockner. Auch Glocker 
— Glöckler. Niederd. Klöckner. 
GlIMe, Gloth s. Hlod (einst. K.). 
Glabreeht s. Glaw. 
Glath s. Hlod (einst K.). 
GnSrleh s. Knod. 

G»b-, Gobb- 8.God (V., zweist. K.). 
Gl^bbel s. God (zweist. K.). 
Gobert s. God (V.). 
Goek-, G«ck- s. God (einst. K.). 
GOD I. got. guth, gud, ahd. got, kot, mhd. 
got „Gott**. 
FN. Godebald: Goppelt — Koppold — 
Kobhelt — Kabelt. 



Godabert: Gotibrechi; Gotibraih — 
Gobbert — Gobert — Göppert. 

Godafrid: Gottfried — Göttfried — 
Goffarth — Goffrey — Göpfert — 
Göbfardt — Göfert. 

Gotahard: Godehard — Goddard — 
Gotthardt; Gottert — Gödert — 
Göttert — zsgz. Gohrt — Gördt. 
Gen. Gödderx. 

Godehar: Goder — Gotier — Göder 

— Göther. 

Godolef: Gottlieb (umgedeutet). Gen. 

(zsgz.) Jolfs. 
Godolec: Gottlack; Gottlick; Gottlich 

— Göttlich. 
Gotrat: Gorath, 

Godoscalcus: GottschaUk; Gott- 

schalch (g); Gottschall. 
Godedanc: Goddang. 
Gotadeo: Kodei (oder aus Kodag). 
Godovald: Gottwald — Gotthold (so- 
weit aus Godold umgedeutet) — 
Godelt; Godet — Gödelt. 
Goduin : Gottwein — Gowin — Jowien. 
Godulf : Kottlof — Kolloff. 
Mit Erweiterung durch 1: 

Godalhard: Gollhardt; Gollert. 
Godelmar: Gollmer — KoUnwr. 
Sämtliche Sproßformen s. Anhang 1. 
God-, GM- s. God. (V., einst K.). 
Glkidertz s. God (V.). 
GSens s. God (einst. K.). 
Goethe I. s. God (einst K.). 
Goff- s. God (V.). 
GUgrgr- s. God (einst K.). 
Gop^we III. „Gaugraf" s. Graf. 
Gohi-, Gl^hl- s. God (einst K.). 
Gljhmanii s. Gaw. 
Gohrt s. God (V., Gotahard.). 
Gl^hrangr s. Gar (einst. K.). 
G«k- s. God (einst K.). 
Göker (1536: de Godeker = Godeking) s.God. 
Goldammer m., auch Goltdammer zu den 

Vogel -N. (embeiiza citrinella). 
Goldfinger III. der vierte Finger der Hand, 

an welchem der Goldring getragen wird. 
Göldner HI. „Vergolder" (Reichel, Gewerbe 
i m steirischen Marburg 13. — 15. Jh 
Goldner). 



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Goldsticker 



Grathwohl 



145 



Goldstieker III. einer der «mit Gold stickt'^. 

Verderbt: Ooldstücker. 
Gmfert s. Gelf. 

Goll- 8. God (einst K., erweit. V.). 
GWl s. God (einst K.). 
Oolzer, GSlzer s. Geizer. 
Gom-, Gon-, €U(n- s. Gund (Y.). 
CU^pel s. God (zweist. K.). 
0(>pfert, Göpp-, Goppelt s. God (Y.). 
Gör- s. Gar (Y., einst K.). 
Gorath, G9rdt s. God (Y.). 
Gorf-, Gl^rgr-, Gorlns s. Georgias. 
GSrres, Gorrissen s. Gregorius. 
Gos-, Gl(8- 8. Goz. 

Go8 UI. niederd. „Gans", in Zss. wie Oose- 
brück (halb verhochdeutsch t) = Gänsebruch, 
Oosemeyer u. a. 
Goeeh-, Gltechke s. God (einst E.). 
Goss-, Gtfssel s. God (einst E.). 
Gossenbrod III. „warmes Brot mit Fett be- 
gossen*^, eine Lieblingsspeise alter Zeit (S.47). 
Marquard Bego??enbrot 1321. 
GSsser, Gossert s. Goz. 
Gdstrieh s. Gast. 
Goth-, G»t-, Gotseh, Götseh- s. God 

(einst K.). 
Gott-, G«tt- s. God (Y., einst K.). 
Gottbehttt m. Satz-N. „Gott behüte!". 
Gottgetrea HI. deutliche eigenschaftswört- 
liche Zss. 
Gottsehey III. (Wien) „einer aus Gottschee." 
Gottwalts m. Satz-N.: „Gott walte es!" 

Auch Waltigott. 
Götz-, Götz- s. 1) God (einst. E.). 2) Goz. 
Gowin s. God (Y.). 
CU^ymann s. Gaw. 

€K>Z I. mit Gaud zusammengehörig und auf 
den Yolksnamen der Goten zu beziehen. 
FN. Gaosbod: Qoaboth — Kosboihe. 
Gauzfrid: Oötxfried. 
Gozger: Oötxger. 
Gozhart: Oossert. 

Gozheri : Kotxer — Koaser — Qösser. 
Caozhram: Gatisrapp, 
Gozleib: Ktäxleb, 
Gozleih: Ooslich. 
CJosmar: Cosmar — Götxmer, 
Eozolt: KotxoU. 

Gozwin: Oofswein — Oöswetn — 
Güfswein. 
Heiotze, Deutsche FamilienDAmen. 2. Aufl. 



Gozolf: Gotxlof ^ Oötxlof. 
Die Sproßformen fallen mit denen von 
God (durch z verkleinert) zusammen. 
Graalfe s. Gar (V.). 
-grübe s. Graf. 

Grftber III. ein „Grabender*', als FN. einfach 
und in Zss.: Biengräber. Bomgräber — 
Brunngräber, Diekgräber. 
Gradwohl s. Gerathewohl. 
Graf III. mittellat graphio, ahd. gravo, mhd. 
giäve, „höherer weltlicher Richter, Yor- 
steher". 
FN. Orafe (Joh. Grave 1516. Eöln. Univ. 
Matrikel); Graf; Graff — auch mit Art. 
de Graaff (niederländ.). 

Niederd. (in Nordwest -D. weit ver- 
breitet) Grewe — Greve, Gräfe; Graf 
(Gräff; Greff); mit Art. Degreff — 
Grebe; Greb — auch Yorsteher länd- 
licher Gemeinden, z. B. in Hannover (in 
der Gegend von Münden, Pauli 11, S. 27). 
Mit dem leidigen franz. Accent: Grere. 
Gen. Graven — Grefen^ Greven — 
Grevoen, Patr. A. Greving (Oldenb.). 

Zss. Burggraf, niederd. Borggreve. 
Diekgrebe; Dickgräwe. Fluthgraf. Go^ 
grewe (Gaugraf). Hochgrefe — Hogrefe; 
Hogrebe. Holxgrebe; Holxgrewe; niederd. 
Holtgreve. Kleegraf Landgräbe. Pfalx- 
graff. Steingräbe. VoUgraff; Vollgrebe 
— auch Fullgraf — Füllgraf — Fiel- 
graf, Woldgrebe, 
Gräfe, Graff s Graf. 
Grttger s. Gregorius. 
Grab, Gramann s. Graw. 
Granold s. Hraban. 

Grapengrießer III. vom niederd. „Grapen" 
d. i. dreifüßiger Eochtopf aus Gußeisen (eine 
,,Grapengießer- Straße" in Stettin). Ludeke 
Gropenghetere 1416. (Braunschw.) 
FN. Grapengiefser — Gropengiefser — 
Grobengiefser, Niederd. Grapengeter, 
Gräper s. Gröper. 

GrXser UI. ein „Grasmäher" (für Wiesen, 
bes. Stadtwiesen, angestellter Beamter). 
Dasselbe wohl Grafsmann. 
Grasmncklll. zudenYogel-N., „Grasmücke". 
Die bekannte Opemsängerin Grossi hat sich 
aus Grosmuck veritalienert 
Gratbwohl s. Gerathewohl. 



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146 



Gerathwohl 



Groß 



Granpner, Oräapner III. 1) „einer aus 
Graupen" (in Böhmen) 2) „Händler mit 
Graupen " (Hülsenfrüchten). 
CrRAW I. ahd. grao, mhd. grä „grau" (wohl 
von der dunkeln Waffenfarbe). 
FN. Graman: Gramann — Graumann. 
Einstämmige Kürzung Gra-. 
Grawo: Grah — Grau. 

Grebe, Oreff s. Graf. 
Greem s. Grim. 
Oreger s. Gregorius. 

Oregorlus II. griech. der „Wachsame"; der 
h. Gregorius, den großen Kirchenlehrern 
Ambrosius, Augustinus, Hieronymus als der 
vierte doctor ecclesiae zugezählt, gest. als 
Bischof vonRom , Gregor I. oder der Große 604. 
FN. Gregorius. Gen. Gregory. 
Mit Kürzung im Auslaut: Gregor; Greger, 

Gräger — Grögor; Gröger. 
Mit Kürzung im Anlaut: Gortus — 
Görrtea; Görres. Patr. Gorrisaen (ost- 
fries.) — Jürissen (Aachen). 
Oreifentrog in. Satz-N. „greif in den Trog", 
von einem, der etwas unbescheiden zulangt 
FN. Greifentrock. Niederd. Griepentrog. 
Orelffenklau III. seit II92 genanntes mittel- 
rheinisches Geschlecht 
Greifzu III. Satz-N. Vgl. Dr. Grypto Rein. 

A' OS 4156. 
Grelm-, Gremm- s. Grim. 
Grempler lU. ^Trödler«. 
Grenth III. s. Gereuth. 
GreT-, Grew- s. Graf. 
Griehbanm s. Kriechenbaum. 
Giiekel s. Agricola. 
Griem- s. Grim. 
Griepentrog s. Greifentrog. 
Gries in. ahd. grio^, mhd. grie? „Kiessand, 
sandiges Ufer." Joh. dictus an dem griese. 
Auch häufiger ON. 
FN. Gries. — Obergrieser. 
Grieshaar III. niederd. „Grauhaar'^. 
Grillparzer III. „einer aus Grillparz'' (0. 

3 mal im Erzherz. Österreich). 
GRIM I. altnord. und angels. gilma „Helm'', 
mischt sich aber z. T. mit ahd. mhd. grim 
„grimm". 
FN. Grimhard: Grtenwrt — Griinmert. 
Grimhar: Grimmer — Greimer. Gen. 
Gremmers. 



Grimoald: Grimaul (Gottschee). 
Einstämmige Kürzung Grim-. 

Grimo: Griem — Grimme; Grimm 

— Krimme — Gremme — Greem 

— Greim. Patr. A. Grimming. 
Vklf. (1): Griemel — Grimma — 

Krimmel — Greimel. (1 + k): Kri- 
melke. (z) Grimizo: Grimeis; 
Grimeisen. 
Auslautend (74 mal Forst.). 
-grimm: Ähigrimm. 
Gripenkerl HI. Satz-N. niederd. „greif den 
Kerl*^, Beiname von Gerichtsdienern und 
Bettelvögten. Vgl. Greifxu. 
Grobengießer s. Grapengießer. 
Gr9ger s. Gregorius. 
Grohnert s. Gron. 
Grolf s. Gar (V.). 
Grolms, Grommes s. Hieronymus. 
GRON I. ahd. gruoni, mhd. grüene, altsächs. 
groni „grün** (wohl in dem Sinnevon lebens- 
frisch). 
FN. Cronhart: Grohnert — Grunert — 
Krunert — Grünert — Krünert — 
Kreunert. Gen. Gronartz. 
(Gronhari): Groner — Kroner — 
Kröner — Grüner — Grüner — 
Krüner. 
(Gruonrih): Grönrich. 
(Gronwald): Grünhold. 
Einstämmige Kürzung Gron-. 

Grün; Grofie — Krohn — Grün 
(Grunemann) — Grüne; Grün. 
Gen. Gronen. Patr. A. Gröning — 
Kröning — Grüning. 
Vklf. (k): Grunicke — Grünke. 
Grünig — Grönig — Krönig. 
(z): Grunx. 
Gr($ii- 8. Gron. 

Gropengrießer s. Grapengießer. 
Gröper III. „Grapengießer" („ Gröpergasse* 

in Halberstadt). Auch Gräper. 
Gröppel t. Hrod (zweist. K.). 
Groß in. ahd. mhd. gro?, altsächs. grot 
FN. Grofse; Grofs — Grosse (mit kurzem o). 
Niederd. de Groote; Grothe; Groth. 

In mannigfachen Zss.: Grofsmann. 
Grofshopff. Grofsschedel , Grofsschädl. 
Grospietsch. Grofswendt — niederd. 
Grotjan; Grotrian (großer Johannes). 



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Großknrz 



Ouiit- 



147 



Großknrz III. I. 1567 : Grotecordes (Braun- 
schweig, Schütte). 

Grotefend III. ^großer Knecht** s. Fend. 

Grote^t s. Hrod (V.). 

Grothe s. Groß. 

Grothwohl s. Gerathewohl. 

Grotjan 8. Groß. 

Grott- 8. Hrod (einst K.). 

Grabe UI meist auf ein Bergwerk bezüglich; 
doch auch Sand- usw. Grube, Grube zum 
Wildfangen. ON. einfach und in Zss. 
FN. Orube. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Oruber; Qrueher (Gottschee). Zss. 
Anxengruber. Baumgruher, Frauen- 
gruber. Hartmannsgntber. Holx^ 
grvher. Kalehgruber, Obergruber, 
Steingruber. Wolfagrüber (Mechtild 
ob der Wolfgruben 1300). 

Gmlnis s. Hieronymus. 

GrOii a) I. s. Gron b) von der Farbe der 
Kleidung (S. 46 Jan Grön). 

Grnn-, Grün- s. Gron. 

Gmndt, Grundmann III. einer „der im 
Grunde wohnt", Gegensatz zu Berg, Berg- 
mann. (So wurden in einem dem Verf. be- 
kannten Falle zwei bäuerliche Besitzer in 
demselben Dorfe, die beide Runge hießen, 
unterschieden als „Bergrunge" und „Grund- 
runge**). So auch OrundkÖtter; Grund- 
meyer. 

Grttth- 8. Gereuth. 

Grtttter s. Grützner. 

Gmttke s. Hrod (einst. K.). 

Griitzner III. „GrützmüUer**. 

FN. Grützner. Niederd. Grütiner; Grüt- 
ter. — Auch Griitxmacher. 

Gsehwandtner UI. „einer aus Gschwand" 
(Bayern, österr.) von schwenden, ahd. suan- 
dian , schwinden machen = ausroden durch 
Feuer. 

Gsell, Gsöll s. Geselle. 

Gabbe, Gabe s. God (zweist. K.). 

Giiekel, Gade s. God (einst. K.). 

Guerle s. War (einst. K.). 

Gugrelfuß III. „Kugelfuß" d. i. Klumpfuß. 
Auch Kaulfufs. 

Gagrgimoos III. „Moor, wo sich die rote 
Wasserkröte (Guggi) häufig findet**. (Bück). 
Davon auch: Guggtmoser. 



Gttmbel, Gnmb- s. Gund (V.)- 
Gamm-, Gomp- s. Gund (Y., zweist K.). 
GÜKD I. ahd. gund, kunt „Krieg** (noch im 
ital. gonfalone aus gundfano Kriegsfalme). 
Seit dem 3. Jh. in N. nachweislich. Die 
mit K anlautenden N. lassen sich auch 
durch Kun erklären. 

FN. Gundobald: Gumpold — Jumpelt — 
Gumpel; Gumbel — Gilmbel — 
Gummel — Gombold. 
Gundobert: Gumprecht; Gumprieh; 
Gumpert; Gumbert; Gumbart; 
Gumper; Gummert — Gompart — 
Gombert — Kompert — Gommert, 
Gen. Gompertx — Kümpers. 
Gundefred: Gumpfer, 
Gundhart: Gundert — Günthert — 

Gontard — Gönnert. 
Gundachar: Gunder (Guntemumn) 

— Runter — Günther (Zss. Klein- 
günther) — Gondermann — Gon- 
nermcmn. 

Guntchramnus . Guntram — Guntrttm 

— Gontrum. 

Gundalah: Gundelach; Gundlach; 

Gundlack. 
Gundemar: Gummer — Kummer. 

Vklf. (1): Kümmerle. 
Gunderad: Günthrat. 
Gundericus: Gönrioh. 
Gundivic: Günnewig. 
Gundulf: Gundwolf; Gundolf — Gon- 
dolf. 
Einstämmige Kürzung Gund-. 

Gundo: Gund — Kunth — Günth. 

Vklf. (1): Gundel — GündeU — 

Günthel. Patr. A. Gundling. (k): 

Kuntke. (k + 1) Gunkel. (z): Guntx. 

— Güntx; Güntsch. Unorg. Günxert. 
(z -|- 1) : Günxel — Künxel — 
Günsel) Günschel. {z-\-k):Gunschke 

— Qünxke. 
Zweistämmige Kürzung Gundb-. 

Gumpo: Gump — Gumme — Gaurn, 
Vklf. (1): Gumpel — Kumpel (s. 
auch Gundobald). (k): Gummich, 
Gttndeil s. Gund (einst. K.). 
Gttnnewig s. Gund (V.). 
Gttns-, Gunsehke s. Gund (einst. K.). 
Gnnt-, Gttnth- s. Gund (V., einst. K.). 

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Qoo^^ 



148 



Güßwein 



Hafner 



Gfißwein 8. Goz. 

Gttntseh, Gantz, Crttnz- s. Gund (einst E.). 

Ottrtler lü. „Verfertiger von Gürteln*. Auch 

GirÜer (Wien). 
Gat m. auch GtUh, vgl. Frid. der gute 1304. 

— In mancherlei Zss.: Outbier, Gutgesell, 

Guthknechi. Outkind. Outsjahr (Gut- 

jar 1295). Outxeit. — Outsmuths, 
Gat-9 Gilt-, Gutseh s. God (einst E.). 
Gatsehebauch III. wohl von schwäb. «gaut- 

sehen", d. i. wiegen, schauteln. 
Gutsmiiths 111. Gen. „gutes Mutes*^ (mit dem 

urspr. und richtigeren Gen. der starken 

Biegung). 
Auch im Nom. Outhermuth, vgl. Tvmmer- 

muot 1327. 
Gatz-, Gtttz- s. God (einst E.). 
Gygas III. lat gigas „Riese". 
Gysi s. Gis. 

TL 

Haab- s. Had (zweist E.). 

Haack- s. Hag (V., einst E.). 

Haagr s. Hag (einst E.). 

Haak a) I. s. Hag b) HI. niederd. „Höker» 
(so z. B. noch in dem Stralsunder Eataster 
von 1845). — Zss. Bierhake (Bierhöker?). 

Haan s. Hahn. 

Haape s. Hath (zweist E.). 

Haar- s. Hari (V., einst. E.). 

Haar III. als Eörperteil in mannigfachen 

Zss. Vgl. nord. Eönig Harald Harfagr 

(Haarschön). 

FN. Flachshaar; niederd. Flashaar. Öelb- 

haar — Geelhaar. Glatthaar. Orieshaar. 

Kraushaar. Schlichthaar. Straubhaar. 

Weifshaar. 

Haama^l s. Hard. 

Haas UI. s. 1) Hase 2) Hose. 

Hab-, Habb- s. Hath (V., zweist E.). 

Habedank III. Sat/.name (schon bei Walther 
V. d. Vogelweide als Appellativum: „Swelch 
schoene wip mir denne gaebe ir habedanc"). 
Als FN. auch gekürzt Hadank. 

Habekofit III. aus Haveokhorst („Habichts- 
horst") 1484, Havekost 1532. Auch Hafe- 
kost; Haffekost. Noch 1890 Hawickhorst 
(Oldenb.). 

Habenieht HI. Satzname „habe nichts" (ein 
„Herr von Habenichts"). 



Habenseliaden III. Satzname „habe den Scha- 
den", für jemand, der sich unvorsichtig in 
Gefahr begeben hat 

Haber III. die eig. hochdeutsche F. (mhd. 

haber), wofür jetzt in der Schriftsprache 

das niederd. „Hafer" durchgedrungen ist. 

FN. Fau/AaAer( Werner dict.vulhaber 1299). 

Fimhaber. Frischhaber. Kiffhaber 1450, 

jetzt entstellt Kiihfaber(ßsicm.). Schlicht- 

hoher. Wiesenhafer. — Haberbruch. 

Haberkom. Habermann. Habersaath. 

Haberstroh. Haferkamp. Haferstroh. 

Habereeht III. Satzname „ habe Recht", ein 
rechthaberischer Mensch (doch s. auch Hath). 

Häberlein s. Hath (V.). 

Haberstolz III. entstellt aus 0^r«/o/« (0 ver- 
stolz altes Patrizier -Geschlecht in Eöln). 
S. Andresen, Eonkurrenzen. 

Habicht III. der bekannte Raubvogel, mhd. 
habich (könnte aber als FN. aus ad. Habicho 
entstanden sein, s. Hath zweist. E.). 

Habltttzel UI. Satzname „habe wenig" vgl. 
Habenieht. Auch Hablitxel. 

Hach- s. Hag (V., einst E.). 

Hachmeister ni. nach Vilm. aus „Habicht- 
meister" d. i. Abrichter der Stoßvögel zur 
Jagd. (Ahd. hapah, mhd. habech zsgz. in 
Hach s. Bück, Flurnamen S. 69.). 

Hack-, Httck- s. Hag (V., einst E.). 

Had-, Httd- s. Hath (V., einst E.). 

Hadank s. Habedank. 

Hadd- s. Hath (einst E.). 

Hadrianns II. lat «einer aus der italienischen 

Stadt Hadria", N. eines römischen Eaisers. 

dessen Vorfahren daher stammten, und 

mehrerer Päpste. 

FN. Adrian — Ader/ahn. Gen. Adrians. 

Hafemann nicht mit Pott zu Hafen, sondern 
niederd. „Hofmann", vgl. Elempin, Diplom. 
Beitr. S. 623: Hauelude (Hofgesinde), Haue- 
marschalk (spr. Have-), Hauemeisterinne. 

Hafenbrädi s. Braten. 

Hafer s. Haber. 

Hafner III. ahd. hafanSri, mhd. havenaere 
„Töpfer'' — die süddeutsche Bezeichnung, 
wie z. B. in München die Innung der „Haf- 
ner", auch ein „Hofhafnermeister", in Augs- 
burg ein ,, Hafnerberg", während Töpfer 
mitteldeutsch ist. 
FN. Hafner, Haffner — Hafner. 



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Haff- 



Hagan 



149 



Haff- 8. Hath (Y.). 

HAG I. ahd. hag. hac, mhd. hac „Einbegang, 
Hag, umhegter Ort" (s. Tac. Germ. lö). 
FN. Hagabald: Heckebold — Heybold — 
zsgz. Heipt 
Hagibert: Hackebracht; Hackbarth 

— Hegebart — Heibert; Heiber. 
Gen. Heypertx. 

Hahkis: Haigisj Heigts. 

Hecbard: Hagart — Hackert — 

Haaekert — Hegert — Heckert. 

Gen. Heiartx, 
Hagihar: Hager — Hacker — Hacker 

— Haker — Hecker (Häckermann) 

— Hager (Hägermann) — Heyer 
(Heiermann). 

(Hagiman): Hagemann — Hamann 

— Hegfnann — Heckmann — Het- 
mann. Gen. Heimanns. 

(Hagimar): Hagemer — Hechemer — 

Hegemer — Heymer, Vklf. Heymerle. 
Hachirat: Hackraih — Heckrath. 
Hecgirih: Hagerich — Hähric.h — 

Heyrich. 
Hagoald: Hegewald. 
Einstämmige Kürzung Hag-. 

Hago, Hako, Heio: Hage; Haag — 

Hake\ Haack — Hege — Heye; 

Hay. Gen. Hayen. Patr. A. Heeking. 

Gen. Hayungs (jeverl.). 

Vklf. (i): Hägi (Schweiz.). (1): 

Hagel — Hachel — Hakl — zsgz. 

Hahl — Hegel — Häckel — 

Hechele; Hechel. Patr. A. Hege- 

ling. (l + n) : Hägelin; Hegelein. 

(k): Hageck — - Hayeck; Heicke. 

Gen. Heyken. (k + 1): Hey ekel — 

— Heighele. 

Hag-, Häf - s. Hag I. (V., einst. E.). 
Hag UI. ahd. hag, hac, mhd. hac, dessen 
älteste Bed. nach Förstemann (ON. S. 57) 
Wald oder Busch; aus dieser entwickelte 
sich die eines schützenden Busches, einer 
Einhegung und dann erat die eines einge- 
hegten Raumes selbst: „Gehege, Wohnort*'. 
In ON. 'hag, -haag; -heeg. 
FN. 1) 'hage (bes. in Westf. — ellip- 
tischer Üativ?): Brakhage. Olas- 
hage. Orünhage. Heisterhage. 
Hohage. Kohlhage. Kreuxhage. 



Xiehage (Neu-). Osthage. Over- 
hage. Behage. Sandhage. Schnee- 
hage. Voshage. 
2) -hege: Domhege. Feldhege. Hunde- 
hege. Osthege. 
HAGAN I. Erweiterung von Hag I. 

FN. Haginbert: Hambrecht — Hegenbarth 
(Heger-); Heimbrecht; Heimbert; 
Heimbrodt — Hemper. Patr. A. 
Hemmerding. 
Vklf. a): HemberU. 
Heinfrid: Henne fahrt. 
Heinhard: Hanhardt — Heinhardt; 

Haynard; Heinert — Hennert. 
Haginher: Hagner — Hanner — 
Hahner — Hähner — Hayner, 
Heiner — Henner mit den Zss. 
HofTienner. Schmitthenner. 
Hainarad: Hanrath — Hahnraih. 
Haganrih: Handrick; Hanreich — 
Heinrich; Heinreich — Henrich; 
Hendrich; Hentrich — Hinrich; 
Hinnerk. 
Zss. Langheinrich. liekenhein- 
rich. Westheinrich. Grofshenrich. 
ifd^/Äenrt(;^(MtLhlheinrich). Locken- 
hinnerk. Gen. Heinrichs; Hein- 
derichs — Hendrichs; Hendrix 
(Kempen) — Hinrichs; Hinderks 
(ostfries.). (Latinis. Heinriei — 
Henrici). Patr. A. Heinricher (Cilli). 
Patr. Zss. Heinrichsen (Zss. Oerd- 
heinrichsen) — Hinriehsen; Hin- 
drichsohn; Hinderksen. 
(Haginachar) : Hanewacker — Hann- 

wacker -— Heinacker. 
Haginold: Hannewald — Hanewald; 
Hanold; Hanelt — Hänelt; Hänet 

— Haynald; Heinold; Heinhold; 
Heinelt; Heinloth; Heinleth. 

Einstämmige Kürzung Hagen-. 

Hagano, Hanno, Heino: Hagen, Hagn; 
Haagn (Salzb.) — Hanno; Hanne 

— Hahne; Hahn — Heino; Haifie, 
Heyne; Hayn (Heitiemann; Heine- 
vetter) — Henne; Henn — Hehn. 
Gen. Hagens; Hagena (ostfries.) — 
Heinen; Heins. Patr. A. Hanning 

— Heining — Henning (noch im 
17. Jh. Vorname, z. B. Henning 



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150 



-hage 



Hagen 



Woyke, 1681 Bürgermeister zu Neu- 
stettin). Patr. Zss. Heinsohn — 
Heinekind. 
VMf . (1) : Heinel; Heindl — Hähnel 
(Junghähnel) — Henle. (1 + n): 
Hainlin — Hänlein; Hänlen. (k): 
Hanke — Heinicke (Marheineke) ; 
Heinke; Haink; Heinich — Hen- 
nicke; Hennig (doch auch gekürzt aus 
Henning) —Henke (Bierhenke; Düvel- 
henke; Orotehenke; Manhenke; Mar- 
henke; Schäferhenke; Strothenke) — 
Hink (Stark S. 71) mit der Zss. Brok- 
hinke. Gen. Hainken (ostfries.); 
Heinks — Henniekens; Henniges; 
Hennigs; Hennies — Hinken; 
Hinkens. Patr. A. Henking. Patr. 
Zss. Hinksen. (k -f- 1) : Hankel — 
Heinkel — Henckel (Zss. Wege- 
henkel. Kampfehket) — Hinket 
(Hinkelmann), (k + l -j- k) : He7i- 
kelke. Patr. A. Henkelking — 
Henkler (Preuß 16). (k + n): Hä- 
nichen — Heineken (Langkeinecken); 
Heinichen, (z): Hanxo — Heintxe; 
HeinXy Hainx (bayr.) (Heinxmunn 

— Emmelheinx; Hoff heim; Klein- 
heintx; Langheinx; Schönheinx) — 
Heinitx — Heinse (lat. Heinsius 
auch der Dichter Wilh. Heinse hieß 
eigentlich Heintze, s. Lessing, Wie- 
land, Heinse von H. Piöhle S. 129); 
Heinss — Henxe; Hense (Stark 
S. 76) — Häntxsche (Kgi-. Sachsen) 

— Hinxe — Hientxsch — Hinse; 
Hinsehe. Gen. Heinxen — Hinxen. 
Patr. A. Henxing; Hensing. (z + i): 
Hentxi (Schweiz.), (z -j- 1) : Heinxel 
(Heinxelmann) — Henxel; Hensel; 
Henscliel — Hinixel; Hinselniann. 
Patr. A. Henxler — Hinxler. (z -|- k): 
Heinxke — Hinxke. 

Zweistämmige Kürzung Haganb-. 

Hampo: Hampe. Vklf. (1): Hempel. 
(Mehrere Formen, namentlich die mit 
Han-, Hen- beginnenden, treffen mit 
entspi'echenden von Johannes zu- 
sammen). 
-hagre s. Hag ITI. 
Hagedorn 111. mhd. hagendorn, hagdorn. 



FN. Hagedom (auch ON.) — Heidom. 
Hagemeister lU. ,, Hegemeister, Förster*^. 

Niederd. Hagemester. 
Hagen- s. Hagan (einst K.). 
Hagen m. ahd. hagan, mhd. hagen der „zum 
Einhegen bes. passende Domstrauoh'^, aber 
ursprünglicher das Buschwerk überhaupt In 
ON. seit dem 9. Jh. nachweislich. Jetzt 
tausende von örtem auf -hagen (so an der 
mecklenburgischen und pommerschen Küste 
in langer Folge von Mecklenburg bis zur 
Kassubei); doch läßt sich kaum nachweisen, 
welche davon hierher und welche als Dativ 
Plur. zu Hag zu setzen sind (der Umstand, 
daß die bezeichneten mecklenburgischen und 
pom morschen ö.meist langgestreckte Dörfer— 
bis zur Länge einer halben Meile — sind, 
dürfte wenigstens bei diesen für den Plural 
sprechen = ,^zu den Gehegen^). Hagen 
findet sich auch als Straßenbezeichnang, 
z. B. in Stralsund: Flachshagen, Reper- 
hagen, Zipolienhagen u. a. 
FN. vom Hagen; von Hagen. Bollhagen. 
von Buggenhagen. EschenJiagen. Fal- 
kenhagen. Hundeshagen. Stavenhagen. 
Ableitung auf -er: 

-hager: Oerhuger. Hinterhager (0. 

-hagen, oder auch zu -hag?). 
-hager: Poppenhäger (0. -hagen). 
Aus -hagen wird durch Zusammenziehung 
-hain (wie auch der Gattungsname „Hain*** 
daraus entstanden ist), woneben noch eine 
F. auf -hahn herläuft Den FF.- Übergang 
zeigt unter a. ein hessischer Ort, der 1264 
Glimenhagen, 1297 Glinienhahn, im 15. Jh. 
Glimenhain, jetzt Gleimenhain heißt 

1) -hain: Espenhain, von Falckenhain. 
Mückenhain. Prohsihain. Rosenheyn 
(0. Rosenhain). 

2) -hahn: Bauerhahn. Dammhahn (0. 
nur Dammhagen Rud.). Espenhahn 
(s. oben Espenhain). Falkenhahn (0. 
-hagen und -hain). Qräfenkan (0. 
-hain). Krähahn neben ^eÄatn (vgl. 
O.Kreyenhagen).Law^cnÄaÄn ,Zya«^ew- 
han (0. Langenhahn neben -hagen u. 
-hain). Lindenhahn (0. -hain R.). 
Neuliahn; NeuenJiuhn (0. -hagen, 
-hain). Prohsthan (0. -hagen und 
-hain). Rosenhahn (0. -hagen, hain). 



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Hägenbarth 



HaUd 



151 



Wildenhahn(0. -hagen , - haio). Ziegen- 
hahn (0. -hagen, -hain). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

'hainer: Geyaenheyner (0. Oeisen- 
haia in Sachsen). Liebeneiner (0. 
Liebenhain). 
fläfenbarth zu Hagen (V.). 
-hagrer, -hXger s. Hagen III. 
Hagn 8. Hagan (einst. K.). 
Hagner s. Hagan (V.). 
Hahl 8. Hag I. (einst. K.). 
Hahn a) I. s. Hagan (einst. K.) b) III. 

1) ON. (über 30 mal Rud.), s. Hagen IE. 

2) Tier-N.: de Haan (Düren); auch in 
einigen Zss. meist zweifelhafter Art: Berk- 
han. iiap/^aÄn (Kapaun). Z/r^oAn (Auer- 
hahn, welches mehrfach N. von Forst- 
häusem). 

•hahn s. a) Hagen lU. b) Hahn. 
Hahn-, Hahn- s. Hagan (Y., einst. E.). 
Hährieh s. Hag (V.). 
-hai s. Hei. 

HAU) I. goi haidus, ahd. mhd. heit jikri^ 
Wesen '^ (auch Rang und Stand). 
FN. (Heidbreht): Heidebrecht, 
Heitkär: Heitger, 

Heidher: Heider, Hayder — Heiter. 
Haidrich: Heidrick; Heidreich — 

Heitrich. 
Haidulf: Heydwolff; Heidolf; Heide- 
loff; Heidelauf. 
Einstämmige Kürzung Heit-. 
Haido: Heyde (Heydemann) ; Haid, 
Heyd (doch s. auch Heide HI). Gen. 
Heyden — Heits, 

Vklf. (1): Heydel. Patr. A. Heit- 
lifig. (1 + n): Haidien. (1 + k): 
Heidelk. (k): Heideke. (k + n): 
Heitchen; Heitgen. (z): Heitx — 
Heise (urkundlich = Heidenreioh); 
Heis. Patr. A. Heising. 
Haide UI. goi haithi, ahd. heida, mhd. beide 
ein mit Strauchwerk und Domen bewachse- 
nes „unbebautes Feld''. In ON. Haid, 
-haid; Heide y -heide. 
FN. Vonderheydty auch getrennt von der 
Heidt; von der Heyden. Holzheide. 
Kirchheide. Knappheide. Krähenheide. 
Öllheide. Ordelheyde. Schlingheide 
(sämtlich in Westfalen, meist appellativ 



zu fassen: Personen, die auf der betr. 
Heide wohnten). Kleinlieidt. 
Ableitung auf -er: Steinheider (0. Stein- 
heide, auch -heid genannt, in Sachsen- 
Meiningen). 
HaigiB s. Hag I. (V.). 
HAIL I. got. hails, ahd. mhd. heil „gesund, 
unverletzt *"; Hauptw. ahd. heil. 
FN. Heilker: Gen. Heilgere. 

(Heilher): Heyler (Heilermann). 
Heilman: Heilmann. 
Einstämmige Kürzung Heil-. 

Heilo: Heile; Heyl. Patr. A. Heiling. 

Participiale Bildung Hailant 8. : Heiland. 

HAILAG I. ahd.heilag, mhd. heilic, altsächs. 

helag, hälag «unverletzlich, heilig'' (von 

«Heü''). 

FN. Halegdag: Heiligtag. 
Einstämmige Kürzung Heilig-. 

Halicho: Heilig — Hallich; Halke. 
Hain s. Hagan (einst. K.). 
-hain s. Hagen lU. 
Hak- s. Hag I. (V., einsi K.). 
Hake m. 1) „Höker'', Kleinhändler mit 
Lebensmitteln 2) Gerät. Zss. Fetthake. 
Feuerhake. 
Halbrehder III. doch wohl = Halbritter j vgl. 
Halbritter 14. Jh., Halfridder proconsul in 
Gnfenbergh (Kalendarium des Karteuser- 
Klosters Marienkron bei Rügenwalde — seit 
1430 zu nekrologischen Aufzeichnungen be- 
nutzt). 
Halbner s. Hallbauer. 
Halbwaehs in. „halberwachsen". Schon 1388 

Cunrad Halbwahs. Auch Hallwachs. 
Haide lU. ahd. halda, mhd. halde „Abbang 
eines Berges" (bes. im südwestl. Deutsch- 
land). 
FN. auf -er (oberd.): Halder. Sonnen- 
halter. WinterJialter, auch Winter- 
halder (von der „ Winterhalde " = Nord- 
halde, z. B. bei Stuttgart Bacm.) — daraus 
Winterholler. Spiegelhalter. 
Haleff s. Hath (V.). 

HALIB I. ahd. helid der „ Held ". Halide- 
gastes 3. Halidrich. 
FN. Helido: Held usw, — mit Hild zu- 
sammengeflossen, so daß eine sichere 
Scheidung nicht durchzuführen ist. 



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152 



Hallbauer 



Hard 



Hallbaaerlll. 1) „Halbbauer**, der nur einen 
halben Hof besitzt, im Gegensatze zuni Voll- 
bauer. Niederd. Ealbuer, 
2) „einer aus Hallbau". 
HalUch, Halke s. Hailag. 
Hallwachs s. Halbwacbs. 
Hals ni. als Körperteil in den Zss. 

FN. Kurxhals; niederd. Korthals. Lang- 
hals. Schönhals (-hals öfters auch 
in ON.). 
Halt- s. Aid (V., einst. K.). 
Haltanderheide HI. Satz-N., ein Reisiger, 
der an der Heide hält (doch wohl, um Vor- 
überziehende anzugreifen). 
-halter s. Halde. 

HAM I. ahd. altsächs. hämo „Hülle, Decke, 
Kleid" im Sinne von Waffenrüstung. Ha- 
madeo 5. 

FN. Hamerich: Hammerich. 
Einstämmige Kürzung Harn-. 
Hämo: Hamms — Hemme. 
Vklf. (1) HamUo: Hamel. 
HAMAR I. ahd. hamar, mhd. hamer „Ham- 
mer" — wohl mit Bezug auf den Hammer 
des Donar, den Miölnir, mit welchem dieser 
Gott die Riesen zerschmettert (Blitzstrahl). 
Hanierard. Hamarolf. 
FN. Hamar 8.: Hammer. 

Vklf. (1) : Hammerl — Hämmerle; 
Hämmerli. 
Hambrecht s. Hagan (V.). 
Hamel, Hamm- s. Ham. 
Hammer s. 1) Hath (V.) 2) Hamar. 
Hammer IE. 1) als Werkzeug 2) in ON., 
ein Hammerwerk bezeichnend; hat auch 
rielen 0. den Namen gegeben, wo längst 
kein solches Werk mehr besteht, z. B. Silber- 
hammer bei Dan zig. 

FN. Hammer. Bofshammer. Pochhammer. 
Schellhammer. Streiihammer u. a. , doch 
meist zweifelhaft, da hier die Ableitungen 
von ON. auf -heim, oberbair. -ham her- 
einspielen (s. Heim DI). 
-hammer s. 1) Hammer IIL, bes. Werkzeug 

2) Heim HI. 
Hampe s. Hagan (zweist. K.). 
Hampfistengrel HI. deutlicher Pflanzen -N. 
Han-, Hän- s. Hagan (V., einst. K.). 
Hanbnt III. die „Hagebutte*^ oder Hainbutte 
(wilde Rose und deren Frucht). 



HAND I. goi handus, ahd. mhd. hant „Hand'S 
Handwin. Handolf. 
FN. (Handrich): Handrich. 
Hantwin: Handtcein. 

Einstämmige Kürzung Hand-. 

Hanto : Handt (Handtmatm) — - Hente. 
Gen. Handten. 

Vklf. (1): Hantel — Händel, (k): 
Handtke. 
Hand III. der Körperteil (s. das Vorher- 
gehende). Liebhard mit der Hand 1383. 
FN. Hand. — Geradehand. Luchterhand, 
Weichhand. Wolfhand. 
Handriek s. Hagan (V.). 
HandsehnhUI. zu den Kleidungsstücken (S.45). 
Ebine- s. Hagan (V.). 
Hän- 8. Hagan (einst. K.). 
Hanlbtengrel III. zu den Pflanzen -N. 
Hanke s. a) I. Hagan (einst. K.) b) II. Jo- 
hannes 5. 
Hann- s. a) I. Hagan (V., einst K.) b) II. 
Johannes 4. 

Hannes, Hans s. Johannes 5. 
Hantel s. Hand I. 

Häntzsehe, Hanzo s. Hagan (einst. K.). 
Hap», Hftp-, Happ- s. Hath (V., zweist. K.). 
Här- s. Hari (einst K.). 
Harb- s. Hari (V.). 

HARD I. got hardus, ahd. mhd. hart „hart, 
fest, stark" (vgl. das urverwandte gnech. 
xgarvg und das von dem deutschen abge- 
leitete franz. hardi). Schon seit dem 3. Jh. 
in EN. nachweisbar. 
FN. Hardher: Härder — Herder (VN. bei 
Klemp.) — Herter. Gen. Härders. 
Hartlei p: Hartleib; Hartleb. 
Hartmann (Ardeman): Hartmann — 
Hertmann — Artmann — Erdmann 
(auch als VN.: E. LaabsKB. 1845). 
Gen. Hartmanns. 
Hartmar: Ertmer. 
Hardmod: Hartmuth. 
Hartomund: Hartmond. 
Hartnagel : Härtnagel — Haamagel. 
Hartnid : Harney — Homey (Schütte, 

Braunschweiger PN. S. 5). 
Hardarat: Harirath; Hartert. 
Harderich: Hartrig — Herterich; 
Härttrich. 



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Härder 



Haii 



153 



Artald: Hartelt — Eertelt — Ärdelt 

— Erdelt. 
Hardulf: Herttcolf. 
(Hardewart): Hardewardt, 
Harduwich: Hartwig; Hartweg — 
Hardewey — Hertwig; Hertweck — 
Erdwig. Patr. Zss. Hartwichsen. 
Einstämmige Kürzung Hart-. 

(Harte), Ardo: Harte; Hart —Herthe. 
Gen. Harden — Harten. Patr. A. 
Hardung — Harting; Härtung; 
Hartong — Herding. 

Vklf. (l): Hardell — Hartel — 
Herdel — Hertell — Artel — 
Erdel — Ertle. Patr. A. Hertling. 
(k): Hartig; Hartke; Hartje (ost- 
f ries.) —Harke — Hertig. (z) : Hartz. 
Auslautend (überaus häufig, 295 mal Forst, 
wodurch der Übergang in eine bedeu- 
tungslose Endung vorbereitet wird). 
'hard: Eberhard. Einhardt. Gen. 
'hartSf 'harx: Reinharx. Burg- 
hartx. 
-ard: Eckard. Gen. -arts^ -arx: 

Blankarts. Reinartx. 
-at: Moraty -aht. 

-ert: Eilert. Gen. -erx'. Reicherx — 
daraus durch Umdeutung -herx: 
Liebherx, Lebherx neben Licberx. 
-er: Bicker. 
-et: Bemet. 
Härder s. a) I. Hard b) UI. Herter. 
Haren s. Hari (einst. E.). 
Hareng III. franz. Familie aus der Bre- 
tagne, nannte sich in Deutschland Häring 
(so in Soldin) — daher der Romandichter 
Wühelm H. (Willibald Alexis). 
Hargens s. Hari (einst. K.). 
HAfil I. got. harjis, ahd. haii, heri, mhd. 
her „Heer**. Seit dem 1. Jh. in EN. nach- 
weisbar (Carlo valda Bataverfürst). 
FN. Haribald: Herbold. 

Haiiberaht : Harprecht; Harbcrt; Har- 
bart — Herbrecht; Herbert; Her- 
bart; Herborth; Herber. Gen. J3ar- 
bers — Heribertx — Herberx; 
Her per s. Patr. A. Harberding. 
Hariobaudes: Harboth — Herbothe; 

Herboth. 
Haribrand: Haarbrandt — Herbrand. 



Harifrid: Herfart, Herrfahrdt. 
Herigaud: Herrgtäh; Herget; Herkt. 
Harigaoz: Herrgofs; Herrgafs. 
Hanger: Herger; Hercher; Herker. 
Hariard: Herhard. Gen. Heerhartx. 
Harilaip: Harlepp; Harlieb — Her- 

lepp; Herlieb. 
Charilaigus: Herlach; Herrlich. 
Hariman 7. : Härmen — Haarmann — 

Hermann .^ Herrman — Heerma/nn 

— Hörmann. Gen. Harmans — 
Harms; Harrems (ostfries.). Her- 
manns (lat. Hermanni)\ Hermens; 
Herms. Patr. A. Harmening. Patr. 
Zss. Harmanssen — Hermanssen. 

Harimot: Harmtäh — Herrmuth. 
Haririh: Harrich — Herrig. 
Heridegan: Hardegen — Herdegen; 

Heerdegen. 
Carlo valda 1.: Harold — Herwalt; 

Herrwald — Herold; Herholdt; 

Herlet; Herlt — Hörold. Gen. 

Herholx — Hörholx, 
Hari ward: Harward — Herwarth; 

Herwath — Heerwarth. 
Hai'iwich: Harwig — Herwig; Her- 
big; Herwegh. 
Hariulf : Harloff — Herloff; Herleff. 
Einstänunige Kürzung Her-. 

Haro, Hero: Haar — Herr; Her — 

Heere; Heer. Gen. Hars; Haren 

— He£rs; H^ren. Patr. A. Henne: 
Haring — Harring — Häringy 
Hering — Herring — Höring. 

— Gen. Harringa — Heringa (beide 
ostfries.). 

Vklf. (1) Herilo: Hcrel—Härle. 
Patr. A. Harting — Herrling. 
(k) Haricho: Harke — Harig — 
Häricke — Herke. Gen. Harken; 
Harrjes; Hargens — Heerkes. 
Patr. A. Herking. (z) Haiizo: 
Hareis. 
Zweistämmige Kürzung Harib-. 
Herbo: Herb, Herpp. 
Vklf. (k): Herbich. 
Zweistämroige Kürzung Harim-. 

Patr. A. Hernieler (1505: Hermeling- 
Preuß). 



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154 



Harig 



Math 



Auslautend (372 mal Forst). 

'her (doch h nicht mehr lautbar): 

Muther, 
-er: Deuter, Gen. -ers: Deiters, 
'herr: Dietherr, 

Harigr, Haringr, Hark- s. Hari (einst. E.). 

Harl- 8. Hari (V., einst. K.). 

Harm- s. Hari (V.). 

Hamaek III. aus Hartnack , niederd. Hardenack. 

Harnisch III. mhd. hai'nas, harnasch, har- 
nisch , aus dem keltischen haiamaez Eisen- 
geräte — später eingeführtes Wort statt 
des deutschen brünne (s. Brun). Wemher 
dict. Harnasch 1362. 
FN. Harnasch; Harnisch, 

Hamischfeger III. „der den Harnisch fegt^^ 
d. i. poliert; blank macht, reinigt; dann = 
Harnischmacher. 

FN. Harnischfeger ; auch Hamisfeger (mit 
dem urspr. s, Inbd. harnas). 

Harpreeht s. Hari. 

Harr- s. Hari (V., einst. K.). 

Harras III. „Stallmeister^^ zugleich Aufseher 
über Harnisch und Waffen (von haracium 
Stuterei). Vgl. Schillers Teil: Rudolph der 
Harras. Auch ON. 
FN. Harras; Harrasser. 

Hart- 8. Hard (V., einst. K.). 

Hart- s. Hani (V.). 

Hartfaust III. Zss. mit Faust (geballte Hand), 
niederd. Hardevust (Klemp.). 

Hartogr s. Herzog. 

Hartz s. Hard (einst K.). 

Harw- s. Hari (V.). 

Hase a) I. zu verschiedenen Stämmen : Hath, 
Hass. b) m. das bekannte Tier (in der 
Tierfabel: Lampe) vgl. franz. FN. Liepvre, 
Lelievre. Thomas der Hase 14. Jh. 
FN. de Haas; Hase; Haas (die mehr süd- 
deutsche Form, in Wien im J. 1875 Haas 
137 mal, Haase 16 mal, Hase 1 mal). Vklf. 
Häslein. Zss. Feldhase, Kohlhaas (Conrad 
dict. Kolhase 1317). Lauerhase. Schellhase. 
Schnuphase, Spörhase, Dagegen Knie- 
hose j Lederhas, Leinhaas und einige andere 
zu Hose. 

Die Zusammensetzungen, in denen Hase 
den ersten Teil bildet, sind ziemlich 
zahlreich : 



Hasenbalg (conrad dict Hasenbalg 
1291). Hasenbein (Cvnrad. dict Hasen- 
bein 1279). Hasenfufs. Hasenfratx. 
Hasenohr; Hasenöhrl. Hasenschart. 
Hasenschlaf. Hasenxagel; HasenxaJil. 
(Aber Hasenpoth ist ON., Stadt in Kurland). 
Hasenelever III. niederd. „Hasenklee'S ver- 
mutlich = Sauerklee, auch Hasenkohl ge- 
nannt — doch da es in der Rheinprovinz 
einen 0. Hasenclev gibt, besser darauf be- 
zogen. 
Hasensehlaf III. der einen „sehr leisen Schlaf'^ 
hat, ähnlich den Hasen, die, wie man sagt, 
mit offenen Augen schlafen. 
HASS I. zum Volksnamen der „Hessen'^ 
FN. (Hassomar): Hessemer. 
Einstämmige Kürzung Hass-. 
Hasso (noch Vorname), Hesse: Hasse; 
Hafs — Hesse. Gen. Hessen. Patr. 
A. Hessifig. 
Vklf. (1): Hassel — Hessel. Gen. 
Hesseis. Patr. A. Hefsling, (1 + n): 
Hefslein, (k): Hessig. 
Haßdenpflag in. Satz-N. „hasse den Pflug"' 
(ein Bauer, der des Pfluges überdrüssig ist). 
FN. Hafsdenpflug; Hastenpflug — Hassen- 
pflt*g (entstellt: Hasenpflug), 
Haßdenteufel III. Satz-N. „hasse den Teu- 
fel" (s. Teufel). 

FN. Hassdenteufel — Hafsendeibel — ent- 
stellt: Hassenteifel. 
Hassel- III. niederd. „Hasel'' corylus, in Zss. 
wie Hasselbrink, -hörst, -kamp, -meyer, 
Hassenkmgr III. Satz-N. „hasse den Krug 'S 

ein Wirtshausfeind. 
Hassenpflugr s. Haßdenpfiug. 
Hassenteifel s. Haßdenteufel. 
Hassenwein UI. Satz-N. „hasse den Wein", 

ein Wassertrinker. 
Hassesanir III. Satz-N. „basse den Sang'*, 

ein Sangesfeind. 
Hastenpflug: s. Haßdenpfiug. 
Häterich s. Hath (V.). 
HATH I. (got. hathus) ahd. hadu, angels. 
headho „Krieg". Schon im 1. Jh. (Catualda). 
FN. Hathubald: Hadeball — Happold — 
Habold; Habelt — Hebold, 
Hadaperht: Habbert — Happert — 
Happrich — Haprecht— Hebert. Gen. 
Habberts. Patr. A. Haberding, 



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Hatje 



Haupt 



155 



Vklf. (1): Heberle; Häberlein. Patr. 
A. Hehcrling, 

Hadufrid: Haffert; Eaifer, 

(Hadheri): Hedermann. 

Hadaleih: Hadlich — Hedlich. 

Hadamar: Hattemer — Hammer — 
Hamer. 

Hadarih: Hederich; Hädrich — Het- 
terich. 

Hathuwio (w.) : Hadwig — Hattwich — 
Hawig — Hedewig; Hedwig — 
Hettwig. Patr. A. Hadwiger. 

Hathovulf : HaUff - Hedloff. 
EiDStämmige Kürzung Hath-. 

Hatte, Hetto: Had — Hott — Hedde 
(Hettema ostfries.). Oen. Hadden; 
Hatts. Pati*. A. Hatiinga (ostfries.) 

— Heddenga (ostfries.). 

Vklf. (I): Hedel. (k): Hattig; 
Hai je (fries.) — Hädieke — Hettig. 
Geo. Hettgen. (z): Hatx — Hetx — 
Hetsch — Hasse, (z + 1) : Hatxel. 
Unorg. Hatxold. 
Zweistämmige Kürzung Hadb-. 

Happo, Habo, Heppo: Happe — Haape 

— Haabe — Häpe — Hoppe. Gen. 
Babben — Haabes. G. Plur. Ha- 
befia (ostfries.). Patr. A. Hebing — 
Habbinga (ostfries.). 

Vklf. (1) : Happel — Hobel — Heb- 
bel — Heppel — Hebel, (k) : Hapke 

— Habich — Hebich. 
Hatje s. Hath (einst. K.). 
Hatt- 8. Hath (V., einst. K.). 
Hatz- s. Hath (einst. K.). 
Haub- 8. Hug (V., zweist. K.). 

Haube III. zu den Kleidungsstücken (Waffen, 
vgl. Sturmhaube). 

FN. Haube. Vklf. Häublein. Zss. Becken- 
hübe. 

Haubensehmidt IH. „Verfertiger von Sturm- 
hauben**, vgl. Joh. faber galearum 1347. 

Hauber III. „Verfertiger von Sturmhauben". 
Auch Heuber — Haubner — Heubner. 

Hauenhut III. Satz-N. „hau (in) den Hut"; 
verkürzt Hauhut. 

Hauenrand III. Satz-N. „hau den Rand^^ 
(Schild), s. das Folg. 

Haaenschild III. Satz-N. „hau den Schild", 
Bezeichnung eines tapfem Kriegers. 



PN. Hauenschild; Haunschild — Hau- 
schild. Auch wohl Hauffschild, worin 
dann das urspmngliche w (ahd. altsächs. 
hauwan) noch erhalten wäre, vgl. Howe- 
schüd 14. Jh. 
Hauer, Hauert s. Hug (V.). 
-hauer III. der etwas „haut" (niederhaut, 
zuhaut, verfertigt), in einer Menge Zss., 
die sich meist von selbst erklären. 
FN. Baumhauer (doch auch 0. ßaumhau 
in Oberbayem). Beinhauer. Brethauer. 
Danhauer. Eichenhauer. Eisenhauer. 
Felgenhauer. Fleischhauer. Holzhauer. 
Lattenhauer. Moldenhauer; Molden- 
hawer. Pfettenhauer. Scheidhauer 
(Scheit-). Schiffhauer. Schildhauer. 
Schlothauer — Schlotxhauer. Schopen- 
hauer. Spornhauer. Statidenhauer. 
Stubenhauer. Steinhauer. Teigenhauer. 
Vafsfiauer. WaWiauer. 

Mit Umlaut -Jieuer: Bardenheuer. 
Bomheuer; entstellt Bo-MwA^icr (Wien). 
HoUheuer. Krummheuer. Scharf- 
heuer. Steinheuer. Vatheuer. Wald- 
heuer. 

Hauffe s. Hug (zweist. K.). 
Hauflbchild s. Hauenschild. 
Haug, Hauhardt s. Hug. 
Hauk- s. Hug (einst. K.). 
Haumersen s. Hug (V.). 
Haun- s. Hun (V., einst. K.). 
Haupers s. Hug (V.). 

Haupt a) I. 8. Hug (Hugibald, -bodo) b) III. 
got. haubith, ahd. haubit, mhd. houbet: 

1) als Körperteil, auch in mannigfachen 
Zss. — Piscator, qui vocatur Durrehou- 
bith 1256. Joh. Hoybit 1339. z. T. 
durch Häuserzeichen vermittelt (S.60). 
FN. Breithaupt. Dünnfiaupt. Oiäden- 

haupt. Kraushaupt. Bauchhaupt. Roth- 
haupt. Schönhaupt. Schwarxhaupt. 
Weifshaupt. Wollenhaupt. 

2) in Bergnamen und für Quelle (z. B. 
Brunhoibet 13. Jh.), ON. bildend auf 
-haupty -haupten. 

FN. Weidenhaupt. Mühlhaupt. 
Niederd. -höft (mit langem ö), in 
mancherlei Zss., die wohl meist Orts- 
bezeichnungen sind. 



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156 



Hauptmann 



-hausen 



FN. Hüft — Bemhöft (vgl. Conrad. Beren- 
houfed 1278 — wohl ein ON., vgl. z. B. 
Bernhaupten in Bayern). Bomhöfft 
(0. Bornhöved). Bredeköft (Breithaupt). 
Düsterhöft. Düvelshöft (vgl. hochd. 
FN. Teufelskopf). Lamshöft. Schön- 
höft. Wiedenhöft. Witthöft. 
Hauptmann III. „Burghauptniann'^. 
Hanrand III. Satz-N. , zerhaue den Raod^ 
d. i. den Schild (nihd. raut), älterer Aus- 
druck als Hauschild. 
Haas-, Haus- s. Hus. 
Hans in. ahd. inhd. altsächs. hüs. Schon 
bis zum J. 1100 sind nicht viel weniger als 
tausend ON., die dies Wort enthalten, über- 
liefert. Neuhochd. -haus — niederd. -Äw«, 
in anderer Schreibung -huus, -h^ies. 
FN. \) Backhaus (auch 0^.)\Backhus. Neu- 
haus — Xeuenhaus (elliptische Dativ- 
form) ; halbhochd. Niehaus — Xienhaus. 
Steinhaus. Wirminghaus (0. -hausen 
Westfal.). Niederd. Brockhus — Broeken- 
huus, 

2) Düsterhues. Grothues. Heidhues; 
Heithus, Lieckhues. Oldehus. Over- 
holthus (Papenb.). Overhues. Osthues. 
Westhues, — Steins (1590 Steinhues). 

3) An der holländischen Grenze (von 
Aurich bis Rees) findet sich die F. - huis 
(Job. Steenhuys 1488. Köln. Üniv.-Matr.) 
Beckhuis. Bülthuis (Emden). Groot- 
huis. Xyhuis — Nyenhuis. Veenhuis. 
Häufig tritt Haus im elliptischen Dativ 

Plur. auf: (diu stat) ze den nordhusen „(die 
Stadt) zu den Nordhäusern", dai-aus gekürzt: 
Nordhusen. Daher nhd. die ON. auf -husen, 
-hausen (die auf -hus, -husen endigenden 
sind in der Schriftsprache jetzt sehr be- 
schränkt, wohl eigentlich nur noch niederd.). 
FN. 1) Camphatisen. von Emsthausen. 
Holxhausen neben Holthansen und 
Holthusen (alle drei FF. auch als 
ON.: Holzhausen 92 mal in den 
verschiedensten Gegenden Deutsch- 
lands, Holthausen 32 mal auf nie- 
derdeutschem Gebiet, Holthusen da- 
gegen nur 4 mal Rud.). Schaffhausen. 
Seehausen. Steinhausen. Thann- 
hausen. Westerhausen. — v. Gill- 



haufsen. BaUhause (0. -hausen). 

2) V. Brockhusen (vgl. hochd. Bruch- 
hausen). Niehusen. Riepenhusen. 
Wachenhusen (0. -hausen). 

3) An der holländ. Grenze -huysen 
(in vollständig holländ. Schreibung 
-huyzen): Geesthuysen. Groet- 
huysen. Nienhuysen. Wardhuisen. 

Merkwürdig sind die Abkürzungen, die 
bei der Länge dieser Bildungen auf -hausen 
(häufig fünfsilbig: Mengeringhausen, Eddige- 
hausen) hier in besonderam Maße Platz ge- 
griffen haben. Hunderte von N. zeigen jetzt 
nur noch ein -«c«, wie Evereshusen jetzt 
Eversen, Elidagshusen — Eldagsen, Otin- 
husen — Ottensen, Amelungshusen — Ame- 
lunxen , während in andern Fällen beide For- 
men, die vollständige und die zusammen- 
gezogene, neben einander stehen: Holzen 
neben Holthausen (im Ei*eise Iserlohn). 
FN. V. Adelebsen. Algermissen (0. in 
Hannover, alt Alegremishusen). «?. Arne- 
lunxen. v. Bennigsen. Dangersen. Eilig- 
sen. ifortfrft»««n(ursp.HohwartiDghu8en). 
Mackensen. Mengersen (neben ON. 
Mengershausen). Rohrsen. — r. Ber- 
lepsch (0. 1442 noch: Berleibessen). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -hauser: Neuhauser. Rotthauser 
(0 -haus und -hausen). Steinhauser. 

2) -häuser (im südlichen Teil der 
Rhein pro vinz , Nassau , Hessen, Thü- 
ringen , Schlesien) : Häuser; Häusser 
(0. Haus, Hauß mehrfach). Emst- 
häuser. Frankenhäuser. Frosch- 
häuser. Kaltenhäuser. Xieder- 
häuser. Rothenhäuser (0. -haus 
und -hausen). Steinhäuser und 
-häufser. Tannhäuser. Windliäuser 
— bisweilen in der Schreibung -lieu- 
ser: Anheuser (0. Anhausen). 
Oppenfieuser. 

Entstellt -heiser: Packheiser (0. 
-hausen). Tannheiser. 

3) niederd. - hüser (westfälisch, selten ) : 
Hüser. Berghüser. Xiehüser. Rode- 
hüser. 

Hauschild s. Hauenscbild. 
-hause s. Hose. 
-hausen s. Haus. 



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Haaser 



Heim 



157 



Häuser s. a) H. Balthasar b) IH. <„ein6r aus 

Hansen*. 
-liaiiser, -häuser s. Hans. 
Häusler III. im östlichen Mitteldeutschland 

1) ein Landmann, der ein eigenes Haus, 
aber wenig oder gar keinen Acker besitzt, 

2) ein Dörfler, der im fremden Hause zur 
Miete wohnt, Tagelöhner. 

Hausmann LH. mhd. hüsman 1) „Vorstand 

einer Haushaltung*^, bes. einer ländlichen 

2) „Hausbewohner, Mietsmann* 3) „Wächter 

und Schließer eines Hauses*, bes. Burgwart. 

Vgl. das mittelalt lat. husimanni im 12. Jh. 

„zinspflichtige Hofleute**. 

FN. Eatismann. Haufsmann. Gen. Huts- 
manns (ostfries.). 
-haoßen s. Haus. 
Haute III. niederd. Satz-N. „hau zu* — 

auch HatUau. 
Hautop s. Hotopp. 
Hautz s. Hug (einst. E.). 
HaTemeister s. Hofmeister. 
Hawig 8. Hath (V.). 

Kay- s. 1) Hag (V., einst K.) 2) Haid (V.). 
Hayduek s. Heyduck. 
Hayn- s. Hagau (V., einst K.). 
Haza y. Radlicz III. ein jetzt westpreußisches 

Geschlecht, urspr. Hase, aus Radlitz bei 

Steinau stammend, änderte seinen Namen 

so in Polen um (Winckler, Nationalitäten 

Pommerellens S. 91). 
Heb- s. Hath (V., zweist K.). 
Hebbel s. Hath (zweist. E.). 
Hebenkrleg HI. Satz - N. „einer , der den Erieg 

anhebt*. 
Hebensehlmpf III. Satz-N. „der den Scherz 

anhebt*, Spaßmacher. 
Hebenstreit III. Satz-N. „der den Streit 

anhebt'' (Michel Hebdenstreit 1591) — auch 

Hebestreit 
Hebetanz III. Satz-N. „Vortänzer". 
Heeb-, Heck- s. Hag (V., einst E.). 
Hecht III. „ Hecht *' Wienand Heketh 1316 

(lipp. Reg.). ^ 
Hecker a) I. s. Hag b) III. „Gärtner". 
Hed- s. Hath (V., einst E.). 
Hedd- 8. Hath (einst. E.). 
Heer- s. Hari (V., einst E.). 
Heg- s. Hag (V., einst. E.). 
-hege 8. Hag III. 



Heger a) I. s. Hag b) IH. „Forstaufseher". 
Hehn s. Hagan (einst. E.). 
Hehrlin s. Hari (einst. E.). 
Hei UI. ahd. heio, mhd. heie der „Heger, 
Aufseher, Hüter". 
FN. Hey. Zss. Bmckhei; Bruggey — 
Prugghai (bayr.). Fisckhei. Grasket 
(Cunrad Grashay 1318), umgedeutet 
Oraskeu, Halmhei; Halmheu. Höh- 
heiy HoÜxhey — gew. jetzt Holxheu. Kerk- 
fiei. Öschey. Wieshei; Wiesheu. 
Heiartz, Heib- s. Hag (Y.). 
Heieke s. Hag (einst. E.). 
Heid- s. Haid I. 

-beide, -heider, -heidt s. Haide III. 
Heidom s. Hagedorn. 
Heier, Heigis s. Hag (V.). 
-heier s. Hauer. 
Heil- s. Hail. 

Heiligensetzer III. „der Heiligenbilder auf- 
stellt". 
Heilmeyer Uf. „M., der ein heiles Erbe 

hat^^ Vollhüfnor. 
Heim- s. 1) Hag (V.) 2) Heim I. 
-heim, -helmb s. Heim HI. 
HEIM I. got. haims Dorf, ahd. mhd. heim 
„Haus, Heim". 
FN. Haimperht: Heimbrecht; Heimbrodt. 
Heimard: Heimert; Heimer. 
Haimrich: Heimrich; Heimreich — 
Himmrich — auch durch Ab- 
schwächung des ra: Heinrich y wo 
dann die FF. mit Hagen- in ein- 
ander fließen. 
Heimoald: Heimhold. 
Einstämmige Eürzung Heim-. 

Haimo: Heime; Heym, Haim. Gen. 
Heimes. 

Vklf. (l): Heimle, (k): Heimke 

— Hiemke. 

Bern. Mischt sich mit Hagen (Hein), 

bes. in den Vollnamen, deren zweiter 

Teil mit b anlautet 

Heim III. got haims Dorf, Flecken, ahd. 

mhd. heim „Haus, Heim* (altsächs. hem, 

angolsächs. h&m, dah. engl. -ham). An 

ehrwürdigem Alter können sich die hiermit 

gebildeten ON. denen auf -bürg an die 

Seite stellen: BoviaifÄOv 1. Jh., TfvQioxafftM 

2. Jh. Der sich schon in alter Zeit ent- 



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158 



-heimer 



Helb- 



wickelnden FormenfülJe steht eine gleiche 
in den neueren ON. gegenüber. 

Die gewöhnliche, tausendfach wieder- 
kehrende Gestalt (in dem Elsaß und der 
Schweiz die einzige) ist -heim, demnächst 
ziemlich häufig -harn (bes. in Oberbayem, 
in merkwürdiger Übereinstimmung mit den 
englischen ON. auf -ham, der Art, daß 
ganz unbedeutende bayrische u. österrei- 
chische Dörfer mit berühmten englischen 
0. im Namen zusammen Tallon, wie Durham, 
Graham) — selten -hem. Mit Schwinden 
des anlautenden h: -am^ -em, -im; -um, 
'om (nordwestdeutsch und flandrisch z. B. 
Dahlum, älter Dalehem). Zuletzt abge- 
schliffen in -en (Holzen aus Holzheim). 

Aus -heim (ham) mit vorausgehendem 
E-Laut (-incheim) entwickelt sich -kam 
(z.B. Zeiskam in Rheinbayern, 1109Ceizenc- 
heim). 

FN. 1) 'keim: v. Pappenheim, v. Veit- 
heim — zuweilen im Auslaut mit 
b: tJ. Edlhaimh. v. Oilgenheimh, 
Meerheimb (Stammort Merheim 
Rheinpr.). r. Quemheimb (0. 
Quernheim). Aronheim jüdischer 
Phantasie -N. 

2) -kam: Langham (Wien, neben 
-heim). 

3) 'hem: Berghem. v. Beughem. 

4) -em: v, Medem (Gott ÜB. 1390: 
Thylo V. Medeheym; derselbe 1394 
Thile v.Medehem, 1383Tilev. Me- 
dem genannt). Aussein. Bachern. 
Holxem. Koehem (Kochem , eigentl. 
Kochheim a. d. Mosel). Liessem. 
Olxem (0. Olzheim). v. Einem. 
Yxem (0. Ixheim in Bayern). Von- 
rolxem (Trier) = von Volxheim 
(0. in Hessen). 

5) 'im: Arnim y r. Arnim (Arnheim, 
-hem in den Niederlanden; Arnim 
Dorf in der Altmark). 

6) -um: V. Ankum. Borsum. Deckum. 
V. Holtum. Schlickum (0. Schlie- 
kum). Stockum. 

7) -en: Meeden. 
Ableitung auf -er (obei-d.): 

1) - heimer : Dahlheimer. WeinJieimer. 

2) -hamer, -hammer (schon 1342 



Uli*. Heilhamer Augsb. = Heilhei- 
mor Bacm.): Berghammer (Beiig- 
heim häufiger ON., auch in Bayern). 
Bockhammer. Buschhammer. Ester- 
hammer (= österheimer Steub 
8. 85). Forehhammer (0. Forch- 
heim). Froschhammer; Frohscham- 
mer. Grahammer. Orieshammer. 
Haushammer, Eundhamer. Klug- 
hammer. Kohlhammer. Lang- 
hammer. Lindhammer, -hamer. 
Mooshamer (0. Moosham). Mühl- 
hammer, Oberhammer. Perien- 
hammer, Roihhammer, Scheü- 
hammer(=s Schelchheimer). Schön' 
, hammer. Schwinghammer. Thal- 

hammer (0. Thalham 38 mal Rud.). 
Weilhammer. Werthhammer. 

3) -amer, -ammer: Holxamer, Hoh- 
ammer (0. Holzheim, Hölzern). 
Rügamer — Rigamer (0. Rügheim). 

-kamer, -kammer („ich Klaus 
Langenlohr den man nempt Gein- 
kamer* — sonst auch Klinghamer, 
-haimer Augsb.): Bergkammer. 
Langkammer. Volckamery Voll- 
kamer. 

'Samer: AiUnsamer (Attenshei- 
mer). Reitsamer, Reixamer (Reiz- 
heimer). Tuffensamer (Tuffeoshei- 
mer). ülsamer (Ulzheimer). — 
Eeocamer. 

4) -einer: BuUemer (0. Bullenheim). 
Leidemer, Lendemer, Rügemer; 
Rügmer. Stoekemer. (S. über alle 
diese Bildungen auf -hamer usw. 
Steub S. 148 f.). 

-heimer s. Heim IH. 

Hein- s. Hagan (V., einst K.). 

HeineTetter HI. „Vetter Heinrich" vgl. nieder- 
deutsch Jacobohm, Trinatante. 

Heinitz s. a) I. Hagan b) HI. ON. 

Heipt s. Hag (V.). 

Heis- s. Haid. 

-lieiser s. Haus. 

Heister III. junger Buchenstamm (davon franz. 
hetre) , in Zss. wie Heisterkamp — Eesier- 
meyer. Bucfiheister. 

Heit- s. Haid. 

Helb- s. Hild (V., zweist. K.). 



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Helders 



-heuer 



159 



Helders s. Hild (V.). 

Heif- s. 1) Hild (V.) 2) Hilp. 

Helgenmaeher III. „Verfertiger yoii Heib'gen- 

bildern". 
Hell s. Hild (V., einst. K.). 
Hellenbreelit, Hellm- s. Helm. 
HELM I. got. hilms, ahd. mhd. heim „Helm^^ 
(von helan „hehlen" d. i. bergen, schützen). 
FN. Helmbald: Helmbold, 

Helmperht: Helmbrecht — Hellen- 
brecht (zerdehnt, vgl. Hellebarte ans 
Helmbarte). 
Heimdag: Helmentag. 
Helmhart: Helmert; Helmer, Gen. 

Hellmers. Patr. A. Heimerding, 
Hilmerad: Helmrath. 
Helmirich : Hellmrtch; Helmreich. 

Gen. Helmerichs, 
Helmold: Helmold; Heimet Gen. 
HelmholtZf. 
Einstämmige Kürzung Helm-. 

(Helmo): Helm. Gen. Helms, Patr. 
A. Helming. 

Vklf. (1): HelmU, Patr. A. Helm- 
ling. (k): Helmcke; Helmich, 
{k-}-u): Helmchen. Qen, Helmgens. 
Auslautend (103 mal Forst.). 
'heim: Reichhelm. 
Heiwert s. Hild (Y.). 
-liem s. Heim. 
Hemberle, Hemmerding, Hemper s. Hagan 

(V.). 
Hemme s. Ham. 

Hemptenmaeher III. „der Himten macht", 
mittelniederd. hemete ein Getreidemaß. 
Himptenmacher 1667. 
Hend- s. Hagan (V.). 
Henk-, Henle s. Hagan (einst. E.). 
Henkord = Henne Kordes (Preuß). 
Henn- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) n. 

Johannes 5. 
Henold, Henrieh s. Hagan (V.). 
Hens- s. a) Hagan (einst. K.) b) Johannes 4. 
Henschel s. Hagan (einst. K.j. 
Hente s. Hand I. 
Hentrich s. Hagan (V.). 
Henz- s. Hagan (einst. K.). 
Hepp- s. Hath (zweist. K.). 
Her- s. Hari (V., einst. K.). 
Herb- s. Hari (zweist. K.). 



Herbfit in. ahd. herbist, mhd. herbest eigentl. 
die Jahreszeit der Früchte (vgl. griecL 
xitQTiog ,l&i. carpo). Jacob dict Herbist 1315. 

Herd- s. Hard (V., einst. K.) — doch 

Herdegen s. Hari. 

•berder s. Herter. 

Hering a) s. Hari (einst. K.) b) III. der be- 
kannte Fisch, altniederd. Haiink. Zss. Voll- 
hering. 

Hermeler s. Hari (zweist. K.). 
Herold a) I. s. Hari (V.) b) DI. der „Herold". 
Herpp s. Hari (zweist. K.). 
Herpifer III. mhd. harpfaere, härpfer „Harf- 
ner". 

Herr- s. Hari (V., einst. K.). 

Herrgott ni. von gewohnheitsmäßigem Aus- 
ruf (vgl. Simmergott u. a.) — wenn nicht 
von Herigaud (s. Hari). 

Hermsehwager III. „Hahnrei eines Vor- 
nehmen" (Vilm.). 

Hert- s. Hard (V., einst. K.). 

Herter a) s. Hard (V.) b) lU. mhd. hertaere 
„Hüter der Gemeindeherde" DW. 
FN. Herter — Herder. Zss. Schap- 
herder. Nied. auch Härder (vgl. holl. 
harder, herder). 

Herz III. 1) ahd. herza, mhd. herze das 
„Herz", bes. wohl in Zss. wie GtUherx. 
2) Hirsch s. Himz. 
FN. Herxberg. Herxfeld, 

-herz a) I. Gen. von -hart, -hert (s. Hard 
auslautend) b) III. Zss. mit „Herz" (s. das 
Vorhergehende). 

Herzog III. mhd. herzöge „Heerführer" (wie 
magezoge „Knabenführer, Erzieher") s. übri- 
gens S. 42. Hermen de Hertoge 1330. 
FN. Herzog. Niedord. Hartog.(PTSiiiz.L€duc.) 

Hespe III. „einer aus Hesepe oder Hespe" 
(in Hannover). 

Hess-, Heß s. Hass. 

Hesse s. a) I. Hass b) HI. „Hesse". 

Hester- s. Heister. 

Hett- s. Hath (V., einst. K.). 

Hetsch, Hetz s. Hath (einst. K.). 

-heu s. Hei. 

Heubaumlll. „Baum "(Balken), der oben über 
den beladenen Heu wagen gelegt wird. 

Heuber, Heubner s. Hauber. 

Heabes s. Hug (zweist. K.). 

-heuer s. Hauer. 



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160 



Heug- 



Hild 



Heag- s. Hug (einst. E.). 

Heim- s. HuD (V., einst. K.). 

Heus- 8. Hus. 

-heuser s. Haus. 

Hey s. a) I. Hag (einst. K.) b) IH. Hei. 

Heybold s. Hag (V.). 

Heyekel s. Hag (einst. K.). 

Heyd- s. Haid (V., einst. K.). 

Heydom s. Hagedorn. 

Heyduek TU. N. eines „ungarischen Volks- 
stammes*; „Bedienter* (Läufer). Auch 
Heuduck. 

Heyer s. Hag (V.). 

Heyken s. Hag (einst. K.). 

Heyl- s. Hail. 

Heym s. Heim. 

Heymann a) s. Hag (V.) b) jüdischer N. 

Heymer s. Hag (V.). 

Heyne s. Hagan (einst. E.). 

Heypertz, Heyrieh s. Hag (Y.). 

Hib-, Hlbb- s. Hild (z weist. K.). 

Hiek- s. Hild (einst. K.) 

Hidd- s. Hüd (V., einst K.). 

Hieb- 8. Hild (zweist K.). 

Hieeke s. Hild (einst K.). 

Hied- s, Hild (V., einst K.). 

Hientzseh s. Hagan (einst E.). 

Hieronymns II. griech. „einen heiligen Namen 

führend"; der h. Hieronymus, der gelehrteste 

unter den Eirchenvätern des Abendlandes, 

gest. in einer Zelle bei Bethlehem 430 n. Chr. 

FN. Hieronymus. Gen. Hieronymi. — 

Kronymus (S. 37) — Grulms; Grolms 

— Grommes. 

Hies- s. Matthias. 

Hietzsehold s. Hild (einst E.). 

Hil- s. Hüd (V., einst E.) — bei Hilf- s. 

zugleich Hilp. 
HILD I. (s. S. 14) zu ahd. hilija, altsächs. 
hild „Eampf" (vgl. die altnord. Walküre 
Hildr). Sowohl anlautend als auslautend 
einer der häufigsten Wortstärame; erste 
Spur Thusnelda 1 Jh. Die fränkischen N. 
mit scharfem Hauch im Anlaut: Childerich. 
FN. Hildibald: Helhold. 

Hildibert: Hildebrecht — Hülehrecht 
— Hilbrecht; Hilprecht; Hubert; 
Hilberath: Hilbraht — Hippert; 
Hipper. Gen. Hilbers. Patr. A. 
Hipperling. 



Hildibrand: Hildebrand — Hilte- 
brandt — Hülebrand — Hilbrand 

— Hillenbrand — Hillerbrand — 
Hüüerbrand, Gen. Hildebrands — 
Hilbrands; Hilbems. Patr. A. 
Hillebrenner (Preuß 19). 

Hildidag: Hildach. 

Hildifrid: Hilfert; Hilfer. Gen. Hei- 
fritx; HeUfrUxsch. Patr. A. Hei- 
ferding (oder auch zu Hilp). 

Hildigar: Hilliger — Hilger; Hilker. 
Gen. Hilgers. 

Hildigard: HUdgard — Hügert — 
HiUgerth. 

Childard: Hillardt; HilleH — Hl- 

hardt. 
Hildier: HiMer - Hiller — Heuer . 

Gen. Hillers; Hillems (ostfries.). 
Hildeman: Hildetnann — HiÜmann 

— Hillmann — Heldmunn (auch 
zxxReXd) — Hiddemann; Hiddema 
(ostfries.) — Hittmann — Hiede- 
mann — lUmann. 

Hildimar: Hillmar; Hilmer — Hell-^ 
niar — Illmer. Gen. Hillmers — 
Hellmers (auch zu Helm). 

Hildimod: Hellmutk. 

Hiltimund: Hellmundt. 

Hildiric: HUlrich — Heldrich — 
Hellerich — Rlerich. Gen. Hil- 
richs. 

Hildiward: Hildewerth — Heiwert. 

Hiltiwic: Hildeicig — Hillwich — 
Helwig, Hell wieg; Heiweg. 

Hildiwin: Hildwein — Heldwein — 
Hell wein. 

Hüdulf, Iltolf : Ilwof — Ihloff. 
Einstämmige Eürzung Hilt-. 

Hildo, Hillo, Ilo, Hiddo: Hild, Hilt 

— Hille - Helle — Hidde — Ihle. 
Gen. Hils. Patr. A. Hilling — 
Hidding — Hitting — lUing. 

VkJf. (i) : Hilti (Schweiz.). (1) Hil- 
dulo: Hildel — Hiltl (bayr.) — 
Hillel — Hütel — Hiedel. (k) 
Hildico, Hicko (Stark 73); Hülig; 
Hilke — Hicke — Hieeke. Gen. 
Hilliges — Blies; Ilges (Eleve). 
(k + 1): Hickel. (k + n): Hildikin: 
Hucken — Hicken — Utgen. (z) 



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Hilp 



Hlod 



161 



Hildizo, Hizo: HiUx — Hitxe — 
Ht88, (k + z): Httxke -^ Hüschke. 
ünorg. Bildung: Hietxsehold (Egr. 
Sachsen). 
Zweistämmige Eürzong Hildeb-. 

Hilbo, Hibbo, ffibo, Ibo; Hilb — 
Hibbe — Hippe — Htbo — Hieb — 
Ibe. Gen. Hibben — Hippen — 
Hieben. Patr. A. Helbing — 
Hibhing, 

Vklf. 0): Hippel — Hiebl (k): 
Hübig — Äj|% — Ilbig — /%. 
HILP I. got. hilpan, ahd. helfan , helfen*". 
FN. Helpfrid: Helfert — zsgz. Heiß. Patr. 
A. Hulferding. 
Hilpericus: Hilfrieh — Helferich; 
Helfrich. 
Einstämmige Kürzung Hilp-. 
Helpo: Hilfe — Helff. 
HfmmelfSahrt III. zu den Zeitnamen, ahd. 
himilfari Dagegen Himmelreich häufiger 
ON. (32 mal Rud.) 
Himmrleh s. Heim. 
Htn- 8. Hagan (V., einst K.). 
Hinekeldey, Hlnekelthej s. Angil. 
Hingfst III. niederd. „Hengst*". 
Hinnen III. urspr. Dahinden (Tobler-M.). 
Hipp- s. Hiid (V., zweist E.). 
HIB I. got hainis, altsächs. heru „Sohwerf" 
(auch im Volks -N. der Cherusker). Hiribert. 
Hiriger. 

FN. Einstämmige Kürzung Hir-. 
Hiro: Ihr. Vklf. (k): Irig. 
-hirn s. Hom III. 

Hirseh a) I. s. Hiruz b) III. wohl meist 
durch Vermittelung von Häuser -N. — in 
jüdischen FN. besonders beliebt, nach dem 
Segen Jakobs (1. Mos. 49, 21). Auch Hersch. 
Franz. Cerf. 

Hlrsehsprang HI. ON. (im Kgr. Sachsen). 
Hirsingr s. Hiruz. 

Hirte III. got hairdeis, ahd. hirti, mhd. hirte. 

FN. Hirth. Zss. Oeifshirt (mhd. gei?- 

hirte). Lämmerhirt. Ochsenhirt. Rofs- 

hirt. Schafhirt. Ziegenhirt. 

HIEUZI. ahd. hiruz, mhd. hirzder ^Hil'Sch^ 

Hirizpero U. 

FN. (Hirizleip): Hirschleb; Hirschlaff 

(niederd.). 
Heintze, Deateohe Familiennamen. 2. Aufl. 



Einstämmige Kürzung Hirz-. 

Hiruz: Hirtx — Hirsch. Patr. A. 
Hirsing. 

Vklf. (l) Hirzula: Hirxel — 
Hirschel (Hirschelmann). 
Hiß, HItselike s. Hild (einst K.). 
Hitt- 8. Hild (V., einst K.). 
Hitz- 8. Hild (einst K). 
Hitzisr III. der getaufte Sohn des Hofbankiers 

Itzig in Berlin nannte sich Hitxig. 
HLOD I. zur Wurzel hlu hören (ahd. hlüt 
„laut^') — doch mit dem Sinne des griech. 
xlvTÖg, lat (in)clytus „berühmt", welche 
sich nach dem Gesetze der Lautverschie- 
bung mit hlod decken. (Berührt sich schon 
früh so nahe mit liud, daß eine sichere 
Scheidung in den wenigsten Fällen, haupt- 
sächlich nur bei den mit K und Q anlau- 
tenden FF., die nur zu Hlod gehören, statt- • 
finden kann). 

FN. Chlodobert : Löpert — Kohlbrey (Preuß 
S. 7, 1488: Koldebrig). 
Chlodochar: Klöter — KliUer — 
Clauder — Loder — Lotter — 
Löther — Lauter. Gen. Lodders. 
Hlodmar: Ijotmar — Luthmer — 
Lohmar — Lämmer — Löhmer — 
Laumer. Gen. Ijottmers — Lutmers 

— Lüttmers. 

Chloderich: Lorich; Lorey — L'öriek 

— Laurich. 

Clodowald: LoihaL Gen. Lothholx. 

Chlodowich 5.: Ludowieg; Ludwig, 
Ludwich. Gen. Ludowigs; Lud- 
wigs (latinis. Ludowici) — Jjode- 
Wyks (ostfries.). 

Chlodulf: Ludolf; Ludloff — Löloff 

— zsgz. Laif — Looff - Löff — 
Lauff. Gen. Lulfs — Lüdelfs — 
Lülwes. 

Einstämmige Kürzung Hlod-. 

Chlodio, Hludio, Lotto: Khde — 
Kloth — Oloth — Klott — Klute 

- Gluih — Klutt — Klütmann — 
Qlöde — Claude — Clauth (latinis. 
Clodius, Claudius). 

Lode — Loth — Lott — Löhde 

— Luth — Laute; Lauth. Gen. 
Looden (ostfries.) — Lotinga (ost- 
fries.). Patr. A. Löding. 

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162 



Ho- 



Hdfener 



Vklf. (L): lOöthi (scbweiz.). (1) 
Lullo: Ludl — Loll. Patr. A. 
LoUing. (k) Claodicus: Klocke — 
Klttek — Löttge (latinis. Lotiohius). 
(z) niudizo, Lozo : Kloi^ — Klotsch 
— Klatsch — Lotxe (Zss. Lange- 
lotx) — Lotsche — Lutxe (LtUxe- 
mann) — Lutsche — Lautsch 
(Luxemb.) — Laiäx — Lautsch, 
Gen. Lutets (ostfries.). Patr. A. 
Lotxing, (z + 1): Klötxel (k + z): 
Klötxke. 
Zweistämmige Kürzung Hlodf-. 
Patr. A. Löhdefink — Lohfink, 
Ho- aus Hoch abgeschliffen in Eobaum, 
Hobusch, Homeier u. a. (vgl. Ei binger 
Urk.: Pauwel von Busdorff bomeister 1431 
d. i. Hochmeister). Doch wird auch Hof- 
mitunter in Ho- abgeschliffen (s. Hof- 
meister). 
Hob- s. Höh. 

Uobb- 8. Hug (zweisi K.). 
Hobeln III. = Hochbein, 
H»bel, -h»bel s. Hübel. 
Hoeb- s. Höh. 

Hoeker, Hltoker s. Hug (V.). 
Hodemaeher III. rein niederd. Hodemaker 

^ Hutmacher*. 
Hof III. jetzt wie in alter Zeit ein einge- 
hegter oder eingezäunter Raum — in hun- 
derten von alten und tausenden von neueren 
ON.: Hoff 'hof, -hofen (elliptischer Dat. 
der Mehrzahl, ahd. hovum, abhängig zu 
denken von einem Verhältniswoi-t). 
FN. auf dem Hofe, van Hove, Baum- 
hove (ellipt. Dat.). Hoff. Berghoff. Blum- 
hof Eckhoff. Eickhoff, örafshoff, 
OrönJioff. Herdieckerhoff. Holthoff. 
Kirchhof. Kruithof (Emden). Nordhof 
Osthof Sudhof Westhof; Westerhof 
— in vielen dieser N. mehr appellativ, 
indem Nordhof „den von dem Nord- 
hofe", Sudhof „den vom Südhofe" be- 
zeichnet. 

Eschhofen. Frohnhofen. Udelhofeti 
(0. Udelhoven). v. Westhofen. — v. Ho- 
ven. Aldenhoven. — v. Morenhoffen 
(0. -hoven). v. Pfaffenhoffen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -hofer: Hof er. Blumfwfer. Dutten- 



hofer. Osellhofer (bayr.). Rüters- 
hofer, Sckweighofer, Stadelhofer. 
Kirckhorffer (0. Kirchhof u. -hofen). 
Westenhoffer, 

2) -höfer: Berghöfer. Fronhöfer. Sand- 
höfer. Schweighöfer. — DömhÖffer. 
Klingelhöffer. Neuköffer, 

3) -hofner: Ganghofner. 
Bemerkenswert ist die schweizerische 

Zusammenziehung -kon, abgestumpft -ken, 
aus ui-sprünglichem inc-hovun, z. B. Zolli- 
kon aus Zollinc hovun, (zu) „den Höfen 
des Zollinc"; Hüttikon aus Huntinchoviu], 
Luderetikon aus Ludretinchovun; auch Lent- 
merken aus Liutmarinchova. — Vor 1100 
nicht in einer Urkunde gefunden , auch im 
12. Jh. noch sehr vereinzelt, ist diese F. 
-kon das ganze 13. Jh. hindurch fast 
schon die allein heirschende. Die ältere 
F., allerdings mit Ausstoßung des h, ist 
erhalten in Bayern (Oangkofen, Matten- 
kofen), den preußischen Rheinlanden (Die- 
peukofen). 

Die FN. nun bewahren die alte F., auch 
wenn die ON. jetzt nur die jüngere, zu- 
sammengezogene aufzeigen, ein Beweis, 
daß die Ableitung der FN. schon früh, 
mindestens im 12. Jh., stattgefunden hat 
So steht 
Zollikofer neben ZoUikon (Zürich), 
Mörikofer neben Möriken (Aargau), 
Opptkofer neben Oppikon (Thurgau), 
Puppikofer neben Puppikon (Thurgau) — 
Oanghofer neben Gangkofen (Nieder- 
bayem) 
hat sogar das h bewahrt. Dagegen ent- 
sprechen sich Orts- und Fam.-N. in den 
bayrischen 
Hüttenkofer (0. Hüttenkofen Nieder- 
bayem); Hittenkofer. Pangkofer (Pang- 
kofen Niederbayern). Radlkofer (Radel- 
kofen Niederbayern). 

Dändliker (0. Dändlikon). Köüiker 
(Kölliken Aargau). 
Vereinzelte FF. sind: Edigkaufer (Mün- 
chen); Messikomer aus Messikon «= Mes- 
singhof en. 

-höfel s. Hübel. 

-bofen, -bofer^ -b^er s. Hof. 

HOfener s. Huber. 



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Hofer 



Holz 



163 



Holier m. 1) ein „ zu einem Herrenhofe ge- 
höriger Untertan ^^ vgl Eberhard von dem 
Houe 1287. Fridrich und Otte die Hofer 
1291 2) Ableitung von dem ON. Hof. 
FN. Hofer — Eöfer. 
Hoflkrtz 8. 1) Höh 2) Hug. 
Hoffendmnk III. Satz-N. „hoffe einen Trunkes 
ein Spielmann, der auf einen Trunk hofft 
-Mffer 8. Hof. 
Hoffert 8. Höh. 
Hoflinaiin s. Hofmann. 
Hofinann III. ahd. hovaman, mhd. hoveman 
1) jemand, der als „ Ingesinde ^^ am Hofe 
eines Fürsten lebt (in diesem Sinne auch 
Höfling y welches ebenfalls FN.) 2) der 
einen Hof (Gehöft) bewohnende Bauer, 
„colonus; rusticus, qui colit fundos" «= 
Hofaäfa, 

FN. Hofmann f gew. Hoffmann geschrie- 
ben (Hoffmann von Fallersleben). — 
Vereinzelt: Hovemann, Gen. Hoffmanns. 
Niederd. Hafemann. 
(Daß Hoffmann trotz dem ff nichts mit 
„hoffen^, niederd. hapen, hapeninge zu 
tun hat, demnach nur im Scherzo mit 
dem griech. Elpenor übersetzt werden kann, 
beweisen die niederd. FF., die das f (v) 
bewahren: Houeman d. i. Hoveman, Hoff- 
mann E^emp.). 

Hoftaieister III. mhd. hovemeister 1) hoch- 
gestellter Beamter bei Hofe, „Aufseher 
über die Hofdienerschaft ^, Ceremonien- 
meister 2) „Aufseher über die Knechte eines 
Gutes*' (in Vorpommern und Mecklenburg 
„Statthalter*). 

FN. Hofmeister, Hoffmeister — daraus 
abgeschliffen Homeister (vgl. Homester 
im Osnabrückischen). Niederd. Have- 
meister. 
H«gr s. Hug (V., einst. K.). 
Hege, HOg- 8. Hug (einst. E.). 
Hogrenkamp UI. niederd. „(auf dem) hohen 

Kamp*. Abgekürzt Hokamp. 
Hogrebe, -fe = Hochgrebe s. Graf. 
HÖH I. got. hauhs, ahd. mhd. höh „hoch"" 
(in FN. schwer von hug zu trennen). 
FN. Hochbert: Hobrecht; Hobert. 

Hoffred: Hoffert, Gon. Hoffarix. 
Horoan: Hohmann, Homann. 
Hohmuot: Hochmuth — Homtäh. 



Einstämmige Kürzung Höh-: Hohe — 
Hocke; Hoch. 

Hohn UI. got. bauns, ahd. h6ni „niedrig'' 

(woher nhd. Hauptw. „Hohn"). In ON. 

Hohn^ 'höhn; Hohne. 

Hierher gehören wohl mehrere in Westf. 

vorkommende FN. auf -höhner. außer dem 

einfachen 
Höhner — Diekhöner. Stranghöner. Well- 
höner. Traphöner und einige andere — 
auch Siebenhüner. 
H?(hii- 8. Hun (einst. K.). 
Hohnschop HI. niederd. „mit hohem Haar- 

schopfe" (Pott S. 592). 
Holb- 8. Huld. 
Hokamp s. Hogenkamp. 
Hold-, Hold- 8. Huld. 
Holderbaum s. Hollunder. 
Hölger, Holk, HoU- s. Huld. 
Holland lU. FN. — davon Holländers (Bocholt). 
Hollenweger IH. (Zürich) „der am Hohlweg". 
Hollinderbaum s. Hollunder. 
Höllriegl III. mhd. hellerigel (der die Rück- 
kehr aus der Hölle veraperrt) „Höllriegel". 
Höllwarth s. Huld. 
Holländer III. ahd. holuntar, von hol und 

tar d. i. triu = „Hohlbaum". 
Holm III. in Niederdeutschld. „kleine Insel, 

Werder" — häufig in ON. 
Holseher, Hölseher s. Holzscbuher. 
Holscli(en)macher III. = Holxschuhmaeher, 

vgl. Holtscomekere 1380 (Braunschw.). 
Holste III. zsgz. aus Holtsate „ein im Holz 

Ansässiger", entstellt Holstein (aus der 

Mehrheit Holtsaten, Holsten), Holsteiner. 

Altertümlich und dichterisch noch jetzt 

„ Holste , Holstengau ". 
FN. Holste; Holst. Holstein. 
Holt niederd. = Holz, in Holtmantij Eick- 

holt, Tenholte. 
-hmter s. Holz. 

Holtfreter UI. niederd. (Vorpommern) „Holz- 
fresser '^ Spottname vgl. Fleischfresser. 
Holz a) I. durch Umdeutung aus dem für 

niederd. Gattungsnamen gehalteneu holt u. 

aus olds entstanden. Helmholtz aus Heimelt 

und Gen. Helmolds s. Walt 
b) III. Holz im Sinne von „Wald", nach 

dem Stoffe, woraus dei-selbe besteht In 



11* 
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164 



Holzapfel 



Horst 



ON. seit dem 8. Jh. nachweislich: Holx, 
'holx; niederd. -holt, 
FN. Holtx (Ulr. im holtz 1404 — vgl. 
fTBJiz. du Bois, Dabois). Zss. Buch- 
höh. EichhoUx. Erlenholx — ElahoUx. 
Fahrenholtx (sechsmal ON. in Nieder- 
dentschland, anBerdem Yahrenholz in 
Lippe -Detmold, Vahrholz in Provinz 
Sachsen ; daher nicht als imperativischer 
PN. zu fassen = ,,fahr in das Holz^^ s. 
S. 50 ff.). Nordenkolx. 

Niederd. (bes. westfälisch): Boekholt{= 
Buchholz, daher eig. mit gedehntem o, 
wie bei Klempin Bokholt neben Bockholt). 
EickhoU (Eichholz). Graf xu WesterhoU. 
Ableitung auf -er: Bankolxer, Bohn- 
holxer, Buehholxer. Eiehholxer. 
Niederd. -höüer (westf.): Echter- 
hölter. Heithölter. SüdhöUer. Berg- 
holter (Mecklenb.). 
c) HI. Oeräte bezeichnend: 
FN. Keilholx. Krumbholx. Nabholx. 
Holzapfel HI. die Frucht des wilden Apfel- 
baumes. Heinr. Holzappel 1298. 
Holzheaer== Holzhauer s. -hauer. 
Holzhey Hl. „Holzhüter, -aufseher". Auch 

Holxheu. 
Holzmann IH. ahd. mhd. holzman „Holz- 
hauer, Holzhändler". — Niederd. HoÜ- 
mann, (Vergriecht Xylander). 
Holzsadel UI. halbniederd. „Holzsattel". 
Holzsehalier III. „Verfei-tiger von Holz- 
sohuhen", die niederd. gekürzt Holtschen, 
Holschen heißen (wie die Handschuhe — 
Hanschen). Holtschuher, Holschuer 1250. 
FN. HoJxsehuher. Niederd. zsgz. HtUtscher, 
— HoUcher — Höheher (letzteres bes. 
häufig in Westf.). 
Homann s. Höh. 
Homelster s. Hofmeister. 
Homuth s. Höh. 
Homm- s. Hun (V.). 
Hon-, Hön- s. Hun (V., einst. K.). 
-h^^ner s. Hohn. 
HOnerkopf III. halbniederd. = „Hühnerkopf" 

(s. Kopf). 
Honeria III. 1507: Honderlage (Honder = 

Hunrich. Preuß 30). S. Lage. 
Honn- 8. Hun (V., einst. K.). 
Höpfher HI. der ,, Hopfenbauer, -händler". 



FN. Hdpfner. — Niederd. Höppener; 
Hoppner (Elemp. Hoppener). 
Hopkes, H5pken, Hopp- s. Hug (zweist E.). 
Höppener, H?(ppner s. Höpfner. 
H«r- 8. Hari (V., einst K.). 
HORK I. got haurn, ahd. mhd. hom „Hom" 
als Blasinstrument, wozu urspr. Tierhömer 
verwendet werden. 
FN. (Homhart): Hamhardt. 
(Homman): Homemann. 
(Homher): Homer. 
Einstämmige Kürzung Hom-. 

(Homo): Home; Hom. Patr. A. 
Homung: Homing — Höming. 

Vklf. (1): Hörnte; Hömdl. (k): 
Homicke; Hornig — Hömigk. 
(k + 1): Homikel; Homigel. 
Hörn a) I. s. das Vorbeigehende, b) HI. 
„Spitze, Vorsprung ** (des Feldes in den 
"Wald, des Landes ins Wasser, eines Be- 
sitztums in die benachbarten Güter). In 
neuerer Zeit in ON. meist die F. Hom, 
'hom selbst, feiner -hörn, -hörne (die 
„Hörne" in Stolp Bezeichnung einer vor- 
springenden Häusermasse), am seltensten 
'htm. 

FN. 1) Hom (0. 32 mal Rud.). — Zss. 
(bes. in Nordwest - Deutschland) : 
Ählhom. BaUhom. Barghom 
(Emden). Busehhom. Dannhom. 
Eichhorn. Öiffhom. Hirschhorn. 
Schierhom. Stemshom. üßUhom, 
Weifsenhom. Windhom. 
Ableitung auf -er: 

Oberhorner: (bayr.). 
2) 'htm: Dirmhim (Cilli). Spinn- 
him (Salzb.). 
c) ni. Geräte: FN. Geühom. Scheu- 
hom (wenn s. v. a. „Schallhom"). Silber- 
hom. 
Hom-, Hörn- s. Hom I. 
Homey I. aus Hartnid, 1539 noch Hameith. 
H^^mdllmann III. (Zürich) , Hürlimann vom 

Berge Hörali (Tobler). 
HORS I. ahd. hros, hors „Roß^S Horserat. 
Mischt sich mit Hrod. 
FN. Horsa 5: Rofa (Rofsmann). 

Vklf. (1) : Hörsei — Rössel — Rössel 

Horst III. ahd. hurst, mhd. hörst „Busch, 

Gesträuch" (in dieser Bed. noch in Hebels 



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-hörster 



Hroc 



165 



allemannischen Qed.). lo ON. seit dem 
9. Jh. nachweislich. 

FN. von der Horst Terkorat (zur H.). 
Horst Zs8. Brandhorst Brunkhorst 
Buchenhorst Diestelhorst Etchhorst 
Fahrenhorst (Joh. Yahrenhorst Köln. 
Univ. Matr. 1477). Qravenhorst Hos- 
selhorst Hohnhorst (0. Hohohorst odcI 
-hurst). Langenhorst Lindhorst Mord- 
hörst von Petershorst Queühorst, 
Rahenhorst. Schamhorst Windhorst. 
(In manchen wohl appellatiy, wie auch 
in Horstmann = Buschmann, der im 
Busche Wohnende). 

Ableitung auf -er: Hörster. — BehrhÖrster, 
Hanhörster (alle drei in Wostf.). 
•h5nter s. Horst 

Hose III. ahd. hosa mhd. hose „ Beinbeklei- 
dung ^^ (Hose oder Strumpf). Vgl. S. 46. 
In mancherlei Zss. — Grawehose 1370. 
FN. Hosius (latinis.). Hösle. Hosemann 

— alle drei zweifelhaft, da auch ad. 
Hozo, Hozeman begegnen. Deutlicher 
die Zss. (auch in den FF. -hase und 
-hause): 

Kniehase. Kurthose. Lederhose; Led- 
derhose (Conrad, dictus Lederhose 14. Jh.) 

— auch Lederhaas und Lederhause. 
Leinhose; auch Litmhos — Leinhaas. 
Mehlhose; auch Mehlhase und Mehl- 
hause (Spottname ftir Müller). Schlap- 
hose. Sehlotterhose. Trillhose — jyill- 
haas. 

Hosius (Osius) ni. Übersetzung von Hilliger^ 
das mau = Heiliger nahm, während es 
durch Rückangleichung aus Hildiger ent- 
standen ist 

Hoth 8. Aud (einst. E.). 

Hotopp ni. Satz-N. niederd. „Hut auf'M 
Auch Hautop — Hotopf (letzteres unrichtig 
verhochdeutscht, wie Middeldorpf u. a.). 
Vgl. Kappauf. 

Hott« s. Aud (V., einst K.). 

Houwald s. Hug (V.). 

H?(TeI, -hÖTel, H5wel s. Hübel. 

•hoTen s. Hof. 

Hoy s. Hug (einst. K.). 

Hoycr s. Hug (V.). 

HBABAN I. ahd. hraban, mhd. raben „Rabe 'S 



der heilige Vogel Wuotans (S. 17) — zsgz. 
hrara, ram, ran. 
FN. Hrabanolt, Grannold: Kranold — 

Qranold — Rabenold; Babenhold. 
Einstämmige Kürzung Hraban-. 

Hrabano, Rabo, Hämo: Raben >- 
Raven — Rabe — Rave — Rappe; 
Rapp — Raap — Ramm. Gen. 
Rabens — Rahms. Patr. A. Ram- 
ming. Vklf . (1) : Rammet, (k) : Rabig. 
Auslautend (125 mal Forst): 
-ram: Bertram. Wolframm, 
-rab: Berirab, 
-rapp: Oausrapp. 
HRING I. ahd. bring, mhd. rinc „Ring", 
bes. „ Panzerring '^ (die Ringpanzer, aus 
Eisendraht gehäkelt, wurden bis zu Anfang 
des 14. Jh. getragen, wo der Plattenpanzer 
sie verdrftngte); „zum Kampfe abgesteckter 
Kreis''. 
FN. (Hringhart): Ringhard; Ringert — 
mit Ableitung Ringelhardt. Gen. 
Ringhartx. 
Rincar: Rifiker; Ringger (Zürich). 
(Hringleip): Ringlepp, 
(Rincman): Ringmann. 
Ringelt: Ringewald; Ringwald. 
Einstämmige Kürzung Hring-. 

Rincho: Kring — Ringe; Ring — 
Rinke. Gen. Krings — Ringes; 
Ringens — Ringena (ostfries.). 

Vklf. (1) HringUo: Ringel — 
Rinkel. (l + i): Ä»n^/« (Schweiz.). 
(1 -f n): Rinklin. Patr. A. Ringling. 
(1-f k): Ringelke. 
HROC I. wohl zu got. hrukjan, ahd. rohon 
mhd. rohen — auf den Schlachtruf gehend. 
Vgl. barditus Tac. Germ. 3. 
FN. Hrohhart: Rochard — Rückart; 
Rückert 
Rochold: Roehotl — Rokohl Gen. 
Rocholtx. 
Einstämmige Kürzung Hroc-. 

Hroggo : Rogge — Roche — Rocke — 
Roh — Röcke — Rüge — Ruhe 
— Rücke — Rüge — Rühe. (Mit 
Hrodg- zusammenfließend). 
Vklf. (1): Röekel — Rüchet 
Auslautend (22 mal Forst.): 
-rock: Poltrock. 



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166 



Hrod 



Hrod 



HRODI. zu altnord. hrodr „Schall, Ruhm" 
(vgl. griech. xQÖTog). In Namen seit dem 
5. Jh. nachweislich. 

FN. Hrodbald: Hoppelt — Rupjwlt; Rup- 
peU — Rauhold, 
Hrodebert: Kruberth — Rodbertfus) 

— Robrecht; Robert — Röpert; 
Röber — Ruprecht; Rubrecht; 
Rubert; Rtätarth — Rupprecht; 
Ruppert ; Rubbert — Räubert. Gen. 
Roberto — Roppertx; Roppers — 
Robbers — Rovers — Röbers — 
Raupers. Patr. A. Rupprechter 
(Baden). 

Kotprand: Robrahn. 

Hrotfrid: Röfer — Ruffert — Rüffert. 

Gen. Roffers. 
Hrodegang: Rothgang, 
Hrodgar: Rogger — Roeker — Roger 

— Rödiger — Röttger; Röttcher 

— Roger — Rudigier — Rugger; 
Ruektr — Rüdiger — Rüitiger — 
Riiger — Rüeker. Gen. Rötgers. 

Hruadgast: Rodigast. 
Hrodgaud: Qrotegut (Preuß 7). 
Hrodhard: Rothhardt, Rohthardt; 

Rothert — Rödert — Rudhardt; 

Rudert — Ruthat — Rautert. 

Gen. Röhrden (von der zsgz. F. 

Röhrd). 
Chrodhari: Kröter — Roder — Rother 

— Rotter — Röder (zsgz. Röhr) 

— Rotier — Ruder — Rüder — 
Rüter — Rauter. Gen. Röders — 
Rohrs. Patr. A. Rötering. 

Rodleich : Rodley — Rothlach — Ro- 

lack — Rödlich. 
Ilrodleif: Rohtlieb — (niederd.) Rad- 

laff — Roleff — Rudlaff. 
Ilrodlaut : Roland — Ruland — Rilh- 

land. 
Hrodman : Rodemann — Rottmann — 

Romann — Ruttmann — Rumami. 
Hrotmar: Rodemer — Rohmer — 

Röhmer — Rumer — Raumer. 
ürodmund: Rodemund — Rothmund 

(erweitei-t Rothermund — Rotter- 
mund) — Romundt. 
Ilrodric: Grüderich — Rothreich — 

Rorich — Röhrig — Rüdrich. 



Hrodstein: Rothstein. 

Rodacar: Rothacker. 

Hrodowald; Rohdewald — Rothwald 

— Rohwald; Rohwoldt; Rohicohl — 
Rudelt — Ruwoldt. Gen. Roth- 
holtx. 

Hrodwig: Krudewig — Kruttcig — 
Krautwig — Rodewig; Rodewyk 

— Roddewig. 

Hrodulf : Krolof — Krudup (Preuß 27) 

— Rodhff — Rothlauf — Roloff; 
Rohlhoff; Rolauf; Roleff — zsgz. 
Rolf (latinis. Rolfus, umgedeutet 
in Rollfufs) — Rudolf, Rudolph; 
Rudioff; Rudiauf — Ruttlof — 
Ruloff — zsgz. Rolf — Rulff. 
Gen. Rudolfs (latinis. Rudolphi) — 
Rolffs — Rulffes — Roelfsema 
(ostfries.). Patr. A. Rohlfing — 
Rudolfer (München). 

Einstämmige Kürzung Hrod-. 

Hrodo, Ruodo: Rode., Rohde, Rhode 

— Roddo; Rodde — Rothe; Roth 

— Rotte — Rode — Roth — Rtid 

— Ruth — Rutte - Rütte. Gen. 
Roden — Rüden — Ruths. Zss. 
Rüedisühli (Basel). Patr. A. Orot- 
ting — Roding — Röding — 
Röthing — Rüding — Rüthing. 

Vklf. (1) Hruodilo, Rollo: Rodd 

— Rodel — RöÜuil — Rudel — 
Rudel — Rottet — Rüitel — 
Räudel. Zsgz. Formen: Kroü — 
Krull — Rolle (Rollviann) — Röhte 

— Rolle — Ruhle — Rüfde (Ruhte- 
mann) — Ruttmann. Gen. Rotteis 

— Roels (fries., = Rols). Patr. A. 
Rolinck — Rohling — Rüdling — 
Rüthling — Rühling. — Patr. Zss. 
Rohlsen. (l + n) Hrodelin : Roth- 
lin. (1 + k) Roleko: Rolcke — 
Röhlicke — Röüig — Reuteke. 
(k) JIruodicho: Orottke — OrtUtke 

— Kruttge — Rohdich — Rotteek; 
Jiottig — Rmhke — Röttig — 
Rudeck — Ruttig — Ruck — 
Riidig — Rücke — Rügge — Rock. 
(k + n) Rutechin: Rötteken. (k + 1) 
Rukelo: Rocket — Rocket — Rücket 



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Hrom 



Huber 



167 



— Bäekhl, (z) Bozo, Ruozo: 
Eudisch (aus Buodizo, in den Rats- 
büobeni von Eger oft=Rüedeger) 

— Eotx — Rotseh — Rötaeh — 
RtUx — Rüix — RetUsch — z 
erweicht in s: Rufs ^Rose (Förete- 
mann, Progr. S. 4); Roos, Unorga- 
nisch gebildet: RiUxer, (z -f 1) 
Rozelo : Rössel — Röxel — Rüixel 
Rüssel — Rüsel — Rütsehle — 
Räuxel — Räufsel. Fair, A. Rütx- 
ler — Rüfsler (Steub). (z + k) 
Rozüco, Rosico: Roseck (Roseke 
VN. Akener Schöffenb.) — Rösecke; 
Röske — Rutsehke. Patr. A. 
Rösing, 

Zweistämmige Kürzung Hrodb-. 

Robbe, Rubo, Ruppo : Kropp— Robbe 
—Robe —Röpe — i2öi>e(Preuß 26) — 
Rttbo — Rupe — Rupp — Rübe — 
RoMpp, Oen. Roben — Rüben 
(ostfries., vgl. VN. Robe). Patr. A. 
Rüping. 

Vklf. (i): RtUn(8ohweiz,)—Robey, 
(1) Rupilo: Oröppel — Robel — 
Robbel — Röbel; Röpell — Rubel 

— Ruppel — Rüpel — Rüppele 
Rüppli (Schweiz.). Patr. A. Robbe- 
ling. (1 -)- n) : Röbbelin — Rüpplin. 
(k) Robioo: Robeek — Röpke — 
Rübig — Reupke. Gen. Röpkes. 
Patr. A. Röpking, (z) Robizo: 
Robitxsch, 

Zweistämmige Etirzung Hrodf-. 

Ruffo: Ruf — Ruoff (württ.) — 
Ruff. 
Zweistämmige Kürzung Hrodg-. 

Roggo, Rugo: Roge — Rogge — 

Rtige — Rüge — Rügge — Rauch. 

Vklf. (1): Rügel — RaucheL 

(1 + n) : Räuchlin. (S. auch Hroc). 

Auslautend (15 mal Forst): 

-roih: Allroth (aus Adalhrod). 
HROM I. ahd. hrom, hruom, mhd. ruom 
„Ruhm''. 

FN. Rttombald: Rumbold; Rumpelt; 
Rumpel — Rümpel. 
Rumpraht: Romprecht — Rummert. 
HroBftker: Kromker — Rümeker. 



Romard: Rommerdt — Räinert. Patr. 

A. Römerding. 
Hromheri: Krömer — Romer — 

Römer — Ruhmer — Raumer. 
Romarich: Krumreich; Krumrey. 
Romoald: Römhold; RöhmeU; Rom- 

held. 
Einstämmige Kürzung Hrom-. 

Hruam : Krome — Kraume — Rohm 

— Röhm — Ruhm — Rumm. 
Patr. A. Röming — Romming — 
Kromminga (ostfries.). 

Vklf. (i) Romey. (1): Rommel 

— Rummel — Rummele. (\ -^-n): 
Rümelin. Patr. A. Römeling — 
Rühmling. (k): Krömecke — 
Rühnike — Romig. Gen. Rümekens. 
(z): Romeifs. 

Zweistämmige Kürzung Hromb-. 

(Hrumbo):i?«*»ip. Vklf. (1): Rumpei. 
Hub-, Hüb- s. Hug (V., zweisi K.). 
Httbel in. ahd. hubU, mhd. hübel (von 
„heben**) „Hügel«. In ON. hochd. Hübel, 
'hübel; niederd. Hövel, -hävel (auf der 
Linie Münster- Antwerpen). 
FN. Hubel — Hübel. — Hirschhübel — 
Sturmhöbel (0. -hübel OstpreuB.). — 
Hövelmann. von Hövel. Ältenhövel. 
Langenhöfel. Meinhövel. Sleinhöfel. 
Sturmhöfel. Windhövel. van Heuvel 
(ostfries.). 

Haber a) I. s. Hug (Hugubert) b) UI. mhd. 

hubaere (auch mittellat. hubarius) „ Inhaber 

einer Hufe**, ahd. huoba, mhd. huobe, alt- 

sächs. hova (im allgemeinen = 30 Morgen). 

FN. Huber (selten Hüber: im Münchener 

Adreßbuch Huber 180 mal, Hüber nur 

7 mal) mit vielen Zss. (bes. in Bayern): 

1) nach der Größe des Besitztums: 
Halbhuber. Drittelhuber — 

2) nach der Lage : Ängerhuber. Bach- 
huber. Brunnhuber. Hinterhuber. 
Kreuxhuher. Mitterhuber. Nieder- 
huber. Osterhuber. Sommerhuber — 

3) nach dem, was auf der Hufe in 
bemerkenswerter Weise wächst oder 
überhaupt sich befindet: Blumen- 
huber. Holxhuber. Kohlhuber. 
Rosenhuber. Sehleehuber. Salx- 
huber. Fuehshuber — 



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168 



Hübner 



Huld 



4) nach dem Vornamen des Besitzers: 
Märtlhuber, Paulhuber — 

5) nach der Beschäftigung: Jägerhuber, 
Sckmidkuber. 

Mit dem n der schwachen Bildung, 
mhd. huobenaere: Hubner — Hü- 
bener; Hubner — niederd. (selten) 
Hüfner mit der Zss. Niederhüfner 
— Hüffner — Höfener (vgl. mittel- 
niederl. hoevener — doch Öster- 
reich. Höfner von dem häufigen 
ON. Höfen). 
(Während in der Schriftsprache die nie- 
derdeutsche F. ,Hufe* die hochdeutsche mit 
b fast ganz verdrängt hat, herrschen, wie 
obige Aufzählung beweist, in den FN. die 
hochdeutschen Lautverhältnisse durchaus 
vor.) 
Httbner s. Huber. 
Haehel, Httekel s. Hug (einst. E.). 
Haeker s. Hug (V.). 
Hndtwalcker III. „ Hutwalker **. 
Hue s. Hug (einst E.). 
•hues s. Haus. 
Hiiir- 8. Hug (V.). 
Httff- s. Hug (V., zweist. E.). 
Huftier s. Huber. 

HUG I. goi hugs, ahd. hugu, mhd. huge, 
hüge „denkender Geist''. 
FN. Hugibald: Huppold — Haubold, 

Hugubert: Hubrecht; Hubert^ Huber 

— Hupprecht; Huppert — Hubert 

— Hüper — Hüpper — Haubert; 
Hauber. Gen. Huppertx — Hubers 
(ostfries., also nicht zu Huber III). 

— Hübbers — Hübers — Haupers. 
Hugifrid: Huffert; Huffer — Hüffer 

— Hoffert. 

Hucger: Hugger; Hucker — Hüger 

— Hocker — Höcker — Hoyer. 
Hugihart: Hugart — Hauhardt; 

Hau>ert; Hauer. 
Hugiher: Ht/ger — Höger — Hauer 
(Hugilant): Huiand. 
(Hugiman): Hugeniann — Humann. 
Hugimar: Humer — Hummer — 

Hümer. Patr. Zss. Haumersen. 
Hugold: Hugold — Huhold — Hu- 

wald (Houwald). 



Einstämmige Eürzung Hug-. 

Hugo, Hogo: Hugo; Huge — HUge 
(Hügemann) — Hoge — Höge — 
Haug — Hauke — Hue — Hoy. 
Vklf. (i) Hugi 8. : Hugi (Schweiz.). 
Vh\T. k. Hüging. (1) Hukili: Hügel 
— Huggle — Huchel — Hügel; 
Hügle — Hüekel — Hbgele — 
Hauckel — Heugel. (1 + n): Hüg- 
lin — Heuglin. (z) Hugizo, Huzo 
(Stark 89) : Hutxe - Hauix. {z+\): 
Huixel. 
Zweistämmige Eürzung Hugb-. 

Hubo: Hube — Hupe — Huppe — 
Hübbe — Hoppe — Hobbe — Haube. 
Gen. Hoppen — Heubes. Patr. A. 
Hobbing. 

Vklf. (1): Hubel — Hüppel. Gen. 
Hobbels. (1 + i) : Höppli (Schweiz.), 
(k): Huppke — Hobbie (jeverL). 
(^ein. Hopkes. (k + n) Hupichin: 
Höpken. 
Zweistämmige Eürzung Hugf-. 

Hufo (Stark 113): Hüffmann — 
Hauffe. 
Vklf. (\): Hüffel. 
Hug- Httg- 8. Hug (V., einst. E.). 
Huhold s. Hug (V.). 
Huhn HI. ahd. mhd. huon „das Huhn*^. 
FN. Huhn (zweifelhaft, da auch zu Hun I.). 
Sicherer sind die Zss. Brathuhn; Brod- 
huhn. Haselhuhn. Kluckhuhn. Reb- 
huhn , Repphuhn. Wasserhuhn. Weifs- 
huhn; niederd. Witthuhn. 
Huhn-, Htthn- s. Hun (V., ernst E.). 
-hals s. Haus. 
HfU- s. Hild. 
Huland s. Hug (V.). 

HULD I. got. hulths, ahd. hold, mhd. holt 
„hold*, urspr. auf das Verhältnis zwischen 
Lehnsherrn und Gefolgsmann gehend : „gnä- 
dig — treu ergeben." Holdulf. 
FN. (Huldbert): Holbert; Halber. 

Huldear: Holder (Holdermann) — 

Holler — Holder. 
(Huldger): Hölger. 
(Huldrich): Hölderich — Höllerich. 
(Huldward): Höllwarth. 
Einstämmige Eürzung Huld-. 

(Holdo): Hulde — Hold — EoUe 



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HülferdiDg 



Huyskens 



169 



(80 ist ja aaoh die Göttin Hulda 
im Volksmärchen zur ^Frau Holle*^ 
geworden). Gen. Holden. Patr. A. 
Holding, 

Vklf. (i): HöUy — HoUei, (k): 
Holk — HöUge, (z): Htdtseh. 
Hlllferdiiig s. Hilp. 
Hnltseli s. Huld (einst. K.). 
Hnltseber s. Holzschuher. 
Hnm-, Hllm- s. 1) Hng (V.) 2) Hun. 
HUy I. zn dem Yolksnamen der ^Honnen*^, 
ahd. Hün, mhd. Hiune, auch schon vorher 
in dem Sinne von «Riese, Hiine*^, mit 
mythologischer Beziehung (8. 18). 
FN. Hunibald: Humboldt; Humblot; 
Humbel; Humpel; Hummelt; Hum- 
mel — Hommel, Gen. HommeU, 
Hunbraht: Humbracht; Humbert: 
Humpert — Umbrecht — Hümpert. 
Patr. A. Humperdinek, 
Hungar: Hangar; Hunger; Hunker 

— Huonker (württ.) — Höniger, 
Hunard: Hühnert — Honert — Heu- 

nert. 
Hunher: Hühner — Honer — Höner 

— Hauner, 

Hunmar: Hummer — Hummer — 

Hommer. Gen. Hommers. Patr. A. 

Hömmerling, 
Hunrad: Hunrath — Honrath. 
Hunrich: Huhnrieh — Hundrich — 

Honnrieh, 
Hunwald: Hunold; Huhnholdt — 

Hünold — Honold — Honnold. 
Einstämmige Eürzxmg Hun-. 

Huno: Huhne; Huhn — Huhne — 

Htmn — Hünn — Honn — Höhne 

— Haun — Heune. Gen. Hüns 

— Honens — Hönes. Patr. A. 
Höning. Gen. Hönings, 

Vklf. (i): Hüni. (1): Höhnel. 
(1 -|- n): Hühnlein, (k) Hunioo: 
Huneke — Hunke — Hünicke — 
Honecke (auch Honig?) — Hönicke 

— Honig — Heunicke. Gen. Hün- 
nickes. (k + 1) : Hunkel, (k + n) : 
Honichin: Hünecken; Hünichen; 
Hünchen. 

Zweistämmige Kürzung Humb-. 
Hnmmo: Humme. 



Vklf. (1): Hummel — Humpl, 
(k): Humke. 
Hun-, Httn- s. Hun (V., einst E.;. 
Hund a) 1. Hundo, Hundprebt u. a. viel- 
leicht zu ahd. hunda „ Beute '^ — daher 
vermutlich FN. Hundert (ahd. Honthard) 
— Hundt (doch schon im 12. Jh. Mar- 
quart der Hund). Dagegen b) IlL zu 
„Hund'^ canis in Zss. wie FN. Hundskopf, 
Hundbifs (1344 huntbiss). 
Hiindeniaiiii III. Aufeeher über die Jagd- 
hunde, „ Rüdenmeister ^S 
Hnndertmmrk lU. von mhd. marke, ein 
halbes Pfund betragend. Schon 1350 ein 
Gevert Hundertmark. 
Hangrorland lü. „einer aus XJngerland". 
Hunm, Httmi- s. Hun (einst K.). 
HonvaUy UI. aus Hundsdörfer ma^jarisiert 

(8. 69). 
Huonker s. Hun (V.). 
Hup-, Http- s. Hug (V., zweist E.). 
HUS I. got ahd. mhd. hus „Haus^S Husimunt 
FN. (Husbrand): Haufsbrandt, 

(Husher) : Häuser, Heuser — niederd. 
Hüser. 
Einstämmige Eürzung Hus-. 

Huso: Haus. Patr. A. Hüsing — 
Heusing — Husung. 

Vklf. (k) Husicho: Hausehke. 
Gen. Huyskens (westf.). 
-bös, -buseii, Httser, -bttser s. Haus. 
Httser, Httsin; s. Hus. 
Hut III. ahd. mhd. huot, „Hut** (auch in 
dem Sinne von Helm). 
FN. Anhuth. Breithuth. Eisenhut; nieder- 
deutsch Iserhot. Gelhtä; niederd. 
Oeelhood, Qrünhut, Hochhut mit 
seinem Gegensatz Nedderhtä. Schön- 
hut. Spitxhut. Stahlkuth (mhd. 
stahelhuot, „Stahlhelm**). Webelhut, 
Weifshut; halbniederd. Witthut. 
Hüter III. „ Hutmacher ". Auch Hutter — 

HtUterer (südd.). 
Htttte III. ahd. hutta, mhd. hütte »Hütte, 
Zelt". 

FN. ErdhiUU. — Erdhütter. 
Hutz- s. Hug (einst E.). 
Huwald s. Hug (V). 
-bujseii s. Haus. 
Huyskens s. Hus. 



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170 



-IB 



-II. zur BildaDg von VerkleinerungsfiP. ver- 
wendet: Litti aus liud- (s. 8. 23) — auch 
-y geschrieben: Luty, Ludy (aus Hludio). 
(In italienischen N. s. 8. 92). 

Ib- s. Hild (zweist. K.). 

-Ich a) I. Yerkleinerungsendung: Dedich (zu 
Thiud), Rodich (zu Hrod). 

b) in. End. V. ON., teils aus ahd. ahi, 
wie in Lindich, Weidich (s. -ach) — teils 
aus römischem iacum, wie in Jülich, Ees- 
senich (am Rhein in großer Menge). 
FN. (zu b). Elvenieh, Fisehentch. Gym- 
nich, Himmerich, Jülich, Kessenich. 
Lechnich (0. Leohenich). Longerich. 
V. Mettemich. Mündenich. Siruenii^h. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Bibricher (0. Biberich). Oimnicher, 
Züricher, 

lek- s. Ingo. 

-Igr a) l. Yerkleinerungsendung, andere 
Schreibung für -ich: Lüttig (zu liud), 
Rüdig (zu Hrod). 

b) III. in Ortsnamen neben -ich (s. das 
Vorhergehende): Linnig, Breisig u. a. — 
aber auch in slawisch - deutschen ON. wie 
Danzig aus Gdansk, Dolzig, Lanzig (neben 
Lanzke). 

1hl- s. Hild (V., einst. K.). 

Ihm- s. Irmin. 

Urne s. Ingo. 

Ihr 8. Hir. 

Ubigr s. Hild (zweist. E.). 

llgrner III. „einer aus Ugen*". 

111 - s. Hild (V., einst. K.). 

llle ni. der wallensteinische Feldmarschall 
im dreißigjährigen Kriege, nicht etwa ein 
Eroat oder Böhme, oder ein Italiener gleich 
den Piccolomini, sondern ein Märker, eig. 
Ihlotc, der Familie von Ihlow angehörig, 
die im Barnim, dem Lebusischen und in 
der Neumark angesessen war und seit An- 
fang des 19. Jhs. ausgestorben ist. Das 
Dorf Ihlow, welches der Familie mutmaß- 
lich den N. gab, liegt an dei* Grenze von 
Barnim und Lebus. 

Usebey H. von dem (weibl.) N. Ilsabe (= 
Elisabet, hebr. Elischeba). 

Utgren, Utz s. Hild (einst E.). 



Dwof s. Hüd (V.). 

lM = in dem, in Zss. wie Imbuseh, Imhove, 

8. In. 
-im s. Heim IQ. 
Imgrart lU. „der im Garten Wohnende ^^ 

Erni im Garten 1330. 
Immer s. Ingo. 

In III. als Verhältniswort in Zss. zur Be- 
zeichnung des W<^orte8 einer PefBon 
(S. 54). 

FN. 1) Einz. männlich und sächlich mit 
dem Artikel in eins gezogen (im): 
ImboMmgarten, Imbuseh, Imdahl 
(niederd. = Imthal). Imgart, Im- 
grtmd. Imhove; Imhoff. ImhoU, 
Imkamp. Lnobersteig, Imthum, 
Imwalle. 

2) Einz. weiblich (in der): Inderau 
= In der Au. Inderfurth. Inder- 

heide. Indermauer. 

3) Mehrz. (in den): Indenburken. 
hihetveen (Eempen) offenbar holländisch 

=> in dem Moor. Intveen. 
Entstellt (niederrhein. g = d): Ingenkamp. 
Ingendömen. 
-in I. altdeutsch. 

Die FN., welche als hierher gehörig auf- 
gezählt werden, gehören z. T. als undeutsch 
gar nicht hierher, z. T. sind sie mindestens 
zweifelhaft 

So ist Bodin, latiais. Bodinus, französisch 
(Bodin Lehrer des Staatsrechtes, Heraus- 
geber eines theatrum universae naturae 1590 
Lyon). 

Viele andere sind von slawischen ON. 
abzuleiten, z. B. Rammin (0. Bamin in 
Pommern). 

Als deutsch erscheinen (hauptsächl. süd- 
deutsch) unter anderen: Liedin; Ltähin; 
Lüttin (aus altd. liudin). Bürgin. Boldin. 
WeUin. 
-in III. in ON. slawisch: urspr. besitzanzei- 
gendes Eigenschaftswort auf inu, ina, ino 
von Stämmen auf a und i , z. B. Babin von 
PN. Baba, Gostin von Gosti = derBaba*sche, 
der Gosti' sehe Ort (vgl. lat. Flavia d. i. urbs, 
von Flavus). 
FN. (häufig im nordöstl. Deutsohl.) Berlin, 
von Bonin. Cörlin. Lademthin. 
von PressetUin (Stammort Prestin, 



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Ing- 



Irmin 



171 



früher PressentiD in Mecklenb.)« von 
Schwerin. Bisweilen -ien geschrieben: 
Leppien. Seholtoien (0. Leppin , Scholwin). 
Ableitung auf -er; 

Berliner, Dobriner, Exiner (alle drei 
jüdisch). 
Ingr- 8. Ingo. 

-ingr a) I. auch -ungj patronynusche Endung^ 
wie im Angels. Vulf Vonredes auch Vulf 
Vonreding genannt wird. In sehr vielen 
Personen -N., die Abstammung von einem 
Vater oder Ahnherrn bezeichnend; am be- 
kanntesten in der Geschichte die Mero- 
vingi, Charalingi (Karolinger), auch die 
Agilolfinger in Bayern und die Gapetinger 
in Frankreich. Jetzt in vielen FN., ohne 
daß die patronymische Bedeutung noch ge- 
fühlt würde. (Aus der patronymischen Bed. 
hat sich später eine verkleinernde entwickelt, 
namentlich in Mecklenburg und Vorpommern 
in Formen wie: Männing, Hüsing, Wiesing 
(Luise), in welchen aber ng gesprochen 
wird wie in lang*, bang'.) 

FN. 1) O'ötting (eigentl. Sohn oder Nach- 
komme des Getto). Kuning, 
Rüding — 

selten ink geschrieben (nach der 
Aussprache) : Eppink. Oerdink. 
Immink. 
2) Härtung. 

b) III. in ON., und daher auf Familien 
übertragen s. -ingeu. 

Ingel s. Angil (einst. E.). 

-ingen in. seit dem 8. Jh. m ON., Dativ 
Plur. von dem Patronymikum auf ing (s. 
vorhin), abhängig von einem Verhältnis- 
worte, z. B. ze den Eppingen „zu den Söh- 
nen (Nachkommen) dos Eppo" (Eberhard). 
Verhältniswort nebst Artikel fällt dann fort, 
und so entsteht der N. Eppingen. 

Heutzutage ist das volle ingen bes. in 
Schwaben einheimisch, während in Alt- 
bayem östlich vom Lech und in Österreich 
meist die Kürzung ing an die Stelle ge- 
treten ist. 

In einzelnen Fällen ist ingen Abkürzung 

aus -ingheim: Sickingen aus Sickingheim. 

FN. 1) 'ingen: v. Berlichingen. Ehingen. 

Orüningen. Hüningen. Menningen. 



2) 'ing: Bisping. v. Rössing. von 
Schöning (Stammort Schöningen in 
Pommern). 
Da diese ON. sich zum allergrößten Teile 
in Oberdeutschland finden, so ist auch die 
oberdeutsche Bildungsform -inger in den 
FN. viel häufiger, wo dann ingen und ing 
zusammenfließen. 
FN. Bermeitinger (0. Bermatingen Fröhner 
S. 37). Bilßnger (0. Bilfingen in Baden). 
Bökringer. Ehmger. Chundelfinger. 
Hafslitiger. Heimerdifiger. Offterdinger. 
Sickinger. Wasserirüdinger. (Von ON. 
auf -ingen). 
Äiblinger. Derflinger (0. Derfling in 
Ober-Österr.). Eberhartinger. Hörman- 
dinger (Hörmading in Ober-Österr.). Mal- 
linger. Oitxinger. Standhartinger. Stock- 
inger. Strauhvnger. (Sämtlich von ON. 
auf -ing). 
INGO I. schon frühzeitig in N. auftretend 
(1. Jh. Ingomar, Armins Oheim), doch in 
seiner Bed. nicht sicher; wahrscheinlich 
von dem Halbgott Inguio. 
FN. Inghard: Inghardt — Enghardt; 
Engert. 
luguheri: Enger, 
Ingiram: Ingram. 
(Ingman): Ingemann — Engmawn. 

Gen. bigmanns. 
Ingomar: Immer, 

Ingold: Ingwald; Ingenohl — Enge- 
foald. 
Einstämmige Kürzung Ing-. 
Ingo, Enge: Enge. 
Intfen, Intveen s. In III. 
Ina- s. Irmin (V., einst. K.). 
IRMIN I. der kriegerisch dargestellte höchste 
Gott Wuotan (Grimm, Myth. S. 325); in 
Zss., als das Höchste überhaupt bezeich- 
nend, später ein verstärkender Begriff (s. 
Lübben Progr. S. 9). In PN. seit dem 
1. Jh.: Arminius der Cheruskerfüi'st 
FN. Irmindrud w.: Lrmtraut. 
Irmingar: Irminger. 
Irmingard (Armingardis) w.: Arm- 

gardt. Gen. Irmgartx. 
Ermingaud: Armengaud. 
Irminhard , Emehard : bvnert—-Immert. 
— Ermert. Patr. A. Armerding. 



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172 



Jagdenfachs 



Inninher: Inner — Immer — Ermer, 
Emumrih: Ermrich, 
Irminold: Ermold, 
Einstämmige EürzoDg Irmin-. 

Irmino, Irmo, Immo (Stark 24): 
Imme; Im — Ihm, Patr. A. 
bnmenga (oetfries.). 

Yklf. (1) Imilo, Ermilo: Irnmd- 
mann — Imelmann — Ermel — 
Emmelmann. Oen. Ihmeh. Patr. 
A. Ermeling. (1 + n): Imlin, 
(k) Imico: Immig — Ermke — 
Emich. Patr. A. hnmink, 
IS I. verkürzt « Isan (Stark S. 40). 
FN. Isheri: Eiser. 

Isman: Ifsmann — Eisemann — 

Eismann, 
Isuwarth: Eisert, 
Einstämmige Kürzung Is-. 

Vklf. (1) Islo: Eisele. (1 + n): 
Iselin, (k) Isioo: hecke, 
ISAN I. ahd. tsan, mhd. tsen ^ Eisen ^. 
FN. Isanperaht: Isenbart — Eisenbarth, 
Isanbrand: Isenbrand — Eisenbrand. 
Isindrat w.: EisentrcnU, 
Isangart w.: Isengarth — Eifsen- 

garthen. 
Isangrim: Eisengrein — (verstümmelt) 

Isegrei. 
Isanhard: Eisenhart — Eyssenhardt. 
Isanman: Eisenmann, 
Isanricb: Eisenreich. 
Einstämmige Kürzung Isan : Isen — Eisen 
— Eyfsen, 
Isen- s. Isan. 

Isensehmid III. ^ Eisenschmid " (s. Schmid). 

Isidoms IL griech. „Oabe der Isis^, der 

ägyptischen Göttin. 

FN. Dörries (wegen d. Aussprache s. S. 38). 

Ißleib I. nicht imperativisch , sondern ahd., 

zu Is ff Eis ^ = Sohn des Eises, altnord. 

Isleif (Andresen). 

-itseh s. das Folgende. 

-itz ni. in ON., slawischen Ursprungs. Im 

Slawischen bUdon -ice und -otcice Patro- 

nymika im Plur., z. B. Bobolice, Plur. von 

boboliö d. i. Sohn des Bobola (Hundbauch), 

also deutsch etwa die ffBobolingen*^ wie 

Eppingen u. a. — jetzt Bublitx. Daher 

nun sehr viele deutsche FN. im Osten 



Deutschlands, die von den entsprechenden 

slawischen ON. übertragen sind. 

FN. Bonitx (0. in Anhalt). Bublitx. van 

Oräveniix, v. MaÜüx. v, Nostix (Dorf 

in Sachsen: Nostitz). Pölitx. v. Pritt- 

tcitx. V. Zitxewüx, v, d. Marwitx, 

Vergröbert -itsch, -itxsch (bes. im 
Kgr. Sachsen): Dditseh. Kotteritxseh. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Clausnitxer. Q'ölitxer. Lofsnitxer 
(Kgr. Sachsen). Thaltdtxer — im 
nordöstl. Deutschi. jüd. : Meseritxer, 
It- 8. Iw. 

IW I. ahd. Iwa, mhd. Iwe, ybe „Eibe* (Taxus), 
deren Holz wegen seiner Zähigkeit und 
Schnellkraft bes. geeignet für Bogen war. 
Einstämmige Kürzung Iw-. 
FN. Ivo, Ibo: Iwe — Ibe. Gen. hen — 
Iben — Eiben, 

J. 

Jaap s. Gab (einst. K.). 

Jab- s. Gab (einst. K.). 

Ja«k-, Jiek- s. Jacobus. 

Jaeobus II. hehr. Jaakob „der Fersenhalter* 
d. i. Nachgeborene (als jüngerer Zwillings- 
bruder des Esau); im N. Testamente die 
beiden Apostel Jacobus (Kai. 25. Juli). 
FN. (zum Teil jüdisch). Jacobus; Jacob, 

— Zss. Quadey'aeob. Schlingjacob. Ven- 
Jacob, Gen. (lai) Jacobi^ Jaeoby — 
(deutsch) Jacobs^ Jakobs (oder zsgz. aus 
dem Nom. Jacobus). Patr. A. Jakober. 
Patr. Z98. Jacobsohn; Jacobson; Jacobsen, 

Verkürzt am Ende: Jack, Gen. JaeÄ». 

— Jock (Schweiz.). 

Vklf. (i): Jäggi (Schweiz.). (I, ober- 
deutsch): Jackl, — Jäckel, Jeckel — 
Jäkel — Jockei — J'öekl (bayr.). 
(l + i): Jäggli (Schweiz.). (1 + n): 
Jäcklin; Jäcklein, 
Verkürzt am Anfang: Kobus (Gen. 
Kobt) — Kob. Gen. Kobes; Kobs^ Koops 
(oder aus dem Nom.). 

Vklf. (niederd.): Ejöbcke, Kopke 
(doch ist bei diesen mit k anlau- 
tenden FF. auch der altdeutsche 
Stamm God in Betracht zu ziehen). 
Jagdenfüehs III. Satz-N. « eifriger Fuchs- 
jäger". 



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Jagendeabel 



Johannes 



173 



Jagendeabel s. Jageteufel. 

JXger ni. mhd. jagaere, jeger. 

FN. Jager (Gottsohee) — Jäger, Zss. 
Gambefäger, Hasenfäger. Hühnerfäger, 
Latinis. VencUor, Gen. Jägers (nieder- 
rheinisch). 

Jageteufel IIL Satz-N. ■■= „jage den Teufel •* 
(S. 52). Jagenteufel 1580. 

Jttgrg- 8. Jacobus. 

Jahn-, Jahn- s. Johannes 3. 

Jahr ni. in einzelnen Zss.: Langjahr 
(= Schaltjahr Fröhn.). Vgl. Gutjar 1295. 

Jahreis s. Gar (einst E.). 

Jäkel 8. Jacobus. 

Jan-, Jlin- s. Johannes 3. 

Japping s. Gab (einst. K.). 

Jar- s. Gar (V., einst. K.). 

Jasp- s. Kaspar. 

Jaster.s. Gast. 

Jankens s. Gaw. 

Jebens s. Gab (einst. K.). 

Jeck- s. Jacobus. 

Jeflke s. Gab (einst E.). 

Jehle s. Gail. 

Jehner s. Johannes 3 b. 

Jennrieh, Jentho s. Gand. 

Jer-, Jerr- s. Gar (V., einst. E.). 

Jesp- s. Easpar. 

Jhering s. Gar (einst. E.). 

JIpp- s. Gab (einst K.). 

JIrgensohn s. Georgius. 

Joaehlm 11. hebr. Jehojakim «Jehova richtet 
auf*. 

FN. Joachim, Gen. Joachimi; (deutsch) 
Joachims, Abgeschliffen: Jochen — 
Joehum — Jtwhem (Köln). Qen.Jochens; 
Jochums. — Verkürzt im Anlaut: Achim. 
Vgl. bei Klemp. z. B. Achim (Jochim) 
Dewitz — sonst ist Achim auch ON. 

Johst, Jtfhstl s. Jodocus. 

Joeh- s. Joachim. 

Joek-, J9ek- s. Jacobus. 

J9d- s. God (einst K.). 

Jodoens II. griech. etwa „ Pfeile enthaltend ^; 
St. Jodocus. 

FN. Jobst — Josi (vgl. bayr. VN. Jobst). 
Zss. Jostamdt (doch s. auch Justus). 
Gamjost, Gen. Josten, Patr. A. Jösting, 
Vklf. (1): Jöbstl, 



Johannes II. hebr. Jehochanan „Gott ist 
gnädig **; Johannes der Täufer (24. Juni); 
Johannes d. Apostel u. Evangelist (27. Dez.). 
Dieser als VN. sehr beliebte Name hat eine 
fast unübersehbare Menge von FN. hervor- 
gerufen. 
FN. 1) Johannes (selten); Johanns, 
Gen. Johanms; Joanni, Zss. Vogts- 
Johanns (Oldenb.). Patr. Zss. Johan- 
nessohn; Johannesson, 

2) Verkürzt im Auslaut: Johann — 
mit den Zss. (bes. westf.) Aide- 
Johann, Engeljohann, Qrofsjohann, 
Jungjohann, Kochjohann, Lütt- 
Johann, Meyerjohann, Schmal- 
Johann, Wit^ohann. — Johann- 
pötter (westf.). Johansmann. Pati*. 
A. Johanning — Joanning, Gen. 
Johannings (ostfries.). Zss. Johan- 
ningmeyer (westf.). Patr. Zss. Jo- 
hannssohn; Johannson; Johann- 
sen; Johannxen. 

3) Zusammengezogen a) mit Hervor- 
hebung des Vokals der ersten Silbe: 

John. Qeu, Johns; Johnen, Jonen 
(niederrhein.). Patr. A. Johner 
(Baden). 

Vklf. (k): Johnke — Jöhnke — 
Joon^'es (ostfries.). 

b) mit Hervorhebung des Vokals 
der zweiten Silbe: 

Jahn, Gen. Jahns; Jans — 
Jahn, Gen. Jahns; Jehnen, Zss. 
End^ann, Fuhljahn (der faule J.). 
Orotjan, Ottenjan, Sehmidijan, 
Schönjahn (auch Schönian, älter 
Schönejan, Sohönergan). Strackerjan 
(d. i. schlanker J. Pott). Wiesjahn, 
— Janoite (Johann Otto). Patr. A. 
Janning — Jahner (Wien). Patr. 
Zss. Jon^on; Jansen; Janssen; Jan- 
xohn; Janxon; Janxen. 

Vklf. (1): Jahnel — Jähnl. (k): 
Janecke; Janeck; Jahnke — Jancke; 
Jank — Jänicke; Jäneke; Jänke — 
Jencke — (hochd.) Jänichen; Jänigen; 
Jähnchen, 

4) Verkürzt im Anlaut: 

a) Hannes; Hans mit den Zss.: 
Älthans, Orofshanfs, Outhans, 



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174 



Johl 



Kabelmaober 



Junghans. Kleinhana, Langhans. 
Langer kons. Sckwarxhans. 

Fritxehans; IVitschhans. Elsen- 
hans. Ukenhans. Josenhans (Hans, 
Sohn der Else, Ilke oder Eilika, 
Josepha). Petershans. 

Fuhrhans. Quldenhans. Meister- 
hans. Speckhans. Speerhans. Stall- 
hans. Timmerhans (westf.). 

Hanselle (= Hans Seile = Preuß 30). 

Hansemann; Hansmann. Hans- 
girg (Hans Georg). Patr. A. Han- 
sing. Hanser (südd. Fröhn., ßei- 
chel). Sanktjohanser (Münch.). Patr. 
Zss. Hanson; Hansen (schlesw.); 
Hanssen. 

b) Hennes. Patr. Zss. Hensen; 
Henssen. — Hensmanns. 

Vklf. (1): Hansel (Hanselmann). 
Hensel; Hänsle. Zss. Aneshensel 
(der H. des Ahni, Großvaters); Anis- 
hänsli (Basel). Oberhänsli (Thurgau). 
Peterhensel. Patr. A. Hansler. Hen- 
seler. Niederd. (k): Henske; Hens- 
ken; Hänsgen — Hansken (ostfries.). 
5) Verkürzt im Anlaut und Auslaut 
(zusammenfließend mit Hagan). 

a) Hanne; Hann (Hannemann). 
Zss. Junghann. Junghäni (Schweiz.). 
Hanotte. 

Vklf. (niederd.): Hannicke; Han^ 
neken; Hanke. 

b) Henne, Herrn (Henne VN., 
z. B. Henne Vagedes Lipp. Reg.) in 
mannigf. Zss. Bauerhenne; niederd. 
Burhenne. Kleinhenne. Opperhenne. 
Weberhenne. Wiesenhenne. — Orofs- 
henn; niederd. Groiehen. Junghenn. 
Hartniannshen n. 

Johl s. God (einst. K.). 

John- Jtfhn- s. Johannes 3. 

Jolfs s. God (V.). 

Jonas U. hehr, „die Taube*; der Prophet. 
FN. auch jüdisch. 

Joontjes 8. Johannes 3. 

Joosten s. Justus. 

Jordan II. Jordanes 5. Jh., vermutlich aus 
altd. Jemandes, womit es wechselt, unter 
Einwirkung des Namens des heiligen Flusses 



umgebildet. Im Gott. ÜB. als Vorname 
im J. 1229. 

FN. Jordan (auph jüdisoh). Gen. Jor- 
dans; Jordens — Jördens — Jörrens. 
JörgT) Jorgres s. Georgius. 
Jtfrrens s. Jordan. 

Joseph IL hebr. „er fügt hinzu'' (I. Mos. 30, 

24); als christlicher N. von Joseph, dem 

Manne der Maria, stammend. (Kai. 19. März). 

FN. Joseph, Josef. Gen. Josephs (Jever) — 

lat. Josephi. Patr. A. Josepher. Patr. 

Zss. Josephson. 

Verküi-zt im Anlaut: Sepp (südd.). 
Jost s. a) Jodocus b) Justus. 
Jowien s. God (V.). 
Jachem s. Joachim. 
Jump- s. Gund (V.). 

JUNG I. got guggs, ahd. jung, mhd. junc 
„jung*. In altd. EN. weit seltener als alt 
FN. Jungman: Jungmann, Junkmann. 
Jungarat: Junkert. 
Jungeric: Jungerich. 
Einstämmige Kürzung Jungo: Junge; 
Jung (latinis. Jungius), Jungk— Junge. 
Vklf. (1): Jüngel. (k): Jüngkm. 
Jnngr a) I. s. das vorhergehende W. b) DI. 
(vgl. Hellenbrecht de Junghe 1383 Gott. 
ÜB. I. — auch franz. Lejeune) — de Jonge 
(Emden). 
Jttngel s. Jung I. 
Jnngblatb HI. auch Jungesblut; niederd. 

Jungeblodt (boU. Jongebloed). 
Jungfer III. Abkürzung aus Jungfrau (vgl. 
Johannes dictus Virgo 1390 Köln, üniv.- 
Matr.). 
Jongniekel s. Nicolaus. 
Jnnkert s. Jung I. 

Janker III. aus mhd. junchene „junger 
Herr" (horre Bezeichnung des ritterlichen 
Standes). 
FN. Junker. Gen. Junkers. 
JUr-, Jürr- s. Georgius. 
Jnstas IL lat. der „Gerechte". 

FN. Justus; Just — Jost. Gen. (lat) 
Justi — (deutsch) Justen — Joosten^ 
Joesten (oe = 6, ostfries.). 

K. 

Kabelmaeher UI. „Verfertiger von Schiffs- 
tauen*. 



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KäeUer 



Kamp 



175 



KMü«r m. «Eacbelinaoher, Töpfer^, vom 
ahd. cbachala, mhd. kaobele irdenes Ge- 
schirr («Kachel" noch schweizerisoh, tiro- 
lisch in diesem Sinne). 
Kahle m. ^Kahlkopf ^ Hans de Kaie 1430 

(Lipp. Reg.). 
Ktthler s. Köhler. 
Kahn s. Gar (ehist. K.). 
Kaiser lU. s. 8. 42; auch in der Schreibung 
Kayser^ Ketser, — Selten in der ursprüng- 
lichen lat. F. Caesa^. 
Kalb III. zu den Tiemamen (S. 49. 61), vgl. 
Ouonrad calf, calp vitulus 1219. Cuonrad 
dici Kelbelin. 

FN. Kalb. Niederd. Kalff. Vklf. KälbU. 
Zss. Sommerkalb (Barthold genannt 
Sumerkalf 1358 — Lipp. Reg.). Sonnen- 
kalb, — Kalbskopf, 
KaliT s. Kalb. 

Kaltsehmldt III. ahd. chaltsmit, mhd. kalt- 
smit ^^Schmied, der ohne Feuer arbeitet, 
Kesselschmied*'. 
-kam s. Kamp III. 
Y. Kameeke III. Stammort Camminke auf 

der Insel Usedom. 
-kanier, -kammer s. Heim III. 
Kamm-, Kämm- s. Gamal. 
Kämmerer III. ahd. chamarari, mhd. kame- 
raere, nach dem mittellat camerarius 
1) „Hofbeamter, der die Aufsicht hat über 
die fürstlichen Gemächer*, namentlich über 
die Schatzkammer, auch sonst aufwartet 
und auf Ordnung hält 2) in Klöstern und 
Gemeinden „Verwalter der Einkünfte**. 
FN. Gammerer — Kämmerer, 
Kümmerling lU. ahd. chamarlinc, mhd. 
keraerlinc „Kammerdiener*. (Das Wort 
noch im ital. camerlengo). 
KAMP I. ahd. cbampb, mhd. kämpf „Kampf* 
(urspr. Eifer, Wetteifer). 
FN. Kan>phard: Kemperi — Kempfert. 
Einstämmige Kürzung Camp-. 
Campo (noch fries. VN.), Chempho: 
Campo; Campe — Kampf — Kempe 
— Kämpffe; Kempf Qeu, Kamps; 
Kampen, Patr. A. Overkämping 
(Westf.). 
Vklf. (k) : Kempke. Gen. Kempkens. 
Kamp III. aus dem lat. campus, welches 
schon früh in das Niederdeutsche und 



Friesische herübergenommen ist, nament- 
lich ein eingeschlossenes, umhegtes Feld 
bezeichnend, das einem einzelnen Bebauer 
zust^t Alte ON. auf -camp aus dem 
9. — 11. Jh.; heutige auf -kamp, auch ver- 
hochdeutsoht - kämpfen y -kämpfen, 

Eäne große Menge FN. auf -kamp findet 
sich in Westfalen, hergenommen von 
einzelnen solchen Kämpen, an denen dieser 
Landstrich so reich ist (S. 75). Dabei tritt 
auch das niederdeutsche Sprachelement hier 
sehr ia den Vordergrund 
FN. Von dem Kampe, Van Kampen 
(Kleve; Kampen Stadt in Holland). 
Zss. 1) nach dem, was auf dem Kampe 
wächst: Äppelkamp (Äpfel-). Birken- 
kamp; Berkenkamp, Boknenkamp, 
Bökenkamp (Buchen-) Busehkamp, 
Distelkamp, Eichelkamp, Eilerkamp, 
Flafskamp, Füchtenkamp. Orafs- 
kamp, Haverkamp; Haberkamp, 
Hasselkamp, Heisterkamp, Holt- 
kamp, Horstkamp, Kirschkamp. Klee- 
kamp, Lihnkamp (Lein-). Lohkamp, 
Nettelkamp. Roggenkamp. Röbekamp; 
Röwekamp. Schleenkamp. Wieden- 
kamp — 

oder sich dort aufhält (Tiere) : Ahl- 
kamp, Hasenkamp. Immenkamp. 
Kreienkamp. Uhlenkamp. Wolfkamp — 
oder überhaupt sich dort befindet: 
Brüggenkamp (Brücken -). Oallen- 
kamp (aus Galgen-). Kiesekamp. Kleine- 
moorkamp. Kottenkamp. Kreutx- 
kamp. Kidenkamp. Moorkamp. 
Mühlenkamp, Pohlkamp (Pfuhl-). 
Sandkamp (auch Dorf in Hannover). 
Steinkamp, Wasserkamp. 

2) Nach der Lage und Beschaffenheit 
des Kampes: Altkamp. Bredenkamp 
(auf dem breiten K.), Ho/fkamp, 
Hokamp — Hogenkamp (elliptisch: 
auf dem hoben K.). Kortenkamp. 
Langenkamp, Ostkamp; Osterkamp, 
Veitkamp, Westerkamp. 

3) Nach dem Besitzer: Nonnenkamp. 

Verhochdeutscht in -kämpf: Erle- 
kampf, V. Heidekampf (vgl. 0. Heide- 
kamp in Holstein). Flafskampf 
Lindenkampf, Lohkampff, MiMen- 



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176 



Eamp- 



Easpar 



kämpf. Oberkampf. Siedenkampf 
Teükampf Weidekampf 

Abgestumpft in -kam: Breitenkam. 
Oerstenkamm. EJeekam. Osterkam. 

Ableitung auf -er (westf.): 
Kämper ^ Kemper. Gen. Kempers. 
— Zss. Berkenkemper. Flferikämper. 
Engelkemper. Faklenkemper. Haar' 
kämper (Haar = Anhöhe auf einer 
Heide). Hasenkämper. Heidkämper. 
HoÜkemper. Kieskemper. Körten- 
kemper. Kottenkemper. Krütxkemper 
(Kreuz-). Lehmkämper. Lohkemper. 
Nordkämper. Ossenkämper. Pagen- 
kämper (Page ^Ffeid). Pierenkemper 
(Regenwürmer - ?). Roggenkämper. 
Stegkämper. Strotkemper. Stuten- 
kemper. Südkemper. Weidenkämper. 
Auch als erster Teil der Zusam- 
mensetzung findet sich Kamp in: 
Kampmann; Oberste Kampmann. 
Kampmeyer — Kampfmeyer — Kam- 
meyer. KampfmiUler. Kampfwirth. 
KampfschuUe. — Kampfranx. 
Kamp- s. a) Kamp I. b) Kamp UI. 
-kamp 8. Kamp III. 
Kamp- s. Kamp I. 
Kampe a) s. Kamp I. b) Ortsbezeichnung s. 

Kamp III. 
Kampfenkel I. III. der ^Henkel vom Kampe*^ 

(s. Hagan). 
-kämper s. Kamp III. 
Kampf- 8. a) Kamp I. b) Kamp III. 
-kämpf 8. Kamp in. 
Kttmpf- s. Kamp I. 

Kamphans lU. Fleischermeister in St., nennt 
sich, seit es einen Finanz -Minister Camp- 
hausen in Preußen gegeben: Kamphausen. 
Kandier III. (bayr.). mhd. kandeler „Kan- 
nengießer ^. 
Kannengießer lU. „ Zinngießer ^; man sieht 
aus dem N., daß das Gießen von Kannen 
einst die wichtigste Arbeit in diesem Hand- 
werke war (, Kannengießer- Straße** in Braun- 
schweig). 
FN. Kannegiefser ; Kanngiefser, Cann- 
giefser. Niederd. Cannegteter (Klemp. 
Kannegeter). 
Kant, Kanti s. Gand. 



Kanzler m. ahd. ohancilari, mhd. kanzelaere 
aus mittellat oancellarius „Voiigetzter der 
Kanzlei '*. 

FN. Kanxler, Cantxler. Mit Umlaut 
Kentxler. 
Kapeter HI. (Württ) eig. Hausname casa 

Petri, wie Gahannes, Capaul (Bück). 
Kaphengst IH. vom mhd. kappen „verschnei- 
den'*. 
Kappeller s. GapeUe. 
Kapper s. Kaspar. 

Kapphammel III. vom mhd. kappen „ver- 
schneiden **. 
KARAL I. ahd. charal, karl „Mann<* (Kerl). 
FN. Karlman: Karlmann. 
Einstämmige Kürzung Karal-. 
Card: Karel — Karle; Karl, Carl — 
(zerdehnt) Kardel — Kerl — Keerl. 
Gen. Gar eis — Karls — Kerlen, 
Patr. A. Kerling. Patr. Zss. Carlsohn. 
Vklf. (i): Karli (Schweiz.). 
Käreher III. oberd. „Kärrner", von Karch 
„Karren", ahd. karruh aus lai carruca 
Reisewagen. 
FN. Käreher — Kareher. 

Kardel s. Karal. 

Karges, Karins s. Macarius. 

Karianf s. Gar (V.). 

Karmann s. Gar. 

Karrer IH. „Kärrner". Auch Kamer. 

Karbens, Karst- s. Christianus. 

Kasehuhe III. ein „Kassube** (S. 78). Audi 

verkürzt Kaschub. 
Kasemeier III. umgestaltet aus Kasimir 

(1788 Detmold). 
Kaspar II. persisch Kansbar „Schatzmeister^ 
nach der Legende einer der h. drei Könige 
(Kai. 6. Jan.). 
FN. Kaspar, Caspar; Casper — süd- 
deutsch Kapper (s. Melchior Meyr, Er- 
zählungen aus dem Ries). Gen. Caspary 
(auch jüdisch) — Casper s — Oaspers 
(Heinsberg). 

Vklf. Kasperl (bayr.). — Zss. 

Kasparbauer. 

Mit Erweichung des k (schon bei Klemp. 

nebeneinander Kaspar, Gaspar, Jaspar): 

Jasper. Gen. Jaspers (ostfries.). Patr. 

Zss. Jespersen. 



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Eassebaum 



Eiep- 



177 



Kassebaum m. halbniederd. statt karseboom 
nEirschbaom'^. Auch Kessebohm. (Kasse- 
bohm 0. in Mecklenb.). 

Kassebeer m. niederd. statt Earsebeere 
^Kirsche" (lat. oerasum). 

Kasseroller III. „ Kasserollen -Yerfertiger". 

Kassens, Käst- s. Christian. 

Kastner III. „Verwalter des Kornkastens" 
d. i. Getreidespeichers, dann, weil aus den 
Getreide - und Fruchtzinsen sich die Steuern 
entwickelten, hie und da = Amtmann tiber 
alle Einkünfte „Rentmeister^*. So an Höfen 
ein Hof kastner, in Klöstern ein Pater Kastner. 
FN. Kastner — Kästner, Kestner — 
Khöstner (Gottschee). 

Kathmann, Kttthner s. Köther. 

Kathreiner III. „einer aus (St.) Kathrein". 

Kauer- s. Kun (Y.). 

Kaufmann III. ahd. choufman, mhd. kouf- 
man „Handelsmann" (s. Krämer). 
FN. Kaufmann, häufig Kauffmann. ^xq- 
derdeutsch JTiTpmann^ Koopmann^ Gen. 
Koopmwnns, 

Kanlbars HI. deutlicher Fischname. 

Kanlfnß HL „Klumpfuß", von Kaule = Kugel, 
schon mhd. kugele zsgz. küle. 

Kannert s. Kun (V.). 

Kanpert s. Gaw. 

Kauwertz s. Gaw. 

Keb- s. Gab (V., einst K.). 

Keerl s. KaraL 

Kehr- s. Gar (einst K.). 

Kehrein lU. Satz-N. „kehr ein". 

Keil s. Gail. 

Keiper IH. „Fischmeister", Aufseher über 
Fischereien (ostpreuß.). 

Keiser s. Kaiser. 

Keith, Keltz s. Gaid. 

Keller III. mhd. kellaere aus lat cellarius 
1) „KellermeiBter^', Schaffner 2) Kammer- 
beamter; wie vom herrschaftlichen Kasten 
ein Kastner, so bekam vom herrschaftlichen 
Keller ein Keller (Kellner) als Rentbeamter 
seinen Namen (cellarii am Hofe Karls d. Gr.), 
welcher urspr. die Weinberge u. "Weingülten 
samt den andern Einkünften, die in die 
Keller einzuliefern waren, zu verwalten 
hatte; bei geistlichen Stiftern der Beamte, 
welcher die Einkünfte verwaltet, die für den 
!nsch geordnet smd — oft mit dem Kastner 
Heintze, Deatsohe Familieanamen. 2. Aufl. 



eins 3) Inhaber eines „Kellerhofes", einer 

Art Hofgüter in einigen Teilen Schwabens 

und der Schweiz. (Walter der Kellaerl288). 

FN. Keller. Lat (rücklatinis.) Cellarius. 

Auch Kellerer. Kellermann. 

Kellermann s. Keller. 

Kellner III. mittellat cellenarius, ahd. kel- 
nftri, mhd. kelnaere = keller (Conrade Kei- 
ner, auch C. Keller genannt 1379 Bacm.). 

Kemp- s. Kamp I. 

-kemper s. Kamp HI. 

Kentel s. Gand. 

Kentzler s. Kanzler. 

Kerke III. niederd. „Kirche*', in Zss. wie 
Kerkenbrock (Kirchenbruch); Kerkhei. 

Kerl- s. Karal. 

Kerms s. Gar (z weist. K.). 

Kemer III. 1) -= Kömer 2) „Kärrner*'. 

Kersehstein s. Christianus. 

Kerse IH. „Kirsche^, aus lat cerasum, in 
Zss. wie Kersenbrock (-bmch), Kerfsen- 
broick — Kersemeyer. 

Kerst- s. Christianus. 

Kessebohm UI. „Kirschbaum". 

Kessel III. der Kessel als bedeutsames Haus- 
gerät, das zu sinnbildlichen Rechtshand- 
lungen und abergläubigen Gebräuchen diente. 
Vgl. H. de Eschene we diotus Bruke??el 
(Braukessel) 1263. 

Kesseler lU. „Eesselschmied". Auch-Kefsler. 

Kesselliake lU. Haken, an welchem derEessel 
über dem Feuer aufgehängt wird. 

Kesselhnt HI. eine „Pickelhaube in Eessel- 
form". Auch niederd. Ketelhod. 

Kest- s. Christianus. 

Kestner s. Kästner. 

Ketelb^ter in. niederd. „Kesselflicker" (böten 
= hd. büßen, d. i. urspr. bessern). 

Ketelhod s. Kesselhut. 

Kendel, Kentel s. Gaid. 

Kenn- s. Kun (V., einst K.). 

Kieckebnsch HI. ON. (in Brandenb.). 

Kiefer s. Küfer. 

Kiehne s. Kun (einst K.). 

Kieknth III. niederd. Satz-N.: „schau aus" 
— doch zunächst wohl ON. (auf Rügen) 
und von daher übertragen. 

Kienbanm lü. mhd. kinboum „Kiefer". 

Kienle s. Kun (einst K.). 

Kiep- s. Gab (V., einst K.). 



12 

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178 



Kiec- 



Elee 



Kier- s. Gir. 

Kiej*sebner s. Kürschner. 

Kies- 8. Gis. 

Kiesel- s. Gisal. 

Kieser m. „Prüfer"; in den Städten Deutsch- 
lands waren solche K. besonders für Getränke 
und andere Lebensmittel angestellt. 

Kiesewetter III. Satz-N. „der das Wetter 
prüft, Wetterspäher** (Gudrun 903: Fruote 
b! dem lüfte kiesen do began). Entstellt 
Küssewetter (Wien). 

Kieß- s. Gis (Gisal). 

Kiewitt ni. niederd. der Kiebitz, sprich wörtl. 
wegen seines Zickzackfluges; daher „Kiebitz- 
gang". (Everhardus Kyvit Köb. Univ.Matr. 
1390). 

Kilbert s. Gisal. 

Kilian II. ein Schotte, Apostel der Franken 
im 7. Jh. 
FN. Kilian; Killian — Kilgan. 

Killmer s. GisaL 

Kimmerie s. Kun (Y.). 

Kipp s. Gab, Gib (einst K.). 

Kirelie lU. ahd. kiricha, mhd. kirche, alt- 

Sachs, kirika, kerika, altfries. korke, karke 

(wohl aus griech. xvQtitxöv „Haus des Herrn, 

Gotteshaus"). In ON. -kirch, -kirehen 

(elliptischer Dativ); niederd. -kerk, 

FN. 1) Ältenkirch, Neukirch. Taufkirch 

(0. -en 8 mal Rud.). v, Tippels- 

kireh, 

2) Oiesenkirchen, Herrenkirchen, 
Odenkirchen, Rodenkirehen, Born' 
merskirchen, 

Halbniederd. Nienkirehen (Meck- 
lenburg); hochdeutsch Neunkirchen 
(häufig ON., wohl aus Neuenkirchen 
zsgz., zumal bei Dörfern, wo eine 
solche Menge von Kirchen doch 
nicht anzunehmen). 

3) Bovenkerk. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -er: Feldkircher (0. -kirch). 

2) -ner: Feldkirchner (0. -kirchen). 
Neukirchner. Seekirchner. Stein- 
kirchner. 

Kircber HI. mhd. kirchaere „Küster" 2) ge- 
kürzt aus Kirchherr, d. i. „Pfarrer". Auch 
Kilcher. 



KireMioff HI. „der am Kirchhofe" y§^. fries. 
ürkund. : roleff bi den kerkhoue(Pott S. 549). 

Urebmami a) I. ahd. iTirihnn»! (aus dem 
9. Jh. als PN. nachgewiesen durch Forste- 
mann, vgl. auch den riiein. Namen ITtreAar^ 
der auf einen altd. Nomin. Kirihhart zurück- 
weist) b) m. mhd. kirchman Emgesessener 
einer Gemeinde, „Gemeindeglied", im Gegen- 
satz zum Ausmann, ü^man. 

Kireliner III. mhd. kirohenaere „Küster, Mes- 
ner", bes. im sächsischen YogÜande üblich. 

-kirelmer s. Kirche. 

Kirieleis U. aus dem kirchlichen Rufe (griech.) 
kyrie eleison „Herr, erbarme dich", vgL 
Bechtold Kyrieleyson 1366 (Weistümer 3, 
419). Noch weiter verkürzt Oyrlis — 
Oorleis. 

Kirmes m. aus mhd. kirchmesse, „Fest zum 
Andenken an die Einweihung einer Kirche" 

— (Zeitname, vgl. Tag). 
FN. Kirmes; Kirmfs. 

Kimer s. Kömer. 

Kirsebner s. Kürschner. 

Kirschstein s. Christianus. 

Kirseht-, Kirst- s. Christianus. 

Kirwald s. Gir. 

Kiß s. Gis. 

Kist s. Christianus. 

Kistenfeger m. der „Kisten fegt d. i. aus- 
räumt", plündert 

Kistmaeber m. der „Kisten macht", Tischler. 
Niederd. Kistemaker; latinis. Chelopoeus. 
Entstellt Küstenmacher. Auch Kistner. 

Kittel III. mhd. Kittel, ein Kleidungsstück 

— mit der Zss. Weifskittel. 

Kiaas, Klag-, Kias-, Kiaß- s. Nioolaus. 

Klau- s. Glaw. 

Kians- Klänsli s. Nicolaus. 

Kiebsattei IQ. „kühner mit dem Sattel eng 
verbundener Reiter" (Andresen). Daraus 
Kleesattel. 

Klee Hl. früher volkstüml. auch der mit 
Kleeblumon bunt gezierte Rasen (Klee- 
meister = Wasenmeister) — mit der Zss. 
Grüneklee. Auch Kleeblatt (vielleicht mit 
mystischer Beziehung als Sinnbild der Drei- 
emigkeit, wie in Irland, wo es sogar in 
diesem Sinne Nationalzeichen ist). Klee- 
mann. Kleemeyer. Schubert Edler von 
dem Kleefelde. (S. 59). Niederd. Kiewer. 



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EleioDstäuber 



Knoblauob 



179 



KielenstHuber III. nach HoffmaDD , Kasseler 

Namenb. 8. 69, Bezeicbnong des „ Müllers ^^ 

FN. Kleyenstäuber, zsgz. Kleinstäuber — 

auch KUyenstüber ; Kleinstüber. Vgl. 

Job. Fäsenstaub, Müller 1408. (Tobler- 

Meyer), von Fese = Hülse. 

Klein, Kleine III. der,, Kleine ^ Doch wei- 
sen FN. wie Kleinhard, KJeinert (Gen. 
KJeinertx), Kleinlein, Kleinecke daraufhin, 
daß dieser Stamm schon im Altdeutschen 
zur Namenbildung verwendet worden, dann 
im Sinne von „fein, sauber". 

KieinlKneebt UI. „unterer Knecht" gegen- 
über dem Großknechi 

Kieinselunidtlll. Gegensatz zum Grobschmied: 
ein Schmied, der kleine, d. i. feine Arbeiten 
macht; bez. hauptsächlich der „Schlosser", 
dann der Büchsenschmied, Sporer, Uhr- 
macher. 

Kieinsorge III. der sich wenig d. i. (bes. nach 
mhd. Ausdrncksweise) gar keine Sorge macht. 

Kieisl, Kieißi s. Nicolaus. 

Kiemens, -t s. Clemens. 

Kliebensehedel s. Klubesohedel. 

Kliefotli m. niederd. statt Kliefuß, vom ad. 
clinwa Kugel, Knäuel, also «= Klumpfuß. 

T. Klinekowstrtfm ÜI. Martin Klinckows 
Söhne wurden im 17. Jh. von der schwedischen 
Regierung geadelt (Adelslex.) 

KiiniT lü. ahd. chlinga, mhd. klinge „Ge- 
birgsbach, rauschender Bergstrom", ON. 
und in Zss. wie Klingmüller, Auch Klingel, 
wie in der Pfalz viele Bäche heißen. Daher 
FN. Klineke, Kling mit der Ableii Klinger. 
Klingelhage, 

Klingbeil m. Satz-N. urspr. Klinckebyl „laß 
das Beil klingen!". 

Küngspor III. „mit klingendem Sporn". 
Klingspor 1571. 

Kiobelancli ni. ahd. klobelouh, mhd. clobe- 
louch von kliuban spalten, entstellt knobe- 
louch „Knoblauch" (auch ON.). Knobloch 
— Knoblich, 

Kioel^e III. a) I. s. Hlod (einst. K.) b) nieder- 
deutsch „Glocke" in Klockemeyer, 

Kitfckner s. Glöckner. 

Kiode s. Hlod (einst. K.). 

Kloos, Klos-, Kloss- s. Nicolaus. 

Kiostermann III. mhd. klosterman „Mönch". 

KWter s. Hlod (V.). 



Klotb, Kitfthi s. Hlod (einst. K.). 

Kl^tseh, Klott s. Hlod (einst. K.). 

Klotz a) I. s. Hlod b) IH. „vierschrötiger, 
plumper Mensch ". Vgl. Marquardus dictus 
Block (Truncus). 

Klnbertz s. Glaw. 

Klnbesehedel HI. Satz - N. „ein Schädelspalter" 
(S. 52), von „klöben" ahd. klioban, mhd. 
klieben und klüben spalten. Auch KJuiben- 
Schädel (Tirol). 

Klnbeseheit IH. Satz-N. „der Scheite spaltet". 

Klnßmeyer s. Nicolaus. 

Klate, Kittt- s. Hlod (einst. K.). 

Kittter s. Hlod (V.). 

Klntendreter III. (Aachen) der „Erdklöße 
tritt", Spottname für einen Landbauer. 

Klntt s. Hlod (einst. K.). 

Knabe III. ahd. chnabo, mhd. knabe „Knabe, 
junger Bursche", bes. ein im Dienste eines 
Höheren stehender; mit knappe, kneht mehr- 
fach gleichbedeutend. Auch Knape. Gen. 
Knabben (niederrhein.). 

Knappe lU. Nebenf. zu Knabe (wie Rappe zu 
Rabe) ahd. chnappo, mhd. knappe 1) Knabe, 
Jüngling, bes. „der Ritter werden will" 
2) „Diener, Lehrling, Greselle". 
FN. Knappe; Knapp, 

Knanbel, Knaup, Knaath s. Knod. 

Kneebt III. mhd. kneht sinnverwandt mit 
knabe und knappe, daher auch in der Bed. 
„Lehrling, Geselle", wie in smidekneht 
FN. Knecht, Zss. Äckerknecht, Fromm- 
knecht, Futterknecht, OtUkneeht; nieder- 
deutsch Oodknecht, Haufskneckt, Höh- 
knecht, Kammerknecht, Kleinknecht, 
Mahlknecht (Müllergeselle). Packknecht, 
Schildknecht. Stallknecht. Schuknecht. 
Wagenknecht. 

Knick III. „niedriger lebendiger Zaun zur 
Einhegung der Felder". Auch Knigge. 

Knie III. „ein im Waldwinkel liegendes Stück 
Land", in FN. wie Kniemeyer, -niöller, 

Knieriem III. ein „Gurt über dem Knie", 
das unentbehrliche Beistück der kurzen 
Landsknechtshosen, jetzt nur noch ein Ge- 
räte der Schuhmacher. Vgl. Cunrad cog- 
nom. bintriemo 1239. Knirim — Onyrim, 

Knobbe, Knebel s. Knod. 

Knoblanch, Knoblieb s. Klobelauch. 

12* 



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Qoo^^ 



180 



Knochenhauer 



Kopf 



Knochenbaner in. „Schlächter, Fleischer ^\ 
noch jetzt in Braunschweig die übliche Be 
Zeichnung, wo sich schon 1380 der FN. 
Enokenhowere findet (in Hannover eine 
Knochenhauer - StraBe). 
Knocke s. Knod. 

KNOB L zu got. knods, ahd. chnuat „Ge- 
schlecht, Stamm". Chnodomar 4. 
FN. (Knoderich): Qnorich, 
Einstämmige Kürzung Knod-. 
Knuto : Knode — Knothe — Knott — 
Knutk — KnatUh. Patr. A.Knticlsen. 
Vklf. (1, Knodilo): EnoUe. (k): 
Knocke, 
Zweistämmige Kürzung Knodb-. 
(Knobo): Knobbe — Knop — Knopf 
— Knaup, 

Vklf. (1): Knobel — Knöpfet — 
Knaubel, 
Knolle, Knop-, Knothe, Knott, Knadsen, 

Knath s. Knod. 
Kob-, Ob- s. a) I. God b) II. Jacobus. 
Koeb Ul. ahd. choch, mhd. koch, altsächs. 
kok aus lat coquus. 
FN. Koch. Gen. Kochs. Äußerlich ver- 
lateint Cochius — in anderer Weise 
Coccefus. Gen. Coccefi (8. 65). 

Vklf. Q): Köchle (schwäb.); Köchly 
(Schweiz.). — Köchlin. 
Niederd. Koch; auch Koock, Koke (Kok 
Gott. ÜB. I. ums J. 1373, Klemp. 
Coke neben der Bezeichnung Meister- 
kock = ouerste kokenmeister). Gen. 
Kox^ Cox (niederrhein.). 
Der N. Kock findet sich lange vor der 
französischen Einwanderung und ist jetzt in 
verschiedenen Gegenden Norddeutschlands 
unter der Landbevölkerung verbreitet, so in 
Westfalen, Mors, Schleswig; er kann daher 
nicht franz. Ursprungs (aus coq Bahn) sein. 
Oeb-, Koek s. Koch. 
KochlMel UL s. 8. 44. 
Kode! s. God (V.). 
Koen- s. Kim (V., einst K.). 
Koerts s. Kun (V.). 
-kofen, -kofer s. Hof. 
Köfer s. Küfer. 

Kögler III. mittelniederd. Kogeler „ Gaukler". 
-kohl in Zss. wie Herrenkohl j Linnenkohl 
s. Kugel = Kapuze. 



Kobi- 8. 1) Kol 2) Hlod. 
OblerllL „Kohlenbrenner". Selten JEbÄfer 
— Kühler — auch Köll&r (Preuß). Zss. 
Dammköhler. 
Kobn-, Obn- s. Kun (V., einst. K.). 
Kobr-, Ktfbrlngr s. Kun (V.). 
KOL I. wohl zu altnord. kollir „Hehn". 
FN. Colobert: Kolbert. 
(Colohart): Kohlhardt. 
(Coloman): Kollmann — Kohlmcmn. 
Einstämmige Kürzung KoU. 

Colo: Kohl — Kölle — Kuhle. Patr. 
A. Köhling. 
Vklf. (i): Kohlt - Kuhley. 
Zweistämmige Kürzung Kolb-. 

(Kolbo): Kolbe; Kolb — Kidbe—Külb. 
Vklf. (1): KÖlbl — KiUbel. 
Kolb 8. Kol (V., zweist K.). 
KoU- s. 1) God (V.) 2) Kol. 
Kommalleln III. bemerkenswerter Satz-N. 
(auf die Einladung zu einem Stelldichein 
deutend ?). 
Kompert s. Gund (V.). 
Kon- s. Kun (V.). 
K«n- s. Kun (V., einst K.). 
König in. häufiger FN., durch verschiedene 
Ursachen veranlaßt 1) durch persönliches 
Hervorragen in der Umgebung (Schützen- 
könig u. a., jetzt Eisenbahnkönig usw., 
Friedrich de Kuninc 1314. 2) durch N. von 
Häusern, bes. wohl von Gasthöfen (König 
von Spanien u. a.). — Vgl. franz. Leroy. 
FN. König; Königk. Gen. Königs. (Doch 
ist bei diesen N. auch der altd. Stamm 
Kun zu vergleichen). Zss. Rübenkönig. 
K(>nnleke s. Kun (einst. K.). 
Koock s. Koch. 
Koops s. Jacobus. 
Koordt s. Kun (V., Chunrad). 
Ktfper s. Küfer. 

Kopf III. ahd. chuph, copf, mhd. köpf aus 

mittellat cuppa Faß 1) Trinkschale, Becher 

(so Glaßkopf FN. 15. Jh. = Glasbecher, 

Glasnapf). 2) Hirnschale, Kopf. 

FN. Kopf vgl. Chono der Chophe 1175. 

Ulric. der Chopf 1225. 

Mannigfache Zss., sämtlich wohl in dem 
Sinne des Körperteils: Breitkopf. Qrofs- 
köpf. Hartkopf; halbniederd. Horde' 



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Eöpke 



Köther 



181 



köpf, Kraiuskopf; niederd. Kruskop. 
Bothkopf. Rukkopf (halbniederd. = 
Rauhkopf). Schönkopff. SchwarUkopff 
Weifskopf; niederd. Wittkop. Wtdlkopf; 
niederd. WuUkop — 

nach Tieren (z. T. yermutlich doroh 
Häuserzeichen yermittelt, aber auch 
durch Flurnamen): Hönerkopf (halb- 
niederd. = Hünerkopf). Ochsenkopf; 
niederd. Ossenkopp. Rehkopf Rinds- 
köpf Rofskopf Schellkopf Wedder- 
kop, Welskopp — 

nach Pflanzen: Mohnkop und Mahn- 
köpf 
K9pke s. Jaoobos. 
Kopmami s. Kaufmann. 
Koppersehmldt III. (niederd.) « Kupfer- 
schmied*^. 
Koppold s. God (V., Godebald). 
Ktfrber III. , Korbmacher^. Auch Korber. 
Kord- 8. Kun (V.). 

Kom m. got. kaum, ahd. mhd. körn ^Frucht- 
kom, Getreidekom^ (mundartl. = Roggen). 
FN. Kom. Zss. Femkom, Viemkom 
vom Eigenschaflsw. fem „vorig* (Firne- 
wein u. a.). Gerstenkorn. Grünkom. 
Haferkom; Haberkom (Ruprecht Haber- 
kom 1385). Hirsekorn; Hirschkorn. 
Klöwekom (Spaltkora, in welchem Sinne? 
oder imperativisch = Haarspalter vgl. 
Klövesand — Pott). Pfefferkorn (Wal- 
cher Phefferkom 1282). Senfkorn (Ev. 
Matth. 13, 31). Sommerkom. WeUx- 
kom. 
KomUiüiiii III. deutlicher Pflanzen -N. (cen- 

taurea cyanus). 
Kombmst s. Probst 

K9mer III. 1) vom got quaimus, ahd. quim, 
mhd. küm Mühle, also ,Müller^' 2) von 
Kom: flKomkäufer** 3) = Kordener, Kör- 
tener patronym. zu Konrad (Preuß 17). 
FN. Kürner — Kimer — Kömer — 
Kemer — selten noch in der älteren 
Form Quemer. Zss. Kömerknecht 
(„Mühlknappe"). 
Kommesser III. mhd. komme^^er „vereidig- 
ter Getreidemesser*, ein öffentlicher Be- 
amter. 
Kort-, K»rt- s. a) I. Kun (V.) b) HI. nied. 
« kurz, in Kortenkamp u. a. 



Kortnm ni. niederd. „kurz um *\ nach dem 
Bremer WÖrterb. ein kleiner, hurtiger Mensch. 
Auch Kortüm. 
Kos- 8. Goz (V.). 
K(teter- s. Küster. 
Kostezzer III. (Zürich) „einer aus Konstanz^^ 

(gesprochen: Kostetz — Tobler-M.). 
Kotbe a) I. s. God b) HI. geringeres Bauern- 
haus, urspr. ohne Feld und Hofstätte, nur 
mit einem Garten ; es ist dann freilich auch 
vielfach etwas Land mit solcher Kothe ver- 
einigt worden , doch nicht bis zu einer vollen 
Hufe. Hauptsächlich niederdeutsches Wort, 
auch in ON. ziemlich häufig: -kathe, -kathen, 
'kothen^ -kotten. 

FN. Kothe (auch Kothi — das e soll die 
betreffende Familie für schweres Geld 
vom Landesherm erstanden haben, s. 
Pauü II, 8. 5). 

Zss. Rofskoth. — Hollkott. Oldenkott. 
Weskott. Horstkotte. — Oeilenkotten. 
Vierkotten. (Henricus Bemekotte Köln. 
Univers. Matr. 1390). — Kothmeyer — 
Kottmeyer — Kothmüller. 
Other m. „Inhaber einer Kothe''. 

FN. Köther. Zss. Buschköter (der K. in 
dem Busche). Eikenköter (Hannov.). 
Leimköter (doch wohl :=: Lehmk.). Auch 
der N. Fetköter gehört hierher, wie die 
Nebenff. Vettkötter (Vegesack) und Fett- 
kotier beweisen. 

In Nordost -B. heißt die Kothe: Käthe, 
Käthen, daher: Käthner; Kathmann — 

in Westfalen Kotte, daher „Kötter* (s. 

Immermann Münchhausen IH, 56: „daß ich 

den Halbhüfner, den Kötter und wer es sonst 

sein mag, jeden nach seiner Gebühr nennen 

muß**). In dieser F. ist das Wort reich an 

Zss., die alle in Westfalen heimisch sind: 

FN. Baumkötter. Berkenkötter. Busch- 

kötter. Feldkötter. Flurkötter. Grund- 

kötter. Heitkötter (Haid-). Holtkötter. 

Horstkötter. Kampkötter. Kuhletikötter. 

Marschkötter. Ostenkötter. Pohlkötter. 

RietkÖtter. Sandkötter.Strotkötter. Venne- 

kötter. Winkelkötter. Wieskötter — sJ^mt- 

lich wohl nach der Wohnstätte benannt, 

-wlSikirendJacobskötter, Mörtenkötter Zss. 

mit den YN. Jacob, Martin sind. 



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182 



-köter 



Eretschmer 



Anderer Art siod Neukötter. Hunde- 

kotier (vgl. den niedord. Maler Honde- 

koeter). Schniederköiter. Schidtenköiter 

(der E. des Schulzen). Schüttenkötter, 

-ktfter s. Köther. 

Kott- 8. a) I. Ood (V., einst. K.) b) in. 

Eothe. 
-kott, -kotte, -kotten s. Eothe. 
-k((tt6r 8. Eöther. 
Kottlof 8. God. 

Kotz- 8. 1) God (einst. E.) 2) Goz. 
T. Kotzebae III. von dem altniärk. 0. Eosse- 

bau, früher Eossebu. (Adelslex.). 
Kox 8. Eoch. 

Krabat III. (Gottschee) ,Eroat*. 
Kracht s. Eraft. 
Kradolfer in. „einer aus Eradolf , urspr. Era- 

dorf (Thurgau). 
KBAFT I. ahd. mhd. kraft ^Eraft; Heeres- 
macht*. 
FN. Kjraftheri: Krefter. 

Einst Eürzung Graft, Craht: Krafft — 
Eracht Patr. A. Krefting. 
Kragen- in. mhd. krä, kraeje, kreie nErähe*" 

in Zss. wie Krägenbrink, 
Kramer s. Erämer. 

Krämer in. ahd. chramäri, mhd. krämaere, 
krftmer , kraemer der „Erämer'*, Eleinhändler, 
im Gegensatz zum „Eaufmann'*, der mehr 
den Großhändler bezeichnet. Dem Erämer 
fiel zum Handel alles anheim, was „Pfen- 
nigsgewerbe" war. (Schon 1175 Chunrad 
Chramar). 

FN. Krämer, öremer — Kramer, Oramer, 
Gen. Lamers (niederrhein.). Zss. Eisen- 
krämer. 
Krabn, Krohn in. mittelniedord. krän, krön 
„Eranich". 
Auch in Zss. : Kranepohl u. a. 
Kranefußlll. „Eranichfuß''. Auch Krohn fuß. 
Kranewitter III. vom ahd. khi-anawitu „Wa- 
cholder**. ON. in mannigfachen FF. Ent- 
stellt in Ärowa«?e^^; Kronebitter; Kronen- 
bitter (Steub). 
Kranicb m. der bekannte Zugvogel. Vgl. 
franz. Lagrue. 1) Hauszeichen (S. 61) 
2) Eigenschaft bezeichnend , namentlich die 
Schlankheit (S. 49). 
Kranold s. Hraban. 



Kranz UI. mit den Zss. Maikranx, (S. 45, 
doch auch ON.). Rautenkranx, Rosen- 
krantx (auch ON.). 

Vklf. Kränxlein — Kränxl, 
Kratz-, Krätzel s. Pancratius. 
Kraume s. Hrom. 

Kraus, Kranß III. 1) s. Erause 2) der 
„Erug**; so namentlich in der Zss. Stein- 
krau fs „Steinkrug*. 
Krause HI. von dem Eigenschaftsw. , der 
„Eraushaarige'*(Crispus). Hainrich der kruse 
1304 (S 50). 

FN. Krause; Kraus (letzteres süddeutsch, 
z. B. in München 1876: 44 mal Eraus 
und Erauß, Erause nur 3 mal, dagegen 
in der Preuß. Rang- und Quartierliste 
von 1874 Erause 50 mal, Eraus (Erauß) 
nur 4 mal). 

Niederd. Kruse, Oruse. — Latinis. 
Orusius. 
Kransbaar in. «= dem Vorhergehenden. 
Yolz von Nüwenegge den man da nemmet 
Crushar 1347 (Bacm.). In demselben Sinne 
Krauskopf, 
Kräuter in. „Gemüsegärtner und -Händler* 
(auch Apotheker). Niederd. Krüdener (Cru- 
diner 13. Jh.). 
Krautwig s. Hrod (V.). 
Krawath III. „Eroat**. Auch Krabot 
Kreft in. (mit langem offenem e) niederd. 
= Krebs. (Hans Erewet 1473). Auch 
Krebsscher findet sich als FN. 
Kreft- 8. Eraft. 

Krege, Kreie in. mhd. kraeje, kreie «Erähe'', 

in Zss. wie Kregenbrink, Kreienkamp, 

Kreymeyer u. a. 

Kreikenbaum Hl. (halbniederd.) mhd. krie- 

chenboum von krieche d.i. schlechte Pflaume. 

Kreiser ni. „Feldhüter« (z. B. in Hessen). 

Kreith III. = Greut, Gereute von „reuten*; 

Kreitmeyer = Greutmaior (Steub S. 13). 
Krempelsetzer III. zur Tuchmacherei ge- 
hörig (Erempel = "Wollkamm). 
Krestel s. Christianus. 

Kretsehmer IH. mitteld. creoimer, aus dem 
slaw. karczmarz „Schenkwirt", bes. in Schle- 
sien, Posen, der Lausitz, wo auch die Dorf- 
schenke „Eretscham" heißt. Seit dem 14. Jh. 
von Osten her bis nach Thüringen und weiter 



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Ereaohaoff 



Kohle 



183 



y erbreitet, im 16. Jh. z. B. Luthem ganz 

geläufig, jetzt zurückgewichen and auf die 

östlichen Grenzländer beschränkt. 

FN. Ereischmar, Oretxschmar (mit Be- 

wahrong des ursprüngl. a); Kretschmer 

— Kretxmer, Auch Kretschmann. 

Kreuebanff ni. Satz-N. ,,Eriechauf I <" 

Kremiert s. Gron. 

Kridewiß in. „kreideweiß''. 

Krieelieiibaam III. mhd. krieche, niederd. 
krike «Schlehenpflaume'*. Auch Kriegbaum 
— Oriehbaum, Sriebaum (zu dem Kriech- 
bovme 1449). 

Kriegner III. „einer aus Kriegen'' (Osten-.). 

Krim- s. Grim. 

Krlng- s. Hring. 

Krist- II. s. Christianus. 

Krtf|r6r s. Krüger. 

Krohn s. a) I. Gron b) III. Krahn. 

KrohnAiß s. Kraoefuß. 

Kroll s. a) I. Hrod (einst. K.) b) III. „ge- 
kräuselt" vgl. niederd. Krulle „krause Haar- 
locke". 

Kroloff 8. Hrod (V.). 

Krom-, Krtfm s. Hrom. 

Krön III. a) in Adels -N. von dem Hauptw. 
„Krone": v. Äbereron, v, OMen u. Adlers- 
krön — dagegen 

b) von „Kranich", niederd. kran, b-on in: 
Kronbiegel (Kranichbühl, vgl. KroDSchna- 
bel, Crohnsnest). Kronemeyer. Kronfufs. 

Kronawetter, Kronenbitter s. Kranewitter. 

Kroner, Krtfn- s. Gron. 

Kronymns s. Hieronymus. 

Kropp s. Hrod (zweist. K.). 

Krtfter s. Hrod (V.). 

Krfldener s. Kräuter. 

Knidewiff s. Hrod (V.). 

Krudup s. Hrod (Hrodulf). 

Kmg HI. in vielen ON. Zss. Fakrenkrug; 
Fakrenkrog. Niederd. Krog in Krogmann. 

Krtigrer HI. mhd. krüeger „Schenkwirt" (auf 
dem Lande). 
FN. Krüger, Orüger ; Krieger (hajr. österr. 
vgl. Hiebner). Zss. AUkrüger, Fahren- 
kriiger, Heidkrüger (der Besitzer des 
Heidekruges). Niederd. Kroger, Zss. 
Busckkröger. 

Kmkemeyer III. s. Hrod (Chrodico). 

Knimblegel, KrombOgel s- Bühel. 



Kronert, Krttn- s. Gron. 
Kmse s. Krause. 

Kmskop in. niederd. „Krauskopf" (s. Kopf). 
Kmttfe s. Hrod (einst. K.). 
Krutwigr s. Hrod (V.). 
Krystlans s. Christianus. 
Kttbler UI. 1) Verfertiger von Kübeln, ,,Böt- 
ticher" 2) „Häusler", = Köhler (Pranken 
und Oberpfalz). 
KacbenUI. in mehrfachen Zusammens. : Eier- 
kuchen, Pfannkuche, Puetkuchen (Aschen - 
kuchen). Matxkuehen (die ungesäuerten 
„Matzen" s. Matzbecker). 
Kuebenbeißer HI. vgl. Fleischfresser. 
Kflehenmeister UI. magister coquinae, vor- 
nehmere Bezeichnung für Koch. 
Kttchler lU. „Kuchenbecker". 
Kueknek m. ON., (lOmalRud.). Auch Kukuk. 
Kttfer ni. mhd. küefaere 1) der „Kufen und 
andere große Gefäße macht", daher auch 
Großbinder und Schwarzbinder genannt, zum 
Unterschiede von den Kleinbindem, Weiß- 
bindern oder Rotbindem, welches die ge- 
meinen Bötticher sind. 2) Diener und Auf- 
wärter in großen Kellereien", bes. in Wein- 
kellern und Weinhänsern. 
FN. Kufer — Küfer — Köfer — (mit der 
mittel- und oberdeutschen Aussprache 
des ü) Kiefer. 

Mit dem n der schwachen Bildung: 
Kufner — Küffner. 

Niederd. Küper — Köper, de Kuyper 
(Rheinbaoh). Gen. Kuypera (Geldern). 
Kngel III. ahd. cucula, mhd. kugele, gugel, 
kogel, vom'lai cucuUus „Kappe, über den 
Kopf zu ziehen, Kapuze". 
FN. Leinekugel — Linnekugel, auch lAn- 
kogel, LinnektM, Linnenkohl; daraus 
umgedeutet Lindenkohl. Reifenkugel; 
Riejkohl. Rothkugel; niederd. Rode- 
kogel — entstellt Rodenkohl. Wittkugel. 
Schlapkohl. 
KttbDaber IH. entstellt aus Kiffhaber s. Haber. 
Kable HI. niederd. „Grube"; in Ortsbezeich- 
nungen. 

FN. Ooldkuhle. Z^äwiAkä/ (0. Lehmkuhle). 
Leimkuhl. Sandkuhl — Sandkaul. Silber- 
kuhl. Vofskuhl. Zss. Kuhlmann. — 
Kulenkamp. 



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184 



Kuhl- 



Eurzhalz 



Ableitung auf -er (bes. westfälisch): 
Buschkühler, Flafakühler (Flachs-). 
Lehmkühler; Leimkühler, Sand- 
kühler. Steinkühler, 
Kahl-, Kalb-, Kttlb- s. Kol. 
-ktthler s. Kuhle. 

Kahn-, Ktthn- s. Kun (V., einst. K.). 
Ktthnapfel III. verderbt aus Kienapfel, wie 

Kühnbaum aus Kienbaum. 
Kahr- s. Kun (V.). 
Kttkenbiter III. niederd. ,, Küken boißer^^ ein 

kleiner Raubvogel. 
Kammer, Kttmm- s. I) Ound (V.) 2) Kun (V.). 
Kttmpel s. 1) Gund (zweist. K.) 2) Kun (V.). 
Kttmpers s. Gund (V.). 
KampfkntUler UI. „Besitzer einer ober- 
schlächtigen Mühle, deren Schöpf rad mit 
Kümpfen (Schöpfeimern) versehen ist^'. 
KUN I. 1) got. kuni, ahd. kunni, chunni, 
mhd. künne „Geschlecht, Sippe ^^ (lai genus) 
2)ahd. kuoni, chuoni, mhd. küene „kühn^S 
j!'N. Chunipald: Kumpel — Kümmel. 
Chuniger: Königer — Könker — 

Ketmeker. 

Chunihard: Kunhardt; Ounardt; 

Kuhneri; Kuhnat; zsgz. Kuhnt — 

Kunnert — Kühnert — Conard; 

Kohneri — Köhnert — Kaunert. 

Gen. Konertx. Patr. A. Conerding. 

Chunihari : Kuner — Kühner — Koner. 

Gen. Kuhners — Coners, Patr. A. 

Conring. 

Khunemar: Kummer, Vklf. (1): Küm- 

merl — Kimmerle (schwäb.). 
Kunimund: Kunimund^ — Kühne- 

mund. 
Chunrad, Chuonrat: Kunrath — Con- 
rath; Conrad — zsgz. Kuhrt — 
Curt (latinis. Curtitis) — Korth, 
Koordt — Körte — Körte — 

mit den Zss. Curtmann — Corde- 
mann — Kortniann — Ackerkurt; 
Qrofskurth; Jungcurt — Mühlen- 
kord; Schäferkord — Kordvahr 
(1640: Kortvader) — 

Kauert — Kauer — Kuhr — Kohr. 
Gen Conradts, Konrads — Koen- 
raads (sprich: Kon-, ostfries.) — 
Curdes — Kordes — Koerts (ost- 
fries.) — Kohrs, Coers — Kauers. 



Patr. A. Körting — Köhring — 

Kauring — Conradter, Patr. Zss. 

Cordsen — Corssen, 
Cunirih: Kühnreich. 
Kuniald : Kunwald, Kunold — Kiinold; 

Kühnelt; Kühnhold. Gen, Kohnholx. 
Einstämmige Kürzung Kun-. 

Kuno, Chuono, Cono: Cuno; Kühne 

— Kühne; Kkün — Kiehne — 
Künne — Cone; Kohn — Köne 

— Keune, Gen. Koens (spr. Kons, 
ostfries.); Kohnen. Patr. A. Kuning 

— Kimning. Gen. £anfft^« (Cleve). 
Vklf. (i): Kuoni (Schweiz.), Kuny. 

(1) Chunulo: Kuhnle — Kühndl; 
Kühndel — Kienle — Kohnle — 
Konle. (l + n) : Kühnlein — Kbhn- 
lein, (k) Chunico: Kunieke; Kunig 

— Kimnecke — Könnicke — Köhnke 

— König — Köng — Küng — 
Keunecke. Gen. Könkes. (k + 1): 
Kunigel. (z) Chunizo: Kunitz — 
Kunze — Cuontx — Conx, Gen. 
Kuntxen, Zss. Kunzmann — Hoff- 
kuntx; Jungkunz; Schmidkunz — 
Schmidkonz. Oberkonz. (z + l): 
Ktmxelmann — Küntxel; Künzli 
(Schweiz.) — Kienzle — Kinixle 
(Luxemburg) — Kinsele, Patr. A. 
Küntxling, (z + 1 + **) • Künzlin. 

ünorg. Bildung: Küntxer — Küntxler, 

Kttn- s. Kun (einst K.). 

Kunt- s. Gund (V., einst. K). 

Kanz-, Kttnz- s. 1) Gund (einst K.) 2) Kun 
(einst K.). 

Kaonl 8. Kun. 

Kttper s. Küfer. 

Kttppenbender HI. (Düren) „Küfer** 1). 

Kurbiseh, Karpis III. „Kürbis**. 

Kttrner s. Körner. 

Kttrsehner III. mhd. kürsenaere, vom ahd. 
chursinna, mhd. kürsen „Pelzkleid**. In 
Mitteldeutschland (Sachsen) Kirschner ge- 
sprochen. 

FN. Kürschner; in älterer F. Kürssener. 

Kkrschner — Kirschner — Oirsehner 

(s. Forste mann Progr. S. 8). 
Kttrsten s. Christianus. 
Kart 8. Kun (Chunrad). 
Karzhalz III. = Kurzhals (s. Hals). 



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Eüssewetter 



Laith 



185 



KIlBsewetter s. Eiesewetter. 
Kttstenmaeher s. Eistmaoher. 
Kttstenpfeimigr ni. Satz-N. «küsse den 
Pfennig*^ (Geizhals). Auch Küssenpfennig, 
Knster s. Küster. 

Kttster in. ahd. oustor, mhd. kaster aus lai 
costos (templi), nrspr. Hüter des Eirchen- 
schatzes und der heiligen Geräte, dann der 
bekannte Kirchendiener, haaptsäohlich im 
protestantischen Norden noch in Geltung. 
FN. Küster. Gen. Küsters (Heinsberg). 
Zss. Küstermavm, — Ohne ümlant: 
Küster (Kustermann) ; Kusterer (württ). 
Vklf. Kusterle (Gottschee). 
Niederd. Kösier, Cöster; Coster (Jever- 
land). Gen. Kösters (Borken). Zss. 
Köstennann. Patr. A. KSstering (Lippe). 
Mit dem n der schwachen Bildung 
Küstner — Kästner, 
Kttter m. ein „Hausschlächter, so in den 
Garküchen schlachtet^ (Frisch). In Pom- 
mern (Elemp. Euter — „Eütertor" in 
Stralsund), Brandenbuig. „Wursthof^^ oder 
„Eüterhof^', ältestes bekanntes Berliner 
Schlachthaus im 16. Jh. bei dem Heiligen- 
geist-Hospital. 
Kttttner HI. „einer aus Eutten" (Provinz 

Sachsen). Auch Kittner, 
Kattnif III. ein Trinkgefäß (8. 45). 

L. 

•la s. Lah. 

-lach, -laeher s. Loh. 

Laehenieht ÜI. Satz-N. Auch Laehnit. 

Laehmann s. Loh. 

Laehner ÜI. .,, einer aus Lachen'^ (0. 18 mal 
Rud.). 

-laf a) deutsch s. Laif b) slawisch, eig. slaw 
„Ruhm^\ wobei das s mit einem vorher- 
gehenden t zu z oder tz verschmilzt: Butx- 
laf (S. 6. 90). Mitxlaff („Schwertruhm"). 
Panxlaf u. a. 
-Lafk^nz s. Laurentius. 

Lagre III. in ON. kann nach Förstemann Orts- 
namen S. 128 dem ahd. läga Lage (situs) 
etwa in der Bed. „Wohnort" entsprechen 
oder einen tiefliegenden Ort bezeichnen: 
altnord. lag Senkung des Bodens, niederd. 
leeg niedrig. Fast ausschließlich im nord- 
westlichen Deutschland (auch in Flurnamen). 



FN. Zurlage. — v, Dincklage, Oraflage. 
Kamplage, Snethlage, Steinlage. Weglage, 
Lah m. 1) mhd. lache „Pfütze, Lache" 2) 
mhd. loch „Gebüsch" 3) Lage. 
F^,Kälberla. J£awZa(=Eampla). Roneria 
(1507 : Honderlage = Hunrichlage.) 
Laiber s. Laif. 

LAIC L zu got laikan „ springen '^ laik 
„Lied, Tanz", ahd. leih „Spiel" (Eampf- 
spiel), mhd. leichen „spielen" (noch in 
Luthers Bibel: wider den Stachel löken 
d. i. ausschlagen). 
FN. Lecard: Leiehardt; Leichert—Leikert. 

(Laicowig): Leggetcig, 
Einstämmige Eürzung Laie-. 

Laioo: Leich — Leyek — Liehe, 
Häufiger auslautend (60 mal Forst): 
'lieh: Gerlieh, 
'liek: Göttliek. 
'lach: Oerlaeh. 
'lei: 'leg: Thierley. 
LAIF I. zu got laifs überlebend, ahd. leiba, 
mhd. leibe Überbleibsel; daher in Namen 
wohl den Überlebenden d. i. „Sohn" bezeich- 
nend. Berührt und mischt sich mit Liub. 
FN. Leibher: Laiber, Leiber, 
Einstämmige Eürzung. Patr. A. Laiping: 

Leibing, 
Auslautend seit dem 4. Jh. (in 81 Namen 
Forst): 

1) hochdeutsch 

'leib: Isleib (vgl. nord. Isleif). 
-leb: Ortleb neben -lieby -leib, 
'lepp: Oarlepp (ahd. Gerleip). 
'lieb (Vermischung mit liub und Um- 

deutung): Oarlieb, 
'lipp: Qarlipp, 

2) niederdeutsch 

•lef: Radle ff. Gen. -lefs: Redlefs. 
'laf: Rudlaff (lat lauus, Gen. laui = 
lavi: Dytlauus, Holauus, während 
die slawische Silbe laf, eig. slaw 
durch 'laus gegeben wird: Piibs- 
laus, Stanislaus). 
LAITH I. 1) ahd. leid, altsäohs. led „leid"" = 
feindlich 2) ahd. leitjan, alts. ledian „leiten". 
FN. Lethard: Leitert. 

Leither: Leider — Leiter — Leder, 

Leitold: Leithold. 

Leidulf: Leidloff — Leüloff, 



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186 



Lamb- 



Lange 



EÜDStämmige Kürzung Laith-. 
Laitu 5,: Lethe — Leyde, 
Lamb-, LamMed s. Land (Y.). 
Lande s. Land (zweist K.)* 
Lamm- a) L 8.Land (Y., einst. K.) b) Lamm III. 
bes. wohl V. Häoserzeichen entnommen (S.60). 
Ygl. Konrad da; Lamb 1281. Zss. Zieklam. 
LItmml- 8. Land (zweist. K.) 
Lamp- B. Land (Y., zweist K.). 
Lampaiterlll. mhd.Lampartaere,, Lombarde'^ 
(Lamparten Lombardei). Heinrioh der Lam- 
parter 1329. 

FN. Lamparter\ Lamperter, Entstellt: 
Lampater; Lampeter, 
Land I. got. land, ahd. mhd. lant „Land^^ 
Seit dem 5. Jh. in £N. nachweisbar. 
FN. Landoberht: Lambraeht; Lambert; 
Lambardt — Lampreeht (im KB. 
noch 1762 Landbrecht); Lampert; 
Lamparth — Lammert — Lern- 
pert; Lemper — Lemmert; Lern- 
tner. Gen. Lambreehts — Lernt- 
tnertx — Lempertx *— Lemtnertx; 
Lemmers, Yklf. (1): Lemperle. Patr. 
A. Lammerding, 
Landfrid: La/ndfried — Lamfried — 
Lempfried; Lempfert, Gen. Len- 
fers. Zss. Landfermann. 
Landager: Länger — Lenker. 
Landohard: Lannhardt, 
Lanthar: Lander — Lender — Len- 
ter. Zss. Laniermann, Gen. Lenders, 
Landamar: Lammer — Lendemer. Gen. 

Lammera, 
Landerioh: Lendrieh, Patr. A. Len- 

derking, 
Landoald: LandoU; Landahl. 
Landoard: Landwerth. 
Landwig: Landwich, 
Landulf: Landolph, 
Einstämmige Kürzung Land-. 

Lande: Lande; Land. Gen. Landes, 
Yk\!t,([y.Lendel, (k):Lendeke^ 
Lenige — Lenke, {z)L&nzo:Lantx; 
Lantxsch — Lenxe; Lenx; Lentsch, 
Patr. A. Lansing, (z + k) Lanziko : 
Lanxke — LeTiixke. 
Zweistämmige Küi*zung Landb-. 

Lampo: Lampe (VN. Lampe Meyger 
1441 Ilsen bürg) — Lamm — Lempe 



— Lemme. Zss. Lampsma (ost- 
fries.). Gen. Lemmen, Patr. A. 
Lamping — Lammenga (ostfries.). 
Yk\f, {[): Lampei, (1) Lampulo: 
Lampel — Lammel; Lamle — 
Lämmle ; Lemmel — Lämpl, Patr. 
A. Lemling. (l-j-n): LämnUein; 
Lemltn. (k) Lambioo: Lameke; 
Lammich — Lemeke; Lembke 
(Lemmeke als Yomame Kalendar.; 
auch Lemke Ebeling «» Lamprecht 
E. 1400 Stark). 
Auslautend (44 mal Forst): 
'land: ühland, Rolandt, 
Land III. ahd. mhd. lant „Land^ a) in natür- 
lichem Sinne: Erde, Boden, Acker b) in 
politischem Sinne: Gebiet Heutzutage haben 
wir im älteren Sinne Heideland, Friedland, 
Bonlanden, im neueren Holland, England, 
Deutschland. 

FN.: Holland, Saanüand (das Samland 
in Ostpreußen , die Bemsteinküste) . Sauer- 
land (in Westf . , entstellt aus Süderland). 
Wendland (das Wendenland in Hanno- 
ver). Seeland, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) länder: Äländer (0. Aland). Aus- 
länder. Harländer (Harlanden). 
Holländer, Kurländer, Lief länder. 
Mailänder, Niederländer, Ruh- 
länder (0. Buhland). Sauerländer, 
Voigtländer. — Holender (0. 
Bolanden). 

2) -länder: Äehterlander. Ämer- 
länder, Camerlander (0. Kammer- 
land). 

-länder, -IXnder s. Land III. 

Landgraf, -grrebe s. Graf. 

Landsehade III. mhd. lantschade „Strafien- 

räuber** (s. Schade). 
LANG I. ahd. lang. Langwich. 
FN. (Langhart): Lengert, 
(Langolf): Langte ff. 
Einstämmige Kürzung Lang-. 
Lango: Lange; Lang, 
Lange a) I. s. Lang b) lU. vgl Gott ÜB. 
L: Giseke unde Tyle de Langen a. 1366. 
FN. Lange; Lang (letzteres die süd- 
deutsche F., s. Münchener Wohnungs- 
anzeiger von 1876 86 mal Lang und nur 



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Langner 



Ledold 



187 



5 mal Lange — dagegen in Münster 1877 : 
23 mal Lange, 3 mal Lang). 
Langrner in. «einer aus Langen*^ (häufiger 

ON.). 
Langohr a) I. aus Langecowerd (= Lange- 
cord 8. Kun — Schütte, Braunschw. PN.) 
b) m. Tgl. Hans v. Gumpenberg „mit den 
langen Ohren ^^ (Baom.). 
Lannhardt s. Land I. (Y.). 
Lansingr s. Land I. (einst. E.). 
Lantermann s. Land I. (V.). 
Lanwermeyer s. Schnatmeyer. 
Lanz- s. Land L (einst. K.). 
Lar IIL nach Försteraann in ON. am wahr- 
scheinlichsten zu ahd. und altsächsisoh läri 
„leer" (vgl. Öde). 
FN. V. Buttlar, Fritzlar, Oofslar, Lind- 
lar. V, üslar. 
LATH L goi lathon, ahd. ladon „laden, ein- 
laden" (zum Kampf herausfordern). La- 
thomar. 

FN. (LathaulO: Laitolf. 
Lathwesen IIL Satz-N. niederd. „laß sein" 
d. h. der es gehen läßt, wie es will. Auch 
LcUtwesen. 
Laub- s. 1) Uub (V., einst. K.) 2) Liud (V.). 
Laudert s. Liud (V.). 
-lauer s. Loh (Nebenf. für -loher in Etsen- 

lauer u. a.). 
Läufer III. Bedienter, der früher in beson- 
derer Livree vor dem "Wagen des Herrn 
herlief (noch 1815 während des "Wiener Kon- 
gresses als Sitte bei den Vornehmen); doch 
auch „laufifer" zum Einbringen der Forde- 
rungen eines Klosters (Grimm "Weistümer 
lU, 677). 
FN. Läufer — Lauffer, Zss. Wettlaufer. 
Lauff, Laumer s. EUod (Y.). 
Launhardt s. Lew. 

Laurentius U. lai „der Lorbeerbekränzte"; 
der h. Laurentius, im 3. Jh. Diakon an der 
Gemeinde zu Rom, auf einem Roste ver- 
brannt 

FN. Laurentius. Gen. Laurenii. — Lau- 
renz; Laurens — Lafrenx — Latcrenx; 
Lawerenx — Lobrentx — Leier enz; Le- 
werentx — Lieber enx — Lorenz; Lo- 
rinz. Gen. Lorenxen (Schleswig). Zsgz. 
1) Lorz, Patr. A. Lortxing (s. Pott) 2) 
Patr. Zss. Lohrenson; Lomsen 3) Lenx. 



Laurieh s. Hlod. 

Laus s. Nicolaus. 

Laut- s. Hlod (V., einst. K.). 

Lautner HI. „der die Laute spielt". Lauten- 

Schläger. 
Lautseh, Lautz s. Hlod (einst. K.). 
Lavater IE. (Spr. lafllter) aus lat. lavator 

„"Wäscher, "Walker" im Kloster (Becker). 
Laux s. Lucas. 
Law- 8. Laurentius. 
Leb- 8. 1) liub 2) Liud (V.). 
-leb s. a) L Laif b) HI. Loben. 
Leben IH. in ON. Nach Förstemann (und 
Pott, welcher die deutsche Abkunft dieses 
-leben mit triftigen Gründen verficht), liegt 
das zu liban gehörige got. laiba, ahd. leiba, 
altsäohs.leva zu Grunde, im Sinne von „ Hin- 
terlassenschaft , Erbteil ". Urspr. auf - leiba, 
-leva ausgehend haben die ON. erst nach 
1100 die Mehrheitsf. angenommen. Jetzt 
etwa drittehalb hundert deutsche ON. auf 
-leben 1) in Thüringen (an der Saale, Helme 
und ünstrut) 2) im nördlichen Schleswig 
und südlichen Jütland auf -leben und -lev. 
Neuere ON. wie Ruhleben, Langesieben 
sind mit Leben (vita) zusammengesetzt. 
FN. Älsleben. von Älvensleben. Erxlehen. 
Orobleben. von Holleben. Senftleben, 
ToUleben. v, Wartensleben. Wassersch- 
ieben (neben 0. "Wasserleben.) Umge- 
deutet: V. BüUzingslöwen. 

Mitunter verkürzt in -leb: Billeb (wohl 
aus ON. BiUeben, s. Pauli H. S. 16). 
So ferner Bä9cA%)p(0. Büßleben); Eisch- 
leb (Eisleben); Herbstleb neben ON. 
Herbsleben; Ringleb y Rinkleb neben ON. 
Ringleben; Witzleb neben v. Witzleben. 
Leberecht III. Satz-N. „lebe recht" (auch 

VN.) — doch vgl. auch Liud. 
Lebhardt s. liub. 
Lebwohl lU. Satz-N. 
Lebzelter in. „Lebkuchen- (Honigkuchen-) 

Bäcker". 
-leehner s. Lehen. 
Leder s. Laith. 

Lederer UI. mhd. lederaere „Lederbereiter" 
(Gerber) s. Reichel, Marburger Gewerbe - 
Verzeichnis Ledrer ; in München eine Lederer- 
straße. Zss. Weifsleder = Weißgerber. 
Ledold s. Liud (V.). 



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188 



Leenderts 



Lent- 



Leenderts s. Lew. 

Lefken s. Liub (einst. E.). 

Legrgewigr s. Laie. 

Lehen LH. in zahlreichen ON., wonehen auch 

'leehen herläuft, teils zu ahd. lehan, mhd. 

lehen ,, Lehen**, teils zu got. hlaiv, ahd. 

hleo, mhd. le „Hügel". 
Scheint fast nur oberdeutsch zu sein, 

daher die 

FN. auf 'lehner und - lechner (bes. in 
Österreich und bei den Salzburger Aus- 
wanderern in Ostpreußen): 

Älmoslechner (Cilli). Ängerleehner, 

Baehlehner neben Baehleehner. Berg- 

lehner. Hinterlechner. Eolxlehner, 

Koberleehner. Mitterlehner. Mooslehner; 

Mooslechner, Mühllechner, Oberlechner. 

Reühehner; Beülöhner (0. -lehen). 

Rosenlehner, Stetnieohner, Weinleehner, 

Lehmann UI. mhd. lehenman, zsgz. leman 

ein „Lehnsmann**, der kein eignes Erbe hat, 

sondern eines zu Lehen trägt, vasallus; erst 

seit dem 14. Jh. statt des einfachen man. 

Einer der häufigsten N. (S. 42). — Falsch 

latinisiert Argelander (vom griech. ägyilos 

Tonerde, als steckte „Lehm** in dem N.). 

Lehn- s. Lew. 

-lehner s. Lehen. 

Lehrenkranß in. Satz-N. = Lembeeher. 
Leib- s. 1) Laif 2) Liud (V.). 
Leibkttehler m. „Lebküchler**, von Leb- 
kuchen d. i. dünner Honigkuchen. 
Leieh- s. Laie. 
Leibundgrnt 111. (Zürich). Baraus Leiben- 

gtUh. 
Leiehnamsehneider IH. ehemalige Benennung 
für „Anatom**; im J. 1755 war Joseph L. 
Hof- und Burgpfarrer in "Wien. 
Leiehtftiß 111. ein leichtfüßiger, auch wohl 
leichtsinniger Mensch = niederd. Lichteuot 
(Klemp.), auch Lichtenuot (spr. -vot); daher 
halbniederd. Lichifufs, 
Leid- s. 1) Liud (Y., einst. K.) 2) Laith. 
Leidensehaden ÜL Satz-N.= Habenschaden. 
Leiendeelcer in. „Schieferdecker**, die Lei am 
Mittel- und Niederrhein == Schiefer (S. 42), 
altsächs. ieia, altklevisch leyo Fels. 
FN. Leiendecker; verkürzt Leidecker. 
Leilcert s. Laie. 
Leimwieder 111. Satz-N. „leime wieder.** 



Leinert s. Lew. 
Leip- s. Liud (V.). 

Leinwather m. (Zürich) „Leinwandhändler**. 
Leiß s. Liud (einst. K.). 
Leit- s. 1) Laith 2) Liud. 
Leite IE. ahd. hlita, mhd. lite „Leite, Berg- 
abhang**, seit dem 12. Jh. in ON. auftretend, 
jetzt in ein paar hundert Ortsbezeichnungen 
auf - leite , - leit , - leiten („ Birkenleiten ** eine 
Stadtgegend in München); -letUe, -leuten^ 
die alle auch einfach vorkommen; -leden. 
FN. Ächleiten. 
Viel häufiger m der oberd. Ableitung 
auf -er: 

1) -leiter: Bergleiter. Lechleiter. 
Mettenleiter. Sandleiter. Sonnen- 
leiter (an der Sonnenseite eines 
Berges wohnend). 

2) -leitner: Leitner. ÄchJeiiner. Berg- 
leitner. Fahmleitner. Eaber- 
leitner. Hochleitner. Niederleiiner. 
Oberleiiner. Sonnleühner. Stein- 
leitner. Winter leitkner. Hag- 
laitner. 

3) -leutner: Ächletähner. Hausleut- 
ner. Hochenleuthner (0. Hohen- 
leiten). Nieder letäner. Schän- 
leutner. 

-leiter s. Leite. 

Leitgeb lU. mhd. litgebe „Schenkwirt**, vom 

mhd. lit Obstwein. 

FN. Leitgeh; entstellt Leigöb, auoh Leit- 
gebel und Leitgeber. 
-leitliner s. Leite. 
Leitseh, Leitz- s. Liud (einst K.). 
Lemblce , Lemelce , Leml - s. Land 1. (zweistK.). 
Lemm- s. Land 1. (V., zweisi K.). 
Lemmerhardt 111. „Lämmerhirt**. 
Lemmerzalil ni. in älterer F. Lemmerxagel 

„Lämmerschwanz ". 
Lemp- s. Land 1. (V., zweist. K.). 
Lemtzer, Lemserlll. verkürzt ausLemnitzer 

(s. Koch, Saalfelder FN. aus dem 16. und 

17. Jahrh. Progr.). 
Lend-9 Lenfers s. Land 1. (Y.). 
Lengert s. Lang. 
Lenliard s. Lew. 
Lenlc- s. Land 1. (Y., einst E.). 
Lennartz s. Lew. 
Lent- s. Land 1. (V.^ einst K.). 



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Lentsoh 



Lmd 



189 



Lentseh s. Land I. (einst E.). 

Lenz s. a) I. Land (einst E.) b) n. Lau- 

rentius. 
Leon- 8. Lew. 
Leop-, Lep- s. Liud (Y.). 
-lepp 1) L 8. Laif 2) IIL Leben. 
Lernbeeher in. Satz-N. „leere den Becher* 

(ein Zechbruder). 
Lersehmaeher s. das Folgende. 
Lersner HL Verfertiger von lersen d. i. leder- 
nen Hosen, die zugleich Strümpfe und Schuhe 
vertraten (aus niederl. leers, laars von 
„leer*^, Leder; noch im 16. Jh.). 
Lethe s. Laith. 
Lenbe s. Liub (einst E.). 
-lentner s. Leite. 

Lefi n. hebr. Stammes -N. „Anhänglichkeit^'. 
FN. (jüd.) Levi — Levin, Lewin, Patr. 
Zss. Levysohn. Mit Artikel: Halevy. 
LEW, erweitert LEWON I. ahd. lewo und 
leo, altsächs. leo „Löwe^^ läßt sich nach 
Förstemann in einer Anzahl Namen nicht 
ableugnen (z. T. schon aus dem 5. und 
6. Jh. nachweislich: Leogisil, Levald), wo- 
durch die Ansicht, daß das deutsche Wort 
nicht aus dem Lateinischen entlehnt, sondern 
urverwandt ist, großen Halt gewinnt 
FN. Leonard: Lötcenhardt — Leonhardt 
Leonard — Lonhardt — Lönhard 
Löhner i — Launhardt — Lienhardt 
Lienert — Linhard — Lehnhard; Leh^ 
nert — Lenhard — Leinert. Gen. 
Linnartx — Lenkartx; Lennartx — 
Lönartx — Leenderis (ostfries.). 
Einstämmige Eürzung Lew-. 
(Lewo): Lötoe, 

Vklf. (1): Loire/, (k): Leweke. 
Lewald s. 1) Lew 2) Liud (V.). 
Lewerentz, Lewrenz s. Laurentius. 
Lex, Lexer s. Alexius. 
Leyek s. Laie. 
Leyde s. Laith. 
Libbertz s. Liud (Y.). 
Liberias U. FN. Borries; Borges — Bärries 

(S. 38). 
Liehe s. Laie. 
Liehti^ s. Leichtfuß. 
Liehtner in. „einer aus Lichten '^ 
Liehtwerk Hl. „Liohtgießer" (s. Schubert). 
Auch LicfUwark — LichtwerL 



Liekleder 111. Satz-N. „lecke das Leder'', 

Spottname des Schusters. 
Lieh- 8. 1) liub (V., einst E.) 2) Liud (V. 

liudb-). 

Lieheneiner ni. „einer aus Liebenhain". 
Lieherenz s. Laurentius. 
Lieherkneeht; Liehesldnd — Liehkneeht; 
Liehsehwager 111. deutliche Zss. dritter 
Schicht 
Liehetren IE. Satz-N. (S. 51). 
Lied- 8. Liud (V., einst E.). 
Lief- 8. Liud (V.). 

Liekfett, Liekefett Ul. Satz-N. „lecke Fett". 
So auch Lickieig „lecke Teig" Spottname 
des Bäckers (leckespiz = Lecker, eig. lecke 
den Bratspieß — Berthold v. Begensburg). 
Lieme s. Liud (zweist E). 
Lien- 8. Lew. 
Liep-, Lier- s. Liud (V.). 
Liesegangin. einer der „leise geht". Lis- 
ganck 1352. Vgl. Leisentritt. 
FN. Liesegang; Liesgang — Leisegang, 
Liesemeyer ni. s. Liuzo (Liud einst E.). 
Liet- 8. Liud (V., einst E.). 
Lietsehe, Lietze s. Liud (einst E.). 
Liewald s. Liud (Y.) 

Lilie ni. Sinnbild der Reiuheit (als Wahr- 
zeichen an Häusern S. 60). 
FN. Lilie, v, Lilien, Rühle v, Lilien- 
stem. V, Lilienkron, 
Limb-, Limm-, Limp- s. lind. 
LIND L 1) ahd. lint, altnord. linni „Schlange" 
(noch in Lindwurm), Sinnbild geheimnis- 
vollen Wissens (Eleemann) 2) Linde, ahd. 
linta, dann auch „Schild" (IJndenschild) 
vgl. Hildebrandslied V. 67. 
FN. (Lintbrecht): Limpreeht; Limpricht; 
JAmpert; Limper; Limbarth; 
Limmer. Gen, Limberix; Limpertx. 
Linthart: Lindart, 
(Lindher): Linder — Lintermann, 
(Lindmar): Lindemer, 
Lindoald: Lindhold, 
Lindolf: Lindelof; Ldndloff, 
Einstämmige Eürzung Lint-. 

Linto: Linthe — Lind, Qen,Lindena 
(ostfries.). 

Vklf. {V): Lindecke; Lindig, Gen. 
Lindgens, (z) Linzo : Lintx ; Lindeis, 
(z + 1) : Lintxel — Linsl (Landshut). 



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190 



Linde 



Liad 



Linde HL der eigentliche deutsche Lieblings- 
baum (man sehe die Lieder der Minnesänger 
und die Volkslieder) — im Mittelalter häufig 
Gerichtsbaum, wie noch heute Versamm- 
lungsort des Dorfes. 
FN. Linde. Lindenblatt. Lindenlavb, 
lAndenstraufs, lAndemann (Ck)nradus 
juxta tiliam 1313). 
Lindenkohl s. Kugel. 
Lindner UI. „einer aus Linden". 
Linhard, Linnartz s. Lew. 
Lins, Lint- s. Lind. 
Llnth UL Escher von der Linth s. 8. 58. 
Lintz- 8. Lind. 
Liphard s. Liub. 
Lipp- s. a) L Liud (Y., zweist E.) b) IL 

Philippus. 
LIST L ahd. mhd. list „Klugheit, Kunst ** 
(List). 

FN. (Listhart): Listhart. 
Listhar: Lister. 
Einstämmige Kürzung List-. 

Lista: List (Listmann). Patr. A. 
Listing. 
Vklf. (1): Lütl. 
LItolf s. Liud (V.). 
Litt- s. Liud (Y., einst K.). 
Litzke s. Liud (ernst K.). 
LIUB L got liubs, ahd. liub, mhd. liep „lieb*'. 
FN. Liopdag: Liebdag. 

Liubdrut w.: Liebelrut; Liebeiraut. 
Liupger: Liebcher — Lubiger — 

Lühker. 
Liubhart: Liphard — Liebert — Leb- 

hardt — Laubhardt. 
Liebheid w.: Liebheit. 
Liubheri: Lieber (Liebermann) — 

Luber — Lavber. 
Liupram: Lieberam; Liebram. 
Liubman: Liebmann — Laubmann. 
Liubirih: Liebrich; Liebreich. 
Liupwart: Liebwerth. 
Finstämmige Kürzung Liub-. 

Liubo: Liebo; Liebe; Lieb — Laub 
— Levbe. Patr. A. Liubing: Lie- 
bing. 

Yklf. (i): Liebi. (1) Liubilo: 
Liebet — Loibl (bayr.) — Luibl 
(bayr.). (1 -|- n): Lieblein, (k) 
Liuvicho: Liebig; Liebke; Liebche. 



(k + n) Liuikin: Liebehen — (nied.) 
Leßen. 
Auslautend (65 mal Forst, worunter 
21 w.): 

'lieb: Hartlieb. 
LIUD I. ahd. mhd. Uut „Yolk" (Leute) viel- 
fach nur verstärkend, z. B. Liutbald volks- 
kühn, kühn vor allem Yolk = sehr kühn 
(s. Lübben, die Tiemamen im Reineke Yos 
S. 7 ff.) — seit dem 4. Jh. in £N. nachweis- 
lich. Fließt z. T. mit Liub und Hlod zu- 
sammen. 

FN. Liutbald: Liebaldt; Liebold; Lieb- 
hold; Liebelt; Liebet; Liepold; 
Liepelt — Lippoldt; Lippelt; Lip- 
pel — Leopold — Lepold; Lepel 

— LeppeU — Luppoldt — Lubold 

— Laubhold — Jjeupold — Lei- 
poldt; Leibhold; LeipeÜ; LeibeL 
Gen. Liebholx. Patr. A. Leopolder 

— Loipolder. 

Liutperaht: Liebreeht; Liebert; Lie- 
pert — Lippert — Leopreekt 

— Lebert; Leber — Lubrecht; 
Luber — Lubbert — Lübbert — 
Laubrecht; Laubert; Lauber — 
Leupert — Leipert. Gen. Lieberx; 
umgedeutet Liebherx — Libberix 

— Lebherx — Lübbers, Patr. A. 
Ijeoprechting. 

Liutpot: Lippott. 

Liutbrand: Lüitebrand — Liebrand 

— Lübbren — Leibbrand; Leip- 
prand; Leibrand. 

Liutfrid: Lieffert; Liefer — Lefartk, 
Patr. A. Lieffering. 

Liudiger: Lüdecker — Lütger — 
Leutiger — Leidiger — Luger. 

Liudigast: Leidgast. 

Liuthard: Liethert — Luthardt — 
LtUtert — Luithardt (schwäb.) — 
Lodert — Laudert — Leuthard; Leu- 
tert — Leitert. Patr. A. Leiterding. 

Liuthari: Lieder — Luder — Luther 

— Lutter — Lüder — Leuther — 
Leiter — zsgz. Lühr — Lier. Gen. 
Ludders — Lüdders — Lüders — 
Lüters — zsgz. Lührs — Liers — 
Leurs — Luirs (ostfries.). Patr. 
A. Lüerssen. 



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Lobedanz 



Loidl 



191 



Lintrod: Lutteroth, 
Liadman : lAedemann — lAemann — 
Littmann — Ludmann — Lüde- 
mann — Lüttmann — Luhmarm 

— Leumann, 

Leudomar: Luthmer — Lummer — 

Lahmer, 
Liutmod: LehmuJth, 
LiutnaDd: LevJtenan^, 
Liuderich: Liederieh — Luhrig. 
Liudoald : Liewald — Ledold — Le- 

tcald — Ludold — Leuthold — 

Loidelt (Wien)— Leidhold; Leitelt. 

Oen. Leuthoh. 
Liadward: Lewert, 
Liutwin: Leutwein — Leidwin, 
Liudulf: Liedloff — Lüolf-- Lütolf 

— Leudolph; Leutholf; Leutloff 

— Leidolph; Leidloff — Leitlauf, 
Einstämmige KürzoDg Liud-. 

Liuto, Luto: Liethe — Lude — LiUe 

— Lüdde — Leyde, Gen. Luden 

— LtUhs — Liidden — Lütten 

— Lüthens, Patr. A. Lieding — 
Leiding, 

Vklf. (i) : Litti — Ludy — Lüiy. 
(1): Liedl — Leidl — Ludl — 
Loidl (bayr.) — Lulle — Lühl, 
Patr. A. Lüling, (k) Uudiko (Vor- 
name: Ludeke Molzan Klemp.): 
Liedtke; Liedigk — Littko — 

— Ludke — Lüdecke; Lüdike (mit 
langem ü) — Lücke (mit langem ü, 
8. auch Stark 69: Luke) — Lüttig; 
Lüttge — Lüthje (Hamb.). Zss. 
Langelütje — Leueke — Leidicke; 
Leidig. Gen. Luyken (niederrhein.) 

— Liedgens — Lüdtkens — Lud- 
deckens — Luitgens (ostfries). 
Patr. A. Lüdecking — Lücking. 
Lükermann{= Lüdeking PreußlV). 
Patr. Zss. Lüksen (fries.). (k + n) 
Ludechin: Lüdken — Lückgen — 
Luken. (z)Litizo: Lietxe; Lietsche 

— Leutxe; Leutseh — Leitxe; 
Leitsch; Leife. (z + k) Liuziko: 
Litxke — Leitxke. 

Zweistämmige Kürzung Liudb-. 

Lubbo: Lupp — Lübbe. Gen. Lübbes. 
Patr. Zss. Lübsen. 



Vklf. (k): Lübbecke; LÜbeke, 
Lüpke. Gen. Lüpkes, (z): Lubiix 
— Lippitseh. 
Zweistämmige Kürzung Liudm-. 

Lieme — Luhme — Lumme, Gen. 
Lümmen, 
Lobedanz in. Satz-N. ^lobe den Tanz** 

(Tanzfreund) 1390: Lovedans. 
Lobgrott m. Satz-N. Vgl. Dienegott, Fürchte- 

gott. 
Lobrentz s. Laurentius. 
Lobwasser HI. Satz-N. .Wasserfreund ". 
Lod- s. mod (V., einst. K.). 
Lodders s. Hlod (V.). 
LVdingr s. Hlod (einst K.). 
Mff s. mod (V.). 

LVflner IIL „Verfertiger von Löffeln*». 

Loh IIL ahd. loh, mhd. loch niedriges Holz, 

„Gebüsch* (vgl. lai lucus). In ON. Loh, 

Lohe\ 'loh^ -lohe, dkXXxAi'loch, -Iah u. -lach, 

FN. Lohe, v, Hohenlohe. — Ältenloh. 

Orünloh. Kirchloh, Kregeloh (Krähen- 

busoh?). Mandelehh. Munderloh, Niege- 

loh, Osterloh. Otterloh, Westerhh, 

Wieseloh. — Van de Loo (Geldern). 

V, Lo'e (0. Lohe in Westf.). 

Doch finden sich auch schon altdeutsche 
PN. auf -loh, z. B. Swarzaloh 8., ver- 
mutlich der jetzige FN. Schwarxloh. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'loher: Eisenloher; Eisenlohr. 
Eschenloher; Eschenlohr, Kammer- 
loher, Keferloher, Oberkammer- 
loher, Oberloher. 

2) -locher: Bärlocher, Eagenlocher, 
Haslocher, 

3) -löcher: Haslöcher, 

4) -lacfier (wie in Allach, ad. Aha- 
loh „Wasserbusch*) : Lacher, Baier- 
lacher, Bernlacher. 

5) -lauer: (Meltzer, genannt Eschen- 
loher oder) Eschlauer, Eisenlauer, 

L9hde-, Lohflnk s. Hlod (einst K.). 

Lohmann, -meyer s. Loh. 

Lohmar, Lahmer s. Hlod (V.). 

Lohrenson s. Laurentius. 

Loibl s. liub (einst K.). 

Loibner m. „einer aus Loiben* (Leoben in 

der Steiermark). 
Loidl s. Liud (einst K.). 



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J 



192 



Loidert 



-maoher 



Loidert, Loipolder s. Lind (Y.). 

LoU- 8. Hlod (einst. K.). 

Ltfloff, Lommer 8. Hlod (V.). 

Lonhardt, L9ii- s. Lew. 

Ltfimies 8. Apollonius. 

Looden s. Hlod (einst E.). 

Looff, L9pert s. Hlod (Y.). 

Lorenz- s. Laorentius. 

Lorey, Lorleh, LVrIek s. Hlod (V.). 

Lorlnser HI. aus dem Dorfe Loröns in Vorarl- 
berg stammend (s. Gedenkblätter der Familie 
Lorinser voq Dr. Lorinser 1868). 

Lorinz, Lomsen, Lortz-, Lorz- s. Lau- 
rentius. 

Lot-, Loth- s. Hlod (Y., einst E.). 

Löther s. Hlod (V.). 

Lott- 8. Hlod (V., einst E.). 

Lotsehe, Lottere, Lotz- s. Hlod (einst. E.). 

Löwe I. ni. als EöDig der Tiere von den 

Deutschen seit den Erouzzügen angesehen; 

dah. beliebtes Wappenzeiohen. 

FN. Löwe; Low (als jüdischer FN. häufig 

aus Lewy) — Leue; Leu, Latinis. Leo, 

Zss. V, Löwenclau. 

Löwald, Löwenhardt s. Lew. 

Lüb- s. Liud (V., zweist. E.) — doch 

Luber s. Liub (V.). 

Lttb- 8. Liud (zweist E.) — doch Lttbker 
8. Liub (V.). 

Lubbert s. Liud (V.). 

Lttbb- s. Liud (V., zweist E.). 

Lueas II. lat zsgz. aus Lucanus „Lukaner^; 
Lucas der Evangelist 
FN. Lucas, Lukas — zsgz. Luks, Lux — 
Laux, Gen. Lueä, Südd. Patr. Luggiser 
(8. Reichel S. 23). 

Lnehterhand III. lucht = „link*^ (Lipp- Keg*)- 

Lueins (I.) verlateint aus Ltäxe. 

Ltlek- s. Liud (einst E.). 

Lud- 8. 1) Hlod (V., einst E.) 2) Liud (V, 
einst E.). 

Lttd- 8. 1) Hlod (V.) 2) Liud (V., einst E.). 

Luggiser s. Lucas. 

Ltthl s. Liud (eiost. E.). 

Lahm- s. Liud (V., zweist E.). 

Ltthmann, Ltthr- s. Liud (V.). 

Lflersen s. Liud (V., Liuthari). 

Luibl 8. Liub (einst. E.). 

Luit- 8. Liud (V., einst E.). 

Lttk- 8. Liud (einst E.). 



Lukas, Loks s. Lucas. 

LW, Lnlfe 8. Hlod (Y.). 

Lliliiig, Lulle s. Liud (einst E.). 

Lttlwes 8. Hlod (Y.). 

Lamm- s. 1) Liud (Y., zweist E.) 2) Land. 

Lttmmen s. liud (zweist E.). 

LUND I. zu altnord. lundr „Hain, Wald". 

FN. Luntbert: Lummert, Patr. A. Lum- 
merding. 
Einstämmige Eürzung Lund-. 
(Lundo): Lu/nde; Lundt, 

Yklf. (z) Lunzo : Lum. (z + 1) : 
Lüntxel. 
Ltfnzel 8. Lund. 
Lttpke 8. Liud (zweist E.). 
Lupp- 8. Liud (Y., zweist E.). 
Lat- 8. Hlod (Y., einst E.). 
Lttt- 8. Liud (Y., einst E.). 
Latsehe s. Hlod (eiust E.). 
Latt- 8. Liud (Y.). 

Lütt- 8. 1) Hlod (Y.) 2) Liud (Y., ernst E.). 
Lflt^ebraoe III. I. „der kleine ü'unge) Bruno". 
Lttttseh wager IH. zu den Yerwandtsch.-N. 

„der kleine Schwager*^ (vgl. Kleineidam). 

Der pommei'sche Ohronist L. antikisierte sich 

in Micraelius (= micra elius). 
Latz- 8. Hlod (einst E.) 
Lax s. Lucas. 
Laykea s. Liud (einst E.). 



Maag- 8. Mag (Y., einst E.). 

Maaß 8. Math. 

Maaz 8. Mag (einst. E.). 

Maearias II. „der Selige''. 
FN. KaHus — Karges. 

Maeh- s. Mag (Y., einst E.). 

-macher III. in mannigfachen Zss., die größten- 
teils neueren Ursprungs sind: 
FN.^/»acÄ«r( Achsenmacher) ; halbniederd. 
Assenniacher. Bolxmacher. Eimer- 
macher. Fälgenmacher (s. Felgenkauer). 
Olasmacher; Gen. Glasmachers (Job. 
Glasmecher 1516 Eöln. Univ.-Matr.). 
Qrütxmacher. Kabelmacher. Kannen- 
macher. Käsemacher. Lademacher. 
Lakemacher. Lerschmacher, Pflug- 
macher. Rademacher. Sattelmacher. 
Scharmacher (Pflugschar-). Sehirm- 



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Macht 



Mahn 



193 



maeker, Sehletermaeher. Scklofsmaeher. 
Schumctcher. Spangmmacher. Spiefs- 
macher. Uhrmacher. Taschenmaeher. 
Am modernsten klingt Oeldmaeher 
(doch 8. dies W.). 

Niederd. -vtaker: KetienmaJcer, Kiste- 
maker (s. Kistmacher). Rademaker, 
Schomaker; Gen. Schomakers (Lingen). 
Tripmaker. 
Maeht-, Mtteht- s. Mäht. 
Maek- s. Mag (V., einst. K.). 
Mad- s. a) I. Math tu Mathal b) II. Mattbäos. 
M«d- 8. Mathal. 
Maferdingr s. Mag (V.). 
MAG I. zu got ahd. magan „ mögen ^^ d. i. ver- 
mögen. 
FN. (Magibald): Mehold. 
Magipert: Mebert, 
Magubrant: Makebrand, 
Magafred: Meifert; Mayffarth — 

Meffert Patr. A. Maferding, 
(Magihart): Makart; Makert — Mach- 

hard; Macher t — Meiert, 
Magher: Mager y Maager — Mancher 

— Mäker. Gen. Magers. Patr. A. 
Meiring. 

Vklf. (1): MegerU, 
Magoald: Mawoldt — Magold — 

Macklot — Makot — Machold; 

Maehlett; Machlitt — Maywald; 

Meyhold — Mehwald, Gen. Mo- 

ehoüx (umgedeutet Machholx); 

Machalx, 
(Magwart): Maehwirth — Meehwart, 
Einstämmige Kürzting Mag-. 

Mago, Macco: Mcuig — Magg — 

Mack — Mache — Mech — Meeg 

— Maye, Gen. Mäken (ostfries.). 
Vklf. (l)MegUo, Meilo: Mägele; 

Meckel — Mechel — Meyel; Meile 

— Mein (Schweiz.). Gen. Meiels. 
F&ir. A. Meiling. (\ + k): Mechelke 

— Meüicke. (k) Magico: Meicke 

— Mecke, (z) Magizo: Maax — 
MÜhtx — Meitx. (z + 1) • Mayfsel; 
Meist, 

MAGAN I. Erweitening von Mag, vgl. ahd. 
magan , megin , mhd.magen ^Kraff— großen- 
teils wohl verstärkend (s. Lübben, Progr. 
S. 10). 
Heintze, Deatsche Familiennamen. 2. Aufl. 



FN. Maganperht: Membart; Memmert 
(daraus Memmhardt), 
(Magingast): Meingast, 
Meginger: Menger — Meniger, 
Maingis: Mengis, 

Maginhard : Megenhard — Mainhard ; 

Meinert — Mennert — Mehnert 

(franz. Menard). Gen. Meinherx — 

Meinderts; Meinders; Meinte — 

Meents (die letzten vier ostfries.). 

Maganhar: Magener — Meyner — 

Mehner — Menner. Gen. Meiners, 

Maganrad: Meinrad — Menrad, 

Magnerich: Mennrich. 

Maginold: Meinold; Meinhold — 

Menold. 
Maginulf : Meinolf — Menolf, 
Einstämmige Kürzung Magan-. 

Magino, Meino, Menno, Meno (Stark 
51): Magen — Mahn — Meine; 
Meyn — Menno, Gen. Meins; 
Meinen —Menen. Patr. A. Menning, 
Vklf. (k) Meyneco, Menko, Minco 
(Stark 71): Manigk; Mahnke — 
Meinicke — Mähnicke; Mehnig — 
Menneke — Menke — Minck. Gen. 
Menniken — Meenken — Menken, 
(z) Maginzo, Meinzo: Meinx — 
Menxe, Patr. A. Menxing (Men- 
sing), (z + 1): Menxel. Patr. A. 
Menxler (Schles.). 
* Zweistämmige Kürzung Maginb - : Mampe, 
Vklf. (1): Mampel — Mämpel. 
(k): Mämecke. 
Mägdefhiu III. vgl. Jungfrau (Ennen, Ge- 
schichte von Köln), Nickse u. a. 
Magdolf s. Mäht 
Mäg:ele s. Mag (einst. K.) 
Magen- s. Magan (V., einst. K.). 
Magrer s. a) I. Mag (V.) b) III. Eigenschafts- 
wort, vgl. lat. Macer. 
Mafg s. Mag (einst. K.). 
Magister s. Meister. 
Magnus II. „der Große**. 

FN. Magnus. Patr. Zss. Magnussen 
(Schlesw.). 
Mahl-, Mtthl- s. Math u. Mathal. 
Mahler s. a) I. Mathal b) ni. = Maler. 
Mahn, Mtthnlcke s. Magan (einst. K.). 

13 



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194 



Mahnkopf 



Manz 



Mahnkopf ni. ^Mohnkopf ^^ (halbniederd. — 
oder ist das a noch vom mhd. man. män- 
koph her erhalten?). 
Mahr- s. Mar (Y., einst. E.). 
Mähr- s. Mar (einst K.). 
MÄHT I. got mahts, ahd. mbd. mäht ,,Macht^^ 
Mahtleip: Machtleb. 
Mahtulf : Machtolf — Magdolf, 
Einstämmige Kürzung Mäht-. 
Mäht: Macht. Gen. Machts. 
Vklf. (1): Mächtle. 
Mtthtz 8. Mag (einst. E.). 
Maibanni III. ein Baum , der am Maifest auf- 
gepflanzt, geschmückt und dann von der 
Jugend umtanzt wurde (Grimm Mytb. S. 738). 
Maier, Mair s. Meier. 
Mainhard s. Magan. 

MAIT I. zu got maitan, ahd. mei^an 
„schneiden, hauen ^^ (davon: Meißel). 
FN. Mei?olt: Meisolle — Mesolle — Mas- 
8oU. Entstellt in Meier Solle (Preuß 10). 
Mak- s. Mag (V.). 
Mäk- s. Mag (V., einst. K.). 
-maker s. -macher. 

Maler a) I. s. Mathal b) III. der „Maler''. 
So wird Lucas Cranach auch genannt Lucas 
Maler (S. 30). 

FN. Maler, Mahler, Zss. Bothmaler. 
Malkomesins I. lat Gebilde von dem ON. 

Malkomes in Hessen. 
Mälzer III. mhd. malzaere, melzaere „der das 
Malzgeschäft besorgende Brauknecht ", auch 
schlechtweg = „Brauer" („Mälzergasse" 
in Danzig). 
Mamp- Mäm- s. Magan (zweist E.). 
MAX I. got manna, ahd. mhd. man der 
„Mann". In EN. schon seit dem I. Jh. 
(Mannus Tac. Germ. 2). 

Da magan auch in man zsgz. wird, fließen 
beide Stämme ineinander. 
- FN. (Manhart): Mannhardt; Mannert. 
Manricus 7.: Mennerich. 
Manowald: Manold — Mannhold. 
Einstämmige Kürzung Man-. 

Manne: Manno; Mann. Gen. Manfis. 
Patr. A. Mannscfi. 

Vklf. (i):Männel. Patr. A.Männ- 
ling. (k) Mannico: Manke — 
Manncke; Mannig. (k-\-ji) Man- 
nikin : Männchen, (z) Manzo : Manx 



— Manso. (z + 1) • Manxel. (z + k) : 
Manxke. 
Auslautend (183 mal Forst). 
MAK AG I. ahd. manag, mhd. maneo „manch, 
viel". 

FN. Managold : Manegold — Mangold — 
Mengold. 
MAND I. wohl zu ahd. man^jan, mhd. menden 
„sich freuen". Albmand. Manduin. Be- 
i*ührt sich mit man. 
FN. Einstämmige Eürzung Mand-. 
Manto: Mante; Mandt — Mende. 

Vklf. (1): Mandel — Mändl — 
Mentel. (k) Mendicho: Mandtke. 
(z) Manzo : Manx — Mentx — Mense. 
(z + 1): Menxel. 
Manger III. ahd. mangäri, mhd. mangaere 
vom lat mango „Händler". 
FN. Manger — Menger. Zss. Eisenmenger. 
Fischmenger. Pferdemenger. Wad- 
menger (mhd. wät Eleidung). Ziegen- 
nienger, 
Mangold s. Manag. 

Manhenke = Meine Henke (Preuß 30). 
Manlgk s. Magan (einst E.). 
Mann- Mann- s. Man. 
-mann auslautend häufiger als jedes andere 
Wort und aus den verschiedensten Perioden : 

a) I: Oermann. Hermann. Volkmann. 

Willmann. — Fredermann — an 
Sproßformen angehängt: Qötxmann. 

b) EI: Klofsmann. Petermann. 

c) ni: Handwerks- und Standesnamen 
bildend : Schumann. Klostermann. 
Lehmann — 

auch an Ortsbezeichnungen ange- 
hängt: Eichmann — Münstermann. 
Tangemann (= van Tange). Brügge- 
mann. Soestmann. Weselmann. 
Mante s. Mand. 

Mantel lU. 1) als Eleidungsstück, ahd. mantal 
aus mittellat. mantellus. Hainrieb der Lang- 
mantel, Hartman der L., Chourat der L 
buigere ze Augspurch 1292, lat Longum- 
pallium; dann auch Langenmantel 1339. 
FN. Langenmantel. Regenmantel. Boik- 
mantel. Weifsmantel. Wintermantel. 
2) in ÜN. vom obeixi. mantel = Fichte: 
Eengmantel. 
Manz s. 1) Man 2) Mand. 



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Mar 



Marschall 



195 



MAB I. meist zu got mers, ahd. märi, mbd. 
maero „berühmt*' (vgl. das Hauptw. „Märe*') 
— wobei man „Meer* z. T. in Betracht 
kommt. Schon seit dem 1. Jh. in Namen 
gebräuchlich (Ingomar, Sigimar). 
FN. Marabald: Merboldt. 

Meriboto: Meerbotke; Meerbott. 
(Maragot): Margott — Meerguth. 
Maracher: Marer; Markerr — Mehrer, 
Maroald: Mahrwald; Marold; Mahr- 
hold — Marloth — zsgz. Mahrt — 
Mardt — Marohl — Meertcald — 
Merold, Qen.MahrhoU — Mahren- 
hoUx — Mehrolx — Meerholx. 
Merowech , Merwig : Martceg ; Marwey, 
Maruin: Meerwein. 
Einstämmige Kürzung Mar-. 

Maro, Marro, Merio: Mare; Mahr — 
Marre — Mähr; Meer. Gen. 
Mehren. Patr. A. Mähring — 
Mehring. 

Vklf. (1): Mardl — Märell; 
Mährle — Merlo. (1 + n) : Mahr- 
lein — Mährlen. (k): Mehrke. 
Gen. Mehrekens, (z) Marizo: Martx 
— Martseh — Mareis. Patr. A. 
Mertsching. (z + k) : Marixke. 
Auslautend (mar , mer , mir 247 mal Forst) : 
-mar: Dittmar. 

'tner: Dittmer. Gen. -mers: Ällviers. 
Mar- s. Mar (V., einst. K.). 
Mär- s. Mar (einst. K). 
Mareh-, Marek-, Märek- s. Mark I. 
Marens II. lat.; St. Marcus der Evangelist. 
FN. Marcus; Markes — zsgz. Marks, 
Marx (Marx als VN. im KB.). Gen . Mard. 
Mardersteigr s. Martersteok. 
Marggraf s. Markgraf. 
Margoff, Margold s. Mark I. 
MARK I. 1) ahd. marah „Roß" 2) got. marka, 
ahd. marka, mhd. marke ,, Mark '' d. i. Grenze, 
Grenzland, Bezirk (das eig. deutsche "Wort 
für das aus dem Slawischen granica auf- 
genommene „Grenze"). 
FN. Marcbert: Markberi. 

Marchard: Markart; Markert — 

Merkert. 
Marchari: Marker — Merker. 
Marcoald: Markwald — Margold — 
Markott. 



Marachward , Marcward : Markwart 
(Marqtmrd) ;Markworth ;Markwot; 
Marckord — Morquardt — Mer- 
kord. Patr. Zss. Marquardsen. 
Marculf: Markloff — Margoff. 
Einstämmige Kürzung Marc-. 

Marc: Marco; Mark — March — 
Merke. Gen. Markes — Merks. 

Yklf.(i): Märki,Merki (Schweiz.). 
(1): Markel — Merkel — Mergelt 
— Märkli (Schweiz.). (1 + i^)- 
Marklein — Märcklin. 
Mark III. in ON. 1) ahd. marka s. das Vor- 
hergeheode 2) abgeschliffen aus „ Markt'' 
(vom lat mercatus), welches sich bei etwa 
40 bewohnten 0. in Deutschland findet, z. B. 
Neumarkt; abgeschliffen Käsmark (in der 
Zips) aus Kaisersmarkt 
FN. vofi Bismarck. Freimark, von Kö- 
nigsmark. Krusemark. Schönermark. 
Uckermark. 
Mark- s. a) Mark I. b) II. Marcus. 
Markgraf III. mhd. marcgrave „Richter einer 
Mark" d. i. eines Grenzlandes. 
FN. Markgraf; Marggraf — Margraf. 
Marqaard s. Mark I. 
Marre s. Mar (einst K.). 
Marseh in. „niedriges fettes Land am Wasser" 
— in Marschkötter. Mit Ausfall des r: 
Masch. 
FN. Masch — vollständig Auf der Masch. 
Zss. Maschmeyer. 

Auch Mesch (1380: Hermann op der 
Mersch — Preuß). 
Marsehall III. ahd. marah -scalh eig. ,J^ferde- 
kneoht", dann Stallmeister, dann vornehmer 
Hofbeamter, dem die Sorge für das einhei- 
mische wie für das fremde Gesinde (Gefolge) 
zu Pferde oblag, aber auch häufig die Füh- 
rung der Nachhut im Zuge und Streite — 
und so aufwärts bis zu der bekannten hohen 
Würde. 
FN. von Marschalk — Mareschall; Mar- 
schall. Nameotlich auch bei Adelsge- 
schlechtern, die dann dem Amte zur 
weiteren Unterscheidung noch den Stamm- 
sitz hinzufügten, z. B. Marschall von 
Bieberstein. 

(In die roman. Sprachen übergeg. : franz. 
Marechal. Ital. Marescalchi Karlsruhe). 
13* 



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196 



Marstaller 



Matthias 



Marstaller III. 1) zum Marstall gehöriger 
Knecht ,. Pferdeknecht" (Klempin, S. 625: 
marstellre = stalknechte) 2) einer aas dem 
0. MarstalL 
Mart-, Marth- s. Martinus. 
Martersteek, Mardersteig III. „Unter Marter 
versteht man in den Alpen jedes Denk- 
zeichen am Wege, sei es eine Stations- 
kapelle oder ein Bild Christi am Marter- 
pfahl oder endlich ein Denkzeichen (Täfel- 
chen mit Inschrift) eines Unglücksfalles". 
(L. V. Hörmann , Grabschriften a. Marterlen 
8. XV.) 
Martinus ü. lai „ein dem Eriegsgotte Mars 
Angehöriger"; der h. Martinus, Bischof von 
Tours, gest um 400, dessen Gedenktag der 
11. November, während bei den Protestanten 
der 10. November als Martinstag zu Luthers 
Gedächtnis, der dann geboren und am 11. 
getauft, bezeichnet wird. 
FN. Martin; Marien; Marihen — Mer- 
tin; Merten. Zss. Herdemerten. Gen. 
(lat.) Martini, Mariiny — (deutsch) 
Martins; Martens — Mertins; Mär- 
tens. Zss. Martensmeyer (westf.). Patr. 
Zss. Martienfsen; Martensen — Mer- 
tinsen, 

Vklf. (1): Mörtel (Reichel). (k): 
Mertke. 
Mftrtlliuber s. Martinus u. Huber. 
Maitsch, Martz- s. Mai- (einst. K.). 
Marx s. Marcus. 
Maseh III. s. Marsch. 
Massolt s. Mait. 

Masnhr III. slawischer Yolksstamm der Ma- 
suren in dem südl. Teile der Prov. Preußen. 
Mat- s. 1) Matthaeus 2) Matthias. 
Mttt- s. Math. 

MATH I. Gi-undform zu Mathal. 
FN. Mathere: Meder, 
Mathlec: Mahlei. 
Einstämmige Kürzung Math-. 
Matto: Mäte — Mede. 

Vklf. (1): Madie, (k): Mattig — 
Mätke. (z) Mazo : Matx — Maafs. 
(z + I) Mazili: Metxel 
Matemus IL „der Müttoriiche^S 

FN. Mattem — Ternes. 
Math- s. a) I. Matbal b) IL 1) Matthäus 
2) Matthias. 



MATHAL I. got mathl, ahd. madal „Ver- 
sammlungs-, Beratungs- und Gerichtsplatz" 
des Volkes (griech. äyoQti), Fließt teilweis 
mit Mahal zusammen. 
FN. Madalhart: Mählert — Meklhari. 
Madalher: Modaler; Madler — Matt- 
ier — Mettler — Mädler — Mäkler. 
Einstämmige Kürzung Madal-. 

Madalo, Male: MahU — Madel — 
Mehle; Mehl, Patr. A. Madelung; 
Madehng — Mehling. Vklf. (k): 
MahUce. 
Matt- s. a) L Math u. Mathal b) U. 1) Mat- 
thäus 2) Matthias. 
Matte m. mhd. mate „Wiese". 

FN. Dürrenmatt. v. Kalbermatten, 
Matth- s. 1) Matthäus 2) Matthias. 
Matthäus n. hehr. „Geschenk" (Jehovah's); 
St Matthäus der Apostel und Evangelist 
(Kai. 24. Febr.). 

FN. 1) Matthäus; Matheus\ Mathees; 
Matthes; Mathes (in schlechterer 
Schreib. Mathe fs; Mattes) — Mat- 
the — Mades. Neu latinis. : Mat- 
tkesius. Gen. Matthäi — Matthei. 
Patr. A. Matthesing — MeUthäser. 
Patr. Zss. Mattheefsen; Maltesen. 
2) Im Anlaut verkürzt: Thees (in Ost- 
friesland auch VN.). Gen. Thesen. 
Patr. A. Theessinga (ostfries.). 

Zerdehnt: Thewes; Tews (Tewes 

VN., im KB. z. B. Tewes Wendorp 

1650). Debusmann (Trier.). 

Berührt sich mit Matthias, so daß die 

FF. teilweis ineinander fließen. 

Matthias IL hebr. „Geschenk" (Jehovahs) 

(= griech. Theodor, lat Deodatus); St. 

Matthias der Apostel (Kai. 24. Febr.). 

FN. 1) Matthias; Matthia; MaUhies; 

Matys; Matheis; Matthes — 

Matthix (aus der Zerdehnung 

-tthiges). Gen. MaUhiae. Patr. 

Zss. McUhiasen — Matthisson; 

Mattison; Mathiefsen. 

2) Im Anlaut gekürzt (Tias, Tics VN. 

in Tias Wille, Ties Burmester KB.): 

Thias — Thies — Theis. Zss. 

Thiesmeyer. Gen. Thiesen. Patr. 

A. Thiesing. Patr. Zss. Thiessen 

— Tissen — Theissen — Tyssen. 



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Matz 



Meier 



197 



— mit Abfall auch des t: Hiese. 
yWlMieael (der „bayrische Hiesel "). 
Zerdehnt: Tiegea; Tiega — Tig- 
ges (Tiggemann), 
Matz a) I. 8. Math b) H. » Matthäus. 
Maad s. Mod. 

MAVB L wohl Maoros „ein Maure ^^ 
FN. (Morbrand): Mokrbrand. 

Morhard: Moorkardt; Moraht. 
Mauroald: Moralt. Gen. Mohrholtx, 
Morolf: Moroff, 
£instämmige Kürzung Mor-. 

Mauro , Moro (More VN. Klemp.) : Mohr 
(Mohrmann) -—Möhre, Qen.M>hren. 
Patr. A. Moring — Möhring. 

Vklf. (1) Maurilo: Moreü — 
Möhrle. (k): Mohrig — Mörike; 
Mörke. Gen. Mörcken, 
Maurer ni. ahd. mürftri, mhd. müraere. 
FN. Maurer — mit Umlaut Meurer (der 
„Maurer" z. B. in Schweiz. Mundart, s. 
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud). Gen. 
if(n#r ers(niederrhein.). — Niederd.ifüArer. 
Maurltiiis n. lat. Ableitung yon Maurus „der 
Maurische", dem Lande Mauretanien in Nord- 
afrika angehörig. Der h. Mauritius, ein 
Afrikaner von Geburt, soll unter Diocletian 
als Anfuhrer einer christlichen Legion mit 
seiner Schar in Gallien niedergemetzelt sein. 
FN. Mauritx — Moritx (auch jüdisch, mit 
Anlehnung an Mo-se). Gen. Mauritii. 
Patr. A. Morüxer (südd.). 
Maos in. die „Maus" (Gerlac. dict. Mus 1256). 
FN. Maus, Vklf. Meusd; Meualin (der 
Mewsel, Eatz gen. 1388. Andr. Meusel, 
brandenburg. General - Superint. im 16 Jh., 
übersetzte seinen Namen in Musculus), 
Zss. Mauskönig, Mausehund. 
Mauser III. „der Schermäuse fängt*' (Bück). 
Maatner ni. mittellat. mutarius , mhd. mütaere, 
später auch mit dem n der schwachen Bil- 
dung mautner „ein Warenzoll -Einnehmer". 
FN. Mauter (Schechel der Mawter Marb. 
Urk. 1305). Mautner, 
Maats s. Maud. 
Mawoldt s. Mag (Y.). 
Maybaom s. Mai bäum. 
Maye s. Mag (einst. K.). 
Majer, Mayr s. Meier. 
Mayffiurth, Maywaid s. Mag (Y.). 



Mayßel s. Mag (einst. E.). 

Meb- s. Mag (Y.). 

Mebes, Mebos s. Bartholomäus. 

Meeh- s. Mag (Y., einst. K.). 

Meek-, Meegr s* Mag (einst. K). 

Med- s. Math. 

Meen- s. Magan (Y., einst E.). 

Meer- s. Mar (Y., einst E.). 

Meergarte s. Mar. (Als N. eines Eunstreiters 
natürlich Meergarte.) 

Meerkatz III. , niederd. Meerkatte, 

Meerrettig ni. deutlicher Pflanzen- N. 

Meersehneek III. ahd. merisnecco, mhd. mer- 
sneck Purpursohnecke; aber auch Schildkröte. 

MefTert s. Mag (Y.). 

Megenhard s. Magan (Y.). 

Megerle s. Mag (Y.). 

Mehl- s. Mathal. 

Mehlmann III. ,, Mehlhändler". 

Mehlose III. = Mehlhose, 

Mehn- s. Magan (Y., einst E.). 

Mehr- s. Mar (V., einst E.). 

Mehwald s. Mag (Y.). 

Meteke, Meiels s. Mag (einst E.). 

Meier m. a) als christlicher N. aus dem 
lat major, in dem Sinne von major villae 
oder villicus, d. h zunächst Aufseher oder 
Yerwalter eines Landgutes. In Westfalen 
entwickelte sich (nach Franz Meyer, Der 
Name Meyer und seine Zusammensetzungen) 
das Yerhältnis etwa folgendermaßen. Earl 
d. Gr. hatte die fränkische Einteilung des 
Bodens in mansi auf das Sachsenland über- 
tragen. Der ganze bebaute Boden mit 
allem Zubehör an Wald, Weide usw. hieß 
bei den Franken lat villa, deutsch marka, 
enthaltend in der Mitte den Sitz des Freien 
(hüs) mit umliegender huobe, wovon die 
liti ihre mansi bekamen. Der Haupthof 
(fränk. sala, später lat curia) bekam von 
dem Gutsherrn, wenn er selbst als ministe- 
rialis am Hofe oder als Erieger im Felde 
war, einen villicus, der den Herrn vertrat 
Die Abgabe der mansi heißt census (Zins, 
vom villicus erhoben), debitum (Schuld, 
vom Schultheiß erhoben), officium (Pflicht, 
Amt, vom Amtmann erhoben). Der den 
HflCUpthof bewohnende Yillicus war also ent- 
weder nur Wirtschafter und hatte einen 
scultetus und offlciarius neben sich, oder er 



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198 



Meier 



Meier 



übte auch deren Rechte selbst aus. Hatte 
er mehrere Höfe zu verwalten, so hatte er 
wohl wieder einen Unter - Villicus auf dem 
Vorwerke. Seit dem 11. und 12. Jh. wurden 
die villici fast überall auf bestimmte Leistun- 
gen gesetzt, weil sie oft in den eigenen Geld- 
beutel wirtschafteten. Nun entstand bei der 
Bemeierung eine Art Lehnverhältnis, wobei 
der Herr gelobte zu schützen, der Villicus 
treu und hold zu sein. Während der Lan- 
desherr durch Vögte und Gografen richtete, 
bestand das Gemeindegericht des Villicus auf 
dem Thy häufig daneben. Manche Villici 
schwangen sich zu Rittern auf (zum Stande 
des niedern Adels) und emanzipierten sich 
völlig (so in der Schweiz die Meyer von 
Knonau, v. Siggingen, v. Windeck), so daß 
die Herrschaft sich genötigt sah, die Ab- 
gaben von den maust selbst einzuziehen. 
Wo sie es konnten , zerstückelten sie daher 
den Haupthof gegen Pacht, und nun bildete 
sich das eigentliche Meierrechi Neue 
Mausen entstanden durch Waldrodung , Haupt- 
höfe wurden in Ketten zersplittert, bes seit 
dem 14. und 15. Jh. Die Hof besitzer hießen 
nun Meier, welche an Stelle des Villicus 
Teile der alten Villikation besaßen, oft nur 
auf bestimmte Zeit Schließlich wai-d das 
Verhältnis doch allenthalben erblich; die 
Meier traten eben in Erbpacht und wurden 
dauernde Besitzer, wenn auch nicht Eigen- 
tümer der Höfe. Das Recht der Abmeierung, 
welches die Herren besaßen, war, abgesehen 
von bestimmten Fällen, wo klare Gründe 
vorlagen, eigentlich nur theoretisch noch 
vorhanden. 

So in Westfalen , und in Süddeutschland 
ist (nach der von Pott angeführten Stelle 
aus Goldast rer. Alem. I, 113) wesentlich 
dasselbe Verhältnis gewesen. 

Das Meiertum ist am reichsten entwickelt 
gewesen in Westfalen, Hannover, Bayern, 
Württemberg. Von dort stammt die Fülle 
dieser FN. HofEmann zählt im Hannover- 
schen Namen buche von 1852 in der Stadt 
Hannover 234 einfache und 211 zusammen- 
gesetzte Moyer, während in dem Münchener 
Adreßbuche für 1892 1307 selbständige 
Personen den N. Maier in verschiedenen 
Schreibarten führen. 



Je häufiger in einer Gegend die Meierwirt- 
schaft, desto häufiger natürlich der Name. 
Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er 
in Hannover nirgends häufiger als im Hoya- 
sohen ur>d Osnabrückischen. Hier gehören 
die Meierhöfe meist zu den größten, weil 
die Meier, das Land der Herren bewirt- 
schaftend, leicht mehr hatten als andere 
freie Eigentümer, zumal wenn sie Besitzer 
von Vollhöfen (heile Erven) waren. Manche 
Meier hatten ganz hervorragende Rechte in 
ihrer Markgenossenschaft. 

In Ostfrieslaud dagegen, wo die Meier 
nichts als Pächter der freien Bauern sind, 
haben sie vorwiegend die kleinsten Be- 
sitzungen. 

Was nun die Schreibweise des N. anlangt, 
so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, 
was überhaupt mit so wenigen Buchstaben 
zu leisten war. An das urspr. Major^ welches 
sich auch noch als FN. findet, schließen sich 
die süddeutschen FF. am nächsten an: Uajer 

— Mayer, Mayr, Mater, Mair (im Mün- 
chener Adreßbuch in den verschieden- 
sten Schreibweisen, doch meist mit ai, ay); 
in Norddeutschland am häufigten Meyer (in 
Hoffmanns hannöv. Namenbüchlein : 234 ein- 
fache Meyer, darunter nur 3 Meier, 3 Mejer 

— 1 Maier, 1 Mayer) — außerdem Meier, 
Meyr, Meir; Mejer — letzteres noch heute 
auf dem Lande in Westfalen die gewöhn- 
liche Aussprache für Meyer und Meier, im 
Osnabrückischen auch kurz Mejjer ge- 
sprochen. Die hochdeutsche Aussprache 
auch für Mejer war stets Maier. Erst in 
diesem Jh. hat eine Familie Mejer im Hildes- 
heimischen auch die Ausspr. Mejer ange- 
nommen, wohl um sich aus der allzugroßen 
Sippe besser auszusondern. Gen. MaierSy 
Mayers (Österreich.), Meyers (Prüm), Mayem^ 
Meyem (nach der schwachen Biegung). — 
Die übrigen Ableitungen, welche Fr. Meyer 
anführt, die VklfF. Mayerl, Meyerlein, die 
Pationymika Meyering, Meiring erscheinen 
als zweifelhaft und dürften, bes. die letzteren, 
eher zu dem Stamme Mag I. gehören, s. da- 
selbst Magher. 

Im Osnabrückisohen hängt dem N. auf 
dem Lande eigentlich immer noch derappel- 
lative Charakter an, auch wenn schon eine 



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Meier 



Meier 



199 



Zusammensetzang erfolgt ist. Man geht hier 
nach heutigem Sprachgebrauch noch stets 
zum Dütemeyer, man redet noch immer von 
dem Meier zu N. Vielfach bleibt der N. 
unzusammengesetzt, bekommt aber von der 
Bauersohaft oder der Lage des Hofes einen 
Zusatz, der zum Namen gehört Solcher 
^^halbzusammengesetzten*^ N. gibt es im 
Osnabrückischen eine große Zahl. Fi*. Meyer 
führt aus dem Ämtern Iburg, Finsterau, 
VÖrden, Orönenberg, Wittlage gegen 100 N. 
dieser Art an wie: Meyer xu Ätter, M. xu 
Westrupy M, xu Farcke (aus Vorwerk ent- 
standen, woher auch M. xum Vartoick), M. 
xu Weghorst y M, xu Stockum^ M xu Alten- 
borgloh — selten mit andern Vorwörtern: 
Meyer im Hagen y M, vorm Bohne, 

Viele derON., die in diesen Bezeichnungen 
stecken, sind sonst Yöllig von der Karte ver- 
schwunden; aber der N. des Hofes bleibt, 
auch nachdem die gröBere Bauerschaft den 
ON. aufgesogen hat. Alle diese Bildungen 
sind forterbende, mindestens halbe £N., die 
zwar in der Anrede fortgelassen werden, aber 
im Oespräoh über den Dritten gäng und 
gäbe sind. So kann es kommen, daß die 
Bauerschaft Oellenbeck neben einem Meyer 
zu 0. noch einen M. zu Borchsten und einen 
M. zu Spelbrink aufweist 

Da ist es denn auch nicht zu verwundem, 
daß sich viele wirkliche Zusammensetzungen 
finden, in denen der Zusatz den Wohnort 
angibt Doch wollen wir bei Aufzählung der 
Zss. denselben Gang einschlagen, wie in der 
abhandelnden Darstellung der FN. überhaupt, 
und demnach zuerst die Zss. mit altdeutschen 
PN., dann die mit fremden (kirchlichen) PN., 
dann die nach Gewerbe und Beschäftigung 
gebildeten usw. aufzählen. Dabei bedeutet 
m. die gewöhnliche F. Meyer. 
I. Mit altdeutschen Personen -Namen: 
Akemeier (Ath). Albertsmeyer, — 

Ahrensm., NoÜem.; Meier arend{A.Tiio\d). 

— Anselm,, Afsm, (Anso). — Berenam,, 
Benningm, , Beinkem. (Bernhard , Benno). 

— Erxm, (Erich). — Qerdsm., Qer- 
Äe7wm.(Gerhard). — Henrichsm., Heinem., 
Heinxlmaier, Henkern.; Meyerhenrich, 
'heine, -henke (Heinrich) — Kordem., 
Kohrm,] Meyerkord (Konrad). Krukem. 



(Hrod). — lAesem, (Liud). — Ottom,, 
Ottm.f Ottensm.f Öttm,; Meierotto, — 
Rolfsm., Rolfin gem. (Rudolf). — Rüpelm. 
(Ruprecht). — Tiem. (Thiud). — Tramam, 
(Bertram). — Uhm. (Aud). — Wilmsm. 
(Wilhelm). 

Mögen diese Beisp. genügen ! Die meisten 
der hierher gehörenden N. wird man erken- 
nen, wenn man den altdeutschen Teil nach 
den in diesem Lexikon aufgeführten alt- 
deutschen Stämmen aufsucht. So gehört 
Badmeyer, Bahmeyer zu Bad, Hiüm, 
Hilkem, zu Hild, Lüddekem., Lükem. zu 
Liud, Detertn., Tettm., Tietm,, Tödtem.^ 
Tütem, zu Thiud. 
IL Mit kirchlichen Person-Namen: 

Christoffelsmeyer, Stofferm.{ChY\atO' 
phorus). — Clausm,f Klufsm, (Nico- 
laus). — Dreesm.; Meyerdrees (An- 
dreas). — Oallm. (Gallus). — Orolmsm, 
(Hieronymus). — Johannesm,, Johan- 
nism,, Johannsm., Johannigm., Jan- 
meyer, Hansm., Henselm.; Meierhans 
(Johannes). — Josm,; Meyerjohst (Jo- 
docus). — Martensm. (Martinus). — 
Neelm. (Cornelius). — Peterm., Pe- 
iringm.; Meyerpeter (Petrus). — 
Thiefsm, (Matthias). — Vietm, (Veit). 
IlL a) Nach der Beschäftigung benannt, 
(vielfach erst in Städten entstanden): 
Amtmeyer {y\\i\QM'&^ qui officiarius est). 
Orevem.; Qrafm. (manche M. waren 
Unter - Holzgrafen). Jägerm. , Krugm. ; 
österreichisch Kretschmayer. Richtern. 
(Eüchter Preuß 34). Schäpermeier. 
Schmidtm. Schreibm. Schröderm. 
SchuUem. (villicus, qui scultetus est). 
(Werkzeuge und Waren): Eisen- 
meyer. Olasm. Olockem.; niederd. 
Klockem. Ooldm. Kesselm. Pielm, 
(Pfeil-). Piepm. Vafsm. 

(Kleidung): Schürxmeyer. Stiefelm. 
Zwilgm. 

(Speise) : Biermeyer. Oriäxem. Milch- 
maiei'. 
b) Nach Eigenschaften: 

Alimeyer. Biederm. Blafsm. Fröh- 
Itchm. Orobm. Orotetn. (Groß-). 
Heulm. Jungm. Kleinm. Langm. 
Schönem, 



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200 



Meier 



Meier 



c) Nach dem "Wohnort: 

nach Tis chtift en : Attertneyer (}/[, 
zu Atter). Bokelm. (Bökel bei Wieden- 
brück). Kiffm. (auf der Kiffe bei Osna- 
brück). Quadkem. (früher, noch 1650 
M. to Quatke in Peingdorf , Amt Grö- 
nenberg). — Stärker verändert: Emptm. 
(1514 noch Meyger to Empten, 1650 
schon Embttm.). Deitem. (altDedinckm. 
zu Deitinghausen). Raitenm. (M. zu 
Rattinghausen) — 

nach Flüssen: DiUemeyer (zwei 
Höfe unweit Osnabrück, beide an der 
Düte). Eisern, (unweit der Else). Hasem, 
Werrem, (im Kreise Lübbecke an der 
Werra) — 

nach Bergen: Harxmeyer* Hüg- 
gelm. (im Osnabrück., am Hüggel). 

Allgemein nach der Lage des Hofes: 
Fordermeyer, Aehterm, und Hinterm. 
Miitem, ; Mütelm. ; (niederd.)3fuWe/m. ; 
Mütermaier (ahd. mittar neben mittil). 
Bndm. Winkelm, Eckm. Kniem,; 
Kneem, Stratem., Strafsm. Orenxm, 
Seknatm, = Lantcermeyer, Oberm. 
(-mayer); (niederd.) Overm. Hochm. 
Hom, Niederm.; (niederd.) Ned- 
derm,; sogar Obemiedermeyer, 

(Himmelsgegend) : Ostmeyer und 
Osterm. Westm. und Westerm, Nordm. 
(der Inhaber des „Nordhofes**). Süd- 
meyer, 

Dorfm, (das Dorf als zusammen- 
liegende Häusermasse im Gegensatz zu 
den meist ganz zerstreut liegenden 
Bauerschaften, entsteht gew. in der Um- 
gebung der Kirche und bildet sich haupt- 
sachlich aus wenigen alten Höfen). 

(Berg u. Thal) : Bergmeyer, Hügelm. 
Höwelm. (s. Hübel). Bühlm.; südd. 
Büchelmayer; Pichlmaier. Bültem. 
Brinhn.^ Bringm. Damm, (früher 
Henne uppem Damme). Thalm.; 
Thallmaier; niederd. Z>aÄ/w. Schacht- 
meyer. Kuhlm. 

(Wald u. Busch) : Holxmeyer; niederd. 
Holtm.\ (urspr. Bernt vor dem Holte 
Preuß 3). Waldm. Forstm. Busch- 
meyer. Horstm. Lohm.; Lahm. 
Struckm. (Strauch-). 



(Heide): Eeidemeyer. Niederheitm. 

(Anger und Wiese): Angermeyer. 
Wiesem.; niederd. Wischm. Driftm. 
(Trif tm. -). Plaggenm. 

(Moor und Sumpf): Braükmeyer; 
Brokm., Broehn. Siekm.^ Siegm. 
Maschm. Brühlm. Eaarm, (Hoch- 
moor-). Moosmair („Moos'' südd. 
=Moor). itfbddem.(„Modde**= Morast). 
Solm. Sumpm. PfUxemaier (Pfützen-). 
Kolkm. und Pohlm. 

(Wasser): Wassermeyer; niederd. 
WaUrm. (de Meyger over dem water 
Lipp. Reg. 1406 — jetzt Waterm.). 
Teiehm.; niederd. Dieckm, Seem. 
Brunnem. Pumpm. Bekem,; südd. 
Paehmayr. Klingm. Canalm. (in 
Emden). Brüggem.; Brückm. (1380: 
Henne up der Brücken); südd. Pruek- 
maier, Pruggm. (österreichisch). 
Springm. Stegm. Wehrm. (Wehr 
im Wasser). Sülxem.; niederd. SaUe- 
meyer. 

(Acker und dessen Beschaflfenheit): 
Kampmeyer. Kampfm. Lettenmayer. 
Marschm.; Maschm. Qastm. (,|Geest* 
leichterer Boden). Kalkm. Mergel- 
meyer. Sandm. Steinm. 

(Umfriedigung der einzelnen Hof be- 
sitzungen): Dammeyer. Waüm. Ora- 
benm. Heekem. Zaimm. Knickm. 
Pahlm. (Pfahl-). Oatterm. (Holz- 
versohlag). Twietm. 

(Auf den Hof selbst, seine GroBe und 
seine Teile gehend): Hofm. (Bewohner 
der curia, des freien Hofes). Sed^ 
mayer, Sedlmayr (häufig in Bayern). 
Vollm. Heilm. (Vollhüfner). Halbm. 
Kottm.; Kothm. (die K. haben nur ein 
Viertelerbe oder noch weniger). — 
Schünem.; Scheuerm. Stadelm.; 
Stattm. (s. Stadler). Spiekerm. 
d) Nach Erzeugnissen des Bodens: 

(Getreide -Arten): Oerstemeyer. Ha- 
berm.; niederd. Haverm. Hersem. 
Linsenmaier. Weitem. (Weizen). 
Veesenm. (Spelt). — Kkem. Oras- 
meyer. 

(Blumen, Kraut): Blom. (altBlome- 
meyer,al80 „ Blume*) Äo«enm. KrtUm.; 



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Meier 



Meoger 



201 



südd. Krütim. ScUatm, Distelm. 
Pütxm. Rethm, 

(Bäame): Bvrkenm,; Berkem; Pirk- 
mayr (südd.)- Buehm.; niederdeutsch 
Bokem.; Bökem.; südd. JWÄw. Daum, 
Eiehm.; niederd. Eickem, (1502: Got- 
schalk under den Eken). Ellerm,; 
Elsm. = Erlenm, Esekenm. Haselm. 
Hesterm. Lindenm. Pappelm. ; nieder- 
deutsch Pöppelm, — Kersem. Twtes- 
selm. (wildeKirsche). Plumm. (Pflaume). 
Kreikem, Nufsm.; niederd. Nottm. 
Hasselm, Liebesholderm. (HoUunder). 
Schiern, Dommeyer, 

Manche dieser N. , bes. die von Ge- 
treide-Arten, können auch auf die Ver- 
pflichtung zu bestimmten Fruchtliefe- 
rungen hinweisen. 

e) Nach Tieren: 

(Erzeugnisse des Hofes und ihm oblie- 
gende Lieferungen; auf dem Besitztum 
oder in der Nähe Yorkommend; auch 
vielleicht Eigenschaft der Person.) 

Viekmeyer,Boekm. ÄteÄrw. (Widder). 
Kaunt, (Kuh). Ofsm, Pferdem, Rofsm. 
Eengatm. SttUem, Ziegenm. Oetfsm. 
(Österreich.) Katxm, Vofsmeyer, 

Ooaem. Schwanem, Drosselm. 
Falkem, Finkem, Hafkem, (Habicht). 
Krehm.; Kreyfn. Kronem, Uhlem, 
— Btenm, Imkemeyer, 

Froschm, Poggenm, Krabbenm, 
Ächelkenm. (Blutegel-). — Eierm. 
Käsemeyer. 

f) Nach Verpflichtungen: * 

Deschmeyer; Dreschm. Ztnsm, 
Zehntm.; Zehetmayr (bayr.); niederd. 
Tegetm,; Tägtm.; Techtm, 

Auch Kirchm. Klosterm, gehen wohl 
auf Rechtsverhältnisse, Abhängigkeit 
von geistlichen Stiftern und Personen ; 
ebenso Abtm. Münchm.; Mönchm.; 
niederd. Mänkem, Papetn, Probst- 
meyer. 

g) Nach Berechtigungen: 

Amtm, Qrafm. Schultern, (s. vorhin). 
Saitelm, (die Besitzer der sieben Sattel- 
höfe in der Umgegend von Engern 
rühmen sich der Abstammung von 
Wittekinds Gefährten, der in E. einst 



seinen Sitz hatte wie auch sein Grab. 
Bei der Beerdigung eines von ihnen 
ward — oder wird noch? — ein ge- 
satteltes und gezäumtes Pferd voran- 
geführt — doch s. auch Sedelmayer). 
b) Als jüdischer Name (VN. und FN.) 
aus hebr. Me-ir „erleuchtend'^. Schon bei 
Josephus, jüd. Krieg VI, 5, 1 wie Mn^og; 
dann öfters in den N. von Gelehrten des 
Mittelalters, so im 12. Jb. der Bibelerklärer 
Samuel ben Meir. 
Meiert, Meifert s. Mag (V.). 
Meli- s. Mag (einst. K.). 
Mein- 8. Magan (V., einst. K.). 
Meiring s. Mag (V.). 
Meisl 8. Mag (einst K.). 
Meisolle s. Mait. 

Meister III. ahd. meistäri, mhd. meister (aus 
lat. magister, ehemals «Gelehrter, Künstler'^ 
(Arzt) , später der Dienstherr gegenüber dem 
Gesellen — in Schwaben bes. auch Abdecker. 
FN. Meister (vgl. franz. Lemaitre). Gen. 
Meisters (niederrhein.). Patr. A. Meiste- 
ring, Zss. Backrneister, Bae-, Bau- 
meister, Bürgermeister, Hagemeister; 
auch Hagemester (Münster). Mühl- 
meister; Müllenmeister, Münxmeister, 
Neumeister, Rentmeister, Rittmeister, 
Schulmeister. SchiUxenmeister, Wacht- 
meister, Wehrmeister, Weinmeister, 
Werckmeister. 
Meitz s. Mag (einst. K.). 
Meixner HI. auch Meichsner = Meifsner, 

einer aus Meißen. 
Mejer s. Meier. 
Melelier s. Melchior. 

MelcliiorlL hebr. „König des Lichtes^, einer 
der h. drei Könige (s. Caspar). 
FN. Melchior; Melcher, Gen. Melchers, 
Zss. Schneemelcher. 
Melier III. Latin is. für Besser. 
Mellies s. Ämilius. 
Melzer s. Mälzer. 

Mem- Memm- s. Magan (V., einst K.). 
Men- s. 1) Magan (V., einst K.) 2) Mand. 
Mende s. Mand. 
Mendel s. Emanuel. 
Mengelbier III. zu den Speisen u. Getränken 

(S. 46). 
Menger s. a) I. Magan (V.) b) IE. Manger. 



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202 



Mengold 



Mild 



Mengold s. Manag. 

Menn- s. 1) Magan (V., einst. K.) 2} Man. 

Mens- s. 1) Magan (einst K.) 2) Mand. 

Mentzer III. „Mainzer'', Mainz alt ^Mentz^ 
vgl. Fischart, der sich „Mentzer* nannte. 
Aber auch 0. Menz in Sachsen. 

Menz- 8. 1) Magan (einst. K.) 2) Mand. 

Merboldt s. Mar. 

Mereator ni. Latinis. für Kremer (berühmter 
Geogi'aph des 16. Jh., nach welchem die 
Karten in „Mercators Projektion* benannt 
sind). 

Mergell s. Mark I. 

Merk- s. Mark I. (V., einst. K.). 

Merkord I. = Kord Merk (Preuß 30) — 
umgedeutet Merkötier. 

Merkswohl III. Satz-N., getrennt Mercks 
wohl 1561 (Koch, Saalfelder FN.). 

Merlo s. Mar (einst. K.). 

Merode (Oraf) III. von dem 0. Merode bei 
Düren (Rhein prov.), früher Rode — aus 
„vamme Rode" (Adelslex.) 

Merold s. Mar (Y.). 

Mert- s. Martinas. 

Mertsehing, Merz s. Mar. 

Meseh s. Marsch. 

Messerer III. „Messei'schmied*. 

MessikomM* s. Hof. 

Meßmer s. Meßner. 

Meßner III. ahd. mesinäri, mhd. messenaere 
aus mittellat mansionarius d. i. Wächter 
und Hüter des heiligen Gebäudes, „Kirchen- 
diener, Küster*. Erhalten ist das ursprüng- 
liche n der ersten Silbe in der F. mensner, 
die sich noch im 14. Jh. findet. 
FN. Mefsner. Mefsmer (schwäb.) — Möfs- 
mer u. Möfsner (Wien). 

Metdepenningen III. niederd. „mit den Pfen- 
nigen*. 

Methfessel III. nach Pott => „kleines Met- 
faß*, was durch die von Koch angeführten 
Formen Modtfesgen, Metf essichen , die mit 
Methfessel in derselben Fam. während des 
16. Jh. wechseln, bestätigt wird. 

Mettler s. Mathal. 

Metzel s. Math. 

Metzger III. mhd. metziger „Fleischer* (in 
Süd- und auch Mittel - Deutschi.) 

Metzler in. ahd. meziläri , mhd. metzeler, aus 
mittellat. macellarius „Fleischverkäufer*, spä- 



ter „ Fleischhauer ^S Chunrad de macello 
1200 (Bacm.). 
Metzner HI. „ Mühlknappe ^^ (der das Metzen 

verrichtet). Doch auch 0. Metzen. 
Meule ni. niederd. „Mühle": FN. an der 

Meulen (Geldern); fe»' Meuten, 
Menrer s. Maurer. 
Mensel s. Maus. 
Mev-, Mew- s. Bartholomäus. 
Mey- s. Mag (V., einst. K.). 
Meyer s. Meier. 

Meyerbeer: der Sohn des jüdischen Bankiers 
Beer in Berlin wurde von einem reichen 
Glaubensgenossen, Meyer (s. Meier b.), der 
ein Freund der Familie Beer und ein be- 
sondrer Gönner des kleinen Giacomo war, 
zum Vollerben eingesetzt unter der Bedingung, 
daß der Kleine auch den Namen seines Gön- 
ners führe. Daher „Meyerbeer". 
Meyn- s. Magan (V., einsi K.). 
Michael H. hebr. „wer (ist) wie Gott?*, der 
h. Michael der Erzengel Offenb. Joh. 12, 7 
(S. 25 — Kai. 29. Sept.). 
FN. Michael; MichaaX; Miehal; Micheel; 
Michel mit den Zss. Michelmann — 
KleinmicheL Kuhmichel. Paulmichl. 
(bayr.). Gen. (lai) Michaelis; Michaeli; 
Michelis — (deutsch) Michaels; Michels, 
Patr. A. Micheler; Michler (oberdeutsch : 
Brieg, Saarbr.). Patr. Zss. Michaelsen; 
Michelsen (ostfiies., schlesw.). Michael- 
söhn; Michaelson (jüd. Neubildungen). 
Mlehel-, Michler s. Michael. 
Mielke s. Ämilius. 
Mießner s. Meißner. 
Miib- s. Mild. 

Milch III. in mehrf . Zss. (s. Speisen S. 46). 
FN. Buttermilch. Fettmüch. Lauter- 
milch (Lutermilch oberschwäb. 1690) 
Sattermilch. Süfsmilch. Schlegelmilch 
Schleemilch; Schlömilch (Buttermilch), 
MILD I. got mUds, ahd. milti, mhd. mute 
„mild* d. i. gütig u. freigebig. 
FN. (Mildbreht): Müdehrath — MUhreeht; 
Milbrodt. 
(Mildbrand): Mildbrand — MiUbrand. 
(Mildher): Milder — Müter, 
Einstämmige Kürzung Mild-. 
(Mildo): Milde. Gen. Milden. 
Vklf. (z) Müdizo: Milse. 



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MUlbrand 



Moras 



203 



MUltomd 8. Mild. 
MUler 8. MüUer. 
Mülles 8. Ämilias. 
Mllner s. MtUlner. 
MUse 8. Mild. 
MUter 8. MUd. 
Milz 8. Müd. 

Minek 8. Magan (ein8t. E.). 
Mlnikiis n. 8. DominioQB. 
Mlttermtziier lU. ^einer vom Hofe Mittel- 
Ratzen*. 

Mlttnaeht III. ältere Form für Mitternacht, 

ahd. mittinaht 
Mob- 8. Bartholomäus. 
M8d- 8. Mod. 

MOB I. got m$d8, ahd. mhd. maot «Mut''. 
In N. 8eit dem 4. Jh. 
FN. Mutbraht: Moppert. 
Moathard: Motard, 
Mothar: Moder — MtUher; Muth- 

herr — Müther — Mauder. 
Moderich: Mtidrich — Muihreich — 

Müttrich — Maudrtch, 
Modulf: MtUup — Multhmip; Mult- 
haupt (Preuß 7). 
Einstämmige Kürzung Mut-. 

Muodo: Mode — MoH — Möthe — 
Muih — Müth. Patr. A. Moding 

— Müting, 

Vklf. (!)•• Model — Mudel — 
MtUhel — Müttel — zsgz. Mohle 

— MoU — MtM, Patr. A. Müh- 
ling. (k): Mödig — Mtäke — 
Mügge, (z) Mozo : Motz — Mutze 

— Mütze — MatUz, (z + 1): 
Muzel — Mützel — Motzt. 

ünoiganisch gebildet: Mozart, Mozelt. 
Auslautend (137 mal Forst, darunter 
aber viele w.): 
'tnutk: Hellmuth. 
MODAL I. Erweiterung von Mod. 

FN. Modalbert: Mühlbrecht; Mühlbrett. 
(Modalfrid): Mühlfarth. 
(Modalhart): Muhlert — Mühlhart. 
Modersolm III. niederd. ,, Muttersohn '^. 
Mohle s. Mod (einst. E.). 
M5hler s. Müller. 
MShlmanii s. Mühlmann. 
Molm-, Mohn- s. Mun. 



Mohr-, MVhr- s. Maur. 

-mohr s. Moos. 

Mohrenweißer III. ,,einer aus Moh renweis'' 

(in OberbayemV 
Moldenhaaer III. ,,der die Mulden (längliche, 
ausgehöhlte hölzerne Gefäße) zuhaut*^. Auch 
Moldenhawer und Mollenhauer. 
Molfenter in. vom Hause übertragener N. 
(S. 61), vgl. Olfenten 1324. Holfenten 1374. 
Molltor 8. Müller. 
Moll 8. Mod (einst E.). 
Milien« niederd. = Mühlen, in Zss. wie 

Möllenbemd, Möllenhenne. Termöllen. 
MoUenhaner s. Moldenhauer. 
M9Uer, MöUer s. MüUer. 
Molner s. Müllner. 
Molter, MMter s. Müller. 
Mom-9 Momm- s. Mun. 
Mond- 8. Mund. 
Mondenseheln UI. „ Mondschein ^^ (in welchem 

Sinne?). 
Mondhold s. Mund. 
Mone, Monn-, MVnn- s. Mun. 
M5nk III. niederd. ^=^ Mönch, in Zss. wie 

Mönkemeyer, -möller. 
-moor 8. Moos. 
Moorhardt s. Maur. 

Moos III. ahd. mos „Sumpf, Moor^^, in süd- 
deutschen N. seit dem 8. Jh.; auch jetzt 
noch sehr häufig Moos^ mit mancherlei Zss. 
auf 'tnoos. 

FN. Moos. Zss. Guggemos. — Moosbauer. 

Moosbichler. Mooseder. Mooshammer. 

Moosmayr. Moosmüller. Moosrainer. 

— Kokemoor (westf .). Obermohr (bayr.). 

Ableitung auf -er (oberd.): Moser. Moser. 

Breitmoser. Bruckmoser. Deutelmoser 

(bayr.). Ennemoser (vgl. Ennenmoos 

in Unterwaiden). Ouggimoser. Kalten- 

moser. Lottermoser (ostpreuß. d. i. 

salzburgisch). Niedermoser, Rohr- 

moser (ostpreuß., vgl. Rohrmoos in 

Steiermark). Sonnenmoser (württemb.). 

Suppenmooser. 

Mooshake III. „Händler mit mos^^ (mittel- 

niederd.) = Eobl, Gemüse; Hake = Höker. 

Auch Mushacke. 

Mor«, Mör- s. Maur. 

Moras IH. über Maulbeeren abgezogener Wein 
— „meto, mora? unde win^' (Nib.). 



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j 



204 



Morgenbesser 



Müller 



Morgenbesser III. 8atz-N. (S. 50f.). 
Moritz s. Mauritius. 

Momewen: III. = „morgen weg" — daraus 
Momewey, Vgl. Mörnhinweg, Momenweg 
14. Jh. 
Morqnardt s. Mark I. 
Mörtel s. Martinus. 
Moser, Mlfeer s. Moos. 
Moses n. hebr. Mosohoh „der aus dem Wasser 
Gezogene" (nach 2. Mos. 2, 10). 
FN. (jüd ) Moses — Mosst — Moscheies. 
Zsgz. Mosenthal, 
Für Moses: Moritx, 
Mößmer, Mtfßner s. Meßner. 
Motard, Mtftlie, Mott, Motz- s. Mod. 
M9w- s. Bartholomäus. 
Mozart wohl zu Mod. Stoffel Motzhart 1551 
Augsb. Dies die älteste Spur des großen 
Namens; Mozarts Vater war bekanntlich 
ein geborener Augsburgor (Bacm.). 
Maekenselmabel III. (München). 
Mnd-, Mttg^e s. Mod. 
Mahl-, Mtthl- s. 1) Mod 2) Modal. 
Mttlile IIL der älteste und häufigste Ausdi-uck 
auf dem Gebiete gewerblicher Anlagen. In 
ON. gewöhnlich in der gekürzten F. -mühl 
(niederd. - möhl), daneben - f7iü^t/en(Dat.Plur.). 
FN. BrendemühL SagemÜhl, — Orevis- 

mühlen; verkürzt OrevsmühL 
Mit Verhältniswörtern : Tremöhlen, üter- 
möhlen. Zurmühlen, 
Mit der bewahrten ad. Kürze des ü: 
Müllbauer. Niederd. Mölle in Mollen- 
bemd; -benne „der Bernhard aus der 
Mühle*" (falsch verhochd. Mühlenbein 
Preuß S. 39). 
Mtthlenkampf III. „der vom Mühlenkampe'". 
Mtthler s. Müller. 
Mtthling s. Mod. 
Mtlhlner s. Müllner. 
Mahn- s. Mun. 
Mtthrer s. Maurer. 
Mttldner s. Müllner. 

Mttlleiimei8ter=Jfu^mei5^(ahd. muli,mhd. 
müle mit kurzem Vokal in der ersten Silbe). 
Müller m. schon im 14. Jh. ^der muller*", 
durch Angleichung aus mittellat multor d. i. 
molitor. Erhalten ist der T-Laut noch in 
den FN. Molter, Möller, sowie in der genet 
Büdung Mölders (westl) — mit n : Möldener. 



Gedehnt Mühler (Eindervers: „Mübler ist 
ein Boggendieb, Müblamehler Roggen- 
stehler*"). 

Mit verdünntem Selbstlauter: Miller (in 
Bayern häufig). 

Niederd. Moller — Möller — Möhler 
(Elemp. Moller, Moire). Patr. A. MoU 
lering (westf.). 

Die Hauptform bleibt Müller, die überaus 
häufig ist (S. 42), auch in zahlr. Zss., 
welche sich um so eher bilden konnten, da 
sich in manchen Orten mehrere Mühlen 
befanden (z. B. in dem Schweiz, unter- 
Embrach vier, Tobler-M. S. 74). 

1) Nach der Art der Mühle: 

Boekmüller, womit Dreimüüer (Ade- 
nau), wenn anders = Drehmüller, 
gleichbedeutend ist, da eine Bockmühle 
auf ihrem Untergestell, dem «Bock*, 
nach der Windrichtung drehbar ist 
Orütxmüller. HabermiUler, Höh- 
mühler; 'tniller (wohl = Sägemüller). 
Kommüüer. Lohmüller. ÖlmüUer; 
Ohlmüüer. Sagemüller (Varel, halb- 
niederd. =Sägem .) \Segmiller. Schneide- 
müller. WeüxmÜUer; Weitxenmiller. 
Windmüller; niederd. Windmöller. 

2) Nach dem Standort der Mühle. 

Angermüller nnd' milier, Äumüller. 
Bachmüller. Bergmüller. Bommüller. 
Bruchmüller; niederd. Brochnöüer, 
Dorfmüller; halbniederd. DorpmiUler. 
Feldmütter. Furtmüller. Beitmüüer 
(Besitzer der Heidemühle). Kampf- 
müller (s. Kamp). Klingmüller. Knie- 
möller. Mittermüller (Besitzer der 
Mittelmühle). ObermiiUer. RiethmüUer, 
Rosenmüller (Besitzer einer Mühle, 
welche die „Rosenmühle" heißt, z. B. 
im Amte Ealenberg). Seemüller. Stadt- 
müller. Stegmüller; niederd. Stege- 
möller, Teichmüller. UtUermiÜler, 
WaldmüUer, WerdmüUer (s. Wert). 
Weyermüler (der M. am Weiher). 
Wiesenmüller. 

3) Nach der Zugehörigkeit (Unter- 
tänigkeit): 

Fromüller = Frohnmüller (herr- 
schaftlicher M.). Hoffmüüer, Monke- 
möller. 



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Müllner 



Naohbauer 



205 



4) Nach der Besohaffenheit des 
Müllers (oder der Mühle): 

AjUmÜUer, Neumüller; Neumiller; 
niederd. Niemöller. Freymiäler, Grau- 
miiller, Orünmiäler, 

5) Mit Vornamen Zss.: 

Engelbrechismüller (die Engelbrechts- 
mühle bei Dachau in Bayern). Franke- 
möller, Kunxemüller; Kunsemüller, 
Marxmüller, Petermöller. WeeteU 
miiUer (wenn anders Westel aus Se- 
bastian). 
Die Zss. mit Möller sind im Nordwesten 
Deutschlands, besonder in Westfalen ein- 
heimisch. 

Mttllner m. ahd. molioäri, mhd. mulnaere 

der „Müller* (im Marburger Gewerbe- Verz. 

Mulner; noch 1691 bei Stieler „der Müllner "). 

FN. Müllner (häufig in Wien); gedehnt 

Mühlner — verdünnt Milner. Niederd. 

(Klemp. Moker) Molner. Holland. Mo- 

lenaar. 

Zss. Edelmüllner. (XtermüUner.Fraun- 
müllner. — Eekmillner. Waldmillner. 
Holt- s. Mod. 
Mumm- s. Mun. 
Man-, Mttn- s. Mun. 
MUN I. wohl 2U altnord.munr „Freude, Lust*. 
FN. Muniperht: Momhert; Momber; 
Mommert; Mommer. Gen. Mum- 
mers. 
Einstämmige Kürzung Mun-. 
Muno, Monno: Muhne — Monno — 
Mone; Mohn — Mohn. Gen. Mohns 

— Monnen. Patr. A. Mönning. 
Patr. Zss. Mohnsen, 

Vklf. (k): Muncke — Münneeke 

— Mohnike — Möhnke — Mönnich. 
(k + 1): Munkel 

Zweistämmige Kürzung Mumm-. 
(Mummo): Mumm — Momm. 

Patr. Zss. Mummsen — Mommsen. 
Mund- s. Mund. 

MUND I. ahd. munt „Schutzgewalt* (vgl. 
Vormund). In EN. seit dem 3. Jh. 
FN. (Mundher): Munder — Munter 
(Muntermann) — Munter. 
Munderich: Munderich. 
Mundoald: Mondhold. 



Einstämmige Kürzung Mund-. 

Mundo: Munte — Mund — Münte 

— Mondt. Patr. A. Munding — 
Münding — Mtmtinga (ostfries.). 

\\M. (Vy. Mündecke, (z): Munx 

— Münx — Munseh. (z -|- 1): 
Muntxel — Müntxel. 

Auslautend (144 mal Forst): 
-mund: Emund. 
-mond: Hartmond. 

Mund III. Frideric. mittemmvnde 1190. Zss. 
Ouldenmund. Laehmund. 

Mundigler III. einer aus dem rhätisohen 
Orte Mootiggl (aus lat monticulus). 

Mttnster III. ahd. monastri aus lat mona- 
sterium „Klosterkirche, Kathedrale*. 
FN. Münster. Weilmünster. 

MuiMh, Munt-, Munt« s. Mund I. 

Munter a) I. s. Mund b) III. s. Münzer. 

Münz-, Münz- s. Mund I. 

Mtlnser III. ahd. munizäri aus lat. moneta- 
rius 1) Geldpräger 2) Geldwechsler. Her- 
mann Monetarius (de Munter) 1298. 
FN. Münxer. Niederd. Munter. 

Mnsebrink HI. „Mäusebriok*. 

Mnshaeke s. Mooshake. 

Mflßigbrod lU. ein MüBiggäoger oder einer, 
der in MuBe sein Brot ißt (Rentier?). 

Müßiggang IIL (wie Irregang) „Müßiggänger*. 
Thomas M. 1447. 

Mustopf, Mustoph ÜI. aus Mustafa. 

Mnt-, Math-, Mttt- s. Mod. 

Mntsclieller IH. von Mutschelle, häufigem 
Hofnamen in den Alpen, roman. Herkunft, 
vielleicht «mottisella „Hügel* (Bück 8. 187). 

Mtttt-, Mutze, Mutz-, Mnzel s. Mod. 

Mylius IIL der deutsche „Müller*, in an- 
tikem Gewände. Eine Zss. mit Mylius ist 
Mtssomelius^ entstellt aus Mesomylius 
(Mittelmüller). 



N. 

Naatz s. a) Nath b) Ignatius. 

Nab- s. Nath. 

Naehbaner III. gekürzt aus ahd. n&hkapür, 
mhd. nächgebür der „nah Bauende* (Woh- 
nende); noch im 17. Jb. neben Nachbar. 
FN. Nachbur — Nachbaur; Nachbauer. 



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206 



Nachtigal 



Neu 



Kaehtigal III. ahd. nahtigala („SäDgerin der 

Nachf*, von galan). 
Naek-, Nttck- s. Nath. 
Kad-, Käd- s. Nath. 

NAGAL I. ahd. nagal, mhd. cagel, später 
auch zsgz. neu ^Nagel^. Der Gebrauch 
dieses Namens in EN. scheint sich auf die 
mythischen Schmieden zu gründen. Nagal- 
hard 8. 

FN. (Nagairich): Neureich, 
Einstämmige Kürzung Nagal-. 

Nagal: Nagel — Nahl — Nägd — 
Negele — Neil, 

Vklf. (1) : Nägele; Nägeli, (1+n) : 
Negelein; Nägelen, 
Nagel Ili. nach Yilmar 8. 39 in mehr als 
fünfzig damit zusammengesetzten FN. 
Fafsnagel. Hufnagel. Kupfemagel; 
niederd. Koppernagel. Nothnagel, 
Schiennagel; österr. Schinnagl. Silber- 
nagel. Spannagel, Spitxnagel, Thür- 
nagel. Wackemagel, Deutlich ellip- 
tisch: Bkmkennagel. 
Nttgel-, Nahl s. Nagal. 
Nahning, Nan-, Näning s. Nanth. 
Nahrings s. Nas. 

NANTH I. got. nanthjan wagen , nanths „kühn ^^; 
ahd. nendan, mhd. nenden wagen. 
FN. Nandbrecht: Nembhard (ausNembait). 
Nandhari: Gen. Nandera. 
Nantuic: Nentwig, 
Einstämmige Kürzung Nand-. 

Nando, Nanno, Nonne: Nanne — 
Nane — Nenne — Nonne (Nonne- 
mann). Gen. Nannen — Nonnen. 
Patr. A. Nanning — Nahning — 
Näning. — Nannenga (ostfries.). 
Vklf. (i): Nanny. (1): Nendel. 
(k) : Nanike — Nancke — Nannig 

— Nennich; Nennicke — Nenke 

— Nonnig — Nönnig, Gen. Nant- 
kes; Nantjes (ostfries.) — Nanken. 
(z): Nantx — Nenx. 

Auslautend (32 mal Forst.) : 
-nand: Wienand, 
-nant: Denant. 
Napert, Napp s. Nath. 
NAS I. got. nisan, nasjan, ahd. nerjan, mhd. 
nem ^nähren; retten •*. Nasold. Neriberaht. 



FN. Einstämmige Kürzung Nas-. 

Nasua 1.: Nasse; Nafs — Neese, 
Patr. A. Nehring. Gen. Nahrings 
(Prüm). 
Vklf. (k): Nehrig. 
Nase UI. in den Zss. 

FN. Spitx/nase (vgl. auch Halfnase 1376). 
Langnese (Heinrious Langenase 1304). 
NATH I. wohl zu altsächs. nätha, ahd. ginäda 
, Gnade ^, im Sinne von helfender Geneigtheit 
FN. Natbold: Nabold. Gen. NahhoU. 
(Natbert): Nähert; Naher; Napert. 
(Nather): Nather — Näther, 
(Nadold): Nadol, 
Einstämmige Kürzung Nath-. 
Nado, Nato: Nath — NcUhe. 

Vklf. (1) : Nadele, (1 + n): Näde- 
lin. (k) : Nadig — Nattke — Naeke 
— Näke, Gen. Nacken — Näckes. 
(k + 1): Näckel, (z)Nazo: Naatx. 
Zweistämmige Kürzung Nathb-. 
Nappo: Napp, 
Nätebns in. (niederd.) ^Nußbusch»'. 
Näth-, Nattke s. Nath. 
Naa* s. Niw. 
Neander s. Neumann. 
Nedder niederd. „Nieder" in Neddermeyery 

Nedderhut u.a. 
Neels s. Cornelius. 
Neese s. Nas. 
Negel- s. Nagal. 
Nehlsen s. Cornelius. 
Nehr- s. Nas. 
Neiber s. Nid (V.) 
Neid- s. Nid (V., einst. K.). 
Nelffert s. Nid (V.). 
Nelgebaner s. Gebauer. 
Neu- s. Nagal. 
Neip- s. Nid (V., zweist. K.). 
Neit-, Neitz- s. Nid (einst K.). 
Nel-, Neil- s. Cornelius. 
Nembhard s. Nanth. 
Nen- s. Nanth. 
Neo s. Niw. 

Nesensohn II. (Appenzell) „Sohn der Agnes". 
Nettel III. niederd. „Nessel" in Nettelbladi, 

-kamp, -Struck, 
Neu 8. Niw. 



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Neubauer 



Nid 



207 



Nenlwaer m. ein „Bauer", der sich „neu" 
auf einem (vielleicht erst von ihm urbar 
gemachten) Platze ansiedelt 
JN. Neubauer. Niederd. Niebuhr (Klemp. 
Niebur). Halbniederd. Niebauer, 
Nenb-, Nene, Neaf- s. Niw. 
Neogrebaaer s. Oebauer. 
Nenkomm III, ein „Neuangekommener". Hans 

Nuwkomm 1393. 
Nemnanii III. a) I. s. Niw b) III. ein „Neu- 
angesiedelter*^. Als FN. sehr häufig — wie 
Neustadt als ON. — auch Proselyten-N. 
(= „ueuer Mensch*^), in griech. Übersetzung 
Neander (der berühmte Kirchenhistoriker 
dieses Namens hat denselben 1806 in Ham- 
burg angenommen, ab er zum Christentum 
überti-at). 

Niederd. Niemann (in Münster 1878 
22 Niem. neben nui* 8 Neum.) — Niege- 
mann — Nigmann — Niggemann (Elemp. 
Nieman, Nigeroan). 
Neameister III. ein in die Zunft ^neu auf- 
genommener Meister*. 
Nenner, Nenp-, Ney s. Niw. 
Nibbe s. Nid (zweist. K.). 
Niel-, Nicoi- s. Nicolaus. 
Nicolaus II. griech. „Volkssieger**; Nicolaus, 
Bischof von Myra in Lycien 4. Jh. (S. 26). 
FN. Nikolaus — Nikiaus (in schlechterer 
Schreibung Nücklaus) (Orofsniklaus) — 
Nicolas; Nicola — Nielas ^ Nicklas^ 
Niklafs — Nieglas — Nieol mit den 
Zss. ÄUnikol und Nicolmarm — Nickel 
mit den Zss. Jungnickel; Kurxnickel; 
Langnickel; Mühlnickel (Nickel als VN., 
N. Hannemann 1662 KB.)— iW>p/(bayr.). 
Qen. Nicolai f Nikolay — deutsch : iWcA:«/«. 
Patr. A. Nickling — Niggeler (obord.). 
Patr. Zss. Nicolassen — Nikiassen, 
Mit Kürzung im Anlaut: 

a) Klaus, Claufs, mit der Zss. Sehäper- 
Claus (westf); Öhlclaus; Klause — 
latinis. Clausius, Oen. Klausen. Patr. 
A. Clausing — Clauser. Patr. Zss. 
Jungclaus (Gegensatz: Orofsklaus); 
Jungclaussen, 

Vklf. (1): Kläusli - Kleül; Kleifsl 
(Tirol). 

b) Klose; Kloos, Cloos; Klofs (z. T. mit 
geschärftem Vokal gesprochen , deshalb 



auch Kloss geschrieben, wohl um den 
Oleichlaut mit dem Gattungsnamen zu 
vermeiden) — verlateint Clossius, 
Zss. Klofsmann. 

c) Klafs (Klafsmann) y Klaas, Claes — 
Zss. Jungklas; Poggenklas (westf.); 
Klasmeyer (westf.); Ciasohm. Gen. 
Clafsen, Ciaassen; Clasen; Claasens. 
Patr. A. Ciafsing; Klasing. 

d) Durch Zerdehnung aus Klaus: Clawes 
(als Vorname Clawes und Nicclawes 
(Klemp.); Claws; Clabs — Klages; 
Klagge (Klempin: Klags = Klawes). 
Zss. Klagemann. Orotklags. 

e) Durch Wegfall der beiden ersten Sil- 
ben: Laus — Laves, 

-niek HI. in slawischen ON. 

FN. Jauemiek. Lesnik. Rüihnick. 
Ableitung auf -er; Obomicker. 
Nieke s. Nid (einst. K.). 
Nickel-, Nieki- s. Nicolaus. 
Niekse HL „Nixe**, auf die Wassergeister 
der deutschen Mythe zurückdeutend, vgl. 
Johannes dictus diu Nixe 1336 Bacm. 
NID I. ahd. nid, mhd. nit „Neid** d. i. feind- 
seliger Eifer und Zorn des Kriegers (Nibe- 
lungen V. 427 Lachm.). 
FN. Nidbald: Niedball — Niepold; Nie- 
pelt - Nippold; Nippel — Neipold. 
Nitperht: Niebert — Neiber. Oen. 
Neippertx. Patr. A. Nieberding. 
Nidaboto: Niepoth. 
(Nidfried): Niefert; Niefer—Nei/fert. 

Oen. Nieferx. 
Nidgar: Nieger. 
Nidhard: Niedhardt; Nietardi; Nie- 

tert — Neidthardt; Neidert. 
Nither: Nieter — Neider — Neidherr 

— Nitter. 
Nidmar: Niemer — Nimmer. 
Nidrih : Niedrich — Nittrey — Nierich. 
(Nidolt): Neidholdt. 
Einstämmige Kürzung Nid-. 

Nitho: Niete (Nietmann) — Neide; 
Neidt. Oen. Nieten — Neithen — 
Neiden. Patr. A. Nieding; Nie- 
düng. 

Vklf. (1): Niedel — Neidel — 
NitteL Fhtr. A. Niedling. (1 + n): 
Neidlein, (k): Niedke — Niecke 



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208 



Nie- 



Nohr 



— Nicke, (z) Nizo: Nietxe — 
Nixxe; Nitx; Nitxsch (Nüsch- 
mann) — Neitsch. (z + 1) • Nietxel 

— Nifsl — Neiixel. Patr. A. 
Nitxling. (z + t): Nietxschke — 
Nüschke — Neäxke, 

ÜDorganische Bildung: Neüxert. 
Zweistämmige Kürzung Nidb-. 

Nippo: Nippe — Nibbe — Neipe, 
Nie- in. niederd. „neu*, in Zas. wie Nie- 

Becker, Niemann, Niemeyer u. a. 
Nieb- 8. Nid (V). 
Niebnhr s. Neubauer. 
Nieeke s. Nid (einst. E.). 
Nied- 8. Nid (V., einst. K.). 
Niedner III. ,, einer aus Nieden^^ 
Nief- 8. Nid (V.). 
Niegremann s. Neumann. 
Nieder s. Nid (V.). 
Niejahr III. niederd. „Neujahr'*. 
Nlemann s. Neuinanu. 
Niemer s. Nid. (V.). 
Niemetz in. ein „Deutscher", poln. Niemiec. 

Auch Niemeitx — Nimx. 
Niep-, Nierich s. Nid (V.). 
Niermann III. = Niedermann, nach der 

tieferen Lage der "Wohnstätte; vgl. Tor- 

nedden, 

Nieß s. Dionysius. 
Niet- 8. Nid (V., einst K.). 
Nietz- 8. Nid (einst. K.). 
Niewert s. Niw. 

Niggemann, Nlgmanii s. Neumann. 
Niggeler, Niggi s. Nicolaus. 
Nüi- 8. Nicolaus. 
Nimmer s Nid (V.). 
Nimz 8. Niemetz. 
Nipp- 8. Nid (V., zweist. K.). 
Nißl 8. Nid (einst. K.). 
NItsch, Nitz 8. Nid (einst K.). 
NIW I. ahd. niwi, mhd. niwe „neu (jung)". 
FN. (Niwipald): Naubold, 

(Niwipert): Nieweri — Neubert \ Neu- 

pert; Neuber; Neuper — Naubert; 

Naupert, 
Neufred: Neufert. 
(Niwiman): Neumann — Naumann 

(Nau noch in manchen Landschaften 

mundartlich = neu, s. Koch S. 18, 



der es für Saalfeld bezeugt; auch 
Bück S. 189). 
Niward: Nauert. 
Mit erweitertem Stamme Niwun-. 

Niwunheri: Neuner, 
Einstämmige Kürzung Niw-. 

Nivo: Neo — Nette; Neu — Neye^ 
Ney — Naue. Gen. Neyen^. 

Nixe ni. 8. Nickse. 
Nizze 8. Nid (einst. K.). 
Noack 8. Nowack. 
Nob- 8. Nod (V., zweist K.). 
Nobbe, NVbbe s. Nod (zweist K.). 
Noek- 8. Nod (V., einst K.). 
N»cker s. Nod (V.). 

NOB l. got nauths, ahd. mhd. not „Not, 
Kampfdrangsal; eifriges Streben*'. 
FN. Nodbert: Nootbaar — NobeH — 
Nopper, Gen. Noppers. 
Notakar: Nötiger — Noeker — Nöeker. 
Nothart: Nothardt. 
Nothar: Noder — - Notter — Nöther 

— Nohr. Patr. A. Nöhring — 
Noderer. 

(Notleih): Nöthlich — Nölich, Gen. 

Nöthlichs. 
Nodulf: Nolohf, 
Einstämmige Kürzung Nod-. 

Noto! Noth, Noodt — NoH — Nöthe. 
Gen. Noihen — Nöthen. Patr. A. 
Nöding — Nuding, 
Vklf . (1) : Nödel — Nötel — Noüe 

- Nohl. 

Patr. A. Nötfding — Nüdling, (k): 
Nocke, (z) : Nootx — Notx (Notx- 
mann); Nofs, (z -f- O- Notxel; 
Nöfsl. (z-f 1+n): Nötxlin, (z+k): 
Notxke — Nöfske, 
Unorg. Bildung: Nötxold, 
Zweistämmige Kürzung Nodb-. 

Noppo: Nobbe — Nöbbe — Nube, 
Vklf. (1) Nopelo: Nobel - Nopel, 
Patr. A. Nobiling (nach dem be- 
kannten Mordversuch auf K. "Wü- 
helm I. von einigen Gliedern der 
Familie in Edeling verwandelt). 
Auslautend -not (41 mal Forst): 
-not: Adnot. Oemoth, 
N9d-, Nohl 8. Nod (einst K.). 
Nohr, Nöhring s. Nod (V.). 



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Nold- 



Öd 



209 



Nold-, y^ld- 8. Arin (Arnold). 

N9Iken s. Arin (Arnold). 

NoUe, NoU 1) 1. 8. Arin. 2) I. s. Nod 
(ftinst. K.). 

Xololif , NWich 8. Nod (V.). 

Nolt-, y»lt- 8. Ann (Arnold). 

Xon-, N»E- 8. Nanth. 

Xonnenmaeher III. ^Sch weine8chneider'^(mhd. 
nnnne, nonne ^verschnittenes Schwein*^). 
Auch Nunnenmaeher, 

yonnenpredigrer III. (Pyritz) „der die Ver- 
pflichtung hatte, im Nonnenkloster zu pre- 
digen**. 

Noodt, Xoot-, Nopel s. Nod. 

Nopper 8. Nod (V.). 

NORD I. ahd. nord „Norden**, ebenso wie die 
drei andern Weltgegenden in EN. gebraucht. 
FN. Norderaan: Nordmann — Nonnann, 
Norrmann. 
Nordoalt: Nordahl. 
Nord wich: Nordicig. 
Einstämmige Kürzung Nord-. 

Nordo: Nord, Nor dt. North — Nörr, 
Gen. Norda (ostfries.). 
Vklf. (z): Norx.. 

Normann, North, Norz s. Nord. 

Noß-, N»ß- 8. Nod (einst. K.). 

Noth-, N»t-, Nott- 8. Nod (V., einst. K.). 

Nott ni. niederd. „Nuß**, in Nottebroek, Nott- 
meyer u. a. 

Nottebolmi III. niederd. „Nußbaum**. Auch 
Nottebaum, Nuitebaum (halbniederd.) 

Ntfttfer 8. Nod (V.). 

Notz-, NVtz- 8. Nod (einst K.). 

Nowaek III. aus slawisch Nowak der „Neue, 

Neuangekommene** = AVi/wian». In seinen 

verschiedenen FF. im Osten Deutschlands 

weit verbreitet. 

FN. Noicack, Noicag — Noack — Nohak. 

Nabe s. Nod (z weist. K.). 

NtLeklans s. Nicolaus. 

Nndinsr, Nttdling s. Nod (einst. K). 

Nnnnenmaeher s. Nonnenmacher. 

Ntb*mberger III. „Nürnberger**, alt Nurem- 
berger 1507. 

Nnßpieker III. von mhd. bicken : „hauen mit 
einem spitzen Werkzeuge**. 

Nattebanm s. Nottebohm. 

Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Aufl. 



-0 1) deutsch: die häufigste Endung der ver- 
kürzten Namen, jetzt meist durch das 
charakterlose e ersetzt oder ganz abgeworfen 
(S.22). 

2) slawisch: ebenfalls in verkürzton Per- 
sonen -N., die dann als FN. verwendet 
werden, z. B. Hanzo, Hanzko (Hantschko) 
von Johannes. 

Mitunter ist auch o entstanden aus ow 
(urspr. slawische Endung für ON.) durch 
Abfall des stummen w: Fafiselo, Calo, 
V. Ploiho (0. Plathow), Wosstdlo, welches 
früher noch häufiger weggelassen wurde; 
so findet sich in KB. Büto , Zastro statt des 
jetzt üblichen Bütow, Zastrow. 

Ob- 8. Aud (V., z weist K.). 

ob- s. Aud (zweisi K.). 

Obbermann s. Aud (V.). 

öbb- 8. Aud (zweist. K.). 

Obenauf III. „der immer obenauf ist**. Ähn- 
lich ObefiaUs ., obenhinaus**. (Hans Boven- 
uth 1460.) 

Obenderhabighorst UI. bemerkenswerter 
westf. N., vom Wohnorte hergenommen. 

Oberste in westf. N. zur Unterscheidung der 
Genamen (Namensvettern) benutzt, z. B. 
Oberste ' Stetnhorst '^dQT zu oberst woh- 
nende St. Obrist und Zobriat (= zu oberat 
Schweiz.). 

Obser III. mhd. obe^aere, jetzt oberd. Obßer, 
hochd. „öbster, Öbstler**. 

Oehs in. mit der Vklf. Öchsle und den Zss. 
Ochsenbein und (niederd.) Ossenkop. Vgl. 
Job. zum Ochsen 1412 (Hauszeichen). (Doch 
Ochs vielleicht = ahd. Otgoz 1100, Ocoz 
oder auch Otgis, beides zum Stamme Aud.) 

Oehsner III. mhd. ohsenaere „Ochsenhirt, — 
bauer** — Öchsner, entstellt Exner, 

Oek-, Ock-, Od- s. Aud (V., einst. K.). 

Od III. In Süddeutschland ungemein zahl- 
reiche ON. auf 'öd (Altenöd), -ed, et, edt 
(Einet). Bei dem Mangel entscheidender 
alter FF. ist Jiierbei an got auths, ahd. odi 
mhd. oede „Öde, leer** zu denken, falls nicht 
aogels. ead, altnoitl. audhr „Besitz** größeren 
Anspruch darauf hat 
FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bayr., 
österr.) : 

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210 



Öddel 



Oppenhövel 



1) 'öder („die Leute, die einst ia der 
Öde wohnten, die Söhne der Ein- 
öde^ Steab) nur in Zss.: Ämeisöder, 
Manxenöder. Schusteröder, Vgl. der 
Fiachsöder 1490. 

2) 'Otter: Köntgötter (entstellt Kenn- 
götter). 

Meist infolge der „alten Unart der 
Bajuwaren, ö und e in der Aussprache 
nicht zu unterscheiden^ (Steub) in e 
verwandelt, daher 

3) Eder, urspr. Öder (vgl. Albertus öder 
1262). Ällertseder.Alteneder. Breiten- 
eder, Buchneder (0. Buohenöd). 
Füeheder neben Fischöder. Greifen- 
eder, Habereder. Haseneder. Hoch- 
eder. Kroneder, Luccueder, Mitter- 
eder. Mooeeder, Niedereder, Obereder, 
Pauleder. Permonec^er (0. Permanöd). 
Boseneder, Spitxeder, Steineder, 
Ziegeleder, Engleder. Herleder, Wendl- 
eder, — Lempenxeder (zu ad. lArapo). 
Manxeneder; daneben ^anxnetter, 

4) -eter: Eppeneter. Hemeter (= Heim- 
öder). iScÄ/o^c^cr (auch in Ostpreußen). 

IVeileier. Breitsammeter (Einöde 
Breitsameten in Oberbayern). 

5) -etter: Moseiier, Obemetter. Panx- 
etter, JScharfetter (in Salzburg und 
Ostpreußen); in der Namenliste der 
Eingewanderten bei Beheim- Schwarz- 
bach Schar ffitter. Vgl. Stephan 
Scharffeder 1407). 

6) -ettner: Schar fettner. 

7) entstellt -ieder: Geifselsieder. Hutxel- 
sieder (Steub S. 147). 

öddel, öding, Oet- s. Aud (einst. K.). 
OeQen, Oetken s. Aud (einst. K.). 
Of-, Off- s. Aud (V., zweist. K.). 
öfele, öff- s. Aud (zweist. K.). 
öflkier III. mhd. ovenaere „Ofensetzer''. 
Oheim III. mhd. öheim „ Mutter bruder'^. 
Ohfen s. Aud (zweist. E.). 
0hl- s. 1) Ald 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 
öhl- 8. 1) Aud (einst K.) 2). Othal (V.). 
Ohlenmaeher III. „Töpfer" (s. Euler). 
OhlenschlUger, Öhlen- s. Öhlschläger. 
Ohlmann a) I. s. Othal b) UI. „Ülhändler^ 

Verlateint Olearius (S. (53). 
öhlschlttger UI. „Ölpresser". 



FN. Öhlsohläger; ÖhknsoMäger — Ohien- 
sehläger — Öhligsehläger — Oüig- 
sehläger (vgl. ölich Weist HI, 296, 
niederd. Ölje; auch dänisch olle, olie- 
slaaer). 

Ohm UI. aus Oheim zsgz. mhd. ome „Oheim ^^ 
(Ohm auch ein Zunftgenoß bei den Münzem, 
desgl. Ohmschaft •» societas monetarionun). 

Ohm- s. Aud (zweist K.). 

öhm- s. Aud (V, zweist K.). 

Ohnesorgr^ UI. vgl. Gemod diot Aneaorge. 
Daher noch jetzt Ansorg, 

Ohorn UI. 0N. = Ahorn. 

Ohr UI. in den Zss. Langohr; Weibelohr 
(„Wackelohr"). 

Ohrt s. Oi-t I. 

Ohst s. Aust. 

öh»rt s. Aud (V.). 

Ol- s. 1) Ald 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 

öl- s. Othal (V., einst K.). 

Olbtfter UI. niederd. „ Altbüßer d. i. Altflicker ^• 
(in Stettin ein „Olböterberg"). 

Olde s. Ald. 

Ölhafen III. FN.t?. Öhlhafen (mit einem Ölkrug 
im Wappen, Pott S. 654). 

011- s. Ald. 

ÖU- s. Othal (V., einst. K.). 

OUigschläger s. Öhlsohläger. 

01t- s. Ald. 

Omels s. Ameis. 

ömering s. Aud (V.). 

0mm- s. Aud (V., zweist K.). 

Ondereyck III. niederd. (Krefeld) „unter der 
Eiche". 

Onkeu, Onnen s. Un. 

Oost s. Aust. 

Op - s. Aud (V., zweist. X.). 

Opdenhof III. (Wesel) niederd. „auf demHofe*'. 

Opderbeck III. niederd. == ob der Beok „ober- 
halb des Baches". 

Opfermann III. „der das Kirchenopfer in 
Empfang nimmt "= Küster, früher allgemei- 
ner in Niedersachsen, jetzt noch in Braun- 
schweig (Hoffmann). 
FN. Opfermann — Offennann (vgl. Opfer- 
geld und Offergeid). Niederd. Opper- 
mann (doch s. auch Audeberht). 
Opke, Opp-, Öpp- s. Aud (V., zweist K.). 
Oppenhövel III. „auf dem Hübel". 



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Oppenkamp 



211 



Oppenkamp HI. „auf dem Kampe ^S 
Oppermaim s. a) I. lud (V.) b) III. Opfer- 

maim. 
OpteMhVflrel ni. niederd. „auf dem Hügel*'. 
Oitan 8. ürban. 
Ord- 8. Ort I. 
Orirl^r ni. „Orgelspieler". 
Ornold s. Arin. 
Ort-, ort 8. Ort I. 
-ort in ON. s. Ort III. 
ORT I. ahd. mhd. ort „Schärfe, Spitze", bes. 
des Schwertes und Speeres. 
FN. Ortgis: Ortgies, Gen. Ortgiesen. 
Ortlaip: Ortleb; Ortlepp; Ortlöpp, 
Ortliub: Ortlieb, 

(Ortman): Ortmann — Ohrtmann, 
Ortolt: Ortdt — ÖrteU, 
Ortwin: Ortwein, 
Ordulf: Ordolff - Ortloff, 
Einstämmige Kürzung Ort-. 

Ordo, Ort: Ort, Orth — Ohrt. 

Vklf. (1): OHel — Örtle; ÖrteL 
Patr. A. Örthling. 
Ort III. in ON. a) „Vorgebirge" (z. B. Brüster- 
ort ander ostpreußischen Küste) b) „Winkel", 
bes. bei Flußmündungen (z. B. Ruhrort). 
FN. auffm Ordt. Ruhrart, v. Scharfen- 
ort, Steinort, Vierordt, 
Os-, Oß-, ös- 8. Ans (V., einst. K.). 
Oß lU. niederd. „Ochse", in Ossenkop, Ofa- 

i/ieyer u. a. 
dschhey III. mhd. eschheie „Hüter der Feld- 

Üur, Flurschütz". 
Oslander III. von einem fränkischen Schmiede 
Hosemann abstammend und halb vergriecht, 
„so daß die Hose, freilich ohne Asper, daran 
hängen blieb" (Pott). 
Ost-, Ost- s. Aust. 
Oster-, öster- s. Austar. 
Oster III. vom Umstandsw. ahd. ostar, mhd. 
oster „ostwärts, östlich", in mannigfachen 
Zss. : Osierbrink; Oster brauk (-bruch); 
Osterkamp — Ostenneyer u. a. 
08t«rt«f III. zu den Zeitnamen (s. Tag); vgl. 

Grav Friedlich zolr der Ostertag 13*15. 
Ot-, Oth-, Ott-, öt- 8. Aud (V., einst. K.). 
OTHAL I. ahd. nodal, odhil „Erbgut; Hei- 
mat". Vgl. Aud. 

FN. Odalbreht: Ohlbrecht — Olbricht — 
Ölbracht — Ulbrecht; Ulbricht; 



Ulber (Ulbermann), Gen. Olbertx; 
Olbers — Ülpt3 (ostfries.). 
Odalfried: Ulßrt. Gen. Olfers — 

Ulffers, 
Odalgar: Ölker, Gen. Öhlckers. 
Odalgart: Ölgard; Ölgarte. 
Odalhart: Ohlert — Ölhardt; Öhlert, 
Uodalhari: Uhler — Ulfierr, Gen. 

Öhlers — Öllers, 
Odolleip: Olepp. 
Odolland: Ohland — Uhland, 
Uodalman: Öhlmann — Uhlmann — 

Ullmann. 
Uodalmar: Ullmar, 
Uodalrich: Olerich — Ölreieh — 
Öllrieh — ühlrich — Ulrich; 
Ullreich; Uldrich; Ullerich, Gen. 
Öhlrichs — Ulrichs, Patr. A. 
Öhlerking, 
Odalwin: Ohlwein — Ölwein. 
Einstämmige Kürzung Othal-. 

üdilo: Ute — ÜhU, Gen. Uhlen, 
Vklf. (i): Ä)cÄw/» (Schweiz.). (1): 
Ölke — Öllig — Uhlig — UUich, 
Gen. C/w^!to (ostfries.). {z):Uhlitxsch 
(Kgr. Sachsen) — Ultxsch, Gen. 
Öltxen. 
Zweistämmige Kürzung Othalm-. 
Vklf. (k): Ulmcke, 
OttUiae I. Vklf. zu weibl. Oda (s. Aud) — 
Muttemame (Wernigerode 1880). Auch 
Ottilige — Odiliae, (Doch gibt es auch 
einen 0. Ottilia und mehrere Ö. St. Ottilien). 
ötz- s. Aud (einst. K.). 
Oferbeek III. niederd. „der oberhalb des 
Baches Wohnende (s. Bach) — halb hochd. 
Oberbeck, Over = ober auch in Overberg, 
Overdieck, Overkampj Overweg, 
-ow ni. in uispr. slawischen ON., die eigent- 
lich besitzanzeigende Eigenschaftswörter auf 
owy, owa, owo sind, den von dem Namens- 
träger gegründeten oder besessenen Ort be- 
zeichnend. So bildet sich von dem N. Grab 
(Weißbuche) das Eigenschaftswort grabe wj% 
-a, -0, welches nun mit Ergänzung eines 
Hauptwortes wie was (weibl.) = Dorf, mjesto 
(sächl.) = Stadt zum ON. gestempelt wird, 
also Grabowa, Grabe wo (= „der Grab'sche 
Ort"), Viduchowa „der Widoch'sche Oit 
(vom PN. Vidoch) — Formen, die sich in 

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212 



-ow 



Pand- 



slawischen Gegenden noch häufig finden, 
während in den schon länger germanisierten 
Landschaften des nordöstlichen Deutschland 
der Endvokal abgefallen und die Endung ow 
(mit stummem w, das auch mitunter in der 
Schreibung weggefallen, s. -o) herrschend ge- 
worden ist: OraboWj Fiddichow, 

Daher nun die vielen ON. — von Städten, 
Dörfern, auch Flüssen, z. B. Warnow — 
auf ow, deren im östlichen Deutschland 
Legion ist, und die fast ebenso große Fülle 
der von ihnen entlehnten FN. auf ow (z. B. 
in Stolp im J. 1864 unter 1800 Namen 
über 50). 

FN. Bucköw (spr. Buko). Bütow. Grabow. 
Massatc. Passow, Quednoic, Strippen- 
tow. Vangerow — nicht minder viele 
Adels -N.: v.Below. v.Bülow, v.Krockaw. 
V. Lettotc. V. LiUxow, v. Massow. 

Häufig finden sich kleine Abweichungen 
von den bezüglichen ON.: Duckrow (0. 
Ducherow). Münchow (0. Mönchow). Strö- 
low (0. Strelow) — mitunter auch bedeu- 
tendere wie Leitxow (0. Lewezow, welches 
im Tolksmunde in Leitzow zsgz. wird). 

Ableitungen auf -er sind selten, da sich 
diese Endung nicht bequem anfügt; nur in 
modern jüdischen N. wie Bojanower (von 
Bojanowo) scheint sie sich zu finden. 

Häufiger sind Latinisierungen auf -omtiSf 
aus der Zeit der Renaissance stammend 
(S.62): Ciborovttis, Oregorovius. Ousovius. 
Nicolovius — z. T. mit sehr wenig latei- 
nischer Schreibung: Büloicius. Wannowitis. 

Zuweilen ist das w abgefallen: v, Plotho 
(0. Alten -Plathow). Calo. Floto, 

Nicht selten ist die E. ow bei den ON. 
oder den daher entlehnten FN. in au über- 
gegangen, wodurch dem Namen ein mehr 
deutsches Gepräge gegeben wird: Grabau, 
als wäre es eine rein deutsche Zusammen- 
setzung. So entspricht der FN. Gunitau 
dem ON. Gumtow, Treptau dem ON. Trep- 
tow, Berniyau dem ON. Bemickow, Kahl- 
hau vermutl. dem ON. Calebow; umgekehrt 
Xipkow = dem OX. Nipkau, Calow dem 
ON. Kalau. Aus manchen ON. sind auf 
diese Weise zwei FN. hervorgegangen, z. B. 
aus ON. Lossow die FN. Lossow und Lossau., 
aus ON. Gülzow die FN. (Hlhow und 



GiÜxau, aus ON. Bülow die FN. v.Büiow 
und Bülau. Beide Endungen, ow und au, 
wechseln eben außerordentlich leicht mit- 
einander, und früher verfuhr man noch will- 
kürlicher darin. So wird im Stolper KB. 
der fürstlich Croy'sche Rentmeister Vanselow 
auch Vanselau genannt, z. B. im J. 1647, da- 
gegen 1651 wieder Vanselow, In manchen 
Städtenamen sind diese Endungen noch im 
Kampfe, z.B. Spandow und Spandau, Prenz- 
low und -au; letztere sollten hier vorge- 
zogen werden, damit auch der Name dieser 
seit Jahrhunderten deutschen Städte den 
deutschen Lautgesetzen entspreche. 



Pabst UI. mhd. bähest aus griech. lat. papas. 

FN. Pabst — Bähst (S. 42). 
Paeh a) I. s. Bag b) III. bayr. in Pa/^hmayry 

-maier. 
-pach, -paeber s. Bach. 
Pächter III. neueren Verhältnissen entstam- 
mend, daher als FN. sehr selten. 
Padell s. Bad (einst. K.). 
Päder s. Bad (V.). 
Pagrel s. Paulus. 

Pagrenhardt III. „Pferdehirt* (aber auch ON.). 
Pagrenkopf III. „Pferdekopf* (auch ON.). 
Pagrensteeher III. der die schlechten Pferd» 

(niederd. Pagen) absticht, „Abdecker*^. 
Pahde s. Bad (einst. K.). 
Pahl a) s. Bald (einst. K.) b) „Pfahl^. 
Pahnke III. slaw. Panek „kleiner Herr*^. 
-paintner s. Bund. 
Paldramiis s. Bald (V.). 
Pälegrriinm s. Pilgrim. 
PaUanf, Palmer s. Bald (V.). 
Pammer s. Bad (V.). 

Pancratius II. griech. der „ Allherrschende "^ 

(Kai. 12. Mai) — Mamertus, P., Servatius 

die drei sogen, „strengen Herren", welche 

die späten Frühlingsfröste bringen sollen. 

FN. Pankratt; Pangrätx. (Gottschee) — 

Pongratx — (mit Kürzung im Anlaut): 

Crax, Kraatx (doch schon ahd. ein 

Chrazo). 

Vklf. (oberd.) Krätxel, latinis. 
Crecelius; (niederd.) Kratxke (mit 
langem a). 
Pand- s. Band. 



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PaDkok(e) 



Pfabian 



213 



Paiikok(e> s. Pfannkucb. 

Pann«, Pant-, Panz s. Band. 

Pape s. a) I. Bad (zweist. E.) b) III. Pfaffe. 

Papinga s. Bad (zweist. K.). 

Papke 8. a) I. Bad (zweist. K.) b) HI. Pfaffe. 

Pttpke s. Bad (zweist K.). 

Pardillerlll. romanisch - deutsch von pardill = 

pratello „kleine Wiese"*. 
Parthey s. Ber (V.). 

Parzer III. „einer aus Parz" (ON. häufig in 
Österr. ob der Ens). 

Zss. Grillparxer (0. Grillparz 3 mal in 
Ober - Österr.) . Steinparxer. 
Pastor III. lat. „der Hirte; Pfarrer". FN. 

Gen. Pastoors (Kleve). 
Paternoster III. = Pateniostermeker , Ver- 
fertiger von Rosenkränzen ** (Schütte), doch 
vgl. Heinr. Vaderunser 1565. 
Pathe, Pät- s. Bad (einst. K.). 
Patseh, Patz- s. Bad (einst. K.). 
Pätseh s. Ber (einst. K.). 
Paaek s. Baug. 
Paoel- s. Paulus. 
Paaer s. Bauer. 
Panker III. mhd. pükaere ,, Paukenschläger ^^ 

FN. Paucker; mit Umlaut Peucker. 
Paulus IL lat. „der Kleine'^; St. Paulus, der 
Apostel. (Kai. 25. Jan., 29. 30. Juni.) 
FN. Paulus; Paul (PatUmann). Gen. 
Pauli y Pauly — Pauls; Pauels (ost- 
fries.). Patr. A. Pauling — Pauler (Öster- 
reich.). Patr. Zss. Paulsokn; Paulson; 
PatUsen — Pauelssen (ostfries.) — in 
demselben Sinne Kleinpatd. 

Zss. Paulmichl — Sentpaul (ON.). 
zsgz. Pohl (Preuß 27). 

Niederd. zerdehnt: Pagel — Pawel, 
Pavel (Pagel als VN. im KB. z. B. Pagel 
Gustman 1692; Pagel Dobrenze, sonst 
Paul Dobrantz — pawel glasenap 1518 
Klemp.). Gen. Pageis — Pawels — 
Powels. Vklf. Pawelke. 
Paomaiiii s. Baumann. 
Paar s. Bauer. 
Pansepaek III. „ Bausbacke ^S 
Pav-, Paw- s. Paulus. 
Payer s. Baier. Auch in der Zss. Payrhuher, 
Peeht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Ped- s. Petrus. 
Pelkert s. Big. 



Pellert s. Bil. 
Peldram s. Bald (V.). 

Pelikan III. zeichnet sich nach dem Glauben 
des Altertums (s. Aelian 3, 25) vor allen 
Vögeln durch die Liebe zu seinen Jungen 
aus, die er mit seinem Blut ernährt, und 
wenn sie tot sind, zu neuem Leben erweckt. 
Daher in der christlichen Mystik ein Bild 
für den Heiland. 
Pelzer III mhd. belzor ., Pelzhändler". 
Pemmerl, Pendele s. Band. 
Penke, Penneeke s. Berin (einst. K.). 
Penning s. Pfennig. 
Perdt in. niederd. perd „Pferd*. 

FN. io Perdt (Rees), te Peerdt (Wesel) 
„zu Pferde* (Gegensatz: Tovote), 
-pergr, -per^r s. Berg. 
Peringr s. Ber (einst. K.). 
Perl- s. Ber (V., einst. K.). 
Pem- s. Borin (V.). 
Person s. Petrus. 

Perthes, Pertseh, Pertz s. Ber (einst. K.). 
Petersl^e III. deutlicher Pflanzen - N. , Peter- 

cilie 1300, 1587: Petxerlei. 
Pethke s. Bad (einst K.). 
Petrus n. griech. „Fels, Felsenmann*, Über- 
setzung des hebr. Kephas; St. Petrus, der 
Apostel, mit eigentlichem N. Simon (Kai. 
18. Jan., 29. Juni, 1. Aug.). 
FN. Peter (Petermann) — Petter, Zss. 
Brüggenpeter. Gen. (lat.) Petri, Peiry 
— (deutsch) Peters — Petters — Pu- 
ters (ostfries., vgl. holländ. Pieter). Patr. 
A. Petering. Patr. Zss. Peter sson; 
Peterssen; Peterson; Petersen — niederd. 
Pedersen — vereinzelt Petrikind, 

Durch Zusammenziehung aus urspr. 
Pederson: Person; Pierson — entstellt 
Per söhn. 

Anderweitige Zss. : Kleinpeter, Orofs- 
peier (franz. Grandpierre). Graupeter, 
Langpeter, — Petermeyer, Petermichl, 
Petter s. Petrus. 
Petz- s. Ber (einst. K.). 
Peneker s. Pauker. 
Penkert s. Boug. 
Pentler s. Beutler. 
Peyer s. ßaier. 
Pfab s. Pfau. 
Pfabian s. Fabianus. 



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214 



Pfadenhaaer 



Philippas 



Plkdenliaaer s. Pfettenhauer. 
PÜAffe lU. ahd. pCaffo, mhd. pfaffe aus lat. 
papa der „ Geistliche* und zwar ^"Welt- 
priester**, seelsorgender Geistlicher im Gegen- 
satze zu dem Klostergeistlichen und dem 
Laien — erst bei Luther und Aventinus 
(t 1534) in verächtlichem Sinne. Den Über- 
gang zum FN. weisen Benennungen auf wie 
Wemher dictus Paffe 1284; Heinrich des 
Pfaffen sun (Bacm.)- 
FN. Pfaif, Niederd. Pape; latinis. Po- 
ptu8, Vklf. Pßfflein. ' Papke (doch s. 
auch Bad). 
Pfannensehmid III. s. Schmid (in Eolberg 
heißt eine ganze Straße auf der Münder Vor- 
stadt ^Pfannschmieden*^, weil hier ehemals 
die Pfannen zum Salzsieden geschmiedet 
wurden). 

FN. Pfannensckmidt; verkürzt Pfann- 
Schmidt. 
Pfannknch III. s. Speisen S. 46. Niederd. 
Pankoke^ vgl. Pangkoke 1369 Braunschw. 
Pflltehenhaaer, Pfotten- s. Pfettenhauer. 
Pfau III. ahd. phSwo, mhd. phäwe „Pfau" 
aus lat. pavo. (Otto dictus pavo 1300. Jörg 
Pfauenschwanz 15. Jh.) Auch Pfahe; Pf ab 
— Pfob, 
PÜanw s. Pfau. 

Pfeffer IQ. eine Brühe zu Fleischspeisen, 
wegen der starken Gewürze so genannt (jetzt 
noch ^Hasenpfeffer"). 
Pfeffersaek III. der alte Spottname der Kauf- 
leute. Niclas pfeffersak 1419. (S. auch 
Goethes Götz, Akt 3, Sz. 1: „Wenn ein 
Kaufmann einen Pfeffei-sack verliert* usw.). 
Pfeidler III. „Hemden, Kleider usw. feil- 
haltender Händler" (vom mhd. pfeitel Hemd). 
Pfeifer III. ahd. pflfäri, mhd. pflfaere, pflfer. 
FN. Pfeifer, Pfeiffer (Pfeuffer) —Pfyffer 
(Schweiz.). Niederd. Pieper, Piper. Gen. 
Piepers (niederrhein.). 
Pfeilschifter s. Pfeilsticker. 
Pfeilsticker III. „der die Stecken für die 
Pfeile macht". 
FN. Pfeilsticker; Pfeilstöcker. Niederd. 
Pielsiicker. Auch Pfeilschifier (von 
Schaft, 8. Marb. Verz. der Gewerbe). 
Pfennig III. s. Münznamen S. 45, ahd. phan- 
tinc (von phant Pfand), mhd. pfenninc 
„Pfennig" (doch häufig in allgemeinerer Bed. 



= Geld, Geldsumme, wie noch jetzt in 
„Mutterpfennig*, „Sparpfennig* u. a.). 
FN. Pfennig; niederd. Penning — mit 
mehrfachen Zss.: Barpfennig. Rede- 
Pfennig. Weifspfennig. Wueherpfennig 
mit seinem Gegenteil Schimmelp fennig ; 
Schimmdpfeng — niederd. Schimmel- 
penninck. 
Pfettenhaner III. der „ die Querbalken eines 
Hauses zuhaut ^^ (Andresen). 
Als FN. in mannigfachen FF.: Pfaiten- 
hauer — Pfadenhauer — Pfotenhauer 
— PfÖtkenhauer; Pfötchenhauer — 
Fetkenheuer — Fittighauer. 
Pfeuffer s. Pfeiffer. 
Pflngst in. zu den Zeitnamen. 
Pflster s. Pistor. 

Pflaambanm III. „der beim Pflaumbaum 
"Wohnende". Doch in einer Familie miß- 
verständl. aus Plumbum, der Latinisierung 
von Bley. (Andresen, Volksetymologie). 
Niederd. Plumbohm. 
Pfleiderer s. Pleitner. 

Pflng III. vgl. Eberhardus dictus Pfluoc 1294. 
Zss. Keilpflug. Stellpflug. Niederd. Ploog. 
Pflttger III. niederd. Plöger — Pleuger. 
Pförtner III. mhd. portenaere (mittellat. por- 
tenarius). 
FN. Pförtner; bes. bemerkenswert Pfört- 
ner von der Hölle, ein schlesisches 
Adelsgeschlecht. Niedei-d. Pörttier. 
Pfotenhauer, PfStkenhuner s. Pfettenhauer. 
Pfhiambanm III. „Pflaumbaum" mhd.phrum- 
baum (neben pflümboum) vom lat prunus. 
Pfk^etzsehner III. „Kleinkrämer'* (südd.). 
Pfahl III. mhd. phuol aus lat. palus,, Pfuhl". 
In ON. seit dem 9. Jh., doch mehr ver- 
einzelt; niederd. -pohl. 
FN. Pfuhl. Lehmpfuhl. Niederd. Gatise- 
pohl. Hundepohl. Kranepohl. Otter- 
pohl. Cattepoel. 
Pfurtseheller III. (romanisch -deutsch) „einer 

von Fortschella (Berggabel, Joch). 
Pfyffer s. Pfeifer. 

Philippas II. griech. „Roßfreund"; St Phi- 
lippus a) der Apostel b) der Almosenpfleger 
Apostelg. 6, 5. 8, 26 ff. 
FN. Philipp, Filipp (österr.). Gen. (lat) 
Philippi — (deutsch) Phüippefi; Phi- 
lipps; Phillips (wo das s jedoch auch 



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Piohler 



Pömme 



215 



Tom Nom. herrühren kann , vgl. philipps 
Sunnenberoh 1490 Klemp.). Patr. Zss. 
Phüippsen ; Philippsohn; -son (die beiden 
letzten jüngere Neubildnng, jüdisch). 

Mit Kürzung im Anlaut: Lippus; 
Lippa, Lipa (so redet z. B. Johann yon 
Leyden in einem Schreiben den Land- 
grafen Philipp von Hessen „myn lewe 
Lips" an). 

Piehler, -piehler s. Bühel. 

Piehlmaier III. „der Meier auf dem Bühel" 
(s. Bühel und Meier). 

Pick- 8. Big (V., einst K.). 

Piel- s. Bil (V., einst. K.). 

-piel s. Bühel. 

Plelsticker s. Pfeilsticker. 

Piepe JII. „Röhrbrunnen". In FN. wie 
Piepenbrinck^ -brock, 

Pieper s. Pfeifer. 

Pierson, Pieters s. Petrus. 

Pigire s. Big (einst. K.). 

Pigler s. Bühl. 

Pilartz s. Bil. 

PUger, PUgram s. a) I. Bil (V.) b) III. 
Pilgrim. 

Pilgrim III. mhd. bilgerin aus lat. peregri- 

nus. Schon 1245: Peregrinus. 

FN. Pilgrim — Pälegrimm; auch Pil- 

gram, — Pilger. Das mhd. b noch in 

Billgerj (schwäb.) Bilgeri (doch s. auch 

Bil). 

Pill- s. Bil (V., einst. K.). 

Pilz, Pilzing s. Bil (einst. E.). 

Pinder, Pinter s. Binder. 

Pinkepank III. Spottname f. einen „Schmied'*. 

Pirkmayr III. (südd.) „Birkm.'*. 

Pisehof s. Bischof. 

Pistor III. Latinisierung für Becker (schon 
1340 im Gott. ÜB. als FN.); verlängert 
Pistorins , wovon der Gen. Pistory. Wieder 
umgedeutscht Pister j PfiMer; Pfisterer 
(süd'i.); Pfistner (bad.). Gen. Pisters, 

Pittner s. Büttner. 

Plagge III. zur Düngung abgeschaufeltes 
^Rasenstück**. FN. Plaggemeyer. 

Planek s. Blank. 

Plaß s. Blasius. 

Plater, Platner III. a) mhd. blatenaere, 
platner „Verfertiger der blate", einer Schutz- 
wafFe, die vor der Brust über der hals- | 



perge geti-agen wurde (vgl. „Platnergasse** 

in Prag) b) „Pfaffe" von der Tonsur. 

FN. PlaUr, — Platner; PkUtner, auch 

Blattner. Mit Umlaut: Plettner (Klem- 

pin: pletener = hamischmester) — 

Plöttner (Koch, Saalfelder FN.). 

Platter III. „Mein Vater hieß Antoni Platter, 
von dem alten Geschlecht der Platter. Die 
haben ihren N. von einem Hause auf einer 
breiten Platte ^ d. i. ein Felsen auf einem 
gar hohen Berg bei dem Dorfe Grenchen." 
(Thom. Platters Leben S. 14). 

Piatzfaß ni. „Plattfuß" (S. 50); niederd. 
Plattfaut; Platvoet. 

Pleitner IIL ,,der die Bleiden d. i. Wurf- 
maschinen (mhd. bltde) bedient". Auch 
Pfleiderer. 

Plettner s. Plater. 

Plenger, PWger s. Pflüger. 

Pütt s. Blid. 

Plogstert IIL (Lippe) „Pflugsterz". 

PlSnnies s. Apollonius. 

Piotho III. FreiheiT v. PL — Stammsitz 
Alten -Plathow, Kr. Jerichow in Brandenb. 
(Adelslex.). 

PlUm- s. Blom. 

Plumbohm III. s. Pflaumbaum. Plummeyer. 

Pobel s. Bod (zweist. K.). 

Poddig s. Bod (einst. K.). 

Pogge III. niederd. „Frosch" (Padde), vgl. 
ON. Poggendorf, Poggenkrug; Paddewisch. 
FN. Pogge. Poggenmeyer. 

Pogner s. Bogner. 

Pohl IIL niederd. „Pfuhl" — in Zss. wie 
Pohlkamp; Pohlmeyer; Pohlschröder — 
Oausepohl s. auch Pfuhl. 

Dagegen der einfache N. Pohl wohl meist 
zu Paulus (Preuß 27 — doch s. auch Bald). 

Pohlandlll. älterer N. für „Polen". Polland. 

Pohse s. Bos. 

Pointner s. Bund. 

Poll- s. Bald (V., einst. K.). 

Pollack III. ein „Pole". Auch Polack. 

Pellender III. ein „Pole", von Poland = 
Polen. 

Poltrock s. Bald (V.). 

Polz, Pölzl s. Bald (einst. K.). 

Polzer III. (österr.) „Verfertiger von Bolzen". 

Pomme s. Bod (zweist. K.). 



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216 



Pommerenke 



Puttkamer 



Pommerenke III. (Pommcränecke 1681) ein 
„alter, ehrlicher Pommer" (Geisheim S. 78); 
wohl aus dem lat. Pomeranus mit der 
Diederd. YerkleinerungseDdung. Nebenff. 
Pommrehn (Pommerene 1300); Pommere- 
ning; Pomränig — Pominerienken (Gen., 
ostfries.). Der Chemnitzer Rektor Hager 
sagt in seiner „Ausführlichen Geographie^', 
Chemnitz 1747 T. II. S. 1058 von den 
Emwohnem Pommerns: „Die Einwohner 
sind nunmehro redliche Teutsche, nachdem 
die "Wenden daraus vertrieben worden sind. 
Der Vorwurf, welcher ihnen wegen der 
Grobheit gemacht wird, rührt ohne Zweifel 
von ihi-en Feinden her. Und wenn auch 
die Erzählung von einem groben Pom- 
merinken wahr wäre, welchen den Herzog 
Bogislaus dem Kayser Rudolphe U. auf 
Begehren geschicket haben soll , so gereichet 
selbige den Pommern nicht zum Nach- 
theile. *^ Dagegen Pommerell „einer aus 
Pommerellen", Pomerania parva, dem Land- 
strich zwischen Pommern u. der Weichsel. 

Pomränigr s. Pommerenke. 

Pong^ratz s. Pancratius. 

Pontnofer III. (romanisch -deutsch) „einer 
von punta nova*' (neue Brücke). 

Pop- s. Bod (V., zweist. K.). 

Popp-, Popp- 8. Bod (zweist. K.). 

PÄrtner s. Pförtner. 

Portugrall HI. Länder -N. — vielleicht auch 
von einem Gasthofe („König von Portugal'') 
übertragen. 

Pörzel s. Burg (einst. K.). 

Pößl s. Bod (einst. K.). 

Potel, Poten s. Bod (einst. £.). 

Potgieter s. Pottgießer. 

Pothe, Pott s. Bod (einst. K.). 

Pötteher s. Bötticher. 

Pötter s. Töpfer. 

Pottgrießer III. halbniederd. = „ Topfgießer ^• 
(der eiserne Töpfe gießt). 
FN. Pottgiefser. Ganz niederd. Potgieter 
(vgl. Potgieter 1481 Köln. Univ.-Matr.); 
Pottgüter, 

Pottke s. Bod (einst. K.). 

Powels s. Paulus. 

Pracht-, Prttcht- s. Beraht (V., einst. K.). 

Pramschiefer III. wie die ältere F. Prani- 
schüver (KB.) beweist, s. v. a. „Prahni- 



schiober", der einen Prahm (großes, flaches 
Boot) auf dem Flusse schiebend fortbew^. 

Pranekh, Prändl, Pranti, Praiitz s. Brand. 

Prätorius m. „Schulze*^ in der Toga (Gott- 
schalk Schnitze, lat. Abdias Praetorius, aus- 
gezeichneter Pädagog des 16. Jh.). 

Praun s. a) I. Brun (einst K.) b) IH. Braun. 

Preeht s. Beraht (einst K.). 

Preiser s. Breiser. 

Prelster III. niederd. „Priester". 

Preiswerk III. früher Brj^sswerk „Schnur- 
macher, Posamenter" (s. Breiser). 

Prenner s. Brenner. 

Prentzel s. Brand. 

Preser s. Breiser. 

Preoß LH. „ein Preuße". Auch Prüfsnmnn. 

Priester IH. aus griech.-lat. presbyter. (Vgl. 
franz. Lepretre). Niederd. Preister, 

Probst UI. aus lat propositus. Auch Korn- 
probst findet sich, entstellt Kombnist 
(wie „wainprobst" = taferuär) Bacm. Patr. 
A. Pröbsting (westf.). 

PrOhle, Propplng, Prott- s. Brord. 

Pruek-, Prugg- s. BrücL 

Prackner, Prttekner s. Brück. 

Pmmmer s. Brun. 

-prunD s. Brunn. 

Prunner s. a) I. Brun b) IH. Bmnn. 

Pucher s. Bucher. 

Pttchler s. Bühl. 

Puehner IH. „einer aus Puchen" (Buchen). 

PUckier s. Böckler. 

Puff- s. Bod (zweist K.). 

Ptthier s. Bühl. 

Pupp-, s. Bod (zweist K.). 

-purgr s. Burg IH. 

Purgrold s. Burg I. (V.). 

Purgrstall s. Buigstall. 

Park-, Pttrkerth s. Burg (V.). 

Putsehe s. Bod (einst. K.). 

Puttfarken III. niederd. „Pfützenferkel" (?) 
von alt niederd. pute Pfütze (aus lat puteus) 
und Parken. 

Puttkamer IH. von P. eine der ältesten 
Adelsfamilien in Ostpommern, deren N. 
nach Angabe des pommerischen Wappen- 
buches daher stammt, daß ein Familiea- 
glied in Polen das Amt eines Podkomorzy 
„Unterkam meriera" (subcamerarius) führte. 
Dessen Nachkommen nannten sich Pod- 



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Puttloflf 



Radde 



217 



komer. Puttkumer, Podkamer, dann wech- 
selnd Puttkamer und -kammer, bis 1859 
auf dorn Geschlechtstage von allen „Vet- 
tern'^ beschlossen wuixie, sich überein- 
stimmend Puttkamer — mit einem m — 
zu schreiben (wodurch jedoch die Aus- 

. spi-ache dieses Namens = Puttkammer nicht 
berührt wird). Der N. findet sich übrigens 
auch als bürgerlicher in beiden Schreibungen: 
Puttkamer und Puttkammer. 

Pttttloff, Pttttrieh s. Bod (V.). 

Puxbaam s. Buchsbaum. 

Pyroidt 8. Ber (V.). 



<{iiadeJacob II. der .,böse Jakob ^^ (s. Jacobus). 

Quadflieg III. .„böse Fliege'S 

Qnalbert s. Wald 1. (Walbert). Qu statt w 
findet sich im Altdeutschen öfter: Quolf- 
win, Quilibert = Wolfwin, Wilibert. 

Quandt, Quante, Quantz s. Wand I. 

Quardoeus II. aus Twardocus, der slawischen 
Übertragung von Firminius. 
FN. Quardocus; Quardux (Kassubei). 

Qaentel s. Wandal. 

Qaentzei s. Wand I. 

Quereke, Qaering s. War (einst. K.). 

Quemer s. Körner. 

Querttber DI. wohl von der Lage der Woh- 
nung (Pott S. 271), wie auch v. Hinüber, 

Qaidde s. Wid (einst. K.) — doch schon 
4. Jh. Quito. 

Qnln, ((iiineke s. Win (ernst. K.). 

Quist in schwedischen N. (S. 77), altnord. 
quistr „Zweig**. 
FN. V. Lindequist (Rügen). 

Qoitt, Qiüttmann s. Wid (V.). 



B. 

Raaeh s. Rag. 

Raalt 8. Rad (V.). 

Baap s. Hraban. 

Raaljes, Raatz s. Rad (einst. K.). 

Eab- s. 1) Hraban 2) Rad (V.). 

Raeh- s. Räch -- doch 

Raehner s. Ragan. 

Rack- s. 1) Rad (V.) 2) Rag. 

Racker s. Rad (V.). 



RAD I. ahd. mhd. rat, altsächs. rad „Rat". 

In £N. seit dem 5. Jh. nachweislich. 

FN. Radbald: Radebold — Rappold; 

Rappohl; Rappel — Rabold; Ra- 

behl; Rabel. Patr. A. Rappolder, 

Radobert: Radber — Rappard — 

Robert — Reppert. Gen. Rabbertx, 

Radigor: Radecker — Ranker — 

Redecker — Retger — Racker. 
Radheri: Rader — Rather — Räder 

— Retter. Patr. Zss. Reddersen. 
Ratleib: Radleff — Rathiev. Gen. 

Redte fs; zsgz. Reelfs. 
Radleic: Radlach. 
Rad man: Rademarm; Radmann — 

Rathmann— Redemann ; Redmann. 
Ratmar: Rahmer — Redmer — Rett- 

mer. Gen. Redmer 8. 
Raderich: Raderick. 
Radoald: Radewald — Rawald — 

Raalt. 
Radwig: Reddeicig. 
Radulf: Radioff — Ralph — Rauff 

(Stark 138). Gen. Rahlfs; Rahl- 

tces — Rauls. 
Einstämmige Kürzung Rad-. 

Rado, Rato: Rade — Radde — 

Ratfie — Ratte — Rade — Räth 

— ReMe. Gen. Raden — Rahts. 
Pati*. A. Rading — Rating — 
Reding. 

Vklf. (i): Radi. (1): Radill; 
Radel — Rall — Rahl — Rädel 
-- Redtet. F&tr. A. Redling. (k): 
Rada^h; Radig; Radeck — 7?a- 
ticke; Rathke — Rattich; RaUke; 
Rattje (Schleswig) — Redeke — 
Räthke — Reddig — Rettke. Gen. 
Raatjes. (k + n): Rahtgen — 
Räthgen. Gen. Rathjens. (z) Razo, 
Rezo : Ratx — Raax — Ratsch — 
Reetx. (z + l) Razüi: Ratxel; 
Rassel — Retxet; Ressel. (z -+- k) 
Raziko: Räixke — Reetxke. 
Auslautend (303 mal Föi*sl.), worunter 
viele weibliche N. 

-rath: Frorath (aus Frowirat). 
-rad: Konrad. 

-ert: Harter t (neben Hartrath). 
Radde s. Rad (einst. K.). 



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218 



Räd- 



Ragan 



RXd- 8. Etad (V., einst. K.). 
Rademaeher III. „Stellmaoher, Wagner". 
FN. Rademacher; Radmaeher, Niederd. 
Rademaker. Oen. Rademaeher 8, 
Baffeiisaek III. Satz-N. „raff in den Sack". 

Auch gekürzt Raffsaek. Vgl. Raffauf. 
RA€r I. arsprÜDglichere Gestalt des Stammes 
Ragan. 
FN. (Ragibrand): Raekehrandt. 
Reguhard: Reckhard; Reckert. 
Ragihar: Reger, 

Ragadeus : Radey — Raddei — Ratthey. 
Racold: Gen. RachhoUx; Rachais; 
RachhaU. 
Finstämmige Kürzung Rag-. 

Ragio, Raco, Recco: Ragg — Racko 

— Rake — Rache — Raach — 
Recko; Recke — Rech. 

Vklf. (1) Ragilo: Rackel — Ra- 
diel — Regele; Regel — Reckel 

— Reihte. Patr. A. Regling — 
Reckling — Reling — Railing. 
(l + n): Regelin. 

Ragizo: Reitx (auch ON.). 

RAGAN 1. got. ragin „Rat^', altnord. Plur. 

regin die Ratschlagenden und Beschluß- 

fassendeu, die Götter — oft zur bloßen 

Steigerung verwendet (s. Lübben S. 7 ff.). 

FN. Raganbald: Rambold; Rammelt — 

Reinbold — Reimbold; Reimolt; 

Reimelt — Rembold; Rempel; 

Remmel. 
Ragin breht: Regenbrecht — Rein- 

brerht; Reinbert — Rennebarth — 

Reimert — Remmert; Remmer. 

Gen. Reimerdes — Remmers. — 

Reemsema (ostfries., vgl. VN. 

Reemt). Patr. A. Rainprechter. 
Ragimbod (Regenbode VN. Akener 

Schöffenbücher): Reinbothe; Reine- 

both; Reinbott. 
Rageniprand: Rembrandt. 
Kagaiifrid: Revfert — Rennefarth — 

Renfer — Refer (Preuß 5). 
Ragingar: Ranniger — Reiniger; 

Reinker — Renger. Gen. Rengers. 
Kaginhart: Rahnert — Regenhard — 

Reinhard; Reinert — Rienhardt; 

Rienth — Renard; Rehnert — 

Rennert. Gen. Rheitiharx; Rei- 



narx; Reinherx; Reinders; Reints 

— Reents — Rientets (ostfries., 
jeveri.). Patr. A. Reinerding — 
Reinharter (Wien). Vklf. (k) : Gen. 
Reintges (niederrhein.). 

Raganbar: Reushner — Regener — 
Reiner (Reinermann) — Renner, 
Gen. Reinere. Vklf. (1): Reinerle. 

Raginman: Reinemann — Reimann 

— Rennemann — ReJimann. 
Raginmar: Reinemer — Reiinar; 

Reimer (als VN. Reymer Mantzke 
1453 Porom, ürk.) — Remer. Gen. 
Reimers — Remmers (Nordomey) 

Ragnemod: Reinmuth — Reimuth. 

Raginmund: Reinemund; Reinmund 

— Ragmund. 
Raganrich: Rhenrich. 
Raginscal (c) : Reinschall. 
Raginald: Reinwald; Reinwold; Rei- 

nold; Reinhold; Reinelt; Reinel 

— Renelt. Gen. Reinais; Rein- 
holtx (umgedeutet aus Reinolds) — 
Reendels (ostfries.). Patr. A. Rei- 
nalter. 

Raginward: Reinwarth; Reimcerth. 

Ragan win: Reintcein. 
Einstämmige Kürzung Ragan-. 

Raganus, Regino, Rano: Rahn — 
Regen — Reyne; Rein — Rehn — 
Renno; Renn — Riehn. Gen. 
Reinen — Rehnen — Reimen. 
Patr. A. Reining; Reininga (ost- 
fries.). Patr. Zss. Rahnsen — 
Reensen — Rennsen. 

Vklf. (l): Reitidl. (k) Reinco: 
Reinecke; Reinke; Reinick — 
Ränicke — Rehnich — Renneeke 

— Renke — (Ranke Stark 71). 
Gen. Reinkens; Reinken — Renken 

— Reinkena (ostfries). Patr. A. 
Reinking. (z) Reginzo, Reozo 
(Stark 75): Reim; Reintxsch — 
Rem (Renxmann); Rensch — 
Remieis. (k + n): Reinichen; 
Reinecken, (z 4" !)• Refixel. 

Zweistämmige Kürzung Raginb-. 

Rampe: Rambo — Rampe — Rampf 

— Ramm — Rempe. 



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Ragg 



Regenfaß 



219 



Zweistämmige Kürzung Raginm-. 

Raimo: Reime — Rehm (latinis. 
Remus). 
Kagrgr 8. Rag. 

Rahl- s. Rad (Y., einst. E.). 
Rahm- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban. 
Rahn- s. Ragan (V., einst. E.). 
Raht- s. Rad (Y., einst. E.). 
Balling s. Rag. 

Rain m. ahd. rain, rohd. rein ^abgrenzender 
Bodenstreif". 
FN. Hohenrainer (0. -rain). Moosrainer. 
Nufsrainer. 
Rainpreehter s. Ragau. 
Rake s. Rag. 
Rall s. Rad (einst. E.). 
Ralph s. Rad (V.). 

Ramb-, Ramp- s. Ragan (V., einst. E.). 
Ramm- s. 1) Hraban 2) Ragan (Y., zweist. E.). 
Ramsehttssel s. Reumscbüssel. 
RAND I. ahd. mhd. rant, Oen. randes „ Schild- 
rand, Schild". 
FN. Ranthar: Ranter — Reiiter, 

Rantowic: Randirig — Rannewig, 
Randulf : Randolf — Rondolf. 
Einstämmige Eürzung Rando: Rand. 
Gen. Randa (ostfrics.). 

Ycikleinert (1): Randel (k): 
Rentke, (z) Rantxe; Rantsch, 
Auslautend 63 mal (Forst.) -rand: Bert- 
rand. 
RANG I. zu ahd. ringen „ringen*, rang 
„Eanipf". 

FX. Ranchar: Ranger — Reneker — 
Renger. 
Einstämmige Kürzung Rang-. 

Rence: Ranke; Ranck; Rang — 
Rencke; Renk. 
Ranger s. 1) Ragan (Y.) 2) Rang. 
Ränicke s. Ragau (eiost. E.). 
Ranke s. 1) Ragan (einst. K.) 2) Rang. 
Rann- s. 1) Ragan (Y.) 2) Rand. 
Rant-, Rantseh, Rantze s. Rand. 
Rap- 8. Rad (Y.). 
Rapp- s. 1) Rad (Y.) 2) Hraban. 
Rappsilber III. Satz-N. vom niederd. rapen 
„raflfen, rauben". Altniederd. Rapesulver. 
Rasmas s. Erasmus. 
Rassel s. Rad (einst. K.). 
Rath a) I. s. Rad (einst. K.) b) III. de Rath. 



Rat -9 Rath -9 s. Rad (Y., einst. K.). 

-rath s. a) I. Rad b) HI. Rode. 

Rtth- s. Rad (V., einst K.). 

Rathmann a) I. s. Rad (V.) b) IH. mhd. 
rfttman „Ratgeber'^; dann „Mitglied einer 
städtischen Ratsyersammiung". 

Rat8ch9 Ratt-9 Ratz- 9 Rätzke s. Rad 
(einst. K.). 

Raub- s. Hrod (Y.). 

Raneh- s. Hrod (zweist. K.). 

Ranehftaß IH. „rauher Fuß", vom ahd. ruh, 
mhd. ruch rauh, rauch, haarige 

Ranehhanpt III. „rauhes Haupt" s. das vor- 
hergehende. Rauehkopf; halbniederd. Ru- 
köpf. 

Räuehlin s. Hrod (zweist. K. Hrodg-.). 

Rändel s. Hrod (einst. K.). 

Raaff9 Rauls s. Rad (Y., RadulO- 

Ranffenbarth III. Satz-N. 

Räumer s. 1) Hrod (Y.) 2) Hrom (Y.). 

Raumsehttssel s. Reumscbüssel. 

Rauner s. Run. 

Raup- s. Hrod (Y., zweist. K.). 

Räußel s. Hrod (einst. K). 

Raut- s. Hrod (Y.). 

Rautenkranz III. urspr. Haus-N. Auch 
Rautenstrauch. 

Räuzel s. Hrod (einst. K.). 

Ray- s. Hraban. 

Rawald s. Rad (Y.). 

Raymund s. Ragan (Y.). 

Rebbe s. Rio (zweist. K.). 

Rebstock III. Haus-N. „zum Rebstock" 
(S. 60 f.) auch bei Gasthöfen. 

Reeh-9 Reck- s. I) Rag 2) Ric ^Y.). 

ReckeM) III. Satz-N. vgl. Streckfufs. 

Red- s. Rad (Y., einst. K.). 

Redepfennig III. „bereitei-, barer Pfennig^*. 
Niederd. Redepenning. Ygl. niederd. Rede- 
geld (FN. Redegeld) und Bretgeld; „mit 
redem gelde** (Klemp. S. 510). 

Reemsema s. Ragan (Ragin breht). 

Reen- s. Ragan (Y., einst. K.). 

Reetz- s. Rad (einst. K.). 

Rcf- s. l) Rieh (Y.) 2) Ragan (V.). 

Regel -9 Reger s. Rag. 

Regen- s. Ragan (Y., einst. K.). 

Regenbogen III. schon N. eines Meister- 
sängers. 

Regenfuß III. Satz-N. „rege den Fuß". 



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220 



Regiomontanus 



Reut 



Regriomontanas III. Latinisierung für „Kö- 
nigsberger" — Job. Müller aus Königsberg 
in Franken, berühmter Mathematiker und 
Astronom, gest. 1476. 

Regrlingr s. Rag. 

Rehbein III. wohl voq der Schlaukheit und 
Zierlichkeit, wie auch Rehfues. Andere 
Zss. mit Reh sind: ReJibock (engl. Roebuck). 
Rehkalf (niederd.). Rehkopf, Rehlamb. 
Rehfell. 

Rehbinder III. „der das Riedgras od. Schilf- 
rohr (niederd. ret) zum Verkauf in Bunde 
bindet". 

Rehdantz III. Satz-S. aus älterem Regedanz 
„rege den Tanz an" Vgl. Hebetanz, Rör- 
danz. 

Rehm- s. Ragan (V., zweist. K.). 

Rehn- s. Ragan (einst K.). 

Rei s. Rio (einst K.). 

Reib- s. Ric (V., zweist K.). 

Reieh- s. Ric (V., einst. K.). 

Reieice s. a) Ric (V., einst K.) b) III. „der 
Reiche". Johann de Ryke (Lipp. Reg.). 

Reidei s. Rid. 

Reif- s. Ric (V.). 

Reigr- s. Ric (V., einst. K.). 

Reil s. Ric (einst K.). 

Reim- s. 1) Ragan (V., zweist K.) 2) Ric 
(V.) (doch Reimschüssel s. Reum-). 

Rein- s. Ragan (V., einst K.). 

Reinganom III. 0. Rheingönheim. 

Reip- s. Rieh (V., zweist. K.). 

Reis 8. Ris. 

Reiter III. 1) ahd. lit&ii, mhd. riter. 

FN. Reiter; de Reyter (Aurich). Niederd. 
Ryder. Zss. Kielreüer (doch s. Reut). 
2) s. Reut 

Reitgreld III. „bereites d. i. bares Geld" (s. 
Redepfennig). 

Reith, -reither s. Reut. 

Reitz s. Rag. 

Rel£ate, Relceiofe s. Ric. (V.) 

Reling s. Rag. 

Remer, Remb-, Remm- s. Ragan (V.). 

Remp- s. Ragan (V., zweist K.). 

Renard, Renelt, Renf- s. Ragan (V.). 

Renger s. 1) Ragan (V.) 2) Rang. 

Renk- s. 1) Ragan (eiust. K.) 2) Rang. 

Renn- s. Ragan (V., einst. K.). 



Rennebohm III. mittelniederd. Rennebom 
„Schlagbaum* (Lübben, Etwas über nieder- 
deutsche FN.). 

Renner III. mhd. rennaere „ Rennbube *", der 
die Pferde zu besorgen hat; oft = Bote, 
vgl.Klemp. „ronner" (doch s. auch Raginhari). 

Renseh s. Ragan (einst K.). 

Rent- s. Rand. 

Renz s. Ragan (einst. K.). 

Reppert s. Rad (V.). 

Repsehläger III. niederd. Reifischläger, d. i. 
„Seiler" — von got raip, ahd. mhd. reif, 
niederd. rep Seil; Faßreif, Ring. 

Requard s. Ric (V.). 

Ressel s. Rad (einst. K.). 

Reth III. ahd. hiiot „Sumpfgras" s. Ried. 
FN. Rethfeld. Rethneyer. Rethwiseh, 

Ret-, Rett- s. Rad (V., einst K,). 

Retzel s. Rad (einst K.). 

Reuleke s. Hi-od (einst K.). 

Renmsehttssei III. Satz-N. „räume die 
Schüssel", von einem tüchtigen Esser (Gode- 
fredus dict Rumskottele. 1178 Köln). Vgl. 
die alten N. Rumekiste; Rumenkasten; 
Rumzlant und Rumelant (zwei Dichter des 
13. Jh.). — Rumenap (-pf); Raumsattel; 
Raumtaschen. 

FN. Raunischüssel; Reumschüssel — ent- 
stellt Reimschüssel; Ramschüssel, Nie- 
derdeutsch RumschöiteL 

Rent III. vom ahd. riuti „durch Reuten urbar 

gemachtes Land" (lat. novale), welches seit 

dem 8. Jh. sehr viele ON. bildet. Die 

neueren Bildungen (südd.) endigen teils auf 

-reiäy woraus durch schlechtere Aussprache 

mehrfach -reit geworden, teils auf -ried. 

FN. 1) BärenretUh. von Kaikreuth (0. 

Kalkieuth in Schlesien), von Ora^ 

cenreuth. 

2) Reith, Herbstreiih. 

3) Rieih. Äuienrieth (0. Autenried) 
u. a , s. Ried. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -reiäer (in Baden, Württemberg, 
Bayern , Österreich , bes. auch unter 
den salzburgischen N. s. Beheim- 
Schwarzbach, Hohenzollersche 
Kolonisationen S. 523 ff.): Reuther, 
Beyreuther (0. Baireuth). Hinter- 
r cuter. Kannreutfier. Kuchen- 



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Reuter 



Ric 



221 



refifer. Langreuter. Neureu- 
ther. Niederreuther, Oberreuther, 
Pfütxenreuter (Pott). VogelretUer, 
Hochrotthner(0. -roithu. -reithen). 
GreuteTy Qrüter (ON. Greuth aus 
Gereut, woher die Schweiz. Vklf. 
Grütli, Rütli, s. Schillers Teil: 
,,Bas Rütli heißt sie bei dem Volk 
der Hii*ten, weil dort die "Waldung 
ausgereutet ward'*). 

2) ' reifer: Reither. Qreither. Buch- 
reiier, Daffenreither. Hochreiter. 
Markreither. Neureiter. Nieder- 
reiter. Oberreiter. Abstreiter, ent- 
stellt aus Abtsreuther (Steub). Da- 
gegen Margreiter von dem 0. 
Margreit. 

3) ' rieder s. Ried. 

Mitunter finden sich in demselben 

N. alle drei Formen: Bemreuther, 

'reither, - rieder. Frauenreuter, 

-reiter, -rieder. 

Renter IIL 1) mhd. riutaere „Ausreuter", 

der Land ' urbar macht 2) vom Rhein her 

eingedrungen aus mittelniederländ. ruiter 

— wohl aus mittellat. ruptarius, ruterus, 
von rupta Abteilung eines Heeres (Rotte) 

— „Wegelagerer, Räuber *\ woraus sich, 
da diese Leute häufig zu Pferde waren, 
die Bed. „Krieger zu Pferde" entwickelte. 

FN, Reuter. Die Zss. gehören sicher ihrem 
allergrößten Teile nach zu dem vorher- 
gehenden "Worte; nur Kutschenreuter 
dürfte hierher zu stellen sein. 

Niederd. Rüter, Rüther; auch noch 
Ruiter, Ruyter in holländischer Schrei- 
bung (Freren, Lingen — man denke an 
den Admiral de Ruyter). Gen. Rüters 
(niederrhein.) — Reuters (Aachen). 
Beatseh s. Hrod (einst K.). 
Reyn- s. Ragan (V., einst. K.). 
Rheinhan, Rhenrich s. Ragan (V.). 
Rhode s. Hrod (einst. K.). 
Rib- s. Ric (V., zweist. K.). 
RIC I. got. reiks, ahd. richi, mhd. riebe 
„mächtig" (vgl. lat. rex, rego und das 
deutsche Hauptwort Reich); „reich". In 
PN. einer der häufigsten und der frühesten 
Stämme, schon im 1. Jh. vor Chr. bei lat 
und griech. Schriftstellern in germanischen 



sowohl als keltischen N. sich findend: Theu- 

doricus — Caesarix. 

FN. Ricbald: Riebold; Riebel; Ribet — 

Rippold; Rippel — Reibold; Reibet. 

Riebrah t : Rieprecht ; Riepert ; Rieper ; 

Rieber — Ribbert — Reiprecht; 

Reibert; Reiber. Gen. Ripperts 

— Ribberda u. Ripperda (ostfries.) 

— Reihers. 

Ricfrid: Riffert; Riffarth — Refert; 
Refardt — Reiffert; Reifarth; 
Reiffer. Gen. Reifers. 

Richaid: ÄtcÄcy(1544:Richeit=Rich- 
heit). 

Ricohard: Richard; Richert; zsgz. 
Rieht (ostfries. VN. Rieht = Ri- 
chard) — Riegert — Rickert — 
Ritschard; Ritscher; Ritsert — 
Reiehard; Reichert. Gen. Richartx 

— Rigts u. Richten (ostfries.) — 
Reichartx; Reicherx — Reckerts. 
Patr. Zss. Richardsen. 

Richari (m. Rieger zusammenfließend): 
Rieeker (Rieekermann) ; Rieckheer 

— Riegger — Rieger — Rickher; 
Rieeker — Reicher — Reiger. Gen. 
Riechers — Richers — Rickers, 

Richhelm: Reichhelm, 

Ricman : Rieckmann — Rickmann — 

Riemann — Reichmann — Rei- 

tnann. 
Ricmar: Reimer (doch s. auch Ragin- 

mar). Gen. Rickmers. 
Rihmot: Reichmuth, 
Ricoald: Riewaldt; Riewold — Rie- 

kelt — Rigol — Reichwald; Rei- 

chold; Reichelt; Reichhold. Gen. 

Rickelis — Reichholtx. Patr. Zss. 

Riehelsen. 
Ricward : Rickwardt — Requardt — 

Rekate (Preuß. 7). Gen. Riguard» 

— Requards. 

Richowin: Richteten; Richteein — 

Reichteein. 
Bicvüt: Rikoff, nmgederxiet Riekhof — 

Rieloff. Gen. Rickelf s — Rekelofs. 
Einstämmige Kürzung Ric-. 

Rico: Rigo (Borken) — Riecke — 

Ricke — Rieche — Rieh — Reicke 

— Reiche; Reich — Rei. Gen. 



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222 



Rich- 



Ris 



Rieken — Ricks; Riehen; Rickens 

— Rickevia und Rykena (ostfries.) 
Reichs Patr. A. Reiching, 

Vklf. (1): Riechel (Riechelmann) 

— Riegel — Reichel; Reichle — 
Reigel — Reil, Gen. Riegels. Patr. 
A. Reichling, (l -}- n) : Reichlin. 
(z) Richizo, Rizo: Rietsch — Ritxe; 
Riss, (z + k) : Rietschke — Ritx- 
ehen. (z + i) : Rietschel — Ritxel; 
Rissel; Ritschi Patr. A. Ritxler. 

Zweistämmigo Kürzung Rieb-. 

Ribo, Rippo (Stark 114): Riebe — 
Ribhe — Rippe — Reibe — Rebbe. 
Gen. Rieben — Riepen — Rippen 

— Reipen — Riepena (ostfries.)- 
Patr. A. Ripping. 

Vklf. (1): Riebel — Riepl. (k): 
Riebicke — Ripke. Gen. Riepkes 

— Ripken — Reibchen. 
Auslautend -rio sehr hftufig (254 mal 

Forst., fast ausnahmslos männlich); 
daher schon in Namen seiner Bed. 
nach sehr verflüchtigt und im Nhd. 
zu einer bloßen, das männliche Ge- 
schlecht bezeichnenden Endung herab- 
gesunken (Wüterich, Täuberich u.a.). 
-rieh: Dietrich. 

-rick: Lörick. Gen. -rix: Der ix. 
- reich: Dietreich. 
-rei (reg): Krumrey. 
Rieh- s. Ric (V., einst. K.). 
Richter III. ahd. rihtäri, mhd. rihtaere. 
FN. Richter (sehr häufig, s. S. 43). Zss. 
AÜrichter. Batierrichter. Hofrichter; 
Hofferichter. Jungrichter, (-rieht auch 
in ON. des nördlichen Bayern). Gen. 
Richters (niederrhein.). Patr. A. Rieh- 
tering. 
Rick- s. Ric (V., einst. K.). 
RID I. wohl zu nord. rida, ahd. ritan „reiten". 
FN. Ridperaht: Reiprecht. 
(Ridrich): Riedrich. 
Einstämmige Kürzung Rid-. 

Rido: Ried (Riedemann). Patr. A. 
Rieding. 

Vklf. (1): Riedel; Riedl ^Reidel. 
Auslautend Bithurid: Piderit. 
BIdder s. Ritter. 
Rieb- 8. Ric (V., zweist. K.). 



Rieeh- s. Ric (V., einst. K.). 

Rieck- 8. Ric (V., einst. K.). 

Ried m. in ON. 1) ahd. hriot «Ried, Sumpf- 
gras*^, damit bewachsener Ort 2) ahd. riuti, 
mhd. riute durch Reuten urbar gemachtes 
Land; bayiisch Ried == novale und rieden 
= reuten (s. -reut). Die Scheidung ist bei 
der Menge hierher gehörender ON. schwer. 
FN. Ried.Äutenrieth. Osterrieth. Sehmalv- 
ried. 

Ableituug auf -er (oberd.) : Rieder. Bern- 
rieder. Ellenrieder. Oppenrieder. 
Osierrieder (0. Osterried); auch Osler- 
ritter. Westenrieder (0. Westerried). 
— Riedköiter. 

Ried- 8. Rid. 

Riedel s. 1) I. Hrod (einst. K.) 2) Rid. 

Riedesei III. nach Vilmar , Reitesel*' ahd. 
ritesei, was bestÄtigt wird durch das ur- 
kundliche her herman Reitesel, Egkhart 
Rietesel 15. Jh. (Bacm.). 

Bieg-, Riek- s. Ric (V., einst. K.). 

Riehn s. Ragan (einst. K.). 

Rieloff, Riemann s. Ric (V.). 

Riemer III. „Sattler*' (doch hin und wieder 
vielleicht zu ahd. Rimheri oder Ricmar). 

In derselben Bedeat. Riemenschneider; 
Riemschneider. 

Rlen- s. Ragan (V.). 

Rienäeker s. Ecke UI. 

Riep- 8. Ric (V., zweist. K.). 

lUes- s. Ris. 

Riese III. der „Riese". FN. Riese; Ries; 
de Ries (ostfries.). Doch findet sich auch 
schon ahd. Riso 9. Jh. 

Rieth, -rieth s. Ried. 

Rietsch- 8. Ric (einst. K.). 

Rlew-, Riff- s. Ric (V.). 

RIg- s. Ric (V., einst. K.). 

Rikoff s. Ric (V.). 

Rindsmaal III. Österreich. Grafengeschlecht, 
vgl. Alb. Rmdismul 1219, Alber der Rinds- 
raaul 1317. 

Ring-, Riuk- s. Bring. 

Rlnniusiand III. Satz-N. „renne ins Land** 
(= Landfahrer). 

Rip- 8. Ric (V., zweist. K.). 

Riqiiards s. Ric (V.). 

RIS I. ahd. riso „Riese**. Risulf. 
Einstämmige Kürzung Ris-. 



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Eiss- 



Roos 



223 



FN. Biso: Riese; Ries — Reis, Geo. 
Riesen, Patr. A. RisiDg: Reising, 
Riss- 8. Rio (einst E.). 
Ritseh- 8. Ric (Y., einst £.). 
Ritsert s. Ric (V.). 

Ritter m. ahd. ritäri, mhd. ritaere, riter, 
daneben riter, ritter, urspr. allgemein 
„Reiter*^; nachdem aber die Veränderung 
des Kriegswesens seit dem 10. Jh. einen 
besonderen Stand vornehmer Krieger zu 
Roß hervorgerufen hatte, den Ritterstand, 
diente das Wort hauptsächlich zu dessen 
Bezeichnung = ^adeliger Streiter zu Pferde^. 
FN. Ritter. Gen. Ritters, Zss. Klein- 
ritter (doch liegt hier wie bei andern 
Zss. mit -ritter vielleicht eine Ableitung 
von -ried vor, = rieder s. Ried, Oster- 
ritter). Niederd. Ridder, Gen. Ridders. 
Die Form Reiter j die sich ebenfalls aus 
mhd. riter entwickelt hat, ist als FN. selten. 
Ritz s. Ric (einst. K.). 
Rob-, R»b- s. Hrod (V., zweist K.). 
Robe 111. nioderd. „Rübe", in Röbekamp. 
R^h- s. Hroc (V., einst K.). 
Rock III. in mannigfachen Zss.: Blaurock, 
Buntroek, Graurock (Gott. ÜB. I.: Grawe- 
rok 1383). Halbrock. Kurxrock. Langrock. 
Ijeibrock. Padrock (Pfaidrock, linnener 
Übei-wurQ. Schönrock. Wittrock (niederd. 
= Weißrock). 

Da im Altdeutschen Hroc als zweites Glied 
der Zss. verwendet wird (22 mal Forst), 
so werden Spuren davon auch in neueren 
Namen noch zu finden sein, z. B. Poltrock; 
auch für Wittrock findet sich schon ad. 
Witroch 8. 
Rock-, R»ck- s. 1) Hroc 2) Hrod (einst. K.). 
Rod-, Röd- 8. Hrod (V., einst K.). 
Rode s. a) I. Hrod (einst. K.) b) III. Rothe. 
Rode III. in ON. zu „roden" (reuten), wozu 
ein paar hundert alte Namen seit dem 
8. Jh. und unzählige neuere auf -rode, 
-roda^ -rod gehören. In Niederdeutsch- 
land tritt für ein a ein: -rode, -rath. 
FN. von Roden (von deme Rode Gott. 
ÜB. I. im J. 1377 — laünis. de Novali 
1388). von Dachröden (0. Dachröden 
jetzt Dachrieden bei Mühlhausen). 

Zss. 1) -rode: Benterode. Mauderode. 
Minnigerode (0. Mingerode Hannov.). 



V, Nesselrode, Osterode, v. Wintxin- 
gerode. — Neuroda. 
Gewöhnlich gekürzt in: 

2) -roth (Thüringen, Hessen), auch 
wenn der ON. -rode hat: Billroth (0. 
Billroda). Germeroth (0. -rode). Hitxe- 
roth (-rode), v. Siegroth. 

3) -rodt: Bteichrodt (0. Bleioherode). 
Eichrodt. Elligerodt (0. Eiligerode). 
Güntherodt (0. -rod und -rode). Macken- 
roth und Maekrodt. v, Mallinekrodt, 
Wilgerodt (0. Wilkenrath). 

4) -rott: Aschrott (0. Ascherode). 
Hütterott (Hüttenrode). Pfafferott. 

5) -rath (in Rheinpreußen): Beeke- 
rath (0. Beckrath). Beüingrath. Blu- 
menrath. Herkenrath. Hilberath. Her- 
xogenrath. Lückerath. Owerath. Paff- 
rath. Wallrath. Wingerath. Selbst 
Bergrath (Dorf im Rgb. Aachen), Bau- 
rath (neben Bauroth, Hessen), Bankratk. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -röder: Ällmenröder. Blumen- 
röder; Blumröder (0. Blumerode 
und Blumroda, alt Blumenroda). 
Hergenröder (0. Hergenrod). ÄwÄ- 
senröder. 

2) -röther: Hergenröther. 
-röder, -rodt s. Rode III. 
Roel- s. Hrod (V., einst. K.). 
Rog-, R»g- s. Hrod (V., zweist K.). 
Rogg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. K.). 
Roh s. Hroc. 

Rohd- s. Hrod (V., einst K.). 

Rohenkohl s. Hroc (V., Rochold). 

Rohl- s. Hrod (V.). 

RShl- s. Hrod (einst K.). 

Rohm- s. 1) Hrod (V) 2) Hrom. 

RShm- s. Hrom. 

Rohn- s. Run. 

Röhr-, Roht-, Rohw- s. Hrod (V.). 

Rokohl s. Hroc (V.). 

Rol- 8. Hrod (V., einst. K.). 

Rolfus, RoUfiiß s. Fuß b) 

RSll- s. Hrod (einst K.). 

Rom- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 

Rom -9 Romm- s. Hrom. 

Ron-, Ron- s. Run. 

Rondoif s. Rand. 

Roos s. Hrod (einst. K.). 



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Röp- 



Ruhe 



E»p- 8. Hrod (V., zweist. K.). 

Bopp- s. Hrod (V.). 

R)lrdanz III. 8atz-N. ^rühre den Tanz*" 
d. i. hebe den Tanz an. Vgl. Hebetanx^ 
*>ehickedanx. 

Rorieh 8. Hrod (V). 

Ros-, RJfe- 8. Hrod (einst. K.). 

Rose a) I. s. Hrod (einst K. Rozo) b) III. 
s. das Folgende. 

Rose in. die Königin der Blnmen, in alter 
wie neuer Zeit beliebt; dann Sinnbild der 
Schönheit und der Liebe — gern zum Ab- 
zeichen (Hauszeichen S. 60) gewählt, bes. 
in der ritterlichen Heraldik (meist die rote 
Rose). 

In vielen Zss.: Rosenblatt. Rosenblüt 
(schon unter den Meistersingern ein Hans 
Rosenplüt). Rosenbaum. Rosenkrantx 
(auch ON.). Rosenstengel, v. Rosenstem 
(Rose und Stern im Wappen verbunden). 
Rosenstiel. Rosenstock (S. 61). Rosen^ 
Strauch. Rosenxweig. 

Mayrose. In vielen ON.: Rosenbach^ 
-berg, -hain, -thal u. a. 

Rosen m. Ballhom, Erzieher lippischer 
Prinzen, erhielt statt dieses Namens, der 
ihm unangenehme Spöttereien zuzog, im 
Hinblick auf die Rose im lippischen Wappen 
den N. Ballhom- Rosen, und seine Söhne, 
die bekannten Orientalisten, ließen den 
urspr. N. ganz fort und nannten sich ein- 
fach: Rosen (Pott, S. 661). 

Rosen- s. Rose lU. 

Rosenbaom lU. mhd. rö8eboum „Rosen- 
stock". — Auch Haus-N. (in Straßburg 
zwei Häuser „zu dem Rosenbaum" 1225) 
u. ON. Niederd. Rosenboom, 

Rosenplenter UI. niederd. = „ Rosenpflanzer". 

Rosenstengel IH., auch Rosenstingl (Wien). 

Rosentreter III. (bei Klemp. Rosentreder) 
„der auf Rosen wandelt". Auch RosentrUt. 

Roß a) I. Horsa 5 (Roß) b) lU. Roß (als Haus- 
zeichen, wie namentlich bei Gastwirten). 

Roßdeutseher s. Roßtäuscher. 

Rössel, Rössel s. Hors. 

Roßtäuscher III. mhd. rostüschaere der 
„Roßhändler", von tuschen, tauschen (womit 
freilich gerade hier oft auch ein „täuschen" 
verbunden ist) vgl. „Roßtäuscher" im Mar- 



burger Gewerbe -Verz., auch „Täuscher", 
Schiller, Pegasus im Joche. 
FN. Rofsteuseher — (wegen des üblen An- 
fanges) entstellt in Rofsteutscher; Rofs- 
deutscher. 

Rost-, R^tetel 8. Rust. 

Rtftfers 8. Hrod (V.). 

Roth 8. a) I. Hrod (V., einst K.) b) lU. Rothe. 

-roth 8. Rode. 

R»th- 8. Hrod (einst K.). 

Rothbarth UI. Zss. mit Bart, vgl Friedrich 
Barbarossa (kann aber in manchen Fällen 
auch = Hrodebert sein). 

Rothe ni. nach der Farbe des Haares, s. 
Fuchs. Heinrich der Rothe 1263. 

-rSther s. Rode. 

Rothermel III. zu den von der Kleidung 
entlehnten N. (S. 46). Desgl. Rothkäppel 

Rothmaler III. „der die roten und über- 
haupt die bunten Anfangsbuchstaben in 
Handschriften anfertigte", lat rubricator 
(Rubrik), illuminator. 

Rothsehoh III. Schuh aus feinem rotetn Leder 
(Corduan) — bei reichen Leuten beliebt 
(Weinhold, Deutsche Frauen II, 265). 

Rotseh, R»tseh, Rott-, Rotz, Rtfzel s. Hrod 
(einst £.). 

Rtfve niederd. Rübe-, in Rövekamp, Rötre- 
kamp. 

RoTers, Rtfye s. Hrod (zweist K.). 

Rnb- s. Hrod (V., zweist K.) 

Rttbig s. Hrod (zweist E.). 

Rttbsamen III. deutlicher N. aus dem Pflan- 
zenreich. Auch Rübesam. 

Rubi 8. Hrod (zweist E.). 

Rück- 8. Hrod (V., einst E.). 

Rttck- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., einst. K.). 

Rttek III. ahd. hrukki, mhd. rücke „Rücken", 

1) in Zss. wie: Breüntck. Weifsrück — 

2) in ON. wie Geisruck, Ziegenrück. 
FN. Baumruck. Harruck. 

Ableitung auf -er (oberd.): 
Baumrucker. Buchrucker. Harrucker. 
iSteinrueker. 
Rnd-, Rttd-, Rtted- 8. Hi*od(y., einst K). 
Ruf- 8. Hrod (V., zweist E.). 
RttfTert s. Hrod (V.). 
Rüg-, Rüg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist 

E.). 
Ruhe, Rühe s. Hroc. 



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Rahfaß 



Sal 



225 



Rahftaß 8. Rauchfaß. 

Rnhkopf III. halbniederd. «= «Raohkopf". 
Rnhle s. Hrod (einst E.). 
Rühl- 8. Hrod (V., einst K.). 
Rnlim-, Rtthm- s. Hrom. 
Rillimekorb ni. Satz-N. „räume d. i. leere 
den Korb". Niederd. Ruhmkorff; Rühme- 
korf (s. Reumschüssel). 
Rnhii- 8. Run. 
Rnl- 8. Hrod (V., einst K.). 
Ram- 8. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Rilm«9 Ramm«, Rttmiii« s. Hrom. 
Rnmohr III. Dorf bei Kiel , ehemals Ragemoor 
d. i. rauhes (= mit Gebüsch bewachsenes) 
Moor. 
Rmnp- 8. Hrom (V., zweist E.). 
Runsehöttel s. Reumschüssel. 
RÜX I. got. rana, ahd. rüna, mhd, rune 
„Geheimnis, geheime Weisheit** (vgl. 
„Runen" und das nhd. „raunen"). 
FN. Runger: Ronniger, 
Runhard: Rönnert. 
Runheri : Rohner — Ronner — Röh- 

ner — Rauner, 
Runuald: RönelL 
Einstämmige Kürzung Run-: Rohne; 
Rohn. Patr. A. Ronnifig. 

Vklf. (k) Runico: Runike; Ruhnke 
— Runnecke — Runge; Ruhck — 
Rüncke — Rohnke — Ronge — 
Rönigk. Gen. Ruhnken — Röntjen 
(ostfries.). (k + l): Runkel. 
Ron-, Rttn- s. Run. 
Rnoff s. Hrod (zweist. K.). 
Rnp- 8. Hrod (V., zweist. K.). 
Rttp- s. Hrod (zweist K.). 
Ruß, Rilßler s. Hrod. (einst K.). 
RU8T I. ahd. hrust, rust „Rüstung". 
FN. (Rusthart): Rostert. 
Einstämmige Kürzung Rusto 9.: Rust 
— Rüst — Rost. 
Vklf. (1): Röstel. 
Rnßwurm lU. mhd. ruo^wurm. Auch Rofs- 

umrm, 
Rttt-, Rnth- 8. Hrod (einst. K.). 
Rttter 8. Reuter. 

Rutsehke, Rtttschle s. Hrod (einst. K.). 
Rntt- Rtttt- 8. Hrod (V., einst K.). 
Ratz-. Rtttz- 8. Hrod (einst E.). 
Rnwoldt 8. Hrod (V.). 

Heintze, Deatsohe Familieununen. 2. Aofl. 



Ryder s. Reiter. 
Rykena s. Rio (einst. 



E). 



s. 

Saaeke s. Sac. 
Saar- s. Sar. 
8aaß 8. Sahs. 

Sabeliins II. Presbyter in Ptolemais (3. Jh.). 
FN. Zabel (Zabellus, Szabel VN. Elemp.). 
SAC I. got sakan, ahd. sahhan „streiten". 
Sahmar. 

Einstämmige Eürzung Sac-. 
Sacco: Saeh — Sack — Saaeke, 
Saehs- a) s. I. Sahs b) HI. Stammesname: 

Sachse; Sachs, Sax, 
Sack a) I. s. Sac. b) III. zu den Gerät- 
namen, bes. in Zss., die wohl großenteils 
Spottnamen sind: Biersack. Buttersack. 
Ä>/sacÄ (Botentasche). Habersack. Hopfen- 
sack, Ledersack. Milchsack (mhd. miloh- 
sac „Hirtentasche"). Strohsack. Vollsack. 
Wadsack, c) IH. ON. in Bohnsack (West- 
preußen). 
Sackmann IH. mhd. sacman „Troßknecht" 

(auch = Plünderer). 
Sadler, Sudler s. Sattler. 
Sager III. der „Säger", vgl. Ladeke de sager 

Ehren traut fries. Archiv. Bd. I, H. 3. 
Sägrert 8. Sig (V.). 
Sägesser s. Segisser. 
Sahlmann s. Sal. 
Sahr 8. Sar. 

SAHS I. zum Volksnamen der „Sachsen", 

ahd. Sahso, mitteld. niederd. Sasse (vom 

ahd. sahs Messer, urspr. Steinmesser, vgl. 

lat. saxum. S. 15). Sahsbert. Sahsarich. 

FN. (einstämmig) Saxo, Sasso: Sachse^ 

Saxe; Sachs — Sa>sse — Saafs. 

Vklf. (1): Sassel — Sefsle. (k) 
Sahsiko: Saske. 
Saitz s. Sig (einst. E.). 
SAL I. vielleicht zu got saljan „darbringen", 
ahd. sala, mhd. sal „rechtliche Übergabe 
eines Gutes". Salabald. 
FN. Salager: Salger — Seeliger — Selker, 
Salaroan: SaMmann — Seelmann. 
(Zsgeworfen mit Salomon). 
Einstämmige Eürzung Sal-. 
(Salo): Seile. 

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226 



Sallwerk 



Scale 



Vklf. (k) Salaco: Sauge — Seligo, 
Patr. A. Sehling, 
Sallwerk lU. mhd. sarwurke, später ent- 
stellt salwurke (z. B. Berchtold Salwurk 
1373) „Harnischmacher". Auch SdUicürk, 
Salomo n. hehr, „der Friedliche". 

FN. (christlich und jüdisch): Salomon, 
Gen. Salomons, 
Salzer in. der „ Einsalzer'*. 

FN. Salxer — SäUer, Niederd. SoUer 
— SöUer, 

Dazu die Zss.: ScUxgeher. Salxmann. 
Salxsteder. 
Samariter lU. wohl mit Bezug auf den 

„barmherzigen Samariter" Ev. Luc. 10. 
Sambol s. Sand. 
-samer s. Heim lU. 
Samm- s. Sand. 

Samuel II. hebr. Schemuel „von Gott erhört" 
(1, Sam. 1, 20). 

FN. Samel — Zamel, Zahmel (mit Ver- 
härtung des 8 in z, wie in Niederd. bei 
fremdsprachigen N. öfter). Gen. Samuels. 
Patr. Zss. Samtielsohn (jüd.) — Samel- 
sohn. 
SAND I. hochdeutsche F. des altsächsischen 
sodh (dän. sand) „wahr". 
FN. Sandebold: Sambol 
Sandebert: Sammert, 
Sandheri: Sander; Sandherr — San- 
ier — Söder. 
(Sandmar): Saminer, 
Sandarat: Sandrat. 
(Sandroch): Sandrog; Sandrock. 
Sandelt: Sannwald; Sandol. Zss. 
Sandelmann. Gen. Sandholx. 
Einstämmige Kürzung Sand-. 

Sando; Sande — Santo; Saudi. 

Vklf. (1): Sandel — Sendet, (k): 
Sandig — Sannig; Sänke — Senteck. 
(z) Sanzo: Santx — Sentx. 
Sand a) I. s. Sand b) HI. = Sandfläche , vgl. 
Ulrich im Sand 12(54. Auch häufiger ON. 
Sander a) I. s. Sand b) U. Alexander. 
Sandfuehs III. „sandgelbes Pferd". 
Sanftleben III., niederd. SaMlehen (schon 
1369 Heneke Sachtelevent), „der ein sanftes 
d. i. ruhiges Leben führt". 
Sann -9 Sant- s. Sand. 



Santjohanse^ HI. von dem Doi-fe u. ehe- 
maligen Kloster St. Johann in Toggenburg 
(Tobler-M.). 
SAR I. got. sarvo, ahd. saro, mhd. sar- 
(nur in Zss.) „Rüstung**. 
FN. (Sarafrid): Sarfert; Sarfart. 

Saraman: Saarmann — Sermatm. 
Serald: Sehrtcald. 
(Sarwig): Sarwey. 
Einstämmige Kürzung Sor-. 

Saro; Solare; Sahr — Sarre — 
Serre — Seer. Patr. A. Säring. 
Vklf. (k): Sarach — Serig; 
Sehrke. (k + 1): Sargeli. 
Sarrazin, Sarazin (gewöhnl. in franz. Aus- 
sprache) III. mhd. Sarrazin, franz. Sarrasin, 
mittellat Saracenus, arab. scharakyn „Sa- 
razen, Morgenländer". 
Sarre s. Sar. 

Sartor III. Latinisierung für „Schneider". 
FN. Sartor; erweitert Sartoriue. Gen. 
Sartori (aus Sartorii). 
Saske, Sass- s. Sahs. 
Sattier III. ahd. sataläri, mhd. satler. 
FN. Sattler; mit Umlaut Sattler. Niederd. 
Sadler — Sädler. 
Sauer III. einfach und in mancherlei Zss. 
(S. 47): Sauerapfel. Sauerbier. Sauerbrei; 
Saurbrey. Satteressig. Sauermilch. Sauer- 
most. Sauersenfl. Sauerteig. Sauerwein. 
— Sauerbeck. 
Saufaus III. Satz-N. „ein Saufaus*" (Säufer). 
Säugling III. 
Saupe s. Suud. 
Sauter s. Suter. 

S€A€ I. zu altnord. skaka, angels. scacan 
„schütteln, erschüttern" (engl.shake; Shake- 
speare = Schüttelspeer). 
FN. Schachert. 
Einstämmige Kürzung Scac-. 

Scacca: Schacko; Schocke; Schock — 
Schaake — Schttche. 

Vklf. (1): Schackerl — Schäekel 
— Schächte. 
SCALC I. got. skalks, ahd. scalc, mhd. schale, 
schalch „Knecht, Diener". Scalcoman 8. 
FN. Scalco: Schalke — Schalch — Sehaü. 
Auslautend (14 mal Forst): 
'Schalk: Gottschalk, 
-schall: Oottschall. 



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Scar 



Scheer 



227 



SCAR I. ahd. scara, mhd. schar „Schar'* 
(Heeresabteilung) — oder ahd. scar, mhd. 
schar „schneidende Waffe'' (Pflugschar). 
Scaramunt. 
FN. (Scaribert): Scheerharth, 

(Scaraman): Scharmann — Seherr- 

mann, 
(Scarold): Seharold. 
(ScaiolO: Scharloff. 
Einstämmige Kürzung Scar-. 

Scharr — Schar , Schaar — Seherr 
— Scheer. Patr. A. Sehäring, 
Schering. 

Vklf. (1) Scherilo: Scharl — 
Scherle. Patr. A. Scherling. (k): 
Scharck — Scherck. 
SCARP I. ahd. scarf, mhd. scharf, scharpf, 
alts. scarp ,, scharf", Skerfold u. a. 
FN. (Scarpo): Scharfe — Scharpff — 
Scherpe — Schärffe; Scherff. Gen. 
Schärpen. Patr. A. Scharping — 
Scherper (Preuß). 
Vklf. (k): Scharpke — Scherfig. 
SCAUN I. got skauns, ahd. sconi, mhd. 
scboene „glänzend — schön''. 
FN. (Scaunibert): Schombert Vklf. (1): 
Schömperle. 
(Sconhart): Schonhardt; Schonert — 

Schönhardt; Schonert. 
Sconhari: Schöner; Schonherr. 
(Sconrich): Schönreich. 
Sconolf: Schönewolf. 
Einstämmige Kürzung Scann-. 

(Scono): Schoon — Schöne; Schön 
(Schönemann). Gen. Schonen. 
Patr. SchÖning. 

Vklf. (1): Schöndl; Schönte. Patr. 
A. Schönling. (1 + n): Schönlin; 
Schönlein, (k) : Schönecke; Schönig. 
(k + n): Schönichen. 

Sehaar s. Scar. 

Sehaeh-, Sehäehle s. Scac. 

Sehaehtschabel ni. mhd. schächzabel „Schach- 
brett". 

Sehaek-, Sehtfekel s. Scac. 

Sehade III. ahd. scado. mhd. schade „schä- 
digender Feind, Widei sacher" (doch auch 
schon im 8. Jh. Scatto). 
FN. Schade; Schad. Zss. Landschade. 

Sehadenfroh III. S. 48. 



Sehaf III. (Hauszeichen S. 61); mit der Zss. 
Schlachtschap f dem N. eines Wiedertäufers 
in Münster 1534. 
Sehäfer HI. ahd. scäphare, mhd. schaefer 
„Schafhirt*. 

FJ^. Schäfer. Gen. Sc/iä fers. Zs8.Hor8tschäfer. 

Neuschäfer. Schäfersmann. Niederd. 

Schaper — Schäper. GQii.Sch€eper8; Schä- 

pers (niederrhein.). Zss. Bauerschäfer; 

niederd. Buerschaper. — Schäpermeier. 

Sehaffenhaner IH. „Verfertiger von Schaffen" 

(ahd. scaph, mhd. schaf, altsächs. scap 

Schaff, Holzgefäß), etwa = Bötticher. 

Sehäffer III. (mit geschärftem Vokal) ahd. 

scafßlri, mhd. schaffaere, schaffer, scheffer 

^Schaffner" (Verwalter, Hausmeister). 

FN. Sehäffer, Scheffer — auch Schaffer 

— Schöffer (aus dem Gebrauche des 

15. — 16. Jh. in Mitteldeutschland, wo 

man das e in ö vei^öberte, woher noch 

Schreibungen wie „Schöpfer, Hölle"). 

Zss. Neuschöffer. Niederd. Schapper. 

Gen. Scheffers. 

Mit dem n der schwachen Bildung: 
Schaffner — Scheffner. 
Sehaffnieht in. Satz-N. „schaffe nichts" (ein 

Faullenzer). Auch Schaffnit. 
Sehaffk^th III. „schaffe Rat" (einer der immer 
Rat zu schaffen weiß) — auch Schaffenraih. 
Sehaleh, Sehalk, Sehall s. Scale. 
Sehaper, Sehilper s. Schäfer. 
Sehapper s. Sehäffer. 
Seharf-, Sehärf- s. Scarp. 
Sehftring, Seharl-, Seharold s. Scar. 
Seharp- s. Scarp. 
Seharr s. Scar. 
Sehaubert s. Schubert. 
Schauer s. Scur. 
Schaufert s. Schubert 
Sehaninsland III. Satz-N. (0. in Baden); 

auch zsgz. Schaunsland. 
SehaninkeU lU., SehaamlWel UI. s. S. 44. 
Sehaur- s. Scur. 
Scheele s. Schiele. 
Seheelhaß s. Schellbase. 
Seheepers s. Schäfer. 

Scheer a) I. s. Scar b) III. mhd. scher der 
„Scherer, Barbier". 

FN. Scheer (latinis. Rasor). Zss. Bart- 
scheer. Tuchscheer. 

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228 



Scheerpelz 



Schiller 



Scheerpelz III. Satz-N. 
Seheff<ii)er s. SchäfPer. 
Seheflrier III. mhd. scheifelaere, von scheffel 
kleines Schaff (niederd. Schapp), der „Faß- 
binder". In München Bezeichnung des Ge- 
werbes (Schäffler). 
FN. Scheffler — Sehöffler. Niederd. 
Schepeler. 

Scheibner III. einer aus dem 0. Scheiben 
(in Böhmen, Steiermark u. a.) 

Scheide III. im Sinne von „Wasserscheide" 
seit dem 8. Jh. in ON. Heutzutage die 
einfachen Scheide, Scheidt und viele örter 
auf -scheid, die eine zusammenhängende 
Masse in dem Regierungsbez. Arnsberg, 
der preuB. Rheinprovinz, Nassau, Luxem- 
burg bilden. 

FN. Scheid. Ämscfieidt. Brandscheid. 
Burtscfieidt, Dürrscheidt, Langen- 
scheid. Mittelsienscheid. Reifferscheid. 
von Rohrscheidt. Thanscheidt. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Wegscheider (0. Wegscheid u. Weg- 
scheiden, häufig in Österreich und 
Bayern). Lugscheider. Marscheider. 

Scheidemann III. mhd. scheideman „Schieds- 
richter". 

Scheil s. Schiele. 

Schein III. in den Zss. Blumenschein. Haus- 
schein (verlateint Oecolampadius). Maien- 
schein. Motischein. 

Scheid-, Schell- s. Scild. 

Scheilhase III. „scheu aufspringender (mhd. 
schellecj Hase". Entstellt Scheelhafs. 

Schellhoru III. Schelchshorn 1677, Schels- 
hom (München) „Hörn des Scheichs" (Rie- 
senhirsches Nib. 880). Auch SchÖllhom. 

Schellkopf III. „Kopf des Scheichs" d. i. 
Riesenhirsches. 

Scheit- s. Scild. 

Schenk III. ahd. scenco, mhd. schenke der 
„Schenke, Mundschenk" — bes. auch ein 
Hofamt; daher in den N. mehrerer edler 
Geschlechter, die dann dem Amte zur wei- 
teren Unterscheidung oft noch den Stamm- 
sitz hinzufügten: Kuonrat der schenke von 
Wintersteten. Gegenwärtig noch: Schenk 
van Stauffenbery (ehemals Schenken der 
Hohenstaufen); Schenk von Geyern; Schenck 



XU Schweinsberg u. a. — Zss. Biersehenk. 
Weinschenk. 

Schenkel III. Körperteil — mit den Zss. 
Kurxschenkel. Langsehenkel. 

Schepeler s. Scheffler. 

Scher- s. Scar. 

Scherer III. mhd. scheraere „Scherer" d. L 
Barbier, doch auch Feldscher und Tuch- 
scherer. 

Scherf-, Scherp- s. Scaip. 

Schermer s. Schirmer. 

Scherr- s. 8c4ir. 

Scheubenpflagr UI. Satz-N. „schiebe den 
Pflug" (ein tüchtiger Pflüger). 

Scheachenpflagr III. Satz-N., vom mhd. 
schiuhen scheuen: „scheue den Pflug". 

Scheuer-, Scheor- s. Scur. 

Scheunemann in. „der an der Scheune". 
Niederd. Schünemann. 

Schick s. Scic. 

Schickedauz III. Satz-N. „schicke den Tanz" 
d. i. ordne den Tanz an — auch Schicken- 
dans — Schücktanx (österr.). 

Schiele III. „schielend". Schile- Peter. 
FN. Schiele — Scheele — Scheil. 

SchietendUrel III. Satz-N. „schieß den 
Teufel". 

Schier- s. Scir. 

Schiffer III. Gen. Schiffers (niederrhein.). 
Vklf. Schiffern. Niederd. Schipper. 
Gen. Schippers. 

Schifferdecker III. = Schieferdecker, 

Schiffmann III. ahd. soefman, mhd. schif- 
jnan der „Schiffer" (welches letztere erst 
seit dem 16. Jh. auftritt). Niederd. Schipp- 
mann. 

Schild- s. Scild. 

Schild III. in Haus -N. Qrünschild. Rothschild. 

Schiidwächter III. der „in voller Rüstung 
Wache stehende Krieger" (s. Luthers Bibel- 
übers. Rieht. 7, 11). 

Schilf-, Schilk-, Schill- s. ScUd. 

Schiller a) I. III. wohl durch Rückangleichung 
aus Schilter, Schilder entstanden, wie Hiller 
aus Hilder. Man vergleiche auch „schil- 
lern" = schildern (Schild wach stehen) in 
einem bei Moscherosch aufbewahrten Volks- 
liede des 17. Jh.: 

„Gott ist des Christen Hülf und Macht, 
Ein' feste Citadelle; 



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Schilling 




229 



Er wacht und schillert Tag und Nacht, 
Tut Kond* und Sentinelle." 
b) ni. „ein Schielender" (schwäb. schilla 
„schielen"). 
(Der N.Schiller findet sich in Oberschwaben 
schon im J. 1403.) 
Sdüllingr III. die bekannte Münze, schon im 
Got skUlings (wohl zu ahd. scellan klingen), 
seitdem in allen germanischen Sprachen, 
mhd. schillinc. (Doch schon im Angels. ein 
Scilling der ,,Tönende", als Gefährte des 
sagenhaften Sängers Yidsidh). 
FN. Schilling. — Schelling. Gen. Schil- 
lings (niederrhein.). — Zss. Fünfschil- 
ling, (S. auch Scild.) 
Schilter a) I. s. Scild b) III. ahd. schUtäh 
mhd. schiltaere der „Schilde und überhaupt 
Lederwerk anfertigt"; dor „Schildmaler, 
Wappenmaler" (woher nhd. das Zeitwort 
„schildern"). Welch win der Sciltaer 1190, 
Johannes dictus Schildere (pictor). 
FN. Schilter — Schilder — Schiller, 
Mit dem n der schwachen Bildung: Schild- 
ner. 
Scliimmelpfeniüg III. einer der den Pfennig 
erst mit Schimmel sich übeziehen läßt, ehe 
er ihn ausgibt. Vgl. Wucherpfennig. 
FN. Schimmelpfennig; Schimmelpfeng. 
Niederd. Schimmelpenninck. 
Schindler III. mhd. schindelaere „Schindel- 
macher". 

Schipper III. s. Schiffer. 

Schirmeister III. bei den Schmieden der 
„Vorschläger"; sonst „Geschirrmeister" auf 
Schiffen, bei den Posten usw. (Kann aber 
z. T. auch aus mhd. scbirmmeister „Fecht- 
meister" entstanden sein.) 

Scliirmer m. ahd. schirmäri, mhd. schir- 
maere 1) „Schützer" 2) „Fechter". Auch 
Schürmer — Schermer. 

Schlrott, Schirrey s. Scir. 

SchittenheJm s. Schüttenhelm. 

-schitz III. in ON. slawisch, s. S. 83. 
FN. Ldpschitx. — Dobachütx (0. Dob- 
schitz). Niebelschütx. 

Sclüächter III. slahtäri, mhd. slahtaere, 
slahter, siebter der „Fleischer". 
FN. Schlächter — Schlachter (südd.). 

Sehladenhaaifeii s. Schlagdenhauffen. 



Schladoth III. niederd. Satz-N., ein „Schlage- 
tot". 

Schlag III. in ON. vom Schlagen eines Wal- 
des : Puoheslaga 9. u. a., jetzt Buchenschlag 

— mitunter auch aus loh „Busch" mit 
vorhergehendem s entstellt: Adelschlag 
aus Adaloltesloh. (Noch andere Bed. von 
„Schlag" in Flur-N. bei Bück S. 239—40). 

FN. Asperschlag. Qiesenschlag. Rott- 
schlag. 

Ableitung auf -er (oberd.): Partenschlager 
(Baden). 
Sdüagdenhauffeii m. Satz-N. für einen 
tapfem Dreinschläger; auch Schlaginhaufen 

— aus beiden abgekürzt: Schlagenhauf. 
Ähnlich 

Schlagenteaffel III. Satz-N. s. S. 52. 

Schiftger III. einfach und in Zss.: Kessel- 
Schläger. Lautenschläger. 

Schlagintweit UI. niederd. Satz-N. aus 
„Schlag in dat Weite". 

Schlauderaff LEI. ein nichtstuender „schlu- 
deriger Affe" (woher Schlaraffe, Schlaraffen- 
land). 

FN. Schlauderaff — Schlauraffe — 
Schluraffe. 

Schleemilch s. Sohlegelmilch. 

Schlegel III. ahd. slegil, mhd. slegel „Schlä- 
gel*", Werkzeug zum Schlagen (auch 
Schlachten). Hermann der slegel 1299. 
FN. Schlegel. (Burcard, de Bliensowe dict. 
Bruggenschlegel 1265.) 

Schlegelmilch UI. „Buttermilch^ (von schla- 
gen mhd. slegemilch, slemilch). Auch 
Schleemilch; Schlömilch. 

Schiemmer III. „Schlemmer'", der slemmei 
1595. 

Schlesing ni. ein „Schlesier*" — neben dem 
neueren Schlesinger und auch Schlesier. 

Schlichtegroll, auch SchlichtlEnül lU. 
Satz-N. „schlichte die Locken*, mhd. krülle 
„Haarlocke"". 

Schlick III. mhd. slic „Fresser"'. 

Schließer lU. der „Schließer"", bes. in dem 
Sinne von „Gefängniswärter"". Niederd. 
Schlüter (Klemp Matrikeln der pomnier- 
schen Ritterschaft S. 136: Sluter = cla- 
viger). 

Schlindewein III. Satz-N. von mhd. slinden 
schlingen = „Weinsfiufer"". 



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230 



Schlookebier 



Schneider 



Schloekebier s. Schlackebier. 

Schtöhbaum LLI. ,, öchleebauui , -husch ^^ (ahd. 

sleha Schlehe, prunella). 
Sehltfmilch s. Schlegelmilch. 
Sehlosser in. neuere BezeichouDg statt der 
älteren Kleinschmied. 
FN. Schlosser — Schlösser — Schlötxer. 
Sehlothaaer III. „Schlosser*'. Auch Sehlotx- 

hauer. 
Schlaekebier III. Satz-N. Nach Vilmar ist 
ein ganzes hessisches Dorf von Schlucke- 
bieren bewohnt Auch Schloekebier, 
Sehiiiraffe s. Schlauderaff. 
Bchmeekebier III. Satz-N. „schmecke Bier" 

(s. Schluckebier). 
Schmeekpeper III. Satz-N. niederd. ,,schmecke 

Pfeffer.'' 
Sehmed-, Sehmetje s. Smid. 
Sehmid a) I. s. Smith b) III. got. smitha, 
ahd. smid, mhd. smit jeder „der aus Metall 
Geräte verfertigt". 

FN. in veri*chiedener Schreibung, gew. 
Schmidt, daneben Sehmid j Schmitt , 
Schmiedt, Gen. Schmidts, Schmitz (h'&u&g 
am Niederrhein) — Smets — Smeets. 
Der ursprÜDgliche Anlaut sm ist erbalten 
in den aus Nordwest -D. stammenden FF. 
Smidt, Smid, Smitt, 

a) I. s. Smid (auch S. 43). 

b) 111. noch häufiger sicherlich aus der 
3. Periode stammend , wohin auch die 
vielen Zss. gehören: 

1) nach dem bearbeiteten Metall: 

Blechschmidt. Eisenschmidt; Isen- 
sehmid (mhd. isonsmit). Qold- 
Schmidt. Kupferschmied; halb- 
niederd. Kopperschmidt (Hamb.). 
Silber sch?nidt. Stahlschmidt — 

2) nach dem verfertigten Geräte: 

Beilschmidt. Drahtschmidt. Hdcken- 
Schmidt. Hammer schinidt. Hauben- 
schmidt. Hufschmidt. Messer- 
schmidt. Xagelschmidt. Pfannen- 
schmidt. Pfeilschmidt. Schaar- 
schmidt (der Pflugscharen schmie- 
det). Scheerschmidt. Segenschmid 
= Srttsen sehmid. Sichelschmidt. 
Waffenschmidt. — Kaltschmidt. 
Kleiffschmidt. Pfentiigschmidt 
(Münzer?). Werschviidt (Waffen- 



schmied). Wohl scherzhaft: Puster- 
schmidt (Verfertiger von Blase- 
bälgen). Wurstschmidt — 

3) auf doppelte Beschäftigung 
deutend: Bauersehmidt (wie auch 
umgekehrt Schmittbauer), Jäger- 
schmidt — dagegen Freischmidt 
ein unzünftiger Schm. — 

4) auf den Standort der Schmiede 
bezüglich: Bergsclimidt, Blumen- 
sehmid. Dorfsehmidt. Oassen- 
Schmidt. Lindensehmit. Sonnen- 
sehmidt (wohl bei einem Gasthaus 
„zur Sonne"). Thorschmidt. Wald- 
schmidt — auch wohl Brüggen- 
schmidt (der Schm. an der Brücke). 

Seltener bildet das Wort den 
ei'sten Teil der Zss., was fast nur 
in Verbindung mit ^PN. stattfindet: 
Schmitthenner (der Heinrich von 
der Schmiede). Schmitjan (der 
Schmiedejohann). Schmidtkunx. 
Schmidtseifert (-Siegfried). — 
Schmidthuber (s. Huber). 
Schmidd-, Schmied-, Sehmit- s. Smid. 
Behmoek, Sehmaek-, Sehuifiek- s. Smuk. 
Sehnapaaf III. Satz-N. 
Schnatmeyer III. Schnat oder auch Land- 
wehr: an der Grenze gelegene Abteilung 
der Mark, die einer engeren Gemeinschaft 
zugehört. Auch in Schnatmann; Schnat- 
horst. 
Schnee III. — auch in der Zss. Kaltschnee. 
Schneekloth; Schneekluth niederd. = Schnee- 
kloß. Schneevogl, 
Schneewels III. mhd. snewi^. 
Schneewind s. Schneidewind. 
Schneid III. wohl die (politische) Grenze 
bezeichnend, in ON. seit dem 8. Jh. (Oten- 
snaita). 
FN. Schneid; Schnaith (württ). Wessan- 
schneid. 
Ableitung auf -er: Elend^chneider. 
Schneider III. erst mhd. snrdaere, snider 
„der ein Gewand zuschneidet und verfer- 
tigt" — einer der häufigsten FN. Gen. 
Schneiders (niederrhein.). 

Zss. Herrenschneider. Kampfschneider. 
(westf., der Sehn, vom Kampe). Xagel- 
schneider („Nagel , olim Scbneidei**'Preuß34). 



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-sohneider 



Schreiber 



231 



Niederd. Seknieder (schon 1383 im Gott. 
ÜB. L als Snidere yorhanden) ~ zsgz. 
Schnier. Gen. Snyders — Sehnieders (ost- 
fries.). 

Einige merkwürdige Zss. bietet auch hier 
Westfalen: Schocke?t8chnieder; Hemken- 
samkensehnieder — was bedeuten sie? 

(Die Bemerkung Vilmars, daß der N. nur 
aus Mittel- und Oberdeutsohland stamme, 
wird durch die obigen Anführungen hin- 
fäUig). 
-Schneider III. in Zss. wie Brettschneidpr, 
nicht von dem Hauptw. Schneider, sondern 
unmittelbar von dem Zeitw. schneiden. 
t'N. Brettachneider y auch Bredsehneider. 
Dillsehneider. Holtschneider (halbnie- 
derd. = Holzschneider). Pfeifenschnei- 
der. Reif Schneider. Riemenschneider; 
Riemschneider (= Riemer). Rohrschnei- 
der. Steinschneider. Wandschneider. 
(Klemp. Wandsnider= Gewandschneider.) 
('Schneider in einzelnen oberd. FN. 
auch zu ON. gehörig s. Schneid.) 
Schneidewind XII. Satz-N. ,, durchschneide 
den Wind" d. i. ein „unruhiger, umher- 
ziehender (Landsknecht)" Soydewint 13. Jh. 
vgl. franz. Taillevent — als FN. in den 
verschiedensten FF. : Schneidewind; Schnei- 
datoind; Schneideicin; Schneidewendt — 
Schnödetcind — Schniewind — Schnee- 
wind. 
Schnell- s. Snel. 
Schnellenpfeil m. Satz-N. „schnelle den 

Pfeil". So auch Spitxenpfeil. 
Schnetgrer, Schnetiter s. Schnittger. 
Schnetzler III. der „Schnitzler" 
Schniedcr, Sclinier s. Schneider. 
Sehniewind s. Schneidewind. 
Schnitter III. mhd. snitaere, snitter der „die 
Ernte schneidet". 
FN. Schnitter. Zss. Strohschnitter. 
Sehnittger III. niederd. Snittger, der 
„Tischler". 
FN. (Nordwest -D.) Schnittger; Schnittker 
— Schnetker; Schnetger. 
Schnitzer, Schnitzlcr III. mhd. snitzaere, 

snitzeler „Bildschnitzer". 
Schn($dewind s. Schneidewind. 
Schnnphase III. zu schnauben, schnopern 
„wittern". Vgl. FN. Spörhase „Spürhase". 



ScholM)lt, Scholle s. Scut 

Sehtfffer s. Schäffer. 

Schölten, Scholz- s. Schultheiß. 

Schomaker s. Schuhmaoher. 

Schomftnn s. Schumann. 

Schümann III. N. eines bekannten Greifs- 
walder Professors, aus dem schwed. Sjö- 
mann „Seemann". 

Schombart m. mhd. schemebart (bärtige) 
,, Larve, Gesichtsmaske". Nhd. Schönbart 
(doch s. auch Scann L). 

SchomiMsrt, Schömperle, Schon-, Schön - 
s. Scann. 

Schöne, Schön a) I. s. Soauni b) III. der 
„Schöne" (vgl. franz. Lebeau). In Zss.: 
Schönknecht. Schönrock. Schönhavm u. a. 

Schoon s. Scann. 

Schopenhauer III. der „Schopen d. i. Schöpf- 
kellen (s. Klempin, Diplomat Beitr. S. 487) 
zuhaut ". 

Schopp s. Scut. 

Schöps III. aus slaw. skopec castratus — als 
FN. in Schlesien häufig. Der Husaren - 
Oberst Rudorf mußte auf Befehl Friedrichs 
d. Gr. seinen ursprünglichen N. „Schöps'' 
ablegen (Pott S. 287). 

Schotte a) I. s. Scut b) III. „Schotte* d. i. 
Krämer und Hausierer, nach den zahlreichen 
Schotten, die im Mittelalter als Hausierer 
durch Deutschland zogen. FN. Schotte; 
Schott. 

Sehötteldreier s. Dreher. 

Schöttler s. Schüßler. 

Schottmilller III. ui-spr. Müller: ,»Anfang 
des J. 1858 bewarb ich mich aus Rücksicht 
auf meine zahlreichen Söhne um die Er- 
laubnis, meinem Vaternamen den FN. mei- 
ner Mutter, einer geb. Schott, vorsetzen zu 
dürfen, und nenne mich seitdem Schott- 
müller". (In der Lebensbeschreibung des 
Prof. Adolf Seh., welche er seinem „Luther'' 
vorangestellt hat.) 

Scliradcr s. Schröter. 

Schramm lU. „der mit der Schramme*^. Hans 
Breitbeck mit der schrammen 1459. 

Schrandolph , Schrant s. Scrot. 

Schreil»er III. ahd. scribari, mhd. scribaere 
der „Schreiber", doch in weiterer Bed. und 
unter Umständen von höherem Range als 
jetzt: Notar, Rechnungsführer, Kanzler. 



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232 



Schreur 



Schultheiß 



FN. Schreiber. Zss. Quittschreiber. Niederd. 
Sehriever(RsLtzeh.). Yerl&t Seriba (Hessen). 
Sehrenr s. Schröter. 
SchrieTer s. Schreiber. 
Schroeke s. Scrot. 
Schröder s. Schröter. 
Sehrlkll s. Scrot 
Schr^Jer s. Schröter. 
Sehrtfpf , Schropp s. Scrot (zweist K.). 
Sehrot-, Sehrtf tel s. Scrot. 
Schröter III. mhd. scrotaere, neaniederd. 
Schröder, schröer(vomahd. scrötan, mitteld. 
schroden, schräden abschoeiden) 1) der 
Kleider zuschneidet, „Schneider" 2) der 
Lasten, namentlich Fässer „schrotet", d. i. 
auf zwei Leiterbäumen, die oben und unten 
verbunden sind, schiebend fortbewegt oder 
wälzt In dieser Bed. noch im 16. Jh. all- 
gemein, z. B. bei Luther Jerem. 48, 12. 
FN. Sehröter — Schröiter — Sehroter. 
Niederd. Schröder; mit Ausfall des d 
Sehröer — Schröder (Scrader, Scroder 
1369 Braunschw.). Gen. Schröers — 
Schreuera (niederrhein. anderholl.Grenze). 
Zss. Bier Schröder. — Brinkschröder 
(westf. „der Sehr, auf dem Brinke"). 
Kampschröer (west). Pohlschröder. 
Schrapp 8. Scrot 

Schubert III. mhd. schuochwürhte, sohü- 
worhte, schüworte Sohuhwirker d.i. „Schuh- 
macher". Aus den mhd. FF. dui'ch weitere 
Abschleifung und z. T. Entstellung die 
FN. Schuhwirth; Sehuhtcicht; Schuwert 
— Schuffert — Schaufert — Schubert 
(durch Verhärtung des w in b, zugleich 
wohl mit Anlehnung an die zahlreichen 
EN. auf -bert); Schubart — Schaubert. 
Doch sind die FF. mit b, f zweifel- 
haft, da ein altdeutsches skog herein- 
zuragen scheint, welches sich in N. wie 
Schuhwein bes. deutlich verrät (s. Steub 
S. 137). 
Schach s. Schuh. 
Schachmacher s. Schumacher. 
Schachmann , Schackmann s. Schuhmann. 
Schficktanz s. Schickedanz. 
Schflddckopf III. Satz-N. „schüttle den Kopf". 
Auch Schittenkopf, Schütterkop s. Schütten- 
helm. 
Schaffenhaaer s. Schopenhauer. 



Schaffert s. Schubert 

Schafft III. änderte, als er 1837 an der Taub- 
stummenanstalt zu Homburg bei Kassel 
angestellt wurde, auf Befehl des Kur- 
fürsten seinen N. in Schafft. (KeBler, 
Festschrift usw. 1888). 
Schah III. mhd. schuoch der „Schuh". 
(Schühlin 1265. Guldinschuh 1462). 
FN. Schuh; älter Schuch. Zss. Bund- 
schuh (Schnürschuh S. 46). Breitsehuh. 
Frauenschuh. Guldenschuh. Handschult. 
Hohschuh. Homschuh. Knabenschuch. 
Rothschuh. Weifsschuh. 
Schahmano III. ahd. schuohman der „Schuh- 
macher". 
FN. Schuhmann y gewöhnlicher Schumann 

— in älterer F. SchtusJimann; Schuck- 
mann. Niederd. Schümann. 

Schahwerk III. mhd. schuoch würke „ Schuh- 
macher". 
Schawirth, -wicht s. Schubert. 
Schakoecht III. landschaftl. „Schuhmacher- 
geselle". Nieder. Schoknecht. 
Schttler III. in älterer F. Schuler = Scolaris 
„Student" — auch Schuller (Österreich.). 
Schalt- s. Schultheiß. 

Schultheiß III. ahd. sculthei^o, mhd. schult- 
hei?e urspr. „der Verpflichtungen und 
Leistungen (schult) heißt d. i. befiehlt"; 
Zivilrichter, Vogt. 

FN. SchuÜheifs — verkürzt SchuÜhefs; 
Schuttes; Schutts — gew. in der Schrei- 
bung mit z: Schuhe (SchuUxe); Schuld 
{Schultx; die Foim mit e ist die ältere) 

— der häufigste deutsche FN. (S. 43), 
wenn auch im Süden minder häufig als 
im Norden (in München 1876 nur 22 mal). 
Gen. Schuhen. 

Mit Abschwächung des u in o: Scholxe; 
Scholx (schlesisct, wie auch das Zwitter- 
wort „Scholtisoi"). Gen. Scholxen (am 
Rhein, Rgb. Trier). 

Niederd. Schulte (westf.), vgl. mittol- 
niederd. scultheite, scultete. Gen. Schul- 
ten; Schultens — Schölten (Rees). 

Verlateint: Scultetus. Gen. Sctdtety. 
Auch Praetorius. 

Zss. verhältnismäßig nicht zahlreich: 
Eberschulx. Hirtschulx. Rothsehulx. 
Schtcarxschulx. 



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Schulz - 



Schwein 



233 



Bergschtäte, Brinkschulte, Bowen- 
schulte. Hofschult (vgl. „Hofschulte" 
LnmermaDn Münchhausen). Kleeschulte. 
Klosterschulte. Middelschulte. Nachbar- 
schulte. Niedersehulte. Vofsschulte — 
alle diese wieder in Westfalen, wo häufig 
auch eine Familie durch den Zusatz des 
Ortes in loser Verbindung mit dem Namen 
näher bestimmt wird: Schulte -Bocholt. 
Seh . - Gastrop. Seh.- Delwig. Seh.- Loh 
usw. durch das ganze Alphabet. 
Schulz- 8. Schultheiß. 
8ehamacher III. mhd. schuochmacher. 
FN. Schuhmacher — älter Schuchmacher. 
Niederd. Schomaker. Gen. Schomakers 
(Lingen). 
Schumaiiii s. Schuhmann. 
Sehttnemann s. Scheunemaun. 
Schupp s. Scut. 
Schttppclz s. Schüttpelz. 
Schur-, Schür- s. Scur. 
Schttrmer s. Schirmer. 
Schttrholtz s. Scir. 

Schttßlcr III. mhd. schü??eler ,Verfertiger 
von (hölzernen) Schüsseln und Näpfen". 
FN. Sehüfsler. Niederd. Schattier — 
Schüttler. 
Schuster s. Sutor. 
Schutt- s. Schütze. 

SchHttcnhelm III. Satz-N. „schüttle den 
Helm". Entstellt Schittenhelm , Schitthelm 
(Wien). 
Schttttesper lU. Satz-N. ^schüttle den 
Speer" (vgl. englisch Shakespeare, auch 
Breakspeare). Entstellt Schutxhar. 
Schttttier s. Schüßler. 
Schflttpclz III. Satz-N. ,,schüttie den Pelz" 
(vgl. Schuddefell). Cunrad Scutdepelz 1225. 
Auch Schüppeh. 
Schütze III. ahd. scuzzo, mhd. schütze der 
„Schütze". (Meist jedenfalls aus der 
3. Periode, wenn auch vereinzelt schon im 
9. Jh. der EN. Scuzzeo in gleicher Bed.). 
FN. Schütxe; Schütx. 

In Zss. wohl nur in der verkürzten 
F.: Büchsenschütx. Feiierschütx (niederd. 
vuui-schutte 14. Jh.). Flurschütx; Flohr- 
schütx. Waldschütx. 

Niederd. Schütte. Gen. Schutts (ost- 
fries.); Schütten (niederrhein., Mors). 



Zss. Wildschütte (westf.). Schütten- 
kötter (westf.). 

-schlitz in ON. slawisch, s. -schitz. 

Schlltzendttbel III. Satz-N. „schüttle den 
Teufel". Falsch verhochd. aus Schutten- 
duvel 1601 (ahd. scuttan, mhd. schütten 
„schüttek"). 

Schuwert s. Schubert. 

Schwabe, Schwab a) 1. s. Swab b) III. einer 
aus dem Yolksstamm der Schwaben. 

Schwabedlssen III. urspr. ON., verkürzt aus 
Schwabedishusen (Kolonat, Preuß 33. 34). 

Schwabe! , Schwttbig s. Swab. 

Schwager III. zu den Verwandtschafts -N. 
Zss. Altschicager. Lüttschwager (verlateint 
Micraelius). 

Schwaiger s. Schweiger. 

Schwalbe, Schwalb Hl. mhd. swalewe die 
„Schwalbe" (auch eine Art Harfe). 

Schwan a) I. s. Swan b) III. der „Schwan" 
(als Häuserzeichen). 

Schwan-, Schwann- s. Swan. 

Schwarz III. der „Schwarze" (Brünette) , vgl. 
Burchard der swarze 12. Jh. (doch wird 
auch schon im Ahd. swarz zur Namenbil- 
dung verwendet, s. Swarz). 
FN. Schwär xe; Schwartx. Niederd . Schwarte. 

Schwärzfirm IH. (München) „Schwertfeger", 
entstellt aus Swertfürb von mhd. vürben 
„putzen, fegen" (vgl. Yolrich des swert- 
fürben hüs in der munse ze Tüwingen ge- 
legen. 1315 Bacni.). 

Schweb- s. Swab. 

Schwed- s. Swinth. 

Schwegler HI. ahd. swegeläri mhd. swege- 
laere „ Flöten bläser", vom mhd. swegele, 
einer kleinem Art Flöte, bayr. und schwäb. 
noch „Schwegel" (daher FN. Schwegel- 
hauer). 

Schwehr, Sehweier s. Swinth (V.). 

Schweickard, Schweigert s. Swinth. 

Schweigrer III. ahd. sweigari, mhd. sweiger 
„Hirt, Senne". 
FN. Schweigger, Schtcaiger. 

Schwelm s. Swinth (z weist. K.). 

Schwein IH. ahd. mhd. swin, Schwein; auch 
Wildschwein. Mit den Zss. Eberschwein; 
Meerschwein — Sehweinebraten; Schweine- 
fufs; Schweinshaupt (z. T. ON., wie auch 
Schwein selbst). 



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234 



Schweizer 



Seewald 



Sehweizer ni. Yolksname. Auch in der 

älteren Form Schtoyxer. 
Schwend- s. Swinth (Y., einst E.). 
Schweneck« s. Swan. 
Sehwenn- s. Swinth (einst. E.)* 
Schwer- s. Swinth (V.). 
Sehwerdtfeger III. „Waffenschmied*' (urspr. 
„der das Schwert fegt**, d. i. blank erhält). 
Sehwet- s. Swinth (V., einst. E.). 
Sehwieh-, Schwiele- s. Swinth (V.). 
Sehwidd- s. Swinth (V., einst E.). 
Schwiebert s. Swinth (V.). 
Schwied- s. Swinth (V., einst E.). 
Schwiefert, Schwiegr- s. Swinth (V.). 
Schwier- s. Swinth (V.). 
Schwietzlce s. Swinth (einst E.). 
Schwincice, Schwind-, Schwinn- s. Swinth 

(einst E.). 
Schwippert s. Swinth (V.). 
Schwitt- s. Swinth (V., einst E.). 
Schwob 8. Swab. 
Schwon 8. Swan. 

SCILD I. got skildus, ahd. skilt, mhd. schilt 
„Schild''. Scilcolt Mit der Übergabe des 
Schildes und der Frame wurde der german. 
Enabe wehrhaft (Tac. Gerra. 14). 
FN. (Sciltberaht): Schubert. 
(Scildfrid): Schilfert. 
(Schilthart): Schildert — Schillert. 
(Schiltheri): Schilter — Schilder — 

Schiller — Scheller. 
(Schiltwin) : ScJiellwien. 
Einstämmige Eürzung Scild-. 

Seilte: Schilde; Schild — Schill — 
Scheldt. Gen. Schelten. Patr. A. 
Schilling — Schelling. 

Vklf. (k): Schilke. (k + n): 
Schildgen — Schilken. Patr. A. 
Schilking. 
SCIB I. got. skeirs, ahd. skir, mhd. schir 
„lauter, rein* (schier). Scirbald. 
FN. (Scirgaud): Schiergott. 

(Scirold): Schirott. Gen. Schierholtx 
— Schür höh. 
Einstämmige Eürzung Scir-. 

Sciri: Schirrey — Schier (Schire 
VN. Elemp.). Patr. A. Schiering. 
SCROT I. ahd. sciotan, mhd. schroten 
„hauen, schneiden" (.«schroten). 
FN. Scrutolf: Schraudolph. 



Einstämmige Eürzung Sorot-. 

Scroto : Sehroth— Schrott — Schrauih. 
Vklf. (k): Schrotke — Schroeke. 
(1): Sehrötel — SchrödL 
Zweistämmige Eürzung Scrotb-. 

(Scroppe): Schropp — Schröpf — 
Schrupp, 
SCÜR I. got skura, ahd. scür, mhd. schür 
„Unwetter (Schauer), Eampf". 
FN. Scuriprant: Scheuerbrandt. 
Einstämmige Eürzung Scur-, 

(Scuro): Skuhr — Schure — Schür 
— Schaur; Schauer — Scheuer. 
Patr. A. SchüHng — Scheuring. 
Vklf. (1): Scheurell. (1 + n): 
Scheurlen; Scheuerlein, (k): Schu- 
rig — Schiirch — Scliaurieh — 
Scheurich. Gen. Schür kens. (z) 
Scurizo: Schurz. 
SCÜT I. ahd. scuttan „schießen* Scothard. 
FN. (Scotbald): Schobelt. 
Einstämmige Eüi-zung Scut-. 
(Scuto): Schott. 

Vklf. (1) Scudilo: Schottet - 
Scholle, (z) Scuzzeo: Schafs. 
Zweistämmige Eürzung Scutb-. 
Scopo: Schupp — Sehopp, 
Seb- 8. Sig (V., zweist E.). 
Sebastianas III. griech. der „Ehrwürdige", 
Übersetzung von Augustus; Märtyrer unter 
Diocletian. 
FN. Bastian — Wastian. Basti. Gen. 
Bastians. 

Vklf. (süddeutsch): Wastl. Bast- 
lein. Patr. A. Wastler, 
Sedelmayer III. ,, Pächter auf einem Sedei- 

hofe" d. i. einem adeligen Sitze (Steub). 
See III. in ON. ahd. seo, mhd. se „See^' 
(Landsee und Meer). 

FN. V. Blanckensee. Duwensee (0. Duven- 
see). Isensee. v. Langensee. Poggen- 
See. V. Waldersee. Weifsensee. 
Seeb-, Seegr-, Sech- s. Sig (V.). 
Seefded s. 1) Sew 2) Sig (V.). 
Seel- 8. 1) Sal 2) SigU. 
Seemann a) I. s. Sew b) III. der,. Seemann". 
Seepolt s. Sig (V.). 
Seer s. Sar. 
Seewald s. 1) Sig (V.). 2) Sew. 



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Seez- 



Sew 



235 



Seez- 8. Sig (einst. K.). 

Seff- 8. Sig (V.). 

Seg-, Sege- s. Sig (V., einst. K.). 

Segeler 8. Sigil. 

Segelke s. Sig (einst. E.). 

Segensehmldt III. ,,Sensensclimied^^ (s. Se- 



Seggellng s. Sig. 

Segisser ni. „ Sensenschmied ^S ^om ahd. 

segansa, mhd. segense, zsgz. Sense, doch 

in der alemannischen Mundart noch ,,Sä- 

gese''. 

FN. Segisser — Sägesser (Schweiz., alt 

Segenser, Segesser 1421 Basel). 

SehUng s. Sal. 

Sehm s. Sig (zweist K.). 

Sehr- 8. Sar. 

Selb- s. Sig (V., zweist. K.). 

Seid- s. Sind. 

Seidensehwantz in., alt Seydenswantz 1372 
Augsb. „seidne Schleppe" (vgl. mhd. swanz 
Schleppe des Frauenkleides) — erst später 
zur Bezeichnung des Vogels (aber auch ON.). 

Seidenstfieker III. = Seidemticker, 

Seierlen s. Sig (V.). 

Seif- s. Sig (V.). 

-seif 8. Seifen. 

Seifen III. Siefen, niederd. Siepen in ON. 
zu mundartl. siefern, siepen, siepern „durch- 
sickern" (schles. Gebirgsbäche auf -seifen, 
„Siepe" in Westfalen ein Boden, wo überall 
"Wasser durchdringt). Jetzt ein paar hun- 
dert ON. auf -seifen, -siefen; -siepen. 
FN. 1) Steinseifen. Wollseiffen (0. -sei- 
fen). — Domseif (Rheinprovinz, 
Kr. Lennep). — Seifenmoser. 

2) Gier siefen. Hirxsiefen. Müllen- 
sie fen. — Schlingensief. 

3) Bovensiepen. Langensiepen. Mühl- 
siepen. — Silbersiepe. — Fifiken- 
siep. — Brooksiebe (alle nieder- 
rheinisch und westfälisch). — Scp- 
meier. 

Ableitung auf -er; \) Domseifer. Stein- 
seifer (oberd.). Babenseifnef\ 2) Ball- 
sieper. Kottsieper (westf.). 
Seigersehmid lU. (wüi-tt.) „Uhrmacher**. 
Seil- s. Sig (einst. K.). 
Seiler III. mhd. seilaere. Als FN. auch in 
der Schreibung Sa Her. 



Seim- 8. Sig (V., zweist. E.). 

Seip- 8. Sig (zweist. E.). 

Seiß, Seitz s. Sig (einst E.). 

Seißensehmidt III. niederd. „Sensenschmied*^. 

Seiw- 8. Sig (V.). 

Seidner in. „der auf einer Seide wohnt", 
ahd. selida Wohnhaus eines ärmeren Land- 
manns mit keinem oder nur wenig Grund 
und Boden. Dagegen Seltner „einer aus 
Selten". 

Sellgo s. Sal. 

SeU- 8. 1) Sig (einst E.) 2) Sal. 

Selohff s. Sig (V.). 

Seltenreieh III. entstellt aus urspr. Säldeu- 
reich d. i. saelden rieh „reich an Glück 
und Heil". • 

Semmier lU. s. Simmeier. 

Semp- 8. Sind. 

-sen s. 1) Sohn (S. 35) 2) Haus. 

Sendel s. Sand. 

Senesehall UI. ahd. senescalh d. i. primus 
servorum, später „Truchseß". (In die rom. 
Sprachen übergegangen, franz. Senechal.) 

Senf III. zu den N. von Speisen , vgl. Bert- 
hold Senep 1531 (Lipp. Reg.). Lat. Sifia- 
pius. Zss. Senfmaeher. 

Sengelaub III. Satz-N. (s. Aschenbi-and 
S. 41). Hierher auch wohl Sengebusch; 
Sengewald — Sengstock „der die stehen 
gebliebenen Baumstümpfe (Stubben) aus- 
brennt". 

Senteek, Sentz s. Sand. 

Sepmeier III. 1530: Hermann uppen Sepe 
(s. Seifen). 

Sepp s. Joseph US. 

Seraphim II. Mehrheit von (hebr.) Seraph 
(vgl. ital. Cherubini). 

Serick 8. Sig (V.). 

Serig, Sermann, Serre s. Sar. 

Seßle s. Sahs. 

Sethe 8. Sind. 

Setzepfand III. Satz-N. „der statt zu be- 
zahlen, gern ein Pfand setzt". Hinrik 
Sotzepand 1356. 

Senb- 8. Sig (V.). 

Senter s. Sutor. 

SEW I. got ßaivs, ahd. altsächs. seo „Meer." 
Schwer von Sig zu trennen , dessen entartete 
Formen in Se- übergehen. 



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236 



Sew- 



Sig 



FN. Sefrid: Seefrid. 
Seman: Seemann. 
Sewald: Seewald. 

Sew-, Sejr- s. Sig (V.). 

Siats s. Sind. 

Sib-, Sich- s. Sig (V.). 

Sichler s. Sigil. 

Slck- s. Sig (V., eiDSt. K.). 

Sichler 8. Sigil. 

Sid- s. Sind. 

Sieb- 8. Sig (V., zweist. K.). 

Siech- s. Sig (einst. K.). 

Siede s. Sind. 

Siedentopf III. niederd.sidentop^Seidenzopf*^. 
Vgl. „Ir Zöpfe, wol bewunden überal mit 
borten und mit siden." (Wigalois.) 

Siedenhampf III. «der auf dem niedrigen 
Kamp'*, wie manche Orte in Norddeutsch- 
land durch den Zusatz Hohen- u. Sieden- 
unterschieden worden. 

Sief- 8. Sig (V.). 

-sief, -siefen s. Seifen. 

Siegr- s. Sig (V., einst. K.). 

-sieg 8. Siek. 

Siegeler s. Sigil. 

Siegesuiund s. Sigis. 

Siegrist III. ahd. sigristo, mhd. sigriste aus 
mittellat. sacrista der „Sigiist, Mesner'' 
(süddeutsch; auch in Schillers Teil). 

Siehdichum III. Satz-N. „ti-es montes, qui 
Circumspicite siveSe thic umme nominantur" 
(Forst.). Dah. FN. Sydicum; Südekum. 
(Jost Su dick umme 1588.) 

Siehl s. Sig (einst. K.). 

Sichler s. Sigil. 

Siek III. in jetzigen Mundarten „feuchte 
Niederung", vgl. altuord. sik See, Kanal, 
ahd. gisic Sumpf. 

FN. BodensieL Buddensieg. Heidsiek 
(= HeideniedeiTing). Krumsiek; Krum- 
sieg. Lämmersiek. Kebelsiek. Nordsiek. 
Schachtsiek, Ellersig. — Auch Siek- 
meyer. 

Siel- s. Sig (V., einst. K.). 

Siem- s. a) I. Sig. (V., zweist. K.). b) II. 
Simon. 

Siep- s. Sig (zweist. K.). 

-siep, -siepen, -sieper s. Seifen. 

Sier- s. Sig. (V.). 

Sietsch, Sietze s. Sig (einst. K.). 



SicT- s. Sig (V.). 
Siew- 8. Sig (V.). 
Sif- s. Sig (V.). 

SIG I. goi sigis, ahd. sign, mhd. sige, sie 
„Sieg". In PN. seit dem 1. Jh. nachweis- 
lich (Cherusker fürst Segimer Tacitus Ann.). 
FN. Sigibald: Siebold; Siebel, Sybel; 
Sibeth — Sebald; Seepolt — Sey- 
bold; Seypold; Seibeld; Seibel; 
Seyppel; Seiht — Seubel. Gen. 
Siebolds; Siebeis, auch Siebeiis , 
woraus (nach Andresen) umgedeutet 
Siebelist und Siebenlist. Patr. A. 
Siebeling — Seibolter (S. 36). 
Sigiperaht: Siebreeht; Zyprechi; Sie- 
bert; Siebarth, Siebard \ Sieber — 
Ziebarth — Siphardt Sietoert — 
Sibbert — Segebreekt; Segebart — 
Sebert; Seeber — Seibert; Selber 

— Seubert. Gen. Sybertx — Sie- 
brafs (= Sigbrechts Preuß 14). 
Patr. A. Sieberling — Sipperling 

— Seiberler. 

Sigibrand: Siebrand — Sibbem — 
Seebrandt. Gen. Zybrandts — 
Siebems. 

Sigibodo : Sieboth — Segebade — Sege- 
bath — Seebode; Seebade — Seyboth 

— zsgz. Seiht. 

Sigifrid: Siegfried — Siefert; Sifard 

— Siffert — Seifert — Seifried; 
Seifert; Sey fahrt; Seifhardt; Seif- 
fer (Seifermann) — Seuffert; Seu- 
fer — Seefrid. Gen. Siefers — 
ASeifritx. 

Sigifuns: Siefufs. Vklf. (1): Seifüfsl. 
Sigihard: Sighart; Siegert — Sichart 

— Sickert; Zicker t — Seegert, 
Sägert. 

Sichar: Sieger — Sicher — Seger — 
Seyer. Zss. Sickermann — Zicker- 
7nann. Gen. Siegers — Segers. 
Patr. A. Seyring. Vklf. (l + n): 
Seierlen. Patr. A. Segerling. 

Sigirod: Siegroth (doch auch ON. s. 
-rode) •— Sirot. 

Sigileip: Sielipp; Sielaff. 

Sigilant: Siegland — Sieland. 

Sigiman: Siegmann — Sickmann — 
Siemann — Seegmann. 



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Sigil 



Sind 



237 



Sigimar: Simar; Siemer — Simmer 

— Seymer. Gen. Stemers, Patr. 
A. Siemertng, Vklf. (1 + n): Sim- 
merlein. 

Sigimond: Stegemund; Siegmund — 
Siemund; Simond — Segemund 

— Seimund, Gen. Simmonds, 
Sigimuot: SimmeL 

Sigarich: Sierieh; Sierck — Seekrich; 

Serick — Seyrich, 
Sigivald: Siegwald — Seewald — 

Seiwald — Ziegold. 
Sigiwart: Sigwart — Siewerdt — 

Seward — Seiwert, Gen. Siewerts; 

Siewets (ostfries.) — Süvem. Patr. 

A. Sieverding; Sievering, Patr. 

Zss. Sieversen (Schlesw.). 
Sigiwin : Siegwein — Siebein — Seffen, 

Patr. A. Sewening. 
Sigiwolf: Siloff — Selohff. 
Einstämmige Kürzung Sig-. 

Sigo, Sicco: Sieg — Sigge — Sicke. 

Gen. Sikkes (Emden, Sikke VN.). 

— Siecke — Sy — Ziek, Zss. Sicka- 
ma (ostfr.). 

Vklf. (1) Sigilo, Segilo: Siegele; 
Siegel (Sigl bayr.) — Sickel — 
Sieckel — Sieht (Sielmann) — 
Segel — Sello; Seile — Seil. Patr. 
A. Siegling — Sieling — Seggeling 

— SeiliTig. (1 + n) Sigolenus: 
Siglen. (l + k) : Segelke, (z) Sigizo : 
Sietxe; Sietsch — Sitx — Segitx 

— Seex — SeitXy Saitx — Seifs. 
(z + i): Seifst, (z + k): Sitxke. 

Zweistämmige Kürzung Sigib-. 

Sibo : Siebe — Sipp — Seip — Seebo. 
Gen. Sieben; Siebcna (ostfries.) — 
Stps — Sebes. 

Vklf. (l): Siebet; Siebte — Seible 

— Seipel. Geü.Siebels. (k): Siebicke; 
Siebich; Siebeck — Siepke — Süpke. 
Gen. Siepkes. Patr. A. Sivekinck. 

Zweistämmige Kürzung Sigf-. 

(Sifsy.Sief—Seif Vklf. (k): Siefken. 
Zweistämmige Kürzung Sigim-. 

Simo (Stark 114 — durch Anfügung eines 
n oft dem biblischen Simon gleich- 
gemacht): Sie7n — Sehm — Seime. 
Gen. Siemes; Siemen. 



Vklf. (1): Siemet. Patr. A. Sie- 
melink. Patr. Zss. Siemsen. 
SIGIL I. Erweiterung aus Sig. 

Siclehar: Siegeler — Sickler — Siehler 
Segeler — Seeler. 
(SigilwaU): SiUlwott (Preuß 7). 
SIOIS I. Erweiterung aus Sig. 

Sigismund; Siegesmund. 
Sigrsre s. Sig (einst. K.). 
Sikkes s. Sig (einst K.). 
Sülles s. Cynacus. 

Sim-, Simm- s. a) Sig (V.) b) Sind. 
Simmeier III. mittellat. similarius ,,8emmel- 
bäcker*^ (ahd. simila, semila, mhd. simele, 
semmile vom lat. simila, Weizenmehl). 
FN. Simmeier — Semmler. 
Simmergrott lU. aus mhd. sam mir got, sem 

mir got „so wahr mir Gott (helfe)**. 
Simon II. hebr. Schim-6n „Erhörung" 1) der 
Sohn Jakobs (Simeon) 2) N. zweier Apostel: 
Simon Petrus u. Simon von Kana. 
FN. Schimon — Simon (auch jüdisch), 
Siemon. Zss. Simonniathes. Gen. (lat.) 
Simonis — (deutsch) Simofis, Symons; 
Siemens. Patr. Zss. Simonsen. 

Hennann u.Paul Simon, angenommene 
Söhne der verwitweten Frau Adelgunde 
V. Kleist, geb. v. Zastrow, 1855 geadelt: 
Simon r. Zastrow. 
Simp* s. Sind. 

Simroek Hl. wohl=FN. Siebenroek. 
Simson II. hebr. Schimsohon „kleine Sonne**. 

FN. Simson; Simpson — Samson, 
Sin-, Sind- s. Sind. 

SIND I. got sinths, ahd. sind, mhd. sint, 
altsächs. sid „Weg, Reise, Heereszug", 
wobei jedoch auch das von sind abgeleitete 
gisindi Begleitung (Gesinde) in Betracht zu 
ziehen ist. 
FN. Sindebold: Simbol; Simmel. 

Sindperht: Simprecht; Simper — 

Sempert; Semper. 
Sinthar: Sinther — Sitter. Gen. 

Sifiders. 
Sindram: Sinrain — Simram — Zind' 
ratfty da s im Niederd., namenti. 
aber im Fries, in z übergeht). 
(SindleiO: Sinleif. 

Sind mar: Simmer. Vklf. (1 + n): 
Simmerlein. 



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238 



Singer 



8pecht 



Einstämmige Kürzung Sind-. 

Sindo, Sido: Sindt - Sido; Siede 

— Seide - Seihe. Gen. Sindts — 
Siats (Stade) — Sidden. Patr. A. 
Sinning, 

Vklf. 0): Siedel - Seidel, (k) 
Sindiko, Sidiko : Seidig — Sittich. 
Gen. Sittjes (ostfries.). (z) Sinzo: 
Sinz. (z + 1): Sinxel. 
8lB|:er ni. mhd. singaere «Sänger (lyrischer 
Dichter); Kantor*. Dyetmar der mit Zuna- 
men Singer ist genant (Marb. ÜB.). 
Sinther, Sinz- s. Sind. 
8ip-, 8ipp- 8. Sig (V., zweist. K.). 
Sirot 8. Sig (V.). 
8i(t- 8. Sind. 
Sitz- 8. Sig (einst. K.). 
SiTekinek s. Sig (zweist. K.). 
Skuhr 8. Scur. 

8MITH I. got smitha, ahd. smid, mhd. smit 
«Schmied*^, ahd, smtda Metall. Mindestens 
seit dem 9. Jh. in £N. nachweislich (S. 43). 
FN. (Smidpoto): Schmittpott. 
Smidhart: SchntittcU. 
(Smidher): Schmitter (doch auch 
mehrere Dörfer Schmitten in der 
Schweiz) — Schmieder; zsgz. 
Schmier — Schmeder. 
(Smidman): Schmidtmann — Schme- 
demann. Gen. Smitmans (Mors). 
(Smideald): Smital. 
Einstämmige Kürzung Smith-. 

Smido: Smid — Schmid. Gen. 
Schmits, gew. in der Schreibung 
Schmitz (niederrhein.) — Smets — 
Smedes — Schmedes; Schmeda 
(die letzten drei FF. ostfriesisch). 
Patr. A. Schmidding — Schmitting 

— Schmieding — Schmeding — 
Smeddink (westf.). 

Vklf. (1): Smidilo: Schmiedet; 
Schmiedle; Schmiedl. (1 -f- ^)' 
Schmidlin; Schmidtlein, (k) Smi- 
diko: Schtnidtke; Schmidge — 
Schmiedicke — Schmetje (ostfries.) 

— Schmädicke. (k + o) : Schmie- 
deken; Schmiedchen; Schmiedigen. 

SMTJK I. mhd. sniücken „schmücken". 
FN. (Smuckhart): Schmtickert — Schmückert 

— Schmucker, 



Einstämmige Kürzung Smuk-. 

(Smucko): Sehmoek. Patr. A. Schntü- 
eking. 

SXEL I. ahd. mhd. snel ^schnell*', bes. auch 
ehrendes Beiwort der Helden. 
FN. Snelhart: SehneUhard. 
Snelmann: Sehnellmann. 
Snelrad: Sehneürath. 
Einstämmige Kürzung Snel-: Snel — 
SchneUe — Sehnöü. 

Snjders s. Schneider. 

Solfliejer III. „der M. am Soll, Soy (kleiner 
Sumpf). 

Solter, 891ter s. Salzer. 

Sommer I. UL schon im 8. Jh. Sumar. 
In örtlicher Zss. wie Sommerhalde bezeich- 
net es die Südseite, sowie Winter- die 
Nordseite. So auch wohl in Sommerbauer. 

Sommerlatte III. ahd. sumarlata, mhd. su- 
merlate „der einen Sommer alte Sprößling, 
Jahresschößling^. Hartman Sumerlat 15. Jh. 
FN. Sommerlatte; Sommerlath. 

Sommenrogei III. «Schmetterling*^ (alle- 
mannisch - Schwab.). 

SondermaDD III. mhd. sunderman, -liute 
„ Hörige •* (weil in keiner Genossenschaft 
stehend). 

Sonnabend s. Tag. 

Sonne a) I. Sunno 4. , wohl zu sunna „Sonne*^ 
gehörig b) III. von Häusemamen (S. 60). 
Nach Bück S. 261 heißen mehrere Edel- 
höfe in Bayern Sonne, Sonnen, dah. <S<>n- 
nentnaier. 

Sonnenkalb ni. Algot. sunnunchalbus 1228 
(Bacm.) , Kugelkäfer " (coccionella). 

Sonner s. Sund. 

Sonntag m. s. Tag. 

SKtebier UI. niederd. „Süßbier'' s. Bier. 
Auch Sötbeer. 

Spaiteholz EU. Satz-N., em „Holzspalter". 

Spaniel III. = Spanier, von der spanischen 
F. Espafiol. 

Spannan III. Satz-N. — Gegensatz: Spann- 
aus — Spannuth, Spanuth (niederd.) „spann 
aus" — urspr. wohl Aufforderung auf einem 
Gasthausschilde. 

Spamlckt 111. Satz-N. „spai'c nicht (nichts)". 
Ebenfalls Satz-N.: Sparschuh. Sparwasser. 

Specht III. der baumhackende Vogel, wel- 
cher in der Volkssage eine Rolle spielt. 



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Speckäter 



-stÄdt 



239 



indem er die ^Springwurzel'^ zu finden weiß 
(Grimm, Myth. S. 1222). 
Speckttter III. niederd. ,, Speckesser ^^ (Spott- 
name). Specketer 1404. 

Spellingr 8. Spil. 

Spener III. ,, Stecknadelmacher ^S Spenen 
wurden früher die Stecknadeln wegen ihrer 
Ähnlichkeit mit Dornen genannt, gewöhn- 
licher verkleinert, ahd. spinula, mhd. spi- 
nele, spenel, nhd. (bayr.) Spenel, Spennadel. 

Spengler III. mhd. spengelaere (vom ahd. 
spanga Spange, Beschlag), „Blechschmied, 
Klempner 'S Oberdeutsch (s. „Spengler- 
gäßchen" in Augsburg). 

Sperling HI. anscheinend der Vogel, wie 
sich auch Spatx als FN. findet. Doch gibt 
es ahd. schon die Stämme spar (zu sparen) 
und spir (Speer) in EN. 

Spleeker III. niederd. «= „Speicher", vgl. 
Mechtildis dicta de granario 1302. Da- 
von Spieckermann „der im Speicher". 

Spielmanns m. (niederrhein.) ahd. spilaman, 
mhd. spilman Spielmann , fahrender Sänger. 

SPIL I. ahd. mhd. spil „Scherz, Zeitvertreib 
— Kampfspiel." Spilihard. 
FN. (Spiliman): iSpillmann. 
Einstämmige Kürzung Spil-. 

Spilo: Spiel Pah. A. Spelling. Vklf. 
(k): Spilleke. 

Spindler III. „Verfertiger von Spindeln 
(Drechsler)''. Auch Spiller (Gottschee) — 
Spilner. 

Spittler m. „einer aus dem Spittel". In 
vollerer Form Spitaler, 

Splett8t<(ßer III. der „Splitte" (niederd. F. 
zu mhd. splize Span, scindula), bes. wohl 
Dachsplitte „verkauft", vgl. mhd. salz- 
stoe:;er der Salz im kleinen verkauft. 

Splietop m. Satz-N., niederd. „spleiße auf, 
spalte auf" s. Spalteholz. 

Splittgerber III. „der Splitte (s. Splettstößer) 
macht". Auch Splittegarb. 

Sporer III. mhd. sporaere „Sporenmacher". 
Auch Sporrer u. Spomer. Mit Umlaut 
Sparer u. Spömer. 

Sprenger III „Steinsprenger". 

Springer lU. mhd. springaere; die „Springer" 
(Tänzer, Gaukler) gehörten im Mittelalter 
zu den „fahrenden Spielleuten". 



Springinklee UI. Satz-N., Springenklee 
(Altmarburg). Sprtnginreif, vgl. Spring- 
inrink (Becker). Springenxaun. 

Springinsgnt, verkürzt SpringsgtU III. Satz- 
N., nach Vilmar Scherzname für einen, 
der mit einem Mal reich wurde (od. für einen 
kühnen Angreifer fremden Gutes, Schütte). 

Springmann III. Ghezeke van dem Springhe 
(Quell) 1109 — zwei Jahre später Gh. Spring- 
manu. 

Springsfeld UI. Satz-N., verkürzt aus 
Springinsfeld, welches noch als Appella- 
tivum einen munteren, bes. im Springen 
gewandten Menschen bezeichnet, vgl. FN. 
Springinslant (Becker). 

Spundflasehe ni. von Pauli angeführt aus 
Münden. 

Staaßen, Staats, Staatsmann s. Eustathius. 

Stach 8. Eustachius. 

Stadler in. mhd. stadelaere von ahd. stadal, 
mhd. Stadel, Scheuer (Stadel noch jetzt südd.) 
1. „Aufseher über den Stadel" 2) „Inhaber 
eines Stadel hofes". 

FN. Stadler (auch häufiger südd. ON.) - 
Stadler. Zss. Stadimann (bayr.). 
Stadelbauer. 

Stadt lU. ahd. mhd. stat, altsächs. stad 
urspr. nur „Ort", in ON. kaum vor dem 
8. Jh. nachweisbar. Heutige FF. 1) -stadt^ 
'Statt 2) 'Stedtf -statt (vom Dativ Sg. 
-steti) 3) niederd. -stede, -sted (so bei 
Elemp.: Bomestede, Lockstede, de Eykstede) 
4) Plur. (Dat. -stetim) - statten f -stetten, 
FN. 1) Oberstadt. Karlstadt. 

2) V. Mittelstadt. Bohnstedt. Eich- 
stedt. Quenstedt. Amstett. Bern- 
stett. 

3) v.Borgstede. Hammenstede. Otter- 
stede. Willstede. Carstediß.lL^' 
stedt) — auch -stedde: Beekstedde. 

4) V. Benstetten. Manstetten. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Hofstädter (0. -stett und -stetten). 
Bastätter. Achstetter (0. -stettenj. 
Helmstetter (0. -städt, auch -stedt 
geschrieben). Eochstetter (0. -stadt, 
-stedt, -stetten in verschied. Schrei- 
bungen). Kirchstetter (0. -stetten). 
Bratidstötter (Ober-Österr.). 
-städt s. Stadt. 



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240 



Stabal 



Steinhauer 



STAHAL ahd. stabal, mhd. stahel «Stahl''. 
Stabelhai-t 8. Stahalolf. 
FN. EiDstämmige K. Stahal-. 

Stahal, Stalo: Stahel — Stahl — 
Stähle — Stehely (Schweiz.). Patr. 
A. Stähl ing, 

Vklf. (l+n): Stähelin — Stehlin, 
(k): Stehleke; Stehltch.' 
Stahl-, Stähl- s. Stahal. 
STAIN I. got. stains, ahd. mhd. stein „Stein" 
(als Waffe, vgl. hamar, auch wäfanstein). 
FN. (Steinbreht) : Steinbreeht; Steinbart. 
Staniger: Steiniger, 
Stainhard: Steinhart; Steinert. 
Steinher: Steiner; Steinherr. 
(Steinmar): Steinmar — Steimar; 

Steimer. 
(Steinrich): Steinrich. 
Einstämmige Eürzmig Stain-. 
(Staino): Stein — Stehn. 

Vklf. (1): Steinet; Steindel — 
Stai7Ü; Staindl (öst.) (l + n): 
Steinlein, (k): Steinecke; Steinigke; 
Steinick; Steinig; Steinke. 
Auslautend -stein (13 mal Forst): Adel- 
stein. 
Stall III. in ON. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

Buchstaller; Eberstadler; Seestaller. 
Stammler III. mhd. stamelaere, stemeler 
„Stammler'' (Heinrich der Stammler 1290); 
vgl. lat. Baibus. 
FN. Sta?nmler — Stämmler. 
Standfest DI. Satz- N. „stehe fest'\ Jünger 

auch Stehfest. 
STANG I. ahd. stanga, mhd. stange „Speer- 
stange" (got stiggan „stechen'-). 
Einstämmige Kürzung Stang-. 

Stange. Vklf. (1): Stengel, (l + n): 
Stenglin. (z): Stentxel. 
Stange a) I. s. Stang b) III vgl. Heinricus 

dictus Stange 1294. 
STARC I. ahd starah, mhd. starc „stand- 
haltend, stark". 

FN. Starkhar: Sterker. 

Starcman: Starkmann. 
Starcuif: Starklo f. 
Einstämmige Kürzung Stare-. 

Starco: Starke; Starck — Stärke; 
Sterck. — Vklf. (1): Stärket. 



Starte-, Stärk- s. Starc. 
Statins s. Eustathius. 
-stXtter s. Stadt. 

Stattmejer III. = Stadelmeyer s. Stadel. 
Stanbesand in. Satz-N. „stäube den Sand, 
wirble den Sand auf" (Pott). Wohl ein 
flotter Reiter. Niedeiti. Stövesand. 
Steehmesser DI. Niederd. Steekmeix. „ Dolch ". 
(Lübben, Etwas über niederd. FN. S. 5.) 
Entstellt: Stekemest. 
Steekmetz s. Stechmesser. 
Sted-, -stedde, -stede, -stedt s. Stadt. 
Stehl- 8. Stahal. 
Stefan, Steffen s. Stephanus 
Stegr(e)mann III. „der am Stege". Otto van 

dem Stege 1272. 
Steig III in Zss. 

FN. Marder'steig{s. Martersteck). Rieht- 
steig. 
Stein- s. Stain. 

-stein s. a) I. Stain b) III. Stein. 
Stein III. ON. Außerordentlich viele Felsen 
und Örter tragen diese Bezeichnung. Daneben 
läuft, weil die Bodengestaltung wenig Ver- 
anlassung gab, nur wenig Niederdeutsches 
auf 'Steen. Schon seit dem 8. Jh. die älte- 
sten dieser N., wie Uncunstein. 
FN. Billenstein. (0. Biilstein). Branden- 
stein. V. Eberstein. Oiebigenstein 
(O.Giebichenstein). Lauenstein. Frhi% 
vom und xum Stein. Stein ton 
Kaminski (S. 69). (Dagegen Holstein 
entstellt, s. Holste.) 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Buchsteiner. Fahrsteiner. Höllen- 
steiner. Landsteiner. Obersteiner. 
Stein in. zur Bezeichnung von Steinarten 
und von Werkzeugen, vgl. Zunamen: der 
Hagelstein 14. Jh., nachher Conrad hagel- 
stain (Bacm). 

FN. Bamstein (niederd. = Bernstein d. i. 
Brennstein). Feuerstein. Ooldstein 
(jüdisch). Kloppstein (der Klopfstein 
der Schuhmacher). Schornstein. Wett- 
stein (Wetzestein). 
Steinbick UI. „Steinmetz", von bioken = 

hauen. Auch Steinbieker. 
Stein^robe III. Steingrapen (s. Grapengießer). 
Steinhanerlll. altklevisch steynhouwer „Stein- 
metz". 



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SteiDinaDn 



Storch 



241 



Steinmann III. niederd. Stehmann aus Steo- 

inann (Lipp. Reg.). 
Steinmetz III. mhd. steinmetze. Als FN. auch 

Steinmatx, 
Stellmacher lU. der Wageogestolle macht, 
,, Wagner"; auch norddeutsch (bei Kleropin: 
stelmaker). 
Stengr- s. Stang. 

Stephanus II. griech. ,, Kranz", erster christ- 
licher Märtyrer (Apostelgesch. Kap. 6—7). 
FN. Stephanus. Gen. Stephani (mit Ver- 
rückung des Tones auf die mittlere Silbe). 
Stephan (Zss. Mühlstephan), in öster- 
reichischer Schreibung Stefan — Stephen, 
Gen. Stephens; Steevens (ostfries.) — 
Steffen y Gen. Steffens — Stoffen. Patr. 
Zss. Steffensen. — Stieve (Preuß 27). 
Sterek s. Stare. 

Stern III. als FN. z. T. durch Hauszeichen 
vermittelt (S 60). Zss. Abendstem. Mor- 
genstern (auch ON.). V. Lilienstern. 
Stets s. Eustathius. 
-stetter s. Stadt. 
Steaber s. Badstüber. 
Stibbe s. Stid. 

Stiehtenoth III. „Stiftsgenosse, Ministe rial 

des Stifts". Auch Stiehnoth; Stichtemaih. 

Sticker III. in den Zss. Seidensticker ; auch 

' stücker'. Goldstücker. 
STID I. (ahd. stind),>angels. stidh, altsäohs. 
stlth „steif, strenge". 
FN. (Stidbald): Steibelt. 
(Stidhard): Stiedert. 
Einstämmige Kürzung Stid-. 
Stinde; Stindt. 
Vklf. (1): Stindl. 
Zweistämmige Kürzung Stindb-. 

(Stibbo): Stibbe — Stippe. Patr. A. 
Stiebing. Vklf. (1): Stippl. (k): 
Stippich. 
Stieber s. Badstüber. 
Stiel- s. Stil. 

Stier- s. a) I. Stiur b) III. „Stier". 
Stigrhelli aus Stiegele verwelscht (S. 68). 
STIL I. zu ahd. stilli „still", altsächs. 
stilljan. ahd. stillan, mhd. stillen ,. beruhigen, 
stillen", z. T. auch wohl zu Stil „Stiel" 
(Speerschaft). 
FN. Stilfrid: Stillfried. 

(Stülihart): Stillert — Stielert 
Heintze, Deatsche Familiennamen. 2. Aufl. 



Stillihere: Stiller — Stider. 
(Stillirih): Stillreich. 
Einstämmige Kürzung Stil-. 

(Stille): Stille; Still — Stiele; Stiehl. 
Gen. Stils. Patr. A. Stilling. 
Vklf. (k) Stilico 4 (Vandale): 
Stilke. 
Stm- 8. Stil. 
Stind- s. Stid. 
Stinus 8. Augustinus. 
Stipp- s. Stid. 

STIUR I. ahd.stiuri, stüri „groß, erhaben". 
FN. Stiuri 9.: Stier— Stuhr (auchON.). 
Gen. Stiers; Stieren. Patr. A. Stühring. 
Vklf. a + n): Stierlein. 
Stt^bener, St5ber s. Badstüber. 
Stock 1) ON. ahd. stoch, mhd. stoc „Baum- 
stumpf" — geht zwar meist auf die stehen- 
gebliebenen Wurzelstöcke gefällter Bäume ; 
doch ist in manchen Fällen auch die Bed. 
,,Berg" in Betracht zu ziehen, vgl. Gebirgs- 
stock. In ON. -stock, -stock. 
FN. V. Birkenstock. Haberstock. Hilgen- 
stoek. Sengstock. (Slawisch in Rostock 
u. a.). 
2) Pflanzen und Geräte: 
FN. Bebstock (S. 61) — Klopstock. 
Stocker III. 1) „Gefangen wärter", von stocken 
in den Stock setzen (stoo urspr. der Block, 
in welchen die Füße der Gefangenen gesetzt 
wurden, dann Gefängnis überhaupt). 2) 
„Holzfäller" (Bück). 
FN. Stocker — Stöcker — auch Stöckler. 
Stockmann III. ,, Gefangen wärter". 
Stoff- 8. Cbristophorus. 
Stoffen s. Stephanus. 
Stoffer, Stöffer s. Cbristophorus. 
Stoiber s. Badstüber. 
Stollenbecker III. der „Stollen", d. i. eine 

Art feines Weizengebäck, „backt*. 
Stolterfoth III. niederd. „stolzer, stattlicher 

Fuß". 
Stolz III. ahd. mhd. stolz „stolz, stattlich". 
FN. Stolpe; Stolx. Niederd. *SVo//e. (Doch 
deuten N. wie Stölxel, ad. Stolzelin, 
Sfohke, niederd. Stölting dfirauf hin, daß 
dieser Stamm schon in der 1. Periode 
zur Namenbildung vorwendet wurde). 
Stoppel s. Chiistophorus. 
Storch III. ahd. storah, mhd. storch (s. Adebar). 

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242 



Stonn 



Stonn 



Storni 9 Stdrmer s. Sturm. 
Sttfiter 8. Stadt. 
StöTefiand s. Staubesand. 
Stdwer 8. Badstüber. 

8TRAL I. ahd. str&la, mhd. straJe „Pfeil" 
(die Strahlen der Sonne sind nach der Mythe 
die Pfeile des Sonnengottes). Stralhehn 8. 
FX. (Stralheri): Strahler. 
Einst Kürzung Stral-: Strahl — Strehle. 
Vklf. (k): Strehlke, 
STRAXO I. ahd. strangi, mhd. strenge „stark". 
Straogolf 9. 
FN. (Strangheri) : Stränger. 
Einstämmige Kürzung Strang-: Strang 
— Strenge. 

Vklf. (z) Stranzo (aus Strangizo): 
Stranx — Strentx. Gen. Stranxen. 

Strängrer s. Strang. 
Strmnz- s. Strang. 

Straße III. ahd. stra^^a, mhd. strafe aus lat. 

(via)strata „geebneter, gepflasterter "Weg". 

FN. Wasserstrafs. Niederd. Strate, Strote 

(Baltzer van der Strate 1558): van Straaten. 

(Kleve). V. Salm- Hoogstraeten (nieder- 

länd.). Strotkötter. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

Langenstrafser. Hochstrafser. Stein- 
strafser. 
Stranbhaar III. „ mit struppigem Haar ", vom 

mhd. struben rauh emporstehen. 
Straab-, Straoß, Straatz s. Strud. 
Strcckftiß 111. Satz-N., der Streckfuß 1377. 
Auch Beiname des Todes (Grimm, Mj-th 
S. 8 1 2). Streckdenfinger. 
Strehl- s. Stial. 

Streisgrut III. Satz-N. „streue das Gut" d. i. 
ein Verschwender (wie z. B. Kaiser Fried- 
lich III., der Träge und Geizige, seinen 
feurigen und unternehmenden Sohn Maxi- 
milian ein „Streudasgütlein^* zu nennen 
pflegte). 

Streit- s. Strid. 
Strengr-, Strentz- s. Strang. 
Streab-, Streußel s. Stmd. 
STRID. I. ahd. mhd. strit, altsächs. strid 
„Streif (mit AVaffon, vor Gerichtj. 
FN. Stnther: Strieder — Stritter — 
Streiter. 
(Stridolf): Streitwolf. 



Einst Kürzung Strid-: Stridde — Stritte 

— Streit. 
Zweistämmige Kürzung Stritb-. 
(Stripo): Vklf. Striepeckt. 
Stridde, Stried-, Stritt- s. Strid. 
Strob-, Strtfb-, Strodel, StrSdeU, StroU 

8. Strud. 
StrSm III. schwedisch „Strom" — zweiter 
Teil der Zss. in einigen Namen, die von 
dem 30 jähr. Kriege und der schwedischen 
Beherrschung Vorpommerns herstammen 
(S. 76). 
FN. Bergström (Meckl.-Strelitz). von 
Tiger ström (Vorpommern). Wiekström 
(Herzogt Lauenb.). 
Strote 8. Straße. 
Strott s. Strud. 
Stmb-, Strfib- s. Strud. 
STRUD 1. zu ahd. strudjan, angels. strudan 
„verwüsten, rauben". 
FN. (Sti-udbalt): Strubelt — Stroholt; 
Strobel. 
(Strudbort) : Ströbert — Straubert — 

Streubert; Streuber. 
(Strudmar): Strummer. 
Strudolf: Stnäwolf. 
Einstämmige Kürzung Strud-. 
Strodo: Strud — Strott. 

Vklf. (1): Strodel; zsgz. Stroll 
(StruUo 8.) —*Strödell; zsgz. Ströhl 
— Stroll. (k): Struck, (z) Struz: 
Strutx; Strufs — Strautx; Straufs. 
(z + 1): Strütxel — Streufsel. 
Zweistämmige Kürzung Strudb-. 
Strobo: Strube — Straube — Stropp. 
Patr. A. Strübing. 

Vklf. (1): Strubel — Sträubet — 
Streubel — Strobel — Ströbel. 
Strummer, Struß, Strut-, Strützel s. Strud. 
Stttbener s. Badstüber. 
Stubenhauer III. vermutlich = „Stubben- 
hauer", der Baumstubben ausrodet, vgl. 
FN. Stubbenhouwer Klemp. 
StUber s. Badstüber. 
Stugrart III. mundartl. statt Stuttgart. 
Stiibr, Sttthringr s. Süur. 
StUhrmann III. niederd. „Steuermann". 
Stttler III. = Stuhlmacher. 
STURM I. ahd. sturmi, altsächs. Storni „ Auf- 
regung, Unwetter, Kampf". 



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Suchen wirth 



Swinth 



248 



FN. (Sturmheri): Stürmer — Stornier. 
Einstämmige Kürzung Sturmi: Sturm; 
Sturmb — Storm, Gen. Storms, 
Sachen wirth III. Satz-N. „suche den Wirt" 
d. i. einer, der das Wirtshaus zu finden 
weiß. So auch niederd. Sökedrunk (Lübben 
S. 43). Sticksbrot. 
Suehsland III. Satz-N. „suche das Landes 

Niederd. Sökeland. 
Sud ni. „Süd" — in Sudhof; Sudmeyer 

(8. Sund). 
Sader, Sador s. Sutor. 
Sadmer s. Sund. 
Sfidekum s. Siehdichum. 
SttllwoU 6. SigU. 

Salze III. mhd. sulze, mittelniederd. sulte 
„Salzquelle". Sulz, Suiza häufig in ON. 
FN. Sulxe — Sulxer — Sültmann. 
Samsnit III. Satz-N. „säume damit nicht''. 

Auch Sümenicht. 
SUND I. zu ahd. sund „Süden" (wie die 
mit Nord-, Aust-, West- beginnenden N. 
von den drei andern Weltgegenden). 
FN. Sundhari: Sunder (Sundermann; 
Sündermann) — Sonner, 
(Sund mar): Sudmar. 
Zweistämmige Kürzung Sundb-. 
Suppo: Suppe — Saupe. 
Sand III. ahd. sund „Süden", sundar, mhd. 
sunder — mitteld. suder „südwärts gerich- 
tet". In Zss. wie Sunder kofj entstellt 
Sünderkauf (Andresen Volksetym. S. 62) — 
Sudhof; ASudhaus — Sundermann — Suer- 
johan (Preuß). 
SUpke s. Sig (zweist. K.). 
Suppe s. Sund. 
Supprian s. Cyprianus. 
Snter III. ahd. sütäri, mhd. sütere, seuter (aus 
lat. sutor) „Schuhmacher, auch Schneider". 
FN. Sutor — Sudor — Suttor — mehr 
verdeutscht Suter — Suder — Sutter 
(Hermann der Suter 1331); auch Suttner 
— Sauter — Seuter. Vklf. Süiterle; 
Sütterlin — Seuter lin. Zss. Seuter- 
mann — Siätermeister. (Alle diese FF. 
süddeutsch, bes. am Oberrbein). 

Aus dem zu bestimmterer Bezeichnung 
gebildeten schuochsuter wurde schüchster, 
endhch Schuster (schon 1236 Bacm.). 
Zss. Kleinschu^ter. Sandsehuster. 



Satt- SHtt- s. Sutor. 
Swiulns s. Swan. 

SWAB I. zum Yolksstamme der „Schwaben" 
gehörig. Swabperaht u. a. 
Einstämmige Kürzung Suab-. 

Swabo : Schwabe — Schwab — Schwebe. 
Vklf. (1): SuabUo: Schwabel — 
Schwebet, (k): Schwäbig; Schwebke. 
SWAN I. ahd. swäna, mhd. swäne „Schwan". 
Dieser wegen seiner Schönheit gefeierte 
Schwimmvogel spielt auch in der deutschen 
Mythe eine Rolle, namentlich indem die 
Walkyrien, die Dienerinnen des Wuotan, sich 
durch Anlegung des Schwanhemdes (oder 
Schleiers) in Schwäne verwandeln können: 
Schwanjungfrauen. Es war also den Ger- 
manen ein heiliger Vogel. 
FN. Swanager: Schwaniger. 
(Swanheri): Schwaner. 
Suanehard : Schwanert. 
(Swanold): Schwenold. 
Einstämmige Kürzung Suan-. 

(Swano): Schwatie; Schwan — 
Schwann — Schwon. Gen. Swaans 
(ostfries.). 

Vklf. (k) Suanucho: Schwanecke 
— Schwannecke — Schwanck — 
Schwenecke. (k + 1): Schu^enket. 
8WARZ I. ahd. swarz „schwarz", allsächs. 
swart. Swarzolf. 
FN. Swarzman: Schwarxmann. 
Einstämmige Kürzung Swarz-. 

(Swarzo): Schwarx. Vatr. A. Schwär- 
ting. 

Sweers s. Swinth (V.). 
Swidden s. Swinth (einst. K.). 
SWINTH I. got. swinths, ahd. swind, alt- 
sächs. swith „stark, heftig, geschwind". 
FN. Suindbert: Schwiebert — Schwippert-^ 
umgedeutet: Schweinebart (Preuß 6). 
Suintfrid : Schwiefert. 
Swidger: Schwieger. Patr. A. Schwie- 

gerling. 
(Swithgard): Schwickard — Schwie- 
gert — Schwichert — Schweig- 
hard — Schweickard; Schweikert; 
Schweigert. 
Swidher: Schwinner — Schwieder — 
zsgz. Schwier — Schwidder — 
Schweder — zsgz. Schwehr — 
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244 



Swithal 



Teibel 



zerdehnt Schweier. Gen. Sckwitters 

— Schwere; Sweers (ostfries.). 
Patr. A. Schwering — Sehtoiering. 

(Swindeman) : Schwendemann. 
(Switald): Swithal. 
Eiostämmige Kürzung Swinth-. 

Saint: Schwindt — Schwinn — 
Schwend — Schwenn — Schwiede 

— Schwitte — Schwidde. Gen. 
Schwedes — Swidden (ostfries.); 
Schwidden. Fair. k. Schwieding — 
Schwenning. Patr. Zss. Schwenn- 
sen (Schleswig). 

Vklf.(k): Schwindtke—Schwincke 

— Schwendicke — Schweife — 
Sehweik. 

Zweistämmige Kürzung Swinthm-. 
(Swimo): Schweim. 
8withal s. Swinth (V.). 
Sy 8. Sig (einst K.). 
Syb- s. Sig (V.). 
Sydieom s. Siehdichum. 
Symons s. Simon. 



T. 

Tab-, Tabb- s. Dag (V.). 
Tack- 8. Dag (einst K.). 
Tadd- 8. Dad. 

Tag-, Tag- s. Dag (V., einst K.). 
Tag III. Personen -Namen von der Zeit herge- 
nommen, bes. von Zeit und Umstanden der 
Geburt. 

FN. Unter den Wochentagen bes. häufig 
Sonntag („Sonntagskinder") und Frey- 
tag (als Christi Todestag frommen Eltern 
vorzugsweis merkwürdig, daher auch FN. 
Charfreytag) — viel seltener die übrigen : 
Montag. Mittwoch. Donnerstag. Sonn- 
abend. (In Beriin fand sich 1867 der 
N. Sonntag 28 mal, Freytag 24 mal, da- 
gegen Montag nur 8 mal, Sonnabend nur 
4 mal). Außerdem Mittag. Ostertag. 
Tttgener s. Thegan. 
Tagge s. Dag (einst. K.). 
Tttgliehsbeek III. „der ein Tägliches backt '^ 

(s. Beck). 
Tarn- s. Thanc. 

Tandler III. „Händler mit alten Sachen, 
Trödler" (süddeutsch, z. B. in München). 



Tang-, Tank- s. Thanc. 

Tann III. ahd. tanna, mhd.diu tanne „ Tanne *% 
der tan „Wald "; bei neuerenDicbtei-n (Uhland) 
noch jetzt Tann = Wald. Daher ON. Tann, 

- tann. 

FN. Tann. v. der Tann. 
Ableitung auf -er (oberd.): Tanner, 
Oitxentanner. 
Tanz- 8. Thanc. 
Tapken s. Thiud (zweist. K.). 
Tapp- s. Dag (V., einst. K.). 
Tfisehler s. Taschner. 

Taschner III. „Taschenmacher" (früher ein 
„Taschnergäßlein" in Nürnberg). 
FN. Taschner — lUschner — Däschner. 
Auch Taschler, Taschler und Däschler. 
Talje s. Dad. 
Tanb- s. Thiud (V.). 

Tanbe IQ. Bild der Unschuld und Friedlich- 
keit (Noah's T. mit dem Olblatt; auch die 
entweichende Seele der Märtyrer hat oft 
nach der Legende die Gestalt einer Taube) 

— nach Matth. 3, 16 Sinnbild des h. Gei- 
stes. Daher spielt die Taube eine Rolle in 
der Symbolik des Mittelalters, wo die weiße 
T. auf Johannes den Täufer, die purpurne 
auf Christum gedeutet wird, der sein Blut 
für die Menschheit vergoß. Die Taube als 
Hauszeichen S. 60. 

FN. Taube. Zss. Ringeltaube. 

Tanseher ni. mhd. tüschaere „ Händler ^^ (s. 
Roßteusoher). 
FN. Tauscher — Tsuscher. 

Tansendfreund UI. s. Freund (bedeutet hier 
„tausend *' eine Verstärkung, etwa wie „Tau- 
sendschön"?). Auch Siebenfreund findet 
sich als FN. 

Tante s. Thiud (einst K.). 

Tawartmann s. Dag. 

Tebben s. Thiud (zweist K.). 

Tebeding s. Thiud (V.). 

Ted- s. Thiud (V., einst. K.). 

Teetz s. Thiud (einst. K.). 

Tegeler III. Klemp. Tegheler, niederd. = 
„ Ziegler *', Ziegelbrenner. 

Tegen s. Thegan. 

Teget = Zehnt, in Zss. wie Tegeipferd^ 
Tegethof — Tegetmeyer (s. Meier). 

Tegge s. Dag (einst K.). 

Teibel s. Thiud (zweist K.). 



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Teich 



Thal 



245 



Teich m. mhd. tich, alts. dik der „Teich". 
In maDnigfachen OrtsbezeichnuDgen , bes. 
ia der niederd. F. dieck (dick) in Nordwest - 
Deutschland (wie es auch in Münster eine 
„Dieckstraße" gibt). 
FN. ten Dyck. tom Dieck. 
Beberdieck (Biberteich). Buddendieck. 
Düsterdieck. Fahldick (Fohlen-). Flafa- 
dieck. Gräfendick, Kastendykf Gasten- 
dyck (0. Kastendick). Kranendick. Bu- 
tendieck (hamburg. Inseln) — halbver- 
hochd. Butenteich, Mohrdieck, -dick 
(0. Moordeich, -diek). Mönkendieck. 
Oberdieck; Överdieck; Averdieck{^\x^m). 
Papendieck. Schapdtck, Schäferdick. 
Schweckendiek. 
Ableitung auf -er (westf.): Niendiecker. 
Papendiecker, Pappendieker. 
Teiehert s. Dih. 

Teiehmann III. s. Teich (auch Deichmann). 
Niederd. Dieckmann, im Jeverlande = 
Deichmann. 
Teldel s. Thiud (einst K.). 
Telmer s. Thiud (V.). 
Teipel s. Thiud (V.). 
Teirieh s. Dag (V.). 
Telgrenhaaer UI. „der Zweige (niederd.,Telgen) 

abhaut *'. 
Tellkampf ÜI. s. Tilgenkamp. 
Temme s. Thiud (zweist. E.). 
Tempel s. Thegan (V.). 
ten, ter III. abgeschwächt aus tom , tor, die 
noch erhalten sind in Tomhrink (Dambrink), 
TombretU (Münster), Thorbecke, Niederd. 
F. für xum, ^ur (w. m. s.) in Ortsbezeich- 
nungen, die dann auf Personen und Fa- 
milien übertragen wurden. 
FN. (bes. häufig in Westfalen und am 
Niederrhein, in der Nähe der holländi- 
schen Grenze): 

Tmbaum. Tenberge; auch Then-Berg. 
ten Brink. Tenbusch. ten Gate und 
ten Doornkaet - Koolman (ostfries.). Ten- 
dahl. ten Dyck, Tendyck (^zum Teiche"). 
Tenhagen. Tenholt („zum Holze"), ten 
Hompel, ten Winkel, 

Terbeck (zum Bache; niederd. de beke). 
Terbruggen; Terbrüggen, Terfloth. Ter- 
gast („Geest "). Terhardt („zum Gebilde "). 
Terhoffstedde, Terhorst. Terlinden. 



TermöUen (Kr. Tecklenburg) ; ter Meuten 
(Gronau, Landdrostei Hildesheim, vgl. 
hochd. Zurmühlen). Tersteegen. Ter- 
voort („zu der Furt"). Auffallend mit 
Wechsel des Geschlechtes: ter Meer, ter 
Stein. — Teröverst. 
Tenke, Tentzel s. Thanc. 
Ter s. ten — doch ter Nedden s. Tomedden. 
Tet- s. Thiud (V.). 
Tett- 8. Thiud (V., einst. K.). 
Tetz- s. Thiud (einst. K.). 
Teub- s. Thiud (V.). 

Teufel a) s. Thiud (Theudobald) b) III. aus 

dem Kirchenlatein diabolus (griech. Sidßolog) 

„Beschuldiger, Verlästerer" (der Menschen 

bei Gott, s. Hieb Kap. 1. 2); schon ins 

Gotische aufgenommen als diabaulus, ahd. 

tiufal, mhd. tiufel. Vgl. Fahland. 

FN. („der Tuvel", Appo dictus Diabolus 

Schweiz, bei Bacm.) Teufel, Teuffei. 

Niederd. Düwel. Keinbert genannt Düvel, 

diabolus 1307 (Lipp. Reg.). 

Häufig in Zss. (Satz-N. S. 52) Haschen- 
teufel. Jagenteufel; Ja^eteuffel. Schla- 
genteufel. — Niederd. Bietendüwel aus 
Bitdendüwel. Schietenduivel. — Man- 
teuffel. Niederd. Dusendtüfel. 
Tenfelskind III. aus dem 15. Jahrh. von 
Vilmar angeführt, vermutlich Abkömmling 
einer „Hexe". 
Teufert s. Thiud (V.). 
Tenseher s. Tauscher. 
Teuth s. Thiud (einst. K.). 
Teatloff s. Thiud (V.). 
Tentzel s. Tliiud (einst. K.). 
Tews s. Matthäus. 
Textor HI. Latinisierung von Weber. 

FN. Textor; Texter; Textorius. 
Thad- s. Dad. 

Thal ni. ahd. mhd. tal, alts. dal — in ON. 
seit dem 8. Jh. ziemlich häufig. Heutzu- 
tage ist die Zahl der mit diesem Grund- 
worte bezeichneten teils wirklichen Täler, 
teils bewohnten Örter unendlich groß: 
a) hochd. -thal b) niederd. -dahl; die 
Kürze des a hat sich erhalten in den fast 
ausschließlich niederösterreichischen N. auf 
c) -tßuül. 

FN. 1) von Bhim^ithdl. Engelthal. von 
Lilienthal. Rosenthal (88 mal ON. 



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246 



-thall 



Thiud 



Rud.)- Id jüdischen FN. häufig 
bloßer Phantasie -N. (S. 66): Veil- 
ckenthal. Lewintkal. 

2) Boltendahl (halb verhochdeutscht 
Bolxendahl), Heidendahl. Oden- 
dahl. Rosendahl. Wischendahl; 
Wiesendahl, 

3) von Derenihall. 
Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) Engelthaler. Retnthaler. (Auch 
die Joachimsthaler, abgekürzt ^Ta- 
ler'', gehören bekanntlich hierher). 
Tschurtschenthaler. Mit Umlaut 
Lichtenthäler. 

2) Thaller, Haidenthaller. Kirch- 
thaller, Wurmsthaller, 

-thaU, -thaller s. Thal. 
Thammsen s. Thanc (zweist. E.). 
THANC I. got thagks, ahd. danch, thanc, 
mhd. dank „Denken, Gedanke". Vgl. hug. 
FN. Dankhart: Dankeri; Dancker — 
Denkert. Patr. A. Tangerding. 
Thancheri: Danker — Detiker, 
Tancraar, Tammar: Vklf. (1) Tammerl. 
Dankwart: Dankwart; Dankwerth; 
Danktcorth. 
Einstämmige Kürzung Dank-. 

Danko: Danko; Dank — Tanke — 
Denk — Tenke. 

Vklf. (1) Danchilo: Danckel — 
Denket (Danckelmann) — Dengel 
(z) Danzo: Danx — Tanx. {z-\-\)\ 
Denxel — Tentxel. Patr. A. (südd.) 
Denxler. 
Zweistämmige Kürzung Dankm-. 

Tammo (Stark S. 115): Tamme — 
Da?fim. Gen. Tams; Tammen — 
Tammena (ostfries.). Patr. A. 
Tajnminga (ostfries.). Patr. Zss. 
Tham7?tsen. 
Vklf. (k): Dayncke — Tamke, 
That- 8. Thiud (V., einst. K.). 
Thäte s. Thiud (einst. K.). 
Thed- s. Thiud (einst. K.). 
Thees- s. Matthäus. 

THEOAN I. ahd. degan, thegan, mhd. degen, 
angels. thegn „Degen'' d. i. junger Held. 
FN. Theganbald: Tempel (PiQwiWl). 
Theganger: Deiniger. 



Theganhard: Degenhard — Dein' 

hardt; Deinert — Theinhardt; 

Theinert — Dähnhardt (s. Stark 

S. 50); Dähnert — Dennhardt; 

Demiert — Dienhart. 
Theganhar: Degener; Degner (bei 

Klemp. VN.) — Tägener — Theiner 

— Dehner, 
Deganolt: Degenhold. 
Einstämmige Kürzung Degan-. 

Thegan, Degano: Degen — Tegen — 

Dein — Thein — Dehne. 



Vklf. (1 + n): Deinlein. 
Denecke. 



(k): 



Theile s. Thiud (einst. K.). 

Thein- s. Thegan. 

Theis s. a) I. Dag (einst. K.) b) 11. Matthias. 

Thel- s. Thiud (einst. K.). 

Themar, Theo- s. Thiud (V.). 

Thesen s. Matthäus. 

Thener, Theorlch s. Diur. 

Thewald s. Thiud (V.). 

Thewes s. Matthäus. 

Thias s. Matthias. 

Thie s. Thiud (einst K.). 

Thiebes s. Thiud (zweist. K.). 

Thieden, Thiel- s. Thiud (einst. K.). 

Thiem- s. Thiud (einst., zweist. K.). 

Thier- s. Diur. , 

Thies s. Matthias. 

Thilo s. Thiud (einst. K.). 

Thimmo s. Thiud (zweist K.). 

THTOD I. got. thiuda, ahd. diot, mhd. diet 
„Volk" — seit dem 2. Jh. v. Chr. in PN.: 
Teutobod, der Teutonenfürst im Cimbem- 
und Tentonenkriege. In den mannigfaltig- 
sten FF. auftretend, indem durch Ausfall 
des i die begleitenden Selbstlaute als allein- 
stehende Stammvokale erscheinen. 
FN. Theudobald: Tiedebohl — Tietböhl 

— Diebold; Diepolt; Diebel — 7^- 
pold — Dippoldt; Dippel — Tip- 
pold — Tippelt — Theobald; Theo- 
pold — Debald; Debold — Tobald; 

Tohold; Topel — Döbold; Döpel 

— Taubald — Deubold; Deubel 

— Dübel — Däuwel — Tmffel — 
Deybaldt; Deibel — Teipel. Gen. 
Tiebels. Patr. A. Tebeding. 



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Thiud 



Thiud 



247 



Theudebert : Tiehcr — Dipper — 

Dobert — Dubbert — Tauber echt; 

Taubert — Teubert; Teuber. Gen. 

Dobers — Dübbers. 
Deotprant: Dttiebrandt — Dibbern — 

Deitbam — Dubbem. 
Theudofrid: Diefert; Diefer — Düfert; 

Düfer — Teufert — Defert. 
Theutegar: Vitger — Tikker (ostfries.). 
Teudhard: Dietert -^ Dütert — Det- 

hart; Detert — Dautert — Daudert. 

Patr. A. Detharding — Dederding, 
Teuthar: Dieter (Dietermann) — 

Deter (Determann) — Teder -n 

Dotter — Dödter — Tödier. Gen. 

Diedcrs — Deiters. Patr. Zss. 

Dedersen. Patr. A. Detering — 

Dettring. Vklf. Dieterle (schwäb.) 

(1 + n) : Dieterlen — Döderlein. 

Patr. A. Teterling. 
Teuthram: Dietram. 
Teutman: Dietmann — Diedemann 

— Tiedetnann — Thiemann — 
Diemann — Ditimann — Tttt^ 
mann — Detmann — Ibttmann 

— Tutmann — Düttmann. 
Thiudemer 4: Diemar; Diemer — 

Thiemer — Dittmar; Dittmer — 
Dettmer — Themar — Teimer. 
Gen. Tiedmers — Dittmer s — 
Dettmers. Patr. A. Detmering — 
Diemerling. 

Theotnand: Denant. 

Theudoricus 1.: Dietrich; Dietreich 

— Diederich — Ditterich — Titt- 
rieh — Dederich — Dereich — 
Deutrich — Deitrich — zsgz. 
Dirk (z.B. Dirck, Graf von Hol- 
land 984 — neben Diederich). 
Gen. Diederichs — Dieterichs 
(latinis. Dieterici) — Dierks; Dier- 
ken — Dirks — Dierickx — Derix 

— TJarks (fries.). Patr. A. Dier- 
king. Patr. Zss. Diederichsen — 
Dirksen. 

Theudoald: Dicthold — Diedelt — 
Ditwald — Diewald — Dewald — 
Theuald. Gen. Dedolx. 

Thiotvic: Dietwig. 

Teuduin: Dewin. 



Theudulf : Didolff; Diedloff — Tiet- 
loff — Dittlof— Dedolph — Dett- 
loff; Dettlef — zsgz. Delff — 
Dötloif — Deudeloff — Teutloff — 
zsgz. Tülf. Gen. Dethlefs —- zsgz. 
Delfs — Dethelecen (ostfries.). Patr. 
Zss. Detlef sen. 
Einstämmige Kürzung Thiud-. 

Tiuto, Dieto, Dudo usw. (in mehr als 
50 altdeutschen FF. bei Förstemann). 
Diede — Dieth — Tiede — Titho — 
Ditt — Thie (Stark S. 38) — Thye 

— Dede — Thede — Thäte — 
Detto — Dode — Dodt — Thode 

— Tohte; Todt — Thute — Dudde 

— Thutt — Daude — Taute — 
Deut — Theut. Gen. (doch auch 
zu Teudin 8.): Thieden; Tiedens 

— Thyen — Dities — Diddefi — 
Tidden — Tedden — Doden — 
Duden — Tuhten — Dudden — 
Tfaden (ostfries.). — Plur. Tydena 
(ostfries.). Patr. A. Dütting. (Gen.) 
Thedinga (ostfries.). 

Vklf. (i): Thedy — Dudey. (1) 
Theudila: Dietel; Dietle — Diedel 

— Titel — Dittel — Tittel — 
Dedel — Dodel — Deitel — Teidel. 
Mit Ausstoßung des T- Lautes 
Thilos.: Dihle - Thilo; Thiele 
(Thielmann) — Tillo; Tille; Till 
(Tillmann) — Thele (Thelemann) 

— Thöle — Thüle — Theile — 
Deyhl — Düly — Tilly, Gen. 
Detels — Dielen — Thielen — 
Tillmanns — Thelefi — Tholen. 
Patr. A. Tcttli7ig — Tiling. (l + n) 
Teudolin: Dietlein. (1 + k): Thie- 
licke; Tielke — Tölke. Patr. A. 
Thielking; Tielker (früher Tylekink 
Preuß 19). (k) Theodicho: Tiedge 

— Diko — Tieck — Ticke - Te- 
dicke — Dedich — Detje — Docke 

— Thoke — Duttke — Tütge. — 
Gen. Tiedken — Tietjens (ostfries.) 

— Dicken — Ditges — Decken — 
Dectjen — Diix (=-■ Ducks Preuß 14). 
Plur. Dikena (ostfries.). — (k + n) : 
Didtchen — Deutchen, (k + l): 
Tickel (z) Theuzo: Dietxe (Dielx- 



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248 



Thiu 



Tikker 



mann); Dietscke — Tieiz; Tietsch 

— Dietschi (scliweiz.j — Ditx; 
Difs — Titxe; Titsch — DeeH — 
Teetx — Deitx,; Deifs — Deufs; 
Deutsch. Gen. Tietxen. Unorgan. 
Zss. Dietxer; Dietxold, (z + 1): 
Dietxel; Diefsl — Teutxel — Tetxel. 
(z + k) Thieziko: Titxk — Tetxke 
^Dutschke. (z+l+k): Dietxelke. 

Zweistämmige Kürzung Thiudb-. 

(Tiebo): Tiebe — Dippe — Tibbe — 
Topp — Dopp — Toppe — Dubbe 

— Tubbe. Gen. Thtebes — Tebben 
{Tebbenjohanns Oldenh.) - Toben. 
Patr. A. Depping. 

Vklf. (1): Z>t€6e/ — Dippel — 
Ttpjoe/ — Topel — Döbel (s. auch 
Theodebald) — Deubel — Z>et6c/ 

— Teibel. Gen. Tic^»«/«. Patr. A. 
Döbbding. (1 + n) : Debbelin — 

Döbbelin. (k) : Tiebeck — Dipke — 
Döbbecke. Gen. Tapken — Töpken. 
Zweistämmige Kürzung Tliiudm-. 

Timo: Dieme — Thieme — Thimmo; 
Tiynme; Timm — Temme. Gen. 
Tiems. 

Vklf. (l) Dimmel — Timmel. 
(k) : Diemke — Thietnich — Timke. 
THIU I god. thius „Diener", ahd. mhd. diu. 
FN. Dioman: Thiemann. 
Diomuod: Demuth. 
Auslautend 80 mal (Forst): 
-dei: Hemdei. 
-they: Parthey. 
Thode, Thöle, Tholen s. Thiud (einst. K.). 
Thoiii- s. Thomas. 

Thomas IL hebr. „der Zwilling '^ — der 
Apostel (Kai. 21. Dec). 
FN. Thomas, Ihomafs — latinis. Tho- 
masius — Thoma; Thome; Thom. Gen. 
(lat.) Thomae — deutsch Thoms (was 
aber auch zusammengezogener Nom. = 
Thomas sein kann). Patr. A. Thomaser 
(Saarlouis). Patr. Zss. Tomassen — 
Thofussen. 

Vklf. (k): Thömsgen. 
Thomer s. Dom. 
Thormann III. „Torwächter** (oder einer „der 

im Tore wohnt"?). Latinis. Portius. 
Thörner s. Türmer. 



Thorw^ten s. ter, zu. 

THB AS L got-thras in thrasabalthei „Streitlust" . 
FN. Thi-asolt: TresseU; Tressel — DresseL 

Thadicham HI. Satz-N. „tu dich um". Auch 
Thudium (Ludwigsburg) „ein Betriebsamer" 
(Erbe, Ludwigsburger FN. 1901). 

Thagrat II I. östeiTeichischer Minister unter 
Maria Theresia, urspr. Tb unichtgut (angeblich 
Oberösterreich. Umdeutung des wälsch- 
tirolischen N. Tunicotto Pott S. 39). Als 
er im Staatsdienst zu steigen begonnen, 
änderte die Kaiserin den N. in obiger Weise. 

Thüle s. Thiud (einst. K.). 

Thnm, Thttm- s. Dom. 

THUNAB I. ahd. thonar, donar, mhd. doner 
„Donner", in EN. mit Beziehung auf Donar 
(nord. Thorr), den Gott des Gewitters, der 
mit seinem Hammer, dem Blitz, die Glut- 
riesen verjagt. Donarperht 9. 
FN. Donner. Gen. Donners. 

Thnrm III. in ON., altertüml. Thurn, ahd. 
mhd. turn (aus lat. tunis). 
FN. Thurn. Fürst von Thurn u. Taxis. 
V. Weifsenthum. — Hohenthurm. Lieh- 
tenthum (0. -thurm). 

Thttrmer IlL mhd. turnaere „Turmwächter* 

(noch in Goethes Götz „Thurn" u. „Thürner"). 

FN. Thürmer — Törmer; in älterer F. 

Thumer; Thurnher — Thümer — 

Thömer. 

Thurn, -tham s. Thurm. 

Thurner, Thttrner s. Thürmer. 

Thnte, Thutt s. Thiud (einst. K.). 

Thye s. Thiud (einst. K.). 

Thym s. 1) Dom 2) Thiud (zweist. K.). 

ThjTolf s. Diur. 

TIbbe s. Thiud (zweist. K.). 

Tick-, Tidden s. Thiud (einst. K.). 

TIdebohl s. Thiud (V.). 

TIeb- s. Thiud (V., zweist K.). 

Tieck s. Thiud (einst. K.). 

Tied- s. Thiud (V., einst. K.). 

Tieges s. Matthias. 

TIel- 8. Thiud (einst. K.). 

Tlem- 8. Thiud (V., zweist. K.). 

Tier- s. Diur. 

Tiet- s. Thiud (V., einst. K.). 

Tietsch, Tietz- s. Thiud (einst. K.) 

Tigges s. Matthias. 

Tikker s. Thiud (V.). 



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Tilgenkamp 



Truchseß 



249 



Tilgenkamp III. ,,mit Stecklingen (niederd. 

Teigen) besetztes Feld''. Daraus Tillen- 

kamp — Tellkampf. 
TlUng, TUl- s. Thiud (einst K.). 
Um-, Timm- s. Thiud (z weist K.). 
Timmermann s. Zimmermann. 
Tipp- 8. Thiud (V., zweist K.). 
Tippenhaaer III. 1590: Tubbenhauer (Tabben 

= Zuber). 
Tlroff, Tirold s. Diur. 
Tischer III. mhd. tischer der „Tischler" 

(niederd. noch jetzt „Bischer", im Stolper 

KB. hochd. „tischer" 17. Jh.). 
FN. Tiacher; Tischler — Disekkr. 
Tissen s. Matthias. 
Tit- s. Thiud (V., einst K.). 
TItsfh, Titz- 8. Thiud (einst K.). 
TJaden s. Thiud (einst E.). 
TJarks s. Thiud (V. Dietrich). 
Tob- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Tobabeu III. (hamburg. Inseln) „zu oben". 
Tobel III. „Schlucht". Häufiger ON. in 

Südd. FN. Tobler (Schweiz.). 
Tobias 11. hebr. Tobijja „Güte Jehovah's". 
FN. Tobias — Tobis — Tobey. Patr. A. 
Tob lassen; Tobiesen. 
Tochtermann III. zu den Yerwandtschafts-N. 

(s. Eidam). 
Todt 8. Thiud (einst K.). 
Tödter s. Thiud (V.). 
Tohte, Tölke s. Thiud (einst K). 
Tolkmit III. ON. Tolkemit. 
TSllner s. Zöllner. 
Tom niederd. = zum in N. wie tom Dieek, 

tarn HavCf Tombrink, Tombreul (s. Zu). 
T)(mmel, Tempert s. Dom. 
Ton-, Tön- s. Antonius. 
Top- 8. Thiud (V., zweist K.). 
TSpfer III. jüngere Bildung für Hafner, wel- 
ches schon ahd. hafinftri; vgl. im J. 1482 

topffer = hafoer. 
FN. Töpfer. Töpfner. Niederd. Pötter 
(hell, de Pottere S. 40). Latinis. Figtäus. 
T)(ppe 8. Thiud (zweist. K.). 
Tor- in Zusammens. wie Tormählen (s. ter, 

zu). 
-torf s. Dorf. 

TorlTsteelier, auch Dorfstecher III., bemer- 
kenswert als eigentüml. norddeutscher N. 

(z. B. in Pommern). 



Tornedden III. niederd. 1590: Hans dar 
nedden „dort unten". (Lipp. Reg.). Ab- 
geschwächt ter Nedden — falsch verhochd. 
xur Nedden; Zumieden, 

-torp, -torpf 8. Dorf. 

ToTote III. niederd. „zu Fuß". Gegensatz: 
Hinrek üppenperde 1479. 

Trabant III. „Fußsoldat" („Vothknecht" 
Klempin, diplom. Beitrag S. 626). Aus ital. 
ti-abante, Soldat von der Leibwache der 
deutschen Kaiser (wohl gebildet aus dem 
deutschen „ traben" mit der ital. Endung des 
Part. Präs.). 
FN. Trabant — Drabant. 

Trttger III. ahd. tragäri mhd. trager (Elbing. 
Urk. Michel der treger 1484). 
FN. Trager — Träger — in mehrfachen 
Zss.: Bomträger. Eisenträger, Felgen- 
träger, Flaschenträger, Kreutxträger. 
Mehlträger, 

Tramsmeyer s. Bertram. 

Tran- s. Drud (V., einst K.). 

Traube a) I. s. Drud (zweist K.) b) III. die 
„Traube" — auch N. von Gasthöfen. 

Traxler, Träxler s. Drechsler. 

TremShlen III. niederd. aus ter Möhlen „ zur 
Mühle" (S. 54). 

Tress- s. Thras. 

Treneke, Trengre s. Drud (einst K.). 

Trent- s. Drud (V., einst K.). 

Trinkans III. leichtverständlicher Satz-N. 
zsgz. Trinke, Niederd. Hans Drinkuth 1529 
(Ilsenb.). 

Tripmaker III. niederd. „ Halbsam metweber". 

-troff 8. Dorf. 

Trolf 8. Drud (V.). 

Trolle 8. Drud (einst. K.). 

Trommer s. Trümper. 

Trompeter III. mhd. trumpeter, trummeter 

— vom ital. trombetta, franz. trompette 

„Trompete" (aus ital. tromba). 

FN. Trompetter; Trompeter — Trümpter 

— Trompfer — Trumeter — Drotnmeter. 

-trop s. Dorf. 

Troschel s. Drud (einst K.). 

Trnbe s. Drud (zweist. K.). 

Tmchseß III. ahd. truhtsä:50, mhd. truhsae:5e 
„im Volke sitzender und ihm versitzender 
Gefolgshauptmann", Anführer und Verpfleger 
der Gefolgschaft (truht); später eines der 



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250 



Trade 



Upderworth 



vier großen HoTämter: kameraere, schenke, 
truhsaege (lat. dapifer), marschalc. 
FN. Truchsefs. In mehreren adl. Geschlech- 
tern , die früher ein Erbtnichsessen -Amt 
besessen: Tr.-Waldburg. Tr. von Wel- 
lerswalde. — Mittellat drossatus, woraus 
Droste, Gen. Drosten (drosthe Klemp. 
S. 491 im Sinne von Aufwärter bei 
Tische). 
Tmde, True s. Dnid (einst. K.). 
Trtthl, Trttlle s. Drud (einst K.). 
Trttloff, Tmin- s. Drud (V.). 
Trumet^r s. Trompeter. 
Trümmer, Trttmmer s. a) I. Drud (V.) 

b) lU. Trümper. 
Trttmper III. ahd. trumpari „Trompeter'', vom 
ahd. trumba aus ital. tromba Trompete. 
FN. Trümper; Trümmer — Trümmer — 
Trommer — auch wohl Trümpier — 
Schweiz. Trümpy. 
Trttmpter s. Trompeter. 
-trup s. Dorf. 

Trupel s. Drud (zweist. K.). 
Tmt, Trttter s. Drud (V.). 
Tmtzel 8. Drud (einst. K.). 
Tschad! III. zuerst 1127 Schudi, nach Beckers 
Vermutung schweizerische Umbildung des 
lat. judex „Richter*. 
Tabbe s. Thiud (zweist. K.). 
Tacher III. „Tuchmacher". 
Tuchhändler III. sehr entsprechender jüdi- 
scher FN. 
Tuhten s. Thiud (einst. K.). 
Tttif s. Thiud (V.). 
Talke, Talpraeht s. Duld. 
Tyroler III. in der alten Schreibung = „Ti- 
roler"'. Auch Tyroller. 
Tarn in N. wie Tumbreal, Tumhrincky Tum- 

bülty niederd. (s. Zu). 
Ttttge s. Thiud (ernst. K.). 
Tatmann s. Thiud (V.). 
Twlete III. auch Tweete. niederd. „Durch- 
gang'', bes. zwischen Hecken, in Ticietmeyer. 
Typold 8. Thiud (V.). 
Tyrold s. Diur. 
Tyssen s. Matthias. 

TJ. 

Uckert, Uffcrt, Ufer s. Aud (V.). 
Uhde s. Aud (einst. K.). 



Uhl 8. Othal (V., einst K.). 

Uhlc III. niederd. ^Eule'', in Zss. wie ühlen- 
brauk (Eulenbruch), Uhlenkamp — Uhle- 
meyer. 

Üble' s. Othal (einst K.). 

Uhmeyer III. = Uhdemeyer s. Aud. 

ai^tt in österreichischen N. : JJibel, Viber- 
lacher, Uichirttx v, Steinkirchen u. a. 

Ul-, Uli- s. Othal (V., einst K.). 

-am 8. Heim III. 

Umbrecht, UmMed s. Un. 

Umbsebeiden III. = Unbescheiden ^ vgl 
Waltbergen.Unbezhaiden 1304. Schon mhd. 
angeglichen: um bescheiden, das Gegenteil 
von bescheiden d. i. verständig; rücksichts- 
voll. Verkürzt: ünbescheid — Umseheid, 

UN I. zu ahd. unnan „gönnen, gewähren*. 
FN. Unebert: Umbrecht, 
Unifred: Umfried. 
Einstämmige Kürzung Un-. 
Unno: Uno. Vklf. (k)ünico: Gen. Oneken. 

Unbehaan ni. doch wohl s. v. a. (in dem- 
selben Bilde) „ungehobelt, unpoliert". Üllein 
der Unbehowen 1352. 

-ang I. Patronymika bildend (s. ing): Adelung 
— abgestumpft -ong: Amelong, 

Ungefag III. mhd. ungefüege „ungeschicktes 
aber 'auch „übermäßig groß und stark*'. 
Fridrich Vngevuge 1260. 

Ungeheaer III. mhd. ungehiure „unheimlich, 
häßlich". 

-angen III. in ON., Nebenf. zu ingen. 
FN. V. Bodungen, v, Eauffungen, Mit- 
unter abgekürzt in -ung: Breiiung (0. 
Breitungen). Oerstung (0. Gerstungen). 
Ableitung auf -er: Hagenunger (Baden). 

Ungenannt III. merkwüi-diger N., eig. einen 
Widerspruch in sich selbst enthaltend. 

Unge Witter III. bildlicher N. 

Unglenk III. mhd. ungelenke „ungelenk, 
unbiegsam 'S 

Unkraat III. urspr. Übeiname (Tobler-M.) 

Untledt III. niederd. „Unzeit". 

Unverdorben III. mhd. unverdorben ,, nicht 
unglücklich , erfolgreich ". 

Unverzagt III. mhd. unverzaget ,, unverzagt, 
nicht blöde". 

Upderworth III. niederd. So auch Uppen- 
dahl; Uphoff; Uppenkamp, halbverhochd. 
Uffenkavip, 



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Ur 



Vit2thum 



251 



UR ahd. uro, inhd. ür der „Ur", Auerochs 
(S. 17). ürhart. Urold. 
FN. (Urechalk): UrschaU, 
Einstämmige Kürzung Ur-: 
Uro: Afier — tjhre. 

Vklf. (k) Urico: Vrich. 
Urbanns IL lat. der „Städtische, Höfliche". 

FN. ürban — Orhan. 
ümer IIL „einer aus Uri". 
Utermark III. „ans der Mark". 
UtermShlen III. uiederd. „aus der Mühle". 
Schon Gott. Uß. 1426 ut der Molen, und 
1488 Utermolen. 
Uth-, Utz s. Aud (einst. K.). 
Uulkes 8. Othal (einst. E.). 



(Aussprache dos v: in den rein lateinischen 

"Wörtern Valentinus, Venator, Vincens und 

ihren meisten Ableitungen weich, wie w, in 
allen übrigen hart, wie f.) 

Vaek s. Fag. 

Tadder s. Vater. 

Tagd, Vagedes, Yagrts s. Vogt. 

Tahl s. Fahlen. 

Taland s. Fahland. 

Talentlnas II. lat. Weiterbildung von Valens 

„gesund, kräftig". V.Bischof im 5. Jh. 

FN. Valentin; Vallenthin, Wallentin, 

Gekürzt: Valtin — Veiten (mit hartem 

V., daher auch Feiten). Gen. (lat.) Valen- 

tini. — Veltjes (ostfries.). 

Yaltin s. Valentinus. 

Van niederd. = von, vor Ortsbezeichnungen 
zur Bildung von FN. (s. von). 

Tandenlioeek HI. urspr. van den Hoek (so 
Klopstock in einem Briefe an Bodmer 1749, 
s. Döring, Klopstocks Leben S. 99), vom 
niederd. hoek „Ecke, Ende". Vgl. Huck- 
meyer (= Eckmeyer). 

Yanderbiüek , Vanderburgh u. ähnl. s. unter 
Von. 

Varnbagen III. (spr. Farn-) 0. im Oldenb. 

Vairentrap IIL (zur) „Ochsenspur" (S. 54). 

Vasbender III. „Faßbinder", Bötticher. 

Yaßhaner III. „der Fässer zuhaut", Böttcher. 
— Niederd. Vatheuer. 

Vatebender IIL niederd. = „Faßbinder" (s. 
Binder). 



Vater III. zu den Verwandtschafts -N. 
Niederd. Vadder, Zss. Altvater (Großvater). 
Bestvater. Kindervater, 
Vatheaer s. Vaßhauer. 
Veddcr s. Vetter. 
Vehrens s. Far. 
Tclt s. Wid. 
-Tcldt s. Feld. 
Veiten, Veltjes s. Valentin. 
Venator s. Jäger. 
Vendt 8. Feud. 

Venn m. ahd.fenna, niederd. fenne, nordfries. 

fehn, niederländ.venne, veen„ Sumpf, Moor". 

FN. Van der Venne — ter Vehn (ostfries.) 

Venn. — Inhetveen — Intfen (Mors). — 

Vennekötter. 

Ver- in N. wie Vergeest, Verhoek, Vermöh- 

len, 8. Von. 
Vernaleken III. „Sohn der Frau Aleke" d. i. 
Adelheid (S. 36). Ver abgestumpft aus frou, 
z. B. Vern Jutten grabin „der Frau Jutta 
Graben" 1319. 
Vest- 8. Fast. 

Vetter III. zu den Vorwand tschafts-N. Cunrad 
Vetter 1312. 
FN. Vetter; Votier (Wien). Niederd. Vedder. 
Zss. Heinevetter (s. Hagan). Trautvetter. 
Vklf. Vettern (Schweiz.). 

Vielbert s. Fil. 

VIetmeyer s. Wied (einst. K.). 

Vietor = Faßbender (s. Binder). 

Villmann III. mhd. velleman „Abdecker". 

Vilmar I. ahd. Filomar, „vielborühmt". In 
der richtigen Aussprache lautet der N. nicht 
Wilmar, wie man so häufig hört, sondern 
Fllmar (was der Verf. aus persönlicher 
Kenntnis mehrerer Glieder der Familie des 
bekannten Literarhistorikers bezeugen kann). 

Vincens IL lat. „ der Siegende " ; mit der Wei- 
terbildung Vincentius — der h. Vincentius 
im 5. Jh. 
FN. Vincefis; Vineenx, Winxenx (österr. 
Schreibung). Zsgz. Ventx (Ventze= Vin- 
centius Klemp.), woraus Vklf. Ventxke 
(Fentxke). Gen. Venskens. 

Virchow IIL (spr. Fircho) 0. in Pommern. 

Visser s. Fischer. 

-ritz in Vorpommern s. -witz. 

Vitzthom IIL aus lat. Vicedominus. 



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252 



Vocke 



Votier 



FN. Vicedomini. Vitxthum (Viztum 1311). 
Vitxthum V. Eiekstedt hatte vom Erz- 
bischof von Mainz das Vitztum- Amt über 
Erfurt zu Lehen. 
Vocke s. Fulc (einst. K.). 
Vogrel III. Hermann dict. Vogel 1159. Hans 
der Vogel 1377. 
FN. de Vogel (Düsseid.), Vogel, Vogl 
(Österreich.). Vklf.: Vögeli; Vögelin. 

Zss. Brachvogel. Eisvogel. Orün- 

vogel (nach Bück S.90 aus mhd. krimvogel 

,. Raubvogel*'). Haidvogel. KratUvogel. 

Schreivogel y Schreyvogl (= Schreier, 

Charadrius vociferans Pott). Waldvogel. 

Wildvogel. Ziervogel. 

Vogelmauu III. „Vogler**. Verlat. Omi- 

tander. 

Vogelsangr IH. sehr häufiger ON. „ein 0., 

wo Vögel singen" (bes. Waldgegend). 
Vogrlbeer III. „Vogelbeere'*, die (rote) Beere 
der Eberesche, womit Vögel, insbes. Kram- 
metsvögel, gefangen weixlen. 
Vogler III. ahd. fokaläri, mhd. vogelaore 
„Vogelfönger**. 

FN. Vogeler; Vogler — Vogler. 
Vogrt III. ahd. fokat, fogit, mhd. voget, voit 
aus mittellat vocatus st. advocatus „Schirm- 
herr**; der von demselben eingesetzte Stell- 
vertreter, daher bes. „Statthalter, höherer 
weltlicher Richter**. Gegenwärtig auch Vor- 
steher ländlicher Gemeinden (in Schleswig - 
Holstein, Westfalen). 
FN. Voget; Vogt, Voogd, Voght — auch 
de Vogt (Mors). Zsgz. Voit (wie Magd 
— Maid); Voittis (der Schluß noch vom 
lat. advocatus). 

Aus der Vermengung beider FF. (Vogt 
und Voit) ist die sinnlose Schreibung 
Voigt, Voigdt (mit stummem i) ent- 
standen. 

Niederd. Vagd (Vaget Klemp.). Gen. 
Voigts. Niederd. Vagedes (westf.); 
Vagts. Patr. A. Vögting (Lippe). Vklf. 
(Ij: Voigtel — Vögtlin. 

Zss. Dreisvogt. Hänervogt. Land- 
voigt. Waldvoigt. Slevoigt; Schleevoigt; 
i<chleenroigt. — Voigtmann. 

(Slawisch: Wo Ha; Wogte; Woith — 
Wota — häufig \\i den östlichen Pro- 
vinzen Preußens). 



Vohland s. Fahland. 
Volgrt, Volt s. Vogt. 
Vol- 8. Fulc (V., einst K.). 
Völ- 8. Fulc (V., einst, zweist K.). 
Volland s. Fahland. 

Von vor Ortsbezeichnungen zur Bildung von 
FN. (S. 55, Adelsnamen S. 58). 
Getrennt: von dem Hoff; von dem Busche- 
Streithorst; vom Berge; vom Ende; 
vom Felde; vom Kolke (Wassergmbe) — 
von der Borch; von der Hey den. 
In eins gezogen: Vonscheidt. Vonsiepen. 
Vontobel. — Vondendriesch (neben von 
den Driesch (Brachland). Vomhof. Von- 
derheydt u. Vonderheiden (neben von der 
Heyde). Vonderaa. Vonderbank. Von- 
derforst. Vonderlinden. 

Niederd. van (bes. niederrhein.) : van 
Cleve, auch van Cleef, ran Dyck (Van- 
dyck); van Nuyhs; van Öeldem — 
van den Bergh; van den Wyngaert 
(hell.) — van der Beeck (Bach); van der 
Horst; van der Moolen; van der Venne; 
van der Voer (bell, von der Furt) — 
häufig mit dem Hauptwort in eins ge- 
zogen : Vanderburgh. Vanderbrück. 
Vanderscheid. Vandersee. 

Van der zsgz. in ver: Verbrugghe. 
Verfurth. Vergeest („von der Geest**, 
Gegensatz zu der „Marsch**). Verhoek 
(s. Vandenhoek). Vermählen („von der 
Mühle**). Versteegen. 

Als Entstellungen erscheinen : Wander- 
bank. Wandersee. 
Voogrd s. Vogt. 
Vörg s. Ferg. 

Vor mit Hauptw. u. Art. zur Bildung von ON. 
und FN. Vormbaum. Vormberg. Vort?t- 
schlag. Vormsteifi. Vormweg. — Vorm- 
sand. 

Getrennt: vorm Walde. 
Vombäumeii. 
Vorreiter III. „der füi-stlichen Wagen vor- 
reitet'*. 
FN. Vorreiter; Vorreuter. 
Vorster s. Föi-ster. 
Voß-, VIfeslnr 8. Fuchs. 
Vötter s. Vetter. 



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TVaack 



Wald 



253 



W. 

Waaek s. Wac. 
Waalkes s. Wald I. 

WAC T. ahd. wak „wach", mit der Ableitung 
WAC AR waohar, mhd. wacker, wacher 
„wachsam, munter". 
FN. Wagheri: Wager — Wackermann. 
Wacald: Gen. Wachholix. 
Einstämmige Kürzung Wac-, Wacar-. 
Vaco, Wecho, Wacar: Wake; Waack 
— Wage — Wache — Wecke — 
Wacker, Gen. Weckes; Wex; 
Wecken, Patr. A. Weckering. 

Vklf. (1): Weckerle, (l + n): 
Wecklein — Weckherlin; Weckher- 
len; Weckerlein. 
Auslautend -acker (23 mal Forst.) : Ounn- 
acker. Heinacker. Rothacker. 
Wach- s. Wac. 

Wächter III. ahd. wahtäri, mhd. wahtaere, 
wehter. 

FN. Wächter — Wächter. Zss. Klein- 
Wächter. 
Wadmengrer III. „Kleiderhändler** (mhd. wät). 
Wadsaek UI. mhd. wätsac „Eleisesack, Man- 

telsack". 
Wagr- s. Wac. 

Wagrehais III. Satz-N. „Wago den Hals«, in 
älterer F. Wagenhals (Wagehals auch als 
Apellativ noch in der Sprache). 
Wagenblast III. „wag' einen Zank* (Erbe, FN. 
— vom ahd. mhd. bläst Blasen; Zorn und 
Zank). 
Wagener III. ahd. waginäri, mhd. wagener 
„Verfertiger von Wagen". 
FN. Wagener; Wagner — mit Umlaut 
Wägener; Wegner. 
Wagenknecht UI. „Fuhrmann" (s. Klempin 
Meraorab. S. 624: wagenknechte = vorlüde 
„Fuhrleute"). Selbst Wagenschieber ündet 
sich als FN. 
Wahl- s. 1) Walah 2) Wald (V.). 
Wahn-, Wähnert s. Wahn. 
Wahnsehaffe III. inhd. wänschaffen „unge- 
stalt", auch geistig „verrückt". 
FN. Wahnschaffe — Wannschaffe; Wan- 
schaff. 
Wahn- s.Wan. 
Wahr- s. War (V., einst. K.). 



Wahreuholtz s. Warin (V.). 
Waibel III. ahd.weibil,mhd.weibel „Gerichts- 
bote, Amtsdiener'' (vgl. Schillers Teil 2, 2). 
Waitzmanli s. Wid (einst K.). 
Wake s. Wac. 

WAL L ahd. mhd. wal „Inbegriff der Erschla- 
genen auf der Walstatt" (als der von den 
Walküren, den Dienerinnen Wuotans, für 
Walhalla Erwählten); „Kampfplatz". 
FN. Walahraban, Walaram (Rabe der Wal- 
statt S. 17): Wallrafeuj Wallraven; 
Walrafy Wallraff; Walram. 

Auch in den fF. Namensippen Walah 
und Wald stecken sicher manche Ab- 
leitungen dieses Stammes, die sich aber 
nicht mit Bestimmtheit aussondern lassen. 
Wal- s. 1) Wal 2) Walah 3) Wald (V. 

einst K.). 
WALAH I. ahd. walah, mhd. walch „Frem- 
der, Ausländer" (Name, womit die Deutschen 
ihre keltischen und romanischen Nachbarn 
bezeichneten, jetzt „Wälscher"). 
FN. Walahheri: Walcher — Waller — 
TFaÄ/er. 
Einstämmige Kürzung Walaho: Wohle; 
Wahl. Gen. Wahlen. 

Vklf. (k) Walicho: Walich — 
Wallich — Walch — Walke — 
Welke. Gen. Wallichs — Walkes 
— Welcßtes. 
Walbert s. Wald (V.). 
WALD I. got valdan, ahd. waltan, waldan, 
mhd. walten „walten". In N. einer der 
ältesten (schon seit dem 1. Jh.) und häufig- 
sten Wortstämme. 
FN. Waldobert: Wallbrecht; Walbert; 
Wallber; Walpert — Wollbrecht; 
Wolbert; Wolpert; Wolper (ent- 
stellt Wolbier; Wohlbier) — Wol- 
bert; Wölpert. Gen. Wolbertx; 
Wolpers. Patr. A. Wolperding 
(die mit den Silben Wol-, Wöl- be- 
ginnenden FF. auch zu Wulf). 
Walbodo: Waldpott — Wallpott. 
Waldburga w. : Waldburg — Wallburg. 
Walttag: Woldag — Wohltag. 
Waldifrid: Waltfried — Wallfried. 
Waidegar: Walger. 
Waldhart: Waldhard; Waldert — 
Wöltert — Wohlert; Wöhlert. 



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254 



Wald 



WaUpott 



Waldhar : Walther (Waltermann) ; 
Waldherr; Walthter — Welter — 
Wolter — Wolter — Woller — 
Wohler — Wöhler, Gen. Wolters 

— Wohlers — Wouiers (ostfries.). 
Patr. A. Woltering — Wollring, 
Patr. Zss. Wollersen. 

Waldhelm: Waldhelm. 
Walderamnus : Waldraf — Wallraf 

— Wallramm. 
Waldleih: Wolley. 

Waldman : Waldmann — Woltmann 

— Wohlmann. 

Waldomar: Waldemar — Wahlmar 

— Woldemar — Wollmar; WolU 
mer (s. auch Wulf). 

Waldorad: Wallraih; Wallroth. 
Waldirih: Walderich — Waltreieh 

— Woldrich — Weltrieh. Gen. 
Walrtchs. 

Einstämmige Kürzung Wald-. 

Waldo: Waldo; Walde; Wald — 
Walte — Weide — Weite — 
Wolde — Wolle,— Wohl — Wöll 

— Wohl. Gen.' Walts. Patr. A. 
Wöhling. 

Vklf. (i)Waldi: Welti (schvreiz.). 
(i + n) Waldin: Weiden — Welten. 
(l) Waltila: Wäldele. (k) Waldiko: 
Waltke — Weldtcke; Weidig — 
Wolke — Wöldicke — Wöltge — 
Wöhlke. Geo. Waalkes — Wallen 
(beide fries.). (z) Walzo: Waltz — 
Weltxe-^ Woltxe. (z + 1): Walxel 

— Welxel. 
Auslautend (347 mal Forst.): 

'Wald: Friedewald. Amwaldt. 

-alt: Haynald. 

-al: Lothai. Gen. -als: Reinals. 

'hals: Oöthals. 
'Wold: Friedewold. 
'Old: Arnold. Eckolt. Gen. -olx: 

Macholx. 
'hold: Reinhold. Amholdt. Gen. -holx 

(S. 35): Amholx. Reinholtx. 
-gold: Eckgold. 
'Ott: Dagott. 
-ol: Sandol. 
'lot: Macklot. 
'let: Beriet. Heinleth neheu Heinelt. 



-elt: Rudelt. 
-et: Aimet. Siheth. 
-el: Oerel (= Gerolt s. Stark 167). 
Wald- s.Wald I. (V., einst K.). 
-wald s. a) Wald I. b) Wald lü. 
Wald III. Kaum ist in den deutschen ON. 
irgend ein Begriff durch eine solche Mannig- 
faltigkeit von Ausdrücken vertreten, als der 
von Wald und Busch. „Wald **, schon seit 
dem 7. Jh. nachweisbar, hat sich unter allen 
diesen Ausdrücken am längsten u. allgemein- 
sten erhalten. 1) Wald, -wald 2) Walde., 
-waide (elliptischer Dat Sg., urspr. walda) 
3) niederd. -wold, -wohld, -wolde. 
FN. 1) von Auerswald (0. Auerswalde). 
Eichwald. Qrunwald. Maiwald. 
Osterwald. Schwarxwald. Steiger- 
wald. 

2) Bärwalde. Fürstenwalde. Reck- 
lenwalde. Schwachenwalde (-walde 
in FN. selten, da diese F. dann 
meist in -wald gekürzt ist: Ams- 
wald, Ltickenwaldt aus Amswalde, 
Luckenwalde). 

3) Oronewold. Qrotewohlt (Itzehoe). 
Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) -walder: Finstencalder. Hinter- 
walder. Taugwaldcr. Unierwalder. 

2) -Wälder: Grünewälder. Schwarz - 
Wälder. 

Wald- s. Wald I. 

-wttlder s. Wald III. 

Waldmann a) I. s. Wald I. b) III. mhd. 
waltmann „Einwohnereines Waldes", auch 
„Förster »*. 

Waldstein III. noch blühendes Grafen- 
geschlecht, zu welchem auch Albrecht 
V. Wallenstein gehört. 

Walger s. Wald (V.). 

Walker III. ahd. walkari, mhd. walker der 
„Walker*^, im 16. Jh. noch „Welker**. 
FN. Walker — Weleker. Zss. Hudt- 
walcker. 

Wallb- s. Wald (V.). 

Wallentin s. Valentinus. 

Wallflseh III. wohl urspr. Hauszeichen und 
daher übertragen. 

Wallner III. „einer aus Wallen*. 

Walpert s. Wald (V.). 

WaUpott, -raf, -ram, -rath 8. Wald (Y.). 



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Walser 



War 



255 



Walser III. „Walliser*' (aus dem K. Wallis 
Steub). 

Walt-, Walz- s. Wald (V., einst K.). 
Waltsgrott III. „walte des Gotf (s. Simmer- 
gott). Auch Waltigott 
Wambold, Wamperllng:» s. Wan. 
Wams ni. eiues der gewöhnlicfasten Kleidungs- 
stücke alter Zeit, daher selten als FN. 
WAN l. abd. altsächs. wän, altfries. wen 
„Glanz, Schönheit" — dah. die Götter- 
familie der Yanir, Wanen. 
FN. Wanbold: Wambold. 

Wanibert: Wemper. Gen. Wemmers, 

(Vklf.) Wamperlings. 
Waufrit: Wanfried — Wahnfried. 
Wanegar: Wanger; Wanker — 

Weniger — Wenger; Wenker. 
Wanhard: Wannert — Wähnert. 
(Wanheri): Wanner — Wekner. 
(Wanold): Wähnelt. 
Wanulf: Wannloff. 
Einstämmige Kürzung Wan-. 

Wano: Wahn. Patr. A. Wanning 
— Wening. 

Vklf. (k) Wanicho: Wannicke — 
Wanke — Wenige; Wenig — 
Wenke. (k-f 1): Wengel. 
WAND l. zu der weitverzweigten Wurzel 
„winden", „wenden", „wandern" gehörig; 
doch ist die genauere Beziehung in £N. 
noch nicht genügend erforscht. 
FN. (Wandhart): Wendert. 

Wanther: Wander — Quander. 
Wandemar: Wendemer. 
Wandarich: Wandrey — Wendrich. 
(Wandelt): Wandelt — WendeU. 
Einstämmige Kürzung Wand-. 

Wando: Wände; Wand — Wende; 
Wendt — Quante; Quandt. 

Vklf. (i) Wandi: Wanney. (k): 
Wandike — Wendecke — Wäntig. 
Gen. Weniges (niederrhein.). (z) 
Wanzo, Quanzo: Wem — Quantx. 
(z -f 1): Wenzel — Quentxel — 
Quensell. (z + k) : Wenxge; Wenxig. 
Wand III. im Sinne von „Steinwand, Fels- 
wand". 
FN. auf -er(oberd.): Hafslwamier (Nieder- 
österr.). tSteinwenter ; tSteinwender (0. 
-wand). 



WANBAL I. zum Volksstamme der „Vanda- 
len* — doch ist es vielleicht nur einfache 
Erweiterung des Stammes Wand. 
FN. Wandalarius: Wendeler. 
Einstämmige Kürzung Wandal-. 

Wandalus 5. : Wandel — WendeU — 
Wentel— Quentell. Gen. Wendeh. 
Patr. A. Weüner (= Wendeling 
Preuß 17). 
Wauderbank, Wandersee s. von. 
Wandschneider III. „Gewandschneider". 
WanfHed s. Wan. 

Wangr III. got. vaggs, altd. „Feld, Aue" 
(„gesenkte Fläche" Gatschet, ortsetym. For- 
schungen), vgl. engl. wang. In ON. fast 
ausschließlich süddeutsch: Wang, -wang, 
-Wangen (ahd. wangum Dat. Plur.). 
FN. Haldenwang (württemb.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Wanger. Äxwanger (0. -wang 
Tirolj. Berwanger. Dürrwanger. 
Elltcanger{0.-en). Feuchtwanger. 

2) Beifswenger (0. Beiswang Württ.). 
(iiäwenger. Unterwenger (0. 
-Wangen). 

-wangr, -wanfer s. Wang. 
Wangrer, Wank- s. Wan. 
Wann- s. Wan. 
Wannschaffe s. Wahnschaffe. 
WAR I. 1) zu ahd. waren, mhd. warn 
„wahren" 2) zu got varjan, ahd. warjan, 
ahd. waijan, mhd. wern „wehren" 3) ahd. 
mhd. war „wahr"*. 
FN. Warfrid: Gen. Wehrfritx. 
Warger: Werger; Werker. 
Werigo? : Warkos. 
Warlaicus : Warlich — Wahrlich — 

Werlich. 
Waraman: Wehrtnann — Wörmann. 
Warimund: Wahrmund. 
Warrant: Warmuth — Wertnuth — 

zsgz. Wärmt — Wärrnpt. 
(Warwig): Warwig; Waruei. 
(Werwin): Werwein. 
Waraulf: Werlauff. 
Einstämmige Kürzung War-. 

Waro, Wero: Ware — Werr — 
Wehre. Gen. Werres — Wehrs-, 
Weeren. 



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256 



Ward 



Weer- 



Vklf. (i): Werry — Wehrt; 
Werey. (1): Werle — Wehrle — 
Wörle — Ouerle. Patr. A. War- 
ling — Werling. (1 + n) Wara- 
lenus: Wehrlein, (k): Wahrig — 
Wehrig — Quer che (Ouericke). 
Gen. PFerr?^ (Osnabr.). 
WARD 1. got. vards, ahd. warto, mhd. warte 
„Hüter, Wart*^. 

FN. Wartman: Wartmann — WorUnann, 
(Wartold): Warthold; Warthol. 
Einstämmige Kürzung Ward-. 

Warto: Warth. Patr. A. Warting. 
VkJf. (1): Wardel. (k): Wartig. 
Auslautend (137 mal Försi): 
-wart: Eerwart. Ahlwardt. 
-wart: Markwort. Danktcorth. 
'toerth: Dankicerth. 
WAKiy I. 1) Erweiterung von War 2) zum 
Volksnamen der Wariner. 
FN. Warinbold : Wamebold — Warmbold 

— zsgz. Warmbt. — Wärmpt. — 
Wehrenbold. 

Werinperaht: Wehrenbrecht. 

Warinfrid: Wamefried. 

Warengar : Warnsger — Wemiger — 

Wehringer. 
Werinhard: Wemhart; Wernert; 

Wemeth (Baden) — zsgz. Wemdt. 

Gen. Wamders (ostfries.). 
Warinheri: Wamherr; Warner — 

Wemher; Wemherr; Werner 

(Wemermann) — Wömhör; Wör- 

ner. Gen. Wamers. 
Werinolt: Gen. Wahrenholtx — Warn- 

holtx. 
Einstämmige Kürzung Warin-. 

Warin: Wern — Wöm. Gen. Wams. 

Patr. A. Waming — Weming. 
Vklf. (i): Wemy. (1): Wemdl; 

Wemdla (München) — Wömle, 

Wröndel. (1 + n): Wemlein. 

(k): Wamicke — Wernicke; 

Wemigk. Gen. Wamekes; Wamken 

— Warrentjes; Warntjen (beide 
ostfr.). Patr. A. Wertieking (ent- 
stellt Warnkönig), (z) : Wernx — 
Wörnx. (z -f 1) Wezil (Stark 93 = 
Werinhard, aber auchWerinhari 94) : 
Wetxel; Wessel. 



Warkos, Warl- s. War. 
Warm- s. 1) War (V.) 2) Warin (V.). 
Wärmpt s. 1) War 2) Warin (V.). 
Warn- s. Warin (V., einst. K.). 
Wamevo^ aus Werneke Vogt (Preuß S. 30). 
Warren^es s. Warin (einst. K.). 
Wart- s. Ward. 

T, Wartensleben III. Stammort Warsleben, 
f ruber Wardensleben, in^Sachsen. (Adelslex.) 
Wasgrehtsdlehan III. (Mähren 1703) Satz-N. 
Wasser III. ahd. wa?ar, altsächs. watar. In 
ON. ' wassert - water. 
FN. Altwasser. Bomwasser, Kaltwasser. 
(Auch FN. WaierfaU.) 
Wast- 8. Sebastianus. 

Waterbecker III. nied. „der mit Wasser backt". 
Wayant s. Wig (Part.). 
WaydeUn s. Wid (einst. K.). 
Waypold s. Wig (V.). 
Weber lü. mhd. webaere. 

FN. Weber (häufig). — Zss. Dünnweber. 
Leinweber; Linneweber. Bosenweber. 
Schamweber. Vestweber. Wollenweber; 
Wollweber; Widlenweber; WüHen- 
weber. Niederd. Wever. Gen. Wewers 
(Meppen). 
Webert, Weehmar s. Wig (V.). 
Weck- s. Wac. 

Weekesser ni. Spottname — ob, wie Vilmar 
will, für Reformierte, die sich beim h. Abend- 
mahle nicht der Oblaten, sondern der Wecken 
bedienen, bleibe dahingestellt 
Wed- s. Wid (V., einst. K.). 
Wedd- s. Wid (einst. K.), 
-wcdde s. Wede. 

Wede III. ziemlich sicher zu ahd. witu, mhd. 
wite Holz d. i. „Wald*. In ON. -wede, 
auch wohl -wied, wieden. 
FN. Eichwede. von Holwede. Martcede. 
Schmalwede. Scliwanewede — Brick- 
wedde. 
Wedel lU. ungewisser Bed. (ahd.widil Sumpf?) 
— heutzutage in etwa 30 bewohnten örtem. 
FN. Wedel, von Wedell. Burgwedd. 
Hollwedel. Krautwedel. Marwedel. Saltx- 
wedd; auch noch in der ursprünglichen 
niederd. F. Soltwedd (Hamb.). Stein- 
wedd. 
Weege s. Wid (einst. K.). 
Weer- s. 1) War (einst K.) 2) Wig (V). 



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Weg 



Weißpfennig 



257 



Weg ni. got. vig8, ahd. weg, mhd. wec, in 

ON. seit dem 8. Jh. — nicht bloß für Wege, 

sondern auch fär bewohnte örter. 

FN. Breitweg, Feldweg. Hohlweg; HolU 

weg (0. Hollwege) — niederd. HoM- 

weg. Nieweg, Steinweg (amerikanisiert 

Steinway in Neu -York). Vieweg, 

Zoüweg. 

Ableitung auf -er (oberd.): 
HoUenweger. Kirchweger („der am 
Kirchwege wohnt" Pott). Riitweger, 
Sachaenweger. Viehweger. Zoll' 
weger. 
Weg' 8. Wig (V., einst. K.). 
Wegner s. Wagner. 

Wek- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (einst. K.). 
Wehl s. Wil. 
Weimer s. Wan. 
Wehr- s. War (V., einst. K.). 
Wehrenbold, -brecht s. Warin (V.). 
Wehrenpfennig ÜI. Satz-N. ,, wahre den 
Pfennig*', ein Pfennigfuchser; vgl. Hüde- 
pennig (Bremer WB.). 
Wehringer s. Warin (V.). 
Wehrmann a) I. s. War b) III. mhd. wer- 

maon „Gewährsmann*. 
Wehrmelster UI. „Aufseher eines Wehres**. 
Weib- s. Wig (V., zweist. K.). 
Weibezahl III. „Wedelschwanz", ahd. weibon, 
mhd. weihen „schwanken**, mhd. weibezogelen 
„mit dem Schweife wedeln**. 
Weibezahn m. „Wackelzahn'*. 
Weich-, Weick- s. Wig (V., einst. K.). 
Weid- s. Wid (V., einst. K.). 
Weidemann, Weidmann a) I. Wid b) III. 

mhd. weideman (S.40). 
Welg- s. Wig (V., einst. K., Particip) — 

doch 
Weigang s. Wid. 
Weihbreeht s. Wig (V.). 
Weihnacht III. einer der „ zu Weihnacht ge- 
boren*'. 
Weik- s. Wig (V., einst. K.). 
Weiland s. Wig (V., eins. K.). 
Weiler III. ahd. wil&ri, mhd. wiler „einzelnes 
Gehöft; kleines, aus wenigen Gehöften be- 
stehendes Dorf*'. In ON. außeroi-dontlich 
häufig im Südwesten Deutschlands von der 
Schweiz bis nordwärts nach Köln und Aachen. 
FN. Weiler. Ahrweiler. Derichsweiler. 
Heintze, Deutsche Familiennamen. 2. Anil. 



Dettweilvr. Eschweiler, Kunxweiler, 
Lindweiler. Mönchweiler. Seheidweiler. 
Trierweiler. 

(In manchen Fällen ist -weiler auch 
oberd. Ableitung von ON. auf weil: 
Freudweiler (0. -weil). Rothweiler vom 
0. Rothweil in Baden.) 

Schweiz. Nebenf. -wyl: von WcUten» 
wyl, Beriswyl (romanis., Freiburg). 
Qöechwiel (Baden, neben 0. Gösch weiler). 
Weiling s. Wig (einst K.). 
Weimann s. Wig (V.). 
Wein- s. Win (V., einst K.) — doch 

Weinand s. Wig. 
-wein s. a) I. Win (Trautwein) b) m. Wein 
in ON. (Reitwein) c) III. Wein als Getränk 
(Sauerwein j Mengewein). 
Wein III. in ON. wohl zu got vinja, ahd. 
winne „Weide**. 
FN. Reitwein. Schlettwein. 
Wein III. als Getränk in einigen Zss., die 
jedoch meist zweifelhaft sind, da hier bes. 
das altd. Win stark hereingreift (S. 47). 
FN. Altwein. Gutwein. Kühlwein. Lauter- 
wein. Mengewein. Sauerwein. 

Weinbrenner III. Branntweinbrenner (Marb. 

Gewerbe - Verz. „ Weinprenner **). 
Weinmann a) I. s. Win b) III. mhd. winman 

„Weinbauer; Weinschenk** („Weinhändler**, 

im ältesten Beriiner Stadtbuche von 1397). 
Weinstock III. z. T. wohl durch Häuser-N. 

vermittelt, wie auch Weintraub, vgl. Gast- 
hof „zur Traube**. Wienstruek niederd. 

(Weinstrauch). 
Weinzierl III. (bayr.) ahd. wlnzuril (aus lat 

vinitor) „Winzer** (Fröhner Karlsruher 

Namenb. S. 21). 
Weippert, Wcirich s. Wig (V). 
Weis- s. Wis. 
Weiß a) s. Wid und Wig (einst K.) b) IH. 

der „Weiße** d. i. Weißhaarige (Hellblonde). 

Vgl. Weißhaar. 

FN. Weifse; Weifs. Niederd. de Witt 
(Kleve); Witte. 
Weißermel m. s. Ermel (= „Müller**?). 
Weißgerber III. mhd. wl:5gerber der „das 

Leder weiß gar bereitet**. 
Weißpfennig III. „weißer Pfennig**, eine 

Silber- Scheidemünze (seit 1360, lat albus). 

Niederd. Wittpenning. 

17 



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258 



Weit 



Wid 



Weit- s. Wid (V., einst K.). 

Weltz- s. 1) Wid (eiast. K.) 2) Wig (einst. 
K.). 

Welehes s. Walah. 

Weleker s. Walker. 

Weld- 8. Wald (V., einst K.). 

Welke 8. 1) Walch 2) Wald. 

Well- s. Wil (V., einst K.), 

Welser III. „einer aus Wels'^ (Berühmtes 
Patrizier -Geschlecht in Augsburg im 16. Jh). 

Wels-, Welz- s. Wald (V., einst K.). 

Wemmer, Wemper s. Wan. 

Wcnd- s. 1) Wand 2) Winid. 

Wendel- s. Wandal. 

Wendemiitli III. 8atz-N. „der seinen Sinn 
leicht ändert". 

-Wender s. Wand III. 

WendlAnd lU. „einer aus dem Wendlande" 
(Wendenlande). 

Wengrer s. Wan. 

-wenger s. Wang. 

Wenig s. Wan. 

Wenk- 8. Wan. 

Wenndrich s. Wand I. 

Wentel- s. Wandal. 

-wenter s. Wand in. 

Wenljes s. Wand I. 

Wenz- s. Wand. 

Wepoid s. Wig (V.). 

Weppner III. mhd. waepenaere, weppener 
„Gewaffneter, Schildknappe". 

Wer- s. War (V., einst K.). 

Werd- 8. Wird. 

Werder s. a) I. Wird b) III. Wei-th. 

Wem- s. Warin (V., einst K.). 

Werr- s. War (einst K.). 

Werth- 8. Wird. 

Werth in. ahd. wand, mhd. wert (von war- 
jan, schützen, wehren), erhöhtes, gegen 
Übei-schwemmung gesichertes Land in Flüs- 
sen oder zwischen Sümpfen, auch Im oder 
am Meere: „Wert, Insel". Schon seit dem 
8. Jh. in einer nicht geringen Zahl ON. — 
jetzt besonders in den FF. -werth , -wörth, 
'tcorth; - werden j worden. Neuere F. 
- Werder. 

FN. (bes. in Nordw.-D.) 1) ai^'m Werth. 
Mühlwerth. Xeuwerth; niederd. A"tßtt;cr/Ä. 
Peterwerth. Rottewerth. Schöniperth. — 



Berensehwerdt (neben Behrenswerth — 
Münster). HesseUchwerth (st. Hesseis- 
werth „Eiland des Hezilo'* Steub S. 152 
— wie Ermschwerd a.d. Werra ausErmes- 
wert „Insel des Ermo " s. Andresen Volks- 
etym. S. 52). So auch wohl Kockschwerdt 
aus Eockswerth. 

2) Eggenwörth. Kleineding wörth. 

3) V. Allwörden. 

4) Werder (Fridericus de insula 1172. 
Drübecker Urk.). Von Bischofswerder. 

Wessel s. Warin (einst K.). 
Wesseler III. niederd. = Wechsler. 
WEST I. ahd. westan, mhd. westen. 

FN. (einstämmig): West. 
WESTAR I. Erweiterung des Stammes West 
(Wistremar. Westargos). 
FN. (Westerman): Westermann. 
(Westerih): Westerich. 
Einstämmige Kürzung Westar-: Patr. A. 
Westerling. 
Wester III. althd. westar, mhd. wester „west- 
wärts, im Westen*', in mehreren Zss. wie: 
Westermeyer, - mitlies. 
Westermlllles s. Aemilius. 
Westphal III. ein „Westfale". Auch West- 

fehling. 
Weit- 8. Wid (einst K.). 
Wetter III. in mehreren Zss.: Bösewetter. 
Brausewetter. Faulwetter. KiMioetter. 
Schönwetter — wohl mit Bezug auf Cha- 
rakter und vorherrschende Stimmung, wie 
man von jemand sagt, es sei „bei ihm Gut- 
wettcr, Schlechtwetter", er sehe aus „wie 
acht Tage Regenwetter** u. ähnL 
Dagegen Kiesewetter imperat. 
Wetzel s. Waiin (einst. K.). 
Weyer, Wewer s. Weber. 
Wex s. Wac. 
Wey- andere Schreibung st Wei- s. Wig (V., 

einst K.). 
Wlard- s. Wig (V.)." 
Wib- s. Wig (V., zweistK.). 
Wich-, Wick- s. Wig (V., einst K.). 
WID I. 1) got. vidus, ahd. widu, witu, mhd. 
wite „Wald" (noch im engl, wood vom 
angeis. vudu). 
2) wit „weit". 
FiN. Witbald: Wütbold. 
Widbert: Weitbrecht. 



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Wiese. 



259 



Witbrannus: Witbrandt. 
Widpuro w.: Widebttrg. 
Widukind: Widekmd — Widdekind 

— Wittekind — Wedekind — Weh- 
kmd. 

Widugaog: Wittgang — Wiegang — 
Weigang, 

Witgar: Widiger — Wediger, 

Withard: WiUkard — Weidert, 

Withar: Witter — Wieder (Wieder- 
mann) — Wieter — Weder (We- 
dermann). Gen. Wieders — Wie- 
ters, 

Withelm: Widkalm. 

Widolaic: Weidelieh — Weitlieh — 
Wedlick, 

Widimao: Widmann — Wittmann 

— Wiedemann — Wiedamann; 
Widnmann (Münohen) — Weide- 
mann; Weidmann — Weitmann 

— Wedemann. 

Widiomar: Widmer^Wittmar;Wiit- 

mer — Wedemar, 
(Widimod): WiedemtUh, 
Witirih: Wittrich — Wietrieh, 
Widald: Witold; Witholdt— Wiede- 
wald. Gwi. WiUholix — Wieiholtx. 
Einstämmige Eürzung Wid-. 

Wido, Wito: Witte — Wiede — 
Weide — Weithe — Wede — 
Quidde — ( Vieth u. Veit durch Ver- 
mittlung des latinis. Vitus). Oen. 
Witts. Patr. A. Wüting — Wie- 
ding — Wieting. 

Vklf. (1): Wittel — Weidet; 
Weidle. (l + n) Widulin: Wayde- 
lin; Weidlin. Patr. A. Wittling 

— Wiedling — Weitling. Gen. 
Wiälings (Kempen), (k) Widuco: 
Widdig — Wiiieke; Wittge; 
Wütig — Wieddicke — Weitig; 
Weitke — Wedigo (Wedig als VN. 
noch in d. Familie v. d. Osten); 
Wedeke; Wedige — Weege 
(Preuß 26) — Wettke. Gen. Wit- 
liehen — Weddigen — Wedigen 

— Wettken — Wietjes (ostfries.). 
Patr. A. Wedeking, (z) Witiza, 
Wizo: Wielxe — Weitxe (Waitx- 
mann) — Wyfs (Weifs). (z+1): 



Witxel— Weiixel. (z+k): Wietxke 
(Witzke VN. Klemp.). 
WIBAR I. Erweiterung von Wid. 

FN. Widarolt: Wiederhold y Wiederholt. 
Widd- s. Wid (V., einst. K.). 
Wldemarker III. entstellt in Widemarkter 
„der für d. Holzmark (witu) zu sorgen hai^^ 
Widmer a) I. s. Wid b) mhd. widemer der 
Bauer, welcher „den Widum (ahd. widum, 
mhd. wideme) d. i. das Eirchengut bebautes 
FN. Widmer; Wittmer — auch Wimmer 
(Heinrich der Wimmer 1294 Bacm.). 
Wieb- s. Wig (V., zweist. K.). 
Wieeh-, Wfeck- s. Wig (V., einst K.). 
Wicd- s. 1) Wid (V., einst. K.) 2) Widar. 
Wiede III. niederd. „Weide" in Wiedefn)- 

kamp, Wiedebuseh. 
Wieg- 8. 1) Wid (V.) 2) Wig (V.. einst. K.). 
Wiegelmesser UL deutl. Gerät- N. (S. 44). 
Wieb- s. 1) Wig (einst. K.) 2) Wil (einst K.). 
Wielimeyer HI. 1597: Kord tor Wedeme 

(Preuß 33). 
Wiehn s. Win (einst. K.). 
Wielt- s. Wig (V., einst K.). 
Wiel- 1) Wig (V.) 2) Wil (V., einst K.). 
Wiem- s. Wig (V., zweist. K.). 
Wien- s. 1) Wig (V.) 2) Win (V., einst. K.). 
Wiener III. schon im 14. Jh. (S. 56 Anm.). 
Wiep-, Wier- s. Wig (V.). 
Wies- s. Wis. 

Wiesand III. ahd. wisant, mhd. wisent 
^Büffelochso*, noch im Nibelungenliede er- 
wähnt Wiesend. 
Wiesbanm III. mhd. wisboum, ein Baum, der 
oben auf den Heuwagen gelegt, zur Befesti- 
gung des Heues dient. Auch Heubaum. 
Wiese m. ahd. wisa, mhd. wise. Niederd. 
Wische — in zsgs. Flur- u. Dorfnamen. 
FN. Binnetcies. Deppenwiese. — Wiese- 
meyer. Niederd. von der Wisch. Deipen- 
ufiseh. Feldwisch. Oosewisch. Lang- 
wisch; Langewiesche, Meyerwisch 
(westf.). Rethwiseh. — Wischmann. 
Wischemeyer. 
Ableitung auf -er: 

1) -fTMJÄer (oberd.): Breitwieser. Filx- 

wieser (0. -wies). Gmeinwieser. 
Hohenwieser. Königswieser. Mayr- 
wieser. Traununeser. 

2) -Wischer (westf.): Sudwischer. 



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260 



Wieswell 



Wig 



WiMwell ni. Satz-N. „wie es welle (wolle)" 

d. i. geh es, wie e» wolle (S. 52). • 
Wießnerlll. I)„einerau8 Wiesen" (O.öömal), 
Wießen (Imal) 2) ahd. wi^iDäri „Büttel, 
Scharfrichter". 
Wiet- 8. Wid (V., einst K.). 
Wietz- s. Wid (einst. K.). 
WIG I. ahd. wig, wie, inhd. wie „Kampf". 
(Mischt sich mit wih Heiligtum und wid 
Wald.) 

FN. Wigibald: Wtckbold — Wiebold — 

Wibbelt — Waypold — Wepold. 

Wigberht: Wtepreeht; Wiebraeht; 

Wiepert; Wieber — Wipprecht; 

Wippert — Weypreeht; Weih- 

brecht; Weibert; Weippert — 

Webert, Gen. Wiegberts — Wie- 

bers — Wibets (ostfries.). 

Wigbrand: Wippem. 

Wighard: Wigard — Wiehert — 

Wiggert — Wickardt — Wichardt 

— Weighardt; Weigardt — Weikert 

— Weichhardt; Weichart; Wei- 
ehert — Wegert. Gen. Wiegartx 

— Wickerts — Wiards (ostfries.) 

— Wierds (Wierdsma). Gen.Plur. 
(ostfries.) Wiarda; Wyerda — 
Weyerda — Weerda. 

Wigheri (im Zusammenfluß mit Wig- 
gar) : Wieger — Wiecker — Wig- 
ger — Wicher — Weiger — Weger 

— Weyer (Weyermann). Gen. 
Wiegers — Wiggers — Wichers 

— Weichers — Weyers — Wiers 

— Weers, Patr. A. Wigering. 
Patr. Zss. Weyerssen — Weerssen 
(beide ostfries.). 

Wichraban: Wychgram — Wygram. 
Wigleip: Wiegleb — Wielepp — 

Weylepp. 
Wigland: Wiegland — Wieland — 

Weiland. 
Wigman: Wiegmann — Wigmann 

— Wiechmann — Wiemann — 
Weichmann — Weiekhmann — 
Weimann — Wegmann. 

Wigmar: Wiemar; Wiemer — Wech- 

mar. Gen. Wiemers. 
Wigmunt: Wiegmund — Wegemund. 



Wigimuot: Wiemuth, 

Wignand: Wienand (Quinand) — 
Weinand. Gen. Winands — Wey- 
nands. — Weinandy (Luxemb.). 
Aus Wignant wohl entstellt Weiek- 
genannt (8t Petersburg). 

Wigirich: Wegerich — Weirich. 

Wigold: Wieehelt^ Weygold; W^ei- 
gelt; Weigt — Weiehold; Weich- 
hold — Weyold. 

(Wigwart:) Wegwerth. 
Einstämmige Kürzung Wig-. 

Wigo, Wicco, Wego: Wieck — Wigge 
— Wicke — Wiche — Weig — 
Weicke — Weiche — Wey — 
Wego; Wege — Wehke. Gen. 
Wieken — Weiks — Weyen. 
Patr. A. Wigering. 

Vklf. (1) Wigilo: Wiegel (Wieget- 
mann) — Wiechel — Weigel; 
Weigele (schwäb.) — Weichet — 
Wegel — Weyel — Wiehle. Gen. 
Wiegels.FsLtr. A. Weiling. (1 + n) : 
Wicklein — Weigelin — Wege- 
lein — Weichlein, (z) Wegezo, 
Wizo: Witxe; Wü% — Weitx 
(Weifs). (z + 1): Wixel; Wiix- 
sehet, (z+k): Witxke^ Weitxke. 
Zweistämmige Kürzung Wigb-. 

Wibo, Wippo (Staik 118, aber auch 
zu Wid und Wil) : Wiebe — Wippo 
(Münster). Gen. Wieben. 

Vklf. (1): Wibel — Wippel — 
Weibl. Gen. Wiebels — Weibels. 
(1 + n) Wibelin: Weiblen. (k): 
Wiebecke — Wippich. Patr. A. 
Wiebeking. 

Partizipiale Bildung: Wigand (der 
,iKämpfende*') ; Wiegeni — Wei- 
gand; Weigend — Weiandy 
Wayant. 
Zweistämmige Kürzung Wigm-. 

Wimo. Vklf. (k): Wiemken (jever- 

länd.). 
Auslautend (69 mal Forst): 

-toig: Hartteig. 

-wich: Hartwich. 
WIg III. got veihs, ahd. wich, fries. u. alt- 
säch. wik — entsprachend dem lat vicus. 
Seit dem 7. Jh. in ON.: -wig, -wieky -toeig. 



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Wigg. 



WIN 



261 



FN. Brunswig. Brcvimschvmg, Bardo- 
wieeks, Erkenxtoeig (0. Erkenswiok). Win- 
terschweig (0. Winterawiok). 
Ableitung auf -^ (oberd.): Brmm- 
sekwetger, 
Wigf- 8. Wig (V., einst. K.). 
WIL I. got vi^a, ahd. wi|jo, mhd. wille 
„Wille*. In PN. seit dem 5. Jk nach- 
weisbar. 
FN. Willabald: Willibald, 

Willaperht: Wilbrecht; Willbarth; 
Wilpert '- entsUmWildbret, Gen. 
Wübertx ;Wüber8, Patr. A. WiU 



Wülibrand: Willebrandt; Wil- 

brand. 
Wüliprort: Willebrord. 
Wüiafred: Wilfert; Wilfer, Wil- 

fahrt. 
Williger: Williger; Willeher. 
Willigard: Willgert 
Willihard: Wiüiard; Willard; Wit- 
tert; Willet. Gen. Witts (ostfries.). 

Patr. A. Wiüerding. 
Williaohar: Witter ^Wieler^ Wetter 

(Wettermann). Gen. Wieters, 
Willahalm 8.: Wilhelm; Wilhalm, 

entstellt Witharm (oft Willermus, 

Guiliermus 10. — 11. Jh.) — zsgz. 

Witm — latinis. und im Anlaut 

gekürzt Hetmus. Gen. Wilhelms — 

(lat) Wilhetmi^ in eigentümlicher 

Schreibung Withetmj — Willems; 

Wilmes; Wilms (Witmsmeyer). 

Patr. A. Withelmer. Patr. Zss. 

Wilhetmsen — Wiltemssen — 

Witmsen. 
Willioumo: Willkomm. 
Williman: Wiltmann — Wellmann. 

Gen. Witmanns. 
WiUimar: Wiltemer; Willmar — 

Wellmer, Gen. Witmers. 
WUlimot: WillmtUh. 
Wülirat: Wülrath, Wütradi. 
Willierich: Witrich. 
Wilitanch: Witdang. 
Einstämmige Kürzung Wil-. 

Wilia, Wülo: Wiüe — Wiehte - 

WetU — Weht. Gen. WiUes. 

Patr. A. Witting; Witlink — 



Wieling — WeUing. Gen. Wü- 
tings. 

Vkif. (k): Wüleke; Wütige; 
Wütieh; Wilko; Wilcke. Gen. 
Willkes. (k + n) Wülikin: Wü- 
leken; Wüken. Gen. Witlikens; 
Wilkens. Patr. A. Witkening. (z) 
Willizo: Wittx; Wiltseh. 

Wil-, wm. s. wü. 

WILD I. ahd. wildi, mhd. wilde „wild*. 
Wiltftid, Wilderich. 
FN. Einstämmige Kürzung Wild-. 
Wüto: Wilde; Wildt. 

Vklf. (z) Wildeis; Wüdeisen. 
inidner III. „einer aus Wilden." 
Wimmer s. Widmer. 

YTKS I. ahd. wini, mhd. wine „Freund*. Seit 
dem 5. Jh. 
FN. Winibald: Weinpold. 
Winipreht: Weinbrecht. 
Winidrud: Weintraud, Weintraut. 
Winiger: Winniger — Winiker — 

Winker. 
Winigard: Weingardt. 
Winihart: Wienert — Weinhart; 
Weinardt; Weinert. Gen. Win- 
nertx. 
Winiheri: Wiener — Weiner. Gen. 

Wieners. 
Winileih: Weinlig. 
Winiman: Weinmann. 
Wini mar: Weinmar — Wimmer. 
Winirioh: Wienrieh — Windrich — 

Weinrieh; Weinreich. 
Winevold: Winhotd — Wienholt — 
Weinnotdt; Weinhold. Gen. Wien- 
hottx — Weinhotx. 
Einstämmige Küi-zung Win-. 

Wino, Quino: Winne — Wiehn — 
Quin — Weine; Wein. Gen. 
Winnen — Wiens; Wynen — 
Weinen. Patr. A. Winning. 

Vklf. (1) Winilo: Weinet; Weindt. 
(k) Winicho: Winnich — Winke; 
Winck — Quinke — Winecke; 
Wienig — Weineck; Weinig. 
Gen. Wient/es (ostfries.) — Weinges; 
Weings. (k + o): Winneken — 
Wyneken. (z) Winizo: Wintx — 
Wientx — Weints — Quintx. 



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262 



Winand» 



-witz 



Auslautend (226 mal Forst): 

'tcin: Oerwin — auch -wien ge- 
schrieben. 
-icein: Baldewein. Frowein. Traut- 

wein. 
-bein.'Deutsckbein. Siebein.Widebein, 
Wlnands s Wig (V.). 
Wind- s. Winid. 
Winecke s. Win (einst. K.). 
Winirerter III. mhd. wingartaere, wlngerter 

„Weingärtner". 
Wfnhold s. Win (V.). 

WINID I. haupts. zum Yolksnamen der 
„Winden" oder Wenden. 
FN. Windogast: Wendegast 

Winidhari: Winder ^ Winter, Vklf. 

Wintterltn, 
Winidold: Windhold. Gen. Windholx. 
Winidulf: Windol f. 
Winidisco (adjektivisch): Windiseh 
(häufig in Wien) mit Windiseh- 
mann — Wendisch. 
Eiostämmige Kürzung Winid-. 

Winde; Windt — Wende; Wendt. 
Gen. Winden. 
Winiker s. Win (V.). 
Winke 8. Win (einst. E.). 
Winkel III. ahd. winkil, dem Ausdr.^ Ecke" 
sehr nahe stehend (dasselbe von innen, was 
Ecke von außen angesehen). Jetzt neben 
einfachem Winkel ein paar hundert ON. auf 
-Winkel^ worunter am bekanntesten Kräh- 
winkel. Auch Flur-N. (vgl. u? deme wyn- 
kele. Akener Schöffenbücher). 
TS. Bärwinkel; (bayr.) Berwinkl. Hane- 
winkel. Kaixwinkel. Kornunnkel, von 
Krähwinkel (schon ahd. Chrawinchil, 
von den Krähen). Kramwinkel. Reh- 
winkel. Rufswinkel. Voswinkel. Schade- 
winkel. — Winkelmann. Winkelmeyer. 
Winker s. Win (V.). 
Winkler III. der einen „Winkel" d. i. eine 

Krambude hat, Krämer. 
Winn- s. Win (V,, einst. K.). 
Winter 1) Winidhari (s. winid) 2) PN. Wintar, 
der wenigstens bei Neugart, codex diplom. 
Alamanniae im J. 858, wo Wintar u. Sumar 
Brüder sind , mit Sicherheit zu ahd. wintar 
„Winter" gehört (Forst.). Gen. Winters 
(Mors). In Zss. = Nordseite: Winterkamp, 



Winiterlin s. Winter. 
Wintz s. Win (einst K.). 
Wipp- s. Wig (V., zweist. K.). 
WIRDI. zu gotvairths, ahd. werd „wert". 
FN. Werdher: Werder (Werdermann) — 
WeHher. 
Werd mann: Wirthmann — Werth- 

mann. 
Werdold: Werdelmann. 
(Werdwin): Werthwein, 
Einstämmige Kürzung Wird-. 

Werde: WiHh — Werih, Werdt. 
Gen. Plur. Werda (ostfries.). 

Vklf. (1) (Wirdilo): Wirtele — 
WürdeU—Wilrthle. (k)Werdicho: 
Werdieh. (z) Werzo: Wirx. 
Wirth a) I. s. Wird b) III. der „Wirt" (Ja- 
cob der wirt 1299). 

Zss. AUwirth. Neuwirth. Bierwirih. 
Brinkwirth. Dorfwirth, Kampfwirth (s. 
Kamp III.) Auch wohl Jungwirth; Rosen- 
wirth. Geo. Wirdis, Wirtx (niederrh.). 
Wirthmann, Win s. Wird. 
WI8 1. zu ahd. wisan „weisen", wteo „Führer*', 
wis „weise". 
FN. (Wisigar): Wisger. 

Visichart: Wiesert — Weishardt; 

Weisert. 
Wisman: Wiesmann — Wifsmann 

— Weismann. 
Wisamar: Wiesmer — Wismer. 
Einstämmige Kürzung Wis-. 

Wiso: Wiese — Weise. Gen. Wiesen, 
Patr. A. Wiesing. 

Vklf. (I) Wisili: Wiesel— Weüel. 
(k) Wieseke — Wiske — Weiske. 
Wisch-, -wiseh s. Wiese. 
Wißgrott III. Beteuerungsformel: mhd. wi^^e 

got, wie wi?:5e krist. 
Wißmann s. Wis. (Doch nach Preuß der 

Besitzer des Haupthofes in Wissentmp). 
Wit-, Witt- s. Wid (V., einst K.). 
Wittkop IIT. niederd. „Weißkopf" (s. Kopf). 
Wittkngrellll. einer ^mit weißer Kapuze*(S.46). 
Wittpenningr s. Weißpfennig. 
Witz-, Wizel 8. Wid (einst K.). 
-witz s. -itz, in vielen ON. des ÖstlicheD 
Deutschland und davon abgeleiteten FN. — 
in Vorpommern auch -ri/*, -fitx: Trid- 
delfitz, -vitx. 



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Wod 



Wulf 



263 



WOD I. za got vods wütend, besessen, ahd. 
waotan, mhd. wüeten.,, wüten'* — mit Be- 
ziehung auf Wuotan (S. 13). 
FN. (Wodger): Wiidiger, 

Wodaric: Woderich — Wottrich - 
Wudrieh — Wutirieh, 
Einstämmige Kürzung Wod-. 

Woto: Wode — Wothe — Wöde — 
Wude — Wuthe; Wuth. 

Vklf. (1) Wodal: Wödel (1+n): 
Wöttlin. (k)Wodicho: Wodieke — 
Woikge — Woüke — Wudieke — 
Wuttke — WiUtig, (z) Wuzo: 
Wutxo; Wutx. 
Zweistämmige Kürzung Wodb-. 

Woppo: Wopp. Gen. Wübbena (ost- 
fries.). 

Vklf. (k): Gen. Wöpcken (Jever).' 
WM- 8. Wod. 

Wohl -, Wohl- 8. Walt (V., einst. K.) — doch 
WohUkDinm s. Wulf. 

Wohlgemaih III. zu den von Eigenschaften 
entlehnten N. (S. 48). Hainr. Wolgemut 
1390; entstellt in Wolkmmuth, 
Wohlsfhlegel III. entstellt aus Wollschlegel 

=-, Wollschläger ". 
W9hii- s. Wun. 

Wölb-, WWb- s. l)Wald(V.) 2) Wulf (V.). 

WOLC I. ahd. wolkan, mhd. wölken , Wolke«* 

— in Wolkmar, Wolchanhart u. a. 

FN. Wolchanhart: Wolkenhaar; entstellt 

Wolkenhauer (Fick). 

Einstämmige Kürzung: Wolke; Wolek — 

Wölke (auch zu Wald = Waldiko). 

Wold- 8. Wald (V., einst K.). 

Wtfidieke s. Wald (einst K.). 

Woldgrebe III. „ Aufseher eines Waldes ** s. 
Graf. 

Wolf a) I. s. Wulf — bes. in Zss. wie Ber- 
tcolfj Hertivolfy Streitwolf. 

b) in. vgl. Petrus dictus Lupus 1390 
Köln, ünivers. Matr. — Zss. Weifsenwolf, 
wohl elliptisch ,,zum weiBen Wolf**. 

Als jüdischer N. für Benjamin mit Be- 
ziehung auf den Segen Jacobs 1. Mos. 49, 27. 

Wolf-, W«lf- s. Wulf I. (V., einst K.). 

Wolfehand, Wolüshelm, WolAkehl (Philipps 
Wolfskele 15. Jh.), Wolfbkinn IIL zum 
Teil in dem uralten, heidnischen Glauben 
des Volkes wurzelnd. 



Wölk-, Wölke 8. 1) Wald (einst K.) 2) Wolc. 

Wolker s. Wulf (V.). 

WoU-, W511- s. 1) Wald (V., einst K.) 
2) Wulf (V.). » 

Wollenweber III. älter Wullenweber — 
WüUenweber — entstellt WiUenweber. 

WoUensehlftger III. mhd. woUensleger der 
„durch Schlagen die Wolle reinigt und ver- 
arbeitet*. Auch Wollschläger, Entstellt: 
Wohlschläger, 

Woliner HI. mhd. wollener „Wollbereiter". 
Konradus Lanifex =» Kord WuUner 1306. 
(Lipp. Reg.). Auch Wöllner — WiÜlner. 

Wolp-, Wölp- 8. 1) Wald(V.) 2) Wulf (V.). 

Wolt-, W«lt. 8. Wald (V., einst K.). 

Woltag s. Wulf. 

Woltemate in. niederd. „wohl zu Maße*^ (der 
das rechte Maß zu halten weiß). Auch 
Woldemade; Woldemathe — halbhochd. 
WoUemas, 

Wolzogen III. „wohlgezogen**. 

Weniger s. Wun. 

Wop- s. Wod (z weist. K.). 

Wörn- 8. Warin (V., einst K.). 

Wortmann s. Ward. 

Woth-, Wott-, Wöttiin 8. Wod. 

Woaten s. Wald (V.). 

Wrede III. altsächs. wreth, niederd. wred 
„wild, zornmütig". Hermann der Wrede 
1380. (Lipp. Reg.). Gen. Wreden, 

Wrtfndel s. Warin (einst. K). 

Wflbbena s. Wod (zweist K.). 

Waeherer III. ahd. wuocharari, mhd. wuoche- 
raere, urspr. ohne ungünstigen Nebenbegriff 
(so noch bei Luther, Ev. Luc. 7,41— 42). 

Wud-, Wttdlger s. Wod. 
Wulbinnds s. Wulf (V.). 
Wulf. 8. Wulf (V., einst K.). 
Wlilf . 8. Wulf (einst K.). 
WULF I. got. vulfs, ahd. mhd. wolf , altsächs. 
wulf „Wolf*, das dem Wuotan heilige Tier 
(S. 17). Seit dem 4. Jh. (Vulfila der West- 
goten -Bischof) in EN. nachweisbar, über 
alle deutschen Stämme verbreitet 
FN. Wolf bald: Wolbold, 
Wolbero: Wollenbär. 
Wulfbeit: Wolpert ^ Wölpert, Gen. 
Wolberts; IVolbrigts {osttriea.), Patr. 
A. Wolperdtng. 



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264 



Wülker 



York 



Wolfbrand: WuUbrand^ WoWrand, 

Gen. Wulbranda — Wolbrands, 
Wulfdag: WoUag. 
Wolfging: Wolfgang. 
Wolfker: Wülker — Wolker. 
Wol^rd w.: Wolfgart. 
Vulfhard: Wulffert - Wolffhardt; 

Wolfart (Wohlfahrt); Wolfert; 

Wolfer — Wolfert; Wölfer. Gen. 

Wolferts. 
Vulfhar: Wolfer; Wolfermann — 

Wölfer. Gen. Wolfers. 
Wolfhraban : Wtdfgrom — Wolfram ; 

Wolfgram; Wolfrom; Wolfrum 

— (umgedeutet) Wohlfromm. 
Vulfolaicus: W öl flieh. 
Wulflaib: Wulfleff — WoUeib. 
Vulfrad: Wolfrath, Wolffradt. 
Wolfrun w.: Wolfrun. 
Ulfoard: WöllwaHh. 
Einstämmige Kürzung Wolf-. 
Vulfo: Wulf — Wolff (als Vom. z. B. 

Wulff Pudwils 1453 Pomm. ürk.). 

Gen. Wolfes; Wolfen. Patr. A. 

Wiüfing — Wölfing. 
Vulfin: Wulffen. 

Vklf.(l)Vumia: Wolfd—Wölfel. 

Wölfli (Schweiz.). Patr. A. Wölf- 

ling. (1 + n) Wulfolenus: Wölflin. 

(k)Vulficho: Wülfke. Gen. TTü//- 

ken — Wölfken. 
Auslautend, häufiger als jeder andere 
Stamm '(464 mal Forst): 
'Wolf: Hertwolf 
'Ulf: Kierulff. 
'Olf (olph): Landolph. 
-uf: Dieruf. 
'Of: Margoff. 
-auf: Gangauf (Gangolf). 
'lof: Detilof Osterloff. 
'lauf: Rolauf und Rudiauf neben 

Rudolf, Heidelauf neben Heideloff 

(Heidolf). 
'lef: G'aWe/f(beiKlemp.Gerloff,Ger- 

leff als derselbe N.). 
Wülker, Wüllbrandt s. Wulf (V.). 
Wnllenweber, WUllenweber s. Wollen weber. 
WfiJiner s. Wollner. 
WJTS I. wohl zu ahd. wunna „Wonne ^ 
FN. Vunniger: Wöniger. 



(Wunnihart): Wöhnert. 
Wunnaheri: Wöhner. 
(Wunram): Wunram; Wundram. 
Einstämmige Kürzung Won-. 

Wunno: Wunn — Wüwne. Patr. A. 
Wiiwwng — Wöhning. 
Vklf. (k): Wunnecke^ Wüneke. 
Wonm-, Wfineke, Wttnn s. Won. 
WOrdele s. Wird. 

WURM I. goi vanrms, ahd. mhd. wurm 
„Schlange, Drache". Wurmhart 8. 
Einstämmige Kürzung Wurm-. 
FN. Wurm — Worm. 

Vklf. (1) Patr. A. Würmeling. 
Wurm III. „Wurm, Schlange, Drache". 
FN. von Wurmb; Wurm. 
Zss. Goldtcurm. Käsewurm, Lindwurm. 
Maiwurm. Rufswurfn. 
Wurst III. das deutsche Nationalessen (S. 46). 
FN. Wurst (Hans Wurst 1441). Vklf. 

Würstlin. 
Zss. Blutwurst. Knackwurst. Krautwurst, 
Leberwurst. 
Wurster III. mhd. wurstaere „Wurstmacher". 
Wttrthle s. Wird. 
Wnrzler III. mhd. wurzeler „Ei^utersamm- 

1er". 
Wiith, wattig, Wattrieh, Wntz- s. Wod. 
Wyerda, Wygram s. Wig (V). 
-wyl s. Weiler. 
Wyii- s. Win (einst K.). 



Xander II. s. Alexander. 
Xylander III. lat. Obersetzung von Holtxr 
mann. 

Y. 

Ybelaeker (München) = Übel- s. Acker. 

York — in Binterpommem, etwa eine Meile 
von Bütow, liegt das adelige Gut Groß- 
Gustkow, von früher her unter mehrere 
Familien pommerschen Landadels verteilt 
Eine dieser altkassu bischen Familien waren 
die Jorken oder Jarken, eines der unzäh- 
ligen armen Adelsgeschlechter des slawischen 
Landes. Schon im Beginne des 17. Jahrb., 
im J. 1607, findet man Lehnbriefe der Jorken 
zu Groß-Gustkow — ein Beweis, daß der 
nachmals berühmteste Träger des Namens, 



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Zahn 



Zier 



265 



der Feldmarsch all York von Warten bürg, 
irrte, wenn er behauptete, von dem hoch- 
berühmten englischen Geschlechte der York 
abzustammen; ein Zweig derselben sollte in 
der Mitte des 17. Jh., etwa 1650, erst nach 
Schweden ausgewandert und von dort nach 
Pommeni gekommen sein. 
Yxem III. 0. Ixheim (Bayern). 

z. 

Zabel s. Sabellius. 

ZAC I. got. tahjan „reißen, zerschütteln**. 
FN. Zahheri: Zacher. 
Einstämmige Kürzung Zac-. 

Zacco: Zacke — Zach — Zeche. 
Vklf. (1): Zeckel 
Zaeharias II. hebr. „ Jobova gedenkt*^ 1) ein 
Prophet des A. T. 2) der Vater Johannes 
des Täufers. 

FN. Zachariae — Zacher. 
Zagel III. ahd. mhd. zagel „Schwanz** in 
mehrf. Zss. (die z. T. wohl ON. sind, vgl. 
Hasen zagel). 

FN. Rotterixagel — gew. zsgz. -zahl: 
Hasenxahl. iMmmerxahl. Mäiisexahl. 
Vosxal. Weibexahl. Auch Rübezahl, 
der N. des schlesischen Berggeistes, ge- 
hört hierher, Rüebezagil 1762 = Rüben- 
schwanz. 
-zahl z. Zagel. 

Zahn III. doch wohl nach einem irgendwie 
ungewöhnlichen Zahne, vgl. lat. Deute, 
Dentatus (Pott). 

In mehreren Zss. : Berxahn (-= Eberzahn) ; 
Weibexahn (= Wackel-), vgl. Scharfzahn 
1427 ; — doch nicht hierher gehörig M(dtxany 
welches slawisch. Urspr. ist (wohl von Moltzen 
im Lüneburg, l^edebur, Adelslcxikon). 
Zaiser, Zaitz s. Zeiz. 
Zamel s. Samuel. 
Zander a) I. = Sander s. Sand, b) III. = 

Alexander (VN. Ilsenb. Urk.). 
Zapfe III. „Verzapfer von Getränken**. 
Halbniederd. Zappe; Zapp. 

Zss. Sauerxapf, -xapp „der schlechtes 
(saures) Zeug verzapft". Ülxapf. Wein- 
xapf. 
Zeehe, Zeckel s. Zac. 

Zehender III. „Zehntenerheber** (Appo der 
Zehender 14. Jb.). 



FN. Zehender; Zehntner — Zehnter, 
Zehet -= Zehnt (vgl. Teget) in Zss. wie Zehet- 

hauer, -gruber, -mayr. 
Zeidier ni. ahd. zidaläri, mhd. zidelaere 
„Bienenzüchter**, bes. mit Hinsicht auf die 
früher im Großen betriebene Bienenwirtschaft 
im "Walde. Die Zeidier bildeten eine Ge- 
nossenschaft mit besonderen Satzungen und 
Rechten. Auch Zeitler. 
Zeigrswetter III. Satz-N. „zeige das Wetter 

an**. Vgl. Kiescfcetter, 
Zeis-, Zeiß- s. Zeiz. 

Zeit in. in Zus.: Outtxeit (vgl. franz. Beu- 
te mps). Liebxeit. Neuenxett (elliptisch = 
zur neuen Z.). 
Zeltrogrel in. wohl = Zugvogel. 
ZEIZ 1. ahd. zeiz „anmutig, zart**, altnord. 
teitr „froh** (hei-teitr „kriegesfroh**, Beiname 
Odhins). 

FN. Zeizperc: Zeisberg. 
(Zeizger): Zeisiger. 
Zeizher: Zeifser — Zaiser. 
Zeizman: Zeitxmann. 
Einstämmige Kürzung Zeiz-. 

Zeizo: Zaitx (Zeitxmann) — Zeifse. 
Zeyfs — Zeise. Patr. A. Zeifsing 
— Zcising. 
Zell III. lat. cella, zur Bezeichnung von 
Klöstern angewendet, seit dem 8. Jh. nach- 
weislich in Manegoldescella u. a., einfaches 
Cella schon in demselben Jh. weit verbreitet. 
Jetzt -xell. 
FN. Zelle, von iMtibersxelL 
Ableit. auf -er (oberd.): Zeller. Appen- 
xeller, Finkenxeller. Pfaffenxeller . 
Zembaeh s. Zu. 

Zent^raf III. der einer „Cent d. i. Hundert- 
schaft voi*sitzendo Graf*. Cuntz Zentgreff 
15. Jh. 
FN. Zintgraf — Zinkgreff. 
Zerrleder IH. „zerre das Leder** — Spott -N. 

des Schusters. 
Zeyß s. Zeiz. 

Zick- s. Sig (V., einst. K.). 
Zickendrath lU. Satz-N. „zücke, ziehe den 

Drat**, Spott-N. des Schusters (Vilmar). 
Zlebarth, Zle^ele s. Sig (V). 
Ziel-, Zlehl- s. Zil. 

ZIER I. ahd. ziari, mhd. ziere „zier, schmuck*. 
FN. (Zierold): Zierold — /Aert. 



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266 



Zierfuß 



Zybraodts 



Einstämmige Kürzung Zier-. 

(Ziero): Ziehr (Ziermann). (len. 
Zieren. 

Yklf. (1) -'Zle^'l (1 + n): Zier- 
Icin. (z): Ziereis. 
Zlerfuß 111. „mit zieren d. i. zierlichen, schö- 
nen Füßen*', vom mhd. Eigenschaftsvv. zier. 
ZIL I. alid. mhd. zil „Ziel'', ahd. zilon streben. 
FN. Cilger: Ziekger — Zilger; Ziiker. 
(Zilheri): Zieler. 
Ciliman: ZiUmann. 
(Zilmar): Zillmer. 
Einstämmige Kürzung Zil-. 

ZUo,ZilIo: Zill — Ziehl. Gen. Zilles; 
Zils, Patr. A. Zilling. Patr. Zss. 
Zillessen. 

Verkleinert (k): Ziehlke — 
Zillich. 
Zllias, Zilgres s. Cyriacus. 
Zill- s. Ziel. 
Zimmermann IJI. mhd. zimberman. 

FN. Zimmermann. Gen. Zimmermanns 
(niederrhein.). Niederd. Timmermann. 
Auch Zimmerling findet sich in der- 
selben Bed. sowie Zimmerer. 
ZIndram s. Sind. 
Zinkgreff, Zintgraf s. Zentgraf. 
Zoller III. mhd. zollaere, von zollen „Zoll 
fordern *'. 
FN. Zoller — Zöller. 
Zöllner III. ahd. zollanäri, mhd. zolnaere 
(lat. telonarius). 

FN. Zöllner — Zöllner. Niederd. Töllnrr 
(Klemp. Tolner und Toller). 
Zoons (niederrhein ) holländ. F. ^ deutschem 

Sohns. 
Zu in vielen FN. : Zufelde, Zufafern (ad 
tabornam); doch gewöhnlich mit Artikel: 



xum, xur (niederd. ten, ter). 




FN. Ziimhach; Zembach; halbniederd. 
Zumbeck. Zumbaum; halbniederd. Ztun- 
bohm. Zum Bild (doch wohl Heiligen- 
bild). Zumbrink; niederd. Tombrink* 
Znm Brook (Oldenb., hd. Zumbruch) 
Zumbähl (Baden, = zum Uügel). Zum- 
bnsck. Zum Felde; Zumfeld (vgl. van 
dem Felde, Gott. ÜK. im J. 1371). Zum 
Fleth (Fließ). Zumgrunde. Zmm Hagen. 
Zum Hofe; Zum hoff. Zumholx; halb- 
niederd. Zumholte. Zumkeller. Zum- 
steeg. Zumstein. 

Zurfluh. Zurheide. Zurkaulen (zur 
Grube). ZurmiÜilen. Zurstrafsen, Zur 
Windmühlen (s. über diese und die ver- 
wandten Bildungen S. 54)» Zarbach. 
Zu Rhein III. Freiherr xu Eh. (bayr.) urspr. 
ze Rhyn (innerhalb der Ringmauern von 
Basel am Ufer des Rheines ansässig. Tob- 
1er -Meyer). 

Zucltsehwerdt III. Satz-N. „zücke das 
Schwert'^ Vgl. Cucksswert (Altmarburg, 
Reichel). Auch Zugschtcerdt. 

Znm-, Zur- s. Zu. 

ZUrclier III. = Züricher. 

Znrhelle III. Helle , Hölle „wilde Gegend mit 
Abgründen**. 

Zornieden s. Tomedden. 

Zutafern III. „zur Tabeme". 

Zwilelienbart III. (Zürich) „ der mit doppelt 
gedrehtem Bart'^ (Tobler-M.). 

Zwingly III. nach Stalders Idiotikon aus 
„Zwilling 'S ahd. zwiniling. Vgl. Petrus 
czwilling 1372. 

Zwimer III. von zwirnen = ,, zusammen- 
drehen", der Fäden aus Flachs, Hanf oder 
Seide dreht. 

Zybrandts, Zypreelit s. Sig (V.). 



BerTcTitigungen. 



S. 15, Z. 13 0. lese man den wohl ausge-\^. 50, Z. 2 u. Krumiias. 

rüsteten römisehen. !s. 7G, Z. 21 o. bis ins IS. Jahrh. 

S. 28, Z. 8 u. Marquardns. j S. IIP, Z. 12 o. Böhringer. 

S. 33, Z. 2 0. Vogel zu streichen. | S. 115% Z. 20 o. Karl XI. 



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und der mehr sagenhaften Erzählung sind mit weiser Absicht immer solche Themata 
ausgesucht, welche auf den zu bildenden Charakter der Jugend von bestimmendem Ein- 
fluß sich erweisen können, um Glaube, Treue, iMut, Tatkraft, Gottvortrauen und andere 
edle Tugenden der Christen anschaulich zu machen und unverdorbene Gemüter für die 
Nachoiferung solch hehrer Vorbilder zu erwärmen. Alles irgendwie Irreführende ist 
deshalb sorgfältig ausgeschieden worden, und die besten Antoren kommen überall 
zum Wort. Auch werden mancherlei mehr anekdotenhafte und unverbürgte Züge der 
hergebrachten Geschichtsbehandlung aus den Quellen berichtigt und hier und da ver- 
gessene oder mehr unbekannte Nebenpartieen in das gebührende Licht gesetzt So fügt 
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